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Diverses:Der Tag, an dem ich auf meinen kleinen Neffen aufpassen musste

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Jeder kennt das, man möchte etwas machen, etwas erleben und seinen Spaß haben. Doch man darf es nicht, da es die Eltern/die Freundin/der Freund/Gott oder die Physik (Bitte passendes einfügen) nicht zulassen. Auch ich wurde Opfer eines solchen Schicksalskonstrukts. Meine Eltern zwangen mich, auf meinen kleinen Neffen aufzupassen. Dies ist meine Geschichte:

Die Fahrt

Mein Großvater - Er ist ein echt netter Typ
Ich starre auf die Armaturen meines Alfa Romeo 159. Ich liebe dieses Auto. Ich liebe den quietschenden Fahrersitz, das klappernde Handschuhfach, die undichten Fenster. Ich liebe einfach alles an diesem Auto. Es ist ein Geschenk meines reichen und genialen Großvaters. Es ist mir ein Rätsel warum ihn die Medien, als einen Misanthropen bezeichnen, welcher seine Mitarbeiter ausbeutet. Die kreischende Stimme eines Kindes, meines Neffen, reißt mich aus meinen Gedanken :“Onkel Dagobert, Onkel Dagobert“.

Ich heiße zwar nicht Dagobert, noch benutze ich Frack, Zylinder oder Gehstock, aber wenigstens nennt er mich nicht Telefon oder Salatgurke. Ich steige aus dem Auto und schließe behutsam die Tür, man will ja nichts riskieren, begrüße meine Tante, will meinen kleinen Neffen umarmen und sehe ihn an. Der Schock lähmt mich, ich bin für einige Sekunden außerstande etwas zusagen und kann nicht aufhören auf das Speiseeis in der Hand meines Neffen zustarren. Seine Hände und sein Gesicht sind klebrig und grün, vom Speiseeis, welches unaufhaltsam flüssig wird und auf den Boden tropft.

Ich begrüße meinen Neffen, indem ich im über die Haare streiche, natürlich achte ich auf einen gewissen Abstand, um nicht mit Speiseeis angemalt zu werden und versuche meiner Tante zu erklären, dass Thomas, so heißt mein Neffe, mein Auto nur ohne Speiseeis betreten kann. Das Gespräch läuft so ab.

Ich: Tante Johanna, mein Neffe steigt nicht mit dem Speiseeis in mein neues, teures, italienisches Auto.
Tante: Ach, sei doch nicht so. Lass Thömmchen (Koseform von Thomas) seinen Spaß. Du kennst ihn, wenn er sein Eis nicht fertig essen darf, ist er schlecht gelaunt.
Ich: Wenn er sein Eis essen muss, könnte ich doch hier mit ihm warten, bis er es fertig gegessen hat.
Tante: Nein, kannst du nicht. Es ist August und die Sonne scheint. Du weißt, man kann kleine Kinder nicht in der Sonne lassen. Die bekommen so leicht einen Hitzschlag.
Ich: Ich kann ihn aber auch nicht einsteigen lassen, sonst macht er meine Sitze fleckig.
Tante: Nein, das wird er nicht machen. Steigt ein oder ich sage es deiner Mutter.

Mein Alfa Romeo 159 - Man beachte das wundervolle Design
Resignierend öffne ich die rechte Hintertür meines fast noch jungfräulichen Alfa Romeos uns beobachte mit schmerzverzerrtem Gesicht, wie mein Neffe einsteigt. Meine Tante schnallt ihn auf seinen Kindersitz fest und winkt uns zum Abschied. Ich fahre aus der Ausfahrt, kann aber nichts sehen, denn mir stehen die Tränen in den Augen. Ich habe nämlich den ersten Eisfleck auf meinen schwarzen Ledersitzen gesehen und bin mir sicher, dass er nicht der einzige bleibt.

