1 x 1 Silberauszeichnung von Frunzbob

Diverses:Tagebucheintrag eines Obdachlosen

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7:00 Uhr

Es ist 7 Uhr morgens, also muss ich schon auf sein, da die Geschäfte in einer Stunde aufmachen und ich mich vor dem Aldi setzen muss, die Kundschaft hat ja immerhin Erwartungen. Ich habe heute wieder im Park auf meiner Lieblingsbank geschlafen. Gestern ging es ja nicht, weil die Konkurrenz dort schlief. Ich habe zwar kein zu Hause mehr, aber das ist kein Grund meine Hygiene zu vernachlässigen, also hole ich erst mal alle Käfer aus meiner Unterhose. Um mich wach zu bekommen, trinke ich einen Schluck von meinem Korn und lese noch schnell die Zeitung, unter der ich geschlafen habe.

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Prompt überlege ich mir, ob ein Bettler Steuern zahlen muss, bei der heutigen Regierung könnte man es sich ja vorstellen. Komischerweise ist die Kornflasche leer und ich habe das Thema, über das ich gerade nachgedacht habe, längst vergessen, also mache ich noch schnell mein Geschäft auf die Zeitung und gehe an die Arbeit.

8:00 Uhr

8 Uhr. Meine Schicht beginnt. Mein Job ist kein leichter, weil überall Gefahren lauern. Immer wieder kommt der Filialleiter aus dem Aldi und verscheucht mich. Ich verstehe ja, dass ich ihm das Geschäft verderbe, wenn seine Kunden ihr Geld an mich vergeben. Aber er muss einfach einsehen, dass ich den Kunden ein gutes Gefühl gebe. Ich meine, ein paar treten und bespucken mich und die Bezahlung ist miserabel, aber was ist ein Aldi ohne einen Penner der neben dem Eingang vergammelt und riecht wie tote Oma unterm Arm? Ohne uns Obdachlose würde die Wirtschaft untergehen. Außerdem passe ich auf die Hunde auf. Ich liebe Hunde und verstehe sie auch, weil ich auch gelernt habe zu denken wie sie. Sobald einer kommt, rieche ich an seinem Hintern und wenn ich alleine bin, dann jage ich meinen Schwanz. Natürlich soll jetzt keiner denken, dass ich so ein Perversling bin, ich meine natürlich nicht mein Glied, sondern meinen unsichtbaren Schwanz.
Als Dank dafür, dass ich den Kunden den Tag verschönere, werfen die mir oft Geld zu. Es ist natürlich nicht viel, aber je besser man die Kunden kennt, desto mehr geben die mir auch. Deshalb versuche ich eine Beziehung zu denen aufzubauen und gehe zu denen und rede die direkt an. Und obwohl ich dank dem Pfefferspray auf dem einen Auge blind bin, bin ich mir sicher, dass ich irgendjemand einen guten Morgen wünschen kann, ohne dass ich ne Anzeige wegen Belästigung bekomme.
So, da kommt mein erster Kunde, ein Geschäftsmann, der sich eine Packung Cracker gekauft hat. Er geht an mir vorbei und ich rufe ihm den Spruch zu, mit dem ich mein Brot verdiene (Naja, mein Brot klaue ich immer aus dem Mülleimer, also ist es eher der Spruch, mit dem ich meinen Alkoholismus finanziere): "Hast du mal 'nen Euro?". Er geht an mir vorbei ohne mich an zugucken, also mache ich ihn mit den Worten "Du dummer Spast, gib mir deine Padde!" und einem Handzeichen, für das man in manchen US-Staaten die Todesstrafe bekommen würde, drauf aufmerksam, dass er sich mal ein bisschen mehr um seine Mitmenschen kümmern sollte, denen es nicht so gut geht. Womit ich nicht gerechnet habe war, dass er sich umdreht und auf mich zu rennt. Ich renne weg und verstecke mich hinter einem Auto, bis er verschwindet. Und weil die Zeit so schnell vergeht, merke ich, dass es schon 10:00 Uhr ist und ich zur Zentrale muss um die Obdachlosenzeitung abzuholen.

