Diverses:Bau des Petersdoms

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Der Petersdom.
Schaut man sich heutzutage Rom aus der Luft an, fällt neben ein paar Ruinen von Massenschlachthäusern, oder anderem Teufelszeug aus einer längst vergangenen Zeit, vor allem eine Kuppel auf einem großen Dach mit imposantem Vorbau ins Auge. Dieses als Petersdom bekannte Gebäude stand jedoch nicht immer da. Logischerweise.

Dass der Petersdom auf einem Hügel steht, ist heute fast gar nicht mehr zu sehen, dafür wurde in ausreichendem Maße gesorgt. Auf diesem Hügel standen einige sehr interessante Gebäude, bevor die katholische Kirche dort Einzug hielt. So ließ der römische Kaiser Caligula einen Circus dort bauen, den Nero zu einem Palast ausbaute. Auch davon ist heute nichts mehr übrig, dafür wurde ganz besonders gesorgt. Denn auf der heiligsten Stätte des Christentums haben Profanbauten nichts verloren. Gar nichts.

Aber das Wichtigste, und somit auch der Grund, warum ausgerechnet hier das Hauptquartier des Katholizismus eingerichtet wurde, war die Tatsache, dass sich auf und um diesen Hügel eine der größten Gräberstätten Roms befand. Zu dieser Zeit wurden noch Mausoleen errichtet, und dort wimmelte es nur so davon. Aber natürlich hat das Christentum mit Totenbeschwörung oder gar Nekrophilie rein gar nichts zu tun; Nein, man interessierte sich besonders für das Grab eines gewissen Apostels namens Petrus, der hier wohl hingerichtet und begraben sein sollte.

Vorgeschichte

Wer glaubt, dass Kaiser Konstantin das Christentum in Rom eingeführt hatte, weil ihm Jesus Christus erschienen sei, der ist auf einem Irrweg, den uns einige Leute jetzt noch glauben lassen wollen. Nein, dieser Schritt war rein politischer Natur. Der christliche Glaube strebte zu dieser Zeit trotz Verfolgung auf - sehr zum Leidwesen der pantheistischen römischen Staatsreligion, die damit gar nicht klar kam. Um also den Frieden wiederherzustellen und das "wild gewordene" Christentum unter Kontrolle zu bekommen, erfand Konstantin die Geschichte, Jesus Christus sei ihm erschienen und habe ihm befohlen, in seinem Zeichen Rom von einem Rivalen, der es sich gerade dort bequem gemacht hatte, zurückzuerobern.

Um nun alles unter Kontrolle zu behalten, berief Konstantin das sogenannte Konzil von Nicäa ein, in dem er mit den christlichen Oberhäuptern die Dogmen seiner neuen Patchworkreligion festlegte. Der Katholizismus, der mit dem ursprünglichen christlichen Glauben nicht mehr allzu viel zu tun hatte und sich im Laufe der Geschichte immer weiter davon entfernte, war geboren. Beachtenswert ist, dass Konstantin selbst damit nicht allzu viel zu tun haben wollte und sein Leben lang Heide blieb; er wurde erst auf dem Totenbett getauft, als er sich nicht mehr dagegen wehren konnte.

Um der ganzen Sache abschließend eine Art Manifestation zu geben, erkundigte man sich, wo es denn in Rom eine christlich angehauchte Stelle gäbe und stieß darauf, dass das angebliche Grab des Apostels Petrus dazu vielleicht geeignet sei. Kurzerhand wurde der Hügel planiert und eingeebnet, und die erste Petersbasilika wurde auf dem angeblichen Grab errichtet. Das pompöse Gebäude hatte fünf Schiffe und ein Querschiff und außerdem einen ausladenden Innenhof. Die Nachricht war eindeutig: Wir haben jetzt das Sagen.

