Sub:Geschichte Griechenlands (von der Frühzeit bis zum Mittelalter)

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Allerdings hilft ein Blick in die teils verworrenen, teils unwirklich schönen Geschichten aus der griechischen Mythologie, um zu verstehen, was damals wirklich vor sich gegangen ist. Es liegt auf der Hand, dass diese Geschichten Geschichten aus der realen Geschichte sind. Auch Götter bleiben deren Kinder, auch wenn sie das Rohmaterial Zeit selbst erschaffen haben. In deren Wandel durchliefen sie immer wieder Entwicklungsstadien, die als eine Art Leitbild für das Schicksal der jeweiligen Anhänger dienten. War auf dem Olymp mal Schmalhans Küchenmeister, so hungerte auch das Volk. Ließ man zu hohen Festtagen die Hammel zu Tausenden sterben, konnte man sicher sein, dass das Brandopfer sein Ziel nicht verfehlte und Völlegefühl und Verdauungsstörungen unter den Göttern vorherrschte, was sie vom üblichen Begattungshunger wie auch von der göttlichen Intrigenspinnerei abhielt.

Gemein mit ihrem Volk war und ist ihre Ambivalenz, angesiedelt zwischen der Magie größter Lebensfreude und besonderer Tragik. So ist Hephaistos ein hässlicher und humpelnder Zwerg, aber auch ein angesehener Fachidiot auf dem Spezialgebiet Verhüttungstechnik. Seher, wie etwa Teiresias, der Zeus in die Freuden der Transsexualität einwies und dabei so manches "Frauengeheimnis" lüftete, wurden mit irdischer Blindheit gestraft. Alles folgte dabei einem Prinzip, das älter schien als die Zeit - vielleicht auch nur aufgrund schlechter Erfahrungen - ein Wesen bei aller Göttlichkeit nie ohne mindestens eine Schwäche auszustatten. Bei Zeus war dies eindeutig der Hang zur Weiblichkeit. Er trug einen bedeutenden Anteil zu teils desaströsen familiären Verhältnissen bei, wie auch seine Ehe zu Hera schon lange kaputt war; dafür aber die Libido legendär, wenn man sich die vielen erfolgreichen Verkleidungen (goldener Regen, Stier, Opferlamm) in Erinnerung ruft, in die er für seine Liebschaften schlüpfte, um Vaterschaftsklagen zu verhindern.

Kein anderes Göttergeschlecht war in der Unendlichkeit der Zeit - vorher oder nachher - fruchtbarer. Nymphen, Titaniden, Danaiden, Argonauten, Astronauten, Odyssee-Essayisten und Alkaloide sprudelten wie der unvermeidliche Wein aus den Schößen hervor: große Helden, die zu ihrem Andenken Sternennebel besingen ließen und auch viele Helden des mythologischen Alltags, die bereits mit der (Namens-)besetzung eines Bachlaufs zufrieden waren. Die Schönheit der griechischen Göttinnen war sprichwörtlich.

Die mythische Zeit

"NEIN, Zeus, es ist NATÜRLICH KEIN Altersheim!"
...der Ruhesitz Sitz der griechischen Götter (2007)

Kurz nach der Erschaffung der Welt, man nimmt an, um ca. 3000 Jahre v. Chr., hat sich Griechenland aus niemand Geringeres als aus sich selbst heraus geboren, quasi als Selbstbefruchtung. Der ganze Erdkreis, auch Gaia genannt, war also schon glückliche Mutter Griechenlands, bevor sie ihren Sonn Uranos in Ermangelung anderer männlicher Gottheiten ehelichte und zahlreiche weitere Nachkommen zeugte.

Inzucht und Ordnung

Typisch Adel: man blieb bei der Familienplanung weitgehend unter sich, mit dem Makel behaftet, dass die gewaltige Potenz zu abstrusen Missbildungen führte, die nicht mehr mit verspielten, neuen Froscharten oder schicken Naturkatastrophen kompensiert werden konnten. Die Pille war allenfalls als steinernes Artefakt bekannt und als regulierendes Produkt der sexuellen Selbstbestimmung für die Göttin des Hauses vollkommen unbekannt. So wurden in Fließbandarbeit neben einigen gesunden Gottheiten auch Einäugige wie die Zyklopen oder auch die sogenannten Hekatoncheiren geboren, Gestalten mit jeweils 50 Köpfen und hundert Händen. Letztere wären mit ihrer unschlagbaren Produktivität beispiellos geblieben, wurden aber doch von ihrem Vater im wahrsten Sinne des Wortes abgrundtief gehasst. Gleich nach der Niederkunft wurden sie in den Hades, bzw. die Hölle, die Unterwelt, in den Schoß der Erde - es ist alles der gleiche Ort, so viel Platz ist da unten nicht! - verbannt.

Gaias Lieblingssohn Kronos sollte schließlich der bedeutendste Nachkomme Uranos werden. Sie überredete ihn mit dem Geschenk, in die Hochzeit mit seiner Schwester einzuwilligen, am Alten eine Geburtenkontrolle zu installieren. Damit arbeitete sie vielleicht auch einer stillen Opposition Kronos gegenüber seinem Vater zu, die sich nur zum Teil mit dem Wegsperren der Geschwister begründen lässt. In vielen schriftlichen Stellen lassen sich auch Hinweise darauf finden, dass Kronos ein Muttersöhnchen gewesen war. Jedenfalls war es ein schneller Schnitt an einer unauffälligen Stelle, der bei einem Mondspaziergang Uranos durchgeführt wurde - freilich mit Schnickschnack wie einem Stern für jede Spermie begleitet - aber weitere Nebengötter waren fortan nicht mehr möglich. Uranos war das Schlimmste passiert, was einem Unsterblichen passieren kann, die Lebensfreude ward auf ewig verdorben. Gaia rieb sich die Hände und konnte sich nun ganz auf die Erziehung der Kinder konzentrieren.

Zeus als Prinzregent

Auch der spätere, so unwissend deklarierte Göttervater Zeus entstammte einer kinderreichen patriarchalisch geprägten Familie, als Sohn aus der Verbindung zwischen Kronos und Rhea. Die klassische Großfamilie mit kompletten väterlichen und großväterlichen Linien führte langsam zu Platznöten auf dem Olymp. Es musste eine schnelle und effiziente Lösung zur Beseitigung der Wohnungsnot gefunden werden. Denn erst viel später sollte die Ein-Kind-Ehe des sehr erfolgreichen Christengottes ein neues Kapitel schreiben, wie die noch unverbindlichere Adoption Mohammeds im islamischen Glauben. Dadurch waren schließlich keine göttlichen Kunstgriffe wie der einer jungfräulichen Empfängnis mehr nötig.

So zog es Hausherr Kronos vor, in cholerisch geprägter Stimmung die im Haushalt verbliebenen Kinder einfach zu verspeisen. Doch die Mutter war zu sehr Familienmensch, um dieses Vorgehen lange zu dulden, obwohl damals bereits Kinder allein durch bloße Willensäußerung, Handauflegen oder ein kräftiges Gewitter ohne Schwangerschaft per direkt geboren werden konnten. Schließlich war Zeus an der Reihe. Als Camouflage par excellence, als erstes Gyros der Geschichte wurde für Kronos ein Stein in eine Decke eingewickelt und dies als sein Sohn Zeus präsentiert. Kronos war zufrieden. Zuvor hatte er sich, wie damals unter Göttern nicht unüblich, als sein eigener Nachfolger bestimmt und wusste nichts von der kleinen Höhle, die Opa Uranos mit heller Stimme seiner Schwiegertochter Rhea als Versteck empfohlen hatte. Erst der volljährige Zeus sollte den Mut besitzen, gegen seinen Vater aufzubegehren. Wieder ging es in einen Kampf gegen einen "alten Sack" - und dies sogar mit der Unterstützung dessen eigener verleugneten Geschwister!

Als die Zeit reif war, infiltrierte Zeus die Umgebung des Herrschers, das er vor achtzehn Jahren verlassen hatte. Mit Hilfe seiner Mutter, die für Kronos mittlerweile ein ganzes Gebirge - den italienischen Apennin - kleingebröckelt und in Tüchern angerichtet hatte, um die folgenden Kinder auch zu schützen, meißelte er die "Pille für danach" aus Granitgestein (vermutlich alpenländischer Feldspat). Sollte der Streich gelingen, würde Zeus politische Karriere wie die eines jeden Kronprinzen vorgezeichnet sein, dessen Mutter die Zukunft des Landes in der Herrschaft ihres Sohnes sieht. Er war kein griechischer Prinz Charles. Kronos regierte nicht mehr, sondern reagierte nur noch. Und kotzte unter anderem die bereits verschluckten Kinder wieder unversehrt aus. Die Freude ward aber noch größer: die zukünftigen Baumeister der Antike hatten endlich genug Material für die Umsetzung göttlicher Appartements.

Umbruch, Aufbruch und Abbruch

Bei Kronos hielt sich die Freude in Grenzen. So zettelte er einen langwierigen Erbfolge-Prozess gegen seine eigenen Kinder an. Schließlich hatte er sich selbst als Alleinerben eingesetzt und widersetzte sich den Pflichtteil-Forderungen. Nachdem alle rechtlichen Wege ausgeschöpft waren und die hauseigenen Orakel ewig gleich wie zerkratzte Langspielplatten das erzählten, was die Götter hören wollten, folgten endlich Handgreiflichkeiten. Die wiedervereinten Geschwister sicherten dabei zwar stets ihren Kasten (den hauseigenen Tempel) gegen ihren konterstarken Vater ab, der aber einen sehr starken Sturm hatte. Alles lief auf ein Unentschieden heraus. Es roch nach einer Einwechslung, gar nach einer Neuverpflichtung.

Immer noch schmorten die einst verachteten Hundertarmigen und Kyklopen in einem Billiglohnland (Rumänien?). Mittlerweile hatten sie sich aus Langeweile sogar selbst Blitze geschmiedet, mit denen sie Wolken jagten und Helme in derartiger Übergröße, dass der Träger von außen unsichtbar blieb. Zeus zeigte guten Willen und sorgte für eine Ausreisegenehmigung, die damals schwerer zu bekommen war, als heutzutage unberührt durch den amerikanischen Zoll zu kommen. Nach der Befreiung der ideenreichen Erbonkel und -tanten traten diese als gütige Paten Zeus auf und unterstützten ihn durch Einschüchterungsmanöver des Gegners mit ihren in der Einsamkeit übertrainierten Körpern. Immerhin hatte ein Hektoncheräer zweihundert Bizeps pro "Mann"!

Kronos sah seine Unterlegenheit schnell ein, nachdem er durch die plötzlichen Ausweichbewegungen noch die Hälfte seiner Verbündeten zugekotzt bzw. mit Felsen übersät hatte (das Frühstück?) und versuchte fortan, Zeus ein väterlicher Freund zu sein. Zeus trank mit ihm wohl noch einige Versöhnungs-Drinks, nutzte aber die Gunst der Stunde und schiffte den besoffenen Paps Richtung Elysium ein, wo er heute noch glücklich leben soll. Die moderne Forschung vermutet, dass es sich um die Inselgruppe der heutigen Balearen handeln soll.

Er hatte fortan mit seinen Geschwistern als leibhaftige Riester-Rentenversicherung für den Fortbestand seiner Eltern zu sorgen, wohlwissend, dass deren Unsterblichkeit diesen Job zur Herausforderung machte. Als Alleinherrscher hatte er zwar die Oberhoheit über die göttlichen Kollegen, die auch Geschwister, zum Teil Geliebte und im Fall seiner Schwester Hera sogar Ehepartner waren. Doch einigen Vorteilen wie verkürztes Werben, unnötiges Vorstellen bei den Schwiegereltern, unkompliziertes gemeinschaftliches Wohnen und wenig Ärger mit der Mitgift standen auch Nachteile gegenüber. Die per definitionem gegebene titanenhafte Potenz ward im Angesicht seiner allzu vertrauten Ehefrau, die ohnehin nur mit wenigen weiblichen Reizen ausgestattet war, im Laufe der Jahre geschrumpft. Neben den leidlichen Symptomen einer Zweckehe trat Zeus Vorliebe für schöne Menschenfrauen immer deutlicher hervor. In alter Tradition becircte er die anvisierten Schönheiten in Gestalt von Widdern mit goldenen Hörnern oder diamantenem Meeresschaum, doch auch hier tat er sich mit der Erfüllung der Versprechen mitunter sehr schwer, die sich so verheissungsvoll anzubahnen schienen.

