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Diverses:Anekdote zur Steigerung der Arbeitsmoral

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Im Bankenviertel in einer Stadt im westlichen Europa sitzt ein Bankangestellter in seinem Büro und arbeitet hart. Ein ärmlich gekleideter Hartz-IV-Empfänger hat sich in das Gebäude geschlichen, um sich zu wärmen, denn er ist offenbar erkältet.

Hust. Noch einmal: Hust, und da aller guten Dinge drei sind, ein drittes Mal: Hust. Dieses unvermittelte, fast aggressive Geräusch störte den Bankangestellten, der irritiert nach seinem Kaffeebecher tastet, doch bevor er das Gesuchte gefunden, hat der Hartz-IV-Empfänger ihm schon seine Thermoskanne unter die Nase gehalten, ihm den Kaffee zwar nicht eingeflößt, aber bereits an den Mund geführt, was seine eilfertige Höflichkeit abschließt.

Durch jenes kaum messbare, nie nachweisbare Zuviel an flinker Höflichkeit ist eine gereizte Verlegenheit entstanden, die der Hartz-IV-Empfänger mit einem Gespräch zu überbrücken versucht.

„Bei der Wirtschaftslage verdienen Sie doch sicher nicht allzu gut.“

Nicken des Bankangestellten.

„Werden Sie Ihren Job an den Nagel hängen?“

Kopfschütteln des Bankangestellten.

„Also werden Sie weitermachen?“

Kopfnicken des Bankangestellten, steigende Nervosität des Hartz-IV-Empfängers.

„Oh, Sie fühlen sich nicht wohl?“

Endlich gelingt es dem Bankangestellten sich von seinem Computer loszureißen und zum wahrhaft gesprochenen Wort überzugehen.

„Mir geht es unfassbar schlecht“, sagt er „ich habe mich nie schlechter Gefühlt“ Mit diesen Worten sinkt er vollständig in sich zusammen.

„Ich glaub, ich hab ein Burnout.“

Der Gesichtsausdruck des Hartz-IV-Empfängers wird immer unglücklicher, er kann die Frage nicht mehr unterdrücken, die ihm sozusagen das Herz zu sprengen droht.

„Aber warum hören Sie denn nicht auf?“

Die Antwort kommt prompt und knapp.

„Ich habe doch letzte Woche erst eine halbe Stunde Pause gemacht“

„Hat sich das so negativ auf Ihre berufliche Laufbahn ausgewirkt?“

„Naja, alles im Round-up des letzten Board-Meetings hatte einen High-Level-Approach, zu der Roadmap mit Ihren Milestones habe ich natürlich sofort mein Commitment gegeben. Das musste alles asapst erledigt werden.“

Der Hartz-IV-Empfänger – im Übrigen dieser Sprache mächtig – taut jetzt vollständig auf.

„Aber wenn Sie nur high priority Actionables auf dem Screen haben, sind Sie doch für alles andere viel zu tight getaktet”

„Trinken Sie noch einen Kaffee mit mir?“

„Ja, danke.“

Kaffeebecher werden gefüllt. Der Hartz-IV-Empfänger setzt sich kopfschüttelnd auf den Besucherstuhl, stellt seinen Kaffeebecher wieder ab, denn er braucht zwei Hände, um seiner Rede Nachdruck zu verleihen.

„Ich will mich ja nicht in Ihre persönlichen Angelegenheiten mischen“, sagt er, „aber was wäre denn mit einer Career change opportunity? Was bringt es Ihnen, wenn sie sich in wirklich jeden Case reinstaffen, dann werden Sie doch zum Minderleister.“

Der Bankangestellte schüttelt den Kopf.

„Sie könnten nach kürzester Zeit Out of Office sein…“

Die Begeisterung verschlägt Ihm für ein paar Augenblicke die Stimme: „Sie können sich voll Ihre Due Diligence updaten und Ihr Lifestyle wird World Class…“

Wieder verschlägt die Begeisterung dem Hartz-IV-Empfänger die Sprache.

„Und dann..“

Der Bankangestellte klopft Ihm auf den Rücken, wie bei einem Kind, das sich verschluckt hat.

„Was dann?“,fragt der Bankangestellte leise.

„Dann“,sagt der Hartz-IV-Empfänger in stiller Begeisterung, „können Sie total relaxed, on time und on budget die fast Lane zum C-Level nehmen.“

"Aber auf der fast Lane zum C-Level befinde ich mich doch jetzt schon“, sagt der Bankangestellte "nur Sie haben mich dabei gestört."


Tatsächlich zog der solcherlei belehrte Hartz-IV-Empfänger nachdenklich von dannen, denn früher hatte er auch einmal geglaubt, er arbeite nicht, um eines Tages einmal geläutert und ohne Burnout arbeiten zu können, und es blieb keine Spur von Mitleid mit dem gestressten Bankangestellten in ihm zurück, nur ein wenig Neid.