Knorr

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Handelsübliches "Knorr für Salatkrönung"

Knorr ist ein international agierender Tütensuppen-Großkonzern, der sich vorgenommen hat, bis 2035 die globale, kulinarische Produktpallette einmal mit Paprikapulver und Geschmacksverstärkern komplett nachzukochen. Mit diesem Ziel vor Augen kontrollieren sie den globalen Gewürzhandel und haben sogar Maggi mittlerweile auf den Status eines traurigen Krautproduzenten zurückgeworfen. Durch die monopolisierte Unterwanderung der westlichen Welt mit ihrer Astronautennahrung 2.0, bei der durch Beträufeln mit einem Wassertropfen ein fertiger Schweinebraten aus der Tüte wächst, hat sich Knorr vorgenommen, das Welthungerproblem zu lösen, indem dann alles, was Landwirtschaft und Massentierhaltung betrifft, von modernen Industriestaaten an die Dritte Welt outgesourced werden kann.

Knorr ist mittlerweile tief in der westlichen Gesellschaft verankert, bekömmlich und pädagogisch wertvoll. Das erste richtige Fleisch, das kleinkindliche Urbanhabitate heute gewöhnlich erblicken, ist die Abbildung auf einer Knorrtüte.

Unternehmensgeschichte

Frisch gehaltene Knorr-Erbswurst von 1889. Hat sich in seiner Konsistenz im wesentlichen bis heute nicht verändert. Echt urig eben.

Knorrprodukte wurden im Zuge des ersten Weltkriegs erfolgreich in der Wilhelminischen Gesellschaft implementiert. Nachdem die Reichsheeresleitung bereits 1915 einen großen Erfolg in der Front- und Etappenverpflegung mit dem sogenannten Senfgas verzeichnet hatte (einfacher Verzehr: gegen den Wind schießen und Mund öffnen, passte gut zu Bockwürstchen aus Armeepferden oder französischen Haushunden), sollte das fortschrittliche Tütenprodukt auch in der Heimat Alternativen zur großflächigen Volksernährung aufzeigen, die eine langfristige Ressourcenschonung des nationalen Volksgutes befördern half. Angesichts des Anfang 1916 stattgehabten sinnlosen Massenschlachtens von Mastschweinen war das ein später Gedanke, ein sehr später Gedanke. Dennoch gelangten die Knorrprodukte schnell zu hoher Umsatzstärke. Der Geheime Ernährungsrath des Kaisers, Freisasse Carl von Knorr aus der Nähe eines Mühlhäuser Rittergutes, verhalf einem einst erfolglosen Erbswurstproduzenten zu staatlich anerkannten Sicherheiten und einer dem Zeitgeist geschuldeten Abnahmeattraktivität mit Premiumprodukten wie Knorr Fix für Kohlrübensuppe oder Knorr fix für Mehlschwitze (ohne Mehl). Auch an der Front änderte das Mitführen von Knorrtüten schnell die Einstellungen und Ernährungsgewohnheiten der Soldaten, die oft tagelang vorn im Schützengraben gelegen und wegen hartnäckiger Sperrfeuer oft nur die eigenen toten Kameraden gehabt hatten, wenn der Magen knurrte. Wurde eine Stellung erobert, musste alles im Zeitraffer geplündert werden, für besinnliche Genussmomente blieb wenig Zeit. Nun konnte der Soldat mit seinem Feldwasserkocher noch eine letzte Hühnerbrühe genießen, während sich der Feind vor dem nächsten Maschinengewehrstand zum Überrennen bereitmachte.