Unter Göttern lässt sich zwar noch einiges geheim halten. Im Zusammenspiel mit Erdlingen aber wird fauler Zauber wie schlechtes Handwerk offenbar wie eine Bahnhofsdurchsage. Der Fluch des schlechten Gewissens ließ ihn regelmäßig erektil dysfunktionieren: "Ich kann nicht, wenn mir die Familie dabei zusieht!", konstatierte er regelmäßig. Erst nach Äonen hatte er den Regenbogen heraus und begattete die Bezauberten dann so schnell, dass es nicht einmal die Verwandtschaft mitbekam. Jungfrauen soll damals untersagt worden sein, am Meer nackt zu baden oder sich gleich von jedem Adler in die Lüfte ziehen zu lassen. Für das olympische Erbgut hatte diese Humanophilie allerdings fatale Folgen, denn im Ergebnis schlief sich der Chef immer weiter hinunter. Dadurch war die demoskopische Entwicklung vorgezeichnet: Halbgötter paarten sich mit Halbgöttinnen, Halbhalbgötter mit Menschen. So sollte es immer weiter gehen bis man für die heutige Population feststellen kann, dass der klassische Grieche zwar frisch wie aus einer Metaxa-Werbung entsprungen, immer noch geradezu göttlich aussieht, es aber lange nicht mehr ist.[1]


Im Gegensatz zu seinem Privatleben (das es offiziell natürlich nicht gab) teilte Zeus die Regierungsgeschäfte mit taktischem Kalkül auf:


Das göttliche Parlament

Name Besonderheit Sinnspruch Amt
Aphrodite Die Göttin aller damals bekannten Begierden wusste die unglücklichen Fälle unbürokratisch an ihre Schwester Artemis weiterzuleiten. Aber Homer schrieb schon: "Einzig der reiche Kelch der Liebe ist imstande, nicht nur den Gatten, sondern auch das Böse für immer zum Schweigen zu bringen!" Damit karikierte der unglücklich verheiratete Homer die in der antiken Antike oft praktizierte Zweckehe, die die Erhaltung des Namens in der nächsten Generation gewährleisten sollte. Die typisch olympische Tragik zeigte sich darin, dass gerade die mehrfache "Miss Olymp" als Verkörperung sinnbildlicher Schönheit zwar immer viel Liebe verteilte, doch nie zur emotionalen Ruhe fand. Nach ihrer Amtszeit machte sie sich mit einer Dessouskette selbständig. "Liebst Du Deinen Liebsten viel, zeig es ihm beim Erziehungsspiel!" Drogenbeauftragte
Apollon Zuständig für Licht, Dunkelheit, alle vier Jahreszeiten, das Gesundheitswesen und all das, wozu sich Zeus zu fein war. Er war froh, seine Leidenschaft, Musik und Gesang, zu seinem Beruf gemacht zu haben und erfand auch die musikalischen Presswürste, um bis zu dreifach komprimiertes Liedgut in der ganzen Welt zu verbreiten. Der ideelle Wert schien groß, der tatsächliche war verschwindend gering. So konnte damit aufgrund eines ständig wachsenden Überangebots von privaten Musikmetzgereien späteren Generationen kaum Geld verdient werden. Das komprimierte Liedgut wurde später von Notenblättern abgelöst, da diese schwieriger zu kopieren waren. "Bindet mich wieder los, sonst sing ich weiter!" Kultusminister
Ares Das ursprüngliche Problemkind Heras und Zeusses Ares diente den griechischen Göttern vor allem zur brutalen Durchsetzung egoistischer machtpolitischer Interessen und war der "Mann fürs Grobe" im Olymp. Später wurde er durch Mars abgelöst, viel später zu den verbotenen Kriegswaffen gezählt, dann diente er schließlich der Abschreckung, um schließlich seine Entspannung im Ruhestand zu finden. - ließ lieber Taten sprechen - Kriegsminister (heutige Bezeichnung wäre Verteidigungsminister)
Artemis Feministin. Gründete das erste Frauenhaus überhaupt und machte es zur eigenen Wohnung, in der sie sich vor allem vor den Angriffen auf ihre Jungfräulichkeit selbst schützte. "Der Mann ist der Untergang für die Menschheit!" Umwelt- und Familienministerin
Athene Wird meist mit dem Narrenkäppchen dargestellt, da man den Frauen damals noch keine Kompetenz in dieser Männerdomäne zutraute, aber mit der Besetzung leben musste. "Männer würden Eulen kaufen!" Ministerin für Forschung und Technik.
Demeter Quasi als griechische Inge Meysel Jungfrau, Mutter und Großmutter der Nation. Je nach Belieben konnte sie die Statur wechseln. Das Geheimnis Ihrer Diät vermarktete sie später in einer eigenen Verkaufsgesellschaft, die mit ihren Produkten völlig neue Erkenntnisse aus einem ganzheitlichen Verständnis der weltbestimmenden Kräfte heraus verkaufte - und das mit gesalzenen Preisen aufgrund des globalen Lieferservices. "Euer bisschen Korn könnt ihr mir auch opfern!" Landwirtschaftsministerium
Hephaistos Setzte sich erfolgreich gegen Zeus Widerstreben durch, auf Fernwärme aus dem Hades umzustellen. Geburtsammer der schönen Athene. "Am Höllenfeuer wird nicht gespart!" Minister für Energie und Schwerindustrie
Hera Einmal im Amt, bewies sie sehr viel göttliches Sitzfleisch. Die Merkel unter den griechischen Gottheiten wurde erst durch ihren Sohn Hephaistos zur Vernunft gebracht. Hatte einmal im Jahr, also regelmäßig, Sex mit ihrem Gatten und jungferte sich danach immer wieder selbst zurück. Das konnte Zeus Weibergeschichten nicht verhindern. "Komm Du mir nach Hause!" Zeus geachtete Schwester, aber wenig geliebte Gattin. Mit androgynen Merkmalen ausgestattet versuchten böse Zungen einen Kontext zwischen ihr und einem geheimnisvollen "Onkel aus Delphi" herzustellen.
Herpes Heiratete schon früh die Tochter des Weltenstützers Atlas, wollte aber nicht in den schwiegerväterlichen Betrieb einsteigen. Nachdem Herpes eine Postlehre im Olymp gemacht hatte, macht er sich selbständig und fiel vor allem durch die Erfindung allerlei sinnloserr Gadgets auf, darunter z. B. Lippenbläschen. Insgeheim soll er seine Ausgangssituation bei der Brautwerbung durch die Erfindung der Astronomie optimiert haben, die zum Inkrafttreten der Keplerschen Gesetze und damit zur Arbeitslosigkeit seines Schwiegervaters führte. "Willst Du Dir was holen?" Postminister
Hestia Die Schwester Zeuses sicherte sich schon früh das Amt, das den wohl existenziell wichtigsten Bereich des Gotteskunden zum Gegenstand hat: den heimischen Kochtopf. Um es sich ja nicht mit ihr zu verscherzen, bekam Hestia immer die besten Stücke, noch vor dem Familienvater patriarchalischster Mittagstische. "Was gibt’s heute?" Ernährungsministerin
Poseidon Zeus Bruder war wegen seines cholerischen Gemüts berühmt und berüchtigt. Zeus sorgte daher auch seinem Volk zuliebe mit der Wahl von Poseidons Amtssitzes für günstige ergonomische Rahmenbedingungen seiner Behörde. Die für ihn von Hephaistos gefertigte Version des beruhigenden Managerspiels "Kugelstoßpendel" als Erdstoßpendel kam erst später. "Ich gehe hoch!" See-, Fischerei- und Minister für Naturkatastrophen
Zeus Bundespräsident Bundeskanzler

Der Götterbote Herpes kann wohl auf eine der wechselvollsten Karrieren im Olymp zurückblicken. Als Hochbegabter in den damals freilich noch überschaubaren Geisteswissenschaften "Philosophie (Sekundarstufe I)" und "Mythologie (Grundstufe)" war sein Tun in fataler Weise gleichermaßen von List wie auch Liederlichkeit bestimmt, was ihn im Ergebnis oft auf der Stelle treten ließ. Da wo ein Entlarvter normalerweise keine andere Chance mehr gehabt hätte, als die Verfehlung zuzugeben, war er aber imstande, selbst Zeus hereinzulegen. Dieser Art von Versuchungen konnte er nur selten widerstehen. Die Kreativität in der Improvisierung unerwarteter Ausreden, die im Selbstverständnis der geistigen Überlegenheit abgegeben wurden, hüllt sein Tun in ein legendäres Licht und umgibt seine Verfehlungen mit einer wahrhaft göttlichen Aura.

So ist ein Beispiel aus seiner Jugendzeit überliefert, als er den Schminkkoffer des eitlen, aber auch etwas naiven Poseidon stahl (Sinnspruch: "Meerwasser tut meinem Teint nicht gut"). In unvorstellbarem Zorn ließ Poseidon die Erde erbeben, in der Hoffnung, dass sich dadurch alle Taschen leerten und andere geheime Verstecke, etwa in Höhlen, offenbarten. Als auf diese Weise der Diebstahl Herpes offenkundig wurde, berichtete dieser von Zeus Auftrag, ihm zu seinem Geburtstag nachträglich ein Paket zuzustellen. Herpes wusste um die zum Staatsgespräch gewordene Vergesslichkeit Zeus und konnte von dessen eifriger Zustimmung zum Lügenmärchen ausgehen, um weiteres Gerede zu vermeiden. Dieses Päckchen sei nun durch das Erdbeben leider verloren gegangen. So wollte er wenigstens seinen Schminkkoffer hübsch einpacken lassen. Die Geste zähle, nicht, was geschenkt wird! Somit hatte Herpes eine unwahrscheinliche Geschwindigkeit entwickelt: noch vor dem Diebstahl des Koffers hatte Herpes ihn bereits befördert!! Zeus sollte schließlich zustimmen, sorgte aber dafür, dass Herpes fortan die Sendungsverfolgung einführte.

Gott sein ist nicht schwer, göttlich sein dagegen umso mehr

Trotz Zeus unzähliger Liebschaften und vielen Nachkommen aus eher oft sehr kurzen Zusammentreffen fiel seine größte Liebe ausgerechnet - oder vielleicht gerade deswegen - auf einen Sohn, der nun gerade gar keine göttlichen Eigenschaften in sich trug. Zwar von großer, starker Gestalt hatte er ein Gesicht, das nur seine Eltern lieben konnten. Mit einem Geist, der ein fast unendliches Potenzial für Nachhilfestunden barg, wuchs Herakles in der Obhut seiner Mutter Alkmene auf. So zornig die unfreiwillige Stiefmutter Hera war, die sogar ein SEK für Geburtsabhilfe mit der Göttin Eileithyia (die heißt wirklich so!) auf die Erde gesandt hatte, so ausgesprochen nachsichtig und gütig hielt Zeus seine schützende Hand über ihn. Alles verzieh er ihm und unterstützte ihn bei dessen Existenzgründung. Vielleicht stand auch etwas Größenwahnsinn der Entschlossenheit Pate, Herakles gar zum Herrscher der alten und klugen bzw. altklugen Griechen zu machen. Die spätere Tätigkeit Herkulesses als Schweizer, aber nicht als Angestellter eines prosperierenden Bankhauses, sondern als Viehknecht im Stall eines gewissen Rinderbarons beurteilte Zeus aber eher ungünstig für einen erfolgreichen politischen Lebenslauf. Dazu brauchte es in der damaligen Zeit vor allem Heldentaten. Den von Zeus formulierten "Stallgeruch des Heldentums" aufzuschnappen, verbunden mit "schwerer Arbeit" und "unendlichen Mühen" hatte Herakles wohl falsch verstanden.

In Herakles Jugendzimmer hatte Zeus einen Stierkopf herumliegen sehen, mit dem dieser im Hotel "Mama" noch als Mittdreißiger Verwandte "erschreckte". "Irgendwann muss doch etwas aus dem Jungen werden", hatte Zeus von seiner einstigen Geliebten noch im Ohr, als er seinen ungeliebten, nur widerwillig tolerierten Sohn Hephaistos anwies, Herkules' Defizite mit einem unbesiegbaren Schwert, einer Tarnkappe und einem schmucken Schild (ohne Fuchsschwanz) auszugleichen. Der Schmied, gerade wieder in eifersüchtigster Missgunst befangen, adressierte falsch und ließ über Herpes Perseus die Gegenstände bringen.

Schließlich erschuf Zeus den kretischen Stier und ersann als Prequel eine wahre Räuberpistole, die Herakles mit Hilfe des Tiers gar zum Stammvater aller Stiere und Menschen machen sollte, um die Rolle der Griechen heldenhaft zu verklären. Gleichwohl war dies auch ein Zugeständnis an sein Sicherheitsdenken: schließlich kommt ein kretischer Stier immer aus Kreta, bewegt sich also auf einer beschaulichen Insel, nah am kretischem, aber weitab von kritischem Geist, der wohlmöglich Dinge ins rechte Licht setzen könnte, um damit die Nachwelt zu "verunsichern". Er konnte also nichts schief gehen, als Herkules sich daran machte, den von Zeus unsichtbar angeleinten Stier zu fangen, um ein neues altes Volk zu gründen.

Zuhause im Glück

Auf Herkules geht das platzsparende Lagern von Jungfrauen zurück (vgl. auch Tupperware)

Herkules bezog eine schicke Maisonette in Strandnähe, um dort im degenerativen Zeitgeist mit unbeschränkten finanziellen Mitteln billigen Vergnügungen nachzugehen, bis Zeus den Single-Palast irgendwann mit Hilfe von ägyptischen Hilfsarbeitern fertiggestellt hat. Dabei verkannte dieser, dass die Nordafrikaner außer flachen eingeschossigen Nutzbauten zwar kolossale Sakralbauten zu errichten wussten, diese aber tatsächlich nur für Tote bewohnbar waren. So blieb es bei einer gewaltigen Bauruine, von der aus Herkules künftig zu seinem Ausbildungsplatz reisen sollte. Es war eine Lehre vorwiegend forst- und landwirtschaftlicher Natur, in deren Verlauf er Obsternten einbrachte, Wildschweinschäden beseitigte, die Herde mit dem aus dem Hades entliehenen Zerberus hütete und noch in der schlimmsten feierabendlichen Verkehrs-Hydra rechtzeitig vor dem nemëischen Löwen ein Hirschkalb einfing, das für den heimischen Genpool extrem wichtig zu sein schien. Der kretische Stier blieb bei allen Beschwerden des Azubi-Alltags sein Lieblings-Haustier, das er zu vielen Reisen als Schoß-Stierchen in seiner Korbtasche mit sich führte.