Um nicht in Tränen auszubrechen, konzentriere ich mich auf das Fahren. Nach einiger Zeit, genauer gesagt 2 Minuten, schweifen meine Gedanken ab. Ich denke an das Autorennen, welches in Kürze beginnt oder an meine Freundin, die mich zu sich nachhause eingeladen hat, um den neuen Whirlpool einzuweihen. Doch stattdessen sitze ich hier und fahre meinen Neffen zu meinem Haus. Ich habe kein Problem mit dem Autofahren, ich liebe es sogar, wenn ich alleine oder mit meiner Freundin fahre. Die Stimme meines Neffen reißt mich aus meinen Gedanken. „Onkel Dagobert, Onkel Dagobert, wann sind wir da?“

Ich krame in meinem Gedächtnis und suche nach einer korrekten Zeitangabe. Da mir aber nur die Formel für die Geschwindigkeit aus dem Physikunterricht einfällt (v=s/t), füge ich in die Formel ein. „Das Formelzeichen s wofür ist es noch schnell eine Abkürzung? Wahrscheinlich für die Zeit. s für Sekunde, das leuchtet ein. v ist die Abkürzung von Weg, denn Weg könnte man theoretisch auch mit v schreiben.

t ist das Kürzel für Geschwindigkeit, warum weiß ich nicht. Ach bin ich genial. Jetzt nur noch einfügen. Es sind noch 35 Kilometer, das bedeutet v ist gleich 35. Ich fahre mit 100 km/h, t ist 100. 35 mal 100 ist gleich 3500. Wir brauchen noch 3500 Stunden, bis wir ankommen. Ich bin ein Genie. Ich habe es geschafft ohne Taschenrechner, eine komplizierte Gleichung zu rechnen. Ich werde ihn Stockholm anrufen und mich für den Nobelpreis bewerben.“ Mit diesem Satz beende ich meinen Gedankengang, blicke in den Rückspiegel, um meinen Neffen zusehen uns sage :“Thomas, in 3500 Stunden sind wir zuhause.“ Sofort weiteten sich die Pupillen meines Neffen.

Ich erkenne mit Entsetzen, dass sich die Augen mit Tränen füllen und dass der Kehlkopf beunruhigend bebt. Auch wenn der Knirps wahrscheinlich nicht bis Hundert zählen kann, so weiß er, dass 3500 Stunden eine Ewigkeit sind. Mit einer Kombinationsgabe, welche die von Sherlock Holmes um Längen übertrifft und einer Coolness, die James Bond vor Neid erblassen lassen würde, erkenne ich den Ernst der Lage und agiere mit einer Kaltblütigkeit und Präzision, welche einen John Rambo wie einen Amateur wirken lässt. „Das war nur ein Scherz. Wenn du wissen willst, wie lange es noch dauert,
Mein Neffe - Ursache meiner Probleme und der Eheprobleme meiner Tante
kannst du das an den manchen Straßenverkehrsschildern ablesen.“

Der Kleine starrt mich mit staunenden Augen an und in mir keimt die Vermutung, dass er mich nicht verstanden hat. Doch da er schweigt, schiebe ich den Gedanken beiseite und denke wieder an meine Freundin und daran was wir im Whirlpool hätten machen können. „Onkel Dagobert ich kann nicht lesen und wann sind wir da?“ jammert Thomas. Wütend schaue ich in den Rückspiegel, um meinen Neffen zusehen und in zu bestrafen, nämlich dafür, dass er meine Sexphanta, äh.., hochkomplexen, philosophischen Gedanken gestört hat. Ich setzte zu einer scharfen Antwort an, doch ich entscheide mich anders.

Mein geniales Gehirn hat eine bessere Lösung ausgearbeitet. Eine Lösung, die die Frage meines Neffen beantwortet und meine Rache befriedigt. „Es dauert noch zehn Minuten, dann sind wir zuhause,“ beantworte ich die Frage meines Neffen und genieße den süßen Geschmack der Rache. Ich habe keine Ahnung wie lange die Fahrt noch dauert und meinen Neffen nur angelogen, aber dieser Knirps wird niemals die Wahrheit erfahren. Wie listig ich doch bin. Nach circa zehn Minuten fragt er: „Wie lange noch?“

