2 x 2 Silberauszeichnungen von Furchtsaft und Wuschelkopf9

Diverses:Schachweltmeisterschaft 2012

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Achja, was waren das einst für große Namen. Die schillernde und stets von Zigarrenrauch umwaberte Gestalt von Lasker, der kühle Rechner Botwinnik, der exzentrische Fischer... was waren das noch für Gestalten. Heute bringt jeder Zwergstaat im Jahr 50 neue Schachmeister hervor. Und gerade ist so ein komischer Norweger auf dem Thron. Der ist ja nichtmal Russe.

Weil man etwas nostalgisch war, es ja sowieso das letzte Jahr der Menschheit werden sollte und weil Baum, beschloss die Schachorganisation FIDE (Fachinstitut für debile Extravaganz), eine besondere Schach-WM zu veranstalten, bei der große Schachmeister gegen zufällig oder nach bestimmten Regeln ausgewählte Prominente antreten sollten. Einer von denen war zwar bereits tot, aber das war den Zuständigen egal.


Der Austragungsort

Der Veranstaltungsort - der Moskauer Pionierpalast - wurde im Vorfeld nach einem komplexen Verfahren bestimmt, ähnlich dem Verfahren, nach dem die Fußball-Weltmeisterschaften vergeben werden. Jedes Mitgliedsland der FIDE entsandte zur Abstimmung einen Boten, der im Auftrag seines Landes ein Austragungsland wählen sollte.

(Hinweis: Es gab insgesamt 300 stimmberechtigte Mitglieder, 270 davon stimmten aber bereits seit 2002 regelmäßig ungültig. Auf die Idee, dass das was mit ihrer Politik zu tun haben könnte, kam die FIDE bislang nicht.)

Bewerber 1. Runde 2. Runde 3. Runde 4. Runde Bewerbungsgrund
Russland 10 10 10 15   Betrachet sich als DAS Schachland
Alaska 9 10 11 14*   Betrachet sich als DAS Schachland
Island 9 10 9   Betrachet sich als DAS Schachland
Deutschland 1 0   Gewohnheit
Bikini-Atoll 1   #Yolo
  • ) Der italienische Abgesandte konnte aufgrund einer angebrannten Pizza nicht zur finalen Abstimmung erscheinen.

Die Kandidaten

Garri Kasparow

Kasparow begutachtet sein Hotelzimmer

DER Supergroßmeister schlechthin. Der Gott. Das Genie. Die lebendige, unbesiegbare Maschine. (Er verlor zwar 2000 gegen Kramnik, aber lassen wir das mal beiseite.) Der große politische Akteur. Die schillerndste Gestalt aller Zeiten (nach Fischer).
Obwohl Kasparow seine Karriere 2005 längst beendet hatte, wollte er sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, noch einmal um den Weltmeistertitel zu kämpfen. Hierfür unterbrach er extra seine organisierten Massenproteste gegen Putins Kremlpartei. "Man muss Prioritäten setzen", erklärte er. Putin wolle er später zu einem Wettkampf herausfordern, bei dem er ihm die Dame und zwei Züge vorgeben würde.

Magnus Carlsen, zwei Jahre vor dem Wettkampf

Magnus Carlsen

Der sehr junge Großmeister spielte bereits im Mutterleib gegen die ansässigen Bakterien Schach. Mit drei Jahren hatte er schon ein ELO-Rating von 13.500, spielte blind gegen 76 Großmeister gleichzeitig und konnte selbstverständlich alle Partien aller Großmeister seit 1921 auswendig.
Mittlerweile hat er dank Kasparows Rücktritt Platz 1 der FIDE-Ratingliste erreicht und ist seit seiner Geburt ungeschlagen. Daher geht er als einer der Favoriten in das Rennen. Vom Preisgeld erhofft er sich eine neue Rassel und einen Kauring.

Günther Jauch

Der ohnehin nicht ganz dumme Jauch hatte extra für die WM geübt und sogar eine Simultanvorstellung gegeben - 2009 spielte er in der Royal Albert Hall in England gegen zwei Gegner gleichzeitig. Da er dank seiner Sendung Wer wird Millionär auch viele Eröffnungen kennt, fürchtet sich ein Gros des Teilnehmerfelds vor dem charismatischen Deutschen. Kasparow fürchtet sogar, dass Jauch ihm, wenn er seine Dame verlieren sollte, tatsächlich eine Remispartie abtrotzen könnte.

Michael Ballack

Ballack witterte Geld und ließ sich ebenfalls für das Turnier einschreiben. "Wenn alles schiefgeht, kann ich immer noch meinen Trainer beschuldigen", dachte er.

