1 x 1 Silberauszeichnung von Derhesligebaum

Julio Iglesias

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Dieser Artikel ist so extrem sexy, dass er bei einigen Lesern Schocks, epileptische Zustände oder nasse Hosen hervorrufen könnte.
Den Lesern, die Probleme damit haben, ihre Hormone unter Kontrolle zu halten, wird dringend empfohlen, auf einen anderen Artikel zu gehen.
Allen anderen wünschen wir viel Spaß und Beherrschung.
Spanien hat seit Jahrzehnten ein Wasserproblem. Gerne wird es auf die Eigenheit des gemeinhin trockenen spanischen Klimas und die rücksichtslose Ausbeutung der Grundwasservorräte durch exzessive Land- und Hotelwirtschaft zurückgeführt. Nach den Forderungen von Umweltschützern muss eine Rückbesinnung auf das ökonomische Potenzial erfolgen, das eine Halbwüste eben nur bieten könne, wie etwa auf Stierzucht, Hahnenkämpfe oder auf Immobiliensharing imaginärer Bauprojekte. Idealerweise soll auch ein Fremdenverkehr praktiziert werden, der vor allem die Migration in lebensfreundlichere Länder als das sonnenverbrannte Spanien habe.

Dies alles ist natürlich Unsinn. Denn die Spanier haben Julio Iglesias, der schon seit Jahrzehnten ganze Landstriche durch den Wasserbedarf für Myriaden an akustisch erzeugten Freuden-, Liebes- und Leidenstränen trockenlegt.

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Wenn

eines klar ist, dann ist es für die in der Julio-Iglesias-Forschung interdisziplinär beteiligten Musikwissenschaftler, Soziologen, Psychiater, Biochemiker und Chaosforscher das Defizit, immer noch nicht genau zu wissen, warum Julio so verdammt erfolgreich ist. Das, was man Forschung nennt, scheint zu einem Hort verzweifelt gesammelter Symptome geworden zu sein. Man besitzt alle Videoaufnahmen und sieht einen Mann mit einem für jeden Spanier typischen Gastarbeitercharme, der dental zu lächeln beginnt, wenn er Aufmerksamkeit bekommt oder sich eine attraktive Frau in der Nähe befindet.

Erst wenn langsam die Musik beginnt, Julio die Augen schließt, den Kopf postejakulativ lächelnd wiegt, um sich und das Publikum in eine Kuschelatmosphäre zu bringen, beginnt der Lebenszyklus eines Iglesias-Titels


um wieder von Liebe träumen zu dürfen
(das Verlangen)
"...vergehse mit Schmerzen den Traum vegangene Liebehe"

"...iche leherne den Schmerz zu ertrahagen"
"...iche bin wieder neu veherliebt!"
"...doch Du bisse soooo weit weheg!"

Er pflegt gleich zu Beginn ein Gedankengebäude voll heißer Luft, Liebe, Ach und Weh aufzubauen, das mit starken Bildern (Schiff -> Schiffsreise -> Liebchen ist ganz weit weg) gleich in der nächsten Strophe wieder eingerissen wird, um die Effekte der konträren Situationen nutzen zu können: Traum und Liebe - Alptraum und Sehnsucht oder auch Abreise und Glück.

Diesem Wirkkomplex ist mit rationalen Mitteln nicht mehr zu entgehen. Wie er die Rumsbums-Beziehung ambivalent aufbricht und am Ende der Strophe auch für den heruntergekühltesten Menschen unerwartet derart einfache Worte singend spricht, so dass damit jeder Widerstand gegen jedes weiche Gefühl fassungslos zusammenbricht (unbeabsichtigter Reim)!

"Ich liebe nur Dich"
(die Rechtfertigung für das Verlangen)
im Umkehrschluss:
"Keiheine liebt Dich so wie äh-ich!"

"Nur iche weiß, was Duhu sum Glühück brauchs!"
"...(Schluchzen) es gib kainäh ahandehere für mich!!"

