École Technique Officielle

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Piep, piep! Satellit!
Der nachstehende Text erweitert den Zusammenhang des Hauptartikels Völkermord in Ruanda.
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Die École Technique Officielle ist eine Bildungseinrichtung, die – genau wie die Columbine High School oder das Gutenberg-Gymnasium – nicht für ihre pädagogischen Errungenschaften bekannt ist, sondern dafür, wie viele Menschen in ihren Mauern den Tod gefunden haben. Mit dem klitzekleinen Unterschied, dass die ETO nicht bekannt ist.

Vor dem Massaker

Am 6. Juli war Präsident Habyamarima in seinem Flugzeug abgeschossen worden, und diese Nachricht verbreitete sich rasend schnell – über den Radiosender, den alle hörten, und über den praktischerweise auch gleich Propaganda gegen die Tutsi gemacht wurde – Radio-Télévision des Mille Collines. Da sagten sie, alle mögen bitte daheim bleiben. Das war praktisch, denn wenn die Milizen vorbeikamen, um eine der vielen Todeslisten abzuarbeiten , dann mussten sie nur klingeln bzw. die Tür eintreten und konnten sofort relativ ungestört ihrer Arbeit nachgehen. Fluchtmöglichkeit ausgeschlossen.

So blöd waren die Tutsi aber nicht, sie wussten ja, dass sie gefunden wurden, die Ethnie stand ja im Pass drinnen, und Passdaten waren der Administration bekannt. Zumindest denen, die lesen können. Und zumindest einige Hutu konnten nicht nur morden, sondern auch eine Buchstabenschrifft dechiffrieren. Wobei zweiteres wahrscheinlich eine wesentlich größere Kraftanstrengung darstellte.

Die Tutsi versammelten, oder besser verschanzten sich also, und die École Technique Officielle eignete sich perfekt als Refugium – hier waren sogar UN-Blauhelmsoldaten. Sicherheit war also garantiert - Friede, Freude, Eierkuchen.

Die Schule galt sogar als so sicher, dass die Blauhelmsoldaten sogar prominente Oppositionspolitiker, die aus welchen Gründen auch immer gegen den Völkermord und für Frieden zwischen Hutu und Tutsi waren, dorthin brachten, um sie vor den Hutu zu schützen.

Die Franzosen

Über 2000 Tutsi (darunter ca. 400 Kinder) und 90 belgische Blauhelmsoldaten hatten es sich also in der Schule bequem gemacht. Die Belgier verteidigten das Gebilde einzige allein durch ihre Aura und durch ihre schönen blauen Helme. Waffen hatten sie zwar, benutzen durften sie sie aber nicht. Das verbot das Mandat. Genauso wie Maschinengewehre. Die hatte man zwar immerhin im Gebäude, aufstellen – und sei es nur zur Abschreckung – durfte man es nicht, weil die UNO es nicht erlaubte. Und da der Denkhorizont eines Soldaten bei seinem Vorgesetzten endet, und dessen Denkhorizont beim Mandat, wurde tatsächlich kein Maschinengewehr aufgestellt.

Die Hutu umstellten dagegen geduldig das Gebäude. Es war aber keineswegs so, dass sie jeden abmetzelten, der in dem Gebäude verkehrte. Eine Delegation französischer Truppen wurde problemlos durchgewinkt. Und auch wieder unbeschadet wieder rausgelassen. 147 Glückliche, überwiegend Franzosen und Italiener, begleiteten sie nach draußen. Alle anderen blieben in dem Gebäude, und sahen zu, wie die Hutu den Gebäudekomplex umstellten.

Der Abzug

Am 11. Mai 1994 kam auf Druck der USA, Frankreich und Belgien der Befehl, die UNAMIR-Blauhelmtruppen auf lächerliche 270 Mann zu reduzieren. Das ist ungefähr so, als würde man kurz vor einem Jahrhunderthochwasser fast alle Sandsäcke aus den Dämmen nehmen, weil das nahende Wasser zu gefährlich wäre für die Säcke. Und die 90 belgischen Soldaten gehörten leider nicht zu den 270 Blauhelmen, die bleiben durften.

Sie dachten sich nur „Ällabätsch, wir dürfen heim und daheim Pommes essen, und ihr bleibt hier und sterbt, und kriegt nix von unseren Pommes ab!“, und bereiteten im Stillen ihren Abzug vor. Im Stillen, da sie ja nicht auf die Tutsi schießen wollten, um freien Abzug zu haben. Schließlich wollte man ja keine Tutsi töten. Das konnten ja jetzt ungestört die Hutu machen. Die belgischen Soldaten waren sogar so dermaßen friedfertig, dass sie die flehenden Bitten der Tutsi, sie zu erschießen, statt sie den Hutu zu überlassen, aus humanitären Gründen ablehnten.

Das Massaker

Also gingen die belgischen Soldaten unbedrängt von den Hutu die eine Tür raus, und nahezu gleichzeitig kamen die Hutu zu einer anderen Tür rein, während einige durch eine dritte Tür zu fliehen begannen. Die, die drin waren, waren gleich tot, die die flohen, waren eine Minute später tot, weil das Haus ja immer noch umstellt war. Und auch die Hutu, die nicht in die Schule mit reindurften, wollten schließlich auch jemanden umbrungen. Etwas später lagen überall blutige Leichen herum, und die Welt war mindestens 2000 Tutsi ärmer. Die 90 belgischen Soldaten saßen da wahrscheinlich gerade im Flugzeug bei Bier und Pommes.

Das Danach

Nach dem Massaker an der École Tecnique Officielle ging der Völkermord erst richtig los. Vielleicht, weil die Hutu erst jetzt richtig in den Blut geleckt hatten. Wahrscheinlich auch, weil besser bewaffnete Einheiten der Präsidentengarde endlich auch in ländliche Gebiete vordrangen, sodass sich der Mob nicht mehr mit Macheten, Speeren und Steinen zufrieden geben musste. Jetzt konnte endlich auch außerhalb von Kigali problemlos gemordet werden. Außerdem riefen das staatliche Radio Radio Rwanda und die Radio Télévision Libre des Mille Collines am 12. April 1994 endlich dazu auf, dass alle Hutu ihre Streitgkeiten endlich beseitigen sollten und sich gefälligst auf das Abschlachten von Tutsi konzentrieren sollten. Und die UNO-Schutztruppen waren fast alle weg. Man kann sagen, dass der Völkermord also erst nach dem Massaker an der ETO erst richtig losging.

Und was lernen wir daraus?

  • We should not send our troops to stop ethnic cleansing and genocide outside our strategic interest. I would not send the United States troops into Rwanda.” - George W. Bush 2000, auf die Frage, was er tun würde, wenn sich ein zweites Ruanda ankündigen würde. [1] (Abschnitt 12.51)