Diverses:Ungebetene Gäste

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Bis zu unserem Eintreffen ist das Doppelzimmer im Neuzustand.

Sie kommen

Das ändert sich, als eine Gruppe allzu frivoler Kumpel mit einer Dreiliterflasche Asbach-Uralt in unser friedliches Refugium einsickern und sich dort gegen unseren Willen unmoralisch zusammenrotten. Mit feinfühliger Diplomatie versuche ich mich zunächst verbal dagegen zur Wehr zu setzen (HAUT AB!), wohl wissend, dass unser Zimmer danach nicht mehr ein Ort der Ruhe und Entspannung sein würde... Auch mein anschließend erbärmlich-würdeloses Flehen erweist sich als suboptimal, so dass sich die Kollegen überfallartig und unaufhaltsam in den bescheidenen Räumlichkeiten entwickeln. Während ich noch nach Waffen fahnde, kollaboriert mein hinterhältiger Zimmergenosse mit den Besetzern und frönt ebenfalls heimtückisch der braunen Alkoholika. Nach gewaltsamen Öffnens des Kunststoffkorkens stellt die Subkultur unbeeindruckt fest, dass es viel Weinbrand gibt, aber wenig Cola. Der maßvolle Umgang mit dem dunklen Zuckersaft wird aus diesem Grund angemahnt. Die Folge ist ein Abfüllverhalten, dass jeden Weinbrandbauer den Mageninhalt in die Kehle triebe: Stilvolle Plastikbecher werden fast bis zum Rand mit Asbach gefüllt. Ein Spritzer Cola krönt dieses exquisite Getränk, ohne es geschmacklich zu beeinflussen.

Jetzt sind sie da

"Püh, is-datt-süüüüss. Schümma-watt-naach", tönt es aus der Ecke. Der derzeitige Asbachgewaltige gießt daraufhin 0,2 Liter Weinbrand in Plastikbecher und Schoß des Bittstellers. Die klebrige Flüssigkeit nässt dessen Gemächt, worauf dieser anfängt manisch verwirrt zu lachen. Paranoide Gruppenmitglieder prämieren diese grandiose Ausschankleistung mit einem respektzollendem: "MEGA-PÜÜH!" Gegenstände fliegen durch den Raum und zerschellen an den Wänden. Übrig bleiben unlöschbare Zeitzeugnisse dieser exzessiven Sauforgie. Ein Rädelsführer erhebt sich plötzlich und nimmt eine Cola-Flasche in die Hand. Ich ahne böses. Angst treibt mir Schweißperlen auf die Stirn und es kommt entsetzlicher als ich befürchtete: Er verschließt die Flasche mit seinem fossilen Daumen und schüttelt sie, bis er für sich selber empfindet, dass es genug ist. Sichtlich zufrieden verspritzt er den Überdruck im Raum und dreht sich dabei um die eigene Hochachse. Cola spritzt aufgeschäumt durch das Zimmer, benetzt die Wände und uns.

Es geht weiter

Aber das war nur der bescheidene Anfang: Das Monster erntet anerkennend stehende Ovationen mit Lobgesängen degenerierter Kollegen. Beflügelt von dieser phänomenalen Erfolgwelle lässt er sich auf das bis dahin annehmbar saubere Doppelbett fallen und breitet einen Sack mitgebrachter Süßigkeiten auf der Bettdecke aus. In seinen Händen schmelzende Schokolade schmiert er wohlwollend üppig in Decke und Kopfkissen. Zerbröselte Kekse bilden einen Krümelteppich und Schokolinsen fräsen sich in den Bodenbelag. Plötzlich bittet er um Ruhe und hält einen kurzen Moment inne. Weltfremd hege ich die vorübergehende Hoffnung, er würde sich eventuell auf längst vergessene ethische Grundsätze zurückbesinnen. Ein fataler Irrglaube. In die selbsterbetene Stille bläht und rülpst das Biest völlig überraschend Körpergase und freut sich ausschweifend darüber, das es die selbstproduzierten rektalen Feuchtdämpfe nicht schaffen, seine Lederhose zu durchdringen. Am Körper langsam hochkriechend, können diese auf vielfachen Wunsch seiner Artgenossen schließlich doch noch, durch stetiges Lockern des Hosenbundes, der Öffentlichkeit, also uns, preisgegeben werden. In obsessivem Freudentaumel wälzt er sich schließlich in ausgeschütteten Weinbrand und Schoko-Süßigkeiten, wie ein ausgetrocknetes Flusspferd an seiner Wasserstelle. Danach rollt er sich auf die Seite und versucht endlich entspannt mit geöffneten Mund einzuschlafen. Ich bin von diesem Anblick fasziniert und trete ins vorübergehende Wachkoma.
Geweckt werde ich unsanft, als mich ein völlig debiler Mutant mit einem herausgerissenen Türstopper am Schädel trifft. "Püh, wie-hasse-dattn-geschafft? Mach nomma!", gratuliert ihm ein anderer und spendet ob dieser Zielgenauigkeit frenetischen Beifall. Ich atme schwer und bin bereit zu töten. Die Fernbedienung unseres Hotelfernsehers wird zeitgleich von einem Schwachsinnigen als überflüssig angesehen: "Die-paa-meeta-kanze-laufen!" Sie wird daraufhin zu Grabe getragen und unter dem Lattenrost unseres bescheidenen Ehebettes fast unwiederbringlich zur letzten Ruhe gebettet. Die letzte Ölung erfolgt notgedrungen mittels Asbach, da Streichfett "auf tutti" nicht aufzutreiben ist. "Kumma" , ruft lachend eine Bestie aus der Ecke und zeigt auf einen anderen, der gerade mit hängendem Kopf das exzellente Mischgetränk über sich ergießt. Dieser schaut aufgeschreckt auf und kaut ad hoc am Plastikbecher, in der Hoffnung noch etwas Weinbrand herauslutschen zu können...