Daniela Katzenberger

Da es geil ist, berühmt zu sein, nahm Daniela bei der Schach-WM teil. Leider nur, weil sie dachte, es ginge um eine Sach-WM, bei der die Kandidaten ihr Wissen beweisen müssten. Dort wären ihre Chancen zweifellos besser gewesen... oder?

Charlotte Roche

Die ehemalige Musik-Moderatorin und Autorin des berühmten Buches Nassterritorien (oder so ähnlich) nahm aus Abenteuerlust ebenfalls am Eurovision Chess Contest teil. Sie erlernte das Spiel erst eine Woche vorher, hofft aber ernsthaft auf ein Weiterkommen. Tatsächlich prognostizierte der deutsche Robert Hübner Frau Roche eine höhere Platzierung. Kurz darauf starb er.

Angela Merkel

Jaja, die Merkel... musste leider eingeladen werden, weil es das Los bestimmte. Das nötige Wissen brachte sie sich im Bundestag während der Reden von Claudia Roth bei. Merkel hat bereits angekündigt, ein zünftiges Preisgeld für ihren Rettungsschirm zu erwarten, falls sie gewönne. Als Gegenleistung für einen Sieg versprach sie der Schachwelt, sie ebenfalls in den Euro-Rettungsschirm mit aufzunehmen. Das könnte ihr noch zum Verhängnis werden, falls sich ein gewisser Amerikaner wieder zu Wettkämpfen entschließen sollte.

Christian Wulff

Die Bestimmungen des Wettkampfes sahen vor, dass der fähigste Präsident Europas ebenfalls teilnehmen dürfte. Der hatte aber leider keine Zeit, also nahm man Wulff. Dabei beherrscht Herr Wulff nicht einmal das Schachspiel, aber es wäre ja völlig abwegig, sich als Politiker etwas Öffentlichkeitsarbeit einfach so entgehen zu lassen. Muss man auch mal bedenken.

Claudia Roth

Die zwanghaft fröhliche Grüne nahm eigentlich nur aus Spaß teil. Indirekt war sie dafür verantworlich, dass Sigmar Gabriel, der ursprünglich ebenfalls ausgewählt worden war, nicht am Wettbewerb teilnahm, da Gabriel bei der Auslosung von Roth unter Protest davonrollte und seinen Startplatz dem folgenden Kollegen überließ.

Gregor Gysi

Gysi in Schwarzweiß. Jaja, die guten, alten Zeiten...

Der Vorsitzende der Linken beklagte zwar, dass der Wettkampf während der Landtagswahl in Bremen stattfände ("Das ist fernab von jeder Gerechtigkeit!"), aber freute sich trotzdem auf den Wettkampf. Als Altkommunist war er von den Russen beeinflusst, hatte somit einen Teil der Schachessenz in sich aufgesogen und erhoffte sich daher zumindest das Weiterkommen ins Viertelfinale. Nicht einmal Volker Kauder zweifelte daran, dass er im Achtelfinale gegen Roth gute Chancen hätte.

Mark Taimanov

Der 102-jährige Konzertpianist, der bereits 1971 am Kandidatenturnier teilnahm (und dort mit einem desaströsen 0:6 gegen Fischer verlor), reaktivierte für den Wettkampf seine letzten Kraftreserven. Obwohl er im dreißigjährigen Krieg sein rechtes Ohr verlor, war er immer noch ein großer Freund klassischer Musik und erwog, Fischer im ersten Kampf darum zu bitten, etwas Mozart in der Halle zuzulassen.

Judith Polgar

Die einzige Frau, die jemals in die Top 20 der Männer vorgedrungen ist (und trotzdem gegen Kramnik bislang 0:20 bei 16 Remisen hinten liegt) und schon als Kind mit ihren Schwestern von einem offensichtlich selbstbewusstseinsgestörten Vater zum Schach gedrillt wurde, erhoffte für die Frauen ein Zeichen zu setzen, indem sie die "widerlichen Kerle" in ihre Schranken wies und ihnen keine Chance auf den Sieg ließ. Zumindest behaupteten alle Medien, dass sie dies behauptete. In Wirklichkeit wollte die nette Polgar eigentlich nur Spaß und vielleicht einen neuen Strickpullover.

Dieter Bohlen

Oh, noch jemand, der nur wegen des Geldes antrat. Und nein, dieser Mann hat noch nicht genug davon. Daher geben wir ihm hier keine Plattform.

Wladimir Kramnik

Der junge Altmeister, der aussieht wie einem Ghostbusters-Remake entsprungen, wollte die Gelegenheit nutzen, seine Reputation in der Schachwelt wiederherzustellen, nachdem er in letzter Zeit oft gegen den Weltmeister Anad verloren hatte. 2006 hatte er in einem Duell gegen Topalow noch chronischen Durchfall, aber diese Lücke in seiner Kondition wurde mittlerweile gestopft. (Für mehr Details hierzu siehe hier. Achtung, freilaufende Quellenangaben.)

