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Das original Internet-Manifest

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Wie Journalismus heute im Internet fluktuiert. 17 Bemerkungen.


1. Das Internet ist ganz anders und überhaupt.[Bearbeiten]

Es schafft ganz neue, vielversprechende Öffentlichkeiten: Jeder kann belanglosen Bullshit einstellen und mit seinen Kumpels tauschen. Jeder Personaler kann die öffentlichen Koma-Fotos und Asi-Kumpels seiner Bewerber googlen. Neue Kulturtechniken wie Tetris-Online erobern und verändern die ganze Welt. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, Computer kaufen und Homepages anbieten. Sie haben die Pflicht, auf Basis der beschafften Computer neue journalistische Methoden wie Googlen und Copy & Paste zu entwickeln und zu etablieren.

2. Das Internet ist eine Atombombe in der Hosentasche.[Bearbeiten]

Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es überwindet die bisherigen Begrenzungen der Foto- und Poesiealben sowie der Klotür-Schmierereien. Veröffentlichung und Verbreitung beliebiger Inhalte sind quasi für Jedermann zum Nulltarif möglich. Journalisten (ebenso Layouter, Schriftsetzer, Fotografen …) können sich endlich »richtige« Berufe suchen oder auf Hartz-IV den ganzen Tag daddeln, nachts geht natürlich auch. Ja, das Internet ist egalitär und in dieser Hinsicht politisch korrekt. Jeder darf, kann und soll mitmischen.

3. Das Internet sind wir alle sind das Internet.[Bearbeiten]

Für die Mehrheit der User ist eine Existenz als Dateileiche bei MySpace, StudiVZ, Wer-kennt-wen.de, Twitter oder Xing so selbstverständlich wie die Rotation der täglichen Bürowitzchen per Mail oder grauenhaft schlechter Youtube-Clips. Wollen die etablierten Medienhäuser weiter existieren, dann sollten sie sich der Lebenswelt der User anpassen und endlich flächendeckend unmoderierte Kommentarfunktionen und Foren einrichten, wo die Leser sich ihrer Meinungen entledigen können. Es handelt sich hierbei um eine soziale Grundfunktion: Triebabfuhr.

4. Die Freiheit des Internets ist unfassbar.[Bearbeiten]

Die Tatsache, dass im Internet jeder jeden beliebigen Inhalt einstellen kann, bildet die Basis des digitalen Rauschens der Gesellschaft. Glücklicherweise gilt auch hier, dass 99,9% des Contents niemanden interessieren. Die Meinungen sind frei: Frei von Bedeutung, frei von allgemeinem Interesse und so ziemlich frei von Relevanz irgendwelcher Art. Jeder kann nicht nur irrelevante Informationen einstellen, er kann sie auch recherchieren und sich ausführlich informieren über Tante Lieschens Urlaubsbilder oder die Abstimmungslage im Buxtehuder Gartenzwerg-Rettungsverein zum aktuellen Stand der jährlichen Verpflegungsaufwendungen. Es handelt sich dabei um selbstbestimmte Informiertheit und das bedeutet Freiheit.

5. Das Internet ist der Endsieg der Information.[Bearbeiten]

Bisher konnte man Zeitungen am Kiosk kaufen, Bücher im Buchladen, Nachrichten im TV sehen und im Radio hören, die von ausgebildeten Fachkräften hergestellt wurden. Heute aber kann sich jeder Bürger seine Nachrichten selbst ergoogeln. iNews heißt das Zauberwort. Der Umstand, dass nun möglicherweise jeder über andere und ggf. falsche Informationen verfügt, ist dabei ein erwünschter Nebeneffekt: Die Babbelonische News-Verwirrung. Sie vertieft das subjektive Empfinden von Selbstbestimmtheit und informeller Freiheit. Der einzelne Mensch kann auf diese Weise nahezu immer Recht haben und sich so toll fühlen wie nie zuvor.

6. Das Internet verwässert den Tschournalismus.[Bearbeiten]

Durch das Internet kann der Journalist sich endlich den wichtigen Dingen im Leben widmen. Er kann z.B. in Erotik-Portalen recherchieren oder Artikel für Stupidedia verfassen. Das gedruckte Wort ist irrelevant geworden. Hieß es früher noch »Denn was du schwarz auf weiß besitzt, kannst du getrost nach Hause tragen« (Goethe), so weiß der Mensch erst jetzt, seit dem Internet, dass nicht alles stimmt, was irgendwo so dasteht. Schon gar nicht, wenn jeder seine eigenen Ideen einbringen und sich mit Freude und Idealismus selbst am Verbreiten von Informationen (oder dem, was er dafür hält) beteiligen kann. Erst durch das Internet ist Information zu einem (Achtung, Kalaueralarm!) sich ständig verändernden Prozess geworden.

7. Vernetzt gelingt Verblödung.[Bearbeiten]

Links ist das Gegenteil von rechts. Jeder (fast jeder) hat eine linke und eine rechte Hand. Wer sie nicht beide nutzt, schließt die Tür halt nur mit einer Hand auf. Geht auch. Das gilt auch für die Türen von Medienhäusern. Klingt komisch, ist auch so.

