Stupidedia:Adventskalender 2016/5

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Als es einst, vor langer Zeit, im Wald recht weihnachtlich ward

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Es war einmal, vor langer Zeit, da weihnachtete es ganz schön heftig im Wald. Das fröhliche Eichhörnchen zog eine letzte Line Koks und hüpfte höchst motiviert aus seinem Baumloch. Heute wird gefeiert, dachte sich das Eichhörnchen und landete im kalten Weihnachtsschnee. Erschrocken ob der Kälte an den Füßen, blieb das Eichhörnchen für einen Moment erstarrt stehen. "Fuck!", rief das Eichhörnchen. "Das weiße Zeug ist eiskalt! Ich dachte, das wäre Koks!"

Das Eichhörnchen hatte noch nie im Leben Schnee gesehen. Normalerweise hielt es in der kalten Jahreszeit Winterschlaf. Aber anstatt sich im vergangenen Herbst schlafen zu legen, feierte das fröhliche Eichhörnchen dieses Jahr, bis zum ersten Schneefall, eine wochenlange Party mit seinen besten Freunden, dem freundlichen Bären und dem glücklichen Kaninchen. Nun wollten die beiden Freunde aber Weihnachten mit der Familie verbringen und machten sich kurz vor den Feiertagen auf zu ihren Lieben. Und weil das zugekokste Eichhörnchen voll Tatendrang war, sah es sich in der verschneiten Waldlandschaft um und staunte nicht schlecht, weil es so etwas noch nie gesehen hatte.

Der freundliche Bär, sturzbetrunken vom vielen Himbärgeist, torkelte durch den rieselnden Schnee und sang schlüpfrige Weihnachtslieder. Es war ein langer Marsch durch den kalten Schnee, als der Bär sich Gedanken darüber machte, in welche Richtung er laufen muss. Der Bär hatte keine Ahnung wo er war und hatte sich heillos verlaufen. So lief er einfach weiter, bis er, nach einer halben Stunde, Bärenspuren im Schnee fand. Vielleicht meine Frau, oder Gustav, dachte der freundliche Bär und folgte den Fußspuren. Nun war er wohlgemut, den richtigen Weg nach Hause zu finden.

Das glückliche Kaninchen, zugekokst bis unter die Ohrenspitzen und betrunken wie ein Schützengeneral, hoppelte durch die weiße Waldpracht. Seine Nase hüpfte in Lichtgeschwindigkeit auf und ab und schien still zu stehen. Hier und da glitzerte der Schnee, wo die Baumkronen etwas Sonne zu Boden ließen. Das glückliche Kaninchen fühlte sich beschwingt und glücklicher als sonst. Doch plötzlich hielt es in seinem Gehüpfe inne und blickte ernst drein. Das glückliche Kaninchen fragte sich, ob Weihnachten wohl heute sei. Falls ja, dann musste es unbedingt noch heute Geschenke besorgen! Und so machte sich das putzige Langohr des Weges, um Weihnachtsgeschenke zu organisieren.

Der freundliche Bär marschierte weiter durch den Schnee und folgte den Fußspuren. Nichts in der Umgebung kam ihm bekannt vor. Der Rücken des Bären war eingeschneit. Von Zeit zu Zeit schüttelte er sich, um sich von dem kalten Weiß zu befreien. Es sollte erneut ein längerer Fußmarsch vergehen, ehe der freundliche Bär auf eine weitere Bärenfußspur stieß, fast weggeschneit, die neben der anderen Fährte entlang führte. Hier haben sich zwei Bären getroffen, dachte sich der Bär und folgte den beiden Spuren. Tapfer stapfte der Bär weiter durch den Schnee. Bald würde er daheim sein. Da war er sich sicher.

Das fröhliche Eichhörnchen stand seit geraumer Zeit vor seinem Baum und starrte fasziniert den Schnee an. Obgleich zu kalt für Kokain, nahm das neugierige Eichhörnchen trotzdem eine gehörige Nase von dem glitzernden weißen Zeug. Ein fürchterlicher Kälteschmerz explodierte im Kopf des Hörnchens. Unter lautem Aufschrei hüpfte das fröhliche Eichhörnchen vor Schreck mehrere Meter in die Höhe. Es dauerte einen Moment, bis das Eichhörnchen wieder gelandet war und sich anschließend innerlich gesammelt hatte. Durch die Kälte in seinem Schädel war das Eichhörnchen wieder etwas nüchtern geworden. Was nun? Die Gattin aus dem Winterschlaf erwecken und kleine Eichhörnchenbabys machen? Die könnten dann im Frühling zur Welt kommen. Zeitlich kein Problem. Doch war es leider so, dass die Frau des Eichhörnchens es nicht mochte, aus dem Winterschlaf geweckt zu werden. Wohin sollte das fröhliche Eichhörnchen nun gehen? Nach kurzer aber gründlicher Überlegung kletterte das Hörnchen zurück in sein Astloch. Es schniefte das letzte Koks weg, trank den restlichen Himbärgeist aus und machte sich auf, durch den Wald. Das fröhliche Eichhörnchen wollte seine Freunde besuchen. Den freundlichen Bären und das glückliche Kaninchen. Dass die beiden soeben das Astloch des fröhlichen Eichhörnchens verlassen hatten, wusste das fröhliche Eichhörnchen nicht mehr. Es wollte Party machen. Um jeden Preis!

Das glückliche Kaninchen eilte durch den Wald. "Scheiße", fluchte es laut. Ich kann nicht ohne Weihnachtsgeschenke zu Hause aufkreuzen!

"Hoppel", rief da eine Stimme von oben. Das Kaninchen blickte in die Baumkronen, von wo die Stimme kam, die soeben seinen Namen gerufen hatte. "Wer da?", fragte das glückliche Kaninchen. "Ich", klang es nur aus den Baumwipfeln. "Weihnachten ist erst in einer Woche", sagte die Stimme. "Na wer ist denn da so gescheit und weiß so manches?", wollte das neugierige Kaninchen wissen. "Ich", sagte die Stimme. Und in diesem Moment stürzte der böse Schneeadler aus den Bäumen. Das Kaninchen sah die Krallen des Greifvogels auf sich zu rasen. Im allerletzten Moment legte das ängstliche Kaninchen, mit qualmenden Füßen, einen Kickstart hin, der den Schnee unter ihm zum schmelzen brachte. Der böse Schneeadler schimpfte auf die Mutter des glücklichen Kaninchens und auf seine gesamte Generation. "Scheißescheißescheißescheiße....", fluchte das rennende Kaninchen, den Schneeadler im Tiefflug knapp hinter sich.

Der freundliche Bär trottete weiter seiner eigenen Fußspur entlang. Die zuführende Fußspur, die ihn in diesen Kreislauf gebracht hatte, war mittlerweile zugeschneit. Doch die verhämgnisvolle Kreisspur wurde vom freundlichen Bären immer wieder erneuert. Zufrieden schüttelte er sich den Schnee aus dem Fell. Bald, so war er sicher, würde er zu Hause sein.

Das glückliche Kaninchen beschleunigte immer mehr und brach sekündlich seinen aktuellen Geschwindigkeitsrekord. Auch der böse Schneeadler ging voll in die Flügel und trieb sich selbst zu Bestleistungen an, in dem er immer wieder seinen eigenen Namen rief. Das Kaninchen schlug Haken um die Bäume. Der Schneeadler manövrierte behände wie ein Falke um die Stämme. Coole Verfolgungsjagdmusik ertönte im Hintergrund und das glückliche Kaninchen sah sich selbst aus der Betrachterperspektive. Das musste am Drogencocktail liegen, dachte das Kaninchen und knallte mit dem Kopf gegen einen Baum. Der Schneeadler stieß hinab und verfehlte das Kaninchen nur knapp, das sofort wieder weiterspurtete. Das hastige Kaninchen dampfte und war plötzlich auf einer Lichtung. Meine Chance, dachte der böse Schneeadler und stieß erneut auf das, momentan nicht ganz so glückliche, Kaninchen hinab. Doch in diesem Moment verlor das Kaninchen plötzlich drastisch an Beschleunigung und seine Füße rutschten auf dem Untergrund einfach durch. Das Kaninchen war auf einem zugefrorenen und eingeschneiten See geraten und schoss nun völlig unkontrolliert auf der eisglatten Fläche umher und konnte sich selbst nicht mehr manövrieren. Der Schneeadler war mit den abrupten Richtungsänderungen des Kaninchens genau so überfordert wie das Kaninchen selbst. Während es wie eine Billardkugel auf der Eisfläche umher schoss, ließ sich der Schneeadler auf einem ufernahen Baumstumpf nieder und beobachtete das Treiben auf dem zugefrorenen See.