Fischer überlegt, wen er als nächstes nerven könnte.

Boris Spassky

Der ehemalige Schachweltmeister mit dem süßen Zweinamen Wassilijewitsch gab immer noch Simultanvorstellungen (2010 gegen einen Gegner gleichzeitig). Ähnlich wie Taimanov dürfte er den Großvater von Stalin noch selbst in der Schule unterrichtet haben, hielt sich aber soweit ganz gut. Seine Spielstärke ließ in den letzten Jahren etwas nach, doch wollte er sich noch ein letztes Mal voller Tatendurst in einen Wettbewerb stürzen.

Robert James "Bobby" Fischer

Ja, er heißt wirklich so. Das Genie. Der Meister. Der Ultrakönig, das Naturtalent schlechthin, das 1972 nach einer beispiellosen Siegesserie gegen Spassky den Titel eroberte, sich dann verpisste und sich um die Jahrtausendwende verhaften ließ. Manche meinen, er hätte den Titel durch sein äußerst ausdauerndes Schreien nach besseren Wettkampfbedingungen gewonnen. Eigentlich starb er neulich in Island, doch per Beschluss der FIDE wurde er exhumiert und reanimiert, um diesem Schaukampf beizuspringen. Zur Motivation hatte man neben dem Wiedererweckungsort zwanzig Milliarden Dollar in Scheinen aufgestapelt, als Vorschuss für den Wettkampf. Fischer verlangte bei diesem Anblick hundert Milliarden und bekam sie letztlich auch.

Regeln

Die FIDE ist für ihr außergewöhnlich konsequentes Regelwerk bekannt. Dinge wie Änderungen des Wettkampfmodus vor jeder zweiten WM wird man bei der FIDE nicht finden. Auch käme es den Verantwortlichen nie in den Sinn, einzelnen Kandidaten Extrawürste zu braten und sich irgendwelchen außergewöhnlichen Wünschen zu beugen, ganz besonders nicht 1972.

Aus diesem Grund hatte man bereits zwei Tage vor dem Finale das endgültige Regelwerk beschlossen, das sich im Wesentlichen wie folgt las:

  • Der Titelträger wird in einer KO-Runde über 4 Runden ermittelt, bei der je 2 Kämpfer gegeneinander antreten.
  • Siege zählen 1 Punkt, ein Remis gibt jedem einen halben Zähler.
  • Niederlagen zählen 0 Punkte. Was für eine Überraschung.
  • Sieger eines Zweikampfes ist der, der als erstes 6 Punkte erzielen kann.
  • Da mit einer einzelnen Partie dieses Limit fast nie erreicht werden kann, werden mehrere Partien gespielt.
  • Falls durch Remisen beide Kämpfer gleichzeitig 6 Punkte erreichen, entscheidet die nächste Gewinnpartie. Dies kann sich durchaus eine Weile hinziehen, wie das Turnier zeigen sollte.
  • Sollte es nach 150 Partien immer noch Unentschieden stehen, gäbe es ein "Elfmeterschießen", bei dem abwechselnd beide Schachspieler versuchen müssten, ihren Gegner bei massivem Materialüberschuss in 5 Zügen mattzusetzen. Jede hätte 5 Versuche in unterschiedlichen, zuvor vom Schiedsrichter ausgewählten Stellungen. Stünde es nach diesen 10 Versuchen immer noch Unentschieden, würden erneut 150 reguläre Partien gespielt, dem ein weiteres Elfmeterschießen folgen würde. Danach hätte es eine Verlängerung (2 Partien mit Bedenkzeiten von je 24 Stunden am Stück) gegeben, bevor der Sieger letztlich durch das Los ermittelt würde. Auf die Idee, in dem Fall zwei Schachweltmeister zu ernennen, kam niemand. Glücklicherweise musste diese Regelung nie benutzt werden.

Matchbedingungen

Sämtliche Spiele fanden in einer Halle, die an den Pionierpalast angeschlossen war, statt. Sie war von Schallschutzwänden umgaben und beinhaltete ein großes, gläsernes Dach, das sich bei Bedarf öffnen ließ. Nach einigen Problemen mit dem örtlichen Taubenzuchtverein verzichtete man auf diese Möglichkeit allerdings.

Das Spielbrett bestand aufgrund einer Initiative von Claudia Roth aus fair gehandeltem Bambus aus Thailand, wo auch die Figuren hergestellt wurden. Fischer protestierte beim ersten Anblick des Brettes; er verlangte, dass die Könige durch Abbilder seiner selbst dargestellt wurden. Man beschwichtigte ihn mit dem Zugeständnis, auf die Unterseite jeder Figur seine Initialen zu drucken, woraufhin er fürs erste zufrieden war.

