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Diverses:Wort zum Sonntag/KW 19 2016

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Kalenderwoche 19/2016: 9.5.2016 - 15.5.2016[Bearbeiten]

Liebe Gemeinde,

Frohe Pfingsten! Rechtzeitig zum langen Wochenende ist das Wetter dann doch wieder vom Sommer- in den Aprilmodus umgesprungen. Wann auch sonst? Aber wir müssen ja nicht übers Wetter reden, denn auch diese Woche war wieder genug wichtigeres los.

Faymann nimmt sich frei[Bearbeiten]

Werner Faymann: He had one Job...

Österreich, ach Österreich... Lange Jahre dachten wir, österreichische Politik wäre uninteressanter und banaler als jede Sendung mit Markus Lanz und es würde nie irgendwas passieren, über das es wert wäre, zu berichten, sofern kein bekannter Populist tragischerweise wegen zu schwerem Gasfuß aus der Rechtskurve fliegt.

In den letzten Wochen jedoch straft Österreich uns Lügen. Plötzlich ist es wichtig, auf die Politik zwischen Salzburg und Wien zu achten, denn es passieren Dinge. Große Dinge.

Von den bemerkenswerten Ergebnissen der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen vor zwei Wochen haben wir ja bereits berichtet. Die Stichwahl zwischen FPÖ-Kandidat Norbert Hofer und dem Grünen-Kandidaten Alexander van der Bellen ist zwar erst nächste Woche, doch die erste direkte Folge der Wahlen gab es bereits: Anfang der Woche trat Bundeskanzler Werner Faymann überraschend zurück.

Faymann, Bundeskanzler seit 2008, begründete das Ganze mit den Worten: „Ich trete zurück, weil ich keinen Rückhalt mehr in der Partei habe". Nun ja. Wenn es danach geht, hätte er schon vor längerer Zeit gehen müssen. Oder niemals antreten sollen. Warum also wirklich dieser Schritt – Jetzt, zum vermutlich dämlichsten aller Zeitpunkte? Das muss man nicht verstehen.

Ja, Werner Faymann hatte in den letzten Wochen und Monaten nicht den angenehmsten Job und machte entsprechend häufig auch keinen sonderlichen Eindruck. Die große Koalition aus SPÖ und ÖVP legte in Sachen Flüchtlingskrise einen Zick-Zack-Kurs aufs Parkett, der beim Riesenslalom auf der Streiff zu Medaillienehren gelangt hätte. Zunehmend hilfloser wirkte der Umgang mit dem Rechtsruck – Springt man als Regierung jetzt mit auf den Zug auf, oder stellt man sich dagegen? Faymann entschied sich für beides abwechselnd. Das Problem jedoch: Wer gleichzeitig auf einen Zug springen und sich davorstellen will, wird entweder überfahren, oder springt daneben. Ist beides eher so semitoll. Und völlig logisch, wenn man mal etwas darüber nachdenkt.

Die mutmaßliche Nachfolge Faymanns ist übrigens bemerkenswert: Hier lässt sich eindeutig beweisen, dass man Deutschland und Österreich nicht über einen Kamm scheren kann – Während in Deutschland ausrangierte Politiker in den Bahnvorstand abgeschoben werden, macht man es in Österreich genau andersrum. Der neue Bundeskanzler soll Michael Kern werden, derzeit Chef der Gemeinschaft der Europäischen Bahnen.

Europas Oberschaffner also als Bundeskanzler und SPÖ-Chef? Kann man so machen, wirkt aber irgendwie befremdlich, schließlich ist der gute Mann nicht mal Politiker. Kerns Nominierung wirkt eher wie der verzweifelte Versuch, so schnell wie möglich irgendwen ins Amt zu heben, bevor es ein anderer tut – Nämlich der vermutlich kommende Präsident Hofer, zu dessen Befugnissen die Ernennung eines Kanzlers nun einmal gehören wird. Hofer macht keinen Hehl daraus, dass er sich Heinz-Christian Strache, das grenzdebile Fascho-Frettchen von der FPÖ, als Bundeskanzler wünscht. Dann doch lieber einen Schaffner. Oder sonst irgendjemanden. Hat Lothar Matthäus eigentlich gerade Zeit? Wie? Der ist kein Österreicher? Tut das was zur Sache? Ach, Schade...

