1 x 1 Silberauszeichnung von Klugscheißer

Diverses:In der Bretagne

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Auch in diesem Jahr sollte für den Urlaub die heimische Höhle verlassen werden. Als Ziel wurde die Bretagne ausgewählt. Im Westen Frankreichs, kurz vor dem Wasser gelegen, gilt die Bretagne als das bessere und wahre Britannien. Das ärgert vor allem die Engländer. Vor lauter Ärger beschlossen sie deshalb auf der falschen Seite Auto zu fahren und allen Speisen einen Schuss Minzlikör hinzuzufügen.

Die Anreise

Gute Vorbereitung sorgt für entspanntes Fahren.

Der Tag begann zu einer sagenhaft unchristlichen Uhrzeit. Gegen 3:30 Uhr klingelte der Wecker zum ersten Mal. Nach dem fünften Betätigen der Schlummer-Taste konnte er uns dann doch zum Aufstehen bewegen. Natürlich wurde es dadurch etwas knapp mit dem Vorhaben, um 5:00 Uhr auf dem Weg zu sein. Es wurde dann 6:00 Uhr bis wir es schafften, die Strasse von unserer Höhle zur Autobahn zu nehmen. Kurz vor der Auffahrt wurde die Vermutung laut: Wir haben etwas vergessen!. Bis zur dritten Ausfahrt der Autobahn wurde es zur Gewissheit und wir wussten was es war. Also runter von der Autobahn und wenden. Normalerweise tun wir dies auch auf der Autobahn, aber das war uns für eine Urlaubsfahrt zu anstrengend. Wieder zu Hause angekommen, konnten die vergessenen Schnittchen mit allerlei Wurst und Käse angefertigt und eingetuppert werden. Danach ging es zum zweiten Mal los.

Sehr überrascht haben uns dann zwei Polizisten auf Motorrädern. Kurz nachdem wir französischen Boden befahren hatten, tauchten sie im Rückspiegel auf. Auf einer Strasse, an deren Einfahrt wir eine Gebühr wie am Nürburgring für eine schnelle Runde bezahlen mussten, waren Sie da. Ein kurzer Blick auf den Tachometer unseres Autos informierte über die aktuelle Reisegeschwindigkeit von fast 160 km/h. Guck mal Schatz, die beiden wollen auch mal auf einer abgesperrten Strecke ausprobieren, was ihre Maschinen hergeben. sagte ich zu meiner Frau. Ich beschloss, den beiden diese Chance zu bieten. Bis ca. 200 km/h konnten sie gerade noch mithalten. Kurz danach fielen sie zurück und wir sahen sie nie wieder. Und ich war ganz froh, die Nummernschilder unseres Autos vor Fahrtantritt durch selbst erstellte ersetzt zu haben. Nach weiteren vier Stunden lockerer, ereignisloser Fahrt, erreichten wir unser Ziel, Guémené sur Scorff und verzogen uns sofort in die vorbereiteten Betten.

Die Unterkunft

Auf sowas freut man sich nur bei Dunkelheit.

Auch in der Bretagne klingelte der Wecker viel zu früh. Allerdings stand er nicht in greifbarer Nähe auf dem Nachttisch, sondern etwas weiter entfernt auf einer Konstruktion aus Stuhl und Bügelbrett. An ein einfaches Drücken der Schlummer-Taste war also nicht zu denken. Eine zusammengerollte Unterhose fegte ihn schwungvoll von seiner erhöhten Position und der folgende Sturz beraubte ihn all seiner mechanischen Funktionen. Da er als reines Deko-Objekt unbrauchbar war, wanderte er anschließend sauber getrennt nach Werkstoffen in den Müll. Aber da ja ein Urlaub nichts mit im Bett liegen bleiben zu tun haben sollte, bequemten wir uns dann doch aufzustehen. Zuerst wollten wir natürlich unser Domizil für die nächsten Tage begutachten. Es ist schon erstaunlich wie sich die Definition von rustikalem Charme in verschiedenen Ländern unterscheidet. Zumindest die zugesagten, neu eingesetzten Fensterrahmen waren vorhanden. Die Hoffnung auf die ebenfalls zugesagten Fensterscheiben sank aber langsam auf Null. Mit diesem Hintergrund verbrachten wir unseren ersten Tag in der Bretagne mit der Suche nach einer neuen Unterkunft. Zum Abschluss des Tages gab es dann typisch bretonische Spezialitäten, vier Cheeseburger zum Mitnehmen von McDonald's.