Ich antworte: „Nicht mehr lange“. Das ist nicht einmal gelogen. Es sind nur noch knappe 10 Kilometer bis nachhause. Doch ich weiß nicht, ob meine Nerven das aushalten. Ich versuche mich zu entspannen und lege dazu eine selbstgebrannte CD von Leone Lewis in meinen CD-Spieler ein. Doch ich höre nicht die beruhigende Musik, sondern erkenne die Melodie von Highway to Hell von AC/DC. Ich habe das Gefühl, dass mich eine höhere Macht verarschen will. Ich amte tief durch, versuche mich zu entspannen und dem Drang die Dorfkirche anzuzünden zu widerstehen. Hells Bells, ebenfalls von AC/DC, folgt dem Lied Highway to Hell und ich habe große Lust meinen Neffen, der schon wieder fragt, wann wir da sind, hier auszusetzen, nach Rom zufahren und dem Papst höchstpersönlich einen Arschtritt zu verpassen, für die Grausamkeiten die mir Gott antut und die sadistische Schadenfreude, die er dabei empfindet.

Doch nach einer Ewigkeit, genauer gesagt 35 Kilometer Fahrt, sehe ich das Ortschild meiner Heimatstadt Zell am See und damit das Ziel meiner Odyssee. Ich spüre wie die Anspannung von meinem Körper abfällt und sogar der winzige Quälgeist auf der Rückbank schweigt. Ich biege in eine Seitenstraße ab und parke mich vor meinem Haus ein. Freude erfüllt mich, ich steige aus und öffne die rechte Hintertür, damit mein kleiner Neffe ebenfalls aussteigen kann. Er lacht mich an und ich lächle zurück, solange bis ich die Rückbank sehe. Das schwarze Leder ist über und über mit Speiseeis bekleckert und ich hege die Vermutung, dass sich der Knirps seine Hände an meinen Sitzen abgewischt hat. Wie in Trance hebe ich meinen kleinen Neffen aus dem Sitz und setze ihn auf den Gehsteig.

Er lacht dabei und sagt irgendetwas. Was er sagt verstehe ich nicht und es ist auch nicht von Bedeutung. Ich greife in meine Sakkotasche und hole ein Taschentuch hervor. Wie verrückt versuche ich die Speiseeisflecken wegzuwischen. Doch es hilft nichts, die Flecken werden nur größer und klebriger. Resignierend schließe ich die Autotür, Tränen stehen mir in den Augen. Ich wende mich ab, kämpfe die Tränen nieder und gehe zu meinem Haus. Die winzige Inkarnation des Teufels folgt mir und lächelt unschuldig, wie ein Engel. Ich öffne die Haustür und betrete das Gebäude.

Trautes Heim, kein Glück allein

Zell am See - Hier ist der Teufel zu Besuch
Ich ziehe meine Schuhe aus und stürme ins Wohnzimmer um den Fernseher einzuschalten. Mein Neffe kann sich leider seine Schuhe noch nicht ohne Hilfe ausziehen, deshalb starrt er mich mit riesigen Augen an, solang bis ich die Wohnzimmertür schließe. Ich setze mich auf das Ledersofa, das im Wohnzimmer steht und lausche dem himmlischen Klang der Rennwagen. Im Hintergrund vernehme ich das ziellose Tapsen kleiner Füße und das Wimmern meines Neffen. Zufrieden lege ich die Füße hoch und genieße das Gefühl der Genugtuung.

Niemand beschmutzt ungestraft mein neues, teures, italienisches Auto. Die Stimme wird lauter und ich höre kaum noch den Klang der Rennwagen. Das ist zwar tragisch, aber noch erträglich, denke ich und erhöhe die Lautstärke. Doch plötzlich, wie aus dem nichts schreit meine Neffe so schrill und laut, dass ich Angst habe, die Fensterscheiben könnten zerbersten. Mit einem leisen Pfeifen im Ohr richte ich mich auf, wappne mich gegen das schreckliche Bild, welches meinen Neffen schreien lässt und stürze aus dem Wohnzimmer.

