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Diverses:Meine Fahrt im Renault Master

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Prolog

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Also, Sachen gibt's, die darf's nicht geben. Zum Beispiel Autos, welche einfach nicht fahrtüchtig sind und ihre Existenzberechtigung im Straßenverkehr längst ausgehaucht haben. Diese Erkenntnis traf mich letztens - nicht ohne Grund und erst recht nicht aus heiterem Himmel. Ich musste mir diese Erkenntnis selber zusammenreimen, weil ich sie am eigenen Leib erfahre musste. Was passierte? Hier ist meine Geschichte:

Nageralarm und ein folgenschwerer Fehler

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Alles begann an einem Freitagnachmittag. Ich hatte vor, mal wieder zu meiner Tante ins ca. 80km entfernte Beckum (ein Kaff irgendwo in Westfalen) zu fahren. Gut gelaunt packe Ich also meine Sachen ins Auto und setzte mich abfahrbereit hinters Steuer. Als Ich meinen Passat aber anlassen will, passiert einfach nichts. Was ist denn nun wieder hier los? Warum geht das nicht?

Ein Blick unter die Motorhaube verschafft mir Klarheit – Mehrere Kabel sind angefressen und hängen teils lose im Motorblock herum - Marderschaden. Scheiße, hatte es denn nicht gereicht, dass mein Nachbar die Viecher den halben Sommer lang mit der Schrotflinte gejagt hatte? Und wofür hatte Ich denn vorher das Rattengift in den Tank geschüttet???? Wutentbrannt trete Ich mit voller Wucht gegen den Kotflügel, da fällt mir der Kadaver des Übeltäters aus der Aufhängung hervor vor die Füße. Immerhin etwas...

Mein Problem hat das aber noch immer nicht gelöst. Wie zum Henker sollte Ich denn jetzt auf die Schnelle nach Beckum kommen? Absagen konnte ich meiner Tante nicht mehr, das hätte die alte Schachtel zu sehr verwirrt. Dann hätte sie wieder einmal den Postboten mit mir verwechselt und zugetextet, bis es dunkel wird. Was also tun? Da wandern meine Augen zum Haus meines Nachbarn. WERNER! NATÜRLICH! Der hat doch ne Autowerkstatt! Da muss sich doch was machen lassen!

Ich hetze also zum Haus meines Nachbarn, drücke auf das Klingelschild mit der Aufschrift „Witzel“ und warte ab. Werner, welcher sich wieder zum Saufen aus der Werkstatt entfernt hatte, kommt heraus und schaut mich mit glasigen Augen an. „Ich brauch deine Hilfe! Meine Kiste streikt und Ich muss dringend nach Beckum...“ Nach einem kurzen Moment des Stockens winkt Werner mich rein und verkündet: „Deine Karre interessiert mich einen Dreck, mit Passats kenn ich mich nicht aus. Aber ich kann dir gern meinen Zweitwagen leihen, der ist nur ein bisschen dreckig.“

Den Haken an der Sache nicht erkennend, willigte ich ein – und damit fing der Ärger erst so richtig an.

Die Abfahrt ins Ungewisse

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Seitenansicht des Masters - Schlimm, nicht?

Leicht schwankend führt Werner mich in seinen Hinterhof. Dort stand es: Das wahrscheinlich fieseste Stück Auto, dass jemals auf diesem Planeten sein Unwesen getrieben hatte. Objektiv betrachtet war dieses Gebilde unterhalb einer (oder mehrerer?) dicken Schicht Vogelscheiße eigentlich kein Auto mehr. Es sah mehr aus wie eine zugekackte weiße Baubaracke, unter die jemand vier holprige Räder geschraubt hatte. „Ähh...was zum Teufel ist das?“ fragte Ich. „Joah, das is der Master... Wat besseres kann Ich dir jetz echt nich anbieten.“ Wohl oder übel (es blieb mir nun mal nichts anderes übrig) schnappte Ich mir den Schlüssel, welchen Werner mir weit von sich gestreckt vor die Nase hielt und ging auf die dreckige Karosse vor mir zu.