Die Basilika wurde noch einige Male umgebaut und hatte schlussendlich neben dem großen Hauptsaal so eine Menge an Seitenkapellen und Gängen, dass das Gebäude innerlich eher einem Bordell mit Schwarzmarktaspekten denn einer Kirche ähnelte. Außerdem gab es auch genug Päpste, die der Bau überhaupt nicht interessierte und vor allem mit der kurzzeitigen Verlegung des Papsttums nach Avignon kümmerte sich niemand darum, dass ein fast 1000 Jahre altes Gebäude auch mal instand gehalten werden muss, wenn es nicht zusammenfallen soll. Stückweise passierte nun genau das - einzelne Teile brachen zusammen, Mauern standen schief und krumm und seinen Höhepunkt erreichte es, als dann während einer Messe ein Teil des Gebäudes auf eine Gruppe Pilger einstürzte. Anstatt nun Renovierungsarbeiten anzuleiern, ließ der Papst einfach Fundamente für eine Erweiterung ausschachten. Nach seinem Tod blieben die aber einfach unvollendet stehen.

Die Ära Bramante

Der fast fertige Petersdom, noch ohne Kuppel. Zeichnung eines anonymen Künstlers.
1504, 50 Jahre danach, kam Julius II auf den Heiligen Stuhl. Dieser Papst hielt nicht viel von Demut und engagierte den noch unbekannten, aber ehrgeizigen Michelangelo dazu, ihm die Erweiterung fertigzubauen und darin ein monumentales Grabmal für ihn aufzustellen. Allerdings gab es da noch einen bisher relativ erfolgreichen Konkurrenten namens Donato Bramante, der kein Interesse daran hatte, sich diesen Job von einem Neuling nehmen zu lassen. Schließlich hatte er während seinen Aufträgen bereits halb Rom abgerissen und neugebaut. Gemäß diesem Prinzip machte er sich also ganz einfach einen Plan: "Ich reiße den Petersdom ab und baue einen neuen." Die Tatsache ignorierend, dass ihn das den Kopf kosten könnte, fragte er also beim Papst an. Er wurde nicht enthauptet.

Der Papst mit seinem Sinn für Monumentales war von der Idee begeistert und so entschied er über die Köpfe des schockierten Klerus hinweg den Neubau. Michelangelo, dessen Erweiterung nicht mehr gebraucht wurde, wurde nicht mehr bezahlt und damit hatte Bramante seine Probleme geregelt. Er hatte jedoch den Nachteil, bereits in fortgeschrittenem Alter zu sein. Ein Nachteil war es nicht ganz - er hatte so viel Erfahrung, dass seine Pläne nahezu monströs waren und er sich sogar daran wagte, eine riesige Kuppel über das Petrusgrab zu bauen. Aber Großes braucht Zeit. Zeit, die er leider nicht hatte. Er fing also schon mal an, das Innere der alten Petersbasilika abzureißen und Fundamente für das Zentrum des neuen Doms, die Kuppel, zu gießen. Damit wollte er sicherstellen, dass er auch ja als Erbauer des Doms in Erinnerung bleiben würde. Er war nicht mal fertig damit, als Julius bereits starb. Begraben wurde er in einer Nische des alten Doms, und über ihm wurde kurz darauf ein weiterer Papst begraben, sodass sein Grab kaum noch zu sehen war. Der Papst mit den größten Plänen für sein Grab erhielt also das versteckteste, das irgendwo zu finden war. Ironie des Schicksals.

Aber auch an Bramante nagte die Zeit. Als alle vier mächtigen Säulen für die Kuppel fertig dastanden und das Gesamtbild verunstalteten, da sie nicht zum Rest der noch vorhandenen alten Basilika passten, starb auch er. Er hatte zwar die größten Pläne gemacht, aber bis auf die Säulen und ein paar Mauern hatte er kaum etwas zuwege gebracht, das den Namen "Petersdom" verdient hätte. Entsprechend feierte man ihn auch nicht als Erbauer des neuen Doms, sondern als "Donato Bramante, Maestro Ruinante". Die zwei Begründer der nun noch 150 Jahre dauernden Baustelle hatten sich also die niedrigsten Plätze in der ganzen Geschichte von Roms Architektur gesichert.

