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Diverses:Wort zum Sonntag/KW 34 2017

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Liebe Gemeinde

Ja, leck mich am Arsch, geht das Jahr schnell rum. Draußen fallen tatsächlich schon die ersten Blätter. Vermutlich aus Scham und um nicht permanent vom Baum aus auf die teilweise schon unfreiwillig komischen Wahlplakate diverser Parteien gucken zu müssen. Und damit sind wir auch schon im Thema.

Mit Mutti auf der Gamescom

Steht blöd rum und ist nutzlos: Der Minecraft-Merkel-Avatar. Oh. Wait. Das ist ja das Original...

Wahlkampf ist wie Karneval – Ein ordentlicher Haufen Pappnasen füllt eine farbenfroh gefüllte Halle, ein Büttenredner mit zweifelhaftem Talent erzählt dann dort ein paar unrealistische Kalauer um nach Applaus zu fischen und der durchschnittliche Zuhörer erträgt das ganze nur sturzbetrunken. Und am Aschermittwoch ist alles vorbei. Nur, dass der in diesem Fall auf einen Sonntag fällt.

Der Wahlkampf ist aber auch die Zeit, in der sich der durchschnittliche Politiker auf seiner panischen Jagd nach Stimmen an Orte wagt, an denen er in etwa so deplatziert wirkt wie der Papst auf der Reeperbahn. Und so kam es also dazu, dass die Gamescom in Köln in diesem Jahr von niemand geringerem als der Bundeskanzlerin persönlich eröffnet wurde. Klar, von wem auch sonst? Immerhin ist die tiefe Liebe und das abnorm große Verständnis Angela Merkels für die Computerspielkultur ja hinreichend bekannt. Nicht? Na sowas....

Was folgte, war ein Bild für die Götter. Mit Mutti auf die Gamescom gehen ist schon beim Durchschnittsgamer peinlich, aber in diesem Fall ist alles noch eine Spur extremer. Und so kam es zu den Szenen, die einfach kommen mussten: Haufenweise Menschen schauten Journalisten zu, die Angela Merkel zusahen, wie sie Gamern zusah. Eine Szenerie voller Indirektheit, wie sie sonst nur in Merkels Politik erkennbar ist. Höhepunkt der merkwürdigen Veranstaltung: Eine Runde Minecraft in Gestalt eines Merkel-Avatars. Man hätte jetzt schon gerne gewusst, was passiert wäre, hätte die Kanzlerin selbst mal die Steuerung übernommen. Vermutlich hätte sie rautenförmige Gewölbe gebaut, in denen man sich prima zurückziehen und Probleme aussitzen kann. Leider aber hat Angela Merkel partout nichts angefasst, mit dem man etwas steuern kann. Kein großes Wunder, ist dies ja auch sonst eher nicht ihr Stil.

Und doch ist im Jahr der Wahl alles anders auf der Gamescom; Politiker fischen gezielt nach Stimmen unter den Gamern und Geeks der Republik. Also unter denen, die ansonsten von Seiten der Politik regelmäßig gezielt missverstanden und herabgesetzt werden – wir alle haben noch die diversen, leidigen Diskussionen um die Kriminalisierung der Gesellschaft durch ekzessives Zocken von Ballerspielen wie Battlefield, Fallout und FIFA (da wird auch geschossen, also zählt das!) in den Ohren... Aber jetzt, in der politischen fünften Jahreszeit, ist dies alles vergessen. Jetzt zählt nur das Wahlvieh. Jetzt hat man die Gelegenheit, sich als ebenbürtig und viel cooler als diese ganzen YouTube-Sternchen zu präsentieren und auf Biegen und Brechen auf cool und jugendlich zu machen. Wobei Mutti und Co einen wichtigen Punkt in ihrem Plan übersehen: Das durchschnittliche, Bibi und die Lochis anbetende Minecraft-Kiddie ist zwischen 11 und 16 Jahre alt (geistig sogar noch drunter) und damit nicht wahlberechtigt. Aber wen interessieren schon solche Details?

Ohnehin ist dieser Spuk bald wieder vorbei; Noch einen Monat, dann muss man sich auf Seiten der Politik mit den bekloppten Gamern wieder vier Jahre nicht beschäftigen. Und andersrum. Beidseitig wohl eine Win-Win-Situation.

Geldverbrennung as fuck

Hat bewiesen, dass Kindergartenmethoden sich im Profifußball auszahlen: Ousmane Dembele

Ich bin 19 Jahre alt und mein Arbeitgeber kotzt mich so mittelprächtig an, seit ich weiß, dass ich woanders mehr verdienen könnte. Also gehe ich nicht zur Arbeit, sondern schließe mich in meinem Wandschrank ein und schmolle, bis mich mein Arbeitgeber gefälligst an die andere Firma freigibt, welche mich dann mit Kusshändchen empfängt.