Da Zeus das Bauprojekt nie aufgegeben hatte und oft nächtens noch seine Arbeiter gängelte - sein Zornesschrei: „Knossos!!“ (gr. für "Kruzitürken") sollte weltberühmt werden) - sprudelte es auf der Baustelle nahezu täglich neue unbekannte Gesichter. Es bildete sich so eine Gesellschaft, die für folgende patriarchale Systeme einen Modellcharakter darstellte: man arbeitete unter Männern bis in den frühen Morgen unter sich, verbrachte Herren-Feierabende und schlief miteinander im Männerwohnheim. Die Demoskopie der kleinen Insel lebte von der Werbung neuer Arbeitskräfte, die ein gefühltes Leben lang „auf Montage“ waren. Das griechische Volk der ersten Stunde ward geboren.

Falsche Freunde

Herkules machte wider Erwarten eine gute Figur bei seinem Streben nach Heldentum: Null Fehltage. Zeus sah das fleißige Wirken seines Sohns als Küchenhilfe in der minoischen Großküche und dessen kommunikatives Geschick in Gesprächen mit ihm, sich ein immer höheres Taschengeld abschwatzen zu lassen, letztlich mit großem Wohlwollen. Alles schrie nach einer neuen Aufgabe, trotzdessen seine Entwicklung durch Heras ständige Interventionen aus Rache (Verstecken des Stieres, Diverses:Mobbing am Arbeitsplatz - und die FolgenMobbing am Arbeitsplatz durch das Einblenden von Déjà-vus über das peinliche Vorführen als Klassenesel in der Schule beim kleinen Einmaleins) behindert worden war. Zeus war unglaublich beeindruckt von dem titanischen Durchsetzungsvermögen seines eigenen Nachwuchses, der im Boxring des Lebens dank einer gottgegebenen Augenfehlstellung beide angrenzenden Seiten in seiner Ecke im Blick behalten konnte. Herkules Abschied wurde dank des bei Poseidon bestellten Gewitters noch etwas verklärt, so dass dieser im mykenischen Hafen auf dem Peloponnes moralisch gestärkt seiner neuen Herausforderung entgegentreten konnte.

So wie falsche Verwandte gleichzeitig echte Freunde sein können, können echte Verwandte aber auch falsche Freunde sein. Herkules sollte dem residierenden Cousin Eurystheus in Mykene seine Dienste anbieten. Dieser verwies ihn an einen geheimnisumwitterten "lieben Onkel aus Delphi", der schließlich etwas von einem göttlichen Auftrag faselte, aber doch sehr verdutzt war, denn er hatte eigentlich einen deutlich jüngeren Griechen erwartet. Vielleicht wirkten auch die von Herkules durch Zeus' Herold vorab übermittelten Worte trotz Rechtschreibhilfe etwas zu infantil. Jedenfalls schickte "Onkel Christos" ihn und sein Heer an Arbeitslosen in der neuen Heimat nach Troja, in der Eurystheus seine schlimmsten Feinde wusste. Dessen Stadtsäckel sollte durch Herkules bildungsferne Streiter fiskalisch überanstrengt werden. Fehlende Mittel für Investitionen in den Arbeitsmarkt würden die Mauern bald sturmreif degenerieren lassen.

Mit großer Freude traf Herakles mit einem kleinen Begleitbataillon auf seine beiden anderen Onkel Poseidon und Apollon, die bereits in Diensten des ortsansässigen Königs arbeiteten, allerdings unter den Bedingungen litten. Man mochte sich fragen, warum sie sich so plagten, anstatt sich im Olymp verwöhnen zu lassen. Es war die schöne Menschentochter des Königs namens Häresie, die beide vollständig verrückt gemacht hatte. Sie bescherte König Laomedon unschlagbare Wettbewerbsvorteile und einen schlanken Verteidigungshaushalt, solange er in der Lage war, seine Tochter vor dem göttlichen Zugriff zu schützen. Insgeheim konnte sie sich für keinen der beiden entscheiden: in einem kristallenen Palast in der Tiefsee zu leben, war sicher einige Zeit lang göttlich, aber auf Dauer langweilig. Und Apollons Handeln war zu sehr von egozentrischem Eifer bestimmt: ständig pflegte der Selbstverliebte zu bekräftigen, dass er der Gott der Musik sei. Das antike Radio wäre deshalb in einer Beziehung vermutlich zum dauereingeschalteten Volksempfänger mutiert. Das taktische Kalkül des ehrgeizigen Vaters nahm sie daher dankbar auf und machte es werbenden Herrn ohnehin gern sehr schwer. Sie war gern nicht leicht zu haben.

Herakles wurde bestimmt, wollte er weiter in der Gunst des Königs bleiben, den berühmten Keuschheitsgürtel der Amazonen zu erlangen. Er war aus legendär engmaschig verarbeiteter Eisenwolle gefertigt und wurde der Legende nach von deren Herrin Hippolyte in deren Palast aufbewahrt. Trotz familiärer Bande machte sich Herakles auf, das Artefakt auf der Web-Präsenz der Amazonen zu kaufen. Er konnte nicht ahnen, dass er ihn geschenkt erhielt, da die kämpferischen Frauen aus gelebtem Männermangel kein Interesse mehr an solch mittelalterlichem Gerät hatten.

Der trojanische Krieg

Poseidon und Apollon, die bei Herkulesses Rückkehr immer noch wie blöd an den Gräben und der schönen Königstochter herum baggerten, wandten sich in großem Zorn gegen ihn, der nur seine Befehle ausgeführt hatte. Zeus als Herakles Vormund beauftragte die im göttlichen Notdienst schmollende Göttin der Liebe, Aphrodite, seinem Sohn zu helfen. Bote Herpes bekam schöne Augen gemacht und sorgte dafür, dass ein guter Teil des heraklidischen Heeres innerhalb kürzester Zeit vor den Toren Trojas stand. Mit Liebe besiegt man sogar das Böse, dann reicht es gegen Götter allemal. So waltete Aphrodite mit einer Spur grimmigen Humors ihres Amtes und ließ die gegen 5000 Mann starke Truppe sich in die beiden Gottheiten verlieben. Da der Weg zum Olymp abgeschnitten war - Hephaistos hatte ein neues Schloss in die Pforte eingebaut - kamen die beiden Hübschen mit dem Sturzregen plötzlicher Begehrlichkeiten gar nicht klar. Sie suchten Zuflucht hinter den Toren der Stadt, verrammelten sie tüchtig und baten den feixenden König um Asyl, während die liebeshungrigen Streiter gegen die Mauer anrannten und nach ersten Misserfolgen mit der Belagerung begannen.

Herakles hatte die anfänglich finstere Stimmung, mit der er in der Stadt von den beiden Göttern erwartet wurde, gar nicht bemerkt. Die psychologische Legasthenie sollte auch hier der Schutzpanzer des Einfältigen sein. Man konnte ihm aber auch nicht böse sein und die zurückgehaltenen offenen Zornesausbrüche erwiesen sich kurze Zeit später, als sich verzweifelte Hoffnung auf seine stählerne Kraft und Kondition breit machte, für Apollon und Poseidon als enorm praktisch. Herkules haderte mit seinem Pflichtgefühl gegenüber dem Hausherrn, den erworbenen Gürtel an die Häresie auszuhändigen. Die junge Dame schien tatsächlich "leckerer als Mamis Pfannengyros" zu sein! Der König sah seine wertvollste Investition in Gefahr und drohte Herkules mit einer vertragsrechtlichen Auseinandersetzung vor Gericht, die für ihn im Falle einer Niederlage ein Arbeitsverbot als Held im ganzen Umland Trojas zur Folge gehabt hätte.

Die insgeheim von Hera beauftragte Göttin der Zwietracht, Eris, hatte dem bisherigen Geschehen befriedigt zugeschaut. Herkules stand wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg und konnte sich nicht für den treuen Dienst am Arbeitgeber entscheiden, Häresie fand den ihr vom Vater versprochenen Gürtel "unmöglich", Laomedon ließ den besten Juristen der Stadt ausfindig machten und die beiden Götter hassten die Tuchfühlung mit ihrem Volk, die sich immer mehr anzubahnen drohte.

Auf Befremden stieß jedoch Eris Beobachtung, wie einträchtig sich die beiden Götter hinter Herakles breiter Brust vor handgreiflichen Avancen der Fans versteckten. Sie warf als Zaungast einen goldenen Dolch mit der Aufschrift "Für meinen Schatz - erobere mich, wenn Du kannst" in das Zentrum der Belagerten. Da brach ein großer Streit unter ihnen aus, wem das offensichtliche Geschenk der Häresie gegolten hätte. Dieser war dies nur Recht, steigerte dies doch ihren Marktwert zusätzlich. Dankbar huldigte sie ihrer neuen Lieblingsgottheit Eris (die sie allerdings so gern wie ihre Kleider wechselte) und versprach, ihr ewig zu followen (was bei der damaligen Lebenserwartung ohnehin nicht besonders lange gewesen wäre). Die Kontrahenten beharkten sich hinter den Mauern gegenseitig im Häuserkampf, aber konnten die sie Bestürmenden nur mit Sedcards aus immer kleiner werdenden Restbeständen hinhalten.

Achilles, kein schlechterer Held als Herkules, freilich "nur" von einer Titanin namens Onassis geboren, war hinter den Gottheiten dessen härtester Konkurrent. Der Gram, in der Gunst der Götter stets etwas gegenüber seinem strahlenden Widersacher und tumben Zeussohn benachteiligt worden zu sein, hatte sich über die Jahre zu Zorn und finsteren Rachegelüsten gewandelt. Alles hatte er sich bitter erarbeiten müssen, hatte keine kretischen Blanko-Stipendien erhalten, doch war er nicht auf den Kopf gefallen. Er verstand es, den Fokus wieder auf die Fans zu lenken, um den Endkampf mit Herkules heraufzubeschwören. Sein Vorschlag, für die minutenweise Zurschaustellung der Gottheiten auf den Zinnen Geld zu verlangen, machte das Leben der Angebeteten scheinbar etwas geordneter, ließ aber das Blut der letztlich unbefriedigten Fans weiter hochkochen, wie es eben nur ein Augenschmaus vermag. Ganz aus war es mit der Geduld, als Herkules den Keuschhaltsgürtel mit eingestecktem Webkamm präsentierte.

Mutter Onassis wusste durch den hausangestellten blinden Seher des Apollon, Mopsos, dass ihr Sohn einst "auf dem Feld" fallen würde. Ängstlich verschwieg sie ihm sein Schicksal, wollte es freilich mit aller Macht verhindern. Deshalb ließ sie über den Kopf des Königs hinweg alle innerstädtischen Schrebergärten planieren und pflastern. Vergeblich: beim morgendlichen Ballspiel als Training für den bevorstehenden Endkampf wurde er als Mittelfeldspieler von den Beinen geholt und erlitt eine Sportverletzung an der Ferse. Für den Ausgang der Auseinandersetzung spielte er keine Rolle mehr.

Entscheidung auf der thrakischen Halbinsel

Die Belagerung dauert insgesamt gegen zehn Jahre, erst am Ende des letzten Drittels sollte die ersehnte Verstärkung durch den Rest des heraklidischen Heers eintreffen, das im Umland bereits Existenzen gegründet hatte (Aufbauprogramm Ost-Griechenland). Pikanterweise traf man jedoch in angeheitertem Zustand unter nachtruhestörendem Lärm vor den Toren Trojas ein und übersah das Belagerungsheer der zunächst friedlich schlummernden, dann sich erwartungsvoll formierenden Liebestrunkenen. Ganz in der unbeschwerten Art ihres Herrschers klopften sie an das verriegelte Tor, um endlich Meldung über ihre bisherigen Geschicke tun zu können. Zeus betrachtete kopfschüttelnd das Geschehen und hinterließ ihnen die Nachricht, dass nichts außer Dummheit das Tor öffnen können würde, ihnen nur dann Einlass gewährt würde, wenn der Esel hinter dem Tor größer sei, als der, der sich davor befindet. Stunden später tat Zeus seine verklausulierte Rede bereits leid. Am nächsten Morgen wurde unter dem Zimmermann Agamemnon von den Orakeldeutern und den vereinten Kräften beider Heere ein hölzerner Esel gefertigt, der in der nächsten Nacht vor das Tor geschoben wurde. Nachdem man vielkehlig ein lautes "Ihhh Ahhh" hatte erklingen lassen und sich rasch versteckte, öffnete sich zögerlich das Tor. Ausrufe wie "Ein Zeichen der Götter!" und "Ich bin doch nicht blöd" erschallten. Rasch wurde die Mauer eingebrochen, um das sperrige Vehikel in die Stadt zu bringen. Erst der insgeheim eingeschleuste Schadcode war in der Lage, endlich das Tor neben dem Mauerdurchbruch zu öffnen, damit die Fans der (halb-)göttlichen Bel Amis in die Stadt gelangen konnten. Das war eine Wiedersehensfreude! Autogramm-Papyrus wurde ausgetauscht und "Meet and Greet the Greek Geek"s wurden - mitunter widerwillig - eingelöst. Doch nur ein Stolperer eines Liebeshungrigen führte zum berüchtigten Dominoeffekt. Beine wurden weggerissen, man verlor in Scharen das Gleichgewicht, Körper schoben sich übereinander und wurden mit Schreienden schreiend begraben. Arme reckten verzweifelt ins Leere ohne irgendeinen Halt. Das vorherige Lachen, Schmatzen und Quieken wandelte sich in Laute des Entsetzens, regelmäßig durch besonnene Durchsagen der Ordnungshüter unterbrochen. Noch Tage wallte dieses groteske Meer als Wellen von Liebenden, ohne dass man rettend hätte eingreifen können.

