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Stan Libuda

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Stan Libuda in Arbeitsmontur

Stan „Reinhardt“ Libuda (* 10. Oktober 1943 in Stoke-En-Trent, England; † 1. Juli 1972 in Hannover) war ein großer deutscher Fußballer und Dribbelkönig. Stan Libuda, den viele nur „Reinhardt“ nannten, gilt unter Fachleuten noch heute als bester deutscher Rechtsaußen aller Zeiten.

Jugend

Stan Libuda wurde als Sohn des englischen Ausnahmefußballers Stanley Matthews im englischen Stoke geboren. Der Nationalspieler gab dem Jungen seinen eigenen Vornamen und legte ihm im Wahn, den Jungen unbedingt zu einem kleinen Abbild seiner selbst erziehen zu wollen, bereits zwei Tage nach dessen Geburt seinen ersten eigenen Fußball in die Wiege.

Im Zweiten Weltkrieg flog Stanley Matthews Luftangriffe auf Deutschland. Da er kein Kindermädchen für den Kurzen fand musste er diesen Notgedrungen mitnehmen. Es kam wie es kommen musste: Bei einem Luftangriff auf Gelsenkirchen im Januar 1945 ging der kleine Stan verloren und der große Stan kehrte nach England zurück ohne ihn jemals wiedergefunden zu haben.

In eine alte englische Luftwaffenuniform auf der der Name „Stan“ eingestickt war wurde der Kleine bald von einer liebevollen Familie aus Gelsenkirchen gefunden und wuchs dort im beschaulichen Haverkamp auf. Allerdings hatten seine Stiefeltern keine besondere Freude am Englischen Vornamen des Findelkindes und tauften ihn bald zusätzlich auf den eher unenglischen Namen „Reinhardt“ Früh zeigte sich sein großes Sporttalent und Stan Reinhardt Libuda wurde bald Mitglied mehrerer Sportvereine.

Karrierebeginn

Anfangs war Stan Reinhardt Libuda Mitglied sowohl im örtlichen Turn-, Leichtathletik-, Fußball-, und Boxverein. Nach dem dies länger gut ging und Stan in allen Bereichen Erfolg zeigte. Mit wachsendem Erfolg stieg jedoch der Druck - Es schlichen sich nach und nach Fehler in den Vorstellungen des jungen Libudas ein; Er verwechselte gelegentlich die Sportarten und machte sich dadurch keine Freunde.

Und so, nachdem Stan bei einem Boxkampf den Gegner zu Boden getreten, bei einer Leichathletikveranstaltung mehrer Bocksprünge beim Hürdenlauf vollführt hatte und im Turnverein einen Kampfrichter zu Boden geschlagen hatte blieben nur im Fußballclub die Türen nicht verschlossen. Was für Stan selbst keine Probleme darstellte, denn Fußballspielen konnte er noch am besten.

Erste Jahre auf Schalke

Als „Hosenscheißer der auffem Bierdeckel die Gegner ausdribbelt“ ,machte sich der Jugendspieler bald einen Namen. Mit 16 wurde Libuda Bergmann um die Aufmerksamkeit des größten Gelsenkirchener Fußballclubs zu erlangen – Dem FC Schalke 04, dessen Talentsucher sich in jenem Jahren fast ausschließlich unter Tage nach neuen Talenten umsahen. Tatsächlich bissen die Schalker Scouts an und Libuda wurde Mitglied bei den Königsblauen.

1961 gab Stan sein Debüt in der ersten Mannschaft des S04 und zählte bald zu den Leistungsträgern. Instinktiv hatte der junge Stan den Matthews-Trick seines Vaters (links antäuschen, rechts vorbei) übernommen. Obwohl er nur diesen einen Trick beherrschte trieb er seine Gegenspieler regelmäßig in den Untergang. 1963 nahm Bundestrainer Sepp Herberger Stan in die Nationalmannschaft auf und baute ihn direkt als Stammspieler ein. Doch dies änderte sich nach Herbergers Rücktritt 1964. Sein Nachfolger Helmut Schön konnte Stan nicht ausstehen. Zu sehr erinnerte Stan in seiner Genialität an den jungen Schön, der jedoch viel zu wenig aus diesem Talent gemacht hatte – und nun verhindern wollte, dass der Hosenscheißer aus Schalke dies tat.

