5 x 5 Goldauszeichnungen von Relic Nr. Oblatan, Radieschen, Animal*, Cliffarm und Wuschelkopf91 x 1 Silberauszeichnung von Sky

Webszintigraph

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Ein Web-Szintigraph (moderne Schreibweise, alte Schreibweise: Leichenkeller) ist der Bilderschmuck als Epitaph einer Online-Grabstelle nicht nur bei klassischen, sondern auch modernen Religionen, wie der Onkelogie, der Mammongraphie oder dem Sexismus.

Ein argentinisches Epitaph eines Tangotänzers
Praktisch veranlagt: Ein Mitnahme-Epitaph als Anhänger
Niemals kommt geht man so ganz...
...obschon es so mehr Spaß macht(e)...etwas...
Ein wirklich allerletztes Bild als Epitaph eines an Harnblasenverschluß verstorbenen Christen

Geschichte[Bearbeiten]

Schwerwiegender Bestandteil und das nicht immer nur auf die Wahl des Materials in grobschlächtigeren, archaischen Zeiten bezogen, war oft die Symbolik, die hinter dem Grabesschmuck des Beklagten stand. Dann wurden nicht nur die Umstände des Todes, der Grund des Sterbens des Verblichenen karikiert, sondern damit allzu oft auch mit irdischem Augenzwinkern dem Betrachter der eigene Spiegel der Verderbtheit vorgehalten. Daher finden sich auf solchen Darstellungen versteckte Schmankerl wie Weinkelche, Mädchen oder Knaben mit Schwertern, um etwaige Lasterhaftigkeiten in petrusartiger Erbsenzählerei nicht unerwähnt zu lassen.
Vor allem war es für die Anverwandten je nach Beliebtheit und vor allem dem Erbe des Vorangegangenen wichtig, mit dem Epitaph und seiner Ausgestaltung Beruf und Stand klarzustellen bzw. das zu konstatieren, was man gern mit ihm erreicht gehabt hätte. Es half auch Grabräubern bei der Priorisierung von Gräbern im Rahmen nur knapp begrenzter Lebensarbeitszeit.

So stellte das Epitaph in dieser Zeit anders als später nicht immer ein reales Abbild dar. Es wurden auch Wunschelemente eingefügt, mit denen man zwar für den Toten keinen leichteren Zugang ins Himmelreich erreichen würde, aber unter den Lebenden Fortschritte im Ansehen erwirkte. In Verbindung mit der Symbolik wurde schließlich das Bild des Toten manchmal derart verfremdet, dass dieser sich selbst nicht hätte wiedererkennen können. Reklamationen waren aber nie zu befürchten (außer bei Scheintoten).

Findagrave war gestern[Bearbeiten]

Der Hang zur realistischeren Darstellung von Verblichenen ausgehend vom Süden Italiens hatte auch den Vorteil, dass die Abbildung mit Steckbrief-Listen berüchtigter Mafiosi abgeglichen werden konnte.

Der erste Schritt weg von idealisierenden Darstellungen mit hohen Material- und Arbeitskosten (obschon Arbeit damals tendenziell billiger war) waren zunächst fotografieähnliche Darstellungen ab der Mitte des letzten Jahrhunderts. Mit dem Internet kamen Websites wie Findagrave.com. Es war ein großer Schritt und das eben nicht nur für die Menschheit. Hier konnte man seine lieben, meist aber eher unbekannten und vor allem verblichenen Vorfahren - mit verklärenden Worten und vergilbten Bildern verbrämt - besuchen. Dort spielte die Religionszugehörigkeit allerdings schon keine Rolle mehr; es tat sich ein Reigen von nach Berühmtheit sortierten Erblassern auf, die man auch wieder getrost wegklicken konnte, so denn schon erbrechtliche Streitigkeiten eh nicht mehr bestanden oder wenn man nicht noch einen hämischen Kommentar wegen der letzten Testamentsänderung auf dem Gästebuch hinterlassen wollte.

Nachteil war die große Zeitverzögerung als eine Art Jetlag - wenn man denn davon ausging, dass es sich um eine Himmelfahrt gehandelt haben müsste - zwischen erstem und zweitem Tod: mit letzterem fanden die Verstorbenen erst den Eingang ins virtuelle Nirvana. Wunderbar war die Zeitersparnis beim Besuchsfenster, musste doch kein halber Sonntagnachmittag mehr totgeschlagen oder an Gedenkgottesdiensten teilgenommen werden, um sein Gewissen zu beruhigen.

Die ultimative Lösung: Der Webszintigraph[Bearbeiten]

Vor allem war und ist man ja als Toter immer auf fremde Hilfe angewiesen, dass jemand das Epitaph überhaupt erstellt, idealerweise mit kitschigen Blumen (z.B. bei Gärtnern), Schwerten (bei Soldaten), Hämmern und Sicheln (bei Handwerkern) oder abgeknickten Ähren (bei Landwirten oder unbeliebten Landwirtschaftsministern) schmückt und schließlich mit Geburts- und Sterbedaten versieht.

