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Gymnasiale Oberstufe

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In der gymnasialen Oberstufe, ironischerweise so gut wie immer vereinfachend "Oberstufe" oder gleich kurz und falsch "Sek 2" genannt, werden erwachsene Kinder von kindischen Erwachsenen in mündige Bürger verwandelt.

Zwischenmenschliches

Die Loreley aus Wanne-Ei' weiß genau, worauf es ankommt.

Die Unterrichts-Situation ist in der gymnasialen Oberstufe eine ganz andere als in der richtigen Schule. Ein wesentlicher psychologischer Punkt ist bereits, dass die Mehrheit der Schüler inzwischen größer ist als ihre Lehrer, was zu deren Autorität nicht gerade beiträgt – ein zorniger Blick muss schon von sehr kräftigen Augenbrauen unterstützt werden, wenn er auch nach oben gerichtet noch seine volle Wirkung entfalten will. Davon abgesehen weiß der kaum mehr pubertierende Oberstufenschüler ohnehin um seine Überlegenheit dem Lehrpöbel gegenüber; insbesondere weiß er, dass er die Zukunft ist und einer Elite angehört. Das Abitur hat er zwar noch nicht, aber immerhin ist er kein Hauptschüler. Wahres Selbstbewusstsein findet auch an dünnen Halmen festen Halt.

Von Lehrern wird diese Autoritätsverschiebung im Allgemeinen nicht wahrgenommen. Je nach Typ halten sie sich jeder gegensätzlichen Realität zum Trotz entweder für gute Kumpels ihrer Schüler, wichtige Vorbilder und Respektspersonen oder wenigstens für weise Alte, die der Jugend eine schier unerschöpfliche Menge an nicht notwendigerweise fachgebundenem Wissen zu vermitteln haben. Die männlichen Kollegen halten sich ab einem Alter von fünfzig Jahren darüber hinaus für attraktiv und längst noch nicht zum alten Eisen gehörig, und auch wenn das Interesse an den inzwischen fast erwachsenen Schülerinnen bereits merklich nachlässt, hört man immer wieder Sprüche wie "Maus, hast du neue Schuhe? Sieht hübsch aus. Bist sowieso 'ne hübsche Maus. Ihr seid ja alle hübsche Mäuse". Außerdem sieht in jedem Deutsch-LK mindestens eine Schülerin aus wie die Loreley, das heißt: "blond und üppig. Aber im positiven Sinne!"
Letztendlich sind sie sowieso alle die gleichen, bis an den Rand der Leichenstarre abgestumpften Folterknechte, die selbst längst keinen Ekel mehr dabei empfinden, immer und immer wieder denselben Schrott in unschuldige junge Hirne zu hämmern.

Unterrichtsinhalte

Mindmap zum Thema Mindmap; man beachte, wie vielschichtig vernetzt Zusammenhänge zwischen den Binneninformationen hergestellt werden, wie es ein linearer Fließtext nie könnte.

Selbstständiges Arbeiten

In lässiger Anlehnung an die angeblich weitgehend eigenverantwortliche Arbeit der Studierenden an Universitäten wird auch schon in der gymnasialen Oberstufe selbstständige Arbeit erwartet oder auch einfach nur behauptet. Praktisch sieht das oft so aus, dass der Lehrer Gruppenarbeit oder Brainstorming ausruft, die Beine hochlegt und seine Schäfchen erst mal gewähren lässt. Auf Ideenweitwurf wird allerdings aus Platzgründen zumeist verzichtet und die Eigenverantwortlichkeit hat sich im Rahmen des Lehrplans zu halten.

