Otto Erich Hartleben

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Zu den rätselhaftesten Erscheinungen der deutschen Literatur gehört Otto Erich Hartleben (1864-1905). Man weiß von seinem Leben nur, dass er auf eine höchst ruhmreiche juristische Laufbahn zurückblicken darf, in der er schon als Referendar Triumphe der Beredsamkeit feierte, und dass ihn nur eine starke Hinneigung zu gegohrenen Getränken vor dem Schicksal, preußischer Justizminister zu werden, bewahrt hat. Aus Freude über diese glücklich vermiedene Gefahr und aus Dankbarkeit zu der Gattung Flüssigkeit, die ihm diese Gefahr zu vermeiden geholfen hat, beschäftigt er sich seitdem unausgesetzt damit, Alcoholica zu vertilgen. Bis zu welcher Fertigkeit er es darin gebracht hat, ist ganz unglaublich. Sechs Anatomien sind auf seine Nieren, acht auf seine Blase abonnirt. Zu den unbegreiflichen Phänomenen, zu den Rätseln, die niemals gelöst werden können, gehört der Umstand, dass Otto Erich Bücher schreibt. Wann und wo er dies thun mag, hat schon Viele beschäftigt, Keiner hat es ergründet. Daher denn die Meinung lebendig wurde, er schreibe die Bücher nicht selbst, sondern habe sich einen Menschen dazu abgerichter, dem er seine Novellen, Dramen, Gedichte auf dem Wege vom Bierhaus zum Weinhaus durch stark eindrucksvolle Gesten einflößt.

Otto Erich ist, infolge seiner Trinkfestigkeit, der populärste deutsche Dichter; am meisten bewundern ihn aber die jüdischen Reporter, die nichts vertragen können. In der letzten Zeit hat er an Volkstümlichkeit eingebüßt, weil er so unvorsichtig war, zu erklären, Heinrich Heine sei ihm stets unangenehm gewesen. Das war sehr überflüssig, denn die geringe Begabung Heines für das Saufen ist allbekannt. Otto Erich aber wird viele Hektoliter Pilsener Bier austrinken müssen, will er diesen faux pas wieder gut machen.

berichtet Otto Julius Bierbaum, (Pseudonym: Martin Möbius): Steckbriefe erlassen hinter dreiߟig literarischen Ubelthätern gemeingefährlicher Natur. Mit den getreuen Bildnissen (...) versehen von Bruno Paul. Berlin und Leipzig, Schuster und Löffler 1900, S. 71f.