8. Links wählen, Zitate ziehen.[Bearbeiten]

Suchmaschinen, Stupidedia und Youtube fördern den Qualitätsjournalismus: Sie erhöhen die Auffindbarkeit beliebiger Inhalte und sind Teil der neuen Öffentlichkeit. Ein Link zu Hausfrauen.de oder ein Zitat aus Manni's WOW-Blog ist nicht nur eine grandiose Referenz für den Urheber, sondern fördert auch den gesamtgesellschaftlichen Diskurs über Kultur und Bildung und Wissenschaft und Philosophie … na einfach alles eben.

9. Das Internet ist das Plumpsklo für den politischen Diskurs.[Bearbeiten]

Demokratie heißt, alle machen mit. Im Internet kann jeder seine politische Meinung entleeren und öffentlich unter Pseudonym in die Kakophonie der Inkompetenten oder politisch Unkorrekten einstimmen. Die traditionellen Joschka-Fischer-Chöre haben damit politisch ausgeträllert.

10. Bla ist das neue Blub.[Bearbeiten]

Artikel 5 des Grundgesetzes konstituiert kein Schutzrecht für Berufsstände oder professionelle Geschäftsmodelle. Das Internet erlaubt jedem Unkundigen die Ausübung nahezu jedes Berufes. Ob Journalist, Schriftsteller, Musiker, Filmemacher oder Chefarzt. Für alles gibt es Plattformen (auf chefarzt.de gibts z.B. die tollsten Rezepte!) und kein Dieter Bohlen versagt dem Unbedarften die Teilnahme am Recall.

11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Des-Information.[Bearbeiten]

Waren es einst die Journalisten und Enzyklopädisten, die vor einer Flut von unüberprüfter Information warnten, so sind es Institutionen wie Twitter, die beweisen, dass individuelle Informiertheit z.B. über Kopulationsgewohnheiten von Boris Becker zu mehr persönlicher Freiheit führt. Formulierte Marx noch irrtümlich »Wissen ist Macht«, so wissen wir heute »Wissen ist, was Boris macht«!

12. Inflation ist ein Geschäftsmodell.[Bearbeiten]

Mit qualitätsjournalistischen Inhalten lässt sich im Internet kein Geld verdienen. Dafür gibt es unzählige Beispiele. Das wettbewerbsorientierte Internet erfordert keine Relevanz-Kriterien, sondern Resonanz-Kriterien. Journalismus braucht einen Wettbewerb um User-Zugriffe und den Mut, in diese Zugriffe zu investieren.

13. Im Internet wird das Userrecht Betrügerpflicht.[Bearbeiten]

Das Userrecht ist ein Eckpfeiler (linke hintere Ecke, je nach Standpunkt des Betrachters) der Informationsbeschaffung im Internet. Wer seinen Kram nicht geklaut, kopiert oder anderweitig missbraucht wissen will, der stelle ihn nicht online.

14. Das Internet kennt viele Blähungen.[Bearbeiten]

Wie im privaten TV tauschen Online-Angebote ihre Inhalte gegen das Ansehen und Anklicken von Werbebotschaften ein. Anders als beim traditionellen TV kann man in einer Pop-Up-Pause leider nicht aufs Klo gehen.

15. Was im Netz flüchtig ist.[Bearbeiten]

Achtung, dieser Punkt zeichnet sich durch erhöhte Originalität aus:
These: Im Internet sind Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig.
Man könnte einwenden, Bücher, Fotos und Tonträger seien auch nicht flüchtig.
Darauf wiederum könnte man entgegnen, dass Bücher, Fotos und Tonträger ja kaputtgehen können.
Aha, Festplatten und sonstige Datenträger können das auch. Bücher, Fotos und Tonträger werden in Bibliotheken archiviert und unterliegen nicht alle paar Jahre einem Technologiewechsel, sondern nur dem Verfall, der den Medien Papier und Tinte quasi als Geburtsfehler eben in die Wiege gelegt wurde. Sie sind ein Archiv der Zeitgeschichte.
Einwand: Das Internet ist das auch!
Widerspruch: Ohne die Technik aber wertlos. Ein Buch kann man einfach bei Tageslicht lesen.
Diese Diskussion könnte man eine ganze Weile fortführen …

16. Quantität ist die neue Qualität.[Bearbeiten]

Das Internet erfordert gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer Bullshit twittert und beliebig ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gesunken. Der Journalismus muss sich anpassen und althergebrachte Grundsätze übers Motherboard werfen.

17. Alles Kollegen.[Bearbeiten]

Das Web stellt eine überlegene Infrastruktur für die gesellschaftliche Umkehrosmose dar. Und es spart sogar Papier. Man benötigt nicht mehr alle paar Jahre ein neues Telefonbuch, sondern nur einen neuen Computer. Die “Generation Klickipedia” weiß schlafwandlerisch die Glaubwürdigkeit einer Quelle (wie z.B. eso-forum.de) abzuschätzen, Nachrichten via Google bis zu ihrem Ursprung (Upload) zu verfolgen, bei Brigitte.de zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Selbsthilfegruppe. Journalisten, die diese Fähigkeiten der Nutzer nicht respektieren, können nicht ernst genommen werden. Das Internet macht es möglich, direkt – über Pseudonyme und Foren, letztlich über eine enorme technische Infrastruktur – aber in jedem Falle und absolut DIREKT mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Leser oder Zuschauer nannte, und die sich nun selbstbewusst Kollegen nennen.

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Gelungen

Der Artikel Das original Internet-Manifest ist nach einer erfolgreichen Abstimmung mit dem Prädikat Gelungen ausgezeichnet worden und wird zusammen mit anderen gelungenen Artikeln in unserer Hall of Fame geehrt.

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