Diverses:Ischgl, du mein Alp(en)traum!

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Es ist 08:30 Uhr. Ich fühle mich matt. Entgegen unserer friedvollen Absichten bin ich, gelinde gesagt, massivst überfeiert. Nach drei Tagen Terrortrinken hat das Rückenmark die spärlichen Hirnfunktionen dankenswerter Weise mit übernommen. So versuche ich momentan kläglich meine Überlebensfunktionen aufrecht zu erhalten.

Bei dem Versuch das Frühstück zu verdauen, bricht mein Kreislauf zusammen. Ich schiebe die Nikotin-durchtränkte Gardine zur Seite und schaue nach draußen: Zunächst traue ich meinem Verstand nicht als ich die inaktive Seilbahn sehe, doch als sich die anwesenden Primaten meinem Entsetzen anschließen, muss ich ihm glauben:
Totalausfall wegen starker Winde!
Die Konsequenz dieses Dramas kann nur, wie in den Tagen zuvor, der brachiale Konsum von Alkohol sein. Dieser Meinung schließen sich meine mitgereisten Artgenossen völlig überraschend an, so dass wir das mitgebrachte Wodka-Fläschchen, sowie einige Döschen Red Bull gewaltsam öffnen und uns in den Hausflur der Pension kauern. Schon nach wenigen hastigen Schlücken weicht besorgniserregend schnell die innere Anspannung dem wohligen Gefühl der Ausgeglichenheit, um nach weiteren Nanosekunden das uns so sehr vertraute Dilirium-Tremens auf Vortages-Niveau zu erreichen. Anfängliche Antipathie gegenüber allzu geselligen Kollegen macht tiefer Zuneigung Platz. Unter Inkaufnahme extremer Modulations-Störungen und gleichzeitigem Verlust des Sprachzentrums siechen wir, an Heizkörpern und Tür-Zargen lehnend dahin, als gäbe es kein höheres Glück. Nach vorgerückter Stunde machen sich aufgrund dessen stechende Rückenschmerzen und Müdigkeit breit, so dass wir gezwungen sind, in eine angrenzende Kollegenbude einzusickern, wobei wir eine Gruppe dort ansässiger und bis dahin gutherziger Wintersportler infiltrieren. Kaum eingedrungen, besetzen wir drei volltrunken das hiesige Ehebett. Auch heftigste Verdrängungsversuche der geschockten Bewohner bleiben erfolgsneutral und können uns nicht zu einem Verlassen der Räumlichkeit bewegen, im Gegenteil: Nach dekadenten Kippschlücken hochprozentiger Alkoholika rollen wir uns zur Seite und pennen demonstrativ und unwiderruflich ein. Dass ignorante Kollegen angewidert den Raum verlassen, stört nicht einmal unsere REM-Phase.

Wenige Stunden später erwache ich mit Brechreiz erregendem Morgenmund und lutsche Daumen. Ich dachte eigentlich diese frühkindliche Phase meines Lebens abgeschlossen zu haben und muss mit Erschrecken feststellen, dass es sich um den Daumen meines Hintermannes handelt. Nur mit Mühe entledige ich mich dieses unförmigen Gliedes, das sich schrecklicherweise sehr beharrlich an meinem Gaumendach festgesaugt hat. Mit Fingerspitzengefühl werfe ich diese Abscheulichkeit hinter mich, allerdings nicht ohne die Feststellung, dass ich den fremden Daumennagel inzwischen relativ leidenschaftlich steril gelutscht habe. Der Kopf meines Hintermannes liegt unterdessen in meinem Nacken. Aus dessen geöffneter Mundhöhle rinnt der schmierfilmige Speichel, der sich feinfädig, einem Rinnsal gleichend, über meine Schulterblätter auf meinem Rücken ergießt. Sein feuchter Atem verfängt sich in meinem schütteren Haupthaar. Ekel überkommt mich und mein Restverstand versucht diesem kontaminiertem Körper zu entfliehen. Als meine taktilen Körperfunktionen die Kontrolle zurückgewinnen, spüre ich eine fremde Hand in der flaumig beharrten Spalte meines Hinterteils:

Starr vor Angst atme ich flach. Vor dem geistigen Auge male ich mir die Penetration meines Rektums durch fremde Extremitäten aus und möchte sterben. Gedanklich gäbe ich gerade ein Königreich für ein Fallbeil! Zu meiner Schande muss ich feststellen, dass sich meine linke Hand unterdessen an das Brustbein meines Vordermannes geschmiegt und die andere dessen Rippenbogen umklammert. Zusammengerollt in embryonaler Haltung, sieht es zunächst für mich so aus als böte mein Vordermann sein Gesäß feil...

Lieber Gott, lass es uns nicht getan haben...ich befinde mich in einem FUCKING SANDWICH!

Mächtig angeschwult schwinge ich mich durch eine ruckartige Dreh/Kipprolle aus dieser katastrophalen Position. Durch herumliegende Flaschen und Geröll komme ich ins Stolpern, verliere die Kontrolle und stürze kopfüber über meine Längsachse nach vorne. Durch unkoordinierte Lastwechsel gewinne ich bedrohlich an Geschwindigkeit und ramme meine feinknöchige Fontanelle in vorgebeugter Haltung gegen die tragende Hauswand. Eine handvoll Marschflugkörper detonieren in meinem Schädel. Meine Schreie verhallen unbeachtet und ich suche innerhalb des Raumes vergeblich nach Schuss- oder Stichwaffen, um meinem erbärmlichen Leiden endlich ein Ende zu machen.

Nach Abklingen erster Schmerzen (etwa 6 Std.) trete ich ins unkontrollierte Wachkoma und verschlucke fast meine angeschwollene, pelzbehaftete Zunge. Schwitzend, mit blutunterlaufenden Augen, schaue ich in den Spiegel und auf die dahinsiechenden Kumpel, die bis dahin von meinem unermesslichen Überlebenskampf keinerlei Notiz genommen haben: Ich bin angekommen. So muss es in der Hölle aussehen. Ein Anblick des Grauens.

Einer der dahin vegetierenden Mutanten bewegt sich plötzlich und ruft: „Hasse-nowatt-zu-saufen?“ Ich antworte nicht und fahre mir mit schweißnassen Händen durch mein Haupthaar, das inzwischen unwillkürlich an Berlin '45 erinnert. Mir ist klar, dass ich tiefer nicht sinken kann.

Mit brachialen Brechreizen kämpfend komme zu der Erkenntnis, dass unsere Körper bestenfalls noch aufwendig in der Nordsee verklappt werden könnten... Nie wieder Alkohol, ich schwöre!!


Es ist 16:30 Uhr und ich sitze in irgendeiner Bar. Vor mir steht ein Glas Wodka-Redbull und meine allgemeine Mattheit weicht wieder einmal einer zunehmenden Thekenzufriedenheit.

Nach dem ersten Schluck erkenne ich gegenüber einen der sympathischen Bettgenossen bei dem Versuch gleiches zu bestellen... Ich winke ihm freundlich zu und mein Gesicht verzieht sich zu einem geschmacklosen Grinsen... Ich frage mich wieder einmal:

„Warum bin ich eigentlich so seltsam glücklich?“