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Schlaumeier, die vermeintlich Dümmeren die Welt erklären

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Helfen zu können ist ein tolles Gefühl. Superman zum Beispiel, was für ein Hecht! Fliegt durch die Luft, wirft Meteoriten zurück in den Weltraum, kämpft gegen das Böse und rettet die Jungen und Schönen. Wem es an den Superkräften gebricht, der muss seinen Mitmenschen auf geringerer Ebene helfen und beispielsweise Tüten tragen oder alten Frauen über die Straße helfen. Oder aber man erkennt seine eigene latente Superkraft im Bereich des Intellektuellen und erhebt es zu seiner Lebensaufgabe, die Armen im Geiste zu beschenken und den Leichtsinnigen von ihrem Tun abzuraten, kurz: der Welt Nachhilfe im Bestreiten des Alltags geben. Mit ein bisschen Fantasie geht der Schlaumeier, der vermeintlich Dümmeren die Welt erklärt, als geistiger Lebensretter sogar aus dem Vergleich mit Superman als Sieger hervor, beschränkt sich letzterer bei seinen Taten doch weitgehend auf schnöde Körperlichkeit!

Abgrenzung

Die Angewohnheit sich Anderen gegenüber geistig überlegen zu geben teilt sich der Schlaumeier, der vermeintlich Dümmeren die Welt erklärt, mit dem Besserwisser; der Unterschied ist die Art und Weise der ungefragten Belehrung und vor allem die Motivation. Während der Besserwisser vorzugsweise korrigiert und auf Fehler hinweist ("der Kommentar, nicht das Kommentar", "das ist eine Milchmädchenrechnung"), um sich und der Welt zu beweisen, wie schlau er ist, hat der Schlaumeier dies nicht nötig. Er ist ein Superheld des Geistes und Intelligenzdemonstrationen als Selbstzweck sind unter seiner Würde; der Unterschied entspricht dem zwischen einem Leistungssportler, der unter größten Anstrengungen einen eigenen oder fremden Rekord zu brechen versucht, und dem edlen Superhelden, dessen Superkräfte längst bekannt und sowieso offensichtlich sind und der sie ganz einfach einsetzt, um den Schwachen zu helfen; nicht zur Selbstinszenierung, sondern weil es eben seine moralische Pflicht ist: noblesse oblige! (das ist Französisch und bedeutet so viel wie "Adel verpflichtet", wobei Adel hier im übertragenen Sinne zu verstehen ist, denn es geht ja nicht um Abstammung, sondern um besondere Befähigung, namentlich geistige Überlegenheit.)

Exemplarischer Verlauf einer Heldenkarriere

Der Drang nach Bestätigung ist, das wissen wir alle, in der Pubertät am größten. Daher ist meist auch hier der Zeitpunkt, an dem der künftige Held den Grundstein für seine spätere Erfolgsgeschichte legt. Tatsächlich kann sie aber auch schon viel früher beginnen, zum Beispiel in der Grundschule, wo ein stinkefauler Daueralkoholiker die eitle Frage "Was soll man machen, wenn man schon fertig ist?" mit dem pädagogischen Geniestreich "Dann hilfst du den Anderen!" beantwortet, der ihm eine Menge Arbeit erspart. Entweder sieht nun der kleine Klugscheißer ein, dass Eile in der Beschäftigungstherapie nichts wert ist, oder er beginnt seine Karriere als Schlaumeier, der seinen Mitschülern den Schulstoff erklärt. Als solcher wird er Jahre später in der Mittelstufe mit hocherotischen Momenten belohnt, wenn er das erste Mal einer jungen Frau aus höchster Not helfen kann, indem er ihr – in vollendeter Analogie zum Golflehrer im Fernsehen, der seiner hübschen Schülerin die geschmeidigen Bewegungsabläufe hautnah ans Herz legt – tja, indem er sie erst mal nur abschreiben lässt. Aber da sie davon auf lange Sicht ja nichts hat, wird er demnächst auch in die Tiefe gehen und alles Stück für Stück mit ihr erarbeiten müssen – sobald sie ihn danach fragt. Obwohl sie ihn höchstwahrscheinlich nie fragt, bleibt der Schlaumeier seinem Pfad treu, telefoniert am Tag vor den Abschlussprüfungen nochmal sehr viel und beendet seine Schullaufbahn mit einem unerwartet mittelmäßigen Abitur. Mit diesem Schritt entsteigt er auch seinem sozialen Umfeld, das (außer gegebenenfalls am Tag vor den Nachprüfungen) nun keinerlei Interesse mehr an ihm hegt. Hier gabelt sich der Weg erneut: Je nach Kompetenz wird der Schlaumeier nun entweder als Student seine Kommilitoninnen und Kommilitonen mit durchmogeln, später als allein erziehender Familienvater am Tisch seiner Brut schon vor der Einschulung die Geschichte Hinter-Ober-Nord-Westfalens darlegen und schließlich als Opa im Altenheim das Wort "Katheter" auf das griechische "καθíημι" zurückführen; oder aber er verkommt direkt zum Vollfreak, der auf Losertreffen und natürlich im Forum den Noobs erklärt, wo man als Paladin die besten Drop-Chancen zu erwarten hat und wie sich diese aus AreaLevel und TreasureClass a priori berechnen lassen. Gelegentlich entwickeln sich Schlaumeier, die vermeintlich Dümmeren die Welt erklären, zu Bloggern, die bei Facebook und MySpace twittern, dass sie jetzt auch einen Vlog bei YouTube haben, oder umgekehrt.