Tja. Österreich also in naher Zukunft mit dem Bahnchef als Bundeskanzler. Wir freuen uns auf viele, viele schlechte Zuggags, die wir deswegen machen werden dürfen. Und fragen uns trotzdem, ob Werner Faymann mit seinem überstürzten Rücktritt zu einem sehr kritischen Zeitpunkt seinem Land nicht doch einen echten Bärendienst erwiesen und den größten und dämlichsten Fehler gemacht hat, den man in seiner Position zu diesem Zeitpunkt machen konnte. Die nächsten Wochen werden es zeigen.

Sozialdemokratie und die Suche nach der Zukunft[Bearbeiten]

Sigmar Gabriel auf der Suche nach einer Parteiidentität. Wie ein Pinguin auf der Suche nach Eisschollen in Algerien

Von Österreich nach Deutschland und zu der Erkenntnis, dass Sozialdemokrat sein in beiden Ländern derzeit in etwa so viel Spaß macht, wie ein Glas heißes Kerzenwachs auf Ex zu trinken und sich anschließend einen Einlauf mit Domestos zu verpassen. Sigmar Gabriel kann davon ein Lied singen. Vorausgesetzt, der Mann kann überhaupt irgendwas.

Sigmar Gabriel hat uns diese Woche wieder bewiesen, dass er immer dann ganz vorne ist, wenn es darum geht, einfach mal nichts zu tun. Zum Beispiel beim Thema Rücktritt; Noch am letzten Wochenende verkündete Helmut Markwort, das wohlbeleibte Focus-Maskottchen mit dem toten Pudel auf dem Kopf, er wisse aus sicherer Quelle, dass Gabriel in dieser Woche zurücktreten würde. Was Helmut Markwort nicht bedacht hatte – Auch zum Zurücktreten muss man sich mal bewegen und aktiv etwas tun, wodurch ein Rücktritt Sigmar Gabriels aus eigenem Antrieb in etwa so wahrscheinlich ist, wie ein seriöser Politikbeitrag im Focus. Dort wird nämlich einfach irgendetwas, was man am Sonntagmorgen während der vierten Maß Weißbier so am Nebentisch aufschnappt, nachgeplappert und als „aus sicherer Quelle gehörte Sensation“ verkauft. Richtig, Herr Markwort?

Ja, auch ohne betrunkene Zwischentöne aus München: Die SPD ist in der Krise. Die Partei reagierte diese Woche darauf, indem sie eine Wertekonferenz ansetzte und den Slogan „Mehr Gerechtigkeit wagen“ zum Hauptpunkt der künftigen SPD-Politik bestimmte.

„Mehr Gerechtigkeit wagen“ - WOW! Das ist ja mal ein Ansatz! Was völlig Neues! Vor allem für die SPD! Warum nicht gleich mal was ganz verrücktes, modernes wagen und den Slogan etwas abändern? „Mehr Demokratie wagen“, zum Beispiel! Boah, das wäre es doch! Und Sigmar Gabriel reist anschließend an eine beliebige Gedenkstätte, legt einen Kranz hin und kniet sich dann nieder. Mensch, wäre das ein Auftritt! Liebe SPD, auf solche Ideen ist bestimmt noch niemand gekommen! Das klingt nach totaler Zukunftsmusik! Nur weiter so!

