Diverses:Der Ausverkauf

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Ich bin auf dem Weg zum Mode-Markt. Da ist heute nämlich Ausverkauf und meine Frau Linda hat mich dazu verdonnert, ein paar Sonderangebote zu kaufen, weil diese Gelegenheit sich nur selten bietet und die Kinder schon wieder aus ihren Sachen rausgewachsen sind. Während ich mich durch den dichten Straßenverkehr kämpfe, muss ich an die vorangegangene Diskussion mit meiner Frau denken. Es lief ungefähr so ab:

Linda: "Heute ist Ausverkauf."

Ich: "Wo?"

Linda: "Beim Mode-Markt am Stadtrand."

Ich: "Viel Spaß."

Linda: "Was soll das denn bitte heißen?"

Ich: "Das ich dir wünsche, dass du dich beim Ausverkauf gut amüsierst."

Linda: "Nichts da! Diesmal gehst du zu dieser kriegsähnlichen Veranstaltung!"

Ich: "Ich? Nein, danke."

Linda: "Entweder du gehst zum Ausverkauf oder du kaufst zwei einzelne Betten."

Ich: "Willst du deine ehelichen Pflichten vernachlässigen?"

Linda: "Vernachlässigen ist noch milde ausgedrückt."

Ich: "Erpresserin."

Linda: "Weichei."

Jetzt hatte sie es gewagt. Sie hatte meine Ehre angegriffen. Jetzt gab es kein zurück mehr. Entweder riskiere ich mein Leben bei diesem Ausverkauf oder ich muss mir mindestens einen Monat lang den Spitznamen "Weichei" gefallen lassen. Der Gedanke an getrennte Betten und Liebes-Entzug überzeugte mich endgültig. Ich nahm also all meinen Mut zusammen und machte mich auf den Weg. Und hier bin ich nun. Vor mir erhebt sich der Mode-Markt.
Man fühlt die Spannung in der Luft. Das ist kein Einzelhandelsgeschäft mehr, es ist Kriegsgebiet. Ich sehe keine Kunden, sondern Gegner. Oder eher Feinde. Todfeinde trifft es am ehesten. Ich kenne Leute, die wollten nur eine Krawatte kaufen beim Ausverkauf. Farbe egal, Preis auch. Hauptsache reduziert. Ich habe sie nie wieder gesehen.

Aufgrund des großen Andrangs wurden viele schon zugeparkt.
Ich erkämpfe mir einen Parkplatz und steige aus. Der andere Fahrer, der ebenfalls in die Parklücke wollte, aber wegen mir eine Vollbremsung hinlegen musste, kurbelt seine Scheibe runter.