Todessehnsucht

Nun stand man in Rom da - der alte Petersdom war halb abgerissen, vom neuen stand kaum etwas und die ganze Baustelle samt Finanzierungskonzept hatte auch noch so einen Martin Luther verärgert, der jetzt im Norden der Kirche ihre Mitglieder abspenstig machte. Es musste gehandelt werden, und zwar schnell. Bramante hatte dafür gesorgt, dass der berühmte Maler Raffael sein Nachfolger werden sollte, doch dieser vereinte die Nachteile Bramantes mit jugendlicher Unerfahrenheit - er redete und phantasierte vor sich hin, aber mehr als ein paar Mauern brachte er nicht zustande, bis er plötzlich und unerwartet verstarb. Auf der Baustelle hatte er sich sowieso kaum blicken lassen, da er eigentlich als Maler mit Architektur nichts am Hut hatte. So engagierte man nach dessen Tod wieder einen erfahrenen Baumeister. Giuliano da Sangallo war zwar der geeignete Mann, aber er hatte kaum damit angefangen, sich Pläne zu machen, da starb er auch schon - man hatte anscheinend noch nicht begriffen gehabt, dass sowohl zu junge als auch zu alte Architekten ihre Nachteile hatten.

Man beauftragte nun Giulianos Neffen und Bramantes Assistenten, Antonio da Sangallo, mit der Baustelle. Von diesem erhoffte man sich endlich eine Fertigstellung, da er sowohl von Bramante gelernt hatte als auch jung genug war, um die Sache zu vollenden. Doch dieser Mann hatte einfach keinen Sinn für das Gigantische, das bisher das Bild geprägt hatte. Er wollte eine völlig neue, niedrigere und verwinkeltere Version erschaffen, die seinen Vorstellungen entsprach und mit dem ehemaligen Konzept Bramantes überhaupt nicht zusammenpasste. Also musste zuerst sichtbar gemacht werden, was er vorhatte, damit man sich an etwas orientieren konnte. Er baute erstmal sieben Jahre lang ein großes begehbares Holzmodell seiner Version, die er dann eins zu eins in Stein übernehmen wollte. Dass das Modell wahnsinnig viel Zeit und wahnsinnig viel Geld verschwendete, interessierte ihn nicht im Geringsten, ebenso wenig wie die Tatsache, dass sein Entwurf flächenmäßig größer wäre als der Hügel, auf dem er stehen sollte, und als er fertig war und angefangen hatte, Mauern zu ziehen, stand auch die Hälfte des Klerus, die vorher noch Hoffnung in die Baustelle gesetzt hatte, der ganzen Sache feindselig gegenüber. Das war für seine Reputation ungünstig und er wurde aus unerfindlichen Gründen kurz darauf tot aufgefunden.

Dem daraufhin notdürftig angeheuerten Baldassare Peruzzi fehlte nach den bisherigen Ereignissen die Motivation, überhaupt etwas zu tun. Aber wenigstens war er jemand, der die Architektur verstand, und obwohl er nicht viel baute, blieb sein Teil wenigstens bestehen. Doch da es nicht allzu viel war, brachte er in seiner doch recht langen Zeit von 16 Jahren den Bau kaum voran. Wenigstens hatte er das Privileg, eines natürlichen Todes zu sterben.

Die Kontroverse

Nun stand man in Rom wieder da - es hatte sich seit Bramantes Tod nicht viel geändert, aber Nerven und vor allem Geld hatte das ganze Projekt trotzdem gefressen. Dieses Mal wurde gründlicher überlegt, wer der Nachfolger Peruzzis werden sollte und man einigte sich schließlich darauf, Michelangelo, mittlerweile deutlich gealtert, die Projektleitung zu übergeben. Dieser hatte seinen Vorgängern vor allem eines voraus - er hatte aus ihren Fehlern gelernt. Zuallererst verfluchte er erstmal den Entwurf Sangallos, den er mit dem alten Petersdom verglich (also quasi ein Bordell mit Schwarzmarktaspekten) und fackelte ungeniert eigenhändig das Holzmodell ab, das einen Haufen Geld und Zeit gekostet hatte, aber nun nur noch im Weg stand. Die Mauern Raffaels und Sangallos riss er auch noch gleich mit ab und der damit unzufriedene Bauunternehmer wurde kurzerhand gekündigt, sodass Michelangelo nun absolut alles im Griff hatte.

