Diverses:Wort zum Sonntag/KW 16 2017

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Liebe Leser,

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es ist Wahltag in Frankreich. Wirklich entscheidend ist der heutige Tag zwar nicht, doch es wird eine Vorentscheidung geben, die zeigt ob unsere Nachbarn in der Zeit zurück oder in die Zukunft gehen wollen. 47 Millionen Wahlberechtigte, die nicht nur über die Zukunft ihres eigenen Landes, sondern wohl auch über die Zukunft Europas entscheiden werden. Mit Marine Le Pen an der Landesspitze, würde Frankreich sich aus so ziemlich allen existenten Institutionen zurückziehen. Doch wie weit kann radikaler Protektionismus gehen? Eine Mauer zu Belgien wäre sicherlich sinnvoll, um Einreisen aus Europas Terrorcamp Brüssel-Molenbeek zu verhindern. Mit genug Helium-Luftballons könnte das ganze Land angehoben werden, um ein paar Meter über dem Rest von Europa zu schweben. Dann noch 100 Polizisten mit Baguettes bewaffnen und an die Grenze zu Andorra stellen und das Land ist wieder sicher. Ein gänzlicher Importstopp zugunsten des heimischen Arbeitsmarktes ist zwingend notwendig. Von jetzt an treibt wieder heimisches Öl den Peugeot an und Kaffee wird lokal angebaut. Und das in einem Land, dass 90% seiner Fußball-Nationalmannschaft aus anderen Ländern importiert. Gerade aus ehemaligen Kolonien, die die Franzosen doch eigentlich an die Werte erinnern sollten, für die das Land auch stehen kann und konnte: Weltmännisch, divers und international. Doch Marine Le Pen will andere Werte schützen - das klassische Familienbild, den guten Wein, die traditionelle Islamophobie. Da wird man ja beinahe sentimental. Doch da ist auch noch Emmanuel Macron, der wiederum ein modernes Frankreich möchte. Ein Frankreich, in dem es gesellschaftlich akzeptiert ist, wenn man seine Klassenlehrerin heiratet, in dem es okay ist pro-europäisch zu sein oder mit Touristen auf Englisch zu reden. Top-Priorität ist aber flächendeckende Toleranz innerschulischer, generationen-übergreifender Heirat. Dem ehemaligen Investment-Bänker werden Chancen eingeräumt, zwar nicht unbedingt in der ersten Wahlrunde - hier liegt Le Pen vorne - doch in der zweiten Wahlrunde ist es wahrscheinlicher, dass Macron Stimmen aus anderen Lagern hinzugewinnt, als dass Le Pen Linksextreme und Demokraten von sich überzeugt.
Wahlumfragen ergaben in 8 Instanzen, dass Le Pen die meisten Stimmen in der ersten Wahlrunde für sich versammelt, in 3 Umfragen lag Macron vorne und in 2 weiteren Umfragen Hillary Clinton. Erste Hochrechnungen wird es gegen 20 Uhr geben. Und auch die französischen Wahlen zeigen mal wieder, wie tief die Gesellschaften des 21. Jahrhunderts gespalten sind. Wer auch immer Präsident in Frankreich wird, wird nicht die Mehrheit des Landes vertreten, auch wenn er die meisten Stimmen bekommt. Falls ein Macron oder Fillon gegen Le Pen gewinnen, dann ist das vor allem eine Entscheidung gegen Le Pen und keine aktive Entscheidung für Macron oder Fillon. Und auch wenn es zu begrüßen ist, wenn Frankreich sich gegen Populismus, Fremdenhass und Unmenschlichkeit entscheiden sollte, ist es doch besorgniserregend, dass die Welt es nicht schafft sich zu vereinen. Stattdessen durchziehen immer tiefere Gräben die Gesellschaft.

Durchgenudelt

Und auch Deutschland ist ein geteiltes Land - West vs. Ost, rechts vs. links, Aldi Nord vs. Aldi Süd. Das rechte Lager rund um die AfD gibt sein bestes, um diese Teilung voranzutreiben, doch glücklicherweiser, ist das Beste dieser Empathie-Allergiker bei weitem nicht gut genug. Intern wird gekniffen, gekratzt, an den Haaren gezogen, und geschwängert. Das arme Kind. In einer modernen Welt als Kind von Rechtspopulisten aufzuwachsen und nie mehr als das nächste Dorf in Brandenburg sehen zu dürfen, um Heimatgefühl und Traditionsbewusstsein zu stärken, kann einem echt Leid tun. Kepetry selber ist auf's parteiinterne Abstellgleis geraten, vielleicht haben die Muttergefühle sie soft werden lassen, vielleicht fehlt ihr der krass rechtsradikale Hintergrund, der notwendig ist, um in der AfD als geläuterte Seele Karriere zu machen. Doch welches AfD-Mitglied wird als nächstes von der Partei geschasst? Wen denunziert Bernd Höcke nächste Woche? Warum war das alles gar nicht seine Schuld? Und war Hitler nicht eigentlich ganz okay? Und überhaupt, hat sich das neue AfD-Spitzenduo Weidel & Gauland noch nie öffentlich von Marc Dutroux, Anders Breivik, Stalin, Guantanamo und Nutella-Käse-Broten distanziert. Die Partei hat sich nicht nur für ein neues Spitzenduo entschieden, sondern auch beschlossen, wie die AfD weiterhin Politik machen soll - und zwar nicht realpolitisch, sondern schön populistisch, unrealistisch, rassistisch, bescheuert, nichts Neues. Und dennoch irgendwie die Erwähnung wert, dass die AfD auf dem besten Weg ist, sich in das RTL II der deutschen Politiklandschaft zu entwickeln: Viel Drama rund um Frauentausch und aus Schadenfreude guckt man hin.

Ebenso erwähnenswert ist das Motiv des Dortmunder Fußballbusbombers - Der Bomber der Nation wollte sich am Terrorakt durch an der Börse getätigte Investitionen finanziell bereichern. Auf einer Skala von 1 bis Lottogewinn, liegt diese Idee irgendwo zwischen "Ein-Cent-Münzen einschmelzen, um das Eisen und Kupfer für 1,9 Cent verkaufen zu können" und "Eine Lebensversicherung abschließen, sich selbst umbringen, Versicherungsgeld kassieren". Die sinnvollste Variante wäre jedoch, zur Universität zu gehen, einen Abschluss zu machen, einen Job zu finden und das System von innen heraus auszunutzen. Perfide.

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