4 x 4 Goldauszeichnungen von HarryCane, Burschenmann I., FoRmvollenDet und The Yoshi Sniper

Online-Kommunikation

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Klassischer Krampf in der rechten Tipphand.

Online-Kommunikation ersetzt in Teilen normales Reden, Telefonate und unangenehme Stille. Ohne Mimik und Gestik können geschriebene Sätze über zukünftige Jobs, Beziehungen oder mindestens genauso wichtige Internetdiskussionen entscheiden. Man kann also viel richtig, aber auch viel richtig machen. Zum Beispiel, indem man nicht Korrektur liest.
Emojis stellen mittlerweile zwar eine Alternative zu Mimik und Gestik dar und in Extremfällen auch eine Anleitung wie man sich zu fühlen hat, bzw. einen gänzlichen Emotionsersatz, sind aber ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Zumindest ist mir noch niemand über den Weg gelaufen, der nach Sätzen die Zunge rausstreckt, seinen Bizeps zeigt oder einen Scheißhaufen auf den Asphalt zaubert.
Unterhaltungen zu starten und zu beenden ist online nicht nur wegen der Immer-Erreichbarkeit einfacher, auch die Hemmschwelle ist niedriger. Ihr Nutten. Wenn man sich im direkten Kontakt eigentlich nichts zu sagen hat (unangenehm), reicht es online immer noch für ein „haha“ (lies: Diese Unterhaltung ist hiermit beendet). Offline ist es oft schwieriger. Wenn ein „Wie geht es dir?“ eines Höflichkeitsbekannten (die Leute, die man irgendwie grüßen muss, wenn man sie in der Öffentlichkeit trifft, bei denen man sich aber nie sicher ist, ob ein Hallo reicht oder ob ein kurzes Gespräch angefangen werden sollte) nur mit „Gut.“ statt mit „Gut und dir?“ beantwortet wird und die Unterhaltung somit zwischen Desinteresse und eigener sozialer Unfähigkeit versehentlich versanden lässt, ist man oft gezwungen unter stetem Augenkontakt langsam rückwärts den Aufenthaltsort zu verlassen, um hinter der nächsten Ecke schreiend vor der sozialen Interaktion wegzurennen. Fortgeschrittene können sich direkt umdrehen und kreischend wegrennen – Autismus kann so einfach sein.

Grundregeln[Bearbeiten]

Die Grundregeln der Internetkommunikation gewährleisten einen problemlosen Onlineauftritt, ohne dass man für eine Mittfünfzigerin, die gerade Facebook entdeckt hat oder einen 12-Jährigen DDoS-Experten von Anonymous gehalten wird.

  • Regel 1: Halte dich an die Grundregeln der Online-Kommunikation.
  • Regel 2: Schreibe nichts, was du im richtigen Leben auch so sagen würdest.
  • Regel 3: Capslock ist peinlich und kann wegen Ruhestörung zu Anzeige gebracht werden.
  • Regel 4: Nichts sagt klarer „Nein“ als ein geschriebenes „Ja..“, wohingegen ein geschriebenes „Nein“ vermutlich ironisch gemeint ist.
  • Regel 5: Sarkasmus in Textform funktioniert immer.
  • Regel 6: Sachlichkeit hat im Internet nichts zu suchen. Dafür hat doch niemand Zeit.

Kommunikation...[Bearbeiten]

Anhang vergessen...

Verschiedene Plattformen verlangen verschiedene Verhaltensweisen. Man kann ein Kleinkind ja auch nicht so behandeln wie einen erwachsenen Mann. In verschiedenen Bereichen des Internets sind verschiedene Klientel unterwegs und an diese muss man sich anpassen.

...in Mails[Bearbeiten]

Außerhalb von Spammails sind die meisten Mails heutzutage im professionellen Bereich angesiedelt – abgesehen von den sieben ungewollten Newslettern, doppelt so vielen Mailbenachrichtigungen und der einen Tante, die immer noch Mails schreibt. Im Kontakt mit Vorgesetzten, Professoren und Firmen scheint angemessene Online-Kommunikation dementsprechend essentiell.
Es beginnt mit der Anrede – Sehr geehrte/r? Liebe/r? Liebe ist ein ziemlich großes Wort – vor allem wenn es als Nomen verwendet wird. Abgesehen von Menschen, die man auch umarmen würde (ohne dass die andere Person eine Gerichtsklage in Betracht zieht), sollte niemand mit „Liebe/r“ angeschrieben werden. Und was macht man, wenn die Adressaten der Mail nicht genauer definiert werden können? In welche Ecke des Bildschirms klebt man die Briefmarke? Zunächst scheint: Jede Formulierung sollte auf die Goldwaage gelegt werden, oft unterscheidet sich eine erfolgreiche Mail von fehlgeschlagenen Versuchen in den Feinheiten der Wortwahl, geschickt platzierten Konjunktiven, Imperativen und Unterwerfungen. Professionalität am Arbeitsplatz 101. Arbeitskollegen, die einem Kettenrundmails weiterleiten sollten direkt blockiert werden. Es gibt einen besonderen Platz in der Hölle für all diejenigen, die der Abteilung zu Weihnachten einen animierten Schlumpf schicken, der in quietschender Stimme „Merry Christmas“ sagt.

