Diverses:Es wird Weihnachtszeit

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Jetzt fängt die Zuckerguss- und Sodbrennen-Zeit an, in den Städten herrscht große Betriebsamkeit; überall werden kitschige Lichterketten quer über die Einkaufsstrassen gespannt und in den Schaufenstern sieht man vor lauter feisten Weihnachtsmännern und rot-goldenen Sternen kaum mehr, was man kaufen soll.

Die größten Egoisten und Choleriker laufen mit einem selbstzufriedenen Lächeln durch die kalt glänzende, frostige Welt und werfen sogar ausnahmsweise etwas in die verschlissenen Hüte der armen Menschen, die schon wieder oder noch immer oder wieder einmal oder bald wieder arbeitslos und ohne festen Wohnsitz sind, und am Straßenrand mit kleinen, ungepflegten Hunden kauern.

Alles fühlt sich sehr weihnachtlich, man riecht süßlich-harzige Düfte wie in holländischen Discos, hat zwischen den Zähnen Konfekt- und/oder Plätzchenreste und versöhnt sich für eine Weile mit der Umwelt, fühlt sie nicht mehr als Fremdkörper und wird auch selbst nicht mehr so empfunden.

Nein, man versöhnt sich in Großmut mit allen und allem und denkt, das ist es, das ist der Höhepunkt des Jahres, die Lieben oder Verwandten daheim reich zu beschenken und beschenkt zu werden und die Kassenzettel für den Beschenkten an einem unzugänglichen Ort aufzubewahren. Interessant ist die Herkunft des altbekannten Spruches: „Das hätte er SICH schenken können“. es [Weihnachten|weihnachtet] sehr....

Es sind ja nur noch ein paar Wochen bis dahin. Rasch noch den Weihnachtsputz organisieren, der Frau noch verborgene Plätze zeigen, wo sich Keimzellen unbekannter Bakterien-Kulturen bilden konnten, kollegial Anweisungen zur Organisation des Weihnachtsessens erteilen, um sich letztlich milde und zufrieden bedienen lassen zu können.

Die Geschenke

Das Schwierigste an dieser Zeit ist doch das Besorgen der Geschenke, es kommt nämlich nicht auf das Geschenk an, sondern es geht darum, was man mit diesem Geschenk erreichen will, da gibt es die Geschenke für den Partner, die einfach nur ein Lebenszeichen darstellen, solche, prunkvoll und sehr teuer, wenn man noch mehr vom anderen fordert oder gern hätte und es werden – aus der Zeit und dem Verwandtschaftsgrad erzwungen - unauffällige Bekleidungsstücke verschenkt. Ach ja, die Kleinen nicht zu vergessen, denen man das Ersehnte schenkt, um Ruhe zu haben, hier aber ist darauf zu achten, dass man nicht kontraproduktiv handelt...

Und so steht man an den ellenlangen Schlangen der Kassen, stößt sich das Becken an kindgerecht aufgebauten Regalen dort und schaut in die Gesichter genervter Kassiererinnen, die denken „Warum jetzt?“.

Der unglaubliche Hintergrund

Diese Frage ist auch berechtigt, gerade zu einer Zeit, wo man ständig auf den Ursprung, die Ursache von Problemen, irgendwelcher unliebsamer oder merkwürdiger Symptome zu drängen versucht, wird hier alle Forschung ausgelassen, und man bleibt an der seicht wirkenden Oberfläche und blickt nicht zurück, zu dem Geburtstag eines Glaubensstifters wohl in einem ziemlich dreckigen Stall wohl mit Nutzvieh wohl irgendwo im Nahen Osten, nämlich Bethlehem.

Vielleicht auch deswegen, weil es schon so lange her ist, dass es angenehm und probat ist, mit einem zufriedenen, dankbaren Gesicht zu denken, dass es so gewesen sein könnte, gar müsste, es eben vielleicht sogar glaubt; vielleicht sollten damals der Wirtschaft in der kalten Sauregurken-Zeit auch nur entscheidende Wachstumsimpulse gegeben werden. Hat man keine Beweise, toleriert man, feiert man, zahlt man.

Praktizierter Glauben

Aber warum nimmt man dann diese Haltung nicht in anderen wichtigen Angelegenheiten genauso gelassen ein, wie es eben sogar beim so genannten Glaubensursprung getan wird?

Ich glaube, dass ich Dich liebe“, „Ich glaube, Dich nicht betrogen zu haben“, „Ich glaube, das ist alles gewesen“, all solche Sätze würden eine neue Qualität gewinnen. Man wäre doch viel zufriedener.

Erst, wenn man etwas nicht (mehr) (so genau) wissen kann oder will, oder will, dass der andere nichts weiß, doch etwas glauben macht oder machen kann, geht es ans selbige, wenn es glaubwürdig ist; wenn es glaubwürdig ist, oder jedenfalls werden soll, braucht man den damaligen Myrrhe-/Weihrauch-Touch der Multi-Kulti-Könige und selbige gleich auch nicht mehr. Das ist die sachliche Glaubwürdigkeit.

Gibt es nicht auch noch eine Form von persönlicher Glaubwürdigkeit? Es geht uns doch vor allem um das Feiern, dass man so tut, dass man glaubt und glauben kann und nicht wirklich etwas über die religiösen Hintergründe weiß, um es zu einem Glauben verweben zu können.

Man tendiert zeitgeistmäßig nur zum gedankenlosen Tolerieren dargebrachter Überlieferungen, um Geschenkorgien nicht zu blockieren, kann aber tatsächlich nichts aus tiefster Seele heraus glauben. Das aber ist eines sollgläubigen blauäugigen Schafes nicht würdig, sagt die Kirche zurecht und ist so einfach wie Mengenlehre. Haben wir unsere persönliche Glaubwürdigkeit verloren? Ja!

Konsequenzen der Unglaubwürdigkeit und des Unglaubens in der Praxis

Folgt man diesen Gedanken, haben wir die religiös-historischen Wurzeln aus den Augen verloren und sind deshalb dankbar dafür, dass die angebliche Tradition eine Eigendynamik angenommen hat. Sie ist selbständig geworden, und hängt als Lametta oder kitschiger Trompetenengel im Bratenduft auf Tannen.

Wir glauben uns nichts mehr: auf alle Beteuerungen des Partners, er habe die letzte Nacht bei einem/r gleichgeschlechtlichen/andersgeschlechtlichen Freund/in verbracht, kontrolliert man die SMS und später auch die Handyrechnung, fordert diverse Telefonnummern zum Nachtelefonieren und schickt Unterwäsche zum DNA-Test ein.

Vor dem Hintergrund weihnachtlich gefüllter Kirchen sind jedoch einzig die Menschen, die unrasiert mit ihren ungepflegten Hunden und schäbigen Hüten am Straßenrand sitzen, doch die authentischsten und glaubwürdigsten Vertreter unseres Glaubens. Sie glauben aus tiefster Seele, und das ist die Essenz ihres Daseins, an das Gute im Menschen.

Haben Sie jetzt endlich all IHRE Geschenke? Ich glaub, ich nicht.