Unglücklicherweise ging die Tütensuppenbegeisterung in der deutschen Gesellschaft zu Kriegsende unter, vielleicht bedingt durch die Inflation, vielleicht aber auch, weil es keine anderen Ressourcen mehr gab, die es noch zu schonen galt. Mancher Hausfrau, der in der Woche zur Ernährung ihrer acht Kinder ein Knorrbeutel zustand, hing die Pampe aus Sägespänen, Backstein-Pigmenten mit Aroma und Sand schon zum Hals raus, der zehntel Pfennig für die Einkaufstüte hin oder her. Die letzte Serie von 1918, Knorr Fix für Instant-Kaffee-Ersatz-Ersatz und Knorr Fix für getrocknetes Wasser, wurde zum Ladenhüter. Erst in den 20er Jahren gelang Knorr als Konzern ein Comeback. Nun war aber die Firmenpolitik nicht mehr darauf ausgerichtet, kriegswichtige Ziele mitzutragen, sondern allein darauf, die Aktien anderer Nahrungsmittelfirmen aufzukaufen und das Geld in Produktmarketing zu investieren, um noch mehr Firmen aufzukaufen. Nachdem Knorr 1958 in eine GmbH umgewandelt wurde und Inkassoschergen endlich das Geheimnis aus den Mondamin-Machern herausgeprügelt hatten, wie man Suppe solange in der Fensterbank trocknet, bis sie fest wird, eroberte Knorr mit dem Brühwürfel in der Zeit des Wirtschaftswunders die deutschen Küchenschubladen. Mit Recht wird Knorr bis heute vorgeworfen, damit den größten gourmetemanzipatorischen Dienst eines Nahrungsproduzenten überhaupt geleistet zu haben. Einsame Hausfrauen, die sonst schon um sechs Uhr früh in der Küche ein Rind abkochten, um mittags damit eine leichte Soße aufsetzen zu können, verfielen reihenweise in Depressionen und kamen schließlich auf dumme Gedanken, weil sie nicht wussten, was sie mit der vielen freien Zeit, die sie hatten, anfangen sollten.

Endlich wieder Lust auf Fleisch...

Doch nicht genug, dass Knorr mit dem Brühwürfel der sexuellen Revolution Vortrieb leistete, nebenbei jedoch mit dem Wort Brühwürfel eines der schönsten Worte der deutschen Sprache etablierte, hier kommt es noch einmal: Brühwürfel, gierte der Firmenvorstand nach mehr und polarisierte besonders bei den aufkommenden Umweltschützern, als es die Massentierhaltung in der Geflügelzucht damit unterstützte, dass es die Reste der geschredderten Hähnchenküken, die nicht wieder in niedersächsischen Zuchtbetrieben gesetzt werden konnten, im großen Stil für ihre "Buchstabensuppe spezial" ankaufte. Es sollte lange dauern, bis es Knorr in die Kochtöpfe grüner Studentenvertreter und letztlich in deren Parteivorstand schaffte. Denn auch die andere Seite stand Knorr lange Zeit skeptisch gegenüber und so fanden die Produkte erst langsam ihren Weg über die Dosenravioli in die Herzkranzgefäße zahlreicher Sozialhilfeempfänger, bevor ihnen hier das Spaghettigericht von ALDI endgültig die Butter vom Brot nahm.

Dennoch konnte sich Knorr bis dato in einigen gesellschaftlichen Segmenten fest integrieren, wie z.B. im schlemmverwöhnten Studentenumfeld, das mit einer großen Auswahl an Knorrtüten eine abwechslungsreiche Ernährung nachahmt, dabei aber gerne mal fehlende Tomatensoße mit einem Beutel Knorr Fix für Chili con Carne substituiert. Dazu bei trägt natürlich auch die kommerzielle Omnipräsenz von Knorr-Produkten, denn mittlerweile gibt es zu fast jedem kaufbaren Produkt auch mindestens eine Knorrvariante, sei es Knorr für Bonbons, Knorr Paniermehl, Knorr Grassamen, Knorr Zement oder Knorr Baukleister. Als im Jahr 2013 der Unilever-Chef, Paul Polmann, Vorstand der Knorr Foods Co., Ltd zu weiteren Produktplänen seiner Firma befragt wurde, lächelte er nur sinnierend, lehnte sich verträumt in seinem Vorstandssessel aus sibirischem Tiegerleder zurück und scherzte mit einem verschmitzen Lächeln: "Wer weiß, vielleicht sogar etwas zum Essen?", worauf er beherzt lachte.