Ebenfalls nach dem großen, akademischen Vorbild findet der Unterricht nun nicht mehr im Klassenverband statt, sondern ist in einem hochkomplexen Kurssystem organisiert. Die Kurse kann man als Schüler den eigenen Vorlieben gemäß frei wählen. Hierbei gibt es einige Einschränkungen, die von Land zu Land variieren und aus Rücksicht auf die Nerven des Lesers und die Festplatten des Servers nicht im Einzelnen ausgeführt werden sollen; das Ende vom Lied ist nach seitenlangem Papierkrieg in jedem Fall, dass man ein Fach abwählt, das einem nicht so zusagt, und ein weiteres, das man gerne weiterhin belegt hätte; mit allen anderen muss man sich bis zum Abitur herumplagen.
Ein kleiner Trost für Alle, die noch das eine oder andere Fach besuchen müssen, das sie eigentlich gern längst losgeworden wären, ist die raffinierte Schwerpunktsetzung in der Oberstufe. Mit etwas Glück bleibt einem nämlich der größte Teil des missliebigen Wissensgebietes erspart und es wird zwei Jahre lang nur auf einem winzigen Teilbereich herumgeritten, den das Kultusministerium des jeweiligen Landes zuvor stochastisch ermittelt hat. So könnte es durchaus sein, dass man im verhassten Chemie-Unterricht die gesamte Zeit damit zubringt, die Korrosion am Beispiel einer mit Ravioli und Tomatensoße gefüllten Weißblechdose (anschaulich und praktisch) zu behandeln, ohne mit Dingen wie Thermodynamik oder Biochemie behelligt zu werden (auf Nachfrage wird ganz einfach das eine zu Physik erklärt und das andere zu Biologie; auf jeden Fall ist der Chemielehrer nicht zuständig). Ebenso sind in allen sprachlichen Fächern – auch und gerade in Deutsch! – gute und sehr gute Noten durchaus zu erreichen, ohne dass sprachliche Kompetenz in mehr als rudimentärer Ausprägung vorhanden wäre, weil genau die gar nicht im Erwartungshorizont gefordert wird. Stattdessen wird etwa die Literaturkritik zum Thema des Unterrichts erkoren und ein desinteressierter Haufen, von dem die Hälfte das Wort "Literatur" mit "th" schreibt, wenn er's nicht vergisst, bekommt die Aufgabe, Tellkamps "Schlaf in den Uhren" zu beurteilen, anschließend Tellkamps Beurteilung in Klagenfurt ebenfalls zu beurteilen und dann in Gruppenarbeit die Urteile der anderen Kinder auch nochmal zu beurteilen. Das alles erfolgt natürlich, bevor alle Teilnehmer die Chance hatten, ihrer eigenen Muttersprache Herr zu werden und etwa zu lernen, wo ein Komma gesetzt wird und wo nicht; aber das ist bei Tellkamp ja auch nicht weiter von Bedeutung.

Kritisches Denken

Das kritische Denken war der Motor der Aufklärung (Und jetzt Alle: Die Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.Immanuel Kant, Was ist Aufklärung, 1784) und ist das Fundament der demokratischen Gesellschaft. Aus diesem Grund fühlt man sich in der gymnasialen Oberstufe verpflichtet, das kritische Denken Hand in Hand mit dem selbstständigen Arbeiten als eines der wichtigsten Unterrichtsziele wenigstens zu propagieren. Im Normalfall wird es in der ersten Hälfte der Oberstufe mit Nachdruck gefordert, bis es dann in der zweiten Hälfte mit Genugtuung festgestellt wird. Irgendwann dazwischen muss noch ein Schülerreferat dafür herhalten, exemplarisch die Wikipedia schlechtzureden ("Man darf nichts glauben, was da steht", "Da darf jeder was bearbeiten, da weiß man ja Bescheid", "Man kriegt nie raus, wer das alles geschrieben hat", "Doch, da gibt es nämlich die so genannte Versionsgeschichte" "Ja schon, kann sein, aber dann stehen da ja nur sone Witznamen!"), damit die jungen Hohlköpfe ein Gegenbeispiel zum Ablehnen haben. Am Ende der Stunde gibt's dann Kopien von etwas Besserem, nämlich dem Artikel "Wie gefährlich ist der Islam?" aus dem Spiegel. Aufgabe: Lesen, Verstehen, Kernthesen verinnerlichen, kommt in der Klausur dran.

Typisches Gymnasium. Die Oberstufe ist leicht daran zu erkennen, dass sie überwiegend aus Blech besteht.