Spielplan

Achtelfinale Viertelfinale Halbfinale Finale
                           
             
  A1: Garri Kasparow   
 
  B2: Magnus Carlsen     
     
 
         
  C1: Claudia Roth   
 
  D2: Gregor Gysi     
     
 
         
  E1: Günther Jauch   
 
  F2: Charlotte Roche     
     
 
         
  G1: Judith Polgar   
 
  H2: Dieter Bohlen     
     
 
       
  D1: Wladimir Kramnik   
 
  C2: Christian Wulff     
     
 
         
  B1: Boris Spassky   
 
  A3: Angela Merkel     
     
 
          Spiel um Platz drei
  F1: Michael Ballack   
   
  E2: Daniela Katzenberger     
           
 
               
  H1: Bobby Fischer   
  G2: Mark Taimanov     


Achtelfinale

Das Achtelfinale wurde durch einen feierlichen Gongschlag nicht eröffnet.

Garri Kasparow - Magnus Carlsen 6½:5½
Die ersten elf Partien endeten remis. Bei der zwölften stolperte Kasparow in der Pause jedoch versehentlich über Carlsen und brach ihm mit seinem Knie das Gesicht. Carlsen musste ins Krankenhaus und verlor das Spiel wegen Überschreitung der Bedenkzeit. Kasparow machte die Moskauer Seeluft für seine vielen Remisen verantwortlich.
Günther Jauch - Charlotte Roche 0:1
Es wurde kein Schach gespielt, stattdessen plauerten beide Kontrahenten die ersten 30 Partien ununterbrochen über Schoßgebete und ähnliches. Nur eine Partie wurde gespielt, wobei Jauch und Roche je vier Zugmöglichkeiten pro Zug und drei Joker vorgegeben bekamen. Der gute Jauch redete jedoch soviel, dass er schließlich durch Zeitüberschreitung verlor.
Michael Ballack - Daniela Katzenberger 6:3 (3:3)
Die ersten Spiele wurden mehr oder minder durch Zufall entschieden. Die erste Partie (siehe hier) wurde von Großmeister Karpow kommentiert, der nach dem Schluss jedoch mit Schaum vor dem Mund aus dem Saal flüchtete. Man entschied sich nach der sechsten Partie, statt etwas "so schwierigem" lieber Fußball zu spielen. Ballack gewann, da er sich mit Bällen dann doch etwas besser auskannte als Katzenberger.
Bobby Fischer - Mark Taimanov 7:0
Fischer vernichtete den armen Taimanov noch übler als 1972. Die letzte Partie wertete der Schiedsrichter doppelt, weil sie so schön war: Fischer gelangen mit Bauernumwandlungen nicht weniger als zwei Damenopfer, bevor er Taimanov mit den restlichen vieren mattsetzte.
Boris Spassky - Angela Merkel 11:10
Der arme Spassky musste sich mit der stets ausdruckslos und kühl agierenden Merkel auseinandersetzen, die jeden Zug ausführlich in Richtung der Kameras kommentierte ("Dieses Opfer, das sie eben gesehen haben, war im Hinblick auf ein langfristiges Partieende alternativlos") und zudem durchgesetzt hatte, dass Spassky stets rote Figuren und sie schwarze bekam. Merkels geringes Können wurde dadurch ausgeglichen, dass Spassky grundsätzlich jedesmal von ihrem Gerede einschlief, erst kurz vor der Überschreitung seiner Bedenkzeit aufwachte und so stets nur noch ein Remis retten konnte. Merkel, die vor jeder Partie ausführlich für einen Sieg ihrer Partei warb, akzeptierte als "Punkt-Rettungsfond" alle Remisangebote, die sie von ihrem Gegner bekam, und zögerte das Ergebnis so immer weiter hinaus. In der 21. Partie gelang es Spassky endlich, wachzubleiben und die Partie zu gewinnen. "Das Ausscheiden von mir aus der Schachzone wird nicht ohne Konsequenzen für die Weltwirtschaft bleiben", erklärte Merkel im Anschluss.
Claudia Roth - Gregor Gysi - +
Roth war dagegen, gegen einen Mauerschützen zu spielen und verlor kampflos, sodass sie wieder zur Stuttgart 21-Miliz abberufen wurde. Gysi nahm es gelassen hin und machte stattdessen Wahlwerbung.
Wladimir Kramnik - Christian Wulff 6:0
Wulff befahl Kramnik, ihn alle Spiele gewinnen zu lassen, da dieser einmal bei ihm übernachten durfte. Kramnik gehorchte jedoch nicht und plättete den hilflosen Bundespräsidenten.
Judith Polgar - Dieter Bohlen 4:5
Die FIDE entschied spontan, dass für dieses Match nur 5 Siege nötig seien.