Im Ernst jetzt: SPD, das kann doch nicht euer Ernst sein? Aufgewärmte SPD-Themen der 70er, von denen sich die SPD in den 90er verabschiedet und in den 2000ern das Gegenteil gemacht hat, sollen jetzt das Thema der 2010er und 20er werden? Warum nicht gleich einen Mann zum Vorsitzenden machen, der eine Podiumsdiskussion gegen die Putzfrau verliert? Ach, halt.... Da war ja auch was...

Im Rahmen der großartigen Wertekonferenz ließ sich Sigmar Gabriel auf eine Diskussion mit Susanne Neumann ein, der Putzkraft der Nation – und ließ sich von der Dame erst einweichen, dann abseifen und anschließend über den Boden schrubben.

Okay, man kann Sigmar Gabriel jetzt zu Gute halten, dass Frau Neumann in den letzten Jahren bereits in mehr politischen Talkshows präsent war, als die gesamte SPD-Spitze zusammen, aber eine derartige Selbstdemontage kann sich doch niemand erlauben, der ernsthaft Kanzler werden will. Obwohl.... Als Kandidat in den Wahlkampf ziehen.... Da müsste man ja auch wieder aktiv was tun....

Daher hat Sigmar Gabriel nun auch die SPD-Kanzlerkandidatenfrage in die Schublade „Ungeklärt bis kurz vor Toreschluss“ abgelegt. Ja, man sollte seine gesamten Brocken (Personalfragen, Programm, Visionen) möglichst am selben Ort lagern, sonst verliert man den Überblick. Ist schon richtig so.

Der Kanzlerkandidat der SPD soll nun erst etwas später offiziell ernannt werden. Am besten erst nach der Wahl, damit kein bestimmter Kopf nach dem zu erwartenden Ergebnis rollen muss. Keiner will der Trottel sein, dessen Gesicht man mit den 13% bei der Bundestagswahl 2017 verbindet. Bezeichnend für die aktuelle Personalsituation in den verantwortlichen Posten der deutschen Sozialdemokratie.

Die Wertekonferenz, bei der diese Woche die gesamte SPD-Führung die Gelegenheit bekam, die Weichen für die Zukunft zu stellen hat gezeigt: Langfristig kann die SPD nur von einer Person in die Bundestagswahl 2017 geführt werden: Susanne Neumann....

ESC 2016 - Viel Geleier um Nichts[Bearbeiten]

Trägt ihre künstlerische Aussage leider nur auf dem Kopf: ESC-Knallbonbon Jamie-Lee Kriewitz

Immerhin, die SPD kann sich glücklich schätzen: Es gibt tatsächlich noch Leute, die bei Wahlen noch beschissener aussehen, als die Sozialdemokraten. Diese Leute treten jedes Jahr für Deutschland beim Eurovision Song Contest an.

Meine Güte, was war das gestern Abend wieder für eine Show. Wie jedes Jahr versuchten in grenzwertige Kostüme gehüllte Heulbojen aus allen Herren Ländern verzweifelt, durch möglichst aufwendige Lichttechnik und orientierungsloses Rumgehampel von der künstlerischen Inhaltsleere ihres Liedguts abzulenken und waren dabei zu einem nicht unerheblichen Teil nur durch ihre Startnummer zu unterscheiden. Ja, Europa wächst kulturell zusammen, da können auch diese bösen Flüchtlinge nichts dran ändern.

Gewonnen hat am Ende einer der wenigen Beiträge, bei dem sich die Künstlerin tatsächlich selbst ernsthafte Gedanken um eine Botschaft und um einen persönlichen Text gemacht hat: Die Ukrainerin Jamala mit ihrem Song „1944“, welcher die Erlebnissen ihre Urgroßmutter thematisiert, die in eben jenem Jahr von Stalins Geheimpolizei gemeinsam mit Hunderttausenden anderen Tataren von der Halbinsel Krim nach Zentralasien verschleppt wurde. Das ganze trieft natürlich vor Dramatik und wurde auch entsprechend vorgetragen, aber traurigerweise immer noch angenehmer als das inhaltsleere 08/15-Geseiere, welches von so ziemlich allen anderen Teilnehmern aufgetischt wurde.