Sämtliche Etikette wird in dem Moment untergraben, in dem die Antwort des Chefs eintrudelt: „ist o.k.“ – keine Anrede, kein Gruß, kein Nichts.

...in Dating-Profilen[Bearbeiten]

Während auf Partnerbörsen die eigenen Unzulänglichkeiten, die einen überhaupt erst zur Anmeldung veranlasst haben, durch positive Formulierungen verschleiert werden müssen, verlangen Dating-Apps humorvolle Selbstbeschreibungen und gestellte Schnappschüsse aus dem echten Leben. Das Gegenüber muss so sehr von sich überzeugt werden, dass es bereit ist, sich bei einem Treffen im richtigen Leben enttäuschen zu lassen.
Auf parship.de wird so aus einem übergewichtigen, verzweifelten 59-Jährigen, dessen sexuelle Aktivität der letzten 20 Jahre darauf beschränkt, sich den eigenen Genitalbereich mit Thunfischdosensaft einzuschmieren, damit der eigene Dackel ihn ableckt, ein gemütlicher, flexibler und offener Mann in den 50ern. Die Realität muss verborgen oder zumindest auf Hochglanz poliert werden. Niedergeschriebenes Charakter-Make-Up als Mascara für die Seele. Die Wahrheit interessiert doch keinen, stattdessen müssen Traumbilder kommuniziert werden, die die ewig Alleinlebenden bei Konfrontation mit der Realität von einer Enttäuschung in die nächste senden.
Bei Tinder, einer App deren Konzept darauf aufbaut, Menschen anhand ihres Aussehens in ein binäres System des Paarungspotentials einzuordnen, kann sogar auf diese niedergeschriebenen Selbstlügen verzichtet werden. Alles was zählt, ist die objektive Schönheit des Users. Eine Realität, die bei all den Menschen für einen Aufschrei der Empörung sorgte, die „übergewichtig, aber glücklich“, „ungeduscht, aber klimafreundlich“ oder „schüchtern, aber nett“ sind. Während sich effektive Selbstdarsteller somit den Gang in die Diskothek und ein paar Euro für einen Drink sparen können, da Tinder die Flirtendprodukte direkt nach Hause liefert, wundert sich der Durchschnittsnutzer höchstens über Zuckungen im rechten Wischdaumen, ehe er eine Mail an den Online-Service schreibt, in der er darum bittet den Umkreis erreichbarer Nutzer auf mehrere hundert Kilometer zu erhöhen, vielleicht wartet da ja die Eine. Der einzige verbliebene Nebennutzen ist somit das optimale Ausweiden der kurzen Selbstbeschreibung. Vielleicht verschafft man es durch einen originellen Witz zu einer halbtägigen Screenshot-Bekanntheit im Internet, damit einem dann klar wird, dass man soeben den Höhepunkt seines eigenen Daseins erreicht hat.

Texteingabe Inhaltsanalyse
Hallo Name Ich begrüße dich und bin über 40.
Hallo mein Lieber Ich begrüße dich und bin deine Oma.
Hi Name Ich begrüße dich, kenne dich aber kaum und bin unter 40.
Hey Ich begrüße dich und bin unter 40.
Heyy Ich begrüße dich und bin weiblich.
Heyyy Ich begrüße dich, bin weiblich und single.
Heyyyyyyyy Ich begrüße dich und meine Y-Taste klemmt.
Keine Begrüßung Wir kennen uns und schreiben oft genug,
um uns nicht alle zwei Stunden hallo sagen zu müssen.
Okay Okay
Ok Es ist nicht okay
o.k. Der Vorschlag ist überhaupt nicht okay, ich bin sehr sauer
und habe keine Lust mich weiter mit dir auseinanderzusetzen.
Ja Mir doch egal
Ja.. Nein
Ja :) Ja
Nein Ja (bitte nicht auf diese Übersetzung
beim nächsten Vergewaltigungsprozess berufen, werter Leser!)
Nein. NEIN!
Haha Ich weiß nicht, was ich schreiben soll