Kaum schreite ich durch die Tür, verstummen die Schreie. Mein Neffe starrt mich mit riesigen, feuchten Augen an und sagt: „Onkel Dagobert, Onkel Dagobert, warum bist du ohne mich in das Zimmer gegangen. Ich kann meine Schuhe nicht alleine ausziehen.“ Fieberhaft suche ich nach einer Lösung, ich kann dem kleinen Knirps nicht die Wahrheit sagen, aber Lüge fällt mir keine ein und die würde die Ausgeburt des Teufels vermutlich nicht einmal verstehen. Auf einmal wusste ich was ich antworten kann. Ich blicke tief in die Augen meines Neffen und antworte: „Meine Motive waren rein darwinistischem Ursprungs“. Ich genieße den ratlosen Blick des kleinen Monsters und realisiere voller Stolz, dass ich einen 7 Jährigen ausgetrickst habe, doch plötzlich fragt der Winzling: „Onkel Dagobert, was bedeutet darwistisch, oder so ähnlich?“ Wie süß, der Knirps kann das Wort Darwinismus nicht aussprechen. Ich erwidere: „Deine Mami soll dir erklären, was darwinistisch bedeutet. Aber jetzt müssen wir ins Wohnzimmer sonst verpasst Onkel Dagobert den Start des Autorennens.“

Ich fasse seine Hand, doch es ist zu spät. Aus dem Wohnzimmer höre ich die Stimme des Kommentators: „ Meine Damen und Herren in meine 50 jährigen Karriere habe ich noch nie so etwas erlebt. Dieses Überholmanöver war ... Oh mein Gott, das Auto überschlägt sich und stürzt in die Zuschauer. Es sind unglaubliche Bilder und sie zeigen ein Wunder, der Fahrer steigt unversehrt aus dem Auto und oh nein er stürzt die Treppe runter und bewegt sich nicht mehr-“ Resignierend schlurfe ich ins Wohnzimmer, setzte mich auf das Sofa und helfe meinem Neffen auf das Möbelstück. Fasziniert starre ich auf das brennende Wrack und erkenne, dass ich die wohl coolste Rennszene aller Zeiten verpasst habe.

Kochen "Frei Schnauze" - Der beste Kochkurs aller Zeiten
Selbst die Wiederholung kann mich nicht aufheitern. Frustriert schlage ich auf den Beistelltisch und verfolge gelangweilt das Rennen. Der kleine Knirps sagt etwas, doch es ist unbedeutend. Nichts ist mehr von Bedeutung nach dem ich die coolste Szene des Jahrhunderts verpasst habe. Plötzlich spüre ich wie etwas auf meinen Oberarm einschlägt, drehe mich und starre auf die Ausgeburt des Teufels, welche mich schlägt und immer wieder Onkel Dagobert schreit. „Was ist den?“ frage ich entnervt. Der Winzling hört auf meinen Oberarm zu verprügeln und sagte mit quietschender Stimme: „Onkel Dagobert, Onkel Dagobert, das Fernsehprogramm ist langweilig. Ich will was anderes sehen.“ Ich kratzte meine letzten Reste Geduld zusammen und antworte mit Engelsgleicher Stimme: „Was willst du denn sehen.“

„Ich will Lazytown sehen, bitte, bitte, bitte Onkel Dagobert „ kommt es wie aus der Pistole geschossen. Ich kenne die Serie nicht, bin aber froh nicht mehr das Rennen sehen zu müssen. Ich nehme die Fernbedienung in die Hand und schalte um. Doch ich war nicht vorbereitet auf diesen visuellen Mordanschlag. Eine schreckliche Kulisse und ein miese Handlung, schaffen eine Serie, gegen die Galileo wie Fernsehen bester Qualität wirkt.

Nach fünf Minuten Lazytown habe sich schon die Hälfte meiner Gehirnzellen verabschiedet und ich habe Angst es könnte bleibende Schäden verursachen. Auf einmal sagt mein kleiner Neffe : „Onkel Dagobert, ich habe Hunger. Ich will etwas zu essen.“ Langsam geht mir mein Neffe auf die Nerven. Er will dies, er will das. Meine Tante hätte ihm auch mal bescheidenes Verhalten beibringen können. Doch ich stehe auf, helfe meinen Neffen vom Sofa und gehe mit ihm in die Küche. „Was willst du denn essen?“ frage ich den kleinen Knirps und er antwortet : „Schokolade, Schokolade“ „Hätte ich mir denken können“ sage ich leise und öffne den Kühlschrank. Doch dieser ist bis auf zwei Flaschen Bier und eine Tiefkühllasagne leer und ich kann nicht kochen. Das kleine Monster wird immer lauter und ich versuche mich an den Kochkurs Kochen Frei Schnauze zu erinnern.