Ich stand nun also direkt vor diesem fehlgeleiteten Stück französischer Automobilgeschichte und prägte mir den Anblick genau ein. Ich sah zuerst instinktiv auf das Nummernschild. Dort prangte dick und fett eine TÜV-Plakette, ausgestellt vor nicht einmal zwei Monaten. In diesem Moment wusste Ich nicht mehr, ob Ich nun lachen oder weinen sollte. Zum einen war der Gedanke ,dass dieser Haufen Schrott eine gültige Zulassung besaß, einfach nur komisch – Anderseits war es einfach nur schockierend, dass der TÜV eine von Rost zerfressene Karre, bei der die Vogelkacke wahrscheinlich nicht nur Zierde sondern auch einziger Klebstoff war, tatsächlich hatte für sicher befunden.

Ungeachtet aller Bedenken, die langsam aber sicher ins Unermessliche wuchsen, versuchte ich einzusteigen. Es gelang mir erst im zweiten Versuch, da die Tür klemmte. Nachdem ich mein volles Gewicht einsetzte um gewaltsam auf die Tür einzuwirken, fiel sie mit einem lauten Knall aus den Angeln – na toll: das konnte ja heiter werden. Werner hingegen wirkte davon ziemlich unbeeindruckt und befestigte die Tür sogleich mit einem halb aufgekauten Kaugummi. „Ach, dat kommt öfters vor. Wenn die Vögel da mal wieder ordentlich draufgeschissen haben, hält die schon wieder...“ Wie beruhigend... Ich hatte es ja geahnt.

Ich drehte also den Zündschlüssel um und der Sound eines 40 Jahre alten Treckers schallte mir entgegen. Das so etwas tatsächlich anspringt.... Damit waren meine letzten Hoffnungen doch nicht mit diesem Haufen Müll fahren zu müssen endgültig Geschichte. Mit einem lauten Seufzer versuchte ich, den ersten Gang einzulegen, doch erst als mich ein lautes Knacken aufschrecken ließ, wagte ich einen Blick in Richtung des Schaltknüppels – ein komisches Ding, dass aus einem verstaubten Müllhaufen ragte.... Ich beschloss, vor meinem nächsten Schaltvorgang Gummihandschuhe anzuziehen.

Nach einer kurzen Suche nach dem ersten Gang schaffte ich es tatsächlich den Master anzufahren. Mit einem mulmigen Gefühl rollte ich vom Hof. Noch 80 Kilometer....

Auf dem Highway to Hell

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Bereits nach kürzester Zeit begann ich die Entscheidung, tatsächlich den Renault Master genommen zu haben, furchtbar zu bereuen. Verkehrsicher war hier wirklich relativ. Obwohl die Karre sich ja einwandfrei vorwärts bewegte. Wenn man einfach ausblendete, in einem Haufen Schrott, dessen Getriebe eine einzige Gang-Rateshow war und dessen von Rost und Vogelscheiße zerfressene Karosserie eine unbekannte Anzahl undichter Stellen aufwies zu sitzen, war es beinah angenehm. Ich blendete die Katastrophe, in der ich saß, also einfach aus und bog auf die Autobahn Richtung Dortmund ein. – DER NÄCHSTE FEHLER.

Ich trat das Gaspedal durch und schaltete. Das fiese Geräusch das dabei entstand großzügig ignorierend in den fünften Gang. Der Master begann sogleich, bedenklich zu ruckeln und lies sich dazu hinab, auf ganze 60 (!) km/h zu beschleunigen. Ich schlich also mit 60 über die Autobahn und durfte das schönste Hupkonzert über mich ergehen lassen. Meine Miene wurde zusehends dunkler und passte sich damit leider dem Himmel an, der sich auch langsam verfinsterte. Sollte jetzt auch noch das Wetter schlechter werden....?

Normalerweise glaubt man ja, wenn man mit 60 über eine Autobahn prescht, schläfert die mangelnde Geschwindigkeit einen dermaßen ein, dass man unweigerlich einnickt.... in diesem Fall war mir das unmöglich, denn der Wagen hatte inzwischen ein Ruckeln von erdbebenhaften Ausmaßen erreicht. Plötzlich ein lauter Knall: Die Tür war schon wieder rausgeflogen. Toll.... Nun war also ein Besuch an der nächsten Raststätte fällig. Erst mal hielt ich jedoch am Seitenstreifen, um meine Tür wieder von der Fahrbahn zu sammeln. Den hartnäckigen Gedanken, den Master einfach quer über die Bahn zu stellen und ihn dem nächsten 40-Tonner aus Polen zu überlassen verwerfe ich aus unerfindlichen Gründen. Die Reise musste ja weitergehen... noch 75 Kilometer.

