Sachdiskussion

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Eine Sachdiskussion ist am Werk und verwirrt die Sinne. Sehr schön erkennt man, wie wertvolle Informationen eingesogen und völlig entstellt wieder ausgespien werden.

Der Begriff Sachdiskussion (kurz SD) ist ein Kofferwort aus den Einzelwörtern sach (kölsch "sag mir mal bitte") und disk (englisch "Scheibe"). Er bezeichnet den Nachfolger der Harddiskussion (siehe auch Schlägerei) und der Compactdiskussion (Anweisung von oben), der inzwischen alle alternativen Datenträger in der EDV (gemeinhin IT-Profis genannt) ersetzt hat durch ein solides Gespräch unter Laien (sprich Vorständen, Controllern und Revisionisten). Dieses Gespräch stiftet Verwirrung, indem es alles gespeicherte Wissen in eine lange Reihe von überflüssigen, meist vorgesetzten Nullen verwandelt.

Etymologie

Die Verwendung des englischen Begriffs disk für "Scheibe" ist hysterisch gewachsen und bezieht sich auf die Zielscheiben beim Sportschießen, deren konzentrische Ringe die hierarchischen Strukturen in einem Unternehmen darstellen. Sie zeigen plastisch auf, dass die obersten Chefs (die innersten Ringe) nur selten Nachteile erfahren, wenn etwas schief geht, während die Weisungsempfänger (äußere Ringe) oftmals regelrecht zerfetzt werden.

Das Wort "sagen" bezeichnet eine neumodische Vorgehensweise mit dem Bestreben, innerhalb einer vorher festgelegten Gruppe von fachfremden, aber weisungsbefugten Personen eine einvernehmliche Lösung für ein bis dato unwichtiges oder gar unbekanntes Problem festzulegen. Die eigentliche Kernfunktion obliegt dabei den im Hintergrund agierenden SekretärInnen, diversen Stäben und persönlichen Referenten, die die Mitglieder der Sachdiskussion in geeigneter Weise fehl- und überinformieren, damit diese nicht aus Versehen das sorgfältig austarierte System infrage stellen, mit dessen Hilfe jeder Mitarbeiter zwingend seine persönliche Stufe der Unfähigkeit erreicht.

Die kölsche Ausdrucksform (sach et doitlicha, meen Jong), auf die die Sachdiskussion Bezug nimmt, wird gemeinhin erklärt mit dem kölschen Klüngel als Vorbild für eine SD. In diesem wie in jenem Fall beeinflussen nicht das Fachwissen oder der gesunde Menschenverstand das Ergebnis, sondern je nach Position im Unternehmen wahlweise die persönliche Selbstbedienungsmentalität oder die Schmeichelei gegenüber denjenigen Menschen, von denen man sich für die Zukunft noch Vorteile erhofft.

Vorgehensweise

Eine SD wird gemeinhin einberufen von einem für das Unternehmen an hoher oder höchster Stelle verantwortlichen Angestellten, der auf diese Weise seinen schon im Vorhinein feststehenden Planungen die höheren Weihen der sachlichen Richtigkeit verleihen will. Als teilnahmeberechtigt gelten neben den Fachleuten, die voller Verzweiflung Einwände erheben aber kein Gehör finden werden, insbesondere die Entscheidungsträger, die auf der Grundlage von fundierten Eingaben und Analysen Pläne entwerfen, die unter keinen Umständen von Nutzen für das Unternehmen oder gar die Mitarbeiter sein werden. Wäre dies anders, dann hätte der Kapitalismus inzwischen vermutlich auch Kuba und Nordkorea von seinen Vorzügen und seiner moralischen wie auch humanitären Überlegenheit überzeugt.

