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Diverses:Das perfekte Grillfest

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Wer ein TV-Gerät besitzt und dieses auch hin und wieder nutzt, kennt das "Problem":

Alle Jahre wieder, der letzte Schnee ist Ende April gerade geschmolzen, da kommen diese selbsternannten Experten von Pro7 oder Kabel 1 mit ihren Sendungen "Galileo", "Taff" und "Abenteuer Leben" und senden sich beinhahe täglich wiederholende Beiträge über Perfektes Grillen.

Analysieren wir diese Grilltipps, -tests und -ideen einmal. Hierbei wird zwischen Grillen im heimischen Garten/Balkon und irgendwo auf öffentlichen Grillplätzen kein Unterschied gemacht, schließlich gibt es (laut diesen Sendungen) nur eine Art perfekt zu grillen, und das überall, sogar unter Wasser.

Totes Tier: Lecker!!!

Der perfekte Grill

Mit dem richtigen Grill wäre das nicht passiert...

Der perfekte Grill kann natürlich nicht ein Exemplar aus dem Supermarkt für max. 20€ sein. Nein, gute Grills gibt es nur im Baumarkt. Sie wiegen mindestend 25 kg, schließlich dürfen sie nicht gleich umfallen, wenn mal ein Frisbee dagegenrummst. So ein Grill muss natürlich ein paar Funktionen aufweisen: Eine einfache Grillschale für die Kohle und ein Gitter darüber für das Bratgut reichen nicht. Ferner muss ein Grill folgende Funktionen haben:

  • Deckel mit integriertem Thermometer und Kompass
  • Fettauffangschale; die tropfende Marinade und das Fett kann man schließlich recyceln und sein Hybridauto damit betanken
  • regulierbare Luftzufuhr-Schlitze für stufenloses Einstellen des Grads der Rauchvergiftung des Nachbarn auf dem Balkon eine Etage höher

So einen Grill gibt es natürlich nicht unter 150€. Und hier beginnt "Abenteuer Leben" schon zu "Abend Teuer Leben" zu mutieren... Aber das ist ja nur der Anfang.

Das perfekte, selbstmarinierte Fleisch und Würstchen

Echte Männer grillen das Tier am Stück

Fertig-mariniertes Fleisch und Würstchen aus der SB-Kühlabteilung? Fehlanzeige!

  • Fleisch kommt ausschließlich vom Biometzger. Alles, was unter 20€/kg kostet ist es nicht wert, gegessen zu werden. Bei Würstchen liegt die Preisuntergrenze bei 12€/kg. Natürlich gutes Fleisch, irisches oder argentinisches Filet, am Besten vom Schwein, Rind und Lamm.
  • Bei Würstchen hat sich das marinieren erledigt. Aber was man da an Zeit spart, kann man problemlos beim Fleisch wieder draufhauen. Marinade wird schließlich selbstgemacht, logischerweise aus Bio-Zutaten. Dazu wird eigentlich nicht viel benötigt: Bier, Senf, Gewürze, Honig und Kräuter (logischerweise aus ökologischem Anbau und/oder vom heimischen Balkon, also schon im Winter anfangen die Kräuter im Wohnzimmer anzubauen). Diese Zutaten in möglichst vielen, möglichst wirren Kombinationen mischen und auf das Fleisch verteilen, am besten schon 3 Tage vor der Grillparty.
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Grillgemüse

Frauen sind ja leider unverzichtbar für Grillpartys: Sie würden ja hinterher nicht spülen, wenn sie nicht teilnehmen würden. Und wie jeder weiß, stehen Frauen eher auf Gemüse als auf Fleisch: Also gibts Tomaten gefüllt mit Zucchini und Champions, Champions gefüllt mit Tomate und Zucchini und natürlich Zucchini gefüllt mit Champion und Tomate.

Beilagen

Salate

Kartoffel- und Nudelsalat aus dem Supermarkt sind natürlich nicht angemessen genug. Selbst ist der Mann (angeblich): Schon 12 Stunden vor Beginn der Grillparty sollte man in der Küche stehen und beginnen, alles selbst zuzubereiten. Wäre machbar, wenn es bei Kartoffel- und Nudelsalat bleiben würde. Aber das reicht nicht: Grüner Salat mit selbstgemachtem Dressing darf natürlich auch nicht fehlen. Hier der erste nützliche Tipp: Grünen Salat und Dressing getrennt voneinander aufbewahren, sonst wird das ganze matschig.