Bald jedoch gerieten die Schalker in die Formkrise. Die Mannschaft spielte Fußball zum abgewöhnen und geriet in den tiefsten Abstiegssumpf.
Als 1965 der Abstieg der Knappen feststand wurden alle brauchbaren Spieler verramscht und in alle Himmelsrichtungen verteilt. Libuda selbst verschlug es ausgerechnet nach Dortmund, da der BVB das große Würfeln um Libuda gegen einen belgischen Erstligisten gewonnen hatte (gegen den er eben jenes Würfeln um Lothar Emmerich 4 Jahre später verlor – Aber das ist eine andere Geschichte).

Dann jedoch passierte das Unglaubliche. Der DFB gab offen zu, nicht ohne Schalke leben zu können und stockte die Liga auf 18 Vereine auf, um Schalkes Abstieg (und den des KSC) zu verhindern. Als Libuda dies hörte zerriss er sein schwarz-gelbes Trikot und heulte wochenlang ins Kissen.

Die Jahre im Exil

Stan und Calli auf der Dortmunder Siegesfeier am 6.Mai 1966

Trotzdem wurde auch beim BVB in diesen Jahren Fußball gespielt. Sogar recht erfolgreich. Doch der Traumsturm, bestehend aus Stan Libuda, Sigi Held und Lothar Emmerich wurde für Stan mehr und mehr zum Albtraum. Während Held und Emmerich durch ihr grandioses Zusammenspiel bald in der Weltpresse die „terrible Twins“ genannt wurden, verhungerte Stan am rechten Flügel regelmäßig und kam nie so recht zum Zuge.

So sah es dann auch am 5.Mai 1966 aus, als der BVB überraschend das Finale des Europapokal der Pokalsieger gegen den FC Liverpool bestritt. Während die Terrible Twins wieder einmal wirbelten, stand Stan dumm im Mittelfeld herum und wurde nicht angespielt. Dann jedoch schlug seine große Sekunde. Als der Ball ihm vor die Füße rollte netzte er den Ball mit einer gewaltigen Bogenlampe im Liverpooler Kasten ein – 2:1 und der Sieg für Dortmund. Libuda war nun plötzlich der gefeierte Mann des Tages.

Sponsoren und Werbemacher standen nun bei Stan Schlange. Auch ein junger Nachwuchsmanager namens Reiner Calmund. Dieser bot sich Stan, dessen Geschäftstüchtigkeit leider zu wünschen übrig ließ als persönlicher Assistent an. Stan nahm das Angebot dankend an. Es entstand eine grandiose Männerfreundschaft die dem sensiblen Stan gewaltigen Auftrieb gab.

In Dortmund war davon aber erst mal nicht viel zu sehen. Mit dem BVB und Stan ging es nach dem Triumph über Liverpool bergab. Bundestrainer Helmut Schön nahm Stan scheinbar grundlos nicht mit zur WM nach England. Die Offizielle Begründung Schöns, er könne sich nicht sicher sein, ob er Stan wieder heil mit zurückbringen könne, da die Engländer ihn eventuell (als Sohn von Stan Matthwes) gern dabehalten würden wurde von vielen als fadenscheinig empfunden. Schließlich wusste keiner von Libudas wahrer Herkunft. Auch schön hatte nur geraten - er konnte ja nicht wissen, wie wahr seine Vermutung tatsächlich war.


Rückkehr zum S04 und die goldenen Jahre

Calli und Stan trainieren den Übersteiger

Als Stan nach der verpassten WM 1966 immer unglücklicher wurde sah Calli Grund zum handeln. Kurzerhand transferierte er Stan im Sommer 1968 zurück nach Schalke, bevor die Dortmunder merkten, dass der beste Rechtsaußen der Welt auf ihrer Bank hockte.

Auf Schalke blühte Stan nun auf und schoss die Gegner reihenweise ab – allerdings nur halb, denn er selber traf das Tor meistens nicht, weil er vor lauter Dribbeln nicht zum Torschuss kam. Ab und zu jedoch wurden seine Querschläger zu Traumflanken umgemünzt und wunderbar verwertet. So begannen für Stan die besten Jahre seiner Karriere. Er wurde Kapitän seiner Schalker Rasselbande und Helmut Schön berief ihn gelegentlich sogar in die Nationalelf, sofern kein schlechterer Rechtsaußen zum vorziehen vorhanden war. So ließ es sich leben.

Gemeinsam mit Calli, der sich inzwischen zu Stans persönlichem Fitnesstrainer und Dribbelchoreograf aufgestiegen war, übte Stan bei jeder Gelegenheit neue Tricks und Finten ein. Dies wirkte – Stans Leistungen wurden immer beständiger. Selbst Helmut Schön musste dies zähneknirschend einsehen und nahm Stan mit auf die Reise zur WM 1970. Das Ziel war Mexiko. Und obwohl Helmut Schön sicherlich überlegt hatte Stan über dem Atlantik abwerfen zu lassen, spielte der Schalker schließlich die WM am rechten Flügel durch.