Er ging etwas klüger vor als die Männer vor ihm - da er wusste, dass er nicht allzu viel Zeit hatte, baute er genau so, dass man am Ende fast gezwungen war, seinen Entwurf zu Ende zu führen. Außerdem verkleinerte er das gesamte geplante Ausmaß auf eine realisierbare Größe, sodass es nun endlich voran ging. Jedoch hatten seine Bemühungen nicht nur positive Folgen. Zwar sah man nun endlich, dass sich der neue Petersdom herausschälte und Gestalt annahm, aber man stellte erschrocken fest, dass der Grundriss ja ein griechisches und kein lateinisches Kreuz war (sprich es hatte vier gleichlange Arme). Das konnte die konservative Seite so nicht hinnehmen, denn das war Teufelswerk, das nur der Verherrlichung Satans dienen würde. Warum das überhaupt so war, wusste zwar keiner so genau, aber es war Grund genug, Widerstand hervorzurufen. Die unzufriedenen gekündigten Bauunternehmer eigneten sich gut als ausführendes Mittel und so versuchte man, das Volk gegen Michelangelo aufzuhetzen.

Der wiederum hatte in dieser Zeit aber bereits den größten Teil des Doms fertiggestellt. Bis auf das große Loch, auf das die Kuppel kommen sollte, war bis auf die Feinheiten eigentlich das meiste fertig. Als man ihn also irgendwann erdolcht hatte, standen seine Werke wie für die Ewigkeit geschaffen da, und man musste sich mit dem arrangieren, was da war. Denn jetzt noch einen Neuentwurf zu starten, wäre das Allerdümmste gewesen, das man überhaupt hätte tun können - das sah auch der konservative Flügel ein.

Der Abschluss

Nach vielen Baujahren wurde die Kuppel mit einer Spezialanfertigung DaVinci's montiert. Zeichnung eines anonymen Künstlers.
Es folgte eine Zeit, die von der Produktivität zwar besser lief als nach Bramantes Tod, aber trotzdem nicht allzu schnell voranging. Die ersten zehn Jahre wirkten zwei relativ unbekannte Baumeister und machten nur noch einige Feinheiten fertig, danach erst wandte man sich an die renommierteren Männer Giacomo della Porta und Domenico Fontana, die endlich die Kuppel schließen sollten, weil der Papst keine Lust mehr hatte, sich jedes Mal eine Erkältung zu holen, wenn er im Dom auftrat. Allerdings hatten beide nicht wirklich Ahnung von derartigen Kuppeln; die letzte in der Größe hatten vor 1100 Jahren die Römer gebaut und die Pläne waren wahrscheinlich im Tiber versenkt worden, denn auffindbar waren sie nicht. 30 Jahre lang holten sich dort noch zwei Päpste Erkältungen, bis die Kuppel endlich stand. Man war begeistert.

Doch alte Wunden heilen nicht - die Inquisition hatte Hochkurs und konnte die Ketzerei eines Zentralbaus gar nicht ertragen. Der letzte Architekt an dem Projekt, das so viel Zeit, Geld, Nerven und Menschenleben gefressen hatte, war Carlo Maderno. Er verlängerte einen Kreuzarm, sodass die Inquisitoren sich beruhigt zurücklehnen konnten. Dabei ging er sogar relativ geschickt vor, denn er riss nicht einfach die Fassade ein, wie es beispielsweise Bramante gemacht hätte, sondern entfernte sie nach und nach und integrierte sogar Teile in den Innenraum. Dumm nur, dass wir bis heute darunter leiden: Der Anbau verdeckt die vorher wesentlich bessere Sicht von vorne auf die Kuppel.

Was nach diesen Geschichten folgte, war nur noch Nebensache. Jemand stellte eine Säulenkolonne auf den Petersplatz und importierte einen Obelisken aus Ägypten. Aber der Petersdom stand. Und man konnte sich endlich wegen anderen Themen gegenseitig bekriegen.