Bohlen schüchterte die eigentlich resolute Polgar so sehr mit seinen Sprüchen ein (Ich würde sagen... dieser Zug war echt scheiße), dass sie sich freiwillig besiegen ließ, um dieses Gesicht nicht mehr sehen zu müssen.

Auch die Polizei fand Bohlens Gesang nicht wirklich toll.

Abseits des Schlachtfeldes

Während in den späteren Finalrunden im Allgemeinen Feindseligkeit und Vorsicht vor dem Gegner untereinander herrschten, pflegten die Teilnehmer des Achtelfinales einen lockeren Umgang miteinander. Unter anderem spielten die Meister in einer Art improvisierten Jazzband. Auch einige der deutschen Prominenten durfte mitspielen: Charlotte Roche sang, Gregor Gysi spielte Trompete, Günther Jauch E-Bass und Daniela Katzenberger Arschgeige.

Auch veranstaltungstechnisch beteiligten sich einige Teilnehmer mit. Angela Merkel machte einen Benefiz-Stand für deutsche Rostbratwürste auf, die sie vor der Schachhalle verkaufte. Der Erlös des Verkaufs kam den Griechen zugute. (Wenn sie allerdings nicht hinsah, klaute ihr Claudia Roth die Bratwürste und ersetzte sie durch fair gehandelte Tofuwürste.) Auch gern gesehen war Kramniks Angebot für Spezial-Simultanvorstellungen (hierbei machte er mehrere Personen gleichzeitig untereinander bekannt). Weniger positiv fiel Christian Wulff mit seinem mobilen Geldverleih auf. Am schlimmsten jedoch empfanden die meisten Russen Dieter Bohlens Karaoke-Bar, an der er selbst die meiste Zeit sang. Nicht einmal seine Version von Kalinka konnte sie beruhigen, eher im Gegenteil.

Viertelfinale

Michael Ballack - Bobby Fischer 0:6 (0:3)
Fischer stampfte den Ballkünstler förmlich ein. Ballack, der in den ersten fünf Partien hauptsächlich die Spitzen seiner Läufer fasziniert betrachtete, warf in der letzten sein Schachbrett um, um Fischer am Siegtor zu hindern. Der Schiedsrichter disqualifizierte ihn daraufhin und hielt zur besseren Verständlichkeit gleichzeitig eine rote Karte hoch. Immerhin hatte disqualifiziert fünfzehn Buchstaben.
Garri Kasparow - Gregor Gysi 6½:5½
Der Wettkampf zwischen diesen politischen Monstern barg im Vorfeld einige Querelen, da Gysi zur Abgrenzung des Publikums eine Mauer wünschte und gegen Kasparows Geldgeilheit eine Demo organisierte. Man löste das Problem, indem man statt Schach zu spielen politische Kampfreden gegeneinander hielt.

Beide waren gewiefte Redner und konnten je fünfeinhalb Symphatiepunkte beim Publikum für sich verbuchen. Die FIDE verbot dann jedoch weitere Reden und verlangte, dass die entscheidende Partie gespielt werden müsse. Hier hatte Gysi trotz seiner russischen DDR-Spielweise natürlich keine wirkliche Chance und verlor. Letztlich hatte er es allerdings geschafft, Kasparow zum Linken zu bekehren. Kasparow erklärte seinen knappen Sieg damit, dass er aufgrund der langen Abwesenheit von seinem Heimatland aus der Form wäre.

Boris Spassky - Wladimir Kramnik 6½:4½
Spassky (Weiß) setzt in 7 Zügen matt
Spassky war nach den Kämpfen gegen Fischer 1972 und 1992 so erleichtert, dass sein Gegner ihn nicht mit zahllosen Forderungen zur Breite der Kameralinsen und der Höhe der Schachfiguren nervte, dass er förmlich aufblühte und trotz seines Alters den überraschten Kramnik mit 6:4 schlug. In den letzten Partien gelangen ihm wahre Wunder; unter anderem setzte er Kramnik mit zwei gleichfarbigen Läufern matt, rettete sich trotz 3:0 Damen für Kramnik in ein Dauerschach und gewann ein Endspiel mit König gegen König. Im letzten Spiel gewann er schließlich durch ein dreifaches Abzugsschach mit Fesselung, Spieß, Gabel und Vollkornbrot.
Charlotte Roche - Dieter Bohlen 6:2
Hier wurde abwechselnd Musik nach Geschmack des Schwarzspielers im Hintergrund abgespielt. Da Roches Alternative-Rock Bohlen allerdings regelrecht traumatisierte (in manchen Songs kamen sogar Gitarrensoli vor!!!11), konnte die MTV-Moderatorin einen Vorsprung gewinnen und ihn bis zum Schluss erfolgreich verteidigen. Allerdings klang ihr bis zum Halbfinale immer noch Modern Talking im Ohr, was ihr entschieden schadete.