10:00 Uhr

Heute ist es wieder soweit, die neue Ausgabe der Obdachlosenzeitung ist da. Ich lese sie mir immer gerne durch. Besonders gefallen mir daran die Tipps, die das Obdachlosenleben zum Luxusleben macht. Ich hole sie im Zentrum der Stadt ab, um sie weiter zu verkaufen. Viele Menschen kaufen sie, weil sie denken, dass sie ein besseres Leben führen und sich durch das Magazin überzeugen wollen, dass sie ein besseres Leben haben, womit sie im Unrecht sind. Wer von euch kann von sich behaupten, dass er schon mal eine Deluxe-Müll-Suppe gegessen hat? Keiner? Dachte ich es mir schon. Ich klaue mir ab und zu eine, weil ich mein Geld für sinnvollere Sachen spare. Und sobald die Zeitungen verkauft werden, werfe ich ein Blick auf die aktuelle Ausgabe.

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Schon wieder eine brillante Ausgabe. Ich gehe los und verkaufe sie an meine Kundschaft. Auf dem Weg zurück zum Aldi bin ich durch die Hölle gelaufen. Erst habe ich in der Straßenbahn mein Glück versucht, aber keiner hat eine Zeitung kaufen wollen (nicht einmal nachdem ich erzählt habe, das Hitler wiederkommt, wenn meine Zeitung nicht gekauft wird) danach wurde ich von einem Schaffner verfolgt. Ich musste wie immer ganz schön rennen, aber der Idiot hat mich trotzdem erwischt. Ich habe ihm in die Eier getreten und bin weggelaufen. Außerdem wurden mir von ein paar Teenager alle Zeitungen geklaut. Jetzt sitze ich vor dem Aldi und warte auf meine Kunden, um ihnen zu erklären, dass meine Zeitungen geklaut wurden. Ich sehe schon, wie sie wieder kommen und mich angucken, ich habe meine Kundschaft enttäuscht. Ich genehmige mir zum Trost ne Flasche Vodka.

12:00 Uhr

Ich habe, auch als Obdachloser, einen geregelten Tagesablauf. Ich wache von Montag bis Samstag um 7 Uhr auf und an den anderen Tagen schlafe ich aus. Und um fit zu bleiben esse ich früh und proteinreich zu Mittag. Ab und zu gönne ich mir auch was, also gehe ich zum Aldi und gebe etwas von meinem heute verdienten Geld aus. Nach langem Suchen habe ich leckeren Nusslikör gefunden, den ich mir sofort kaufe, man gönnt sich ja sonst nichts. Nachdem ich den Aldi verließ, genoss ich den Likör neben der Alditür. Alkohol macht ja bekanntlich lockerer und somit denke ich, dass ich mehr Geld verdiene, wenn ich besoffen bin. Und sobald die Flasche leer ist, geht es auch wieder zur Arbeit. Eine Frau mit Kinderwagen kommt an mir vorbei und ich frage sie höflich um ein bisschen Geld: "Hey du Schlampe, lass das scheiß Kind mal stehen und lass ein bisschen Kohle rüberwachsen, los!". An den Rest kann ich mich nicht mehr erinnern, nur noch daran, dass ich rennen musste und ich von einer Oma angeschossen wurde und umfiel. Als ich aufwachte, lag ich in einer Ecke hinter den Stadtmülleimern. Ich guckte auf die Uhr und merkte, dass es schon 16 Uhr war. Also rannte ich zurück an die Arbeit um mindestens einen Euro zu bekommen.