Diskussionsrunden

Mehr oder weniger häufig werden in der Oberstufe Diskussionsrunden geführt, in denen die Kinder nach dem Vorbild einschlägiger Fernsehvorbilder die wortreiche und zeitintensive Debatte über ein vorgegebenes Thema erlernen. Erklärtes Ziel ist hierbei nicht die inhaltsorientierte oder gar zielführende Argumentation, sondern das Füllen eines gegebenen Zeitfensters mit möglichst lückenlos an einander gereihten Sätzen unter Verwendung möglichst vieler themennaher Fachtermini, das ist wichtig. Sind gerade keine themennahen Termini zur Hand, reichen auch beliebige Wörter mit dem Suffix "Ismus". Die hierbei erlernte Fähigkeit besteht darin, auf möglichst beliebige Eingaben möglichst beliebige Antworten möglichst schnell zu erwidern; zur Not reicht allerdings auch Kritzenschnack. Weder ist es möglich, die fröhlich gedeihende Diskussion durch Hieb- und Stichfestes oder gar Prägnantes vorzeitig zu beenden, noch wird ein eventuell sehnlich erwartetes Ergebnis am Ende der Stunde erzielt. Wenn jemand so dumm ist und danach fragt, dann greift wieder das selbstständige Arbeiten: dann nämlich kann er "die restlichen Punkte doch selbstständig zu Hause recherchieren und beim nächsten Mal als Referat vortragen". Macht er das nicht, erntet er bestenfalls verständnisloses Kopfschütteln ob seines Sinneswandels angesichts einer kleinen freiwilligen Arbeit und schlimmstenfalls eine Sechs wegen Arbeitsverweigerung. Macht er es doch, bekommt er unabhängig von der Qualität seines Vortrags eine Eins und ist anschließend als Streber verpönt, wenn er das noch nicht war.

Sozialer Feinschliff

Selbstredend erlernt man das Lebensnotwendige bereits irgendwann vor der Oberstufe. Was also noch bleibt, ist die Feinarbeit, ein bisschen Kosmetik hier, etwas Zierrat da und das gewisse Etwas. Dazu gehört es anscheinend auch, nochmal mit Nachdruck zu verhindern, dass die Heranreifenden zu Neonazis heranreifen. Aus diesem Grund wird sowohl in Deutsch als auch in Geschichte als auch in Musik als auch in Englisch und Französisch als auch in Religion als auch in Werte und Normen als auch in Kunst die Nazivergangenheit Deutschlands aufgearbeitet, die alle Beteiligten natürlich längst gleichermaßen kennen und verurteilen. Aber wer dem nimmermüden Mühlstein so dabei zusieht, wie er einem nochmal und nochmal denselben Brei vorkaut, der findet ihn irgendwann möglicherweise nicht mehr so lecker und weicht auf zweifelhafte Kost aus. Und nun endlich begreift auch der dösige Vollpfosten in der letzten Reihe, womit er die verrohte alte Generation nochmals so richtig provozieren kann, und so findet man jeden Montagabend nach der zehnten Stunde fünfzig kleine Hakenkreuze auf seinem Tisch. Beides wird im Falle des Bekanntwerdens allerdings nur auf mangelnde Prävention zurückgeführt und nach einer Phase der hellen Aufregung und des hitzigen Herumeierns mit einer weiteren Unterrichtseinheit zu den Schrecken des Holocausts und des Zweiten Weltkriegs beantwortet. Spätestens an dieser Stelle wird dann zur Krönung noch irgendein Polizist in die Schule eingeladen – aus gutem Grund Arm des Gesetzes und nicht Kopf –, der eine ganze Doppelstunde Physik damit zubringt, unter Zuhilfenahme von Powerpoint und Beamer nochmal das zu präsentieren, was alle längst nicht mehr wissen wollen. In einem hemmungs- und zusammenhanglosen Vortrag vermischt er nun von Neonazis besudelte Judengräber mit Lonsdale-Kleidung und Sarkozys Innenpolitik und lässt sich auch nicht die Gelegenheit entgehen, den jungen Leuten einmal voller Stolz zu erzählen, wie viele Neonazis er schon verkloppt hat. Da ist man dann natürlich beeindruckt von so einem starken Mann, der nicht lang schnackt, sondern einfach zupackt. So einen bräuchte man auch an der Spitze mal wieder, nicht wahr.

Das Abitur

Ebenso wie man das Lebensnotwendige bereits vor dem Übergang in die Oberstufe gelernt hat, so hat man auch die Schulpflicht bereits abgeleistet und könnte eigentlich auf freiem Fuß sein. Gelegentlich wird auch tatsächlich der Besuch der gymnasialen Oberstufe von einigen infamen Lehrkräften als grundsätzlich freiwillig bezeichnet, um etwa montags in der zehnten Stunde im Religionsunterricht die Stimmung etwas aufzulockern. Natürlich ist allen Beteiligten klar, dass das dortige Bildungsangebot ebenso wenig Menschen in die Schule lockt wie das Essen in der Mensa oder die Möglichkeit, bei höherer Belastung zunächst weniger Geld zu verdienen als gleichaltrige Mitglieder der bildungsferneren Schichten (nämlich gar keines) – nein, es ist die Chance auf das begehrte Abitur, das die Schüler an der Schule hält und sie oben Beschriebenes mehr oder minder gegenwehrlos erdulden lässt. Wer Abitur hat, der ist ein toller Hecht, darf studieren oder auch nicht und kriegt auf jeden Fall die besten Arbeitsplätze.