Der Held Aeneas wurde während des "Make Love not War"-Wars von seiner göttlichen Mutter Aphrodite als Mädchen verwandelt und gelangte daher unbeschadet aus dem vor Begierde brennenden und über die Deeskalationsvorschriften verzweifelten Troja. Noch im Transit zum stiefelförmigen Exilland schwor er sich, einst wieder zurück zu kehren und sei es auch im Frauenkostüm. Er sollte Recht behalten.

Die Nacht legte sich über den Kriegsschauplatz. Alle Menschen waren vor Liebe blind geworden oder - wie es shakespeariger nicht möglich wäre - für ihre Liebe gestorben. Hetero Herakles war es zu brenzlig geworden. Nicht nur, dass seine beiden Onkel nun Idole eines schwulen Kults geworden waren, König Eurystheus Oberflächlichkeit trat zu Tage, immer nur alles des lieben Geldes wegen initiiert zu haben, wie auch die kalte Eitelkeit der schönen Häresie, deren Ablehnung sogar Halb-Götter in die Askese zu treiben vermochte. Er nahm sich einen Zentaur und war dabei, über die grünen Hügel Trojas neuen Fans zu entkommen. Man hatte sich von der sagenhaften Schönheit einer Königstochter aus Ätiolien erzählt, zu deren Werben er sich jetzt erst als mutig genug erachtete. Der Weg dorthin war noch weit und der Hunger meldete sich. Mit sicherem Auge erfasste er einen stolzen Rehbock, der sich Haken schlagend in Richtung eines kleinen Waldstücks rannte, der einen kleinen Creek umgab. "Winnen tu ich", soll Herakles noch verbissen gestammelt haben. Er zog den exotischen Pfeil aus dem Köcher, spannte den Bogen bis zum Anschlag, zielte und schoss in vollem Ritt mit nahezu vollständig ruhendem Oberkörper. Doch nach halber Strecke kehrte der Pfeil um und traf ihn zwischen seine Augen. Hera hatte Zeus Pfeile aus geschnitztem australischem Wurfholz besorgt. Soweit alles dazu aus der Feder Homers.

Konsequenzen aus dem tranigen Krieg

(Überschrift 1) (Überschrift 2)
Hera
hatte bis zuletzt gehofft, mit der Erfüllung ihrer Rache an Herkules, dem unehelichen Sohn Zeus, letztlich auch etwas für ihre Ehe getan zu haben. Zurecht: die beiden lebten sich immer weiter auseinander.
Apollon
dieser ganze Menschenauflauf hatte ihm doch gefallen. Jährlich ließ er durch seine Priester Gottesdienste in viel zu kleinen Tempeln abhalten, was seine teils unverblümt gepriesene Eitelkeit weiter ausprägte.
Poseidon
Nach dieser für ihn unrühmlich ausgegangenen Geschichte (zehn Jahre ohne Erfolg gebaggert) hatte sich seine allgemeine Übellaunigkeit auf "Oberkante Unterlippe" verschlimmert. Fortan zeigte er sich nur noch bei Erdbeben persönlich an der Baustelle.
Zeus
zog sich nach dem Tod seines Lieblingssohns mehr und mehr aus der Politik zurück. Die nachfolgenden Halbgötter und Menschen sollten es besser machen.
Herkules
mausetot, hatte aber nun wenigstens ein eigenes Sternzeichen.
Aeneas
Nachdem er zum Mann zurückverwandelt worden war, hatte er eine Menge Mühe, nicht nur zu seinem eigenen Ich, sondern auch so etwas wie Heimat zu finden. Stationen auf seiner langen Reise sind Athen, Theben, Äolien, Ganglien und Karthargo. Überall trat er als Saubermann und als Botschafter seines zerstörten Reiches auf. In Karthago traf er die schöne Dido. Trotz großer Liebe auf beiden Seiten entsagte er ihrem Verlangen selbstlos bereits nach kurzer Zeit aus Pflichtgefühl, um seinem inzwischen geborenen gemeinsamen Sohn ein gutes Vorbild zu sein. Die aus Gram an Selbstmord Gestorbene sollte er später wieder aus dem Hades zurückholen, um wirklich keinen auch noch so kleinen Makel an seinem Leumund zuzulassen. Streber!
Agamemnon
Machte sich erfolgreich im nahen Mykene selbstständig, doch musste privat oft ins antike Lutetia (Paris) reisen, um dort als Schlichter in der Ehe seines Bruders mit der schönen Helena zu wirken.
Die Truppe Herkulesses
Die Mitstreiter des großen Halbgottes sollten mit vielfachen Tempelbauten ihren Glauben verbreiten, selbst dann glücklich werden zu können, wenn man in einen Gott verliebt ist. Vom Christentum später aufgenommen und den missionierenden Mönchen als frohe Botschaft verkündet.
Eurystheus
Eurystheus Schicksal ist ungewiss. Nach der Verwüstung Trojas wurde, nicht zuletzt wegen seiner Intrigen, erfolgreich ein Abwahlverfahren initiiert. Aufgrund alternativer Beschäftigungsmöglichkeiten verließ er das Land Hals über Kopf. Legendär sind seine Worte vor Gericht, das er nicht anerkannte: "Ihr könnt mir alle mal den Isthmus herunterrutschen!"
Häresie
Sie wartet immer noch auf den Richtigen.

Das Dunkle Zeitalter

Allein gelassen in ihrer Bürgerlichkeit und mit unbändigem Fortpflanzungstrieb ausgestattet gewahrten die Hinterbliebenen des Tranigen Krieges, dass sie die "göttliche Lücke" eben nur in dieser einen Disziplin (s.o.) füllen konnten. In literarisch-philosophischer Sicht waren sie in einem Mittelmaß gefangen, kamen architektonisch nicht mehr über das erste Stockwerk hinaus und hatten über Spione erfahren, dass sie sogar in der Originalität und literarischen Qualität der berühmten "berühmten letzten Worte" von dahingeschiedenen germanischen Herrschern überflügelt worden waren. "Ich scheiß mich hier zu Tode, Diogenes" oder "Paracelsus, geh an die Wasser, mein Blut zu kühlen!" wollte niemand mehr hören. In dem ihnen verbliebenen elitären Bewusstsein gepaart mit unvergleichlicher Eitelkeit tat das besonders weh, machte aber in der Not besonders erfinderisch, um aus einem Nachteil einen Vorteil zu machen, ohne gleich aus Verlegenheit - wie die niedergehenden Pharaonen 1000 Jahre zuvor - mit neuen Schriftzeichen ihre durchschnittlichen Leistungen verschlüsseln zu müssen. Nach den abend- und theaterfüllenden Vorstellungen ihrer frühruheständlerischen Gottheiten könnte nur die angeregte Phantasie späterer Generationen helfen, ihrer Kultur weiterhin einen bleibenden Platz in der europäischen Geschichte zu sichern. Dieses an sich vulgäre Ziel, Jahrhunderte später Attraktivität für nicht Erbrachtes, aber Vermutetes zu erheischen, leitete man mit einer gigantischen Zerstörungssucht ein. So beließen die Griechen in vielen Regionen kaum einen Stein auf dem anderen, Athen wurde gleich zweimal zerstört (1 Mal die Stadt an sich, ein Jahr später die Auffangläger). Man zerschlug Tonerzeugnisse, verbrannte die Bibliothek von Alexandria, in der zuletzt nur noch griechische Malbücher gelagert wurden, amputierte Gliedmaßen von Statuen und überlieferte in Schriftzügen nur Fragmente, ohne einen dezenten Hinweis auf den oder die Erbauer vermissen zu lassen.

So wurde dafür gesorgt, dass die wenig fruchtbare Nachfolgesaat göttlichen Wirkens von späteren Forschern nur noch fassungslos unter der Überschrift "Das Dunkle Zeitalter" getragen von der Anklage (gegen Unbekannt) "Himmel, was ist uns da wohl alles verloren gegangen" statuiert wurde. Das geschichtliche Dunkel wurde aber von der Weinseligkeit der Archäologen und Kunsthistoriker erhellt und durch ihre wissenschaftlich fundierte Vorstellungskraft belebt: "Wir haben nur sehr wenig, aber das ist klasse!" Nicht mehr die Begabung der Künstler und/oder Handwerker sollte maßgeblich für deren Ansehen sein, sondern die nachfolgender Generationen, in gutem Glauben Meisterwerke rekonstruieren zu können! Mit stoischer Beharrlichkeit weisen die armlosen vandalierten Statuen auf die barmherzige Eventualität, die in jeder archäologischen Fundgrube mitschwingt:

  • "Das könnte ein Trinkkelch aus der griechischen Klassik sein!" "Nein, zu primitiv gestaltet!"
  • "Hosianna, wieder mal ein dorisches Kapitell - aber es sieht so neuzeitlich aus...C14?" "Kriegen wir eh nicht genehmigt...aber sicher nicht nötig!"
  • "Oha, ist das der Kopf Xerxes?" - ...oder vielleicht doch der Schwippschwager eines thrakischen Dorfschmiedes, der sich darin noch nicht einmal selbst wiedererkannt hätte...der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Die Dorer

Um das Jahr 1000 v. Chr. sollte das Ende des altgriechischen Niedergangs durch den Spaziergang der Dorier durch Mittelgriechenland eingeläutet werden. In der frühen Forschung vermutete man, dass diese Wanderung mit einer brutalen Annektion und Unterwerfung des griechischen Volkes verbunden gewesen sein müsse. Ganze Städte sollten danach durch die neuen Aggressoren, die ihr Werk mit Flächenbränden abgeschlossen hätten, niedergemacht worden sein. Wie aber neuere Ausgrabungen zeigen, ist eher das Gegenteil zu vermuten. Die Brände waren offensichtlich von den Dorern gelegt worden, um die Einheimischen abzuschütteln! Verzweifelte Fluchtbewegungen konnten anhand der Liegesituation dorischer Skelette rekonstruiert werden.

Zahlreiche in der Zwischenzeit gefundene Inschriftenfragmente auf Säulenbasen oder unter Giebelbildern eigens gestifteter Tempel mykenischer Bauart preisen die Schönheit der einwandernden Frauen und Männer als göttliches Geschenk, ja, sogar als göttlichen Wink mit dem Zaunpfahl. Marketenderinnen wie Priesterinnen, Kämpfer wie waffentragende Dienstknaben - diese Immigranten sollten den göttlichen Auftrag erfüllen helfen, ein neues griechisches Volk zu gründen. Die Dorier hätten besser einen weiten Bogen um Griechenland gemacht, um den kleinasiatischen Raum zu erforschen. Das neue, frische Blut, das nun nicht mehr durch die Generationen göttlichen Inzests oder letztlich viel zu häufige Sexsklavenimporte aus Nordafrika verschnitten war, war der Grundstock für neue Erfolge in Forschung und Technik, für Anerkennung in ganz Europa und in diesem Zusammenhang auch aufgefrischte Kriegsgaleerenbesetzungen.

Die Polydore (poly, gr. πολύς oder auch ρεκόρ "viel, mehrere" Väter) nachfolgender Generationen nahmen in der "Wahlheimat" ihrer Ahnen mit neuem Selbstvertrauen die Geschichtsschreibung lieber selbst in die Hand, als sie von Nachkommen glorifizieren zu lassen. Sie gründeten wichtige Handelsflecken wie Epidermis und Pankreas sowie nach der Unterwerfung anatolischer Völker Orte wie Syphilis oder Gonorrhö. Auch frühe globale Zentren, namentlich Sodom und Gomorra, gehen auf die Gründung durch die Dorer zurück. Durch die Überfrachtung des damaligen nur stark begrenzt zur Verfügung stehenden Siedlungsraumes im Süden und Südosten Europas schwappte die Überproduktion auch sehr preiswert gefertigter Kulturgüter in die anderen Teile der damals bekannten Welt. Über Jahrhunderte sehr langsam und angeblich gesund gewachsene, aber längst verstaatlichte Betriebe der damals eher trägen Italer oder Germanen brachte diese Marketingstrategie "schmeiß es lieber weg, bevor Du's nochmal gebraucht brauchst" an den Rand des Ruins, was neue Konflikte heraufbeschwor. Aus heutiger Sicht kann man von den "Chinesen" des Altertums sprechen.

Die Dorer verstanden es geschickt, ihr Reich durch Handelsabkommen mit anderen mächtigen Völkern, den Assyrern als Nachfolger der Ägypter und den durch König Midas ultrareich gewordenen Pfrügiern, gegen Importe abzuschotten und im Welthandel dank der Entwicklung des im Vergleich zum "1-t-Krug" logistisch weitaus günstigeren "500-kg-Krug" entscheidende Vorteile zu realisieren. Zwischenzeitlich standen sie in urgriechischer Tradition einer Assimilation mit geistig überlegenen Völkern, wie den Böoten, Aiolern und den attischen Ioniern freundschaftlich gegenüber. Aus den Ioniern, Doriern und Böoten ging schließlich das Volk der Idioten hervor.

Die Griechen als Borg der Geschichte und vor allem ihre Geschichtsschreiber - denn Dichtung und Wahrheit war damals noch eins - taten ihr übriges. Ihr Meisterwerk aber sollte erst noch folgen:

Das klassische Griechentum

Mit der unangefochtenen Spitzenstellung in der Wissenschaft und den allseits gefürchteten Streitkräften stellte sich im Griechenland des vierten Jahrhunderts vor Chr. leise so etwas wie ein Gefühl der Übersättigung an Erfolg ein. Es wurde schnell klar, dass diese so noch nie vorher in Europa erlebte Dominanz in ihrer zu erwartenden Rezeption neben einer grauenhaften Niederlage, der Schändung eines ganzen Volkes in der schlimmsten Alternative dazu gipfeln würde: Langeweile!

Ausgerechnet zu Beginn der griechischen Klassik taucht der Name eines gewissen Herodotos von Halikarnassos, genannt Herodot, auf. Letztlich hatte es aufgrund seiner einfachen Herkunft aber doch nur zum geschichtlichen Protokollanten gereicht. Ein Grund, aber kein Hindernis, weiterhin seiner Leidenschaft zu frönen. Er war ein Geschichtsschreiber, aus dessen geistiger Nähe zur homerischen Unterhaltungsindustrie er selbst nie ein Geheimnis gemacht hatte. In der Überlieferung wird er als eines der hoffnungsvollsten Dramatikertalente beschrieben und war in seiner Ambivalenz zwischen Bespaßungshunger und Dienstbeflissenheit als Mann aus dem Volk gerade das, was das griechische Volk und vor allem die gesellschaftliche Elite nun brauchte.

Vorsichtig näherten sich die Historiker des 19. Jahrhunderts dem geschichtlichen Kern seiner Erzählungen und filterten gestelzte Dramatik, wundersame Begebungen, Herrscher als Sinnbild für Disziplin und Sittsamkeit, Frauen mit feenhafter Schönheit und seltsam unbestimmter Herkunft, die zum Schluss eines Kapitels Entscheidungen großartiger Tragweite fällten, gruselige Orakelsprüche, die die Zukunft in bestechender Präzision vorhersagen sowie Geschenke von höchstem Glück für die Rechtgläubigen sorgsam aus seinen Aufzeichnungen heraus. In diesem Licht erscheint er als Art Haus- und Hoflautmaler der oberen Schicht, der gerade mit der verächtlichen Schilderung der ägyptischen Gammelfleischproduktion für die Endlagerung und der griechischen Überlegenheit in den Perserkriegen seiner Nation ein unübersehbares Denkmal in der Geschichtsschreibung zu setzen beabsichtigte. In der Essenz konnte man ihm kaum ein Wort glauben und musste seine Aussagen über die griechische Klassik, an die man so gern glaubte, mühsam anderweitig mit Ausgrabungen und Sekundärliteratur aus dieser Zeit beweisen, um letztlich doch zum gleichen Ergebnis zu kommen: Alles war klasse.

Kriegshandwerk

Von Kleinasien aus schleppte sich im 8. Jahrhundert v. Chr. ein neues, politisches Selbstverständnis ein, das im antiken Griechenland auf idealtypische Voraussetzungen traf. Das Reich litt unter dem ständigen Zustrom fremder Völker, die die Grenze zu übertreten wagten. Es folgte eine Zersplitterung des staatlichen Gefüges in Hunderte von Stadtstaaten. Argos, Sparta, Athen und viel andere, auch kleinste Parzellen lebten ihr Nationalgefühl aus. Zusätzlich positiv beeinflusst wurde dieses Verhalten durch die geografische Abgeschiedenheit vieler Herrschaften im Ionischen Meer, wo sich gleich jeder einigermaßen Wortgewandte als großer Diktator fühlen durfte.

Dabei gelang es den Sendungsbewussten nicht, wie heutige Untersuchungen ergeben, auf der durchschnittlich nur etwa 65 m² großen Regierungsfläche andere Gesinnungen zuzulassen. Kriege waren daher an der Tagesordnung, die regelmäßig noch kleinere Regierungsbezirke zur Folge hatten, so dass sich einzelne Reiche sogar mit der Größe einer Küche oder eines Schlafzimmers begnügen mussten. Im Streit um bedeutsame Ressourcen, die gerade im einen Staat fehlten, im anderen z.B. aufgrund des Zugangs zur ebenerdig gelegenen Wasserstelle im Überfluss vorhanden waren, war die Gliederung einer permanenten Änderung begriffen. Ob und inwieweit dieser antike Hang zur Ausbildung von Satellitenstaaten bedeutsam für das sich entwickelnde Rollenverständnis zwischen Mann und Frau bedeutsam sein könnte, bleibt unter FeministInnen umstritten.

Pythagorean.png

Wie in der griechischen Geschichte üblich mussten also die Götter zur Lösung angerufen werden, ein Denker beschäftigte sich mit dem Problem oder eine Seuche raffte alle Involvierten hin. In diesem Falle sollten die Auseinandersetzungen fortwähren, bis der Mathematiker, Religionsphilosoph und Sternenkundige Pythagoras die Konflikte einer quadratischen Streitordnung unterwarf. Er hatte festgestellt, dass die meisten Kriegsschauplätze durch die drei möglichen Stellungen im Krieg "Pro-Gegner", "Contra-Gegner" und "Kriegsgegner" die Form eines rechtwinkligen Dreiecks hatten. Durch die vielen auch verwandtschaftlichen Verflechtungen gab es beim Aufeinandertreffen unterschiedlicher Meinungen und Konflikte (s. Schema unter a und b) oft Parteien, die sich gutmenschlich oder aus familiären Motiven als Schlichter (s. Schema unter c) berufen fühlten. Pythagoras' Berechnungen ergaben, dass im Rahmen dieser Parteilichkeiten die jeweilige Teilmenge der Gegner in quadratischer Grundordnung auf den durch die Frontlängen a und b vorgegebenen Flächen beliebig erhöht werden konnte, wenn beiden Lagern als "Pro" und "Contra" im gleichen Maße genug Schlichter auf der dem Kriegsschauplatz angrenzenden verbliebenen Fläche C gegenübergestellt werden konnten, was bei der damals schon stark verbreiteten Vetternwirtschaft und nur im Ernstfall zu entwirrenden Beziehungsgeflechten auch nachbarschaftlich-hinterhöflicher Prägung nicht allzu schwierig war.

Den einsichtigen Griechen war schnell klar, dass unter diesen festgesetzten Voraussetzungen, im 90°-Winkel auf seinen Gegner zu treffen, ein Unentschieden vorgezeichnet war, bei dessen Ignorierung eine komplette Zerstörung beider Läger unweigerlich die Folge wäre. Letztlich kam man überein, dass solche Konflikte genauso sinnlos, aber viel menschen- und materialschonender in abstrakten Wettkämpfen ausgefochten werden konnten: die Olympischen Spiele waren geboren, die natürlich Zugeständnisse an das einstige Kriegshandwerk, wie

  • Laufen (sinngemäß Weglaufen vor dem Gegner)
  • Speerwerfen (Ziel- und Weitwurf)
  • Diskuswerfen (hier wurden familiäre Auseinandersetzungen i. S. eines Rosenkriegs mit der Vernichtung des Porzellans symbolisiert)
  • Hammerwerfen (das ganze Reich litt unter den handwerklich eher durchschnittlichen Leistungen, wenn nicht gerade für die Götter gearbeitet wurde) machten.

Perser oder Flokati?

Gründe für die Grundsatzfrage

Die aufgrund des Bevölkerungsdrucks schon an den Küsten des nahen Ostens und Nordafrikas siedelnden Griechen waren in den beschaulichen Polis Ihrer Heimat hochwertige Auslegeware gewohnt. Man konnte auch im Exil auf keinen Luxus verzichten, wie auf den eines komfortabel gestalteten Bodens für die strapazierten, aus Eitelkeit viel zu oft in viel zu kleine Sandalen gesteckten Füße. Die Wohn-=Staatsfläche sollte vor allem gemütlich sein! Die inländische Wirtschaft förderte freilich diesen "My Home is My Castle"-Anspruch und lieferte bereitwillig zu günstigen Preisen auch über Kreta und Zypern hinaus ihre berüchtigten Flokatis, die heute genauso wie damals hergestellt wurden. Dabei konnte mit der Florhöhe des Teppichs direkt auch die Erfolgsquote beim Schmuggeln illegaler Ware und Einwanderer eingestellt werden. Auch der Export gegerbter griechischer Ziegen-, Schafs- und Staatsfeindfelle sollte sich als großer Erfolg für die griechische Außenwirtschaft erweisen. Viele dieser freimütigen Importeure hatten ihre Heimat im nach Anatolien ausgedehnten persischen Reich gefunden, so dass Xerxes dieses Kaufverhalten mit großer Sorge für dessen Teppich-Industrie sah.

Die auf griechischem Terrain lebenden Idioten hatten wegen ihrer böotischen Abstammung als einstiges Bergvolk große Probleme mit der Existenz in der attischen Ebene. Die Assimilation dieses Volkes gestaltete sich im Zeitablauf aufgrund des immer uneinheitlicher gewordenen Gefüges in der griechischen Gesellschaft immer schwieriger und führte schließlich zur teilweisen Auswanderung ins heutige Kleinasien. Mächtige persische Teppichmanufakteure überzeugte das aufgrund mangelnder Ausbildung sehr niedrige Lohnniveau, dort immer mehr Webereien anzusiedeln und das idiotische Volk gewissermaßen einzuxerxern.

Aber auch dieses Outsourcing und die Rationalisierung durch Wegfall von Brückentagen sowie der Einsatz von unternehmensweit einsetzbaren Produktionsstraßen-Läufern hielt den Umsatz- und Ertragseinbruch nicht auf. Nachdem durch das teils nächtliche Anlanden der griechischen Handelsgaleeren in improvisierten Hafenanlagen (durch sog. "Taschenhäfen"), die sich über die ganze Küste des Reiches verteilten und so schnell verschwanden, wie sie aufgebaut werden konnten, Maßnahmen wie Strafzölle keine Wirkung zeigten, sann Xerxes mit seinen Beratern immer noch nach einer unblutigen Lösung. Während die Teppiche wie in Griechenland vor allem von der kompletten Familie hergestellt wurden, garantierte er nun mit der künftigen persischen Produktgeneration die Kinderarbeit, um dem Käufer das schlechte Gewissen hausfraulicher Doppelbelastung zu nehmen und zu zeigen, dass auch die in antiken Kulturkreisen ehrenwerte ältere Generation gewiss nicht in die Produktion involviert war. Des Weiteren zog er ein beispielloses Handelsnetz auf, das bis Thrakien, gar Makedonien reichte. Psychologisch geschulte Drückerkolonnen durchzogen griechische Siedlungen mit einem rigorosen Verkaufsdruck, pro Tag ein bestimmtes Soll erfüllen zu müssen. Auch an den geografischen Grenzen wie den Dardanellen postierte er Händler, die Reisenden nicht von der Seite zu weichen hatten, bis der Teppich endlich verkauft war. Der Vorteil der griechischen Seite lag aber weiter klar in der einfachen Produktionsweise, die mit der Erfindung besonders schneller Schiffchen auf den mechanischen Webstühlen weiter optimiert werden konnte. Man schätzt, dass damals während der Produktion eines Persers zehn Flokatis (gr. Festlandgrieche) hergestellt werden konnten.

Ein Blick auf die antike Karte (der italienische Stiefel war noch nicht fertig und Griechenland noch unverbaut) zeigt den Verlauf: hingerissen zwischen Verlusten durch hohe See und verruchte Häfen

Unbemerkt von den Persern war ein "idiotischer Bund" installiert worden, der die wichtigsten idiotischen Städte lose miteinander verband. Sogar eine Stadt in der Sahara sollte zu den Gründungsstädten gehören. Nachdem er zunächst mehrfach dem Ratsausschuss des Bundes ferngeblieben war, teilte der Bürgermeister aus der fernen Wüste gekommen mit, dass er sich vergründet und seine Stadt Samos in der nördlichen Ägäis neu erstellt hatte (für Interessierte: ganz einfach mit dem Gründervater-Befehl "makedir").

Historiker rekonstruierten zur Gründung Samos

Der entscheidende Vorteil des Bundes war der Fortschritt in der Informationstechnik durch Entdeckung der Tag- und Nacht flackernden Fackel, wodurch wichtige Neuigkeiten nunmehr auch im Dunkeln ausgetauscht werden konnten. Nachdem man den verheerenden Stadtbrandt der Stadt Milet versehentlich als gigantische Lohnerhöhung der in der persischen Perserindustrie wirkenden Arbeiter gedeutet hatte, erhoben sich die Idioten der umliegenden Städte gegen den Konzern. Xerxes sah als einzigen Ausweg aus diesem Dilemma die Handelsspionage, also einen kalten Handelskrieg, um mit den revolutionären Weber-Schiffchen der klassischen Griechen in die Fixkostendegression zu kommen. Aufgrund der den Bosporus versperrenden rebellierenden Idioten stand nur der Seeweg offen.