Schwärmend wird die Liebe postuliert und gleich mit Argumenten untermauert. Man kennt jedenfalls keinen anderen, der sie so liebt wie er es tut. Nur er kennt auch die kleinsten Aufmerksamkeiten, die die wichtigsten sind, weil man sie so schnell vergisst. Mit ersterbender Stimme wird die fehlende Alternative und damit die Perspektivlosigkeit klargemacht.
Mit der unweigerlichen Folge:
"Iche weiheis, dass Du wiederkomms"

"Iche waharte auf Dich bisss in alle Ewigkeijeiheit"

In einer Mischung zwischen Stalkerversprechen, Treuebekundung und bloßer Zuverlässigkeit kommt es rasch zum Höhepunkt des Songs, zum
(nicht musikalischen) "Tenor":
"Du wirst mich nie mehr los"
(die Konsequenz des Verlangens)


bis der Schmerz irgendwann nachlässt (zugunsten der Dramatik trifft man sich im
Liedgut eher selten), womit der Boden für weiteres Lieben, Leiden, Zetern und Jammern (einschl. Gesang) bereitet ist.
(neues Verlangen)

Damit ist hinreichend bewiesen, dass seine Songs unsterblich sind, q.e.d!

Zwar setzt das Wissen um die Regeln der Grammatik aus, aber das schwere Herz Julios korrespondiert mit seiner Zunge. Und damit kann er den glücklich/unglücklich Leidenden/Liebenden/Lächelnden wohl kaum näher sein. Der Informationsaustausch zwischen Star und Fan scheint hin zu einem dualen System (Liebe ja/nein bzw. 1 für + und 0 für -) degeneriert zu sein. So steht man auf einer weit tieferen kommunikationsethnologischen Stufe als zu Beginn der Veranstaltung während eines Streitgesprächs, also, wer die meisten Platten von Julio besitzt und wer hier keine Ahnung hat.

Das normale gesellschaftliche Verhalten bei ansonsten völlig angepasst wirkenden Probanden setzt aus, sobald sie sich im "Verstehen und Verstanden werden-Biotop" befinden. Dies gestaltet die Untersuchung dieses Phänomens so schwierig, weil man die Schlüsselreize nicht getrennt auf ihre Wirkung untersuchen kann. Unterteilt man die Videosequenzen in Einzelbilder oder schneidet man einzelne gesungene Worte wie "Liebe" "Schmerz" und dergleichen heraus, ergibt sich beim Ausgangsmaterial wie auch bei den Schnipseln erstaunlicherweise keine Abschwächung der Wirkung. So konfus es klingen mag, auch als man sogar die Musik ganz weg ließ, bemerkte man während eines komplett tonlosen Konzerts einen auf 210/120 geschnellten Puls, flehende Blicke, verzweifeltes begeistertes Lächeln und schweißnasse ineinander vergrabene oder bittend hervorgereckte Hände und zitternde Kinnpartien. Die zentrale Frage, was Julio also versteckt zu seinen Fans transportiert, bleibt ungeklärt. Julio lässt das (Traum-)Schiff vorüberfahren und nimmt die Erklärungen - und seine Fans - mit. So gehört der Themenkreis "Fernweh" zu s

ein

en Hauptliebschaften. Immer wieder bedient er sich aus diesem Gral an dankbaren Metaphern.

"Gammelfleisch bringt die meisten Fliegen!" *händereib *grins


Die Menge und Art der immer gleichen Erlebnisse und Gefühle setzt in seinen Songs Amplituden in Gang, die selbst noch Heiratsschwindlern zum Neid gereichen. Die Liebe wird isoliert betrachtet trotzdem als unvergleichlich und einzigartig beschrieben. Dieser wohnt eine Kraft inne, die ihr zu einem eigenständigen Dasein verholfen hat, unabhängig von den Menschen, die sie einst füreinander empfanden. Eigentlich ist das eher ein schauriger Gedanke, wenn einem nach Jahren anderweitiger Orientierung ein Liebeszombie an die Tür klopft und grunzt, dass er immer noch da sei. Aber vielleicht tritt diese eigenständig gewordene Liebe auch nur als Sinnbild ihrer Liebe auf, wie gemeinsam erworbene Autos, ein Haus oder das irgendwann zusammen produzierte jetzige Patchwork-Kind, das auch nach etlichen Jahren das Salär der leiblichen Eltern zu belasten pflegt.