Erst das Abitur als ständig präsentes Ziel direkt vor Augen verleiht der gymnasialen Oberstufe den Charakter des finalen Endspurts auf der Zielgeraden zum Höhepunkt der Bildung.

Operatoren

Natürlich bekommt man einen hochschulqualifizierenden Abschluss nicht einfach so geschenkt. Das würde ihn ja entwerten. Um das Abitur zu erreichen, muss neben schlafwandlerischer Beherrschung der prüfungsrelevanten Unterrichtsinhalte auch genaueste Kenntnis der so genannten Operatoren vorliegen. Diese sind zunächst nichts Anderes als ein paar Verben wie "zusammenfassen", "interpretieren", "erläutern", "analysieren" oder "benennen", die man als Oberstufenschüler längst zu kennen geglaubt hatte; man wird jedoch eines Besseren belehrt.
So meint zum Beispiel "wiedergeben" im Gegensatz zu "zusammenfassen" auf Deutsch so viel wie "Inhalte bzw. einzelne Textgehalte in eigenen Worten strukturiert und fachsprachlich richtig referieren" – "zusammenfassen" dagegen bedeutet "Inhalte, Zusammenhänge, Texte komprimiert und fachsprachlich richtig wiedergeben".

In jedem Fach gibt es eine ganze Reihe von spezifischen Operatoren, die allesamt tabellarisch erfasst sind und lange vor den Abiturprüfungen zum gefälligen Auswendiglernen ausgegeben werden. Eine kleine Schwierigkeit besteht darin, dass unterschiedliche Operatoren aus unterschiedlichen Fächern oft dieselben Namen haben, aber als Oberstufenschüler muss man dann halt auch mal sein Hirn einschalten, sonst wird das ja sowieso nichts.

Die Abiturprüfungen

Am Ende der Schullaufbahn wartet die große Herausforderung, der man jahrelang wacker entgegengegangen ist: die Abiturprüfung. Hier nun endlich wird das Erlernte sich als nützlich erweisen, hier wird sich zeigen, dass die Operatoren doch zu etwas nütze sind, es trennt sich die Spreu vom Weizen und das Schicksal erfüllt sich.

Da erstens Bildung Ländersache ist und zweitens die Abiturprüfungen in manchen Ländern reine Ermessenssache sind, kann kein Artikel endlicher Länge die Gesamtsituation erfassen. Glücklicherweise ist es aufgrund einer gewissen Einfallslosigkeit der Zuständigen dennoch möglich, schon anhand eines einzigen Beispiels das Wesentlichste zu demonstrieren.

Eine vierstündige Abitur-Klausur im Fach Politik könnte beispielsweise folgendermaßen aussehen: als Material gegeben ist eine beliebige Rede des deutschen Frühstücksdirektors Horst Köhler. Üblicherweise gibt es dazu dann drei Aufgaben:

  1. Geben Sie den Inhalt der Rede in eigenen Worten wieder.
  2. Stellen Sie Köhlers Standpunkt ausführlich dar.
  3. Erläutern Sie ihren eigenen Standpunkt zum Thema Globalisierung.

Auf den ersten Blick scheinen diese Aufgaben banal. Der gesunde Menschenverstand würde sofort antworten:

  1. gibt es nicht
  2. hat er nicht oder will er nicht sagen
  3. weiß nicht, siehe Köhler

Das geschulte Auge des erfahrenen Schülers jedoch erkennt den Subtext der Aufgabe und weiß, was wirklich verlangt ist. Natürlich ist es blanker Hohn, den Inhalt einer Köhler-Rede zusammenzufassen. Aber genau das ist gar nicht die Aufgabe. Übersetzt lauten die Aufgaben nämlich:

  1. Schwafeln Sie im Konjunktiv unter Verwendung derselben Fachausdrücke wie Köhler. Notieren Sie überall dort, wo Sie einen Terminus übernommen haben, in Klammern die Zeile, in der Köhler diesen Ausdruck ebenfalls benutzt hat.
  2. Wiederholen Sie obige Aufgabe; achten Sie darauf, dass Sie an Stelle der Schlüsselwörter "stellt fest", "behauptet" oder "macht klar" nun Wörter wie "beurteilt", "kritisiert", "lobt" oder "prangert an" benutzen. Fügen Sie am Ende hinzu, dass Köhler den Menschen Mut machen möchte.
  3. Imitieren Sie die Ausdrucksweise eines beliebigen, linksliberalen Politikers und simulieren Sie so einen altersgemäßen Standpunkt, den Sie mit dem im Unterricht Gelernten unproblematisch begründen können. Versuchen Sie, die Begriffe "kultureller Austausch", "Konkurrenzkampf" und "Standortvorteile" unterzubringen und stellen Sie an geeigneter Stelle fest, dass die Wirtschaft angekurbelt wird.