Mythen rund um den Knorrverzehr

Knorr ist ungesund

Ein Bild von Glutamat, das hier gar nicht stehen sollte. Sauerei.
Nein. Nein, das stimmt nicht. Knorr ist ganz und gar nicht ungesund. Die unzähligen Konservierungsstoffe, die in Knorrprodukten enthalten sind, die sind ungesund. Und wie! Aber der ganze Rest eines Knorrprodukts ist absolut bekömmlich; zwar nicht nahrhaft, so weit kann man nicht gehen, aber auch nicht schädlich.
Vom ehemaligen Konkurrenten Kanni übernahm Knorrr das Prinzip, seine Kunden genauetens zu informieren.
Das Immunsystem des Körpers wird schließlich auch damit fertig, dass der Mensch Unmegen an Staub einatmet, ohne krank zu werden.

Doch das Unternehmen ist von sich aus auch um Transparenz für seine Inhaltsstoffe bemüht. So finden sich auf jeder Tüte die Zutaten des jeweiligen Fertiggerichts minutiös in Schriftgröße 5 dargelegt. Die dabei oft enthaltenen Glutamate rechtfertigt Knorr damit, dass in ihren Tüten wenigstens kein Fett enthalten sei, die Ernährung mit Knorr demnach vielfach gesünder sei, als ein Besuch bei McDonald´s. Nach Auskunft zahlreicher Verbraucherzentralen entspricht das der Wahrheit. Das einzig schlechte an den gewöhnlichen Inhaltsstoffen, sei vielleicht der fünfte Teil Zucker, aus dem jede Tüte bestehe, sodass man bei einer Dauerernährung mit Knorr höchstens Diabetis oder Skorbut, neben dem Vitamin- und Kaliummangel, bekommen könnte; nicht zu vergessen, die Salmonellen, die wegen der Naturverbundenheit in "Knorr Fix für Hähnchenkeule" enthalten sind. Man kann es mit Bionahrung auch echt manchmal übertreiben.

Hauptsächlich schützt sich Knorr mit solchen Vergleichen. Im Jahr 1973 rastete z.B. das Knorr-Maskottchen Stocki, eine sprechende halbnackte Kartoffel, in aller Öffentlichkeit aus und startete eine Schmutzkampagne gegen Dr. Oetker, indem es u.a. behauptete, dass dessen Kartoffelbrei viele ungesunde Zusatzstoffe, Knorr-Kartoffelbrei hingegen reinstes Glutamat für die Geschmacksabrundung enthalte; eine Behauptung, die sich freilich aus heutiger Sicht noch rächen sollte.

Jedenfalls achtet Knorr darauf, dass alle sonstigen schädlichen Stoffe, die auf ihren Verpackungen vorkommen, nicht selbst im Produkt enthalten sind. Es hat freilich niemand etwas davon gesagt, dass Schadstoffe wiederum nicht in den ausschließlich guten Inhaltsstoffen eines Knorrprodukts enthalten sein können. Die Verantwortung dafür liegt dann selbstverständlich beim Produzenten des jeweiligen Zutatenkorns, Knorr kann schließlich nicht jedes mit Backhefe gestreckte Pulver überprüfen, das in der Produktion eingeht. Was sonst noch so in die Beutel kommt, ist daher auch oft mehr Schein als Sein. Von etwaigen "Möhrenstücken" oder "Kräutern" sollte man sich nicht zur Annahme verleiten lassen, etwas über die Gebühr gesundes vor sich zu haben. Weil z.B. Kräuter als natürliche Geschmacksverstärker die Geschmacksverstärker des Produkts übertünchen könnten, werden statt richtiger Kräuter Analogkräuter bevorzugt, die in Wahrheit mit Chlorophyll angemalte und kleingeschnittene Oblaten sind. Enthält ein Knorrgericht richtige Kräuter, werden sie als Kräuterpulver dem Produkt beigegeben.

