Diverses:Fahrt über die Styx

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Zu meiner großen Freude gibt es nicht einmal Türsteher!

Alles begann damit, dass ich starb. Das hört sich jetzt vielleicht doof für Sie an (und seien Sie versichert, ich finde es ebenso suboptimal), aber so ist es. Ich bin tot! Und wenn man stirbt, kommt man keineswegs in den Himmel oder in die Hölle.
Nein, die liebe Kirche hat Unrecht, was das Leben nach dem Tod angeht (kaum zu glauben, oder?). Die Griechen hatten Recht. Die Griechen hatten in allem Recht. Man kommt in den Hades. Auf den komischen Umstand, dass Hades sowohl der Gott der Unterwelt ist und gleichzeitig die Unterwelt selbst, möchte ich hier jetzt nicht näher eingehen. Ich will vielmehr über meinen Weg IN die Unterwelt eingehen! Wie einige hier vielleicht schon wissen, muss man dafür den Unterweltfluss „Styx“ überqueren. Das macht man allerdings keineswegs selbst, nein, man wird hinübergeschifft! Von einem Fährmann!

Am Ufer

Man erkennt den Kapitalisten in ihm auf den ersten Blick

Aber eines nach dem anderen! Als ich an das Ufer der Styx kam, war ich zuallererst einmal höchst überrascht. Man möchte meinen, dass es in der Unterwelt leise, still und einsam ist. Doch weit gefehlt: Es geht zu wie beim Oktoberfest, und manch einer stand tatsächlich mit einem Getränk in der Gegend rum. Nach einem Vergleich Flusswasser/Getränk, verzichtete ich allerdings auf eine Kostprobe. Nach einigen Erkundigungen, was denn hier nun eigentlich los sei, wurde mir klar, dass sogar hier, an diesem Ort der letzten Ruhe, die Wirtschaftskrise zugeschlagen hatte.
Wie sie vielleicht wissen, ist der Fährmann der Unterwelt ein geldgieriges Schwein. Es ist eine Katastrophe. Keine Kohle, keine Überfahrt. Und der Brauch, einem noch etwas Kleingeld mit auf den Weg zu geben, ist schon ein wenig aus der Mode gekommen. Und so stehen alle Toten dort, nur mit dem in der Hand und am Leib, was sie zu ihrem Todeszeitpunkt bei sich hatten. Auch ich war zu meinem großen Unglück völlig bargeldlos. Ich habe mich zwar auch nach Kartenzahlung erkundigt, doch leider war das Kartenlesegerät kaputt. Ohne meine EC-Karte ging ich nie aus dem Haus.


Jeder, der tatsächlich mit Bargeld hierherkam, wurde begeistert empfangen und bekam zahlreiche Angebote für seine überflüssigen Münzen.
So hat sich am Ufer der Styx ein munterer Schwarzhandel entwickelt. Es wurde gedealt, gezockt und an der einen oder anderen Ecke bekam man für eine kleine Bronzemünze schon mal ein unmoralisches Angebot.

Auch ich hätte hier um eine Münze betteln müssen, hätte ich nicht ein nützliches kleines Objekt in meiner linken Hosentasche gefunden: Eine Nespresso Kapsel! Sofort erinnerte ich mich an die bekannte Werbung mit George Clooney am Himmelstor. Vielleicht würde sie mir hier auch helfen.
Charon trank zwar keinen Kaffee, aber zu meinem Glück war er großer George Clooney-Fan. Er erklärte sich sofort bereit, mich überzusetzen, als er erfuhr, dass auch sein Idol solche Kapseln mochte.

Die Abfahrt

Ich setzte mich in den Bug und der gute Mann begann uns in Fahrtrichtung zu lotsen. Um uns herum brachen noch mehrere andere Boote auf. Ich denke, hier muss ich erwähnen, dass es nicht nur einen Fährmann gibt. Nein, es gibt sogar recht viele. Und als die Bestattung mit Bargeld noch üblich war, herrschte auf der Styx reger Verkehr. Doch diese Zeit ist Vergangenheit. Allerdings heißen die Fährmänner nicht nur alle gleich, nein, sie sehen auch noch alle aus wie genetische Klone! Mein persönlicher Fahrer meinte dazu nur, dass schon ihr Schöpfer gerne mit der Guttenberg'schen Copy/Paste Methode arbeitete. Es folgte ein Beinahezusammenstoß mit einem anderen Boot. Die übergewichtige Passagierin (ich bin fest davon überzeugt, dass sie an Fettleibigkeit starb!) war zu weit nach links gerückt und ihr Fahrer konnte die Drehung nicht mehr verhindern. Wir konnten allerdings elegant ausweichen und glitten in die Dunkelheit.

Thriller

"Wann sind wir da?", war meine erste Frage.
"Wenn wir da sind.", war alles, was der nette genetische Zwilling mir die ersten zwanzig mal mitteilte, die ich ihn fragte. Allerdings musste er mich doch auch verstehen. Es war tödlich langweilig. Um uns herum war alles dunkel und uns begegnete höchstens alle 5 Minuten ein anderes Boot.
Auf der Styx herrscht übrigens Linksverkehr. Selbst hier hält man viel von britischem Anstand und Manieren. Bei meiner 21sten Frage riet er mir, einige philosophische Reflexionen aufgrund einiger Vorgänge in der altgriechischen Unterwelt anzustellen. Spätestens jetzt war ich mir sicher, an einem Ort der philosophischen Ruhe und Gelassenheit gelandet zu sein. Dumm nur, dass das so gar keine meiner Stärken war und so fluchte ich lauthals darauf los, als vor uns ein riesiges Seeungeheuer aus der Styx auftauchte.