Der mysteriöse Fremde

Datei:Master5.mp3 Nachdem ich die nächste Raststätte angesteuert hatte und die Tür notdürftig mit einer Tube Pattex, die ich einem vorbeifahrenden Lastwagenfahrer abgeschwatzt hatte wieder angepappt hatte, ereilte mich der Ruf der Natur – ich musste mal pinkeln.

Als ich danach wieder zum Auto ging, ereilte mich der nächste Schock – da saß jemand im Master!

Da die Tür sich durch das Pattex nicht mehr öffnen ließ, hatte Ich das Fenster heruntergekurbelt, um so einsteigen zu können. Ich hielt es nicht für unsicher, denn ich rechnete nicht damit, dass jemand die Nerven (und die Dummheit) besitzt, einen solchen Wagen zu klauen, solange rostiges Wellblech mit 90% Asbest kein Geld einbringt. Trotzdem sah Ich nun eine Gestalt auf dem Beifahrersitz hocken, die offenbar das offene Fenster als Einladung verstanden hatte. Beim zweiten Blick jedoch wunderte Ich mich eher, dass diese Gestalt es überhaupt in den Wagen geschafft hatte: Verlotterte Haare, ungepflegter Bart, ungewaschenes Holzfällerhemd und offensichtlich sturzbetrunken. In seiner Hosentasche steckte neben einem überdimensionalen Schlüsselbund auch ein Flachmann.

Der mysteriöse Fremde in seinem Element

Wer war der Fremde?

Ich wusste es nicht. Ich wusste weder, WER er war, WAS er wollte, WOHIN er wollte, noch WARUM er ausgerechnet im Master saß. Diese Fragen mussten aber zu klären sein, also fragte Ich ihn einfach. Der Fremde sah mich glasig an und murmelte „Höh? Nebel???? Ähh... Famazu Tiemann...“ Das war auch keine Hilfe, denn als ich dann nachfragte, wer oder was das sei, meinte er nur: „Hämmmhhhh... Tiemann halt...“ und wandte sich dann wieder seinem Flachmann zu. Was sollte ich nun daraus verstehen? Wer oder was war jetzt, Famazu Tiemann? Er selbst? Oder der Typ, der ihm der Alkohol anbietet? Nach kurzem bedenken beschloss ich, dass mir das völlig egal sein konnte, ignorierte den Fremden und setzte meine Fahrt nach Beckum fort. Da der Fremde mir scheinbar nicht sagen wollte, was sein Reiseziel sein sollte und ich ihn zum Rauswerfen hätte anpacken müssen (Igittigitt!!!) , ließ ich ihn halt auf dem Beifahrersitz. Schlimmer konnte es nicht werden... Noch 65 Kilometer.

Tankstopp für Hartgesottene

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Es konnte!

Nicht nur das der Fremde mich alle zwei Minuten mit der Aufforderung nervte, zu diesem Tiemann zu fahren („Famazu Tiemann“ = „Fahr mal zu Tiemann“ - So muss es sein!!!!), welcher offenbar eine Art Gott für den Fremden darstellte, nein, ich musste mir auch noch anhören wie der Fremde nach und nach begann das Gesöff in seinem Flachmann anzupreisen. „Höööh...Wodka! Dreifach gefilterter Wodka!!! Selbstgebrannt... höööh... und jetzt famazu Tiemann!!!!“ Aber ich hatte anderes im Sinn.

Der Master, dem das konsequente 60-fahren offenbar nicht sonderlich gut bekam, bewegte sich langsam auf die Null-Sprit-Grenze zu. Mir war ein kleiner Zwischenstop aufgrund des ohrenbetäubenden, äußerst ungesund klingenden Motorengeräusch frei nach Art eines beschädigten Rasenmähermotors und der heftigen Vibrationen zwar ziemlich recht, doch ich wollte auch die Hoffnung nicht aufgeben, der Fremde würde durch das Rumgeschaukel ausnüchtern... Aber nichts war’s, ich musste tanken.

