Diverses:Biometrie-Affäre Gysi

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Piep, piep! Satellit!
Der nachstehende Text erweitert den Zusammenhang des Hauptartikels Satirischer Jahresrückblick 2014.

Von allen im Bundestag vertretenen Parteien ist die Linke die einzige, die konsequent vom Verfassungsschutz überwacht wird – nicht ohne Grund, denn es gibt viele Fragezeichen bei der militanten SED-Nachfolgepartei. Die vielleicht spannendste, am häufigsten gestellte und am kontroversesten diskutierte Frage beschäftigte im Sommer 2014 den deutschen Bundestag und beherrschte die politische Berichterstattung über Monate hinweg. Diese Frage lautete natürlich: „Warum ist Gregor Gysi so klein?“

Aktuelle Stunde

Stein des Anstoßes war eine Aktuelle Stunde, die am Freitag, den 13. Juni auf Antrag der Bundestagsfraktion der Grünen durchgeführt wurde und erstmals die Systemfrage auf die Körpergröße des Linken-Chefs bezog. Hier tat sich zunächst vor allem Renate Künast hervor, die eindringlich darauf hinwies, „selbst als Frau“ wesentlich größer zu sein als der fast acht Jahre ältere Gysi, und stellte fest, dass auch schon der Name „Gysi“ lächerlich kurz geraten sei, zumindest im Vergleich mit Namen wie „Kramp-Karrrenbauer“ oder „Leutheusser-Schnarrenberger“. Rückendeckung bekam Gysi vor allem aus den Reihen der eigenen Partei, die die Frage als solche kritisierte und die Darstellung zurückwies, dass Gregor Gysi überhaupt klein sei. In der Folge musste daher überwiegend die Frage diskutiert werden, wie groß respektive klein er denn eigentlich sei und weniger die Ausgangsfrage nach dem Warum. Gysi selbst nahm an der Aktuellen Stunde überhaupt nicht teil; nachdem man zunächst annahm, er habe sich zum betreffenden Zeitpunkt bereits im Sommerurlaub befunden, stellte sich später heraus, dass er sich erst unter dem Tisch versteckte, nachdem er seinen Namen gehört hatte, und später von Sahra Wagenknecht in der Handtasche aus dem Parlament geschmuggelt wurde.

Wie groß ist denn nun?

Diese Frage erwies sich als erstaunlich schwer zu beantworten, da Gregor Gysi die Erfassung biometrischer Daten – und dazu zählt die Körpergröße – nicht zuließ. Das 30-cm-Lineal, das Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin am 16.08. bei der Bundesprüfstelle für wirtschaftliche Vermessungsarbeiten am Kleintier hatte mitgehen lassen und am 18.08. in den Bundestag brachte, kam nie zum Einsatz. Als einzige Anhaltspunkte dienten die Angaben diverser Internetquellen, die aber kein klares Bild ergaben; hier wurden Werte zwischen 1,63 m und 30 cm genannt, von denen zwar jeder einzelne als klein bis sehr klein gelten konnte, die jedoch wegen mangelnder Schlüssigkeit und Beweiskraft allesamt verworfen werden mussten.

Wendepunkt

Ein erstes Mal zeichnete sich so etwas wie eine Klärung am 27.08. ab, als die Stasiunterlagen-Behörde ein Dokument aus dem Jahre 1948 vorlegte, das Gregor Gysi eine Körperlänge von nur 45 cm (aber ein Gewicht von fast fünf Pfund) zweifelsfrei nachwies. Jedoch konnte die Linkspartei mit Hilfe mehrerer unabhängiger Sachverständiger eine Vielzahl von Fällen vorlegen, in denen aus sehr kleinen Menschen (40 bis 60 cm) innerhalb weniger Jahrzehnte überraschend große Personen werden konnten. Ebenfalls konnten die Sachverständigen nachweisen, dass seit dem Jahr 1948 rund ein halbes Jahrhundert vergangen sei und ein beträchtliches Längenwachstum Gysis „aus biologischer Sicht recht wahrscheinlich, zumindest aber nicht auszuschließen“ sei.

Die Affäre hätte an diesem Punkt ihr Ende finden können, hätte es Gregor Gysi nicht bei seiner Ansprache auf der Sondersitzung des Plenums ein bisschen übertrieben. In Anlehnung an FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin („Ich bin für eine Frau relativ groß, sehe relativ gut aus und wäre ja blöd, wenn ich das nicht ausnutzen würde“) sprach er hier die verhängnisvollen Worte „Ich bin eine relativ große blonde Frau, relativ blöd und das dürft ihr eigentlich gar nicht ausnutzen“. Vor allem die Attribuierung seiner spärlichen Haarpracht als „blond“ fügte seiner Glaubwürdigkeit schweren Schaden zu. Parteikollegin Wagenknecht stellte sich zwar nach wie vor hinter ihn, tat ihm damit aber auch nicht unbedingt einen Gefallen, da sie ihn sehr deutlich überragte.

Die Ereignisse überschlagen sich

Ein zweiter Wendepunkt fand schon auf dem Rückweg vom Redepult zum Sitzplatz des Linken-Politikers statt, denn er stolperte auf der dreizehnten Stufe sehr unglücklich, fiel der Länge nach hin und schlug sich an der vierzehnten Stufe gefährlich den Kopf. Gregor Gysi wurde umgehend ins Krankenhaus eingeliefert und musste tatenlos zusehen, wie die Affäre ihren Höhepunkt fand. Ein von der CDU/CSU-Fraktion beauftragter Sachverständiger errechnete auf Grundlage der angesprochenen Treppenkonstellation im Bundestag, dass Gregor Gysi am 27.08. nur maximal 71 cm gemessen haben könne und somit ohne jeden Zweifel ausgesprochen klein gewesen sein müsse. Die Beweislast schien erdrückend. Erst zwei Monate später, am 31.10., konnten Experten von der Humboldt-Universität Berlin zeigen, dass der Rechenweg des Sachverständigen der Union fehlerhaft sei. Sie konnten mit Hilfe eines Geovierecks demonstrieren, dass die dreizehnte und vierzehnte Stufe (und übrigens auch die dritte und die siebte, das spielt hier jedoch keine Rolle) schief gebaut waren. Die Rechnung des Mathematikers, so argumentierten die Humboldt-Professoren weiter, habe den Satz des Pythagoras verwendet, der aber nur bei rechtwinkligen Dreiecken zur Anwendung komme. Die berechnete Körperlänge Gysis sei somit als mathematisch nicht fundiert zu betrachten.

Ergebnis der Affäre – ein Fazit

Im Bundestag sind die dritte, die siebte, die dreizehnte und die vierzehnte Stufe der linken Treppe ein bisschen schief.
Besonders die dreizehnte, deswegen stolpert man da nämlich auch.