Ein Jahr später. Ich bin 20 Jahre alt und auch mein jetziger Arbeitgeber kotzt mich mittlerweile so mittelprächtig an, seit ich weiß, dass ich woanders noch einmal mehr verdienen könnte. Also gehe ich wieder nicht zur Arbeit, sondern schließe mich erneut in meinem Wandschrank ein und schmolle, bis mich mein Arbeitgeber gefälligst an die andere Firma freigibt, welche mich dann ebenfalls mit Kusshändchen empfängt und eine Unsumme zahlt, damit ich komme. Und jetzt frage ich mich, was ich wohl nächstes Jahr so mache. Auf dem normalen Arbeitsmarkt würde man mir den Vogel zeigen und mit meiner Arbeitseinstellung hätte ich keine einzige Ausbildung durchgehalten, aber hey – Ich bin Profifußballer und kann auf eine moralisch vertretbare Berufsauffassung scheißen.

So und nur minimal anders lässt sich das Treiben auf dem Transfermarkt im Millionengeschäft Profifußball in den letzten Jahren beschreiben. Und es wird mit jedem Jahr absurder. Die Posse um Ousmane Dembele, der sich seit 2 Wochen in seinem Schmolldomizil bei Marseille versteckt, um seinen Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Barcelona zu erzwingen, zeigt dieses Problem mehr als überdeutlich. Ende dieser Woche war dann klar, dass der 20-jährige Nachwuchsrechtsaußen seinen Willen bekommt. Ablösesumme: Irgendwas zwischen 105 und 140 Millionen Euro, die Zahlen schwanken je nach Quelle. Das ist ein Betrag, so hoch, dass selbst Boris Becker sich damit nicht verschulden könnte. Obwohl....Vielleicht doch.

So oder so ein dreistelliger Millionenbetrag für einen nur rudimentär Erwachsenen, der kein Problem damit hat, sich aus Gründen der Egozentrik auf grob vereinsschädigendes Verhalten einzulassen und damit auch prima durchkommt. Mehrmals. Ein Einzelfall? Nein. Das ist Alltag in einer Szene, die sich längst im Endstadium des Kapitalismus kindischter Prägung befindet.

Berufsehre ist eine feine Sache. Dass man in der echten Welt seinen Ruf ruiniert, wenn man seinen Brötchengeber häufiger wechselt als die Unterwäsche, lernt der Jungfußballer von heute nicht mehr kennen. Was kein Wunder ist, wenn ein Haufen Berater möglichst jeden Cent aus seiner ballkickenden Wollmilchsau herauspressen will. Und deshalb sind wir heute, wo wir nunmal sind - Und warten auf den Tag, an dem diese ganze perverse Geldverbrennungsblase platzen wird und Fußballspieler nach ihrer Karriere mit Mitte 30 auf andere Berufe angewiesen sind. Was dann mit Jungs wie Ousmane Dembele passieren wird? Davor sollten die sich besser in ihrem Wandschrank verstecken.

Von linksunten und irgendwie drüber

Thomas de Maiziere - Das Mikro im Anschlag für neue Glanzlichter

Und nun kommen wir zu einer genialen Überleitung: Wie verbinden wir Wahlkampf und Wandschränke jetzt miteinander? Indem wir uns nun einem Wahlkämpfer zuwenden, der rechtzeitig eine Random-Bedrohung aus dem Wandschrank zieht, um ein wenig Medienpräsenz zu bekommen.

Anders jedenfalls lässt es sich nicht erklären, dass Innenminister Thomas de Maiziere sich diese Woche vor die Mikrophone stellte und bekanntgab, er habe soeben die größte Bedrohung für die Bundesrepublik, den Weltfrieden und das Überleben des Universums (Mindestens!!!) verboten: Die Internetplattform „linksunten.indymedia.org“

„Wir gehen konsequent gegen linksextremistische Hetze im Internet vor. Nicht nur im Vorfeld des G20-Gipfels in Hamburg wurde auf „linksunten.indymedia“ für gewaltsame Aktionen und Angriffe auf Infrastruktureinrichtungen mobilisiert. Die Ereignisse in Hamburg zeigen die gravierenden Folgen. Der Aufruf zu Gewalt gegen Polizisten und deren Bezeichnung als „Schweine“ und „Mörder“ soll Gewalthandlungen gegen Polizisten legitimieren. Er ist Ausdruck einer Haltung, die die Menschenwürde mit Füßen tritt. Das ist absolut inakzeptabel und mit unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht vereinbar.“, so de Maiziere in seiner Begründung.