Ich stieg aus und bewegte mich in Richtung des versifften Schraubverschlusses, der einst einen Tankdeckel dargestellt hatte. Scheiße, das Ding war abgeschlossen – Und Ich hatte keinen Schlüssel. Urplötzlich schnellte neben mir der Fremde hervor (wie ging das???) , holte seinen Schlüsselbund hervor und schloss die Tankklappe auf. Woher hatte der Fremde den Schlüssel????? „Höh, wart ma.... Ich mach das hier...Steig du schon mal ein und lass laufen...“ lallte der Fremde und stieß mich weg. Verwirrt setzte Ich mich in den Wagen und fügte mich dem Fremden, der mir einfach nur suspekt war. Ich wollte diesen Menschen, den Ich nicht einschätzen konnte, jetzt nicht auch noch reizen... Ich ließ den Motor also laufen und beobachtete aus dem Augenwinkel heraus den Fremden. Dieser nahm jetzt wieder seinen Flachmann hervor – und entleerte ihn in den Tank! Ich fiel aus allen Wolken und traute meinen Augen nicht.... Aber der Fremde setzte noch einen drauf: Er lief zum Auspuff und inhalierte genüsslich die Dämpfe... Nun fragte Ich mich ernsthaft, wie EIN Mensch nur so dumm und überlebensfähig gleichzeitig sein konnte, denn der Fremde nahm den Pseudo-Selbstmordversuch völlig unbeschadet hin und wankte mit zufriedenem Blick wieder auf seinen Beifahrersitz „Höööh... im Mastermotor gedünstete Wodkadämpfe knallen ma so richtich...höööööäääähhh.....kannst weiterfaaarn...am besten zu Tiemann...“ Beeindruckt und konsterniert zugleich gab ich Gas, bemerkte irritiert, dass der Wagen auch mit Wodka fuhr und setzte die Reise fort. Noch 35 Kilometer.

Die Geschichte des Georg

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Da die Vibrationen immer heftiger wurden und immer mehr meiner autofahrenden Mitmenschen mir durch Hupsignale und mehr als eindeutige Handzeichen zu bedenken gaben, wahlweise das Gefährt oder die Straße zu wechseln, entschloss ich mich von der Autobahn abzufahren. Den Wagen wechseln war ja leider nicht möglich. Für den Beifahrer galt leider dasselbe... Der Fremde ging mir noch immer auf die Nerven mit seinem permanenten Gerede über Tiemann und den selbstdestillierten, dreifachgefilterten Wodka.

Als ich die Autobahn verließ, musste ich mich erst mal an den Straßenrand stellen und kräftig durchatmen. Im Kopf fasste ich ein weiteres Mal die Geschehnisse des heutigen Tages zusammen: Mein Auto war kaputt, ich war mit einer Schrottkarre unterwegs, hatte einen verrückten Säufer dabei... Inzwischen hatte es auch angefangen zu regnen und der Wagen stellte sich zu allem Überfluss auch noch als undicht heraus... Ach ja, und wie ich jetzt merkte, hatte ich mich auch noch völlig verfranst.... Toller Tag.

„Jaja...Ein Renault Master, dass es so was noch gibt..“ Ich streckte auf. Neben mir tauchte ein alter Mann im Rollstuhl auf. Woher kamen diese Gestalten eigentlich heute alle???? „Wer bist du?“ fragte Ich den alten Mann. „Nenn mich Georg. Dr. Georg. Ich sage dir, du bist da mit etwas ganz besonderen unterwegs.“ Das hatte Ich auch schon gemerkt.... „Das ist ein Renault Master“ sagte Georg mit hochmütigen Blick. „Ich weiß. Is mir auch schon aufgefallen, du Vollhorst“ wollte ich sagen, doch der alte Mann unterbrach meine Gedanken und begann zu erzählen:

„Weißt Du, damals 1806 baute Napoleon eigenhändig zehn Renault Master, um seine Armee für den Russlandfeldzug zu verstärken und die Russen platt zu fahren... Dummerweise ist der Feldzug mal ordentlich in die Hose gegangen, weil im russischen Winter das Motorenöl eingefroren war. Und das, obwohl die Kisten immerhin mit allen Flüssigkeiten der Welt fuhren. Jedenfalls musste sich Napoleon zurückziehen. Das Interessante ist, neun dieser Renault Master wurden im irischen Kartoffelkrieg von 1889 zerstört, weil sie nicht mehr der modernen Technik entsprachen. Das heißt, dies hier ist der letzte Renault Master von Napoleon.“