Schönwettersänger ist er hingegen nicht. Zwar werden immer wahlweise

  • Sonnenstrahlen
  • Sonnenschein
  • Sommertage
  • Sonnenblumen
  • blühende Wiesen/Gärten

und zumindest lauwarme Temperaturen propagiert. Er weiß, dass diese nur im Kontrast wirken können. Natürlich können auch 8 Grad für einen Menschen aus Jakutien Achselschweißwetter bedeuten, aber wenn die Tage grau sind, trägt man man die strahlende Sonne Spaniens im Herzen, denn der Liebeszombie kommt zu Kaffee und Kuchen!

Alkohol scheint ihm ein wichtiges Thema zu sein, da es immer wiederkehrt. In der Analyse fällt auf, dass gerade dann die Sinnbilder für das Saufen eingesetzt werden, wenn die so lange Angebetete endlich erscheint. Dies erscheint ein irrwitziges Destillat der Wirklichkeit zu sein. Im Ergebnis wartet man also viele Wochen, um die Liebe seines Lebens endlich in den Armen halten zu dürfen und sich noch am gleichen Abend in der Taverne dem Rotwein hinzugeben. Ein Stück weit mag das die Schwärmerei erklären, wenn derart dem Alkohol zugesprochen wurde, dass ein tiefer, traumreicher, aber aktionsarmer Aufenthalt im Schlafzimmer oder vielleicht nur auf dem Tresen folgen musste und die Geliebte am nächsten Morgen wieder im Schiff sitzt.

Doch nicht nur damit wird die penetrante Rechtfertigung für Männertränen aus Erinnerungen an Weinseligkeit, für Tagträume oder gegenseitige Dauergeilheit über die Entfernung hin geschaffen. Ein wichtiger Ansatz zum Verständnis seiner Wirkung mag der damalige Zeitgeist während der Entstehung des lebenden Mythos sein. In den 50er und 60er Jahren war die alljährliche Entspannung im Rahmen einer Fernreise noch die absolute Ausnahme. Man wagte sich zum Urlauben zwar gerne einmal in die Benelux-Zone, sonnte sich an der Ostsee, betrank sich in einer Schwarzwald-Pension oder brach sich die Gräten in der Nähe von Mittenwald, schaute aber neidisch auf die wenigen heimkehrenden Italien- und Spanienurlauber, die offenbar viel mehr Geld - oder Schulden - als man selbst hatten. Die Annäherung an das restliche Europa erfolgte aus verständlichen Gründen eher behutsam. Immerhin stellte sich das Wirtschaftswachstum Deutschlands als wohltuender, globalisierender Faktor heraus und erweiterte letztlich auch den Horizont konservativster Rucksacktouristen, indem diese in der eigenen Firma mit abgeworbenen Arbeitskräften ausländischer Herkunft konfrontiert wurden, also quasi im Herz ihrer Familie. Am alltäglichen Fernsehabend ging das Prozedere weiter. Hier traten auch vermehrt Menschen mit fremden Wurzeln auf, Immigranten, die als Mitbringsel, vielleicht auch als Fluchtgrund ihre Musik mitgebracht hatten und damit nun in Deutschland ihr Heil suchten und fanden. Im Zehnerpack handelte man sich Leute wie Costa Cordalis, Adamo, Vicky Leandros, Nana Mouskouri, Rocco Granata, Gitte, Peggy March, Wencke Myhre, Rex Guildo oder Bill Ramsey ein, die allein mit dem exotischen Flair eines fremden, momentan unerreichbaren Landes und darum umso anziehender in schlechtem Deutsch authentisch über genau das gleiche Elend sangen, dass die Leute auch hierzulande erlebten (Herzeleid, Schmerz, Enttäuschung, Glück, etc.). Gleichzeitig wurden in bester Bestseller-Mechanik alle Klischees über ihr Land bedient. Den einfachen Fahrplan für ihren Erfolg lasen sie bereits in der Heimat: Ein