Platz 2 ging übrigens an Australien, welches aus irgendwelchen Gründen (gaaanz bestimmt nicht, um beim Australischen Publikum Quoten zu fischen) ebenfalls am ESC teilnehmen durfte sich damit offiziell um einen Platz in Europa bewirbt. Naja, wenn es gut läuft, kann es ja den von Großbritannien haben. Koalas sind eh viel niedlicher als Cameron.

Denkwürdig erneut das Abschneiden Deutschlands, welches seinen heroischen letzten Platz aus dem letzten Jahr gekonnt verteidigte. Ganze 11 Punkte konnte der ins Rennen geschickte Manga-Papagei namens Jamie-Lee Kriewitz für die Bundesrepublik holen. Damit betrug der Rückstand auf den Vorletzten glatte 30 Punkte.

Woran liegt das? War der Song so viel beschissener als die anderen 25? Hat die 18-jährige Sängerin derart versagt? Eigentlich nicht. Ein qualitativer Unterschied zu mindestens 2/3 des restlichen Teilnehmerfelds war nicht erkennbar.

Ja, was sind also die Gründe. Die kann sich jeder nach seinem Weltbild zusammensuchen. Die ersten Pegida-Pfeifen werden jetzt bereits wieder auf Facebook herumheulen, dass Angela Merkels Flüchtlingspolitik daran schuld ist, dass Deutschland des ESC verliert. Warum auch immer dann ausgerechnet ein Lied gewinnt, welches Verschleppung thematisiert. Andere werden wieder sagen, dass sich Nachbarländer aus Wirtschaftsinteressen die Punkte gegenseitig zuschachern. Kann natürlich sein, aber ist das wirklich wichtig?

Eigentlich ist es doch völlig egal, wer wie viele Punkte bei diesem qualitativ Jahr um Jahr fragwürdigen Wettbewerb erhält und von wem. Was untergeht, ist die Idee, die hinter dem ESC steckt: Nämlich, dass ganz Europa (und jetzt irgendwie halt auch Australien, na gut...) einen friedlichen Wettbewerb gemeinsam ausrichtet, völlig unabhängig von den politischen und kulturellen Unterschieden. Man kann froh darüber sein, dass wir in einer Zeit leben, in der so etwas überhaupt möglich ist. Wer weiß, wie lange das überhaupt noch gehen kann, so sehr, wie sich Europa derzeit auseinanderlebt?

Von daher: Ja, ein letzter Platz ist peinlich. Aber es sollte jetzt nicht der Grund dafür sein, ein 18-jähriges Mädchen zum Gespött der Nation zu machen, obwohl sie selber keinen sichtbaren Fehler gemacht hat. Dass man sie mit einem nichtssagenden Random-Song ziemlich unvorbereitet in den Wettbewerb jagt, ist nicht primär ihre Schuld. Umso trauriger, wenn der Abend von Stockholm das mutmaßliche Ende der musikalischen Karriere von Jamie-Lee Kriewitz darstellt, weil man sie nun auf ewig mit einem letzten Platz bei ESC verbindet. Das wäre nicht unbedingt fair, wenn auch sehr einfach. Ob man die Musik jetzt mag oder nicht.

Nächstes Jahr muss Deutschland dann den nächsten Sündenbock in den Wettbewerb schicken. Vielleicht sollte es der VfB Stuttgart mal versuchen? Das wäre eine Möglichkeit. Aber wir sind uns ziemlich sicher, dass Helmut Markwort bereits aus sicherer Quelle weiß, dass niemand anderes als Sigmar Gabriel mit dem Song „In meiner Badewanne bin ich Kapitän“ unser potenzieller Kandidat für den ESC 2017 ist. Und darauf freuen wir uns schon!


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