Knorr schmeckt immer gleich

Sieht der aus, als ob es ihm nicht schmeckt? In manchen Kulturen sicher nicht.

Knorr schmeckt natürlich nicht immer gleich. Knorr Fix für Puddingpulver schmeckt z.B. ganz anders als Knorr-Salatsoße oder Knorr für Putengeschnetzeltes. Dass jedes Knorr-Produkt auf derselben Basis angemacht wird, heißt ja nicht, dass nicht Aromen grundsätzlich variiert werden können. Allein, auch wenn überall die gleiche Grundmenge an Pulver drin ist, ist das kein Beweis dafür, dass hier einfach achtlos Gerichte "nachgeahmt" werden. In den letzten Jahren arbeitete ein 200-köpfiges Spitzensterneköche-Team an mehreren Rezeptesammlungen, die beweisen sollten, welche köstlichen und ursprünglichen Knorrezepte mit dem Einsatz der kleinen roten Beutel möglich und wie einfach sie nachzukochen waren. Das Ergebnis waren zwei umfangreiche Kochbücher mit einer riesigen Bandbreite an Rezepten zu allen Gelegenheiten, in allen Formen und Variationen. Zwar wurden mit Rezepten wie Schweinelende an Gnocchi oder gefüllte Paprika mit Reis an Sambuca-Brühe die Knorr-Beutel für das Kochen relativ überflüssig oder mit der Empfehlung eines schönen Dressings sogar völlig aus dem eigentlichen Rezept herausgeschrieben, aber es ist ja der Gedanke der zählt. Wenn man einen hausgemachten Hackbraten macht und ihn dann Knorr-Hackbraten nennt, kann er trotzdem gut schmecken.

Genau aus diesem Grund ist es immer noch unverständlich, warum viele Sterneköche zu Feinden des kessen Pulvers avancieren und ihren Gaumen wie Bluthunde darauf abrichten, die "Chemie" in dem ansonsten frisch zubereiteten Anabolika-Broiler zu schmecken der selbt hungernde afrikanische Kinder die einheimische Biobaumrinde vorziehen lässt. Immer wieder behaupten solche idealisierten Hampelmänner, Knorrprodukte wären fad, einseitig, langweilig und würde das Essen, um das es eigentlich gehen sollte, in den Hintergrund drängen. Solche Köche haben vermutlich auch nie Die Kochprofis gesehen.

Knorr abstrahiert Nahrung

In gewisser Weise ist in der urbanen Ernährungsweise der letzten Jahre das Tier abhanden gekommen, zunächst das Schwein vom Schweinefleisch, dann das Schweinefleisch von der Supermarktwurst und dann die Supermarktwurst vom Instantgericht. Dass kleine Kampfesser deswegen nicht mehr wissen, wo das Fleisch, das ihnen ihre besorgten Eltern täglich heranschaffen eigentlich herkommt, ist nur allzu verständlich. Die Eltern wissen es ja auch nicht. Seit Jahren fordern Umweltschützer im Zuge von Aufklärungskampagnen, Stadtkinder in die Schlachtereien ihrer Umgebung mitzunehmen, um die jungen Menschen zwischen 12 und 7 Jahren durch all die Todesschreie und das umherspritzende Blut zu verstören und schwer zu traumatisieren und ihnen so den Respekt vor dem Leben zu vermitteln, damit sie zu schätzen wissen, was sie essen, auf dass irrgeleitete Ernährungsgewohnheiten wie Veganismus gar nicht erst aufkommen können.