Mögliche Schwierigkeiten

Es ist eine psychologische Tatsache, dass gerade Erkenntnisprozesse oftmals mit Emotionen wie Wut einhergehen. Aus diesem Grunde wird dem Schlaumeier trotz bestgemeinter Absichten oft mit Ablehnung begegnet. Ist er sich jedoch dieses Umstandes bewusst, so kann er damit umgehen und die augenscheinlich abweisenden Reaktionen auf seine Aufklärungsarbeit als das erkennen, was sie eigentlich sind. Oft nämlich verraucht die Wut über die scheinbar unwillkommene Belehrung recht schnell und verwandelt sich in Dankbarkeit. Und überhaupt ist es ja gar nicht am Dummen zu entscheiden, was wissenswert ist und was nicht, das kann er ja gar nicht beurteilen! Na klar! Er kann natürlich die Relevanz einer Information, die er noch gar nicht hat, auch nicht beurteilen, und muss sie also auf jeden Fall erst einmal empfangen, um sich ein Urteil bilden zu können. Lehnt jemand auch über die allgemein üblichen Blockaden hinaus das ihm geschenkte Wissen ab, so ist das natürlich erst recht ein sicheres Zeichen dafür, dass er der ausführlichen und umfassenden Aufklärung bedarf, die der wohlwollende Schlaumeier ihm unverzüglich zukommen lassen wird.

Mitunter hatte sich der von ihm Belehrte auch bereits selbst fälschlicherweise als Schlaumeier gefühlt und sieht sich jetzt in die Enge getrieben, da der wahre Schlaumeier ihm aufzeigt, dass er doch noch nicht alles wusste; Zorn und Enttäuschung sind nun nachvollziehbare Reaktionen, denen mit linder Milde begegnet werden kann, sind sie doch in Wahrheit nur eine etwas sperrige Ausdrucksform der Anerkennung und Bewunderung für den doch noch Klügeren.
Das gelegentlich auftretende irrige Gefühl, das Gegenüber könnte bestimmte Dinge tatsächlich nicht wissen wollen, tatsächlich schon gewusst haben oder tatsächlich besser wissen, befällt die meisten Schlaumeier im Laufe ihres Lebens kurzzeitig und trübt die Freude über die eigene Löblichkeit ein wenig, kann jedoch zumeist bald verdrängt werden und behindert die edle Mission höchstens kaum.

Erfolge

Weit verbreitet sind ein paar schier unverbesserliche Fehler insbesondere in der Umgangssprache, die zwar die zwischenmenschliche Kommunikation kaum behindern, wohl aber dem ästhetischen Empfinden des geneigten Zuhörers empfindlichen Schmerz zufügen können. Auch hier sieht der Schlaumeier sich verpflichtet, barmherzig zu intervenieren und für grammatikalische Klarheit auch beim Unbedarftesten zu sorgen. Und tatsächlich zeichnen sich schon deutliche Erfolge ab: hörte man früher noch viel zu oft Dinge wie "seh dir das an" oder "werf doch endlich", so kann der inzwischen unermüdlich belehrte Dummbatz heute endlich voller Stolz rufen: "Sieht alle her, ich wirf jetzt selbst!"