Ein wahres Ungeheuer der Unterwelt

Das Boot neben uns kenterte und sowohl Fahrer als auch Kunde wurden von einer schleimigen Seelenmeute unter Wasser gezogen. Mein Fahrer (ich habe ihn in Gedanken Joe getauft) konnte unser Boot glücklicherweise unter Kontrolle halten. Er gab bei all dem sogar keinen einzigen Laut von sich. Ich war zutiefst beeindruckt! Eine solche Ruhe in solch einer Situation! Ich beschloss mich zu bessern und fuhr mit meinen Reflexionen fort. Mein Fahrer fuhr auch fort und zwar geradewegs in ein riesiges Knäuel Boote, die alle hinter der nächsten Flussbiegung vor Anker lagen!
„Was ist'n da los?“
„Das gleiche wie immer. Michael Jackson.“
„Michael Jackson?“
„Ja, Michael Jackson. Ihm war in der wirklichen Unterwelt alles zu schwarz. Deswegen gibt er jetzt hier Konzerte.“
Das leuchtete mir ein. Ich fragte, ob wir ein wenig bleiben könnten, um ihm zu lauschen. Nun, wir hätten eh keine Wahl. Bis wir hier durch seien, würde es eine Weile dauern. Ein Stau in der Unterwelt. Wer hätte so was gedacht?

Ich denke, Sie kennen das berühmte Musikvideo „Thriller“ von Michael Jackson. Mit den Zombies und so. Sollten Sie jemals sterben (und das werden Sie), haben sie nach der dritten Flussbiegung am rechten Ufer die Möglichkeit eine Aufführung dieses Meisterwerkes live und mit ECHTEN Zombies zu sehen. Ich kann es nur empfehlen. Viele Tote entschließen sich, die Ewigkeit mit Michael vor dem eigentlichen Ziel zu verbringen. Wer nicht bei ihm blieb, wurde von ihm mit den Worten „You're ignorant!“ zum Teufel geschickt (was sehr praktisch war, denn genau da wollte ich hin).

Noch ein Monster!!!

Ich muss sagen, ich war bisher sehr zufrieden mit der fahrtechnischen Leistung Joe's. Doch dies änderte sich langsam aber sicher, als wir in belebteres Gewässer einfuhren! Er stakte uns zwar weiterhin in Richtung Ziel, doch man merkte, dass seine schon leicht fauligen Hände zittriger wurden. Er raste beinahe schon über das anschwellende Gewässer. Vielleicht wollte er möglichst bald von hier weg? Ich erkundigte mich, weshalb ihn die Gegend so nervös machte und erfuhr, dass hier ein Drache hauste! Wurde ich nervös, dass können Sie mir glauben! Wie er denn hieß, wollte ich wissen!
Joe zeigte mir ihr sein schönstes Bild von ihr

„Anita“
Nun, dass war nicht unbedingt ein Name, den ich erwartet hätte. Ich hätte eher einen Namen wie Fafnir oder Grendelson oder...
„Meine Frau.“
Sofort war mir alles klar. Ich ermutigte ihn, sogar noch schneller zu fahren. Ich selbst wünsche meiner Frau noch viel Glück und Gesundheit, auf dass sie noch ein langes Leben führt.

Als sich trotz der hohen Geschwindigkeit keine Besserung seines Händezitterns zeigte und ich fürchten musste, dass er die nächste Kurve nicht schaffen würde, erkundigte ich mich nach seinen Problemen mit seiner Frau.
„Sie hasst meinen Job! Sie ist der Meinung ich sollte einen besser bezahlten Beruf mit mehr Aufstiegschancen annehmen.“
„Nun, ich dachte, alle ihrer ...äh... Sorte sind Fährmanner?“
„Erzählen Sie das mal Anita!“

Er wolle sie derzeit davon überzeugen, dass sie sich doch selbst einen Beruf suche. Als Bestrafung im Tartaros oder so.
Tatsächlich kamen wir bald darauf an einem schönen Häuschen mit Kräutergarten vorbei. Eigentlich sah alles ganz nett aus. Doch jeder verheiratete Mensch weiß, dass der Schein trügen kann und so paddelte ich fleißig mit den Händen mit, damit Joe endlich aufatmen konnte. Ich erntete dankbare Blicke und das Versprechen auf eine unentgeltliche Überfahrt, falls ich jemals nochmal sterben sollte.

Die Ankunft

Nach einiger Zeit kamen wir dann tatsächlich an meinem Bestimmungsort an: Der Stadt Hades CXVII (es gibt eine Menge). Inzwischen hat sich zwischen mir und Joe eine wahre Männerfreundschaft entwickelt. Ich gewähre ihm ab und zu immer noch Unterschlupf, wenn er vor Anita flüchten muss. Im Gegenzug wird er mich warnen, wenn meine Alte am anderen Ufer steht. Und solang sie noch unter den Lebenden weilt und meine Hinterlassenschaften versäuft, genieße ich hier meine Ruhe und stelle einige philosophische Reflexionen aufgrund einiger Vorgänge in der altgriechischen Unterwelt an. Man kommt sich fast vor wie Platon persönlich!