Knorrbeutel tragen in gewisser Weise zu dieser Entwicklung bei. Der Retortencharakter einer aus dem Nichts aufgekochten Tomatensoße im Zusammenspiel mit undefinierbaren Beilagen zweifelhafter Herkunft, wie Reishütchen, Fusilli oder Tacos, lassen dem aufgeschlossenen Weltbürgerchen, das im Weichspülerziehungsumfeld seines Monterssorikindergartens schon politisch korrekt seinen Namen tanzen kann, die rauhe und schmutzige Welt der Nahrungszubereitung in speisebunten Regenbogenfarben erscheinen. Daran haben auch pädagogisch wertvolle Konzepte, wie das Basteln von Kastanienrehen mit verkrusteten Knorr-Klumpen anstelle von Kastanien und Flächenberechnungen im Mathematikunterricht, wie viele Knorrtüten auf die Oberfläche eines Weiderindes passen, leider nichts geändert.

Herstellung

Zwei Knorr-Köche nach Feierabend.

Es mag befremdlich klingen, aber seit einigen Jahren beschäftigen sich gelangweilte Kochexperten in ihrer Freizeit damit, wie sie Knorr in die Zubereitung ihrer Gerichte einarbeiten, neue Produkte konzipieren und zusammenstellen können. Warum machen die das? Hauptsächlich machen die das, weil ihre gescheiterte Traumkarriere, die sie mit dem Abbruch ihrer 120.000 Euro teuren Sternekochausbildung in Japan versaut haben, durch die Partizipation an werbewirksamen Massenkonsumgütern dadurch befeuert werden soll, dass sie ihr halbgares Wissen mit der Welt teilen, auf dass ein wenig Begeisterung und Ruhm für die übersüßten Fertiggerichte, die sie konzipieren auf sie abfärbt. Dafür dürfen sie dann auch schicke grünweiße Kochkittel und so eine stereotype Turmkochmütze aus Pappmaschee tragen.

Im Gegensatz zu ähnlichen Berufen, wie etwa Studiomusiker, sind aber Knorr-Köche keine gebrochenen Persönlichkeiten, die ihre Seele verkaufen, sondern schlicht und ergreifend ein Werbeblueff des kommerziellen Schlaraffenlands. Leider haben sich einige Knorr-Köche schon so leidenschaftlich in das Konstrukt ihrer neuen sozialen Rolle hineingesteigert, dass sie eigene Hierarchien untereinander ausgebildet und sogar einen Chefkoch aus ihren Reihen ernannt haben. Und Knorr? Knorr nimmt und nimmt und nimmt. Jedes neu konzipierte Menü, jede Nudelkreation wird in der Forschungsabteilung des Unternehmens bis auf die Bestandteile zerlegt, köstliche Gerichte vor den weinenden Augen der aufopfernden Knorr-Köche ignorant in große Mixer gegeben und schließlich als Brei unter Einhaltung sämtlicher bestehender und kommender Hygienevorschriften trockengeföhnt. Anschließend wird die Trockenmasse zu einer Packung LIDL-Nudeln wieder aufgekocht.

Ist das Gericht gut, geht es dann unter einem exotischen Namen in die Marketingabteilung, denn wer würde schon Knorr Fix für Rahmspargel mit Leberwurst und Streuselkuchen kaufen, wenn es nicht Knorr Fix für Köttbullar hieße? Dann werden mögliche krankgewordene Testesser dezent beseitigt und das Rezept nach Polen in die Massenproduktion geschickt, wo täglich junge Facharbeiter mit Staublunge die Gewürzbeutel zusammenkippen, die später mit der Chemielauge aus einem anderen Werk zusammengeführt werden. Zu guter letzt werden die Tüten produziert und beschriftet. Weil die polnischen Facharbeiter bei ihrem EU-konformen 14-Stundentag keine Mittagspause haben und sich deswegen während der Arbeit massenhaft Snacks reindrehen, wird auf jedem Beutel vermerkt, dass er Spuren von Sojabohnen oder Nüssen enthalten kann, die dem ein oder anderen Arbeiter beim Kochen in den Topf gefallen sind. Auf diese Weise hat es Knorr geschafft, mit einem ungeheuren Aufwand zu im Grunde immer dem gleichen Produkt 30 Jahre lang in allen Bereichen der Speisezubereitung Erfolge zu feiern, sei es mit "Knorr Meister Kessel Dosensuppen" für Knorr Fix als Dosensuppen, "KNORR Fix-Einbrenn" für stärkehaltigen Mist, der sich beim Kochen nicht auflöst und anschließend am Topfboden klebt oder "KNORR Spaghetteria" für Spaghettigerichte, die zwar für 2 Portionen gedacht sind, tatsächlich aber nur für einen reichen.