Schlacht von Salamis

Es gibt zwar mehrere Vermutungen zum Schlachthergang, der Version von Herodot wird aber der höchste Wahrheitsgehalt beigemessen.

Xerxes sei in Trauer über den kommenden Tod seines Vaters gewesen - Seher des Zukunftsministeriums hatten ihm dies mitgeteilt -, als er nach einer passenden Überfahrt in den Mittelmeerraum suchte. Im Grunde boten sich nur die Dardanellen an, wenn die potenziellen Kriegsgegner den Konflikt noch erleben sollten. Die Zeit tat Not. Schließlich hatte er an die 150000 Soldaten, ausgestattet mit Panzern und modernsten Waffen im Schlepptau. Der Weg war vorchristlich weit und die Untiefen im ägäischen Meer gefürchtet. Die Logistik gestaltete sich außerdem als extrem schwierig, da das Heer sich durch die ohnehin schon ärmlichen Gegenden Anatoliens gefressen hatte, von dem sich das Land bis heute nicht erholen konnte. Jeder Tag eines längeren Aufenthalts ätzte sich gewissermaßen durch die Erdkruste wie konzentrierte Säure. Die Perser hatten dabei das große Glück, dass die Teppichbetriebe an der Küste Schwimmbrücken vorbereitet hatten, die aufgrund ihrer Saug-, Dicht-, Schwimm- und Tragfähigkeit auf einem Quadratmeter einen Mann plus Ausrüstung ans sichere Ufer bringen konnten.

"Stolz füllte sich der Horizont mit schier schwebenden Rössern und Reitern, mit Lanzen und blitzenden Schwertern bewaffnet. Langsam näherten sie sich der fremden Küste mit streng entschlossenem Blick, den Abschied von der Heimat im Herzen und den Ruhm vor Augen. Xerxes schwamm vor und wies den Weg gen Athos. <<Durch das Eiland ist unser Weg, um nicht Opfer der griechischen Mordbrenner zu werden>>, proklamierte er."

Die Rede war natürlich vom berüchtigten griechischen Feuer, der ABC-Waffe des Altertums. Mit ergreifenden Worten schildert der Geschichtsschreiber, wie sorgfältig man darauf bedacht war, die Griechen selbst nach erfolgter Kriegserklärung derart zu überraschen, dass ihnen im Anblick der persischen Übermacht nur die bedingungslose Kapitulation übrig bliebe. Das Problem war nur, nachdem man sich mühsam durch die Athos-Halbinsel gegraben hatte, den Gegner auch zu finden! Athener, Attiker, Böoten, Idioten, Spartaner und die Thebaner von den südlicher gelegenen Salmonellen stellten sich mit nur 1000 Mann der Übermacht und suchten danach in den heimischen Gewässern rasch das Weite. Die Perser mit ihrem riesigen Kriegsmoloch aber waren zu träge, um ihnen gleich folgen zu können. Mit ihrem Grundbedarf an Lebensmitteln und sonstigen Dingen des täglichen Lebens hatten sie sie die die Gegend um Attika komplett ausradiert, bevor sie überhaupt hätten zur genüsslichen Plünderung schreiten können.

Dazu Herodot: "Als wollte die Natur das böse Spiel mit grimmigen Humor verlachen oder der durch Krieg verwüsteten Nachwelt wenigstens eine schöne Erinnerung schenken - Xerxes Mannen schritten mit finsterstem Blick durch blühende Blumenmeere aus Wildnarzissen und fühlten sich im Herzen ziemlich schamhaft vor ihrem Herrscher und hielten die Köpfe geneigt. Die Träger hatten Leonidas, Xerxes teurem Feind an den Termopylen, einen der tapfersten Sparten auf ihrer Bahre, doch keine Kriegsbeute, die sich nicht schon im Magen seiner Leute befunden hatte. Aus Gram hatte man sogar die Honigbienen des Berges Hymettos gejagt, in den Heiligtümern Flammenkelche umgestoßen und den Priestern ihre Knaben geraubt, Statuen entmannt und als größten Frevel an jede freie Wand geschrieben, dass es nur einen Gott gebe. Lieber hätten sie wohl Jungfrauen und -männer entjungfert, mit Wein gevöllert, anstatt dicke Tränen geweint und die Städte gebrandschatzt, die schon verbrannt waren. Da ward kein Schatz mehr und gäbe es nun die Gelegenheit dazu, die Lust dazu hatte sie verlassen."

Nach der Niederlage an/in/bei/in der Nähe von den Termopylen, einer Art natürlichen Engstelle an der Grenze zu den Binnengriechen (Herodot: "Und es gehe eher ein Kamel durch die Termopylen als ein Perser in Griechenland einen Perser verkaufe!") sollte sich die Verlagerung des Konfliktes zur See für die Griechen als überlebenswichtig herausstellen. Das verschaffte ihnen den entscheidenden Vorteil, auch bei einer Übermacht von eins zu 150 zu bestehen, da sie als Halbinselvolk keine Angst zu haben brauchten, im Falle einer Niederlage nach Hause schwimmen zu müssen. Herodot beschreibt als Ort der eigentlichen Auseinandersetzung der Perser mit dem unverhofft schlechten Wetter, in dem diese Tausende Schiffe verloren: die Meerenge bei Elysium, dem Altersruhesitz der griechischen Götter! In der Aufzählung deR ersten TragödiendichterIN Ayshes offenbart sich das ganze Fiasko:

  1. 5000 Mann wurden nach Elysium gelockt und nicht wieder gesehen
  2. bei Athos verloren die Perser 2000 Schiffe
  3. bei der Insel Psyttalia 3500 Schiffe
  4. beim Isthmus von Korinth 2000 Schiffe
  5. und im Hafenviertel von Piräus verloren sie 1000 Männer.

Herodot dazu: "Durch ärgstes Schicksal, dem Zorne Poseidons, ihre Schiffe bis auf die Zahl von drei zu zerschlagen und der Verweigerung des Kriegsglückes durch Ares, seine Früchte eitel lieber selbst zu behalten, gereichte ihnen der stolze Krieg zur lachhaftesten Peinlichkeit in der griechischen Welt. Wie aufmüpfige Hunde ihren Herrn mit dem Stiefel begreifen, so landeten sie mit blutigem Blick und zerbrochenem Herzen an der salamistischen Küste, um den Griechen zu... [Herodot war tot, vermutlich handelt es sich bei ihm um eines der letzten griechischen Opfer des Perserkrieges]"

Xerxes war durch seine Niederlage gezwungen, ein Handelsabkommen über die nun festgesetzte Aufteilung des Teppichmarktes zwischen Europa und dem Nahen Osten abzuschließen. Die Griechen waren froh, die nächsten Jahrhunderte nichts mehr aus der südwestlichen Ecke der bekannten Welt erwarten zu müssen. Die Perser waren zwar nicht an die Baupläne der schnellen Weber-Schiffchen gekommen, richteten sich aber in Aleppo die erste Wettergott-Station der Geschichte ein.

Salamis.png

Nach der zweiten Theorie soll das beliebte Spiel "Schiffe versenken" erfunden worden sein. Xerxes nahm zu Land mit seinen Gegnern den besten Platz ein, um dem Treiben auf dem Meer folgen und die Schiffe dirigieren zu können. Leider schien der saronische Golf für solch eine beträchtliche Anzahl von Streitern in etwa genauso unterdimensioniert zu sein, wie das Gefährt gleichen Namens für einen Familienurlaub mit vier Personen. Man hatte schlicht zu wenig Platz für Krieg! So unterteilte man das Schlachtfeld in zwei außerhalb der jeweiligen Sichtweite gelegene, gleich große Flächen, die man wiederum in hundert gleich große Einheiten teilte. Dort postierte man pro Seite 35 Schiffe, die je nach Größe auch mehrere Felder einnehmen konnten.

Jede Seite, Eurybiades und Themistokles auf der griechischen und Xerxes auf der persischen, übergab dem Gegner in der neutralen Zone ohne Einsehbarkeit der Schlachtordnung des Anderen die vermutete Position des feindlichen Schiffes auf der eingeteilten Fläche. Lag man mit seiner Vermutung richtig, musste vom gegnerischen Oberbefehlshaber zähneknirschend der Befehl zur Selbstzerstörung des eigenen Schiffes gegeben werden. Derjenige sollte siegen, der zum Schluss noch Schiffe übrig hatte. Da aber insgesamt enorm viele Schiffe beteiligt waren, mussten derart viele Partien hintereinander gespielt werden, bis Xerxes Geduldsfaden riss. Ein schlechter Verlierer! Der saronische Golf war lt. Erzählungen des frühen Mittelalters aufgrund der Wracks über Jahrhunderte nicht mehr schiffbar.

Philosophie

Griechenland hatte als außenpolitisch sehr aktiver und diplomatisch bzw. militärisch erfolgreicher Staat den großen Vorteil, die sich anschließenden philosophischen Fragestellungen über den Sinn des Daseins, die Ursache des Wettstreits als gelebte Massen-Klaustrophobie (?) oder Probleme mit Individualitätsbestrebungen assimilierter Anhängiger anderer Religionen aus eigener Kraft und in Ruhe beantworten zu können. Dazu kam, dass wie im bulgarischen Fußball Mitte der 1990er Jahre zur Kernperiode der Klassik einige Hochbegabte das Licht der Welt erblickten: Aristoteles, Sokrates und Platon.

Die griechische Philosophie sollte dabei vor allem helfen, die Griechen erwachsen werden zu lassen. In weiten Teilen der Bevölkerung vertraute man noch auf sein in den theologischen Schriften für jeden in göttlicher Handarbeit garantiertes einzigartiges Schicksal. So wartete man im Grunde nur auf eine weitere Folge des göttlichen Unterhaltungsprogramms und vernachlässigte das gesunde Misstrauen, ob nicht vielleicht auch andere elementare Gesetze im Spiel sind, die Geschick aller zu lenken. Dieses religiöse Verständnis war für die Mächtigen nicht unpraktisch, bedingte es doch nur einen guten Draht zu den Priestern, um das Volk zu regieren. Die Schwachstelle des Systems waren damit natürlich die Priester der zahlreichen Tempel und Orakel, die dauernd neue Vetos einlegten und schließlich sogar selbst Regierungsmitsprache forderten, was sie inoffiziell über die Orakelsprüche als eine Art Guerillataktik längst taten.

Letztlich half nur die Erfindung einer neuen Wissenschaft namens Philosophie, die sich bis heute noch bescheuerte Fragen stellt, um letztlich die reale Welt frei von Götterglauben zu erklären und diesen als Freizeitbeschäftigung in ein beherrschbares Ressort zurückzudrängen:

  • Was bin ich? - Das heitere Beruferaten fußt im Ursprung auf der sokratischen Erkenntnis, dass man nur weiß, nichts zu wissen. Damit stellt man den Anfang des philosophischen Denkens überhaupt fest. Erst mit diesem Zugeständnis an die Realität des endlichen Denkens funktioniere der Kreislauf
    • vom unbewussten Nichtwissen
    • zum bewussten Nichtwissen
    • zum Scheinwissen
    • zum Halbwissen und letztlich
    • zur Erkenntnis, dass man es immer noch nicht weiß.

Als Parallelwelt dazu wurde und wird die Frage behandelt, welche Voraussetzungen gegeben sein müssten, um die eigene Existenz überhaupt widerspruchsfrei erklären zu können. Sind wir vernunftbegabte Körperlichkeit, ein Zellhaufen oder nur eine Einbildung unser selbst?

Dabei lief die philosophische Gedankenwelt heute wie damals auf Grund, wenn sie die menschliche Sinneswahrnehmung als zentralen Grund für Täuschung, Lug und Trug über die wahren, reinen Dinge einer vergeistigten Metaebene und ihrer Abbildung in der realen Welt anklagte, aber gleichzeitig nicht wußte, inwieweit die Sinneswahrnehmung selbst eine Täuschung der Sinneswahrnehmung der Sinneswahrnehmung war. Anders ausgedrückt: wir denken, dass wir denken, aber vielleicht lassen andere uns denken, dass wir denken? Oder: wie lassen sich Gedanken, Wissen und Wahrnehmung eines Wesen unterstellen, das gar nicht existiert, aber denkt, dass es existiert? Vielleicht denken sich die Gedanken selbst oder erschaffen ein hypotethisches pyroklastisch geborenes Urstromvieh mit knapp 1500 g Gehirn und viel zu kurzen Beinen, das sich im Moment der Geburt selbst verbrennt, aber denkt, es existiert eine halbe Ewigkeit.

Sobald solch eine unweigerlich auftretende Pattsituation mit den eigenen Waffen der Philosophen hergestellt war, starb der betreffende Denker meist aus Gram und die Welt wartete auf einen neuen Erklärer derselben mit frischen und neuen Ansätzen. Der Weg ist das Ziel: So wurde unspektakulär ein gesellschaftliches Gegengewicht mit Hilfe von Problemdauerschwangerschaften zu der heilsverkündenden Priesterkaste geschaffen.