Muschelessen

An diesem Tag sollte es kulinarisch ganz besonders bretonisch zugehen. Muscheln waren angesagt. Nicht etwa aus dem Supermarkt oder aus einem der praktischen Muschelspender, die überall in der Bretagne zu finden sind. Selbst aus dem überall herumliegenden Meer geholt, sollten sie sein. Dann nach möglichst originalem Rezept zubereitet. Wie bekommt man die Muscheln also aus dem Wasser?. Die ersten Versuche, mit einer käuflich erworbenen Muschelpfeife, schlugen gewaltig fehl. Außer einem 5 Meter langen Oktopus ließ sich nichts am Strand blicken. Von einem, ebenfalls am Strand herumlungernden Fischer, erfuhren wir dann das Geheimnis des Muschelfangs. Glasperlen, die hatte der gute Mann auch reichlich zu verkaufen, und es funktionierte tatsächlich. Nicht lange nach dem Auslegen einer handvoll Glasperlen am Strand, kamen die ersten Muscheln angehoppelt und ließen sich bereitwillig einsammeln. Die 100 Euro hatten sich wirklich gelohnt. Nach dem ebenfalls von dem netten Fischer gekauften Rezept, wurden die Muscheln in heißem, vollsynthetischen Motoröl der Spezifikation 10 W 30 ungefähr drei Stunden erhitzt. Das immer noch glibberige Innere der Muscheln bekamen die Seemöwen und wir machten uns über den knusprigen Rest her. Gekrönt wurde dieses Geschmackserlebnis mit Bauchschmerzen und Schwindelgefühlen bei Kerzenschein bis spät in die Nacht. Zufrieden schlummerten wir in den nächsten Morgen hinein.

Pont Aven

Wie fast jeden Morgen, war die wichtigste Frage: Was essen wir zum Frühstück? Croissants, Croissants oder Croissants? Unsere Wahl fiel auf ein Baguette. Zu den bretonischen Spezialitäten gehört, neben allerlei Fischhaltigem, auch gesalzene Butter. Für sich alleine genommen ist sie bestimmt auch sehr schmackhaft, aber nicht wenn man auf Erdbeerkonfitüre zum Frühstück steht. Da durch diese Umstände das Frühstück dann doch nur aus Kaffee bestand, wurde beschlossen, wenigstens zum Mittag die Bretagne kulinarisch zu erkunden. Der romantische Ort Pont-Aven erschien uns als der richtige Rahmen. Auch Paul Gauguin soll hier schon seine Künstlernase in den Cidre gehalten haben.

Angenehm überrascht, von den in englischer Sprache verfassten Speisekarten auf dem Tisch, beschlossen wir, uns im Restaurant Zur Wassermühle nieder zu lassen. Um aber unseren Status als Touristen etwas zu verschleiern, bestellten wir zuerst einen Satz Speisekarten in französischer Sprache. Um aber auch ja nichts falsch zu machen, sprachen wir dabei Englisch. Der Gesichtsausdruck der Kellnerin, mit dem wir belohnt wurden, war schon sehenswert. Hier hatte der alte Paul also seine Impressionen für die Bilderserie Schankmägde der Bretagne gefunden. Ich glaube, sie zerbiss auch ein paar abfällige Bemerkungen hinter ihrem doch recht wilden Bartwuchs. Wir wählten dann zweimal Galettes dé Paul, und waren überrascht, dass sie ohne Tintenfisch waren. Ein Spaziergang entlang der Mündung des Aven verbrauchte unsere Restenergien und führte zu einer frühen Nachtruhe.

Merlin

Fast wie die Nebel von Avalon!

Der nachfolgende Tag begann so wie man sich einen perfekten Urlaubstag wünscht. Es lag leichter Nieselregen in der Luft, das Thermometer zeigte gerade einmal 10 Grad Celsius und den letzten Kaffee hatten scheinbar die nachts umherstreifenden Wölfe getrunken. Vielleicht half ja etwas Magie dabei, doch noch etwas aus dem Tag zu machen. Der richtige Platz, um fündig zu werden, war der Wald von Paimpont. Hier sollen Artus und seine Ritterfreunde das Prinzip des runden Tisches erfunden haben, welches noch heute bei Diskussionsrunden zum Totreden der wichtigsten Themen angewandt wird. Wichtiger als diese Männerrunde war damals aber der Urvater der Spitzhutträger, der alte Merlin. Nicht nur, dass er im Wald von Paimpont sein Unwesen getrieben haben soll, auch seine letzte Ruhestätte soll dort liegen und Horden von Gothics als Pilgerstätte dienen. Genau da wollten wir hin. Der Nieselregen war auf der Fahrt, in einen dichten, fast klebrigen Nebel übergegangen. Die grünliche Farbe des Nebels war wohl nur Einbildung. Nachdem wir einige Stunden kreuz und quer durch den Nebel gefahren waren, tauchte plötzlich ein zerlumpter Mönch auf. Er stand mitten auf der Strasse. Unter seiner Kutte lugte ein T-Shirt hervor, der Aufdruck lautete France roulez!

