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Diverses:Wie man zu einer etablierten und nervigen religiösen Splittergruppe wird

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Das ist Herbert!
Herbert ist ein Mitbürger der Bundesrepublik Deutschland und lebt in einem Vorort zwischen Kiel und Unterhaching. Er ist in seinen Mitdreißigern und soeben arbeitslos geworden, denn die Zeitarbeitsfirma hat aus ihrer Sicht qualifizierteres Personal eingestellt. Die Aussicht auf einen neuen Job ist aktuell so wahrscheinlich, wie die Begegnung mit einem Mann, der im Regenwald mit einem Assassinen-Kostüm rückwärts "The Girl From Ipanema" summt, während er in grüngelben High-Heels "Hakuna Matata" im Gleichschritt tanzt. Seine Freundin hat ihn auch verlassen bzw. hätte ihn jetzt auch verlassen, wenn er denn eine gehabt hätte. Aber er hat ja keine!
Deswegen - oder wegen der Umstände im Allgemeinen - ist Herbert sauer. Er langweilt sich den lieben langen Tag und findet keine Beschäftigung, ist frustriert und wienert sich nur "gelegentlich" mal die Möhre.

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Du, mein Sohn, hast somit alle erforderlichen Punkte erfüllt, um in die Niederungen des religiösen Fanatismus zu versinken und Fundamente aus den Angeln zu heben, damit die Erde ein besserer und friedliebender Ort wird, frei von Konflikten, Streit und Krieg - offiziell.
Was ist los, Herbert? Warum zögerst Du noch? Ah, ich verstehe. Du hast Dich im Internet schon vorher schlau gemacht und gemerkt, dass Dir keine der aktuellen Splittergruppen zusagt. Aber das ist doch überhaupt kein Problem. Es ist gar nicht notwendig, in eine schon bestehende Gemeinschaft einzusteigen. Erfahre hier, wie man im Handumdrehen mit seiner Ideologie aus dem Untergrund heraus aufsteigt und in die etablierte Gruppe derjenigen kommt, die von den Menschen der Welt gehasst und gejagt, zerbombt und gemobbt werden, da sie die Wahrheit verkennen und deshalb das Fremde vertreiben wie eine schwarze Landbevölkerung.

Das Fundament[Bearbeiten]

Zu Beginn benötigt man ein Fundament, eine Basis, einen Fels in der Brandung oder was auch immer man dazu sagen möchte. Wähle nach Belieben, wir werden nachher sehen, dass dies im späteren Verlauf überhaupt keinen Einfluss auf die Etablierung Deiner religiösen Splittergruppe nimmt. Das ist ein bisschen so wie in einem Rollenspiel, bei dem man zu Beginn den Charakter aussuchen muss und einem vorgegaukelt wird, der eine sei auf jeden Fall stärker als der andere, aber man letztlich mit allen ans Ziel kommt, und trotzdem in einschlägigen Foren für Flamewars aller Art sorgt, bei dem jeweils die Mutter des jeweils anderen im wahrsten Sinne des Wortes dran glauben muss.
Natürlich sorgen kleinere Details für einfachere Umstände: Mit dem Koran einen Aufstand anzuzetteln, also so richtig mit brennenden Flaggen und allem drum und dran, ist demzufolge wesentlich einfacher als dasselbe mit einschlägigen Berichtserstattungen über das Leben unter dem Baum von Siddharta Gautama zu tun. Doch merke Dir, es ist nur das Fundament. Ein Text-Rohling, der noch weiter ausgearbeitet werden muss - Stichwort "Interpretation". Oder wie im Deutschunterricht damals, als jede Silbe Friedrich Schillers so viel Tiefgang hatte wie die Cloaca Maxima in Rom. Und ich muss eigentlich nicht noch einmal erwähnen, dass die Wahl überhaupt keine Rolle spielt, um erfolgreich zu werden. Wenn Dir die großen Marktführer der Religion nicht zusagen, dann tut's auch ein Buch von Leo Tolstoi, George R. R. Martin oder Astrid Lindgren. Ja, Herbert, die BILD-Zeitung tut's auch!

