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Gitarrenladen

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Gitarrenläden sind für Gitarristen ungefähr das, was für Kleinkinder ein Süßwarengeschäft ist, nur dass der hier ausgestellte Krempel erheblich teurer ist.

Mythos

Wirklich jeder Gitarrist träumt davon, einmal einen fünfstelligen Gutschein geschenkt zu bekommen, um einen ganzen Laden leerkaufen zu können - oder zumindest davon, in so einem Laden dauerhaft ein Zelt aufbauen zu können, den Duft von angerosteten Saiten und vor Harz triefenden Hölzern um sich herum. Die meisten Gitarristen streiten dies allerdings verlegen ab.
Dass Gitarrenläden in der Regel etwa so geräumig wie ein Mauseloch sind, stimmt hingegen.

Kaufvorgang

Das Wort "Kauf-" ist eigentlich sehr dehnbar. Ein typischer Gitarrist schreitet, nachdem er den Laden betreten und die Blicke des kompetenten, aber misstrauisch dreinblickenden Verkäufers passiert hat, direkt zu der Ecke, in der - wie er aus diversen Internetfotos aus der Onlinepräsenz des Laden weiß - seine Lieblingsmarke steht. Er nimmt dann ein beliebiges Instrument von der Wand, streicht über den bemalten Lack und betrachtet alle Einzelteile. Um dem wachen und immer auf ihn gerichteten Blick des Verkäufers zu entgehen, begibt sich der Gute dann in einen der schallisolierten Testräume.
Kaum ist die Tür zu, schließt er die Klampfe sogleich an einen Verstärker an und shreddert drauflos. Das geht dann solange, bis ihm entweder keine Solos mehr einfallen, oder - was erheblich wahrscheinlicher ist - der Verkäufer plötzlich zur Tür reinkommt und sich mit aufgesetztem Lächeln erkundigt: "Kann ich ihnen helfen?" Zunächst antworten die meisten Gitarristen darauf mit "Nein", nur um kurze Zeit später um einen anderen Verstärker zu bitten ("um den Grundsound zu testen", wie sie sagen). Ihr Gegenüber erfüllt diesen Wunsch auch nach einiger Zeit und darf sich anschließend sämtliche abgedroschenen Klassiker der Gitarrenwelt ("Stairway to Heaven", "Smoke on the Water") anhören, weil der Kunde ihn nach seiner Meinung fragt. Egal, was er antwortet - der Gitarrist ist noch nicht recht zufrieden und verlangt weiteres Zubehör.
Der Verkäufer schleppt mit immer dünner werdendem Lächeln kiloweise Effektgeräte an, bis der Gitarrist endlich seinen Traumsound zu entdecken geglaubt hat.
Dann, nach mehr als zwei Stunden und Abklapperung aller Sounds, wirft der Gitarrist zum ersten Mal einen Blick auf das Preisschildchen, verzieht mit gespieltem Entsetzen das Gesicht und stellt die Klampfe wieder in seine Halterung. An der Kasse bedankt er sich dann für den zuvorkommenden Service, kauft ein Plektrum und verschwindet.

In dem Laden sollte er sich jedenfalls so bald nicht wieder blicken lassen.

Ausnahmefälle

  • Verkäufer nicht da: Soll in großen Versandhäusern vorkommen. In dem Fall hilft das aus Wayne's World bekannte "Kann-ich-ihnen-helfen-Riff" (oder etwas ähnliches): Man schnappe sich eine Gitarre, schließe sie an irgendeinen Amp an und spiele ein paar Sekunden lang. Die sofortige Aufmerksamkeit aller Verkäufer dürfte gewiss sein.
Alternativ könnte man auch hinter die Kasse klettern, ein paar Saiten klauen und wegrennen. In dem Fall sollte man sich aber darüber im Klaren sein, dass man damit vermutlich mehr Blicke auf sich zieht, als einem lieb ist.
  • Lieblingsgitarre nicht da: Schlecht, da die meisten Häuser auf vier oder weniger Marken spezialisiert sind. Fender findet man überall, B.C. Rich bisweilen gar nicht. Fragen hilft da auch nicht viel, da die wenigsten Häuser auf Anfrage bestellen. (Für Gründe siehe oben.) Trotzdem sollte man in dem Fall alle Instrumente im Laden ausgiebig testen, um vielleicht doch noch eine Alternativmarke für sich zu entdecken. Falls das nicht klappt, hat man wenigstens mit seinem Lärm die Angestellten ein bisschen geärgert.
  • Während des Tests reißt eine Saite: Mit etwas Glück hat der Verkäufer in Einsehen und lässt einen mit einem Hausverbot davonkommen. Ansonsten werden die Gitarristen angezeigt, müssen vor Gericht und vermutlich eine mehrstellige Geldstrafe bezahlen. Ach ja, und die kaputte Saite müssen sie auch ersetzen.
Weiß man, dass die Verkäufer im örtlichen Laden eher zum Letzteren tendieren, kann man die Gitarre auch heimlich in eine Ecke stellen und den Laden verlassen. Das dann jedoch recht zügig, da der Verkäufer schon bald nach seinen Lieblingen Ausschau halten wird.
  • Während des Tests bricht das Tremolo ab oder explodiert einer der Pickups: Wow, in dem Fall hat man es wirklich geschafft. Da hilft nur sofortige Flucht, ansonsten lernt man den Verkäufer bald in einem Licht kennen, das einen durchaus bis zum Lebensende traumatisieren kann.
  • Verkäufer reagiert auf alle Fragen angepisst: Ein Wechsel in einen anderen Shop hilft meist leider nicht, da dieses Phänomen enorm weit verbreitet ist. Da hilft nur: Vorübergehender Wechsel der Verkaufsabteilung. Vielleicht stehen bei den E-Bässen ja auch ein paar Gitarren rum.

Kleinanzeigen

Größere Läden haben häufig irgendeine ungenutzte Säule mitten im Laden rumstehen, an der sie Kunden das Anpappen von "Suche Band, bin Gitarrist"- oder "Bin Gitarrist, suche Band"-Zetteln erlauben. Solche Zettel haben allerdings die Eigenschaften, so ziemlich alle existenten Musikrichtungen anzubieten - nur nicht der, die man selbst mag. Ist man begeisterter Metalhead, wird man höchstens Klassik vorfinden. Wer bluesiger ist, wird sein Sichtfeld voller DJ-Gesuche für Techno-Bands haben. Und falls wider Erwarten doch die gewünschte Musikrichtung dabei ist, wird garantiert nur nach einem Keyboarder oder Bassisten gesucht.
Allerdings lesen die meisten diese Anzeigen sowieso nur zur gespielten Ablenkung - in der Hoffnung, dass der Verkäufer irgendwann aufhört, einen wegen der teuren Klampfe anzustarren, die man gerade in der Hand hält.