"Sind Sie verrückt? Wollen Sie mich umbringen?" höre ich Ihn rufen.
Ich schaue zu ihm herüber.
"Nein. Aber wenn wir uns im Laden begegnen, kann ich für nichts mehr garantieren."
Der andere Fahrer schaut mich wütend an, dann kurbelt er seine Scheibe wieder hoch und sucht weiter nach einem Parkplatz.
Kurz darauf wühle ich mich durch den Kundenstrom, der, teils hinkend oder kriechend, den Laden verlässt. Manche müssen getragen werde, andere haben nur blaue Flecken und kleine Fleischwunden. Ich betrachte mir die Schar von Kriegsversehrten und muss unweigerlich an die Worte meines Großvaters denken:
"Der zweite Weltkrieg war eine schwere Zeit, aber ein Ausverkauf ist die Hölle. Unerbittlich, grausam und hart. Ich habe schon viel gesehen, aber bei einem Ausverkauf bleibt mir immer noch jedes mal das Herz stehen."
Mein Großvater war übrigens Sanitäter in Berlin und für Amputationen zuständig. Ich erwarte das Schlimmste.
Am Eingang werden die Leute von Mitarbeitern gefilzt. Jede Art von Waffe wird beschlagnahmt. Ich bin mir nicht sicher, aber ich könnte schwören, dass ich gesehen habe, wie ein Maschinengewehr beschlagnahmt wurde. Jetzt bin ich dran. Nachdem mich der Verkäufer gründlich durchsucht und mir viel Glück gewünscht hat, betrete ich den Laden. Vor mir tobt das pure Chaos. Umgeworfene Regale, durchwühlte Fächer und brennende Einkaufswagen soweit das Auge sieht. Von den "Kunden" will ich gar nicht erst anfangen. Entmenschte Monster, die sich wie die Tiere um Socken oder Hosen schlagen. Ich atme tief durch und stürze mich in die Schlacht.
Nahezu unverletzt erreiche ich den Drehständer mit den Kinder-Hosen. Meine Söhne haben ihre schon wieder durchlöchert, also brauche ich mindestens zwei. Vier, wenn ich meine Frau für heute Abend einplanen will. Ich suche in meiner Tasche nach dem Zettel mit den Kleidergrößen, den Linda mir geschrieben hat. Ich lese rasch nach und fange an zu suchen. Als ich gerade eine passende gefunden habe und sie zur näheren Betrachtung von der Stange nehme, greift ein anderer Mann zu.
"Finger weg, die gehört mir!" brüllt er.
"Ich hab sie aber zuerst gesehen!" brülle ich zurück.
Mein Gegenspieler will aber nicht loslassen und zieht mit aller Kraft an der Hose. Ich reagiere blitzschnell und lasse abrupt los. Während der andere stürzt, greife ich mir eine Latzhose in XXL und stürze mich auf ihn. Nach kurzem Gerangel gelingt es mir, meinen Widersacher zu fesseln. Ich greife die Hose und noch ein paar mehr in der gleichen Größe und eile zum nächsten Stand, bevor mein Gegner sich befreien kann.
Nach ein paar Metern und einer kleine Stichwunde, zugefügt durch die scharfen Fingernägel einer zu allem entschlossenen Frau, erreiche ich die Unterwäsche-Abteilung. Auf meiner Liste stehen Strumpfhosen für Linda und Boxer-Shorts für mich. Ich will gerade unter einem umgestürzten Regal nachsehen, ob sich dort eventuell das Gesuchte befindet, als ich aus dem Augenwinkel eine Handtasche kommen sehe. Ich wehre sie schnell mit dem Unterarm ab und muss feststellen, dass die Tasche mindestens fünf Kilo wiegt. Als der nächste Schwinger kommt, weiche ich aus und erkenne die Frau, die mich hier zu erschlagen versucht.
"Sind Sie nicht die Kindergärtnerin meiner Söhne?" frage ich.
"Wir sind hier nicht im Kindergarten! Weg von den Strumpfhosen!" höre ich sie rufen, dann schlägt sie nochmal zu.
Diesmal fange ich die Tasche und entreiße sie ihr. Kurz bevor sie sich ihre Tasche zurückholen kann, öffne ich sie und schleudere sie quer durch den Laden, wobei sie sich komplett entleert. Meine Widersacherin rennt natürlich gleich hinterher, um Ihr Hab und Gut zu retten. Ich erbeute zeitgleich ein Dutzend Boxer-Shorts und Strumpfhosen und setze meine entbehrungsreiche Suche nach Textilien fort.