Ja, auch ein mögliches Fundament

Namensgebung und Ausrüstung[Bearbeiten]

So, Herbert. Die Vorbereitungen sind getroffen, das Fundament ist gewählt und die Entscheidung fix. Jetzt geht's erst richtig ans Eingemachte. Überlege Dir, welche Eigenschaften Deine religiöse Splittergruppe haben soll, also weich und voller Liebe oder eher brutal und streng. Ich sage aber im Voraus, dass Du mit letzterem mehr Erfolg haben wirst. Besonders weil "voller Liebe" nicht bedeutet, dass man sich kunterbunt durch die Welt vögelt und Geschlechtskrankheiten sammelt, sondern das Gegenteil. Aber wir driften da vom Thema ab...
Gib Deiner Bewegung einen Namen. Vorzugsweise nimmt man dabei demütigst seinen eigenen Namen, in dem Fall Herbertismus. Professioneller kommen aber lateinisch-griechische Crossovers wie Perisanctulaner, oder so. Es kann auch ein Gegenstand Deiner Bewegung sein, die Tierverweigerer zum Beispiel könnte man gemeinhin als Salatisten bezeichnen, ziehen aber die langweiligere Form vegan oder vegetarisch vor.

Nachdem der Name gegeben ist, muss Du Dir eine Ausrüstung besorgen. Jede religiöse Splittergruppe hat bestimmte Merkmale, die teilweise sinnlos aus einem alten Text interpretiert wurden. Salafisten haben lustige Bärte, Mormonen laufen rum als würden sie ständig auf Beerdigungen tanzen und Justin Bieber-Fans erkennen sich gegenseitig am markdurchdringenden Belieber-Schrei. Du brauchst auch etwas, was Dich aus der Masse herausstechen lässt. Nein, Herbert, bitte leg zu Übungszwecken Deine BILD-Zeitung zur Seite, denn den in Jogginganzug mit Senffleck auf der Hose und mit den Worten der BILD predigenden Hartzer auf der Parkbank gibt es schon.
Wie wäre es mit lustigen Hüten? Ach ne, haben die Juden schon. Bunte Kleidchen im Schotten-Stil sind an die Katholiken vergeben... Hm, lass Dir etwas einfallen. Predige doch nur von Dächern herunter (wenn Du Astrid Lindgren als Fundament wählst)?!

Propaganda[Bearbeiten]

Kommen wir nun zu dem Teil, der Deine Splittergruppe erst so richtig erfolgreich macht. Die Propaganda!
Denn das richtige Auftreten und Umsetzen von Regeln ist meistens schon die halbe Miete. Wen interessiert schon der Inhalt... Wie irrelevant der Inhalt ist, kann man an folgendem Beispiel erkennen: Würdest Du etwa als Frau, wenn Du eine wärst, den ganzen Tag in wallender Hitze von oben bis unten verhüllt mit Deinem Ehemann und seinen zwölf anderen Ehefrauen spazieren gehen? Freiwillig? Richtig, nein. Aber würdest Du dasselbe tun, wenn's sonst heißt: "Kopf ab!"? Genau. Merkst was?
Du kannst mit Liebe und Frieden heute nix mehr erreichen, Herbert. Je mehr Frieden, desto weniger Religion. Du kannst an die Häuser gehen und klopfen. Frage liebevoll, ob dieser über Deinen Gott sprechen möchte. Lehnt er ab, hau ihm eine auf die Fresse und prügle den Teufel aus ihm heraus bis er heilig-blau wird. Lasse ab von ihm, wenn Du glaubst, der Teufel sei ausgetrieben, und erbitte dann noch eine Kollekte. Und alles unter 5€ gibt gleich noch eine auf's Maul.
Nutze auch die neuen Medien wie Twitter in Kombination mit YouTube. Zeige allen Frevlern ihre Fehler auf, indem Du auf abgelegenen Geländeflächen wehrlose Menschen köpfst. Nach dem Motto: "Kein Gott, kein Kopf!"
Oder lungere in der Innenstadt herum und belästige andere Menschen mit dem Fundament Deines Glaubens und verschenke Kopien Deines Werkes. Und wenn jemand mit Urheberrecht kommt, Kopf ab! So einfach funktioniert das, Herbert. Das hast Du Dir nicht ausgesucht, das wollte der Gott Deines Glaubens!