Schiff

Begeisterte Fans überbieten sich mit der Anzahl ihrer Flachlegungen - bei den weiblichen Fans geht der Trend hin zum Zweitschlüpfer

wird kommen! Julios Schiff hat drei Decks. Auf dem ersten wird mit ihm geträumt, mitgesungen und verzaubert im Tanz mitgeschunkelt. Auf dem zweiten befinden sich die Helfer, die sich um körperliche und seelische Ausfallzustände der anderen in Momenten der höchsten Verzückung kümmern, auch auf dass sie sich nicht selbst verletzen. Dies aber nicht ohne eigenen Nutzen. Nicht nur, dass evtl. die eigene Eifersucht durch die Begleitung des Fans in Zaum gehalten werden kann, auch beschreiben anonymisiert interviewte Partner von Iglesias-Fans ein Verhaltensmuster ähnlich während eines Hundekampfes. Im Moment des größten Verbissenseins fällt man gern über den Nächstbesten her.

Die dritte Partei zeichnet sich vor allem durch ihre scharfe Beobachtungs- und Kombinationsgabe aus. Frei von persönlichen Bindungen oder Ressentiments setzen sie sich parasitär mit dem Erfolg Julios auseinander und führen ihn allein auf sein holpriges Deutsch zurück. Als Geheimwissen führt man an, dass gerade dann, wenn Satzbau oder Aussprache drollig der ursprünglich erlernten Sprache entspricht, sich auch nach 20 Jahren Deutschlandaufenthalts nicht etwa Fremdschämen, sondern ein Beschützerinstinkt einstellt. Dieser verstellt den Blick auf den Inhalt der Darbietung vollkommen, so dass beispielsweise auch dämliche Herz-Schmerz-Reimereien erfolgreich zu werden (Wortwitz!->) versprechen (<-Wortwitz!). So ist die Rede von geheimen Zirkeln, den Illuminati gleich, die private Sprachschulen gründeten, um gebrochenes Deutsch zu lehren. Wenigstens könnte man sich dann nicht mehr vorwerfen lassen, wenn der Partner von einem Südeuropäer ausgespannt wurde, vorher nicht alles versucht zu haben. Wenn der neue Freund mit der Ex-Freundin

vorüberfährt

feste feste trainieren
(und fest an sich glauben)!

kann man immer noch besten Gewissens zurückgrüßen. Wo sich eine Sprachschule befindet, ist eine Gesangsschule zur Triebabfuhr meist auch nicht weit. Das Lehrfach "Ausdrucksgesang für Immigrantenschlager" sucht man - wahrscheinlich aufgrund der mangelnden politischen Korrektheit - vergeblich. So ist zwischen den Zeilen die richtige Veranstaltung zu suchen, die da sinngemäß lauten mag:

  • Flamenco für Anfänger (die Schuhnägel reichen bei Anfängern zur Erleichterung des Timbres noch durch die Sohle nach innen)
  • Lippenloser Gesang (letztlich sollten die Stimmbänder gegen den Kastagnetentremor siegen)
  • Schreikrampf-Methodik (hierbei werden die beteiligten Synapsen auf Ausdauer trainiert)
  • Ausdrucksstöhnen

Behandelt werden aber auch folgende Problemstellungen:

  • Wie lasse ich meinen Kopf stundenlang esoterisch kreisen, ohne einen Haltungsschaden zu bekommen?
  • Weiter: Wie verhindere ich, dass es mir dabei schwindlig wird?
  • Wie kann ich meine Stimme quietschen, kieksen, poltern, plärren, brechen und wieder klar erscheinen lassen, ohne vom Diskjockey herausgeworfen zu werden?
Luftmikro (Größe II)