Orakel von Delphi

Wissenschaftlich aufgegliedert entpuppt sich das Orakel als an alle Eventualitäten angepasste antike Gelddruckmaschine

Für den Menschen diente das Orakel von Delphi in diesem Zusammenhang als Akt der Verschwägerung zwischen Glauben, Nichtwissen, Schein und Sein und hatte vor allem zwei Aufgaben. Zum einen diente es als Sandbox, als Labor zur Überprüfung der Richtigkeit des vorher in Gedankenmodellen Durchgespielten und zum anderen als antikes Google, mit der Einschränkung, dass die Sucherergebnisse nicht so schön nach Relevanz sortiert waren.

Das Orakel war seit Beginn der griechischen Klassik der zentrale Ort der Begegnung zwischen Mensch und Gottheit und vereinte in sich die Ambivalenz des Lebens zwischen glücklicher Verheißung und schrecklicher Ankündigung von Enttäuschung, Erniedrigung, Selbstaufgabe, wie unterbezahlten Festanstellungsverträgen, der Hochzeit mit der eigenen Mutter und dem Tod. Bereits vor Gaias - der Erdenmutter - Ruhestand sah sich der eitle Apollon trotz Tempelneubauten im ganzen Reich nicht mehr genug gewürdigt und wie heute jedes Kind neidisch auf die modernen Kommunikationsmittel des Anderen. Wie sich seine Uroma aus heutiger Sicht nur im Halbduplexverfahren mit den Menschen verständigte, war damals das Non plus Ultra. Es würde ihn befähigen, über eine flott mit Taschenspielertricks beeindruckte Priesterin, über das Sekretariat seine Wünsche direkt an die Gläubigen zu übermitteln, wenn er als Gegenleistung ein bisschen in die Zukunft schaute. Die Zukunft selbst kannte er zwar auch nicht, würde aber mit Hilfe diverser Quellnymphen, Zwerge, Berggeister und willfähriger Halbgötter so nachhelfen, dass die Weissagung sich als richtig erweisen würde. Geschickt unterstellte er Gaja eine beginnende Demenz und fehlende Fitness, den täglichen Kentauren nicht mehr selbst besteigen zu können - obgleich auch andere Gutachten vorlagen - um die Verrentung einzuleiten. Die von Apollon eifrige betriebene Legendenbildung berichtete davon, dass sie den Ort des Orakels vergessen habe, der damals der Mittelpunkt der Welt war und es noch für lange Zeit - bis zu einem erschütternden Erdbeben, bei dem sich die Koordinaten in Richtung Westen veränderten - bleiben sollte.

Hinter den Kulissen

Zwar war die Schnittstelle zwischen Pythia, der Priesterin und den Ratsuchenden klar - man fand eine Art Wartezimmer mit in Stein gemeißelten Unterhaltungsversen aus der klassischen Literatur. Betrachtet man aber die Orakelsprüche, so fällt die Schwülstigkeit der überlieferten Hexameter auf.

"Duft von Schildkröte ward mir bewusst, dem gepanzerten Tiere,
Die in ehernem Kessel gekocht wird, und Stücke von Lammfleisch,
Erz ist darunter gelegt, und Erz wird ruh'n auf dem Kessel."

Altphilologen bestätigen, dass im antiken Griechenland niemand bei klaren Sinnen jemals so schwülstig gesprochen hätte. Die rätselhafte Art der Kommunikation zwischen Apollon mit Pythia wurde, allerdings nur per Zufall bei geologischen Untersuchungen auf dem Gelände, erhellt. Man fand über 2000 Jahre alte Kiesverschüttungen im engeren Tempelbezirk, weil man vor allem nach der Ursache des strengen Geruchs war, der schon Jahrhunderte zuvor Forscher und Touristen von dem Areal ferngehalten hatte. Man hatte schon schon leck geschlagene, illegal angelegte Abwasseranlagen vermutet, die natürlich auf keiner Karte verzeichnet gewesen wären. Nach der Beseitigung von Bergen antiken Aushubs mit schwerem Atemschutzgerät sichtete man dichte, gelbliche Nebelschwaden, die aus Erdritzen ungefiltert in die Höhe waberten.

Sie stammten aus etwa fünf Meter tief liegenden Thermalquellen, die ein Gemisch aus heißem Wasserdampf mit einem hohen Schwefelanteil absonderten. Das letzte Puzzlestück schien geliefert und damit auch die seltsamen Orakelsprüche, die über "ja", "nein" und "vielleicht" hinausgingen, geklärt. Durch die Dämpfe verursachtes erhebliches Unwohlsein und zeitweilig eingetretene Bewusstseinsstörungen musste bei den Priesterinnen eine anerkannte Berufskrankheit Art Trancezustand eingetreten sein, den Apollon zur Kommunikation mit dem Fragestellenden im Zug-um-Zug-Geschäft zwischen Respektbezeugung des Gläubigen, Orakelanrufung, Respektbezeugung des Gläubigen, Orakelbezahlung, Respektbezeugung des Gläubigen, Orakelauslieferung und damit dessen Erfüllung brauchte.

Endlich wurde Homers verwirrt klingender Vers verstanden, den er in Delphi geschrieben haben will:

"17 Jahr, blondes Haar, so stand sie vor mir, 17 Jahr, blondes Haar, wie find ich zu ihr?"
Bedeutung für die griechische Klassik

Angesichts der verschwendeten Jugend und Jungfräulichkeit von Priesterinnen, die kopfüber die Latrine im Visier hatten, wenn sie nicht als Gegensprechanlage im Rahmen göttlicher Beweihräucherungsorgien fungierten, kann der Orakelkult als ein archetypisches Merkmal für die Dekadenz des klassischen Griechenlands angesehen werden. Überall fehlte die Herausforderung des Alltags und nun wurde sogar die Zukunft domestiziert. Geschichtsschreiber berichteten von pragmatischen Zeitgenossen, wie König Krösus, der nur deshalb so reich geworden war, weil er jede Investition vorher mit dem Orakel abgeglichen hatte. Kriege, die nicht gewonnen werden konnten, wurden nicht gefochten und erhöhten die Effizienz des Militärs. Auch Verliebte schlenderten zum Hang des Parnass, um das Schicksal über die Dauerhaftigkeit der Liebe zu befragen. Oft genug schlug die freudige Erwartungshaltung in eine zornige Auseinandersetzung um, wenn Fremdgehen prognostiziert oder Heiratsschwindel entlarvt (Orakel: „Du erschienst genau vor Jahr und Tag, mit ner andren Frau, doch der gleichen Frag'“) wurde. Oft wurden zum Vergleich andere Hellgesichtige auf dem gleichen Gelände beauftragt, die später in der römischen Geschichte als Theurgen auftraten (Kunstwort aus "Chirurg" und "Therapeut", da man die Psyche damals irgendwo im Körper vermutete). Nicht selten ließ man sich in verkleidetem Aufzug die Dienste doppelt und dreifach bezahlen.

Wenn Betroffenene der Orakelpriesterin zu viele Goldstücke in zu kurzer Zeit überantworteten, so berichtete einst Athanis von Syrakus, konnte damit ein vernichtender Spruch ins Stocken geraten. Die Dame geriet furchtbar ins Stottern und jedes Mal, wenn sie sich berichtigte, verbesserte sie für den Anfragesteller auch den Inhalt der Weissagung.

Berühmte Orakelsprüche Delphis

Als Gaia noch die Wetterstation betrieb, ließ sich der mächtige, aber leider ebenso geizige phrygische König Midas sein Schicksal weissagen. Midas galt in der Antike als Trottel eher wenig begabter Herrscher, der unter seinem Schicksal litt: Sein Vater Gordios hatte sich 30 Jahre zuvor mit seiner Leibgarde aufgemacht, in Verhandlungen mit den Feinden des Reiches, den Kimmerern, zu treten. Midas wollte endlich Gewissheit haben, dass der Vater wirklich nicht mehr zurückkommt, um den Thron endgültig einnehmen zu können und befragte das Orakel nach dem besten Zeitpunkt für seine Reise, um nach dem Rechten zu sehen. Der Nachteil war nur, dass die Aussagen umso verschlüsselter und mehrdeutiger waren, je weniger man bereit war, zu zahlen:

"Morgenstund' hat Gold im Mund"

Nun wusste er nicht genau, ob man nun "morgens" oder an dem der Orakelbefragung folgenden Tag, "morgen" eben, aufbrechen sollte; war es klüger, sinnbildlich mit einem unförmigen Nugget zwischen den Lippen zu schweigen, den Anderen damit zu bestechen oder wäre ein Redeschwall wider die Feinde Gold wert sein? Er ließ durch seine Mathematiker den nächsten Tag als idealen Starttermin berechnen und legte sich für den schlimmsten Fall eine gute Rührgeschichte für die Kimmerer zurecht. In Kappadokien stieß er auf deren geordnetes Heer, das durch die Spione des Feindes in Delphi bereits bestens platziert worden war. Auf der Flucht aus einer schier ausweglosen Situation verschluckte er sich auf dem Pferd reitend an jenem Goldklumpen, den er vor seinen Feinden verbergen wollte. Das alles geschah lange vor der Mittagszeit, so sollte der Spruch auf schreckliche Weise Recht behalten und Midas ewig Opfer der mythologischen Kolportagereporter werden, die ihm andichteten, dass alles, was er einst angefasst habe, zu Gold geworden war.

In einer in Griechenland bis dato völlig unbekannten Sprache erhielt Phillip II., Vater Alexander des Großen, Antwort auf seine Frage, wie lange die Macht seines legendären Heeres in Makedonien währen würde.

"Veni vidi vici"

Literatur

Die besondere Form der globalen Überlegenheit zeigte sich darin, dass man sich sogar über diese aufregte und Gegenmaßnahmen betrieb, um dem sonst unvermeidlichen Ruhm ein Schnippchen zu schlagen. So verfasste man mit einem Vorgefühl des Ekels Epen bewusst sehr mangelhaft, um sich vom widerlichen Erfolgsklischee befreien zu können. Doch nur die berühmtesten Autoren konnten sich die Hilfe von Schriftkundigen aus der Abfallwirtschaft (gr. απορρίμματα) leisten, um eine glaubwürdige Verschlechterung der Ausgangsarbeit bewerkstelligt zu bekommen, die eine Rückschluss auf die wahre Qualität nicht mehr erlaubte.

So haben auch Autoren wie Poseidippos von Pella ihre Karriere mit dem professionellen Verschlechtern von Texten begonnen:

  • Das Einstreuen von Rechtschreib- und Grammatikfehlern auf Hunderten von Seiten war sehr viel Arbeit und verbrauchte später Generationen von Altphilologen.
  • Entfernen wichtiger Passagen - was allerdings später von Altphilologen unter der ÜberschriftFragmentlyrik“ gefeiert wurde – als hätten die antiken Autoren es geahnt, ließen sie früh von dieser Variante ab.
  • Beseitigung des Roten Fadens - an sich einfach gehaltene Dramen in klaustrophobischer Kammerhaftigkeit wurden durch inflationär hinzutretende Figuren und zusätzliche Handlungsorte und -stränge extrem kompliziert und verworren. Geht es eingangs noch um die Liebe zweier unbetuchter Kinder vom Land, liegt man im nächsten Set dickbäuchig am Traubentropf. Hauptpersonen sterben unerwartet früh, tote Bösewichte siegen in ihrer Unmoral und am bewusst nicht verschlimmbesserten Schluss bleibt als Krönung eine Tat übrig, die bedingt, dass der schon längst Ermordete nicht tot sein dürfte. [2]
  • Einstreuen alberner Pointen – aus einem gottesfürchtigen Werk zu Ehren Aphrodites und Ares konstruierte man eine Glosse mit einem Antihelden namens Diomedes. Dieser verletzte als Mensch die Götter - unvorstellbar! - nicht nur in ihren Gefühlen aufgrund unterlassener Betleistung, sondern auch körperlich. Das war so lachhaft, dass Homer Inc. nach seinen literarischen Ergüssen noch halb bewusstlos selbst das Werk irritiert zurückzog, weil er nichts mehr verachtete, als nicht ernst genommen zu werden. Schließlich sollte eine private Pleite die erneute Veröffentlichung der ersten "Göttlichen Komödie" in einer nur leicht überarbeiteten Fassung ermöglichen, in der er doch mit bewusster Über- und Untertreibung arbeitete.
  • Heroischer Tatendrang wird zu unkontrollierbarem Harndrang - Helden, die über weite Strecken des Werks entweder auf der Schüssel saßen oder/und eine oder mehrere Geschlechtskrankheiten auszukurieren hatten.
  • Übermäßiger Gebrauch von Special Effects"
    • Nicht nur die Sternenkundigen kennen das berühmte, aber auch arg strapazierte Bild: Die Jungfrau mit schlampenhaften Zügen und "bitchiger" Sprache, hier Andromeda, Tochter der Kassiopeia, findet sich nach einer heftigen Party mit ziemlich strangen Typen an den Fels geschmiedet wieder und überschüttet den Strand mit furchtbaren Flüchen, gegen die das Necronomicon wie ein Kinderbuch wirkt. Da kommt ganz zufällig Perseus vorbei.