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Rüttle am Weltfrieden[Bearbeiten]

Wir sind an dem Punkt angekommen, der Welt zu zeigen, dass sie dem Untergang geweiht ist. Beschaffe Dir dafür geeignetes nukleares Arsenal, um Deinen Forderungen Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Fidel Castro sollte noch welche im Keller haben.
Will der aber nicht verhandeln, kannst Du bei Kim Jong-Un klopfen. Macht der nicht auf, kennst Du ja die Regeln - wie oben beschrieben. Ansonsten Kopf ab. Spätestens, aber wirklich allerspätestens, solltest Du hier die Aufmerksamkeit der Welt auf Dich gezogen haben und schon einen kleinen Trupp an Mitgläubigen um Dich haben, der anderen Leuten ebenfalls die Ohren abkaut. Doch das macht nichts, mit Deinem nuklearen Arsenal hast Du weitaus bessere Argumentationsgrundlagen als der Papst mit seinem lustigen Hut.
Und Herbert, bitte, geh mit der Zigarette nicht so nah an die Atombombe, ja? Wir wollen die Bombe nur für den Frieden einsetzen. Denn darum geht es in Deiner Religion: Um Liebe, Mitgefühl und Verständnis. Um ein Leben nach der Enthauptung, um Frieden und... ach Gott, mir kommen die Tränen - verzeih mir... es geht auf jeden Fall um Frieden. Und wo Frieden ist, muss vorher Krieg gewesen sein.
Zieh mit Deiner Quest-Gruppe nun gen Israel bzw. Jerusalem. Erhebe nun Anspruch auf das Land, einfach weil's jeder haben will. Wenn jemand nicht will, Du weiß ja. Kopf ab! Allerdings wird dies nicht mehr nötig sein, weil Atombombe.
Da du nun am Ziel Deiner Träume bist, kommt es zum großen Endboss USA. Die merkt nämlich, dass Du immer mehr Aufmerksamkeit bekommst und die Menschen von ihrem jämmerlichen Dasein erlöst. Und das spült natürlich Geld in Deine Kasse (denk an die 5€-Regel der Kollekte). Wenn Du jetzt noch Öl findest, will die USA auf jeden Fall die Freiheit der Menschen in Deinem Gebiet.

DAS ist dann nun wirklich der letzte Fight, Herbert! Kämpfe für Deine Überzeugungen und Deinem Gott der Interpretation. Setze die Atombombe ein und zeige den Menschen, wie sehr Du sie liebst und wie wichtig Dir ihre Freiheit ist.
Abschließend möchte ich Dir noch sagen, Herbert, ich bin stolz auf Dich. Du bist zu einem Religionsführer geworden und hast Deine Splittergruppe zum Gipfel gebracht. Die Menschen wollten nicht hören, obwohl Du sie gewarnt hattest, also musstest Du ihnen die Köpfe absägen und ihnen die Konsequenzen aufzeigen. Die Atombombe ist nicht von Dir - sie ist von Deinem Gott. Der Untergang der Welt ist nämlich so sicher wie das Amen in der Kirche. Wobei sich bei letzteren eh jede Woche ein neuer Stream einstellt. Da ist gar nichts mehr sicher...
In diesem Fall: Wir sehen uns im Himmel. Lebe wohl.


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Dieser Artikel aus den Namensräumen „Diverses“ oder auch „Spiegelwelten“ besitzt aufgrund seiner Qualität die Urkunde „Schatzkistentauglich“ und wird daher im Portal Rumpelkiste gelistet.
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