Mehrwertfernsehen

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Hornauer scheint weiter entfernt als er ist - er betet Frauen an

Mehrwertfernsehen ist das einzige und damit das Hauptprogramm des selbst fremdfinanzierten Senders Telemedial und wird bei den meisten Empfangsgeräten erst unter einer astronomisch hohen Kanalzahl bei einer automatischen Konfiguration erreicht, was aber zunächst nichts mit seinem Namen, eben dem Mehrwert, zu tun hat.

Einfach ausgedrückt, handelt es sich um die Umkehrung von 9live: Hier errät man keine doofe Rätsel, wenn man darf, um Geld zu gewinnen - nein bei Telemedial lässt man alle Antworten finden und muss dafür wie blöd bezahlen. Nach Thomas G. Hornauer, der Erfinder der telemedialen Idee, ist Kanal Telemedial ein Teleshop, der immaterielle Güter verkauft.

Die Idee

Anstatt nun aufwändig weite Wege zur Astrologin, Hexe, zur Spiritisten, zum Geistheilpraktiker oder Gastwirt seiner Wahl gehen zu müssen, kam man auf die kongeniale Idee, hier wie beim schnöden Shopping eine Art seelisch-esotherische Vollwertkost via TV anzubieten und das ganz ohne Werbung, außer der in eigener Sache. Um auf dezente Weise auf den Mehrwert dieser Sendung hinzuweisen, prangt oft ein goldener Rahmen um die Akteure, damit auch geistig weniger Bemittelten gleich die Kostbarkeit ins Auge sticht.

Die "Preview"-Akteure

Thomas G. Hornauer ist der Erfinder dieses Formats. Mit seinen lauten Atemgeräuschen, dem offenen Mund und den lieb gefletschten Zähnen, immer abwesend wirkend wie ein betäubtes Faultier, bevor er zu sprechen anfängt, was den Eindruck noch verstärkt, erscheint er am therapiebedürftigsten von allen. Doch hat er diese Ausstrahlung nicht über die seiner Sendung, sondern wohl nur in seiner allernächsten Umgebung, verrottete Altachtundsechziger und solche, die es noch werden wollen, zu unmotivierten Bongoklängen in seinen keuchenden Bann zu ziehen. "Merkt ihr diese Kraft?" "Ich bemerke sie" sind solche Schlagworte, die man im Rhythmus nach fünf Minuten Schweigen immer wieder zu hören bekommt.

Ähnlichkeiten mit Kindergarten- oder Altersheim-Veranstaltungen sind dabei kein Zufall, sondern so gewollt: wenn unbedarften älteren Herrschaften Schlaginstrumente mit mildem Blick in die zittrigen Hände gedrückt werden, wenn sie sich ungeschickt in Richtung der Trommelwirbel und den fliehenden Haaren Hornauers mit einknickenden Beinen neigen, so wird man an die eigene Kinderzeit erinnert oder es erweckt Gedanken zum kommenden Lebensabend - wohl ein erstes Anzeichen für die beginnende langatmig-kurzatmige Erkenntnis und Rückbesinnung.

So leer, wie die Akteure sich mit den Takten und den Kommentaren Hornauers und der nicht näher spezifizierten "Kraft" zu füllen versuchen, war man damals so voll mit Lebensenergie, dass man sich bei diesen Spielen entleeren musste oder hat diese Energie einst wieder bei Kamillentee und Ballreha in sich, kann sie aber nicht mehr richtig ausleben..

"War früher nicht alles besser, als wir noch unbedarft waren?" ist eine Frage, die man sich immer wieder angesichts solcher Sendungen stellen muss oder "War früher nicht alles besser, als wir nur vier Fernsehsender hatten?"

Gewinnen die die Motivation Vorlebenden an Energie, was man gut an den erleichterten, leicht spastischen Mienen erkennt, gereicht es mithin zu einer Mischung zwischen 70er Jahre Sit-in und einer Urschreisitzung und rechtzeitig, vor der größten Lüsternheit Hornauers, vor der größten Offenbahrung extrudierter Bindehaut, wird mit salbungsvoll-gehechelten Worten auf die nächste Sitzung hingewiesen. Aus welchen Quellen er das Wissen um seine uralten Beschwörungsrituale, Fremde gefügig zu machen, geschöpft hat, ist bisher unbekannt.