Nun hatte Ich also Informationen, die zwar ganz interessant waren, mir aber im Endeffekt überhaupt nichts brachten. Oder etwa doch? Verwirrt blickte ich herunter zu Georg und fragte ihn einfach. „Nö, Ich wollte es nur mal erzählt haben... Soll ich Dir noch was erzählen? Ich kenn noch ein paar tolle Geschichten aus Stalingrad – hach, das war vielleicht ne lustige Zeit.... Wäre ich doch immer noch da....“ Damit wusste ich, was ich von Georg und seinem Geisteszustand halten sollte. Ich ließ den Rollstuhlfahrer links liegen und setzte mich wieder in den sowohl von außen als auch von innen völlig durchnässten Master. Der Fremde blickte mich glasig an und fragte mich zum inzwischen 79.Mal :“Höööh, fahn wa jetz zu Tiemann????“ „Jaja, wir fahren jetzt zu Tiemann.“ Sagte Ich und bog mürrisch auf die Landstraße Richtung Ahlen ein. Noch 30 Kilometer....

Wodka oder was?

Datei:Master8.mp3 Die personifizierte Katastrophe auf dem Beifahrersitz wollte einfach keine Ruhe geben. Ich wusste noch immer nicht, wer dieser Tiemann war, aber Ich hasste ihn trotzdem. Und von der Alkoholfahne, die den Fremden umgab, hätte man ganz China entvölkern können. Ich beschloss mich von dem Fremden abzulenken und konzentrierte meine Gedanken auf Gott und die Welt.... Wenn man China entvölkert – dann ist Tibet wieder frei! ...Obwohl.... Da Tibet ja laut der Chinesen ein Teil von China ist, sind die Tibeter dann ja auch hops gegangen... Eine echte Denksportaufgabe...

„Höööhh, mein Wodka ist alle.... Muss neu filtern....“ Wieder einmal holte mich der Fremde in die Realität zurück. Offenbar war sein 5-Liter Flachmann endlich leer. Tja, kein Alkohol mehr für dich, mein Guter... „Lass ma aussteigen... Muss neu auffüllen.“ „Toller Plan, Fremder! Wir sind hier mitten in der westfälischen Pampa – hier gibt’s nirgendwo Wodka! Oder wohnt dein Tiemann hier?“ Doch der Fremde bestand darauf, aussteigen zu wollen. „Höhööö, guter Witz... Ich will raus...Lass mich ma machen, Junge – echt jetz...“ Dieses Zitat hatte ich mal irgendwo gehört... Wo nur..? Ich stellte sehr schnell fest, dass der Fremde damit nichts zu tun haben konnte und hielt an. Nicht weil ich dem Fremden den Gefallen tun wollte, sondern um aus Ärger über diesen Tag mal ordentlich vor einen Baum zu treten.

Master von hinten

Mit schmerzenden Fuß komme ich zum Master zurück. Während Ich meinen Frust an einer Rotbuche ausgelassen hatte (hatte bis auf einen furchtbar schmerzenden Fuß nichts gebracht...), war der Fremde tatsächlich aus dem Master ausgestiegen bzw. hatte sich herausfallen lassen. Nun stand er leicht schwankend neben der Dreckskarre und hielt den Flachmann auf Schritthöhe vor sich. Und was ich dann sah, werde Ich mein Lebtag nicht vergessen.

Der Fremde pinkelte in den Flachmann und trank weiter.

Entsetzt und völlig unfähig, mich von der Stelle zu rühren, starrte ich auf den Fremden. Dieser hatte meinen Blick offenbar bemerkt und setzte den Flachmann für ein paar Sekunden wieder ab. „Höh? Was guckst du so? Nebel oder was???? Das ist die Dreifachfilterung!“ Nun begann ich einen weiteren Fehler: Ich fragte nach, was er damit meinte. Ich hätte es lassen sollen.

„Höööh, Wodka schmeckt dann am Besten, wenn man ihn Viermal trinkt. Nach dreifacher Urinfilterung knallt der Alkohol einfach besser... Macht Tiemann auch immer... Vielleicht sollten wir da ma hinfahren... genau das sollten wir machen. Famazu Tiemann...!“ Doch da hatte Ich mich schon übergeben.