Das wirft die Frage auf, was Julio nicht nur seinen Fans, sondern allen Musikern und deren Angehörigen geben und nehmen kann. Nach tagelangem Studium mitgebrachter Videos in der Freiheit gleich Sendungsbewusster wird jedenfalls auch der trotz moderner Beschallungstechnik obsolet gewordene Einsatz des Mikros als "Luftmikro" einem nicht mehr peinlich erscheinen, weil es einfach zum Schlagerambiente dazugehört und man so viel glaubwürdiger wirkt. Die Physiognomie Iglesias' reiht sich also als eine weitere von vielen Perlen in der Beweiskette aneinander. Doch wie auch die kleinsten Teile vom ganzen Iglesias in der ganzen Welt ihre Wirkung zeigen - ergibt der artgleich mit stammelnden sonnenbankgetoasteten genickgelenkigen Grinsegockeln nach bestem Wissen nachgebaute Gencode unterhalb der 2-Promille-Grenze höchstens eine Lachnummer im Pfeifkonzert und belässt den befremdeten Hobbysänger mit faszinierter Unwissenheit. "Was fehlt denn immer noch?" wird sich gefragt. Wieder

fährt

"Iche erkennehe Dich mite geschlossene Augähän"
(weil Du so streng riechst?)

man im Geiste zu einem Konzert und führt sich noch einmal die begeisterten Fans vor Augen. Für einen Mittsechziger erstaunlich findet man auch junge Mädchen - sogar unter 60 16 Jahren - unter ihnen. Julio versteht kein Deutsch und die Fans reden mit ihren Herzen. Was wird auf analogem Wege "versprochen" und mit Hilfe von Nervenimpulsen und Schweißdrüsen kommuniziert? Das Geheimnis scheint zu sein, dass von der Bühne aus eben nicht nur geboten wird. Es handelt sich um kein glattgekämmtes Produkt im Mainstream, das im Befehlsgehorsam so zu sein hat wie es das Anforderungsprofil der Masse unterstellen mag. Mit Haut und Haar befiehlt er seine Sehnsüchte an seine Fans, aber tauscht in ihnen deren Begierde gegen die eigene aus, masturbiert dann aber gütigerweise geistig mit ihnen zusammen. Er fordert die Zuhörer mit seinen sprachtrunkenen Träumereien nicht auf, sich mitnehmen zu lassen, sondern ihn mit ihren Wünschen und Sehnsüchten auf seiner Schiffsreise zu begleiten. Es handelt sich um aktive Unterhaltung und die Musik spielt nur auf dem zweiten Saxophon. Selbst wenn es nicht ganz so toll war, bleibt man dem Lustobjekt treu, denn man will auch nicht im Rettungsboot die ganze Strecke nach Hause zurückpaddeln - wenn sich schon jemand solche Mühe gemacht hat. Mitleid ist immer eine Option! Möchte man Celine Dion Butterbrote auf die Bühne werfen, ist der Reigen Julio zugeworfener Schlüpfer aller Altersgruppen aber Ausdruck eines weitaus bedeutenderen Rollenspiels als in früheren Untersuchungen vermutet. Spontane Begeisterung als Alibi für sexuelle Entfesselung. Die chronologisch richtig eingeordneten Assoziationen der neutralen Seite mit sogenanntem gutem Glauben lauten also: Schlüpfer -> Sex (nein, zu einfach!) -> spontane Begeisterung (da offensichtlich) -> Sex (doch richtig). Dies ließe seine Zeilen in eine weniger mentale und viel mehr körperliche Sprache übersetzen.

Von einem plötzlich einsetzenden verschwenderischen Umgang mit körpereigenen Botenstoffen wie Endorphin oder Adrenalin unterstützt, zielt man auf einen Flüssigkeitsaustausch mit dem Interpreten, weil man gar nicht mehr merkt, dass man wie er ist. Alles läuft auf einen Inzest unter Sexmonstern hin. Ist es seine multicunnilinguale Meisterschaft, die die sprachliche Herkunft so etwas von egal erscheinen lässt oder die mimosenhafte Akrobatik des Fans, die ihre Gefühlskostüme wie portugiesische Galeeren kilometerlang auszuwerfen vermögen?