Der Sendeplan

Da kein richtiges Programmkonzept existiert oder positiv ausgedrückt, quasi nur improvisiert wird, sucht man feste Zeitangaben vergeblich. Und dies geht ja auch konform mit den plötzlichen Stimmungsänderungen der Zielgruppe, die sich auch nicht planen lassen.

Das oft auch als "Zapping-Unglück" bezeichnete zufällige sekündliche Verweilen auf den Trommelorgien zeigt nach dem eiligen Weiterdrücken daher nach Stunden keine Veränderung, wenn man wieder auf Telemedial landen sollte. Das Vorspiel hat dann eben etwas länger gedauert.

Die Finanzierung

Die "PayTV"-Beratung

Schnell begreift man, dass das urzeithafte Getrommele von Hornauer nicht nur ein Vorspiel sondern auch eine Rahmenhandlung für den eigentlichen Sanitätshaus-Charakter des Senders ist. Für die verschiedenen Bereiche findet man die richtigen Ansprechpartner - für 3,63 Euro/Min. Oft erst durch ihn erfährt der Neugierige beim Ticken des Gebührenzählers sein Problem. Angegangen wird es mit den unterschiedlichen Methoden:

a) Zigeunerkarten (Sinti- und Roma-kompatibel)
b) Hell- und Wetterfühligkeit
c) Räuchern (einzelnes und gemeinsames Kiffen)
d) Kartenlegen (Vorsicht bei Pokereinsätzen!)
e) Traumdeutung (auch nach Vollrausch)

und vieles mehr.

Der Energieausgleich

Die Ware, die in anderer Form als Output angeboten wird, muss als Input dem Sender zugeführt werden, da ein Perpetuum Mobile unmöglich ist. Aus Geld wird die Dienstleistung der Energie und ist auch bei Telemedial der Motor allen wirtschaftlich-selbsterhaltenden Strebens.

Durch den Energieträger oder dem Geldgeber soll über eine Energieleitung, der Bankverbindung, ein Energieausgleich mittels einer Überweisung zu Telemedial getätigt werden, natürlich, wie auf der Internetseite betont "frei wählbar", aber erst ab 5 Euro, damit die Energie nicht verpufft. Das würde man sonst Schwund nennen.

Gerüchten zufolge haben bereits schwerreiche Industriemagnate, denen die Seminarausbildung durch Reinhold Messner zu teuer war, gleich ganze Monate bei Telemedial gebucht.

Die Angebote

*"Playback des Monats" eine DVD-Sammlung für den unersättlichen Esotheriker, auch als Casettensammlung für Realschullehrer erhältlich.

*"Playjack des Monats" durch Vollfinanzierung eines ganzen Monats erhältliche DVD-Sammlung mit unzensierten Szenen Hornauers mit seinen Gespielinnen nach der üblichen Ausblendung.

*"Wie ich nicht mehr zu früh komme" Hornauer stoppt mit ruhigen Worten die Zeit und stellt die Gleise in eine gemeinsame friedliche Zukunft

*"Zur Autofellatio in nur zwei Tagen" Flexibles autarkes Denken leichtgemacht.

*"Saturn in Jungfrau" Was sich wie Hardcore-Schweinkram liest, ist lediglich die Wanderung des Planeten Saturn durch das "Ernte"-Sternzeichen Jungfrau, was wieder einmal jahrelange Aufräumarbeiten nach sich ziehen wird. Überhaupt dreht sich bei diesen Betrachtungen wie durch das ganze Programm die alttestamentarische Figur der Ernte: jetzt ernten, was man einst gesät hat, seine Ernte schützen, Ernte abstoßen, bevor sie faul wird, lieber nicht ernten, und faul, aber glücklich bleiben usw.

Fazit

Das wirtschaftliche Gesamtkonzept ist absolut stimmig: wie in einem Naturkreislauf durchströmt die Energie zahlungswilliger Zuschauer die Dienstleistenden und nach einer Umwandlung in telefonseelsorgerische Qualität wird sie wieder über heimische Fernsehgeräte an die Verstrahlten aus- und zurückgestrahlt.