- Er hatte gerade eine entfernte Verwandte namens Medusa besucht, um mit ihrem Blick die antike Bauinfrastruktur zu revolutionieren. Durch den grässlichen Anblick auch der toten Gorgone wurde alles zu Stein (aus der gebildeten Oberschichtlerin war in der übereifrigen Nachbearbeitung eine giftpfeilverschießende Schlange mit menschlichem Antlitz "geworden" - Anm. d. Red.). Perseus hatte darin erhebliches Potential aufgespürt, da dadurch beim Säulenbau Menschen, die viel leichter zu transportieren waren, verwendet werden konnten. Auch teure Bildhauer konnten so weitgehend wegrationalisiert werden.

Den Kopf voller outsourcender Ideen, die die Welt verändern sollten, trifft er also am Strand die schöne Andromeda, Tochter der Kassiopeia, die an den Fels geschmiedet worden war und geht ... einfach weiter.

    • Oder:In einem raffinierten Ränkespiel aus vertrauensbildenden Maßnahmen und darauf folgenden menschlichen Enttäuschungen werden riesige menschenfressende in Höhlen hausende Gestalten dekoriert, die normalerweise nichts weniger interessieren muss, als angewandte Psychologie, Verhandlungstaktik und Diplomatie. Damit es dann doch nicht zu langweilig wird, erhalten sie menschliche Züge mit derart starken Makeln, dass sie einem nur leid tun können. So wie der Hüne Polyphem aus einer Art Tragikomödie namens "Kyklops". Mit der Stärke von achtzig Männern bekam er nur ein einziges kurzsichtiges Auge gespendet. Das fehlende räumliche Sehvermögen litt zusätzlich durch eine ausgewachsene Alkoholkrankheit und die Heldenkomödie wurde zum Schmierentheater und schließlich wieder zum Klassiker.
  • "Soap Operating" - Ödipus im "Hotel Mama": Um einen eigentlich bewährten Stoff zu verhunzen, machte man vor keinem Tabubruch halt, auch um Zeiten mit Schauspielermangel am Theater zu überbbrücken. Der Held war zunächst - gefühlte fünf Minuten in der Handlung - ein braver Adoptivsohn, der seine wahre Identität suchte. Wer konnte sie ihm verraten? Vor der Kulisse von Delphi natürlich das Orakel, ... wenn die Priesterin wieder einmal nicht so high gewesen wäre. Sie redete eine Menge, aber sprach vor allem in Rätseln und prognostizierte mehrere Nebensjobs; als Besieger der göttlichen Sphinx, ohne es zu wollen, als Liebhaber seiner Mutter, ohne es zu wissen, als Mörder seines Vaters, ohne es zu ahnen und schließlich als Vater der Kinder seiner Mutter.

Diese Kinder sollten in einer Fortsetzung als sieben Streiter gegen Theben die ganze Stadt erobern! Es fehlte eigentlich nur noch die Zeitmaschine, die Bewaffnung mit Sturmgewehren und der Einsatz einer schmutzigen A(rsch)-Bombe, um wenigstens konsequent in der Übertreibung zu bleiben. Inspiriert von dem großen Erfolg - man beachte hierzu auch das sog. Mainstream-Paradoxon - kreierte man später weitere Abarten des Stoffes und schließlich erfolgte 2000 Jahre später der Film "Die glorreichen Sieben", in zwei Fortsetzungen.

Nichts war den Verschlimmbesserern heilig geblieben, kein Klischee, das nicht ausgehebelt werden konnte, keine Unlogik, keine Unmöglichkeit, die nicht doch munter auf der Bühne praktiziert werden konnte und keiner der inflationär eingesetzten Götzen und kein Monster zu fantastisch, um nicht dem Wunsch nach Einzelversagen des Schriftstellers gerecht werden zu können.

Doch der Zahn der Zeit heilt alle dramaturgischen Wunden: Eines der hanebüchendsten Beispiele dürfte die oft zitierte Odyssee sein, deren Titel ursprünglich nur ihren literarischen Zustand und vor allem die Reise zwischen Schriftsteller, Lektor und Verleger bezeichnen sollte. Dieser Sinn verlor sich über die Jahrhunderte und setzte einen tückischen Prozess in Gang, indem die eingesetzten Helden, Monster und Götter bis ins 20. Jahrhundert als künstlerische Freiheit und Auswuchs besonderer Kreativität und nicht mehr als Produkt gescheiterten Individualismus-Bestrebens übersättigter Erfolgsautoren angesehen wurde.

Die prärömische Zeit

Am Ausgang der griechischen Klassik steht Philipp II. von Makedonien und verlangt Eintritt, den Eintritt der Griechen in die makedonische Hierarchie aus Kleinbauern, Adligen, Soldaten und dem König. Dabei zeigte sich ein ernsthaftes Problem: er wurde von ihnen einfach nicht ernst genommen. Er eroberte ganz Thessalien und Thrakien, besetzte die Goldbergwerke und leitete den Ertrag in seine Schatzkammern, doch hörte er Demosthenes, den designierten Statthalter Athens fragen: "Wer ist eigentlich Philipp II.?" Im Nachhinein kann nicht mehr geklärt werden, ob es aus einer unreflektierten Sicht der eigenen Situation resultierte oder vielleicht doch mit System geschah. Jedenfalls animierte die allgemeine Ignoranz Philipp dazu, sich noch mehr zu profilieren. Er gründete mit seiner militärischen Oberhoheit den korinthischen Bund, um die vielen Poliis regierbarer zu machen. Man vernahm jedoch weder verzweifeltes Aufbegehren gegen die Okkupanten noch eine erhöhte Bereitschaft zum Selbstmord geschweige denn konspirative Treffen von Regierungsgegnern, die den Eroberungsruhm für jeden grausamen Herrscher versüßt hätten.

Als (wenigstens!) symbolischen Akt zur Deklaration der Überlegenheit beschloss man, makedonische Eulen in Athen anzusiedeln. Diese konnten aber keinen Nistplatz finden, da alle vakanten Orte bereits durch griechische Artgenossen besetzt waren und starben aus. Diese Auswilderungsaktion sollte durch ein versprichwörtlichte Handlungsanweisung persifliert werden, das zum beliebtesten in der ganzen Antike wurde. Auch der zweite Eulenkonvoi nach Athen in Form eines neuen Steuersystems und eines Pulks von Dichtern und Denkern rang den Erfindern von Feierabend, Leitkultur und Demokratie kein müdes Lächeln ab; man philosophierte ungestört über den Kosmos, die Erde, den Sinn der Monarchie, makedonische Schwächen und Philipps Restregierungszeit. Die Griechen begegneten dem lästigen Aggressor auf ihre Weise. Sie gaben ein Theaterstück über eine Art Bürgerkrieg, den "Lamischen Krieg", in Auftrag, das später sogar vom berühmten Plutarch adaptiert wurde. Das Skript, eigentlich eine Art Biografie eines schwer an Malaria erkrankten Feldherrs, beschrieb die heroische Befreiung von makedonischer Herrschaft in allen Einzelheiten und feierte den literarischen Sieg über die Importliteratur. Das Stück sollte zu einem großen Publikumserfolg werden, so dass sogar Philipp II. damit einverstanden war, weil er damit immerhin so ein bisschen Gegnerschaft und bürgerkriegsähnliche Zustände (wenn es zum Beispiel zu wenig Karten im örtlichen Amphitheater gab) im Land nachweisen konnte. Die Griechen waren nicht unzufrieden mit dem Lauf der Dinge. Weiterhin heilig war ihnen ihre Götter, die später sogar unter falschem Namen zum Handelsgut werden sollten und natürlich ihre schrebergärtliche Zufriedenheit.

Alexander der Große

Sein Sohn Alexander - vielleicht hatten die makedonischen Geschichtsschreiber doch etwas mit seinem Beinamen übertrieben - sollte es richten. Er machte aber den Fehler, die okkupierte Kunst und Kultur nicht wie später üblich preiswert im Ausland fertigen zu lassen, um hiesige Händler mit billigen Imitaten und überraschte Priester mit weniger kapriziösen Gottheiten ähnlichen Namens zu düpieren. Er sparte die Beförderungskosten und konfrontierte das griechische Volk mit den auf eigenem Boden produzierten Derivaten ihrer Leistungen. Der Vertrauensbruch zum neuen Tyrannen war vorprogrammiert. Die wichtigen Marmorsteinbrüche, Apollonoas auf der Insel Naxos und jener im Pentelikon-Massiv nahe Athen nahe wurden zunächst unrentabel. Die Not schien am Anfang Alexanders Herrschaft in Griechenland sehr groß gewesen zu sein, da trotz schleppender Nachfrage weiterhin ungeschmälert abgebaut wurde, um fehlende Essensrationen mit der Zugabe von Marmor zu kompensieren. Die vielen Inhaltsstoffe wie Chlorit, Kalzium und durch die Umwandlung des Pyrits in Eisenoxidverbindungen entstandener sog. Roteisenstein sorgten für einen gesunden Knochenbau, beseitigten den für die Bronzezeit sonst so typischen Eisenmangel, wobei die Nahrung mit einem zunehmenden Anteil von Marmor sogar noch einen natürlichen desinfizierenden Effekt hatten. Der Hüter des Parthenons muss große Mühe gehabt haben, sich diese Art antiker Mauerspechte vom Leib und den Schaden am Ausstellungsgut in Grenzen zu halten, bekam man doch so schon für wenige Drachmen die Möglichkeit, seine Zähne in den Marmor zu schlagen: "Die fressen mir noch die Haare vom Kopf!" hatte er unter einen damaligen Renovierungsantrag gesetzt - der übrigens in 2008 abschlägig beschieden wurde.

Immerhin füllten die Eintrittsgebühren zu den wichtigsten Kultstätten, dem Orakel von Delphi, der Akropolis und dem Poseidontempel in Paestum allmählich die Kassen der Gastgeber. Die auswärtigen Besucher aus dem Römischen Reich, die Ptolemäer als Herrscher über die Fellachen Ägyptens, die Parther, Seleukiden und Arsakiden strömten aus den nun von Alexander für den Außenhandel geöffneten Reichen. Sie brachten das Schmerzensgeld aus touristischer Quelle. Es war ein Wirtschaftszweig, der als antiker Vorläufer der neuzeitlichen Tranchen aus dem EU-Finanztopf wirkt, diesmal von ausländischen Wirtschaftsexperten gespendet, die immer noch genauso staunend durch die Ruinen griechischer Nachlässigkeit laufen. Nichts schadete dem griechischen Ego. Zehn Jahre nach Alexanders Machtantritt gegen 336 v. Chr. störte es niemanden, dass die einst mühsam aus dem Marmor befreiten ausdrucksstarken Figuren griechischer Helden und Götter gebührend bestaunt wurden, aber kurze Zeit später vom Okzident bis zum Orient als in Gips gegossene Unterhaltungsartikel auf dem Kaminsims standen oder in der Wühlkiste eines Bazars feilgeboten wurden.

Mit jugendlicher Energie brach er die zuvor beschaulichen Begrenzungen des attischen Seebundes, korinthischen Bundes , griechischen Reiches auf und strebte nach Osten, unterwarf die Diadochen, die Perser und eroberte noch halb Indien, weil es kein anderer tun wollte. Auf dem Krankenbett entsagte er der Schulmedizin, geriet als toter Held zur Legende und zum Modell für viele frühchristliche Christusdarstellungen.

Aeneas ist wieder da!

Die römische Expansionspolitik war durch Alexanders "Befreiungspolitik" vorweggenommen worden. Kritisch betrachtet befreite man sich hier vor allem von seinen eigenen engen Grenzen und die Unterworfenen von ihren ehemaligen Herrschern. Es sollte kein Volk mehr wie die Griechen geben, die ihre eigenen militärischen Niederlagen derart geschickt nutzen konnten, dass sie nur kurze Zeit nach der Annektion wirtschaftlich saniert waren.

Aeneas sah die Gunst der Stunde gekommen: Alexander, der Störenfried war tot. Die Makedonier unter mehreren anderen Philipps sollten sich im Römisch-Makedonischen Krieg Mitte des 1. Jh. v. Chr. bedeutend ungeschickter als die Griechen anstellen. So wurde ihre europapolitische Bedeutung für zweitausend Jahre (mit wenig Hoffnung für die Zukunft) komplett ausradiert.

Unter Aeneas' selbstverliebten Protektor Titus Quinctius Gaius Perseus usw. (er hatte mit dem Stolz des Kriegsherrn einfach alle Namen der Besiegten angenommen) wurde den griechischen Stadtstaaten versichert, weiterhin absolut selbständig zu sein, auch wenn man unter Glanz und Gloria in Athen einmarschiere: "Trick 17 mit Selbstüberlistung" möchte man denken, mit seiner Manier, bei Nichtbeachtung beleidigt "dann eben wieder gehen zu wollen", die wikipedianische Motorik von abschiedsverliebten Großeditoren zu bemühen. Nicht auszudenken, wenn die Griechen "Nein" gesagt hätten! Er verlangte obendrein noch Geld, Gold und Macht als Bestätigung und stand Pate für die später so oft gepflegte Geschäftsidee der "Schutzgelderpressung", die später noch in den Grenzen Italiens weiter kultiviert werden sollte. Doch wofür Geld, für welchen Schutz? Die Makedonier könnten sich sicher nicht mehr erheben.

  1. Griechische Ärzte werden übrigens nicht als Halbgötter angesehen!
  2. Aus diesem Konstrukt entstanden viel später die Zombiefilme, die den Makel zur Disziplin erhoben.