Nachdem die Aufgaben derart übersetzt sind, ist sofort klar, dass sie dem ersten Eindruck zum Trotz durchaus geeignet sind, den Prüfling vier Stunden beschäftigt zu halten, und dass sie auch genug Vorlage für das Füllen eines Dutzends Din-A4-Blätter liefern (den Rand natürlich abgeknickt für die spätere Korrektur). Klar ist auch, dass die eigentliche Herausforderung mit der Übersetzung bereits überwunden ist. Wer jetzt die Nerven behält, erkennt die Aufgaben als reine Fingerübung und hat praktisch schon bestanden.

Hübsch bunte Grafik zur Veranschaulichung des deutschen Schulsystems. Wie man deutlich erkennen kann, ist die gymnasiale Oberstufe doch noch nicht des Pudels Kern, sondern eher ein kleines Bindeglied zwischen normalen Schulen und echten Hochschulen. Diese Einsicht wird den Schülern natürlich so lange wie möglich vorenthalten.

Spätfolgen

Während die Alpträume mit dem nach sechs Stunden immer noch weißen Papier in der Englischklausur, dem unendlich langen Flur voller ohrenbetäubend laut kreischender Kinder, deren monströse Rucksäcke einem unerbittlich den Weg vor und zurück verwehren, oder dem gewaltigen, wildschweinähnlichen Ungetüm, das im Chemieraum Zombies frisst und einem mündlich "leider keine Vier mehr geben kann", womit ein weiteres Jahr in der Hölle unabwendbar wäre, während all diese Alpträume spätestens ein Jahr nach dem Abitur nachgelassen haben, verfolgt ein anderes Elend einen möglicherweise ein Leben lang: die Jahrgangstreffen! Auf der Abschiedsfeier droht es der Jahrgangssprecher schon an ("Die erste Herausforderung, der wir – mit "wir" meine ich uns, den Jahrgang als Ganzes – der wir uns also stellen müssen, besteht darin, dass wir in Kontakt bleiben, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren, dass wir eine Gemeinschaft bleiben."), und tatsächlich findet man jedes Jahr – wenn nicht jedes halbe! – eine Mail von der Jahrgangsnudel im Spamordner, die "ihre Lieben" zusammenruft, das letzte Treffen als großen Erfolg trotz zahlenmäßiger Sparbesetzung bezeichnet (wir waren zwar nur zu dritt, aber es war gemütlich!) und möglichst verbindliche An- und abmeldungen (mit Begründung!) für das nächste einfordert.
Auch außerhalb solcher Treffen kommt es gelegentlich vor, dass man einem der alten Schulkameraden auf offener Straße begegnet. Und ganz egal, wie spinnefeind man sich die letzten zwölf, dreizehn oder auch vierzehn Jahre war, auch wenn man sich die ganze Zeit gegenseitig gemobbt, geprügelt, angeschwärzt und mit dem Füller angemalt hat, ist das dann immer ein großes Hallo. Plötzlich werden einfühlsame Fragen ausgetauscht wie "was machst'n jetzt so" und "ach, und wie ist das so", man wünscht sich alles Gute und hofft, dass man sich bald wiedersieht.
Meistens passiert das allerdings vorerst nicht. Die Wege haben sich getrennt; Einige gehen studieren (dank Bologna übrigens keine rosige Aussicht mehr), meistens um selbst Lehrer zu werden und es der nächsten Generation heimzuzahlen, für die Meisten ist das Thema Bildung endlich gegessen und sie tun dasselbe wie Haupt- und Realschüler schon längst, nämlich arbeiten oder auch nicht.

Fazit

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Diesem Artikel wurde die unfassbare Ehre zuteil, zunächst von einer Mehrheit der ehrenwerten Leser zum absoluten Hammer gewählt und anschließend von der Mehrheit der Diktatoren zum Goldpokalartikel erklärt zu werden.

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Somit gehört dieser Artikel zur absoluten Elite und ist daher Staatseigentum!

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