Le tombe de Merlin? fragte ich ihn durch das geöffnete Fenster. la-bas! bekam ich als kurze Antwort. Zusätzlich ließ er sich zu einer allumfassenden Geste, in Richtung des Waldes neben der Strasse, herab. Ebenso kurz fragte ich combien? und wollte damit einen eventuellen Preis für eine Besichtigung erfragen. Mitlerweile hatte er wohl mitbekommen, dass wir nur unbeholfen Französisch sprachen. Du mussen anzünden ein schwartz Kertz! gab er daraufhin von sich. Da wir schon reichlich erschöpft waren, beschlossen wir, uns für die nächste Nacht erst mal ein Hotel zu suchen und Merlins Grab am nächsten Tag zu besichtigen. Die Gegend um Merlins Grabstätte war erstaunlich gut touristisch erschlossen und wir fanden in Fußgänger-Reichweite ein Zimmer, mit Frühstück, für zwei Personen.

Merlin, der zweite Anlauf

Schon sehr früh an diesem Morgen wurden wir vom bestellten Zimmerservice mit Frühstück geweckt. Eine zahnlose, gekrümmt gehende Frau humpelte in unser Zimmer. Petit dejeuner. nuschelte sie während sie einen Schwall Spucke ausspie. Wir machten schnell das Kreuzzeichen vor der Brust, zur Bestätigung dass wir verstanden hatten, Mit einem Kichern verließ sie unser Zimmer. Da wir durch das frühe Aufwachen viel Zeit hatten, bastelten wir ein paar Schiffchen aus den gelieferten Baguettes, Streichölzern und Taschentüchern. Sie schwammen wunderbar in der Toilette. Immer noch lag die gesammte Gegend unter einem Nebelschleier, aber wir wollten trotzdem endlich Merlins letzte Ruhestätte sehen. Mir fiel ein, dass der improvisierte Parkplatzwächter am Vortag etwas von einem zu entrichtenden Obolus für die Besichtigung erwähnt hatte. Was war es noch gleich gewesen? Schwarz, dessen war ich mir sicher, hatte er erwähnt. Und ein relativ kurzes Wort mit K. Und anzünden sollte man das Ganze. Genau, das musste er gemeint haben. Wir sollten also eine schwarze Katze anzünden. Nichts einfacher als das. Neben unserem Hotel war ein alter Schuppen, in dem wir ein zutrauliches Exemplar fanden. Und auch die Farbe des Tiers passte.

Unidentifizierbare Zaubermaschinen säumen den Weg zu Merlins Grab.

Zusammen mit der Katze und knurrenden Mägen, machten wir uns auf den kurzen Fußweg zu der Stelle, an der wir am vorigen Abend unseren ersten Versuch aufgegeben hatten. Früh am Morgen schien der Mönch vom Vorabend nicht im Dienst zu sein und am meisten freute sich darüber die Katze. Sie verlor in diesem Augenblick ihre Funktion als anerkanntes Zahlungsmittel und durfte ihrer Wege gehen. Selbiges taten auch wir und nahmen den ersten Trampelpfad in den Wald hinein. Neben eindeutig magischen Zwecken dienenden Maschinen, wiesen uns kleine Fähnchen den Weg zum Ziel. Nach wenigen Metern konnten wir die eben verlassene Strasse schon nicht mehr sehen. Es war als würde uns der Wald ganz langsam verschlucken. Hätte sich zu den normalerweise in jedem Wald vorhandenen Geräuschen auch noch ein Schmatzen gesellt, hätten wir uns wohl Sorgen gemacht. Nach ein paar weiteren Biegungen des Weges, gelangten wir auf eine kleine Lichtung. Ziemlich mittig auf der Lichtung befand sich ein Steinhaufen mit einem angedeuteten Kreuz aus Ästen.

Auch Merlins Grab bleibt vom Wunschbrunnen-Syndrom nicht verschont.