Dort spielte er dann auch die Partie seines Lebens: Der 5:2-Sieg gegen die Bulgaren in der Vorrunde des Turniers wurde zur Meisterleistung des Stan Libudas – 4 Tore bereitete er vor, 1 schoss er selber und sein Gegenspieler musste letztendlich mit einem Seemannsknoten in den Beinen aus dem Turnier genommen werden. Der bulgarische Trainer Stefan Boskov meinte nach dem Spiel: „Die einzige Möglichkeit diesen Libuda zu erwischen, ist es ihn mit einer Schrotflinte zu erlegen.“

Stan jedoch nicht verhindern, dass Deutschland dann jedoch - aus heutiger Sicht obligatorisch - das Halbfinale gegen die Italiener verlor – er wurde rechtzeitig ausgewechselt.

Die letzten Jahre und der viel zu frühe Tod

Nach der WM 1970 war Stan wieder in aller Munde. Nur der bulgarische Trainer Stefan Boskov nahm es Stan übel, dass er seine Mannschaft quasi im Alleingang abgeschossen hatte.

Auf Schalke ging es inzwischen weiter nach vorn. Im Sommer 1972 folgte dann der Höhepunkt. Schalketypisch verbaute sich eine klasse aufspielende Mannschaft mit Stan Libuda als alles überstrahlenden Kapitän den möglichen Meistertitel erst am letzten Spieltag. Dafür aber wurde der DFB-Pokal in grandioser Manier gewonnen. 5:0 wurde Kaiserslautern im Finale von Hannover abgefertigt.

Die Launen auf Schalke erhellten sich wieder – Reiner Calmund legte gar einen Bauchtanz auf dem Rasen hin. Der Pokal – für die Schalker der erste Titel seit 14 Jahren - führte in Gelsenkirchen zu einer Euphoriewelle ohne Gleichen. Dies war der 31.7.1972. Einen Tag später endete das Leben von Stan Libuda tragisch.

Am Morgen des 1.7.1972 sollte die Schalker Mannschaft die Heimreise nach Hannover antreten. Auf dem weg vom Hoteleingang zum Mannschaftsbus wurde Stan Libuda urplötzlich mit einer Schrotflinte erlegt.

Wenig später tauchte auf der Schalker Geschäftsstelle ein Bekennerschreiben auf, in dem Stefan Boskov die Tat offen zugab. Er selbst hatte sich zwischenzeitlich in die bulgarische Einöde verzogen und tauchte nie wieder auf.

Leben nach dem Tod – ein mieses Schauspiel

Um die Euphoriewelle der Fans nicht zu bremsen meldete Schalke-Präsident Oscar Siebert am 2.7.1972 den plötzlichen sofortigen Wechsel Libudas nach Frankreich. Eben dort arbeiteten französische Wissenschaftler beauftragt durch Siebert (der den gesamten Schalker Jahresetat der Jahre 1972-75 dafür verpulverte) fieberhaft an einem Libuda-Klon, der die entstandene Lücke gleichwertig füllen sollte.

Nach einem Jahr harter Arbeit war es soweit – Der Libuda-Klon war einsatzbereit und wurde nach Gelsenkirchen ausgeliefert. Siebert meldete hocherfreut die „triumphale Rückkehr des verlorenen Sohns heim nach Gelsenkirchen nach glänzenden Auftritten in Frankreich“ – und wurde bitter enttäuscht. Der Klon spielte erbarmungsvoll schlechten Fußball und wurde bald vom erst 17-jährigen Rüdiger Abramczik ersetzt.

Gleichzeitig rumpelte es hinter den Kulissen. Reiner Calmund erkannte, dass es sich bei Stan nicht um das Original handeln konnte und drohte Siebert dies öffentlich zu machen. Doch Siebert brachte Calmund gegen eine große kulinarische Entschädigung zum Schweigen und schenkte ihm zusätzlich einen kleinen Provinzclub unweit des Bayer-Werkes, aus dem Callmund in den nächsten 30 Jahren einen Vorzeigeclub formte.

Dem Stan-Klon war das Glück aber nicht so hold. Er versauerte in der Unterschicht der Gesellschaft und wurde am 25.8.1996 aus dem Verkehr gezogen. An diesem Tag wurde der Tod des Fußballidols Stan Libuda endlich offiziell gemacht


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