Rasenmähen

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Rasenmähen ist eine Leidenschaft und zugleich ein Fluch der Vorstädte. Eigentlich ist es ein Stoffwechselprozess. Noch eigentlicher aber ist es ein Existenzbeweis für aufmerksame Nachbarschaft und beweist Wehrhaftigkeit bei Zwistigkeiten und nur unzureichend befriedeten Grundstücksgrenzen mit teuren Pflanzen. Vor allem aber ist Rasenmähen eine Alibitätigkeit, da der Rasen in Wahrheit nur sehr selten gemäht werden muss.

Das Mähwerk

Statistisch gesehen gibt es nur zwei bedeutende Ausprägungen: die nicht begeh-, aber bekriechbare Variante als Werk anglophiler Grasfriseure, die die Fläche mit einer Schere konsequent auf 2,5 cm Höhe halten oder die verwaschen-grüne Halbwüste, die halb verbrannt und verdurstet ihr Schattendasein in der Mittagssonne mit gelben Bereichen prangend fristet.
Die echte biologische Erfordernis, den Rasen zu mähen, ergibt sich bei einem als besseren oder schlechteren Teppich genutzten Gräserstaat sonst nur im Vorfeld lauer Gartenpartys mit Grill- und Sauf-Events.

So wird klar, dass hinter dem eifrig gehaltenen Drei-Wochen-Turnus des gemeinen Mähers mehr stecken muss. Ein Indiz für den wahren Grund geben immer die verwendeten Arbeitsmittel:

Verwendetes Arbeitsmittel Mähgrund
Arbeitsbrille Rasen steht tatsächlich zu hoch
Arbeitsbrille und Gehörschutz Rasen steht viel zu hoch
Sonnenbrille Reines Kommunikationsbedürfnis
Sonnenbrille, Handschuhe und breitkrempiger Hut Es wird eine Gartenparty vorbereitet oder der Rasenmäher wird gestohlen
Fernglas und Gartenstuhl Entspannungsbedürfnis

Die Arbeitsmittel lassen sich dabei kombinieren und können mitunter gefährliche Wechselwirkungen entfalten, so ist die gleichzeitige Verwendung von Gehörschutz und Sonnenbrille in unmittelbarer Nähe stark befahrener Straßen nicht empfohlen.

Die Strategien hinter dem Mähen

Ehefluchthilfe

...Ja, so sieht ein Rasenmäher fast aus...Rasen...Räder....und man muss schieben! Gut!
...gilt aber dann nur bei Wiederkäuern!

Nicht ohne Hintergedanken schaffen sich konspirativ planende beziehungsmüde Männer Oasen im Eldorado ehelichen Einerleis. Die Watch- and Wait-Methode ist nicht immer die erfolgreichste, wenn man nach einem Arbeitstag zu einer spontanen Gefühls-Inventur aufgefordert wird oder Erziehungsdefizite der Kinder aufarbeiten darf. Hier sehen viele solcher Männer nur die Flucht nach vorn - nur sinnbildlich, denn der Weg führt entgegengesetzt durch die rückwärtig gelegene Terrassen- oder Wintergartentür. Der "furchtbare" und "schon viel zu lange vernachlässigte" Rasen muss nun gepflegt werden!

Wenn die erste Stufe der Flucht gelungen ist, hat Mann noch nicht endgültig gewonnen. Ist die betreffende Dame allzu mitteilungsbedürftig und/oder wissbegierig, folgt sie ihm in sein Rückzugsgebiet. Dann können alle akkustischen Vorzüge eines von der Ehefrau gescholtenen "furchtbaren" und "schon viel zu lange vernachlässigten" Rasenmähers ausgespielt werden. Hat sie das grüne designierte Diskussionspodium verlassen, gibt es dann genug Möglichkeiten, den Rasenmäher nach einer kurzen Bewegungsphase auf einer Spanplatte oder einer Pflastersteinfläche - noch laufend - abzustellen und sich endlich der himmlischen Ruhe vor neugierigen Fragen und Blicken zu widmen - ein Glück nicht ohne Wermutstropfen freilich.

Weiße Folter

Merkmal der weißen Folter ist zum einen die hohe Wirksamkeit, die sich meist auf den psychischen Bereich erstreckt und nur unzureichend mit Schreien, Zornausbrüchen und wilden Bewegungen ausgeglichen werden kann und auf der anderen Seite fehlende verräterische Zeichen, wie blaue Flecken, Zigaretten-Brandverletzungen oder abgetrennte Gliedmassen. Wenngleich auch letztgenannte Verletzungen nicht immer wirksam vermieden werden können, sind beim gezüchtigten, mit dem Rasenmähen betrauten Arschlochkind oft kleine Absprenkelungen frischen Grüns bis Bauchnabelhöhe und eine regelmäßig am Rand der zu mähenden Fläche auftauchende Aufsichtsperson das entscheidende Signal, Kontakte zu Amnesty International zu knüpfen. Oder es auch zu unterlassen - je nach Güte der Nachbarschaftlichkeit.