Ein Doppel-Epitaph:"Mein Gott, Du wirst mich doch nicht verlassen haben!" versus "Mein Gott, warum hast Du ihn verlassen?"

Die sexuelle Revolution Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts war Geburtszelle für den Tod moralischer Integrität und Pietät hin zur Aufgabe gesellschaftlicher Konformität: Man durfte auf einmal in allen Lebens- und Sterbenslagen egoistisch sein. Dies fand zum Beispiel seinen abgebrochenen Höhepunkt in den Darstellungen des toten Che Guevaras in den Fängen bolivianischer Soldaten, die um die Welt gingen - die Darstellungen.

Egoismus hieß jetzt für die eigene Beerdigung nicht nur sparen und diese organisieren zu dürfen, dieser gipfelte in der nun legitim gewordenen schonungslosen Offenheit, seinen bald toten Körper selbst zur Schau stellen zu dürfen.

Ein anderer Aspekt wurzelte in noch früheren Zeiten darin, nicht unproblematische Persönlichkeiten in gläsernen Sarkophagen zu präsentieren, um zu zeigen, "dass der wirklich tot ist und nix mehr machen kann", so bietet heute moderne Technik als seltsam klare und spartanische Möglichkeit, sein Innerstes selbst dem wahren Geist der Gemeinde bis auf die Knochen offenzulegen: die Szintigrafie, als plakative Darstellung einer Besteuerungs- und Verzollungsresistenz, als das Mittel der Wahl für Todkranke, Hypochonder, ambitionierte Selbstmörder oder Ausreisefreudige. Und natürlich um zu zeigen, "dass der wirklich tot ist und nix mehr verdienen kann". Bis auf Elvis Presley oder Michael Jackson, aber das sind Ausnahmen.

Nun hatte man kein biederes, ja, bigottes Weggucken mehr zu befürchten, wenn nackte Tatsachen, krumme Hüften, matschige Schädeldecken, schlecht verheilte Knochenbrüche und Kunstfehler unters Volk gebracht wurden. Es war nicht mehr nur erlaubt, sondern erwünscht!

Beschaffungskriminalität[Bearbeiten]

Der Weg zur selbst hergerichteten Begräbnisstätte im Netz war aber nicht leicht. Die hohen Anschaffungskosten schreckten viele Normalverdiener ab. So entwickelten sich eigene industriell organisierte kriminelle Vereinigungen und boten da kostengünstig Hilfe, wo bald gestorben werden sollte und die Krankenkasse den Weg zur eigenen Szintigraphie verwehrte. Einbrüche in radiologische Praxen nahmen überhand.

Hilfe aus Fernost[Bearbeiten]

Aus diesem Sumpf von Verbrechen, der auch legalen Szintigrafien anhaftete, konnte es nur eine Richtung geben, die nach Fernost mit dem Besuch eines dort ansässigen Radiologen oder die von Fernost aus nach Europa, durch den Support durch preiswerte Nachrüstsätze zum Selbstaufbau im Container mit den preiswerten Socken. So wurden Drucker mittels einer nuklearmedizinischen Scan-Einheit, die nur gegen den Druckkopf getauscht werden musste, zum mobilen Szintigraphen und ermöglichte es noch jedem Bürger zeitnah ein letztes ehrliches Bild als Epitaph für die Ewigkeit anzufertigen und online zu stellen.

Die vorher zu trinkenden Radionuklide gibt es bei seriösen Anbietern übrigens als kostenlose Dreingabe, in der Regel mit einer Probepackung rautenförmiger, blauer Pillen zum Einüben der Leichenstarre.

Andere Religionen[Bearbeiten]

Onkelogie und Mammongrafie[Bearbeiten]

Während sich die Onkelogie auf einen germanischen Ahnenkult versteift, die in patriarchalischer Art den Onkel als Gegenpol einer (meist) durch Keuschheit geprägten verwandschaftlichen Beziehung als Quell der religiösen Inspiration propagiert, ist die Mammongraphie die erste rein beschreibende Religion, die es bereits in der reinen Onlineversion gibt und schon alle Glaubensbe- und -erkenntnisse gegen Fakten einzutauschen verstanden hat, indem sie sich dem Heiligen Gesetz der großen Zahl unterworfen hat.

Abseits von EBay, Online-Brokering, Casino-Portalen und Viagra-Mailing-Machines zeigte aber die Entwicklung mondäner und immer auch etwas degenerierter Kreise schon immer, dass der Erwerb und eine komplette Offenlegung des Vermögens in eine Sackgasse führte: immer geht es nur um anbetungswürdige, edle Zahlen, derer es immer eine größere, gottgleichere geben wird.

