Internationaler Rapunzeltag

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Der internationale Rapunzeltag, 1867 vom "Dachverband besserer Menschen" ausgerufen, um das "ursprüngliche und reine Prinzip der wahrhaften Fraulichkeit" (Protokoll zur 23. Jahrestagung, Bad Tölz, p. 184 ff) zu würdigen, galt bis in die 60er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts als einer der "bedeutensten Feiertage des patriotischen Brauchtums" (U. von der Leine) und ist erst durch die falschen Fuffziger Feminismus und Föhnfrisuren in Verunglimpfung geraten. Dennoch wird er weiterhin jeden 22. Juni in etlichen der gesitteten Weltgegenden manierlich gefeiert.

In deutlicher Abgrenzung zu postmodernen Deutungen der Märchenfigur Rapunzel, fußt die Idee des Rapunzeltages auf dem klassischen Motiv des (im Original durch die - wie soll auch es anders sein - Unfähigkeit eines Mannes, sich seiner Familie ehrbar zu erweisen) unschuldig in Not geratenen und zugleich schicksalsergebenen Weibes, welches zwar über alle Mittel zur Selbstbefreiung verfügt, sich deren unschickliche Nutzung aber versagt. "Keine andere Figur der bibliographischen Weltkarte verkörpert wie sie das Prinzip von >>Tugend vor der Tat<<" (M. Scheich-Schlawitzki). Im Zuge der euphorischen Rückbesinnung auf den dreifaltigen Wertekanon zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts durchlief diese Interpretation eine kurze aber heftige Kontroverse, als die Sprecherin der radikalpatriotischen Splittergruppe "Die noch besseren Menschen", S. Palin in ihrem Grundsatzpapier ("Die Moral der weiblichen Intuition.") auf das Rapunzelmotiv mit den folgenden Worten Bezug nahm: "... und wenn doch die Frau ganz richtig anerkennt, dass sie nicht nutzen wird, was nicht nutzen darf [den Zopf], ist es dann nicht eitle Koketterie ihn zu behalten und zu pflegen? Ja, ist es nicht gar eine schauerliche Sünde, ihn, dem Kerzenlichte eines Hafenweibes gleich, aufs Fensterbrett zu legen?". Letztlich konnte sich jedoch die klassische Deutung durchsetzen, nach der die rapunzelne Haarpracht sinnbildlich für den Pfad der Tugend steht, zu dem "... nur die ehrenhaften unter den Jünglingen Zugang finden sollen, um dem Weib zu ihrem wahren und gerechten Schicksal zu verhelfen." (Matthäus, L.).

Brauchtum

Während das "Rapunzeln" in Deutschland zwischenzeitlich fast überall vom Maibaumklettern verdrängt wurde, konnten in den letzten Jahren vor Allem im süddeutschen Sprachraum Bestrebungen der Rückbesinnung auf das "bessere Brauchtum" bemerkt werden. Üblicherweise wird dazu im Vorfeld der Feierlichkeiten die Rapunzel gewählt. Hierzu befinden die relevanten Honoratioren darüber, wer das "unschuldigste, tugendhafteste und somit fraulichste Weib der Gegend" sei, um es am Rapunzeltag offiziell zu küren und auf den "Turm zu verbannen". Ob die mitunter üblichen, lustigen Wettstreite der Jünglinge um die Gunst der Rapunzel als ehrbarer Bestandteil dieser Festivitäten angesehen werden dürfen, ist vielerorts strittig.