Das kann man folgendermaßen übersetzen:

„Die Krawalle von Hamburg haben uns sehr geärgert. Seitdem ist Linksextremismus wieder mehr in den Medien, also muss ich jetzt reagieren und irgendwas Linkes verbieten. Und zwar noch vor der Wahl, sonst bringt mir das ja keine Stimmen aus dem konservativen Umfeld.“

Um die Entscheidung zu legitimieren, verkündete de Maiziere zudem auch noch, bei Durchsuchungen der Wohnungen bekannter Betreiber von linksunten seien Waffen und gefährliche Gegenstände entdeckt worden. Zum Beispiel Handschuhe. Und Sprühdosen. In der Küche wurden sogar Messer gefunden.

Damit wir uns richtig verstehen: Ja, es gibt Linksextremismus. Und ja, Gewalt aus jeder Richtung ist abzulehnen und zu verfolgen. Aber hier wird ein Thema unnötig aufgebauscht, um Aufmerksamkeit zu generieren. Oder sind „extremistische“ Seiten jeder Ausrichtung jetzt etwas Neues, gerade erst entdecktes? Eigentlich nicht, oder? Wo waren solche Verbote denn im Vorfeld des G20-Gipfels, wenn in dieser Zeit auf derartigen Seiten doch die Saat für die "Verbrechen von Hamburg" gesät wurde und man diese dann jener Logik folgend hätte verhindern können? Vielleicht, weil die Wahl da noch weit weg war? Hm? Herr de Maiziere?

Wie auch immer: Das Verbot von linksunten ist eine Hauruckaktion ohne tieferen Nährwert. Und die Betreiber haben bereits angekündigt, an der Nachfolgeseite zu arbeiten. Wohl auch, damit Thomas de Maiziere nicht die linken Seiten zum verbieten ausgehen. Bevor er noch auf die Idee kommt, nach rechten Seiten zu schauen.

...und dann war da noch

Will Trump von Twitter entfernen: Valerie Plame Wilson

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks wird gegen Extremisten im Internet vorgegangen. Und auch hier ist es eine mutige Einzelperson im aufopfernden Einsatz um das Allgemeinwohl. Nur, dass es hier nicht der heroische Thomas de Maiziere ist, sondern eine Frau namens Valerie Plame Wilson.

Die gute Frau Wilson ist eine frühere Undercover-Agentin im Dienste der CIA. Was aber mit ihrer Idee eher wenig zu tun hat, denn die ist alles andere als Undercover, sondern mehr als öffentlich: Frau Wilson möchte eine Milliarde Dollar sammeln, um Twitter zu kaufen. Warum? Natürlich um Donald Trump sperren zu können. Klar, was auch sonst?

„Wir brauchen nicht bis 2020 zu warten, um ihn zum Schweigen zu bringen", schrieb Valerie Plame Wilson am Mittwoch auf ihrem Twitteraccount. Es sei "ein kleiner Preis, um Trumps mächtigstes Megafon wegzunehmen.“ - Nun ja. Eine Milliarde Dollar – Also umgerechnet 850 Millionen Euro, also gut vier Neymars oder 6 Dembeles mitsamt Wandschränken – ist jetzt nicht wirklich ein kleiner Preis, sofern man kein Ölscheich ist, aber okay...

Diese Woche lief die kuriose Crowdfoundingaktion mit dem edlen Ziel nun also an und es ist bis jetzt ein ordentlicher, achtstelliger Betrag zusammengekommen. Und trotzdem bemerkt man recht schnell, dass der noble Plan der Ex-Agentin eine eindeutige Mission Impossible ist;

Erstens: Eine Milliarde beim Crowdfounding bekommt man höchstens zusammen, wenn man dafür verspricht, AIDS, Krebs und Bauer sucht Frau gleichzeitig abzuschaffen und als Zugabe Lionel Messi zum VfL Bochum zu holen. Und vom Wechselgeld muss man Helmut Schmidt von den Toten auferstehen lassen.

Und zweitens: Um die Mehrheit an Twitter aufkaufen zu können, bräuchte man derzeit nicht eine, sondern etwa 6 Milliarden. Zum Vergleich: Das sind dann 27 Neymars, 43 Dembeles oder ein halber Berliner Flughafen. Also vermutlich wird es nichts mit dieser schönen Idee. Aber vielleicht hat Thomas de Maiziere da ja noch eine Idee im Ärmel. Das erfahren wir dann vielleicht schon nächste Woche.


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