Missgeschicke

Eine Kleingruppe setzt sich unterdessen ab und machte sich im Badezimmer breit. Zum Auskratzen von Weinstein verwenden sie unautorisiert unsere Zahnbürsten. Dieser braun-klebrige Schmierstoff besiedelt seither die Putzborsten und macht unsere Zähne -entgegen der Verursacher-Meinung- NICHT strahlender. Inzwischen ist auch das Abendessen verdaut und wird munter gasförmig in unser Zimmer gepresst. Aus wechselnden Richtungen ertönen regelmäßig sinnbetäubende dumpf-bis helltonige Blählaute, die mich stets bei Minusgraden auf den Balkon treiben. Ein Erfrierungstod erscheint mir das geringere Übel zu sein. Es entsteht hierbei ein Geruch, der uns in den vier Wänden noch bis zum Urlaubsende begleiten wird. Selbst den zartschmelzigen Verwesungsgeschmack werden wir nicht mehr los. Meine Gesichtszüge entgleiten und ich kämpfe mit spasmischen Anfällen. Nur krampflösende Mittel können mein Leben retten. Leichtsinnig bitte ich den Flaschengewaltigen um eine dezente Mischung. Da die kostbare Cola mittlerweile durch die Wandtapeten aufgenommen wurde, kann die Mischung nicht human ausfallen: Der Weinbrand kriecht meine Kehle herab. Als er auf das Unverdaute trifft, möchte er mit ihm auf direktem Weg das Tageslicht erreichen. Als Folge laboriere ich kurzfristig an einer beidseitigen Gesichtslähmung, die mich noch hässlicher erscheinen lässt. Beim Ansetzen des dritten Plastikbechers verschütte ich die braune Brühe in meinem Bett und bin endlich da, wo ich hinwollte: Ich sabbere, lalle verwaschen, sehe aus wie nach drei Schlaganfällen, aber fühle mich wohl. In meinem Bauch rumort es und ich bette mich auf zerbröselten Nuss-Riegeln. Die Dilirium-Tremens-Biester teilen meine Leidenschaft und sind mir inzwischen ans Herz gewachsen.
Unsere baltoslawische Reinigungskraft steht am anderen Morgen kreidebleich im Zimmer und bekreuzigt sich. Fassungslos stellt sie mir die Frage, welche Schlacht ich in der vorangegangenen Nacht geschlagen habe. Wie sollte ich ihr das erklären? Braveheart? Sie riecht angeekelt an übergroßen braunen Flecken in Bettlaken und -wäsche. Die dunklen Ränder lassen zugegeben nur den abscheulichsten Schluss zu...! Ich beteuere meine Unschuld und lege ihr Verpackungsmaterial von Schokoriegeln vor, um leider völlig erfolgsneutral den Verdacht eines Schließmuskelversagens zu entkräften. Halbnackt und erbärmlich-ausgemergelt stehe ich im Raum. Sie dreht sich ein letztes Mal um und betrachtet mich verächtlich von oben bis unten. So fällt meine Begründung ziemlich dürftig aus: "Wir hatten Besuch!" Sichtlich angewidert murmelt sie von Exorzismus und Teufelswerk, bevor sie kopfschüttelnd den Raum verlässt.
Am nächsten Tag hängt ein Kruzifix über unserem Bett.