Bei Angelegenheiten, die noch in ferner Zukunft liegen, einfach erst mal jaja sagen und dann hoffen, dass es sich von selbst erledigt oder so

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Erst mal jaja sagen bei Angelegenheiten, die noch in ferner Zukunft liegen, ist ein probates Mittel, um bis in ebenjene ferne Zukunft hinein seine Ruhe zu haben, wird jedoch in gewissen Kreisen als unfein empfunden und kann deshalb dazu führen, dass die mittelfristige Ruhe mit einer fern zukünftigen Katastrophe erkauft wird. Ob es das wert ist oder ob es überhaupt zur Katastrophe kommt, gilt es im Einzelfall sorgfältig abzuschätzen.

Die Angelegenheit

Es gibt Angelegenheiten, bei denen die Hoffnung auf spontane Selbsterledigung durchaus berechtigt ist. Fordert beispielsweise eine Frau ihren Mann auf, Teile des gemeinsamen Wohnraums aufzuräumen, kann er in der Regel davon ausgehen, dass ihr die Unordnung viel eher unerträglich wird als ihm und die Aufräumarbeiten früher oder später doch selbst verrichtet. Es ist eine Frage der Definition, ob sich in diesem Beispiel die Angelegenheit tatsächlich selbst erledigt hat oder ob sie nicht viel mehr von der Frau erledigt wurde. Der durchschnittlich chauvinistische Mann definiert als Angelegenheit die Frau und ihr Putzteufel; diese Angelegenheit erledigt sich von selbst. Würde er stattdessen das Aufräumen an sich als Angelegenheit anerkennen, müsste er zugeben, dass sie sich nicht von selbst erledigt hat, sondern ihm abgenommen wurde. Der moderne, emanzipierte Mann ist sich dieser ontologischen Problematik bewusst und definiert stets mit Bedacht.

Die ferne Zukunft

Nach aktuellem Stand der Forschung haben die Protonen, aus denen die Atomkerne unserer Welt bestehen, eine Lebenserwartung von mindestens [math]10^{35}[/math] (einhundert Quintilliarden) Jahren. Der Beitrag des Protonenzerfalls zur Erledigung von Angelegenheiten kann somit als verschwindend klein betrachtet werden.

Wesentlich relevanter sind die Lebenserwartung des Menschen (etwa 80 Jahre), seine Aufmerksamkeitsspanne (rangiert zwischen zwischen wenigen hundert Millisekunden und 80 Jahren) und sein Gedächtnis.

Demzufolge sind besonders jene Angelegenheiten günstig, deren Fälligkeit jenseits des relevanten Intervalls liegt. Beispiel: Ein Kind will ein Smartphone. Smartphones haben eine Halbwertszeit von wenigen Monaten und in wenigen Jahrzehnten wird es sie voraussichtlich gar nicht mehr geben. Die korrekte Antwort der Eltern muss daher lauten: „Ja ja – kriegst du zu Weihnachten!“ Zu Weihnachten gibt es dann zwei Möglichkeiten. Im Idealfall hat das Kind seinen Wunsch wieder vergessen, das Jaja war erfolgreich und die Eltern haben gewonnen. Oder aber das Kind weiß noch, dass ihm ein Smartphone zusteht und beschreitet den Rechtsweg. Vor Gericht lassen die Eltern die Katze aus dem Sack – gemeint war Weihnachten in siebzig Jahren, hahaha – und bekommen Recht, das Kind trägt die Kosten des Verfahrens und hat seine Lektion gelernt. Siebzig Jahre später gibt es keine Smartphones mehr und die Eltern sind tot. Die Angelegenheit hat sich von selbst erledigt.

Das Jaja

Ein gutes Jaja zu formulieren ist eine häufig unterschätzte Aufgabe. Es gilt den Spagat zu schaffen zwischen fester Zusage und rettender Restunverbindlichkeit, eben zwischen „ja ja“ und „och nö“. Denn einerseits hat das Jaja die Aufgabe, dem Fragenden ein Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln, die Botschaft, dass die Angelegenheit (s.o.) in guten Händen sei; und andererseits sollte es dem Antworten die Freiheit schaffen, in der fernen Zukunft problemlos wieder Abstand nehmen zu können. Der Klassiker Jaja erfüllte diese Aufgabe über Jahre und Jahrzehnte hervorragend, ist aber unglücklicherweise vor einiger Zeit ins Deutsche übersetzt worden und die eigentliche Bedeutung „leck mich am Arsch“ ist inzwischen dem Großteil der Bevölkerung bekannt.

Einige der besten Jajas werden seit einiger Zeit in der EDV entwickelt. Sie sind zumeist im Informatikerkonjunktiv formuliert, klingen extrem vielversprechend und besagen überhaupt nichts. Schon jetzt ein Klassiker ist der Satz „Absolut richtig, da müsste wirklich mal was gemacht werden“, der dem ungeschulten Ohr völlig unverdächtig und einsichtig, ja sogar zuvorkommend erscheinen mag. Erst nach tiefer semantischer Analyse oder aber durch einschlägige Erfahrungen wird klar, dass nichts darüber ausgesagt wird, was gemacht werden soll, wann es gemacht wird oder gar wer das eigentlich übernehmen wird und dass vor allem verschwiegen wird, warum es doch nicht gemacht wird, hat also absolut alles, was ein gutes Jaja haben muss.