Als nächstes stehen T-Shirts auf meinem Einkaufszettel. Als ich fast da bin, greift mich ein anderer Mann an und brüllt:
"Turnschuhe! Turnschuhe!!" während er versucht sich an mir festzuklammern.
Ich erkenne gleich, dass er wohl den grauenhaften Bildern, welche sich einem hier überall bieten, nicht standhalten konnte und durchgedreht ist. Ich löse ihn von mir, lasse ihn sich auf einen bereits vollständig geplünderten Tisch legen und decke Ihn mit einem Anorak zu, damit er sich beruhigen kann.
"Nicht jeder ist stark genug für solch einen Ausverkauf. Manche, die es noch nie erlebt haben, denken, das wäre einfach, aber wenn man dann erst mal drin ist, sieht es gleich ganz anders aus. Viele sind dem, was sich einem bei so etwas bietet, einfach nicht gewachsen" denke ich suche weiter nach T-Shirts.
Kurze Zeit später erreiche ich endlich den T-Shirt-Ständer. Als ich ihn durchsuche, höre ich ein Wimmern. Nach kurzem Umsehen entdecke ich hinter den T-Shirts eine junge Frau, die schluchzend sagt:
"Ich schaffe das nicht... Das ist zu schwer für mich... Ich kann nicht mehr..."
Ich betrachte die Frau kurz. Sie ist völlig aufgelöst und sagt immer wieder, dass sie es nicht schaffen wird. Ich beschließe, sie mitzunehmen. Sie wirkt ungefährlich und kann mir tragen helfen.
"Wenn Sie wollen, können Sie mich begleiten. Sie müssen mir aber tragen helfen."
Die Frau blickt zu mir auf. In ihren Augen sehe ich einen leichten Hoffnungsschimmer.
"Wirklich? Sie wollen mir helfen?"
Ich nehme Ihre Hand und helfe ihr auf.
"Ein Ausverkauf ist gefährlich. Wenn wir uns zusammentun, erhöht sich unsere Chance, das hier lebend zu überstehen."
Die junge Frau sieht mich an, zögert und fragt:
"Ich weiß nicht, wo Sie noch hin müssen, aber können wir vielleicht zur Baby-Abteilung gehen? Meine Tochter braucht Strampelanzüge."
Ich überlege kurz. Ich habe alles und bis zur Kasse ist es nicht mehr weit, aber ich weiß, dass diese Frau es allein nicht schaffen wird, und zuhause wartet Ihre Tochter auf sie. Mein Entschluss steht fest. Auch wenn ich mein Leben aufs Spiel setze, wenn ich noch länger in dieser Hölle bleibe, muss ich ihr helfen.
"Folgen Sie mir, zur Baby-Abteilung geht es da hinten lang."
Die junge Frau ist erleichtert:
"Ich danke Ihnen, ohne Sie würde ich das nicht schaffen."
"Nennen Sie mich Johann. Und danken Sie mir erst, wenn wir hier raus sind."
"Ähm, in Ordnung. Mein Name ist übrigens Maria."
Ich nicke stumm, nehme ein paar T-Shirts mit und mache mich mit ihr auf den Weg.
Wir haben leichtes Gepäck und und kommen gut voran, als uns eine Gruppe von Frauen aufhält. Die Anführerin, eine leicht übergewichtige Dame mittleren Alters, fragt uns:
"Was ist in den Einkaufskörben?"
"Kinder-Hosen, Strumpfhosen, Boxer-Shorts und T-Shirts." antworte ich.
Maria sagt, dass sie nur ein paar kurze Röcke dabei hat. Die Frau sieht kurz zu Ihren Begleiterinnen und sagt dann:
"Her mit den Strumpfhosen! Und die Röcke und T-Shirts auch!"
Ich blicke zu Maria. Sie hat Angst in ihren Augen und scheint kurz davor zu sein, aufzugeben. Mir wird klar, dass ich ihr zeigen muss, dass sie mir vertrauen kann, wenn wir das zusammen schaffen wollen.
"Aus dem Weg, Frau, oder ich gehe durch Sie hindurch." sage ich und setzte ein zu allem entschlossenes Gesicht auf.
Die Frauen weichen etwas zurück. Mit Gegenwehr haben sie wohl nicht gerechnet.
"Na, was ist?" sage ich mit noch entschlossenerem Tonfall.
Die Frauen tuscheln kurz und gehen dann beiseite. Maria und ich setzen unseren Weg eilig fort, bevor die Frauen es sich anders überlegen. Nach verhältnismäßig ruhigem Marsch erreichen wir die Baby-Abteilung.

