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Diverses:Dein Stuhl

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Meine liebe Lisa,

ich liebe dich nicht mehr. Kommt das arg plötzlich? Du wunderst dich, ja? Du fragst dich: Wie kann er nur? Weißt du was? Ich verstehe deine Fragerei nicht.
Ich meine, es ist ja nicht so, als hätte es keine Anzeichen gegeben. Ja, am Anfang, da war noch alles gut. Wir liefen verliebt durch den Park, Hand an Hand, Schulter an Schulter, Rücken an Rücken, wir rannten Kopf-an-Kopf durch die Gegend, wir lachten, ja, wir liebten uns. Du liebtest mich.
Aber irgendwann – irgendwann fingst du an, dich zu verändern. Weißt du noch? Der Ausflug an den See. Es war so ein schöner Samstagabend, warm und schwül und ich ging schon mal ins Wasser. Ich schwamm hinaus bis in die Mitte und du sahst mir zu. Und dann bekam ich einen Krampf und ich schrie nach dir, der ganze Wald um uns herum konnte mich hören.
Doch du saßt nur da am Wasser und blicktest mich an.
Und dann hast du ja doch die Feuerwehr gerufen. Die Feuerwehr! Die durften dann meinen halbtoten Körper bergen. Ich hatte mehr Wasser in den Beinen als deine Mutter! Du hättest mir zugesehen, wie ich erbärmlich ertrunken wäre. Und du hättest, pardon, du hast nichts getan! Wie auch immer.


Es war ja nicht nur dieser eine Vorfall, der es mir so schwer machte, dich zu lieben.
Weißt du noch? Wir waren im Freizeitpark. Da hatten sie diese irre Achterbahn aufgestellt, die Attraktion schlechthin. Das Ding hatte ja unheimlich viel Tempo drauf und dann die vielen Kurven. Und ich wußte, dir gefällt so etwas, jedenfalls warst du immer darauf erpicht gewesen, so etwas auszuprobieren. Du sagtest nichts, als wir vorbeikamen, aber ich, der dich liebende Partner, habe uns zwei Karten besorgt und wir sind eingestiegen. Ich konnte das schon immer ab und so hatte ich ja keine Angst vor der Fahrt. Du allerdings sahst nervös aus und dann ging es los. Übrigens kostete alleine diese eine Fahrt einen Haufen Geld! Wir überstanden es, ich schrie wie ein Irrer und du sahst nur so dran und hast dich nicht gerührt. Dann war die Fahrt vorbei. Und okay: ich dachte mir, dass es dir nicht gefallen habe, weil du so erbärmlich geschaut hast. Und ich sagte zu dir: Komm, wir steigen aus.
Aber du bist einfach sitzen geblieben.
Also dachte ich mir, okay, noch eine Fahrt, weil ich dich ja liebe. Und ich bezahlte wieder für uns. Und wieder schrie ich und du blicktest immer elendiger drein, bis es vorbei war. Und ich sagte wieder zu dir: Komm, gehen wir weiter. Aber du bliebst sitzen! Und falls du dich nicht daran erinnerst: Das Spiel spielte ich sieben Mal mit! Sieben Mal! Bis einer der Mitarbeiter dich aus dem Ding trug und auf die Straße setzte. Ich habe damals hundert Euro dafür bezahlt, dass du geflennt und mir auf die Hose gekotzt hast und dabei allem Anschein nach nicht einmal Spaß bei der ganzen Sache hattest. Und nur, weil du deinen Kopf durchsetzen wolltest, bliebst du jedesmal wieder sitzen und ließt mich den ganzen Mist bezahlen. Wie auch immer.


Aber der Punkt, der meine Liebe besiegte, war deine Abhängigkeit, dein Materialismus. Ja, all die Geschichten, die ich hier erzählen könnte, sind hart für mich gewesen, doch ich will dir sagen, diese eine Sache mit dem Stuhl, die brachte das Fass zum Überlaufen.
Plötzlich kamst du an mit dem Ding, aus dem Krankenhaus hattest du ihn und arschteuer war der! Ich habe natürlich die Rechnung bezahlt, weil ich dachte: Für meinen Liebling tue ich alles. Und der Stuhl hatte ja seine Extras, das konnte ich nicht leugnen: Bequeme Armstützen, diese Räder mit den Bremsen und sogar einen kleinen Motor hatte er. Ich verstand nicht, wieso du ihn denn so unbedingt brauchtest und ich habe dich nie gefragt, einfach weil ich ein Danke von dir hören wollte. Aber da kam ja nichts! Also fragte ich dich eines Tages, warum das denn sein musste und du blicktest mich nur völlig entgeistert an und sagtest, das wäre jetzt dein Leben. Der Stuhl war dein Leben, Lisa, nicht ich! Und ich sagte, ja okay, aber du musst ihn doch nicht überall mit hinnehmen und dann schriest du mich an, ich wäre gefühlskalt und dass ich dich nicht verstehen würde. Ja, ich verstand dich nicht.
Gut, der Streit verging, doch ich will dir sagen: das Schlimmste an diesen Geschichten, in denen du mich im Stich gelassen oder ausgenutzt hast, das war nicht dein Verhalten. Nein! Es war dieser Stuhl, an den du dich geklammert hast, zu jeder freien Minute, selbst bei unseren Spaziergängen nahmst du ihn mit und standst nicht mehr von ihm auf und so rannten wir auch nicht mehr durch die Gegend wie früher. Der Stuhl hat dich verändert, Lisa. Deshalb liebe ich dich nicht mehr, weil er dein Götze geworden bist.
Du konntest nicht von ihm weg. Dafür musst du mich loslassen.


Dein Felix.