„Höh, du siehst nich gut aus, Junge... Du solltest lieber einen trinken. Hier, nimm!“ Mit leicht besorgtem Blick beobachtete der Fremde, wie Ich einem unschuldigem Busch mein Frühstück präsentierte und hielt mir den Flachmann entgegen. Das machte es nun wirklich nicht einfacher, das Erbrechen einzustellen...

„Du, ich fahr doch besser ma ins Krankenhaus – oder zu Tiemann; der weiß bestimmt, was zu tun ist...“ Mit diesen Worten packte der Fremde mich am Arm und hob mich auf den Beifahrersitz des Masters. Ich war kalkweiß im Gesicht und nicht mehr in der Lage, ernsthaften Widerstand zu leisten. Ich wollte nur noch nach hause... ins Bett legen und den Tag vergessen.... eine schöne Vorstellung.

Das Ende des Masters

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Der mysteriöse Fremde setzte sich ans Steuer des Masters und fuhr los. Seinem Alkoholpegel angemessen gestaltete sich seine Fahrweise. Zum Brechreiz, der Müdigkeit und der Resignation gesellte sich nun Todesangst. Zwar konnte auch der Fremde dem Master nicht mehr als 60 km/h entlocken, doch selbst 20 wären zu viel für den Fremden gewesen. Im Unsicheren Zickzack bretterte er die Landstraße entlag, konsequent den Gegenverkehr oder alles andere übersehend. Ich schloss die Augen und betete zu sämtlichen Gottheiten, die mir spontan einfielen. Gott, Allah, Jesus, Buddha, Shiva, Ra… Egal wer, helft mir!!!” Und als Ich die Augen öffnete, sah ich die Kurve.

Etwa 200 Meter vor uns machte die Landstraße einen Knick nach links. Ein großer Baum tauchte auf 12 Uhr vor uns auf. Verängstigt sah Ich nach links und starrte den Fremden an. Wie ein Affe auf dem Schleifstein hing er auf dem Lenkrad, nur halb auf die Straße achtend. Er machte keine Anstalten, vom Gas zu gehen, zu Lenken oder irgendetwas sonst zu tun. „DA IST EIN BAUM, VERDAMMT!!! LEEEENNNNKKKKK!!!!!!!“ „Höh? Oy... Tatsächlich...“ Der Fremde riss das Lenkrad um, doch es war zu spät. Mit der Beifahrerseite voran schlug der Master in den Baum ein.

Ich hörte den Fremden noch sagen „Jetzt müssen wir wohl wirklich zu Tiemann fahren...“ und dachte an die Worte des Georgs. Napoleons Armee war nun endgültig Geschichte. Ich musste schmunzeln. Dann verlor Ich das Bewusstsein.

Epilog

Datei:Master10.mp3

Zwei Monate später war ich aus dem Krankenhaus entlassen worden. Wir hatten Glück gehabt und waren lebend dem Wrack entkommen, da es dank des vielen Asbests nicht Feuer gefangen hatte. Dafür wurde ich von meiner Tante in Beckum enterbt, weil ich sie nicht besucht hatte. Der Postbote ist nun der alleinige Erbe ihres Vermögens. Werner Witzel, der mich den Master hat fahren lassen, hat sich aus Angst vor einer Klage aus dem Staub gemacht. Ich stehe somit vor dem finanziellen Nichts.

Immerhin habe ich den Fremden nicht wiedergesehen und neben meinem Haus hat eine neue Autowerkstatt aufgemacht. Eine VW-Werkstatt – die können mir meinen Passat reparieren.

Gut gelaunt mache ich mich daran, meinen neuen Nachbarn kennen zu lernen. Ich drücke auf das Klingelschild, auf dem noch immer der Name „Witzel“ geschrieben steht und warte ab. Ein älterer Herr im blauen Overall und Motoröl an den Fingern öffnet mir. „Hallo“ begrüße Ich meinen neuen Nachbarn freundlich. „Ich wollte sie in unserer Nachbarschaft willkommen heißen, Ich wohne direkt nebenan. Außerdem spinnt mein Passat ein bisschen.“ Mit einem Lächeln bittet mein neuer Nachbar mich in sein Haus. „Kein Problem, nett sie kennenzulernen. Mein Name ist übrigens Tiemann...“

Und in diesem Moment verlor ich endgültig den Verstand.

Ende.JPG

Noch eine Geschichte aus der Psychatrie?


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