Das fröhliche Eichhörnchen hüpfte elegant von Baum zu Baum. Es wollte zunächst das glückliche Kaninchen abholen und mit ihm zusammen zum freundlichen Bären gehen, der guten Honigwein sein eigen nannte. Vor lauter Appetitlichkeit auf den Honigwein begann das Eichhörnchen zu sabbern. Kleine Eiszäpfchen bildeten sich an seinem Kinn. Der Weg war nicht all zu lang. Das Eichhörnchen buddelte den Schnee vor dem Kaninchenbau zur Seite und tastete sich in die dunkle Höhle. Lautes Schnarchen war aus der Finsternis zu hören. Immerhin hielten hier gut vierzig Kaninchen Winterschlaf. "Hoppel?", fragte das fröhliche Eichhörnchen leise in die Dunkelheit. "Bist du da?" Keine Antwort. Das Eichhörnchen tastete sich tiefer in den Bau hinein und bekam irgendwann ein großes Ohr zu fassen. "Hoppel?", flüsterte das Eichhörnchen in das Ohr. "Hoppel ist nicht da", antwortete das angesprochene Kaninchen schlaftrunken. "Er ist beim fröhlichen Eichhörnchen. Ich glaube, die feiern Herbstfest oder so." Da stutzte das fröhliche Eichhörnchen. Das fröhliche Eichhörnchen war es doch selber. Sollte Hoppel etwa auf dem Weg zu ihm sein? Schnell verschloss das Eichhörnchen den Kaninchenbau von außen wieder mit Schnee und hüpfte durch den Wald, um das glückliche Kaninchen einzuholen, das ihn offensichtlich besuchen wollte. Es dauerte keine fünf Minuten, da hatte das fröhliche Eichhörnchen sich vollends verlaufen.

Der freundliche Bär zog weiter seine Runden durch den Schnee. Er lächelte zufrieden und freute sich auf Weihnachten mit der Familie.

Das glückliche Kaninchen rutschte weiter auf dem Eis hin und her. Mit der Zeit gewöhnte es sich an den Untergrund und konnte seinen Lauf zumindest ein wenig kontrollieren. Fragend legte der böse Schneeadler den Kopf schief. Sollte er es noch einmal versuchen? Er entschied sich dagegen. Lieber wollte er warten, bis das Kaninchen von seinem Schauspiel müde wurde und auf dem Eis festfror. Doch das Kaninchen war komplett zugekokst und hatte mehr überschüssige Energie in sich als der Duracell-Hase.

Das fröhliche Eichhörnchen hüpfte weiterhin durch die Baumkronen. Weiß lag der Waldboden unter ihm. Da entdeckte das Eichhörnchen eine Fußspur am Boden. Schnell war es vom Baum hinab geklettert und konnte die Spuren im Schnee deuten. "Scheiße", sagte das erschrockene Eichhörnchen laut. "Bärenspuren!" Sollte diese Spur nicht vom freundlichen Bären oder seinen Verwandten stammen, dann wäre es um das fröhliche Eichhörnchen geschehen! Das Hörnchen zitterte vor Angst und vor klirrender Winterkälte.

Um der Gefahr aus dem Weg zu gehen, hastete das Eichhörnchen entgegen der Laufrichtung des Bären.

Der freundliche Bär hatte soeben eine weitere Runde durch den Wald absolviert. Munter setzte er zur nächsten an.

Das fröhliche Eichhörnchen witterte etwas. "Scheiße", sagte es erneut. "Bärengeruch!" Doch da war es auch schon zu spät. Das erschrockene Eichhörnchen starb tausend Tode, als ein Bär hinter einem Gebüsch hervorkam und auf das Eichhörnchen zuschritt. Der Bär packte das geschockte Eichhörnchen mit seinen riesigen Pranken. Dann herzte und umarmte der Bär das Eichhörnchen. Da hatte das erleichterte Eichhörnchen nochmal Glück gehabt. Es war der freundliche Bär. Keiner seiner blutrünstigen Artgenossen.

Das überdrehte Kaninchen zog weiter seine Bahnen auf dem Eis und konnte sich selbst noch immer nicht voll manövrieren. Der Schneeadler saß geduldig am Ufer und wartete. Hin und wieder schüttelte er sich den Schnee aus dem Gefieder. Unter Anstrengung sämtlicher Ressourcen versuchte das umherrutschende Kaninchen, Halt auf dem glatten Eis zu finden. Und so zugedröhnt das Kaninchen auch war, kam es irgendwann auf die Idee, seine Krallen einzusetzen und war von einem auf den anderen Moment vom See verschwunden. Das ging so schnell, dass der verdutzte Schneeadler nicht einmal sah, in welche Richtung das rasende Kaninchen verschwand. So machte der müde Schneeadler sich auf nach Hause, wo seine Lieben dabei waren, das heimatliche Nest weihnachtlich zu schmücken.

Das überdrehte Kaninchen schoss derweil, unter Missachtung sämtlicher Hindernisse, mit Warpgeschwindigkeit durch den Wald und wurde erst gestoppt, als es mit dem Kopf im Arsch des überraschten Bären stecken blieb. Das fröhliche Eichhörnchen konnte nicht mehr an sich halten und kringelte sich vor Lachen durch den Schnee. Noch im entfernten Rüdlisheim, oben am Gipflistieg, konnte man das Lachen des Eichhörnchens aus dem Forst hören.

Und so sagt man sich noch heute die Kunde vom fröhlichen Eichhörnchen und seinen Freunden. Und hört man zur Weihnachtszeit Gelächter aus dem Talwald, so sagt man, dann hat das Eichhörnchen wieder zum Herbstfest geladen.

Ende

Siehe auch