Nach der Begrüßung legt der erste Diskussionspartner eine Powerpoint-Präsentation auf, die wie eine Art Gehirnwäsche funktioniert, um kritische und vielleicht sogar berechtigte Anmerkungen zuverlässig zu verhindern. Schon an diesem Punkt gibt es erste qualitative Unterschiede in der Art der Sachdiskussion: nämlich bei der Auswahl an Getränken für die Zuhörer. Diese reicht von einem reichhaltigen Angebot an Kaffee, Tee, Wasser, Säften und Limonaden über zumindest Wasser mit viel Kohlensäure, damit man nicht so viel trinkt und andauernd aufs Klo rennt, bis hin zu ... nichts: Der Zuhörer sitzt auf dem Trockenen und schnappt wie ein Fisch nach Sauerstoff und nach Leben. Die Qualität der SD beeinflusst häufig auch die Quantität, indem eine gelungene SD genutzt wird für die Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen und Kontakte im Unternehmen (siehe Tratsch) oder aber die misslungene SD akute Todes- und Krankheitsfälle in der Familie der Mitarbeiter befördert, die ein sofortiges Aufbrechen derselben erfordern.

Nach dieser Einleitung wird auch eine bislang erfolgreiche SD nicht gelingen, wenn nicht regelmäßig kleine und manchmal auch größere Pausen eingelegt werden, um die volle Teilnahmslosigkeit der Betroffenen gegenüber unzureichenden und kontraproduktiven Maßnahmen zu erhalten. Der Kernpunkt der SD - nämlich das offene Gespräch aller - kann erst dann angegangen werden, wenn jeder Querdenker eliminiert und jeder Mitdenker narkotisiert worden ist. Hierzu bedarf es einer feinen Austarierung von Eintönigkeit und Überforderung, die auch die intelligentesten Menschen konfrontiert mit dem Gefühl von Ausweglosigkeit und Dankbarkeit für den Feierabend (egal, um welchen Preis).

Themen, Arten, Stile

Für eine SD gibt es verschiedene Anlässe, ebenso verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten und Diskussionsstile. Letzteres wird weniger durch den Veranstalter als mehr durch die Teilnehmer geprägt, die unterschiedliche Kommunikationsstile pflegen und somit unterschiedlichen Einfluss auf eine SD ausüben können.

Mögliche Themen für eine SD:

  1. Personalabbau
  2. Produktivitätssteigerungen
  3. Personalabbau
  4. Aufwertung der Vorstandsgehälter
  5. Personalabbau
  6. Kurzarbeit
  7. Personalabbau
  8. Gehaltseinbußen
  9. Personalabbau
  10. Outsourcing aller oder wichtiger Unternehmensbereiche
  11. Personalabbau

Arten von SD:

  1. verbal (enorme Variabilität in der Lautstärke)
  2. schriftlich, inklusive Sonderfall Blindenschrift
  3. Handzeichen
  4. Gebärdensprache
  5. eng begrenzter Teilnehmerkreis
  6. umfangreicher Teilnehmerkreis
  7. offene SD, zu der jeder seinen Senf dazugeben kann

Zu einem guten Diskussionsstil gehört neben wechselseitigem Respekt vor allem, dass die gegenteilige Argumentation zugelassen und genau geprüft wird, statt diese voreilig zu verwerfen. Dies bedeutet auch, dass man den Diskutanten ausreden lässt und in seiner Erwiderung sachlich auf das vom Gegenüber Gesagte eingeht. - In der Praxis werden Aussagen von Vorgesetzten oder in wichtiger Position tätigen Menschen überproportional stark gewichtet und nur selten in Frage gestellt. Umgekehrt wird die fundierte Analyse eines einfachen Mitarbeiters fast immer verworfen oder sogar einfach ignoriert, um hierarchische Strukturen nicht in Frage zu stellen. Diese Strukturen sind ein Überbleibsel aus der Steinzeit, die leider das Fundament bilden für jede Unternehmung unabhängig von ihrem Erfolg. Sie stellen das natürliche Gegengewicht her zu einer wenig ergonomischen SD: Welcher kleine Angestellte möchte nicht im Grunde einfach nur Befehlen gehorchen und tunlichst nicht selbst denken müssen?