Kuhhaut

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Kuhhaut, hier als Briefpapier missbraucht von Jemandem, der sich angesprochen fühlte.

Die Kuhhaut ist eine malerische Bezeichnung für den Aktenumfang eines Vorganges von vor mehr als 2000 Jahren. Diese Vorgänge konnten noch nicht gemäß Paragraf 153 oder 257c der Strafprozessordnung eingestellt werden, da es diese Regelungen zum damaligen Zeitpunkt noch nicht gab. Durch die Länge der Bearbeitung solcher Vorgänge erscheint dieser Begriff derzeit vermehrt im deutschen Sprachgebrauch.

Gemäß einer alten Vorstellung schrieb der Teufel die Sünden eines jeden Einzelnen auf eine Kuhhaut. Diese hatte wegen ihrer Größe eine gewisse Bedeutung in der Strafverfolgung: denn wenn da der Sünden zu viele waren, passten sie nicht mehr auf diese Kuhhaut und blieben deswegen möglicherweise ungesühnt. Tipp-Ex wurde schließlich erst später erfunden. Um den kostbaren Platz auf der Schreibfläche nicht wegen Geringfügigkeiten zu vergeuden und die wirklich großen Sünden ungesühnt zu lassen, mussten auch in der Vergangenheit gewisse Regelungen im Sinne der o.g. Paragraphen der Strafprozessordnung getroffen werden.

1. Ansatz

„Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ sprach ein Jesus von Nazareth. Alle Kläger gingen in diesem Falle erst in sich und dann leise hinfort. Auf diese einfache Weise konnte damit ein antikes Gerichtsverfahren recht unspektakulär beendet werden. Dieser Ansatz ist heute nicht mehr möglich. Seitdem die Eintragungen auf der Kuhhaut ebenfalls den Datenschutzbestimmungen unterliegen, hält sich ein Jeder solange für sündenfrei, bis ihm das Gegenteil bewiesen werden kann. Heute würden sich also die Kläger höchstens lautstark darum streiten, wer als Erster seinen Stein werfen darf: das wäre dann also Derjenige, der sich vielleicht in etwas höherem Maße für sündenfrei hält als alle Anderen (was jedoch erst untereinander ausgehandelt werden muss). Selbst ein späterer versuchter Nachweis, dass diese Sündenfreiheit möglicherweise eine Falschaussage war, hat keine Chance, da diese Fakten ja bestenfalls ebenfalls unter Missachtung der Datenschutzbestimmungen samt dem Recht auf Vergessen erlangt werden müssten und somit im Verfahren nicht verwendet werden dürften.

2. Ansatz

Gegen eine geringfügige zu zahlende Gebühr konnte man später erreichen, dass der Teufel von seinem Dokumentationseifer etwas ablässt. Der schwunghafte Handel mit derlei Ablassbriefen war zu Recht umstritten und sorgte für die Teilung der christlichen Kirche: Es konnte sich ja nur derjenige von all seinen Sünden loskaufen, der auch diese ein oder zwei Taler dafür übrig hatte. Der arme Sünder war dann eben arm dran. Reiche Sünder gab es plötzlich nicht mehr. In die neuzeitliche Gesetzgebung hat diese Regelung teilweise Eingang gefunden. Die Höhe der heute als geringfügig angesehenen Gebühr schwankt so zwischen 99 Millionen und 5 000 €.

3. Ansatz

Die armen Teufel in der Datenerfassung und Dokumentation müssten eine wahre Sysiphusarbeit leisten, da ja theoretisch für jeden Erdenbürger eine derartige Kuhhaut zur Verfügung stehen soll. Die Lieferanten dieser Kuhhaut haben allerdings ein Nachwuchsproblem. Die schlimmsten Sünder müssen wohl die Amerikaner gewesen sein: deren Kühe (Bisons genannt) sind nun wegen der Preise ihrer Häute auf dem Markt schon ausgestorben, so dass die Untaten der Amerikaner allein aus logistischen Gründen (nun fehlende Kuhhäute) ungesühnt bleiben müssen. Da die Amerikaner dies allerdings wissen, benehmen sie sich in der irdischen Welt entsprechend. Andererseits (also in Russland) gibt es ebenfalls zuwenig Kuhhäute für diesen Zweck, dort jedoch aus Gründen der nicht funktionierenden Planwirtschaft.

4. Ansatz

Mit der rasend schnell entwickelten Medienlandschaft im Internet hat die Kuhhaut ihre Bedeutung völlig verloren. Öffentliches Interesse vorausgesetzt, ersetzt der Shitstorm der verbildeten und freudig vorverurteilenden Masse Recht, Gesetz, Unschuldsvermutung sowie sämtliche Teufel samt allen ihren Kuhhäuten. Eine Schuld spielt nur soweit eine Rolle, dass es genügt, dass man nur annimmt, dass es einen Schuldigen geben muss und diesen für sich gefunden hat. Dieser wird dann medial gesteinigt und ist schon so gut wie tot.