Oliver Geissen

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Ich kam, sah und grinste blöd

Oliver Geissen - DIE lächelnde Salzsäule Norddeutschlands - ist der wohl größte Schwiegermutter-Liebling im Privatfernsehen. Er ist vertrauenswürdiger als Marco Schreyl, kompakter als Kai Pflaume, aber unkomplizierter als alle beide zusammen. Gleichzeitig verkörpert er so eine Art burschikosere Art von Ina Müller, die aber Gottseidank nicht singt. Schon in der Bronzezeit der Privatsender tingelte er mit beeindruckendem Erfolg im Moderations-Ufo durch Talkrunden mit sprachlich und sozial Behinderten.

Er füllt die konzeptionelle Lücke professionell und charmant aus, die im TV irgendwo zwischen "well dressed" und "im Anzug gepennt" liegt - für Menschen, für die sich Sympathie und Glaubwürdigkeit einander ausschließen. Man hatte es ihm nicht leicht gemacht, dahin zu kommen, wo er heute schwebt. Trotz eines knappen Jahres-Gagenbudgets für seine damalige Show konnte er jedoch immer seine Hauptklientel bedienen:

  1. sozial Gestörte, die sich nicht trauten, für 25 Euro ihr Sexleben vor der Kamera zu offenbaren, aber es gern getan hätten,
  2. Couchpotatoes, die von dem Vorprogramm übrig geblieben waren oder
  3. Hobby-Psychiater, die vergnügt andere unter sich einsortierten.

Einzig ungeklärt bleibt, ob er sich mit zunehmender Sendedauer neues Publikum erschlossen hat oder das bestehende intellektuell immer stärker ver(bl)ödete. Es ist so, als wenn sein Heimatsender NDR RTL machte: genauso belanglos, aber charmant.

Er, der stets Trendige entwickelte sich so konsequent im Zeitgeist zum Bundes-Grinsekater seelenloser Panelshows, die lärmend an der Jacke des Zuschauers zerren, um die Werbung mittendrin zu verkaufen.

Basics

Oliver wollte eigentlich nie ins Fernsehen, geschweige denn ins Radio, geriet aber bereits mit etwa 18 Jahren in arge Geldnot, als er, aus der Bundeswehr ehrenhaft entlassen, keine adäquate Beschäftigung finden konnte. Mit seinem flotten Mundwerk kam er allerdings immer wieder auf die gerade Bahn, sodass sich sein Lebenslauf als idealtypisch für die Karriere eines Moderators liest. Nach Zeitlupenstudien redet er bis zu zehn mal schneller als der durchschnittliche GEZ-Anarchist denken kann. Zunächst jobbte "Olli" in einem Hamburger Lokalradio und bediente dort die Weinseligkeit der meist älteren Zuhörer, gerade einmal 30 Jahre nach Hans Albers Tod. Während er tagsüber im stickigen Radiostudio saß, sann er nach sportlichem Ausgleich. Diesen fand er schließlich im American Football, wo er als eher zierlich gebaute Gestalt seinen Respekt gegenüber großen Namen ablegte. Das schien noch nicht das Richtige gewesen zu sein, er hatte beim Resozialisierungsbeirat für Bundeswehrentlassene des Hamburger Senats einfach Fußball mit Football übersetzt.

Karriere

Als Geissen noch hoffte, in die Fußstapfen seines Fische verkaufenden Vaters zu treten, geriet er mitten in die Wirren der Orwellschen Bewegung "Anti 1984". Die missverstand er zunächst dahingehend, als dass es sich um die Ablehnung des gleichnamigen Klassikers handele. Nach wilden Wortgefechten mit der Kölner Polizei geriet er auf das Sendegelände des das "Big Brother"-Format produzierenden Senders und dort gleich in das Studio. Ursprünglich wollte man die zweite Staffel in Ermangelung eines Freiwilligen ohne Moderation stattfinden lassen, doch stand dort plötzlich ein sichtlich abgekämpfter Olli Geissen vor der Kamera, der immer irgendwie zu allem etwas sagen konnte. Der Studioregisseur stellte ihm eine große Karriere in Aussicht, wenn er das so deklarierte "Big Brother-Positionspapier" unterzeichnete. Aus dieser Nummer sollte Geissen dann nicht mehr herauskommen und die komplette Staffel moderieren.