Kleine, zusammengerollte Zettelchen steckten überall zwischen den Steinen. Neugierig versuchten wir einige, dem vermeintlich hier begrabenen zugedachten, Botschaften zu lesen. Das meiste war auf Französich und somit für uns nur rudimentär verständlich. Einige Vokabeln konnten wir aber doch entziffern. Steuernachzahlung, Zahnschmerzen, Weltfrieden und Telefonrechnung waren einige davon. Aber auch eine für uns vollkommen verständliche Nachricht war dabei. He es dä Jupp us Köln-Ihrefeld. Merlin, leeven Jung, dunn doch ens jet für dä FC. Ne schöne Jrooß och!. Rheinland ist eben da, wo Rheinländer sind.

Viel mehr war in diesem magischen Teil der Welt nicht zu erleben. Frustriert machten wir uns wieder auf den Weg nach Guémené. Allerdings ließen wir es uns nicht nehmen, im Andenkenshop nebenan eine mit Sternen bestickte Kutte zu kaufen. Man weiß ja nie, wann man so etwas mal brauchen kann.

Poul-Fetan

Eines der Lebewesen, für die Schwein keine Beleidigung darstellt.

Aufgrund einer Empfehlung meines Friseurs, wollten wir auch das Leben in der Bretagne vor der Erfindung der elektrischen Zahnbürste kennen lernen. Ein solches Erlebnis sollte in dem Museumsdorf Poul-Fetan möglich sein. Aus einem, bis 1970 bewohnten Dorf, wurde an dessen Stelle, aus den noch vorhandenen Gebäuden, ein Freilichtmuseum geschaffen. Wieso gerade an dieser Stelle, eine solche Menge an freiem Licht vorhanden war, dass man es in einem Museum einpferchen musste, entzog sich unserem Verständnis. Schon kurz nachdem wir den Kassenbereich passiert hatten, kam ein netter kleiner Junge und bat um unsere mobilen Kommunikationsgeräte und eventuell vorhandene, elektrische Zeitmesser. Um keine Spielverderber zu sein, gaben wir ihm die geforderten Gegenstände. Er bedankte sich mit einem Knicks und verschwand behände über eines der nahen Dächer. Die Warnung, dass sich eine Bande von Taschendieben auf dem Gelände herumtrieb erhielten wir erst später. C'est la vie, wie der Franzose im Allgemeinen und der Bretone im Speziellen sagt. Kurz darauf bot man uns an, unsere Kleidung gegen historische Bauerngewänder zu tauschen, um die Illusion einer Zeitreise zu vervollständigen. Aufgrund der Erfahrung mit dem kleinen Jungen und der Tatsache, dass es sich um Kleidung aus recht grobem, garantiert nicht hautfreundlichem Leinen handelte, lehnten wir dankend, aber bestimmt ab. So wanderten wir durch die ungepflasterten Gassen, sammelten neben Eindrücken der Dorfidylle hauptsächlich kleine Steine in unseren offenen Schuhen. Auf dem Dorfplatz wurde am Nachmittag eine Schweineschlachtung für Touristen, mit deren Beteiligung veranstaltet. Ausgerüstet mit einer Saufeder stand ich also wenig später unter den Augen einiger japanischer Kameras einem Schwein gegenüber und hatte die Anweisung, es möglichst human ins Jenseits zu befördern. Bevor ich noch richtig über die angebrachte Strategie nachdenken konnte, stürmte das Tier auf mich los, verbiss sich in meinem Unterschenkel und riss mich zu Boden. Ich glaube, es wird auf Ewig zu den herausragenden Urlaubserinnerungen gehören, als ich nach kurzer Rangelei die Halsschlagader des Schweins über mir sah und mit dem archaischen Werkzeug beherzt zugestoßen hatte und sich ein Schwall warmen Blutes über mein Gesicht ergoss. Andererseits glaube ich, habe ich meiner Frau endgültig den Appetit auf Schweinefleisch verdorben. Auch wurde wohl in diesem Moment der Entschluss gefasst, unseren Urlaub am nächsten Tag zu beenden. Vielleicht war es aber auch nur das recht feuchte Wetter der letzten Tage. Die Rückfahrt verlief dann auch sehr schweigsam und nach einiger Zeit gelang es mir, die eigenartigen Seitenblicke meiner Frau zu ignorieren. Urlaub ist eben immer noch eine der besten Möglichkeiten verborgene Charakterzüge zu offenbaren.

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Dieser Artikel aus den Namensräumen „Diverses“ oder auch „Spiegelwelten“ besitzt aufgrund seiner Qualität die Urkunde „Schatzkistentauglich“ und wird daher im Portal Rumpelkiste gelistet.
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