Halbfinale

Charlotte Roche - Garri Kasparow 1:6
Der anfänglich völlig machtlosen Roche gelangen in den letzten beiden Partien tatsächlich noch 2 Remisen und somit der Ehrenpunkt. Hinterher erklärte sie, ihr Kopfhörer mit MTV-Musik hätte ihr sehr bei der Konzentration geholfen und ihren Gegner vielleicht auch abgelenkt. Kasparow wiederum meinte, es habe eher an ihren gut sichtbaren Feuchtgebieten gelegen. Die BILD versuchte eine Schlagzeile daraus zu schlagen, Roche klagte sie aber zum Stillschweigen. Sie nutzte die verbleibende Turnierzeit, um ihr neues Buch Duftsekrete zu beenden.
Boris Spassky - Bobby Fischer ½:5½
Und Spassky konnte sich doch noch einmal mit Fischer herumschlagen, in einer Mini-Neuauflage des Matchs des Jahrhunderts 1972 und dem Revanchematch des Jahrhunderts 1992.

Es glich einem Wunder, dass Fischer vor seinem Kampf nur drei Forderungen stellte (für jede Gewinnpartie ein geschenktes Auto, jüdischen Grindcore während der Partien sowie den Matchabbruch bei 1:1 zu seinen Gunsten).

Spassky wurde diesmal noch gründlicher zerlegt als 1972 (wo er 3:7 bei 11 Remisen verlor, eine seiner Gewinne war kampflos), nach 5 Partien lag er 0:5 hinten. Dann aber geschah das Wunder: Fischer hatte bei einer Situation nur 17 Züge voraus berechnet und seinem Kontrahenten gelang ein Dauerschach - Remis!
Es stand ½:5½ und Spassky konnte sich berechtigte Hoffnungen machen, Fischer noch einzuholen. Schließlich hatte er schon in Simultanvorstellungen gegen tausend Kinder alle Partien gewonnen, da würde er doch gegen einen einzigen Gegner 6 Gewinne in Folge schaffen. Leider hatte Fischer ebenfalls diesen logischen Gedankengang; ihm graute, noch zu verlieren. Außerdem war seine Statistik im bisherigen Turnier ohnehin schon massiv geschädigt (auf 18 Siege kam nun 1 Remis!). Lange Rede, kurzer Sinn: Fischer spielte nicht mehr weiter und machte solange Terror, bis man ihn zum Sieger erklärte und ins Finale schickte. Zombie-Schiedsrichter Lothar Schmidt atmete auf: "Zum Glück muss ich das nicht leiten."

Spiel um Platz 3

Dieses Spiel sollte es zwar eigentlich nicht geben, aber da die Niederlande, Sitz der FIDE, immer noch voller Begeisterung für die EM war (bei welcher die Niederlande einen hervorragenden 15. Platz belegt hatten), fragte man die Verlierer des Halbfinales kurzerhand, ob sie Lust auf ein "kleines Finale" hätten. Hatten sie nicht. Daher beschloss die FIDE schlicht, dass sie Lust hätten.

Charlotte Roche - Boris Spassky 0:0
Diese Menschen, die verschiedener nicht hätten sein können, begannen in (letztlich doch) guter Laune eine Partie, die auch recht spannend wurde. Zumindest technisch gesehen, denn die beiden hatten viel mehr Spaß daran, sich zu unterhalten. Und es ging nicht einmal um Feuchtgebiete - die Zwei plauderten über den Wettkampf, über Welt und die Gott und was es sonst noch alles gab. Nicht selten zog einer der beiden eine gerade gezogene Figur wieder zurück, um die Zugzahl für die Bedenkzeit einzuhalten, aber ohne zuviel Konzentration auf das Geschehen auf dem Brett binden zu müssen.

70 Züge gingen so ins Land. Die Zuschauer betrachteten die Stellung skeptisch - mittlerweile befanden sich alle Figuren wieder in der Grundstellung. Die Züge erfolgten wegen knapperer Bedenkzeit mit der Zeit etwas zügiger (Haha), doch das Gespräch der beiden riss nicht ab. Mittlerweile unterhielt man sich darüber, welche Musik man auf den russischen Raumfahrtsraketen laufen ließe, wie russische Wohnungen aussähen und warum es in Nordkorea keine Lutscher zu kaufen gäbe. Dann näherte sich allerdings der kritische Zeitpunkt - die 50-Züge-Regel, nach der bei beiderseitig fehlender Aktion auf dem Brett remis gegeben werden sollte, drohte einzuspringen. Keiner bemerkte es jedoch - obwohl der Schiedsrichter gut sichtbare Schilder mit Warnungen hochhielt. Und so wurde die Partie zu Erleichterung aller anwesenden Zuschauer remis gegeben. Die Beiden waren überrascht, schüttelten sich jedoch die Hände und verließen den Saal. Roche bemerkte später, sie hätten sich sowieso lieber draußen weiter unterhalten, da es beiden im Saal mit der Zeit zu zugig wurde (Ok, Schluss damit).
Obwohl aus der weiteren "Unterhaltung" zwei Kinder entspringen sollten, waren die Zuschauer nicht sonderlich vom Partieverlauf angetan und stornierten sämtliche Eintrittskarten für die folgenden Spiele. Da die FIDE eng mit der FIFA verwandt ist, cancellte man alle noch ausstehenden Spiele aus mangelndem Interesse. Und da der Schiedsrichter durch das Hochhalten der Schilder auch noch gegen Regeln verstoßen hatte, wurde nicht einmal die erste Partie gewertet - somit endete der epische Wettkampf zwischen Spassky und Roche mit dem historischen Ergebnis von 0:0.