Geissen entpuppte sich als wahrhaftiger Glücksgriff für das Format, für das sich sonst auf der ganzen Welt kein anderer waghalsiger Sender zu einer Fortsetzung entschließen konnte. In fesselnder Weise, leidenschaftlich langweilig und mit sicherem Gefühl für das Fragezeichen hinter der vermeintlichen Botschaft synchronisierte er die möglichen Gedanken von Alida Kurras, zu denen sie stundenlang die Augen zwischen Klo, Mitbewohnern und Küche schweifen ließ. So wurde er letztlich zum "Totenbeschwörer obsoleter TV-Formate". Zu dieser Zeit verlor er viele Freunde eben in der "Anti 1984"-Bewegung und auch den privaten Anschluss an seine Vereine. Aber er sollte neue finden, die er bald in die eigene Sendung einladen durfte.

Nun war und ist RTL bekannt dafür, jeder einzelnen Sendung einen charakteristischen Namen zu geben, um den Wiedererkennungswert hochzuhalten und natürlich zu verhindern, dass sich die Moderatoren ins falsche Studio begeben. Im Falle Oliver Geissens, des neuen Stars am Moderationsfirmament des Privatfernsehens (O-Ton), fiel die Entscheidung nach nur einer Woche. Die Show des Oliver Geissen sollte "Die Oliver Geissen Show" heißen. Er war viel zu zeitlos und zu uniform, um wie Vera am Mittag boulevardisiert und oder als Nachfolgeformat von Ilona Christen verheizt zu werden.

Die "Oliver Geissen Show"-Show

Das Besondere dieser Show war die Normalität der Leute, die vom kontaktarmen Geissen wie in sein persönliches Wohnzimmer eingeladen wurden. Hier durften sie sich ausstrecken und auch gern belangloses Zeug in die Kamera quatschen, was ihnen niemand und Geissen am wenigsten übel nahm. Sein Stil war von milder Güte geprägt. Nach liebevoller Begrüßung, die immer so ähnlich wie "duichbindeaolli" klang, gewahrte man keine Vorverurteilungen, das unschöne Fingern in Wunden oder ein lästiges Abschneiden des Wortes bei etwas längeren Ausführungen. Man redete vor allem, um zu reden.

Es ging meist um die Aufklärung komplizierter Verwandschaftsverhältnisse. So entfaltete sich die Spannung von mehreren Seiten:

  • Wer ist mit welcher Wahrscheinlichkeit der Vater meines Kindes?
  • Wer sind die Väter meiner n+1 Kinder?
  • Wer ist mein Vater?
  • Wer bin ich?

bzw. um die Grundfrage

  • Wer hat mit wem gevögelt?

Während der sexuellen Abspannung ging es wohltuend periodisch um Leute, die von

  • ihrer großen Ex-Liebe
  • ihrem jetzigen Traumpartner trotz 150 cm Körpergröße
  • ihrem späten Glück oder ihrem frühen Ende berichteten und offenbar sehr viel lebenskünstlerische Kreativität in sich vereinigen konnten, obwohl sie zu keinem einzigen grammatisch richtigen Satz in der Lage waren.

Der andere große Teil ergab sich aus der Frage, wie "Olli" es schaffen würde, bei aggressiven Südost-Europäern oder inländerfeindlichen Ausländern mit Migrationshintergrund und der Aufzählung ihrer Unzulänglichkeiten das letzte Wort und jeden Zahn zu behalten. War es die hanseatische Unterkühltheit zur Milderung thermonuklearer Hasstiraden aus dem Publikum oder einfach nur diese schon legendäre Selbstsicherheit, die ihm sein leger-edles Outfit gab?