Konkurrenz

Widerlich, wie plump kopierte Billigmarken auf jeden Trend fortschrittlicher Ernährung aufspringen müssen.

Knorr hat mit seiner medialen Omnipräsenz zwar wirtschaftlich Fuß fassen können, aber besonders einige Bastionen der ALDI-Unterschichtenverpflegung noch nicht einnehmen können. Während der Discounter seine Hausmarken vor allem im Lebensmittelbereich nach vorn bringt, suchten echte Gourmets die cleveren Tüten zwischen Champignons Dritter Wahl und schlecht ausgeleuchteter Dosenravioli bisher vergeblich. Vielleicht auch befeuert durch die ehemaligen Zugpferde im ALDI-Süßigkeitenregal, Kiff und Speed, trat Knorr dieser Entwicklung bereits vor einiger Zeit mit dem Mittel entgegen, das ihrer Firmenpolitik am ehesten gerecht war: einer unsinnigen Ausweitung der Produktpallette in allen Bereichen. Die Botschaft, die darin mitschwang, nämlich das schnelle und stressige Leben der Menschen noch mit fertig entwickelten Instant-Produkten zu unterstützen, verhallte bei der Discounterstammkundschaft, die entweder viel zu alt oder zu unqualifiziert zum Stresshaben war. Lange Zeit galt: Wer im ALDI für seine Kinder unter der Woche einkauft, der gibt was auf gesunde Ernährung.

Mittlerweile ist dieses Gleichgewicht aber aus den Fugen geraten. Weil Knorr vor allem in die Jugendkultur eingebrochen ist, die in ihrem knapp bemessenen Alltag kaum Zeit für anständige Nahrung hat, hat das Unternehmen seine steilsten Renner, etwa den Würstchengulasch sogar in einem kleinen bescheidenen Pappstand zwischen den Regalen des Supermarktriesen etablieren können. Mit dem passenden Wurstbeutel und einem Wasserkocher in der Mittagspause oder Freistunde schnell zubereitet, stellt Knorr damit ein kurzweiliges Schlemmvergnügen bereit, das meist nach eineinhalb Stunden mit aggressivem Dünnpfiff endet. Weil Knorr so schnell durch den Körper geht, gibt es mittlerweile regelrechte Foodtrends, bei denen sich hysterische Knorrfans mit einem Beutel Salatkrönung vollfressen, einen halben Liter Mineralwasser und 2 EL Öl und Essig hinterherkippen und sich anschließend so lange auf dem Boden hin- und herrollen, bis das Dressing in ihrem Magen abgerundet ist. Schneller essen geht wirklich nicht. Knorr wittert nach diesen widerlichen Schauspielen schon das Erschließen neuer Kundenkreise, z.B. durch vereinfachte Kontrolle der Flüssigkeitszufuhr des Körpers. Nischenernährung, wie Drogenkonsum oder Dialyse, sind seit Jahren als sehr zeitintensive Hobbys bekannt und es wäre gemäß dem Konzern wünschenswert, wenn hier Vereinfachungen stattfinden können. Knorr will uns schließlich nicht vorschreiben, was wir unserem Körper zuzuführen haben, sondern nur, wie schnell und einfach es geschieht. Zum Entsetzen von Foodexperten springen auch immer mehr Discounter mit ihren eigenen Marken nun auf diesen Zug auf.