Das Finale der Schachweltmeisterschaft 2012 (präsentiert von Bitburger)

Garri Kasparow - Bobby Fischer 51:50
In diesem Duell der Giganten prallten zwei faktische Schachcomputer aufeinander. Jeder führte in jeder Partie den korrektesten möglichen Zug aus und beging keine Fehler. Somit endeten die ersten 100 Partien remis. In der 101. Partie berechnete Kasparow jedoch 30 Züge weiter als sein Kontrahent und konnte mithilfe einer tollkühnen Kombinationsserie tatsächlich einen Bauern gewinnen. Fischer war in der Defensive und ging noch gründlicher vor als je zuvor, was eigentlich nicht ging. Jedoch machte ihn auch ausgerechnet jetzt seine Kondition zu schaffen. Er bekam Probleme, sich einfache Zwanzigzüger zu merken und tauschte seine Dame ohne Not ab. Endlich, nach 599 Zügen, gewann Kasparow einen weiteren Bauern, sodass Fischer in ernsthafte Schwierigkeiten geriet. Als in kurzer Zeit immer noch keine Besserung in Sicht war, griff er sich das Partieformular, aß es mit wenigen Bissen auf und stieß gleichzeitig den Schachtisch mit dem Knie um, sodass die Stellung verlorenging.

Der Schiedsrichter wollte Fischer daraufhin disqualifizierten; der wies ihn jedoch daraufhin, dass er den Tisch nur "versehentlich" umgestoßen habe und es hierbei immerhin um eine Menge Geld ging. Das Partieformular habe er mit Esspapier verwechselt. Das Gegenteil konnte ihm niemand beweisen, also ließ Kasparow das Brett zähneknirschend wieder aufbauen und ging nach Hause.
Am nächsten Tag präsentierte er der Turnierleitung vor Spielbeginn jedoch das Partieformular der letzten Partie! Er wedelte Fischer damit vor der Nase herum und erklärte, dass sein Sekundant das Spiel ebenfalls mitgeschrieben hätte. Die meisten Zuschauer beäugten das Blatt, auf dem Kasparow laut Aufzeichnung drei Damen Vorsprung hatte, misstrauisch, doch das Gegenteil konnte ihm keiner beweisen - es hatte ja niemand handfeste Aufzeichnung. Also sollte das aufgezeichnete Spiel fortgesetzt werden. Fischer protestierte, was man inflationsbedingt jedoch ignorierte. Daraufhin kackte er wütend auf das Brett und verschwand, was im Nachhinein als Aufgabe gewertet wurde.

Tabelle

Achtelfinale Viertelfinale Halbfinale Finale
                           
             
  A1: Garri Kasparow   6½
 
  B2: Magnus Carlsen   5½  
  Garri Kasparow   6½
 
    Gregor Gysi   5½  
  C1: Claudia Roth   -
 
  D2: Gregor Gysi   +  
  Garri Kasparow   6
 
    Charlotte Roche   1  
  E1: Günther Jauch   0
 
  F2: Charlotte Roche   1  
  Charlotte Roche   6
 
    Dieter Bohlen   2  
  G1: Judith Polgar   4
 
  H2: Dieter Bohlen   5  
  Garri Kasparow   51
 
    Bobby Fischer   50
  D1: Wladimir Kramnik   6
 
  C2: Christian Wulff   0  
  Wladimir Kramnik   4½
 
    Boris Spassky   6½  
  B1: Boris Spassky   11
 
  A3: Angela Merkel   10  
  Boris Spassky   ½
 
    Bobby Fischer   5½   Spiel um Platz drei
  F1: Michael Ballack   6
   
  E2: Daniela Katzenberger   3  
  Michael Ballack   0    Charlotte Roche   0
 
    Bobby Fischer   6     Boris Spassky   0
  H1: Bobby Fischer   7
  G2: Mark Taimanov   0  