"Wir sind da, mach schnell." sage ich zu Maria, die auch sofort anfängt, zwischen den zerstörten, teilweise brennenden Regal-
Wir möchten an dieser Stelle an die Opfer des letzten Ausverkaufs erinnern.
Ruinen nach Strampelanzügen zu suchen.

Nach einigen Minuten wird sie fündig.
"Ich habe welche!" ruft sie freudig aus.
"Sind es auch genug? Jetzt, wo wir es hierher geschafft haben, solltest du die günstigen Preise auch ausnutzen."
"Ich habe Fünf, mehr brauche ich nicht. Die Kleine wächst eh ununterbrochen, da muss ich sowieso bald wieder größere kaufen."
"Gut, dann gehen wir jetzt zur Kasse." sage ich, während ich mich nach dem besten Weg umsehe.
Da fällt mir plötzlich ein junger Mann auf. Er hält direkt auf uns zu und zieht gerade einen Schal aus seinem Einkaufskorb. Ein Schal ist zwar eher warm als gefährlich, aber an einem Ort wie diesem kann selbst so etwas das Ende bedeuten. Ich überprüfe kurz meine Umgebung auf Abwehrwaffen, kann aber nichts brauchbares entdecken. In letzter Minute habe ich die rettende Idee. Kurz bevor der Angreifer uns erreicht, kippe ich ein Regal um und begrabe ihn darunter. Leider ist das Regal nicht sehr groß, beziehungsweise schwer.
"Das wird Ihn nicht lange aufhalten! Wir sollten besser verschwinden!" rufe ich Maria zu.
Sie nickt und wir laufen los in Richtung Kasse.
Nach einigen Metern höre ich Schreie. Ich sehe mich um, versuche herauszufinden, woher die vielen Schreie kommen. Geschrei kann ein Abzeichen für Gefahr sein, wobei der Geräuschpegel proportinal zur Gefahr steht, kurz gesagt: Je lauter, desto gefährlicher. Während ich versuche, das Geschrei zu Orten, um eine eventuelle Gefahr frühzeitig erkennen und ihr so gut wie möglich ausweichen zu können, höre ich Maria:
"Das Geschrei kommt vom Eingang!" ruft sie.
Sie hat recht. Am Eingang stürmen gerade ein paar Frauen und Männer mit Flammenwerfern aus Feuerzeugen und Haarspray-Dosen den Laden.
"Wir müssen uns beeilen, Maria, mit diesen Feuerteufeln wird die Lage bestimmt endgültig eskalieren!"
"Was wird passieren, wenn sie uns erwischen?" fragt Maria mit ängstlicher Miene.
Ich antworte nicht, sondern deute auf die Kasse. Maria versteht, was ich ihr sagen will. Wir haben keine Zeit mehr zum Reden.
Kurz vor der Kasse stellt sich uns plötzlich ein Mann in den Weg. Ich erkenne ihn sofort. Es ist der, dem ich vor dem Laden den Parkplatz weggeschnappt habe. Er hat ein paar blutige Kratzer im Gesicht und an den Armen, seine Kleidung ist leicht angesengt.
"Der Mann hat wohl einiges durchgemacht," denke ich mir, "aber warum stellt er sich uns in den Weg?"
Der Mann schaut mich mit seinen Irre zuckenden Augen an und sagt:
"Sie! Sie haben mir den Parkplatz geklaut! Wegen Ihnen musste ich noch länger warten und bin dann am Eingang direkt zwischen die Fronten geraten!"
Ich blicke ihn regungslos an, die Augen zu schmalen Schlitzen verengt.
"Im Ausverkauf und in der Liebe ist alles erlaubt." sage ich trocken.
Der Irre schaut mich an. In seinen Augen sehe ich blanken Hass. Dann, urplötzlich, stürmt er auf mich zu und versucht mich in den Schwitzkasten zu nehmen, um mich zu erwürgen. Schnell befreie ich mich und hole zum Gegenschlag aus, als er mir unerwartet seinen Einkaufskorb entgegen schleudert. Es gelingt mir gerade so, den Korb mit der Schulter abzuwehren, als sich mein Gegner schon wieder auf mich stürzt. Diesmal hat er einen langen Schuhlöffel in der Hand und schwingt ihn wie ein Kurzschwert. Ich greife mir schnell auch einen und beginne ein dramatisches Duell mit meinem zu allem entschlossenen Widersacher. Nach einigem Hin und Her gelingt es mir, mein Gegenüber zu entwaffnen und in die Enge zu treiben. Kurz bevor ich mich entscheiden kann, wie ich es am besten beende, entweder per K.O.-Schlag oder durch eine Fesselung, tritt plötzlich die von mir vorhergesagte Eskalation ein.
Nicht weit von uns entfernt taucht einer der Feuerteufel mit seinem selbstgebastelten Flammenwerfer auf. Ich höre ihn und drehe mich kurz um, um nach Maria zu sehen. Das war ein Fehler. Dieser kurze Moment der Unaufmerksamkeit gibt meinem Gegner die Gelegenheit, mich mit einem gezielten Schlag in den Nacken niederzustrecken. Als er sich gerade auf mich stürzen will, wende ich die verbotenste, gemeinste und hinterhältigste Abwehrtechnik an, die auf diesem Planeten bekannt ist. Ich trete mit aller Kraft zu und treffe genau da, wo es wehtut. Einen Schmerzensschrei von sich gebend, sackt mein Kontrahent in sich zusammen. Ich stehe auf, blicke kurz auf meinen Widersacher, der sich am Boden krümmt und sage:
"Ich habe Sie vorhin gewarnt: Wenn wir uns hier drinnen wiedersehen, kann ich für nichts mehr garantieren." mit diesen Worten lasse ich ihn liegen und wende mich Maria zu.
Da muss ich erschreckt feststellen, dass sie nicht mehr da ist.
Hastig blicke ich mich um. Hat der Feuerteufel sie erwischt? Wurde sie von der Frauen-Gang entführt, die uns vielleicht gefolgt ist, um doch noch an unsere Sachen zu kommen? Oder ist sie vorgegangen, während ich mit dem Irren gerungen habe? Da, plötzlich, während mir all diese Gedanken durch den Kopf schiessen, erblicke ich meine Gefährtin, wie sie, einige Meter weiter, verzweifelt versucht, einem Dieb ihren Korb zu entreißen. Mir ist klar, dass ich nicht schnell genug da sein kann, um ihr zu helfen. Außerdem schreitet die Eskalation immer weiter voran. An allen Ecken und Enden brennt es und immer mehr Leute drehen aus Angst, Wut und Panik durch. Plötzlich erspähe ich einen Wanderstiefel, und ein Stück weiter auf dem Boden einen BH. Ich greife mir beides, lege den Stiefel in die Unterwäsche, und schwinge es so schnell wie möglich über meinem Kopf. Als ich es nicht mehr schneller drehen kann, ziele ich und lasse ein Ende des BH's los und der Stiefel flieht davon. Gerade als Maria ihr Einkaufskorb entrissen wird, trifft er den Dieb am Kopf, welcher daraufhin den Korb fallen lässt und unsanft zu Boden geht. Maria erschrickt, sieht dann aber, dass der Angriff von mir kam und eilt zu mir.
"Ich habe zugesehen, wie du mit diesem Kerl gekämpft hast, als plötzlich jemand an mir vorbeirannte und meine Sachen stahl! Ich bin gleich hinterher und konnte ihn an der Ecke einholen, aber er hat den Korb festgehalten und dann..."
"Schon gut, Maria, beruhige dich. Wir müssen schnell hier verschwinden, die Eskalation ist kurz vor ihrem Höhepunkt."
"Du hast recht, beeilen wir uns lieber!" sagt Maria in schon etwas ruhigerem Tonfall.
Nach dieser hoffentlich letzten Störung erreichen wir endlich die Kasse. Nach kurzem Anstehen sind wir dran, zahlen und können gerade noch aus dem Laden fliehen, bevor Soldaten der Bundeswehr mit Pfefferspray und Schlagstöcken das Geschäft stürmen.
Wenige Minuten stehen später stehen wir an meinem Wagen. Maria lächelt und sagt:
"Danke, Johann. Ohne dich hätte ich diesen Ausverkauf nicht überstanden, geschweige denn alles kaufen können, was ich brauche. Wenn mein Verlobter nicht wäre..." sie schaut mich mit verführerischem Blick an.
"Lass das Maria, du bist verlobt und ich bin verheiratet, wir haben beide Kinder. Das würde nichts als Ärger bringen."
Maria nickt zustimmend.
"Du hast recht. Aber ich werde trotzdem nie vergessen, was du für mich getan hast. Wir sollten zumindest in Kontakt bleiben. Wollen wir Telefonnummern austauschen?"
Ich stimme zu und gebe ihr meine Nummer. Dann verabschiede ich mich und steige in meinen Wagen.
"Pass auf dich auf, Maria. Und wenn das nächste mal ein Ausverkauf stattfindet, solltest du deinen Verlobten mitnehmen, dann kannst du sehen ob er ein echter Mann oder nur ein Angsthase ist, denn nur in der Stunde größter Not zeigen sich echte Helden."
"Ich weiß, das hast du mir heute gezeigt. Vielen Dank nochmal und gute Heimfahrt!" mit diesen Worten trennen sich unsere Wege.

Während ich mich immer weiter vom
So ein Ausverkauf kann zermürbend sein, sogar für das Geschäft.
inzwischen halb eingestürzten Mode-Markt entferne, bin ich in Gedanken schon zuhause bei meiner Familie, welche mich, den Helden, mit Lob überschüttet und auf Händen trägt. Vor meinem geistigen Auge sehe ich, wie Linda zärtlich meine Verletzungen, welche zum Glück recht glimpflich sind, versorgt und mir verspricht, sich heute Abend viel Zeit für uns zwei zu nehmen... Ich kehre in die Realität zurück. Auf der Straße ist viel Verkehr, aber das wird mich nicht aufhalten. Nichts kann mich aufhalten. Nur in der Stunde größter Not zeigen sich echte Helden.


Ich bin ein Held.


ENDE