War ein klasse Kochkurs, aber ich habe nur gelernt wie man eine Pizza bestellt. „Onkel Dagobert. Ich bin hungrig. Ich will etwas zu essen,“ quengelt mein Neffe. Ich betrachte den kleinen Knirps und sehe mit entsetzten wie sich die Augen mit Wasser füllen. Fieberhaft suche ich nach einer Lösung. Mein Vater hat in seiner Jugend als Koch gearbeitet. Doch er macht momentan eine Geschäftsreise in Thailand und ist seit Tagen nicht erreichbar. Meine Mutter und ich machen uns schon sorgen. Aber das ist jetzt unbedeutend. Der Winzling gibt schon Wimmerlaute von sich und es ist nur eine Frage der Zeit bis diese akustische Atombombe hochgeht. Ich knie mich zu dem kleinen Monster hinunter, blicke ihn seine Augen und sage: „Keine Sorge, Bald bekommst du etwas zu essen.

Ich rufe meine Freundin an und sie wird uns etwas kochen.“ Das Gesicht meines Neffen entspannt sich, er läuft auf mich zu und umarmt mich. Gedankenverloren streiche ich ihm über den Kopf und gehe zum Telefon um meine Freundin anzurufen. Das Gespräch läuft so ab.

Die spanische Brieffreundin

Ich: Hallo Sophie, ich bräuchte deine Hilfe.

Sophie: Das du noch wagst anzurufen, nachdem du mich versetzt hast.

Ich: Ich muss auf meinen Neffen aufpassen, ich konnte-

Sophie: Was für eine billige Ausrede. Ich habe doch gesehen wie du meine spanische Brieffreundin angestarrt hast.

Ich: Das ist keine Ausrede. Mein Kühlschrank ist leer und mein Neffe ist hungrig. Deswegen wollte ich dich fragen, ob du nicht zu uns kommen möchtest und etwas Essen mitbringst.

Sophie: Dann passt du wirklich auf deinen Neffen auf. Wie süß! Mein Freund versucht sich als Amateurvater. Das ist-

Ich: Kommst du oder kommst du nicht?

Sophie: Natürlich komme ich. Ich will deinen Neffen kennen lernen. Ich bin 500 Sekunden bei euch. Möge die Macht mit dir sein.

Verwirrt lege ich das Telefon aus der Hand. Wie kommt meine Freundin auf die Idee, ich und ihre Brieffreundin, welche übrigens auf den kanarischen Inseln wohnt, könnten ein enges, freundschaftliches Verhältnis pflegen. Zugegeben sie ist schon scharf, aber auf Grund von fehlenden Spanischkenntnissen meinerseits konnten wir uns nicht näher kennen lernen. Um die Zeit tot zuschlagen frage ich meinen Neffen: „Thomas, weswegen muss ich eigentlich auf dich aufpassen?“ Der Knirps starrt mich an und antwortet: „Die Familie wollte etwas zusammen machen und ich war noch zu jung um mitzukommen.“ Ich blicke auf die Uhr, noch 470 Sekunden und beschließe die Zeit vor dem Fernseher tot zuschlagen.

Tante Sophie eilt zur Rettung

Gedankenversunken sitze ich auf dem Sofa. Plötzlich reist mich ein Klingen aus diesen. Mein Neffe quietscht wie eine kaputte Badeente, springt auf und stürmt zur Tür. Er schreit: „Onkel Dagobert, Onkel Dagobert, Tante Sophie ist da. Sie ist da.“ Ich brumme etwas Unverständliches, stehe auf, knöpfe mein Hemd zu und hänge das Sakko lässig über die Schulter. Man(n) muss doch gut aussehen, wenn man die
Meine Freundin Sophie - Ich liebe sie wie sonst niemanden
Traumfrau begrüßt. Ich öffne die Tür und werde überschwänglich von meiner Freundin begrüßt. Sie sagt: „Schatz, wie geht es dir? Wie ist es so als Amateurvater? Hast du schon gelesen, dass der Ölpreis gefallen ist?“ Nachdem sich mit zur Genüge mit Fragen bombardiert hat, geht sie in die Knie und begrüßt meinen kleinen Neffen. Dieser sagt mit vergnügter Stimme: „Onkel Dagobert, Onkel Dagobert. Wann bekomme ich etwas zu essen?“