Preisverleihung

Zur feierlichen Preisverleihung vor dem Moskauer Kreml erschienen (bis auf Fischer natürlich) alle geladenen Spieler und beglückwünschten Kasparow zu seinem Sieg. Ex-Präsident Gorbatschow höchstpersönlich überreichte Kasparow seinen Goldpokal und übergab ihm außerdem gleich Fischers Silberpokal zwecks Verwaltung in Kasparows Regal mit dazu. Der Bronzepokal für den dritten Platz, den Roche und Spassky belegt hatten, sollte erst in zwei Stücke geschnitten werden, doch der Altmeister überließ Roche dann großzügig den 3. Platz, da sie sich besser mit Damen auskennen würde als er. Was immer das auch heißen mochte. Gorbatschow wollte als Ehrentrophäe für Spassky einen Pokal aus Kupfer für den 4. Platz anfertigen lassen. Weil Russland aber arm war, reichte es nur für einen aus Papier.

Anschließend wurde Kasparow unter diversen Huldigungen und Lobesreden seinen Scheck über 50 Milliarden Dollar Siegesprämie überreicht (bei einem Fischersieg wären es 500 Milliarden gewesen), den er nahm und in einer Staubwolke verschwand. Die übrigen Platzierten erhielten als Trostpreis ein Eis, bevor sie wieder nach Hause reisten.

Rückblick

Letztlich handelte es sich um eine interessante neue Erfahrung, auf die die meisten Teilnehmer (außer Wulff natürlich) mit Freude und Entspannung zurückblickten. Man beschloss, so etwas jährlich zu wiederholen, wenn sich wieder dieselben Leute anfänden.

Der russische Verband lobte die Entscheidung der FIDE-Mitglieder, die Spiele in Russland stattfinden zu lassen. Die Weltmeisterschaft hätte stark zum Ausbau der russischen Infrastruktur beigetragen. Um die Zuschauer zur Spielhalle zu transportieren, hätte man das Verkehrsnetz massiv ausgebaut und sogar eine Straßenbahn putzen lassen.

Als problematisch erwies sich eine neue, unbeliebsame Woge aus dem Fußball. Zum ersten Mal während einer Schachweltmeisterschaft randalierten regelmäßig Hooligans außerhalb der Halle. Die groben Gestalten, die überwiegend nicht aus Alaska stammten, stritten sich über Schachvarianten ("Danach setzt man Sc3, du Hurensohn!!"), was regelmäßig Schlägereien auslöste. Wilde Russen bewarfen sich mit Schachbrettern, beschimpfen sich aus Übelste ("Endspielverlierer!" - "Springerumwandler!" - "Eröffnungspatzer!" - "Sohn einer geschlagenen Königin!") und provozierten sich mit Spruchbändern (Wir können die vierte Abtauschvariante der Philidor-Verteidigung bis zum zwanzigsten Zug auswendig und ihr nicht!). Einige kroatische Ultras zündeten ihre von der EM übriggebliebenen bengalischen Feuer, bis Merkel eingriff und die Streithähne trennte. Mit den Worten "So geht das nicht!", nahm sie ihnen die Portemonnaies ab und ließ die Zankäpfel weiterkämpfen. Der kroatische Verband musste hinterher zur Strafe zwei Auswärtsspiele vor vollen Rängen bestreiten.

Bemerkenswert war, dass in diesem Wettkampf der Sohn von Krake Paul als Orakel eingesetzt wurde und das Weiterkommen von Christian Wulff vorhersehen sollte; vor jedem Gegner Wulffs sollte er prophezeihen, wer am Ende siegen würde. Er lag tatsächlich nur ein einziges Mal daneben.

Pressestimmen

  • Kasparow Weltmeister - Fischer wieder eingebuddelt! - taz
  • Charlotte Roche bringt dritten Platz in trockene Tücher - Die Zeit
  • SCHACH-WÄM: KILLER-KASPAROW BRICHT CARLSEN DIE NASE! - BILD
  • Wir berichten nicht drüber, da wir nicht qualifiziert waren. Phh. - Kronenzeitung, Österreich
  • Kasparow fährt souveränen Sieg davon. - AutoBILD
  • Ballack ausgeschieden - Wird Lahm ihn künftig ersetzen? - Kicker
  • Bolschewist erringt totalen Sieg. - Rechtsradikale deutsche Publikation
  • Mein bester Freund, er gewonnen! Ich habe ihn immer unterstützt, immer! - Wladimir Putin
  • Wer ist eigentlich dieser "Schach" und wo hat er seinen Blog? - Piratenpartei Online

Die Partien wurden im ZDF live um 23:15 täglich übertragen. Kommentiert wurden sie von Netzer, Delling sowie Gernot Hassknecht von der Zeitschrift Schach, du Arschloch.

Siehe auch