16:00 Uhr

16 Uhr ist meistens der Zeitpunkt, an dem ich meine ersten Halluzinationen bekomme. Von außen sieht es komisch aus, wenn ich mich auf dem Boden rumwälze und "TOMATE!!!" oder so schreie, aber was ich sehe ist viel merkwürdiger. Halluzinationen sind so wie ganz schlimme Albträume, nur noch schlimmer. Z.B. habe ich mal Uschi Glas in ihrem letzten Pornofilm gesehen, ach nee, das war ja im Autokino. Oh Gott, jetzt geht's los, ich sehe ein Licht. Bin ich jetzt tot? Ich kann doch nicht schon tot sein, ich hatte noch so viel vor. Oh Gott, ich werde von Peter Hartz verfolgt. Oh mein Gott, ich renne gerade in das Arbeitsamt, NEEEEIIIN.
Oh Gott sei Dank, das war nur ein Traum, bzw. eine Halluzination. Nachdem ich kurz geguckt habe, ob alles in Ordnung ist, habe ich mich wieder auf den Müllsack gelegt und den vorbeigehenden Menschen den Mittelfinger gezeigt. Und schon wirft mir einer 50 Cent gegen den Kopf. So macht sich meine Taktik mal wieder bezahlt. Als plötzlich wieder die Oma auf mich zu rennt, die eben auf mich geschossen hat, renne ich wieder was das Zeug hält bis zur anderen Stadtseite, wo ich auch erst gemerkt habe, dass die Oma weg ist.

17:00 Uhr

Ich bin jetzt am anderen Ende der Stadt und habe erst 50 Cent verdient. Bekanntlich jobbe ich schwarz, aber was das Ganze noch schlimmer macht, ist, dass ich noch eine zweite Berufung habe: Ich sammle Pfandflaschen und gebe sie dann im Aldi zurück. Natürlich fühle ich mich dreckig, weil ich keine Steuern zahle, wo andere verhungern und sie trotzdem bezahlen. Ich gehe also zum nächsten Supermarkt, hole mir einen Einkaufswagen und schlendere durch die Straßen meiner Stadt und nehme die Pfandflaschen aus den Mülleimern. In einigen muss ich natürlich ein bisschen tiefer rein greifen und mich ein bisschen dreckig machen. Schade ist es natürlich schon um meine Kleidung, immerhin habe ich für meine Hose im KIK 3,99 € hingeblättert und das Hemd ist aus dem Sperrmüll. Ich gehe also durch die ganze Stadt und sammle Cola-, Fanta-, Sprite-, Bier-, und Wasserflaschen, die jemand in den Müll geschmissen hat. Als ich mich plötzlich in eine riesen Mülltonne rein bücke, und wieder mal wegen meiner Besoffenheit in die Tonne falle, sehe ich Polizisten, die wohl nach mir suchen. Ich bleibe also in der Tonne, als ich plötzlich etwas an meinem Rücken spüre. Ich drehe mich um und hinter mir sitzt wieder die Oma mit ihrer halbautomatischen 9mm. Ich springe aus der Tonne, nehme meinen Einkaufswagen und renne weg von den Polizisten und der Oma. Und schon wieder werde ich von ihr verfolgt. Was zum Teufel will die? Ich kenne die ja nicht mal. Ich weiß ja, dass es eine Sünde ist, so gut auszusehen wie ich, aber ist das ein Grund mich umzubringen?

20:00 Uhr

Als ich wieder zu meiner Stadtseite gerannt bin, war die Oma mal wieder weg. Ich bringe schnell noch die Flaschen in den Aldi (trink aber erst die Reste aus, damit der Automat keinen Schaden nimmt) und gebe meine 3 Euro für eine Vodkaflasche aus. Gott sei Dank noch rechtzeitig, weil der Aldi kurz vorm Schließen ist. Langsam schlendere ich wieder zu meiner Parkbank und trinke meine Flasche aus. Ich bin ein Frühschläfer, deshalb lege ich mich direkt hin und lese noch schnell die Zeitung von heute.

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Ich wasche mir mit dem restlichen Vodka noch die Hände und das Gesicht und lege mich hin. Auf einmal kommt wieder die Oma mit der Knarre vorbei und gibt mir ein Gutenachtküsschen. Ich mache die Augen zu und schlafe ein. Das war mal wieder ein normaler Tag aus meinem Leben.

Finger weg, geheim!

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