Altkanzler

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Altkanzler, der: menschliche Ausschussware aus dem gehobenen Politikmanagement.

Theoretische Grundlagen

Grundlegend ist das sogenannte Parkinsonsche Gesetz. Dieses besagt, dass in hierarchisch organisierten Strukturen Führungskräfte solange nach oben weg befördert werden, bis sie eine Position erreicht haben, an der sie keinen Schaden mehr anrichten können.

Da die bundesdeutsche Politik das Paradebeispiel einer straffen Hackordnung darstellt, zeigen sich in ihr die Konsequenzen des Parkinsonschen Gesetzes in Reinstform.

Regelkonformer Ablauf

Hartes Brot als Kanzler

Vielfach wird Verwunderung darüber laut, wie bescheiden im Vergleich zu Gehältern selbst im mittleren Management das Jahressalär eine Bundeskanzlers ist. Nun entspricht dieses Einkommen selbst im günstigsten Fall kaum der erbrachten Leistung (was aber, wie ein Vergleich mit der freien Wirtschaft lehrt, für sich allein betrachtet noch kein ausreichender Grund für Gehälter unter 500.000 € per anno ist), andererseits bietet aber genau dieser relative Hungerlohn ein wesentliches Motivationselement zum letzten Karrieresprung, dem in die Königsposition des Altkanzlers.

Haben nämlich sowohl Stand in der Wählergunst als auch Rückhalt in den eigenen Reihen gewisse kritische Grenzwerte unterschritten, wird die finale Entsorgung eines Kanzlers hin zum Altkanzler mit schicksalshafter Zielstrebigkeit auf den Weg gebracht.

Neben einer üppigen Sofortrente (zahlbar nach mindestens zwei Jahren bestehenden Beschäftigungsverhältnisses) winken dem Altkanzler nämlich nun endlich jene Pfründe, die ihm bislang aus Gründen sozialer Kompatibilität verwehrt waren. Nach der sofortigen Verleihung einiger Ehrendoktorwürden namhafter ausländischer Universitäten steht zunächst eine in der Regel 24monatige Welttournee mit "Vorträgen" in renommierten Clubs, wissenschaftlichen Gesellschaften u. ä. auf der Agenda, welche jeweils mit Aufwandhonoraren nicht unter 30.000 $ je Vortrag vergütet werden. Vor einer Reihe illustrer (illustrer wird hier als Euphemismus für senil aber reich und mächtig verwendet) Gäste darf hier der Altkanzler in einer Serie von mindestens 200 festlichen Banketten ein und dasselbe Manuskript (aus der Feder eines vom Steuerzahler finanzierten Spin Doctors) zum Vortrage bringen. Begleitet wird ein Altkanzler während dieser Zeit von einem Biographen (beschönigend für Ghostwriter), der diese Phase im Leben einer Person der Zeitgeschichte intellektuell aufbereitet, um spätestens 18 Monate nach Rücktritt vom Kanzleramt den zweiten Teil der AutoBiographie zeitnah auf den Markt zu werfen. Aufgrund ausgeklügelter Prognostik erscheint Teil 1 der Biographie nämlich bereits eine Woche nach Erreichen des Altkanzlerstatusses (jeweils mit Voraushonoraren in siebenstelliger Höhe plus Auflagenbeteiligung).

Neue Freunde durch neue Freunde

Der erfreuliche Umstand, dass ihnen als Altkanzler keine Vorteilsnahme im Amt mehr zum Nachteil gereichen kann, führt dazu, dass Altkanzler eine erfreuliche Aufwertung ihres äußeren Erscheinungsbildes durchlaufen. Früher in meist schlechtsitzender Kleidung und designlosen Panzerlimousinen schwäbischer Automobilhersteller die Welt durcheilend, flanieren sie nun in gesponsertem Edellook längs der Amüsiermeilen des Jetsets. Was früher offiziell als Bestechungsversuch gewertet worden wäre und nur unter strengster Geheimhaltung teilweise doch angenommen wurde, wird nun dankbar als wohlverdiente und grosszügige Anerkennung von "Freunden" angenommen und genutzt: Urlaubsfahrten auf Yachten der internationalen Hochfinanz, Reisen in geliehenen Privatjets oder auch "private" Geschenke der politischen Rentnerelite anderer Länder, welche jene aus den öffentlichen Kunstsammlungen ihrer jeweiligen Länder zur Kontaktpflege entwendet haben. Auf diese Weise kann ein rühriger Altkanzler leicht in den Besitz einer respektablen Kunstsammlung gelangen, auch wenn ihm der eigentliche Sinn für solcherlei Dinge völlig abgeht.

Bevor aber ein Altkanzler endgültig von der Bühne abtritt, verbringt er noch einige Jahre in den Aufsichtsräten bzw. Vorständen diverser Firmen völlig ungeklärter Struktur und gern auch ausländischen Firmensitzes. Im Wissen um vormalige Minderleistungen beschränkt sich seine Tätigkeit hier jedoch meist auf Aufgaben repräsentativer Natur, ohne dass dies jedoch eine Minderung der Bezüge zur Folge hätte.

Übertragung auf niedere Rangstufen

Was dem Kanzler recht ist, ist seinen ehemaligen Weggefährten, Handlangern und Mitkomplizen nur billig. So gibt es entsprechende Pöstchen ebenso für ehemalige Minister, Staatssekretäre und noch niedrigere Chargen, die nach Ausscheiden aus der aktiven Politik in kürzester Zeit an privater Altersvorsorge das nachholen, wozu ein ehrlicher Arbeiter nur die Zeitspanne von 860 Arbeitjahren (bescheidene Lebensführung und Dauerbeschäftigung vorausgesetzt) benötigen würde. Beliebte Entsorgungsstellen für gescheiterte Politikschranzen sind höchste Ämter im europäischen Verwaltungsdschungel (Brüssel, Straßburg), gerne werden aber auch Posten in der Energie- oder Chemiebranche angenommen.