Vielleicht wird der Entfesselungskünstler Julio mit seinen telekinetischen Schlüpferspielereien unwillkürlich als wandelndes Fragezeichen verstanden - immerhin haftet doch ein feuchtes "Willsu?" voller körperlicher Bettwärme zwischen allen Zeilen. Und die Fans antworten auf ähnliche biochemische Art und Weise mit "JA!!!11", was allerdings erst nach einer Analyse der getragenen Wäsche bewiesen werden kann - wenn Julio sie herausgibt.

Das Versprechen Julios unterstellt also eine Erwartungshaltung wie die eines jeden Konsumenten von Produkten der Erotikbranche bzw. das Verhalten der Fans unterstellt dem auf der Bühnen wiegenden Schmacht-Heiland ewige Lust. Egal wie wer wann wie oft im Rahmen einer Lebensabschnittspartnerschaft kommt, Julio kann es besser, denn der weiß, wovon er singt. Er kann immer, weil er ein Siegertyp ist. Er gibt einem mit unverhohlenen Texten immer das, was man braucht, zuverlässig wie ein Uhrwerk, aber niemals so langweilig wie regelmäßig wiederkehrender Geburtstagssex. Ein so vor Selbstbewusstsein strotzendes ausgezeichnetes Aussehen kann nicht lügen, 250 Millionen Platten noch weniger und vor allem kann man nicht unentdeckt seit über 40 Jahren fremdgehen. Lügen haben nämlich nur kurze Beine und nicht so muskulöse, aber gut versteckte wie die eines singenden Fußballers. Omnipräsenz=Omnipotenz! Diese Konklusion auf die Geschlechtlichkeit seines beruflichen Seins würde auch der Tradition des Hauses Iglesias entsprechen. Bereits seinen männlichen Vorfahren war die spanische Sonne zu Kopf und der Sexappeal spanischer Frauen in die umgekehrte Richtung gefahren. Gewisse besondere Veranlagungen wie z.B. Sexsucht machen die Betroffenen im Zielkonflikt zwar meist zu einsamen Menschen. Sind diese Störungen der Sexualpräferenz aber

mit

Julio mit einem Bühnenpfleger: Falls das Herzeleid zum Herzschmerz wird...

einem umwerfenden Aussehen verbunden, können diese sich vor Mädchen kaum retten. Auch bei Julios Vater, (bürgerlich: Julio "Libido" Iglesias Puga) standen sie Schlange, allerdings in seiner gynäkologischen Praxis, nachdem sie sich ein Wartekärtchen gezogen hatten. So versilberte er sich sogar seinen unwiderstehlichen Drang und sorgte als Alpha-Rammler für eine Verbreitung seiner Gene über die ganze iberische Halbinsel und ganz gemäß seines Hippokrates-Eides für viele glückliche Mütter und so manchen ahnungslosen Vater. Selbst auf seinem Sterbebett soll er noch drei Frauen glücklich gemacht haben und das nicht etwa durch ein unerwartet geändertes Testament. Bei Julio II sind die Kärtchen aber nicht kostenlos. Auch er professionalisierte und kanalisierte seine Lust in Form einer selbst auferlegten Berufung und platziert sich ungefragt in eine absurde, mönchische Rolle absoluter Treue und geteilter Sexualität zu seinem Fan, zu jedem einzelnen natürlich.