Trotzdessen geradezu alle menschlichen Tiefpunkte anderswo bereits ausgeschlachtet schienen, zeigte er dem Publikum mit seiner lockeren Art eine weitere Seite der vorgestellten Abgründe, endlich, dass man stolz darauf sein kann, damit langfristig doch so gut und unbeschwert zu leben, auch wenn es keinen Ausweg aus dem asozialen Teufelskreis herausgewachsener Blondierungen, derber Zahnlücken und vollentschlackten Wortschätzen gibt. Und wenn es keine Lösung gibt, entfällt die sonst so gern in solchen Formaten angedeutete Belehrung. So sieht man in Geissen vor allem einen Freund, wenn der Gast vor der zugeschalteten Ehefrau gerade das Verhältnis mit seiner Schwiegermutter offen gelegt hat. Er schürzt seine schmalen Lippen, wiegt eifrig den Kopf hinterher und zwinkert lächelnd. Man will ihm unwillkürlich ein : "Macht doch nix!!!" in den Mund legen. So bleibt er als prominenter Zeitzeuge immer jemand, der auch dem geruchsintensivsten Obdachlosen noch eine Münze in den Hut wirft - wenn er keinen anderen zum Reden hat.

"Die erfolgreichsten..." Shows

Als hätte er sein Quotenende vorhergesehen, tat er sich schon 2003 mit TV-Schwergewicht Günter Jauch zusammen und entwickelte erstmals in der Fernsehgeschichte ein Showkonzept, das nicht scheitern kann! In einer Art Endlosschleife werden grob kategorisierte Titel aus der Musikgeschichte - immer - in aufsteigender Chart-Reihenfolge abgespult, um die Spannung zu wahren. Dabei wird schamlos die menschliche Neugier, aber auch eine andere grundlegende psychologische Erkenntnis ausgenutzt: Es reicht nicht, die erfolgreichsten Songs der Musikgeschichte abzuspulen; das muß vor allem auch "auf dem Etikett" der Sendung stehen, damit der Zuschauer die Sendung auch zu einer der erfolgreichsten Sendungen der erfolgreichsten Sendungen über die erfolgreichsten Musiktitel aller Zeiten machen kann. Das Themenfindungssystem ist im Detail höchst flexibel:

Die Zutaten:

  • Die erfolgreichsten Titel und Interpreten der Musikgeschichte
  • Motivierte Redakteure, die im Hintergrund wie Bluthunde jedem Ambiente hinterherspüren, das es noch nicht zum Auftritt schaffte.

Daneben gibt es zur Vorbereitung auf die Werbepausen genauso viel Smalltalk wie in Ollis Sendungen vorher auch. Diesmal aber von den erfolgreichsten Prominenten, die sich nicht zu schade sind, knappe Statements zu den Titeln abzugeben, wenn ihnen sonst schon niemand mehr zuhört. Nur so entsteht im Ablauf einiger weniger Jahre ein einziges Wunder an Diversifikation, in dem erst mit wachsender Zahl die Kreativität zur Entwicklung einer einzelnen erfolgreichen Sendung ihren angemessenen Respekt finden kann.

Hauptbestandteil Qualitätsangabe Inhaltsangabe Zeitraum
Die Ultimative Chartshow Die erfolgreichsten Hits aller Zeiten
Die Ultimative Chartshow Die erfolgreichsten Werbehits aller Zeiten
Die Ultimative Chartshow Die größten Partyhits aller Zeiten

Es ist klar, dass in diesem Veröffentlichungstempo, das die Produzenten vorlegten, das Ende aller Zeit(en) früh am Horizont drohte. Dank des genialen Konzepts reichen winzige Änderungen, um den Erfolg weiterhin zu garantieren:

Hauptbestandteil Qualitätsangabe Inhaltsangabe Zeitraum
Die Ultimative Chartshow Die erfolgreichsten Hits des neuen Jahrtausends
Die Ultimative Chartshow Die erfolgreichsten Werbesongs des neuen Jahrtausends
Die Ultimative Chartshow Die erfolgreichsten Party-Hits des neuen Jahrtausends

Wie eine Hyperbel strebt die Liste vom Nullpunkt aus gesehen dabei eine stete Annäherung an an, erreicht sie natürlich nie. Und das ist auch gut so, damit uns die Spannung auf ständig neue ewige Hites, neue Themen, neue Gäste - und vor allem auf "duichbinderOlli" - für immer erhalten bleibt.