Meine Freundin blickt mich vergnügt an und sagt mit zarter Stimme, bevor ich überhaupt den Mund öffnen konnte : „Gleich mein Kleiner und wenn du brav bist und alles auf isst, bekommst du ein Stück Schokolade.“ Mein Neffe steckt seine Hände in seine Hosentaschen, starrt Sophie mit einem Dackelblick an und nickt leicht. Das erste Mal sieht er aus, wie man sich ein Kind vorstellt, lieb, nett und folgsam. Meine Freundin gibt ihm einen Klaps auf dem Rücken und das kleine Monster sprintet in die Küche. Ich blicke in die blauen Augen meiner Freundin und frage: „Sophie, was gibt es den zu essen? Nachdem der Winzling wegen dem Essen nervte, wurde auch ich hungrig.“ Sie lacht, es ist dieses unbeschwerte sanfte Lachen und antwortet : „Es gibt Wurstsemmeln.“

Aus meinem Lächeln wird ein Grimmasse des Entsetzens. Meine Freundin wollte einmal Köchin werden und immer wenn sie für mich kocht, gibt es Gourmetspeisen wie Lachs in Trüffelsauce oder Hüftsteak mit Annanas-Avocado-Streifen. Doch ich bin hungrig und in diesem Zustand würde ich sogar gedünsteten Brokkoli essen. Hauptsache ich werde satt. Meine Freundin stellt den mitgebrachten Korb in der Küche ab und reicht mir und meinem Neffen eine Wurstsemmel. Während der Winzling sie einfach nur anstarrt, verschlinge ich meine mit nur wenigen bissen. Mit wachsender Besorgnis und steigendem Interesse betrachte ich meinen Neffen, welcher mit Tränen in den Augen sagt: „Tante Sophie, in meiner Semmel ist keine Gurke.

Meine Mutter gibt mir immer eine Gurke in die Wurstsemmel.“ Ich beobachte Sophie und warte auf ihre Antwort. Sie blickt den Knirps liebevoll an und erklärt: „Wenn deine Mutter dir immer eine Gurke in dein Brot gibt, werde ich das natürlich auch machen.“ Sophie greift in den Korb und holt ein Gurkenglas heraus. Die Augen meines Neffen beobachten jeder ihrer Bewegungen. Sie öffnet das Glas routiniert, nimmt eine Essiggurke heraus und legt sie in eine Wurstsemmel, welche sie meinen Neffen reicht.

Er ist sie mit einigen Appetit. Danach bringt in meine Freundin meinen Neffen ins Wohnzimmer, damit er auf dem Sofa ein Nickerchen machen kann. Als sie zurück kommt, fragt sie mich: „Weswegen nennt dich den Neffe eigentlich Dagobert?“ Ich antworte : „Ist ein lange Geschichte. Als mein Neffe 2 Jahre alt war, habe ich ihm eine Dagobert Duck Figur geschenkt. Damit wollte ich symbolischen Reichtum schenken und dieses Geschenk verbindet er so stark mit mir, dass er mich Onkel Dagobert nennt.“ Sophie will etwas sagen, wird aber durch das Klingen der Türglocke unterrochen. Meine Tante und mein Onkel läuteten. Sie wollten Thömmchen abholen.

Ende gut, alles gut?

Ich würde sagen ja. Nachdem mein Neffe abgeholt wurde bin ich einkaufen gegangen und meine Freundin hat für mich ein Hüftsteak mit Annanas-Avocado-Streifen gekocht. Es schmeckte vorzüglich. Mein Vater hat angerufen aus Thailand. Ein Zimmermädchen habe im das Handy gestohlen. Die Speiseeisflecken in den Autositzen habe ich herausgewaschen. Meine Mutter ist momentan in München, sodass ich mit meiner Freundin allein im Haus bin. Doch das wichtigste ist ich habe meinen Neffen, diesen lauten schlecht erzogenen Bengel, ins Herz geschlossen. Er erinnert mich an meine Kindheit.

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