Vor diesem Verständnis fügen sich die Puzzleteile leichter zusammen und andächtig legt man sich seine Lernerfahrungen - denen aus dem Leben und den verfeinerten aus dem "Spanischkurs" - zusammen. Man erkennt, dass er nicht nur aufgrund seiner Textsicherheit, sondern seiner kritiklosen Selbstsicht die Augen verschlossen, also den Blick nach innen gerichtet hält. Nicht ohne voyeuristischen Genuss analysiert man weiter in der Superslomo, bis es irgendwann nicht mehr weiter zu gehen scheint:

Die Falten in der Mitte seiner Stirn ziehen sich wie der ganze Körper katzenartig zusammen - ein leise geschüttelter Kopf (das Glück ja gar nicht fassen zu können) - den Oberkörper vornüber gebeugt ... der vor Wollust leicht geöffnete Mund, dem einige Töne verzweifelt, stöhnend entrinnen, nippt am eigenen Verlangen, die Hand schweift aus, kehrt zum Torso zurück... - eine elegante Bewegung einer sich auffächernden Hand als Fingerzeig hin zu den Lenden - um wieder auszugreifen, wie bei einem verzweifelten Versuch, nicht in der vielen Liebe zu ertrinken und den Liebesvulkan noch zurückzuhalten, vergeblich.. Er fasst sich nach dem Refrain mit erleichtertem Lächeln zum immer noch bebenden Herzen (denn Orgasmen haben für Über-60-Jährige auch ihre Tücken).


Das deckt sich größtenteils auch mit erhaltenen Gedächtnisprotokollen von Fans:

Pergamentrolle.png

Adios Carino hey
und komm bald wieder
...(Zwischenvorspiel)
Carino du kommst ja (schon) wieder.
Das macht die Liebe allein die Liebe allein...

bzw.
     
Wenn ein Schiff vorüberfährt ...denke ich an Sex
fährt mit ihm meine Sehnsucht. schade, doch kein Sex!
Wenn ein Schiff vorüberfährt immer noch kein Sex!
reist mein Herz zu dir. dann haben wir Sex! Ende.


In dieser Konsequenz kann Julio II vor diesem postsexuellen Hintergrund - wenn man schon Schiffe anhechelt - als die phonetische Reinkarnation des erzeugten Geburtsschmerzes gelten, der nun

ihm

selbst zuteil wird. Wie wäre es denn sonst, wenn Mann selbst gebiert, nämlich verwunschene Zeilen? Nicht weniger leise, aber schmerzempfindlicher, trotz geschlossenen Auges immer bei der Sache und damit nicht weniger authentisch als eine werdende Mutter weiblichen Geschlechts.

Ob man Julio nun als schluchzenden Amor empfinden mag, der sich gerade selbst getroffen hat, als Opfer seines überschaulich gelebten lasziven Wortschatzes immer im luftleeren Raum zwischen Pressatmung und Handentspannung oder als singenden Sex schlechthin. Vieles mag an Argumenten in der Diskussion um dieses im Halbkreis auf der Bühne aufgestellte Phänomen unbeachtet bleiben, vieles mag aus subjektiver Sicht falsch gewichtet und manche Aspekte überbewertet sein – die Hörigkeit der Fans aufgrund der so empfundenen Empathie des Selbstproduzenten, der sich nur selbst interpretiert oder die Millionen an begeisterten Fanpostpaketen mit Artikeln aus der Damenunterbekleidungs-Abteilung im Umfang einer europäischen Jahresproduktion – eines ist sicher: Fühlt man sich zu zweit in angeregter Stimmung, huschen neugierige Spülhände über schon pathologisch bluthochdruckerhitzte Körperpartien, rinnt ge

meine

r, erregter Schweiß über welke Stiernacken, gleitet das eine oder andere fade Kleidungsstück mit lächelnder genusssüchtiger Langsamkeit über viel zu breit gewordene Hüften und der eigene Muttermund begleitet mit geflüstertem Singsang die Szenerie. Man ist im Rausch der beidgeschlechtlichen Midlife Crisis, wie sie oft unbefriedigter nicht sein könnte und reagiert im letzten Moment klaren Verstands auf die musikalischen Ambitionen des Gegenübers: „Mach mal den Iglesias aus, ich kann das selber!“

Endstation

Sehnsucht