...in Nachrichten-Apps[Bearbeiten]

Die Online-Kommunikation in Nachrichten-Apps, wie dem Facebook-Messenger oder WhatsApp, sollte auf Menschen beschränkt sein, die man auch kennt, was den Kommunikationsstil privater und vertrauter werden lässt. Wer in regelmäßigem Kontakt mit Fremden via Facebook steht, sollte unverzüglich prüfen, ob es sich bei ihm um einen Inder handeln, der einen „very good friend in west world“ oder „wife for merry“ sucht. Das Problem in der Online-Kommunikation findet sich hier in den unterschiedlichen Schreibstilen, die häufig inkompatibel und missverständlich sind. Nur weil man sich im richtigen Leben gut unterhalten kann, heißt das noch lange nicht, dass man auch online auf einer Welle surft. Häufig sind Antworten, Smileys und Ruhepausen schwierig zu deuten, sodass viele Chef-Überanalytiker es schaffen, innerhalb einer Unterhaltung aus Worten und fehlenden Worten herauszulesen, dass der Gesprächspartner in Kürze 1) die Freundschaft beenden wird, 2) seine ewige Liebe gesteht oder 3) sich als imaginäres Produkt der eigenen Fantasie offenbart.

Verwechslungsgefahr.

Darüber hinaus kann auch die Emoji-Nutzung viel über einen Menschen aussagen. Der generelle Verzicht auf Emojis, vor allem Smileys, zeichnet das Bild einer verbitterten, bierernsten Person, die keine Zeit für Spaß hat und jederzeit in sehr ernsten Momenten des Lebens konversiert. Im Gegensatz dazu bildet die Menge an Lachsmileys (lies Lach-Smileys, nicht Lachs-Mileys) eine Funktion, die diese ins Verhältnis zur Intelligenz des Emojiierenden setzt: Je mehr Lachsmileys, desto dumm. Ein letztes verlässliches Indiz ist die Verwendung mehrerer Emojis, die keine Smileys sind, sondern simple Nomen abbilden. „Bin in zehn Minuten Sanduhricon.png zu Hause Hausicon.jpg Peaceicon.png Autoemoji.png“. Sowas sendet zwei elementare Information:
1. Ich bin in zehn Minuten zu Hause und
2. Ich bin deine Mutter und habe bei WhatsApp die Emoji-Funktion entdeckt.

Jegliche Abweichung von der Norm durch den Gesprächspartner, kann beim Otto-Normaltexter zu akuten Selbstzweifelschüben und Angstzuständen führen. Die moderate Verwendung von Smileys bei gleichzeitiger bewusster (oft fehlender) Interpunktion und angemessener Wortwahl ist daher im gesundheitlichen Interesse aller.

...in Kommentarspalten[Bearbeiten]

Unter Nachrichtenartikeln und Gute-Frage-Peinlichkeiten findet sich eine ganze Anzahl verschiedener Online-Trolle und Online-Neulinge (die Ähnlichkeit dieser zwei Typen ist erschreckend), die es in ihren kommunikativen Eigenarten beispiellos schaffen, ihre Meinungen aneinander vorbeizukacken. Eine Eingliederung in die Sphären deutschsprachiger Facebook-Kommentare ist nicht zu empfehlen. Versehentliche Lektüre dieser kann allerdings hervorragend als Anschauungsmaterial dienen, wenn man seiner Partnerin weitere Argumente gegen Kinder oder für einen Internetführerschein für über 50-Jährige vorlegen will. Vielleicht ist man auch auf der Suche nach einer mentalen Herausforderung - wem Quantenphysik, partielle Differentialgleichungen oder das große 1x1 zu leicht fallen, der wird seinen Meister in der Argumentationslogik der Kommentarspalten finden. Generell kommunizieren folgende Typen die wichtigsten und unwichtigsten Themen der Welt:

Das Gesicht hinter dem Facebook-Profil des 57-Jährigen Rüdiger H. aus Waren an der Müritz.
  • Das Fakeprofil: Schafft es, sämtliche Nachrichtenbeiträge in komplexen Denkprozessen auf die Themen Flüchtlinge und Niedergang der Gesellschaft umzumünzen, um vorgefertigte Provokationen abzufeuern. Beliebte Sätze: "Wird natürlich totgeschwiegen.", "Deutschland tut mal wieder nichts , ihr seit selbst am Untergang schuld", "Die AfD tut wenigstens was", "Wir haben diesen Beitrag entfernt, bitte halten Sie sich an die Netiquette.".
  • Der Professor: Schreibt einen halben Roman und liefert Fakten, fundiert seine Argumente auf logischen und wahren Begebenheiten. Wird daraufhin von Fake-Profilen und Frührentnern als all das beleidigt, was er diesen Leuten unterschwellig vorwirft. Hat seine Doktorarbeit bestimmt nicht über Kosten-Nutzen-Rechnung von Facebook-Kommentaren geschrieben.
  • Der Verlinker: Hat seit kurzem Freunde und freut sich darüber so sehr, dass er sie unter gestohlenen Facebook-Posts von Seiten wie "Beste Sprüche & Bilder", "alles witzige mit banane" und "funny memes 2017" verlinkt. Er zelebriert den Untergang des Humors und ist mit Grund dafür, dass die genannten Seiten ein Vielfaches an Likes haben, im Vergleich zu Satire-Hochburgen wie der Stupidedia — wo man noch weiß, wie Selbstironie funktioniert. Beliebte Sätze: /
  • Der Moralapostel: Fordert ein soziales und liberales Weltbild mit Freiheiten für alle — solange die eigene Meinung unterstützt wird. Er ist strikt gegen die Todesstrafe, möchte aber allen Nazis auf die Fresse hauen. Er wehrt sich gegen Abschiebungen von Afghanen, fordert aber die Abschiebung aller Rechten nach Mecklenburg-Vorpommern. Beliebte Sätze: "Die AfD ist menschenverachtend und alle ihre Mitglieder sollten gehäutet werden.", "Als Vegetarier...", "Argumente von einem Fake-Profil brauche ich mir gar nicht erst durchzulesen."

...auf der Stupidedia[Bearbeiten]

Die Kommunikation auf der Stupidedia unterscheidet sich elementar von den Kompromisslosigkeiten, leeren Versprechungen, Anschuldigungen und unterschwelligen Beleidigungen der Wikipedia. Denn auf der Stupidedia herrscht Wechselsprechverkehr! Anhand weniger Leitlinien fällt eine problemlose Eingewöhnung in die aktuellen Zustände spielend leicht: Kommunikation ist entweder solange inexistent, bis eine Änderung den seit Jahren vorherrschenden Status Quo überarbeiten soll (was generell frei von Argumenten zu blockieren ist) oder frei von Empathie und Bezug zum Gesprächspartner. Die Kombination beider Eigenschaften ist erwünscht. Optimalerweise erreicht man so das höchstmögliche Level an Relevanzheuchlerei und fehlenden Selbsteinschätzungsfähigkeiten. Abseits dieser aufregenden Momente, in denen einzelne User vierteljährlich wiederkehrende halbstündige Motivationsschübe in harmloses Gebelle umwandeln oder penetrant ihre eigenen fragwürdigen Ansichten zur Schau stellen, ist auch normale Kommunikation auf der Stupidedia möglich. Diese ist von Verständnis, gutem Willen, Witzeleien und hilfreichen Worten geprägt und findet sich vor allem spaßig gemeint in Forenthreads des Spamforums wieder.

Rationalität[Bearbeiten]

Ganz im Sinne der 6. Grundregel der Online-Kommunikation findet Rationalität häufig keinen Einzug in die Gespräche des Internets. Wenn Nachrichten nicht innerhalb von Sekunden beantwortet werden, fühlt man sich ignoriert und hintergangen. Alles was als verletzend gedeutet werden könnte, ist es auch. Kurzum: Man geht bei seinem Gesprächspartner routiniert von den schlimmstmöglichen Intentionen aus, kaum dass ein Gesicht und ein tatsächliches Gegenüber in der Interaktion fehlen. Gleichzeitig ermöglichen es die zeitversetzten Unterhaltungen, Texte für die eigenen Agenden zweckzuentfremden, sich in Details festzubeißen oder Diskussionen anhand von einzelnen Formulierungen, fernab von Themen zu führen. Wer das Dickicht der Online-Gegenstücke aller Fensterbankpöbler, Vom-Balkon-auf-Passanten-Spucker und privater Parkzettel-Verteiler durchblickt, kann online, ab drei Ritalin-Valium-Cocktails pro Tag, tiefenentspannt surfen.