Immer würde es geschickter ausgenutzte Lücken in vom Bösen gesteuerten und gesetzten gegnerischen Reihen geben und immer auch einsamere Domänen innerer Auskehr und religiöser Selbstzufriedenheit. So konnte es nur noch einen Weg zum wahren Frieden für die Ewigkeit geben, als Dank, Ausgleich und Antwort, als Tribut für die Offenheit des Internets einem selbst gegenüber mit all seinen auch destruktiven, unvollkommenen Verlustwerten: den Weg nach innen als Symbol der Ewigkeit, der Klarheit und Gerechtigkeit. Amen.

Epitaphe bzw. Webszintigraphe von Mammongraphikern können meist anhand neben dem Skelett eingeblendeten, fallenden Aktiencharts erkannt werden.

Die Wichtigkeit von Selen[Bearbeiten]

Die Anhänger der Mammongrafie haben mit der christlichen Religion gemeinsam, den Hl. Pankratius zu verehren. Dieser gilt als sogenannter Eisheiliger und stellt für den Mammongrafiker ein Icon als Gegenbuchung gegen das schlechte Gewissen dar, sein Streben nach wirtschaftlichem Wohlstand hätte die Welt in eine globale Erwärmung getrieben haben können: "Pankratius bringt Frost und Reif und hält den Nacken steif".

Pankratius sitzt in der namensstiftenden Pankreas, also in der Bauchspeicheldrüse eines jeden Mammongrafikers und kann durch Selen beim Erstellen des Szintigraphs sichtbar gemacht werden. Je dunkler und stärker das Selen dort erscheint, desto geläuterter gilt man.

Praktischer Nutzen von Missbräuchen[Bearbeiten]

Da es bei einer Online-Religion wie der Mammongraphie keinerlei reale Kontakte gibt, wird eine Szintigrafie gern benutzt, um ein weltliches Ableben vorzutäuschen:

  • damit man etwaige Reaktionen, wie freudiges Überraschtsein, volle Kondolenz-Gästebücher und Gedenkminuten bzw. -sekunden bzw. -bruchteile beim realen Tod abschätzen kann oder
  • gefahrlos der Mammongraphie abzuschwören imstande ist (ohne via Skype und derlei Messengern mehr belästigt oder in Foren in zwickmühlenartigen Situationen verstrickt zu werden) oder
  • da man bei großen Gemeinden durch dotierte Trauer-Emails den Ausgleich von Verbindlichkeiten erhofft.

Verweltlichung[Bearbeiten]

Die USA als Sprachrohr keuscher Weltordnung nahm schnell die Stellung des Vorreiters einer anders gerichteten, im Grunde noch etwas dekadenteren Nutzung des Szintigraphen ein

Nicht immer ist eine seriöse und eine unseriöse Nutzung eines Szintigraphen klar voneinander zu unterscheiden: manchmal kann schon das falsche Umfeld, die falsche Community, der falsche Grave-Provider sein Scherflein dazu beitragen, dass ein ehrliches Sterben in aller Offenheit im Ansehen der restlichen Welt nicht für Gottes Gnade gereicht und so falsch gepostete Szintigraphen für richtig schweinische Anliegen missbraucht werden.

Solche Fakebilder finden sich zu Hauf im Internet, wo laszive Dienstleister alle Hüllen zu fallen vortäuschen, um dem Betrachter den letztmöglichen Genuss zu bereiten. Datendiebe haben sich darauf spezialisiert, auch in der richtigen Umgebung angebrachte Epitaphe bei Nacht- und Nebelaktionen Betreibern von Erotik-Websites in die schmutzigen Hände zu spielen.

Besondere Stellung des Sexismus[Bearbeiten]

Echte Knochenbilder gibt es hingegen nur bei Vertretern des Sexismus, nicht selten mit Migrationshintergrund: Unbedarfte Einwanderer und Einwanderinnen leben ihren Glauben an die körperliche Freiheit, in nur der sich Gott oder Göttlichkeit für sie offenbart - ähnlich den Strömungen der Naturrelgionen - authentisch vor einer umgebauten Webcam.

Diese Sitzungen finden wie heimische Gottesdienste vor allem an Sonn- und Feiertagen statt. Kritiker dieser Postnaturreligionen spotten häufig über den selbst getragenen Klingelbeutel eines jeden Konvertiten und prangern die mit der starken Roentgenstrahlung einhergehenden gesundheitlichen Probleme der Vorbeter an.

Schon nach durchschnittlich zehn kurz aufeinanderfolgenden Sitzungen werden Karzinome ausgebildet, die schlecht behandelbar sind. In der Quintessenz kann so allerdings wiederum von einer freilich meist unbeabsichtigten ursprünglichen Zweckbestimmung - des (vielleicht) letzten Bildes - ausgegangen werden.