Allgemeine Entspannung

Angesichts feierabendlicher bzw. freizeitlicher Ruhestörungen und gutmenschlicher Verdrängungsmechanismen handelt man gern nach dem Motto "Schaut ruhig weg, wenn ihr schon nicht weghören könnt!" Der lärmende Spanner des fremden Gartens wähnt sich so auf der ganz sicheren Seite, dass seine regelmäßigen Observierungen sonnenhungriger Nachbarschaft, die allein durch einen ungleichmäßigen Schnitt auffallen könnten, potenziell unentdeckt bleiben. Befindet sich der entblößte Quell der Entspannung auch in einer schlecht einsehbaren Zone, weiß man sich durch besondere Taktiken zu helfen:

Taktik Ziel
Sternförmiges Mähen Man bildet die Strahlen der Sonne, wenn diese unter- bzw. weggegangen ist, sind die verbliebenen dreieckigen Bereiche als Bikinizonen abzumähen
Man täuscht eine Panne vor Man hat ein ausreichendes Zeitfenster für schwierige Beobachtungen
Man täuscht einen Unfall vor und hält sich schreiend die Hand Dies anspruchsvolle Schauspiel wird in der Regel durch ein Aufspringen bisher versteckter Objekte der Begierde belohnt

Kommunikationsbasis

Schon so mancher Rasenmäh-Akt diente nicht zuletzt auch der Informationsbeschaffung: Trifft man sich in der Nachbarschaft höchstens inoffiziell mit dem Ehepartner des anderen, öffnet heimlich ab und an dessen Post, wenn der Postbote so unachtsam war, sie in den eigenen Briefkasten zu werfen, so sind die daraus gewonnen Informationen doch recht eindimensional und kaltlächelnd konsumiert, eher karg: nicht gedeckte Konten, eine Verwarnung wegen einer Parkordnungswidrigkeit oder jede Menge personalisierte Werbung erinnert zu sehr an den eigenen Haushalt und ersetzen nicht das persönliche Gespräch.

So findet man sich nun im Wochenrhythmus auf dem wie immer eher nicht zu mähenden Rasen, schwitzt sich in froher Erwartung ein paar Runden ab und erntet den Lohn in Form eines wissend grinsenden Nachbarn, der das Neueste über das Flittchen in der nächsten Straße gehört hat, wie das Wetter morgen sein wird und dass seine Frau in letzter Zeit so oft unterwegs ist.

Sportliche Betätigung

Jeder gute Rasenmäher ist immer beides: Arbeitsmittel und Statussymbol. Die Variante, ihn als Sportgerät zu nutzen, wird oftmals kalt lächelnd abqualifiziert. Dabei bewerten Sportmediziner die dynamischen Anforderungen an den gesamten Bewegungsapparat bei frischer Luft und den Aufbau eines Lernprozesses gerade auch bei älteren Rasenmähern als sehr wertvoll, da diese sich bei späterer Gebrechlichkeit schneller mit Rollatoren und anderen Gehhilfen zurechtfinden.

An die Sportbekleidung sind grundsätzlich keine besonderen Anforderungen gestellt: es reicht eine weiße Feinripp-Oberbekleidung, kurze Bermuda-Shirts und mittelmäßiges Schuhwerk. Bei allen Mähern wird empfohlen, den Motor natürlich nicht zu nutzen, um schnelleren Erfolg beim Muskel- und Konditionsaufbau zu erreichen. Nur sieht es etwas blöd aus.

Kriegserklärung mit Statussymbol

Eingeleitet werden solche Konflikte meist dadurch, dass nachbarschaftliche Meinungsverschiedenheiten nicht mehr wirksam verbal ausgetragen werden können: nur wer auch in der Zerstörung Größe zeigt, ist wahrlich groß. Vielleicht ist man des Statussymbols Auto oder Haus auch müde geworden, wenn man beides in guter Qualität und Größe besitzt und daher dankbar, in diesem Fall diffizilere Machtdemonstrationsmittel vorweisen zu können.

Ist es beim 0815-Bürger noch der handbetriebene Spindelmäher, wird sich ein Vertreter des Mittelstandes kaum mit einem Benzinrasenmäher unter 3 PS und 45 cm Schnittbreite zufrieden geben. Aber erst dann gilt man als jemand, der alles in seinem Leben erreicht hat, wenn man glücklicher, wenn auch vielleicht kreditfinanzierter Besitzer eines 20-PS-Draufsitztraktors ist. So zieht man ungeachtet einer ökologischen Notwendigkeit regelmäßig seine Runden und genießt die Qual des Neides seiner Anwohner und erstickt wirksam jedes Rebellentum bezüglich angezweifelter Grundstücksgrenzen oder Eigentumsfragen fremdfallenden Streuobstes im Kern Keim.

Wenn nun tatsächlich einmal der Rasen gemäht werden muss....

... sind "human resources" einfach praktisch!
... hier wäre man gefühlt das nächste Mal in 200 Jahren mit dem Mähen dran!

...ist das natürlich eine unangenehme Sache. Wenn im Rahmen einer zügig angeordneten weißen Folter nicht auf eigene Kinder zugegiffen werden kann, können grundsätzlich auch fremde Kinder aus der Nachbarschaft verpflichtet werden, indem man sie mit Süßigkeiten oder ab 12 mit Alkopops anlockt. Evtl. Reklamationen besorgter Eltern kann man mit Bierchen oder Einladungen zu Gartenfeten (während geplanter wochenlanger Abwesenheit) entgegnen.

Sind die Vorzeichen ungünstiger sollte nach einem günstigen Vor-Ort-Garten-und Landschaftsbaubetrieb Ausschau gehalten werden, denn den Rasen mähen um des Rasens willen ist wirklich eine öde Geschichte!