Backwaren

Brötchen, Baguettes, Ciabattas, Kräuter- und Knoblauchbaguettes, Die Auswahl an Backwaren muss schließlich mindestens so groß sein wie die Anzahl an verschiedenen Marinaden für das Fleisch.

Soßen und Dips

Sollten natürlich ebenfalls selbstgemacht werden. Ist ja laut diversen Internetrezepten pro Soße/ Dip nur ein Aufwand von ca. 5 Minuten. Mindestens 3 Soßen und Dips müssen vorhanden sein. Wenn schon diverse Backwaren, Salate und Fleischsorten vorhanden sind, dann kann man ja auch hier richtig protzen. Sollte man keinen Bock oder Zeit haben für selbstgemachte Grillsoßen, dann tun es stattdessen auch doppeltsoviele Fertigsoßen. Für jeden Geschmack etwas: Knoblauch- Curry-, Cocktail-, Süß-Sauer-, Zigeunersoße, dazu noch Ketchup, Majonese und Senf. Kräuter- und Knoblauchbutter sind auch unverzichtbar.

Je mehr, desto besser

Getränke

Hier muss natürlich auch für jeden was dabei sein: Bier (Export, Pils, Radler, Weizen), alkoholfreies Bier, Wein, Sekt, Cola, Cola Zero, Fanta, Fanta Zero, Sprite...usw. Dazu Wasser (mit viel, wenig und ohne Kohlensäure), Apfel-, Orangen-, Kirsch-, Bananen-, und Multivitaminsaft sind ja wohl das Mindeste. Und Energydrinks und Hochprozentiges verstehen sich ja von selbst.

Grillutensilien

Haben wir auch nichts vergessen?

Neben dem Grill benötigt es noch weitere Dinge, damit eine Grillparty steigen kann, die selbst einen russischen Oligarchen neidisch machen würde:

  • Teller (flache und hohe Teller, einen für Fleisch, einen für Salat und Beilagen)
  • Besteck (Messer, Gabel, Löffel, dazu Kaffelöffel und Kuchengabel, man kann ja nie wissen...)
  • Gläser (mindestens vier pro Person, eins für Alkohol, eins für Wein/Sekt, eins für alkfreies Gesöff, ein Schnapsglas, für Weizenbier natürlich noch eins extra)
  • Klappstühle: logischerweise nur mit Sitzauflage, gefüllt mit reinster Bio-Wolle.
  • Decken: Frauen wollen schließlich auch mal auf den Balkonfliesen oder der Wiese sitzen und dort gemütlich ein gutes Buch lesen...WTF??
  • Einen Sternekoch; wer will sich denn schon selber die Finger schmutzig machen?
  • Spülmittel, Schwamm und sonstiges Zeug (vor allem eine Frau) um noch an Ort und Stelle zu spülen

Dies und Das

  • Pro Person sollte man schon mit 100€ rechnen, aber das Geld ist gut investiert, schließlich dauert der Sommer in Deutschland nur ein, zwei Wochen. Soviel Zeit zum Grillen hat man also nicht
  • Es empfiehlt sich beim Grillen fernab des heimischen Gartens/Balkons pro Person mindestens einen Sherpa (Gepäckträger) einzustellen, sonst bekommt man den Scheiß nicht zum Grillplatz
  • Eine wahre Geschichte: Wenige Tage nach Fertigstellung des Artikels ging der Autor ebenjenes auf die ProSieben-Webseite um sich über Galileo und deren ständige Wiederholungen zu beschweren. Und was sah er dort? Ein Galileo-Video über Grillen. Schon einen Tag später sendete Galileo zu ihrer üblichen Folterzeit Sendezeit einen weiteren Beitrag über Grillen, natürlich mit dem Fettsack der Nation Jumbo Schreiner in der Hauptrolle.

Fazit Grillen nach TV-Anleitung

Für reiche Leute taugen diese Grillanleitungen natürlich. Wir haben hier in Deutschland auch so unglaublich viele reiche Leute. Aber schauen diese Reichen solche Sendungen? Wohl eher nicht. Der Durchschnitts- "Galileo"-, "Taff- und "Abenteuer Leben"-Zuschauer lebt von Hartz4 und grillt allerhöchstens das gestorbene Haustier auf dem Elektrogrill vom Sperrmüll. Alles in Allem also lauter unnützes Zeug um die Sendezeit zu füllen. Die Vorbereitungen zu dieser Art des perfekten Grillens dauern deutlich länger, als das Grillfest an sich. Wer sich beim Grillen nicht an die Tipps dieser selbsternannten Experten hält, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben.