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Hausbau

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Offenes, modern gestaltetes Mehrfamilienhaus mit Teichanlage in reizvoller Umgebung, Schweinfurt, 1997

Der Hausbau ist eine einfache Sache. Man benötigt einen Flecken Land, Bier, Maurermarmelade ein paar qualifizierte Bauarbeiter, ein bisschen Geld und Nerven wie Drahtseile. Ach ja, einen, der alles unterschreibt, den braucht man auch. So kommt man einfach und sicher zum Ziel Baupfusch!

Die vollkommene Planung

Wunschvorstellungen eines Bauherren...
...und die Interpretation des Bauträgers

Üblicherweise geht ein künftiger Häuslebauer des Nachmittags durch eine der schönen Neubauviertel irgendwelcher Kuhkäffer flanieren und prüft kritischen und kenntnisreichen Auges das Blühen und Verwelken der hübschen neuen Häuschen. Dabei informiert er sich bei den chronisch unterzuckerten, halbwegs anwesenden stolzen Bauherren nach den Qualitäten der Baufirmen und der Wahl ihres Architekten. Dabei erfährt er im Regelfalle nichts Gutes, also nimmt sich der künftige Häuslebauer vor, alles besser zu machen. Wochenlang rätselt er über Begriffe wie Isolierung, Scherkraft, weiße Wanne und andere lustige Begriffe aus der Welt des Bauwesens, bis er zu der Überzeugung gelangt ist, dass er es mit einem guten Bauunternehmer schon richten würde. Mit Stolz in der Brust beschreibt er dem Bauunternehmer, was er denn wohl planen wollte und verkündet es in den schillerndsten Farben. Der Unternehmer nickt eifrig und am nächsten Tag gibt es auch die ersten Skizzen, die der Bauherr unterschreibt. Mit diesen Zetteln geht der Unternehmer, sichtbar ergriffen, mit seinem Architekten zum Bauamt, wo die nächste Hürde auf dem Weg zum Familienglück in Form eines unbestechlichen Beamten bereits lauert.

Das tolerante Bauamt

Das Bauamt ist eine Einrichtung, die einst direkt dem Staatsschutz untergeordnet war. Ihre Amtsleiter sind Gemütsmenschen, die sogenannten Königinnen der Beamtenkolonie, die in ihrem Leben Millionen von Beamteneiern legen, die von Arbeitsbeamten großgezogen werden. Ist das Beamte groß genug, fliegt es aus und gründet mit seinen Geschwistern neue Beamtenkolonien.
Die Baugenehmigung sieht aus wie ein Gerichtsurteil. Genaugenommen liegt auf jeder Genehmigung ein Fluch, der den Bauunternehmer davon abhält, dass zu tun, was in diesem Dokument (Auflagen) steht. Die sogenannten Auflagen sind allerdings teilweise rätselhaft, denn wer wünscht in seinem Einfamilienhaus schon eine Brandwand mit Festverglasung, die durchs Schlafzimmer führt, oder eine Gästetoilette mit Sprinkleranlage. Eine dichtschließende Hauseingangstüre ist dagegen schon sinnvoll. Man weiß ja nicht, wer in die Nachbarschaft zieht.
Zur Vereinfachung gibt es seit etwa 10 Jahren die sogenannte Bauanzeige, bei der der Architekt nur noch ein Geständnis unterschreiben braucht.


Der reibungslose Bauablauf

Die Widrigkeiten der Baugrube

Sollte man die Baugenehmigung nicht abwarten können, so empfiehlt es sich, einen Baggerfahrer, der gerade um die Ecke mit dem Reinigen einer Sickergrube beschäftigt ist, einen Zehner in die Hand zu drücken und ihn zu bitten, schon mal "in der Ecke da" die Baugrube auszuschachten. Sobald er fertig ist, kann man dann mit der Baustellensicherung anfangen, die zum Großteil aus einer abenteuerlichen Lattenkonstruktion besteht, die um die Grube herum aufgestellt wird. Den Rest bildet man aus allem möglichen, was man gerade so auftreiben kann. Die Ersparnis ist gewaltig.

Typische Baumängel

Das Fundament ist der Grundstein für ein solides Haus... sofern das Fundament solide ist

Sind diese allgemeineren Vorbereitungen, getroffen geht es an das Fundament. Mit Verspätungen von wenigen Tagen ist hier immer zu rechnen, der Bauträger weiß meistens die tollsten Erklärungen dazu. Doch noch bleiben die Nerven stählern. Der kernige Bauherr muss sich eines ins Gedächtnis rufen: "Gut Ding will Weile haben.". Ist der Bautrupp dann endlich mit Betonmischer und komplettem Team angerückt, müsste es eigentlich schnell gehen. Dank der kurzfristigen Entscheidung, ein Streifenfundament zu verwenden, müssen noch einige theoretische Änderungen an Wänden und Raumaufteilung vorgenommen werden. Wenn dann auch die letzte Ratte aus der Baugrube verscheucht ist, geht es an die Arbeit.
Fortan geht alles entweder Schlag auf Schlag mit technischen Mängeln oder aber ermüdend langsam, in beiden Fällen aber nur suboptimal für den Bauherren. Baumängel sind keine Seltenheit. Als typische Bauschäden gelten beispielsweise Schäden aufgrund von Wasserrohrbrüchen, leider erkennt man Baumängel aber sehr oft erst später. Der gewiefte Bauherr weiß spätestens, wenn sein Haus übersät mit Schimmelpilzen ist und er im Frühherbst schon die Wärmeisolierung als mangelhaft entlarvt, dass geschummelt wurde. Dies würde zwar alles stark an den Nerven zehren, die aufkommenden Kosten würden jedoch übernommen. Komplett anders sieht das Ganze schon aus, wenn etwa die arrangierten serbischen Gastarbeiter während des Hausbaus darauf pfiffen, die allgemein anerkannten Regeln der Bautechnik zu beachten. Hier würde zwar ein Baumangel vorliegen, wäre aber kaum nachweisbar. Daher muss ein Bauherr stets mit wachem Auge zur Stelle sein und den Bau kontrollieren, was ihm oft mehr Konzentration abverlangt als der Job den Bauarbeitern. Jedoch ist eine Überwachung unvermeidlich, sie auszulassen, könnte einem teuer zu stehen kommen.
Eine eher neuartige Form des Baumangels tritt ein, wenn die Baustelle während des Hausbaus plötzlich Besuch vom Zoll bekommt. Dieser will natürlich nur mal eben die Pässe aller Beteiligten überprüfen, man muss ja nicht unbedingt arme Ausländer auf den Baustellen Deutschlands quälen, wenn man doch zufällig vier Millionen faule Arbeitslose dafür hat. Derartige Kontrollen treiben einem Bauherrn schon mal den Schweiß auf die Stirn, der wohlwollende Mann beruhigt sich aber durch gutes Zureden. Der richtige Kracher kommt ohnehin erst, wenn die serbischen Gastarbeiter tatsächlich schwarzarbeiten und keine Erlaubnis haben. Wer sich nicht schon vor dem Bau die Eigenschaft, dass alle beteiligten Bauarbeiter auch die Erlaubnis zu ihrer Tätigkeit haben, in den Vertrag schreiben lassen hat, der ist nun bedient. Die Baumängel lauern überall und können jeden Hausbau gefährden, jeden.

Stadien der Planung

Vorentwurf Entwurf Ausführungsplanung
...kleinere Überarbeitungen sind immer erforderlich
...kleinere Überarbeitungen sind immer erforderlich
...das große Ganze, wie es dann wird
Der Vorentwurf ist der Traum eines jeden Bauherren. Endlich genug Platz, eine schöne Einrichtung, selbstdefinierte Raumaufteilungen. Ein paar kleine Abänderungen und dann noch die paar Auflagen, was soll's. Der Bauherr setzt alles daran, möglichst schnell in die eigenen vier Wände zu kommen. Über die ein oder andere Niggeligkeit kann da doch hinweg sehen. Noch relativ entspannt geht es in Runde Zwei. Klar, wäre ja auch falsch, schon den Kopf wegen Kleinigkeiten zu verlieren. Der Bauherr bewahrt in diesem Stadium lieber die Ruhe und lässt alles auf sich zukommen. Das Unheil hatte sich angedeutet, nun ist es in vollem Gange. Immer wieder gibt es Verzögerungen, Unstimmigkeiten und zusehends schlechtere Laune. Auf dem Bau weht jetzt ein herberer Wind. Durch unzählige Aufpreise, Umplanungen und Unerwartetes sind die Baukosten beträchtlich gestiegen. Auf die Extrawünsche muss da sowieso verzichtet werden. Immer mehr entgleitet das ach so tolle Haus den Vorstellungen des Bauherrn, keine gute Entwicklung. Unmut macht sich breit, doch noch gilt: "The show must go on." ...but how long...? Natürlich ahnt der Bauherr einiges, doch die Hoffnung stirbt nun mal zuletzt. Immer einen kühlen Kopf bewahren, vielleicht, ja vielleicht, wendet sich ja noch alles zum Guten. Alles läuft aus dem Ruder. Die Kosten steigen ins Unermessliche, dennoch wird das Haus immer kleiner und unbequemer. Das hatte sich der anspruchsvolle Bauherr dann doch etwas anders vorgestellt. In dieser Phase des Baus machen sich alle gegenseitig Vorwürfe und giften sich an. Die Stimmung ist im Keller, die Küche muss wohl auch dorthin verlagert werden. Alles läuft auf eines hinaus. Die Notbremse ziehen. Bei einem derart verkorksten Bau, der nicht nur unter einem schlechten Stern, sondern einer ganzen schlechten Galaxie stand, ist man noch gut beraten, wenn man den Bau abrupt abbricht und eine Höhle oder Hundehütte als Behausung vorzieht. Bloß weg!


Fazit

Bisher ist kaum mal ein Hausbau fehlerfrei und nach den Vorstellungen des Bauherren abgelaufen. Dennoch nehmen sich immer wieder nichtsahnende junge Männer vor, es besser zu machen und ihr Traumhaus auf die Beine zu stellen. Manchmal muss man eben auch auf die blutige Tour lernen. Die häufig gemachte Learning by Doing-Aktion geht zwar finanziell und nervlich immer schlecht für die neugierigen potenziellen Hausbesitzer aus, doch jeder zieht seine Schlüsse daraus. Aufgrund von diesen Problemen wird empfohlen, in Altbauten zu ziehen. Altbauten, juhu!