Der Kosmos, sein belebter und unbelebter Inhalt und damit in Zusammenhang stehende Sachverhalte und Theorien

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Der Kosmos ist ein Naturphänomen mit beträchtlichen Ausmaßen, das bereits mehrere hundert Jahre andauert und im Laufe der Zeit verschiedene Wissenschaftler und Philosophen, aber auch zahlreiche Laien beschäftigt hat.

Im yomamazentrischen Weltbild umkreist alle Materie deine Mutter.

Das Leben

Zu den eigenwilligsten und rätselhaftesten Inhalten des Kosmos zählt ohne Zweifel das Leben. Dass es häufig gar als anmutig, majestätisch und überwältigend schön angesehen und als Wunder des Lebens verehrt wird, ist wohl vor allem dem Umstand geschuldet, dass die entsprechenden Ansichten ausnahmslos vom Leben selbst hervorgebracht werden und somit stark subjektiv gefärbt sind. Hätte die unbelebte Materie Gelegenheit, ihren eigenen Standpunkt zu artikulieren, so könnte sie einwenden, dass man es nicht unbedingt anmutig und schön finden muss, sich gegenseitig zu zerfleischen, zu zerkauen und am Ende in stinkende kleine Häufchen umzuwandeln, nur um den eigenen, unaufhaltsamen Verfall ein wenig zu verzögern.

Objektiv betrachtet ist das Leben eine meist etwas matschige Angelegenheit, die sich im Rahmen mehr oder weniger ausgeklügelter Mechanismen selbst reproduziert und damit ihren ungünstigen Hang zur Vergänglichkeit auszugleichen versucht. Die hierbei auftretenden Ungenauigkeiten können nach und nach zu weitgehender Verfremdung führen, so dass es inzwischen schwer fällt, etwa beim schottischen Kampfhamster einerseits und dem Glühbirnbaum andererseits noch die gemeinsamen Vorfahren zu erahnen. Diese schleichenden Veränderungen sind auch unter dem euphemistischen Begriff der Evolution bekannt und treiben mitunter seltsame Blüten, von denen einige bald darauf von selbst wieder verschwinden, während andere sich unkontrolliert auf der ganzen Welt verbreiten und große Anstrengungen unternehmen, wieder anderen das Leben schwer zu machen.

Tiere

Die heute gängige Systematik teilt die Tierwelt in zwei Bereiche ein: essbare und nicht essbare Tiere. Entgegen anders lautenden und meist ideologisch motivierten Stimmen sind die meisten Tiere essbar. Auf dem Gipfel der Essbarkeit finden sich so erlesene Delikatessen wie Schwein und Rind (aber: Das Bullenschwein ist nicht essbar!), das Fischstäbchen sowie die Schwalbe, bei der sogar das Nest noch eine leidlich genießbare Suppe abgibt.

Unbedingt essbar: Das SPAM-Ferkel

Es können aber auch Tiere verzehrt werden, die nicht primär für ihre Genießbarkeit bekannt sind. Achtpupilliger Scharfmaulfisch wird nach entsprechender Zubereitung durchaus essbar, der Laberlachs hält nebenbei sogar noch die Konversation in Gang. Eine umfangreiche Versuchsreihe der Europäischen Union konnte außerdem nachweisen, dass auch Pferde und Ponys essbar sind, wenngleich sie meist als zu süß betrachtet werden. Nur wenige Tiere sind wirklich nicht essbar. Das absurd elastische Fleisch des Kirgisischen Trapezbären ist unmöglich zu kauen, Beutelwolf und Kamel sind einfach zu widerwärtig und es bedarf wohl kaum der Erwähnung, dass auch der Irrelefant bei der Ernährung keine Rolle spielt.

Mit den nur teilweise essbaren Tieren existiert außerdem eine Grauzone zwischen diesen beiden Gruppen. Hierunter fallen insbesondere einige Meeresfrüchte wie der Kugelfisch, der zwischen wohlschmeckenden Filetstücken immer mal wieder ein tödliches Gift platziert, und der Blauwal, bei dem eher die Dosis das Gift macht, sowie natürlich der Klassiker schlechthin, der Frikadellenköpfige Holzpferdhund. Im Extremfall ist ein Tier sogar für sich selbst teilweise essbar: Der Affenpilot mit Armen aus Wurst verspeist in Zeiten der Not seine eigenen Gliedmaßen, um nicht vom Fleisch zu fallen.

Zu guter Letzt bilden die nicht essbaren Tiere, die trotzdem gegessen werden, eine kleine Schnittmenge der essbaren und der nicht essbaren Tiere. Es gibt Fernsehsendungen, die sich weitgehend auf den spektakulär inszenierten Verzehr von Mehlwürmern beschränken. Es wird außerdem geschätzt, dass der Mensch im Laufe eines Lebens rund elftausend Spinnen versehentlich verschluckt, während er schläft – völliger Blödsinn, der zart besaitete Mitmenschen dennoch zutiefst verunsichern kann.

Fiktive Arten

Schon früh stellte der Mensch fest, dass die Artenvielfalt auf der Erde doch recht enttäuschend ausfällt. Daher begann er bald eigene Tiere zu erfinden, um diesen Mangel zu beheben. Dieses zunächst noble Ansinnen scheitert allerdings an einer frappierenden Einfallslosigkeit, die so gut wie nichts substanziell Neues hervorzubringen scheint. So sind fast alle Fabelwesen fantasielose Rekombinationen realer Tiere; der Drache ist eine Feuer speiende Echse mit Flügeln, der Wolpertinger ein Hase mit Geweih und Flügeln (Serviervorschlag), und die größte Frechheit – das Einhorn – kann kaum überhaupt als eigene Art gelten.

Etwas schwer zu erklären ist in diesem Zusammenhang, warum auf der anderen Seite immer wieder versucht wird, bestimmte Tierarten zu vernichten und die Vielfalt so noch weiter einzuschränken. Noch schwerer ist zu erklären, warum das ausgerechnet Kandidaten wie den Dodo treffen muss und nicht etwa die Stechmücke oder den gemeinen Hurensohn, ein Insekt aus der Familie der Lichtgeier.

Deutlich einfallsreicher als der Mensch ist in Bezug auf die Erfindung nicht existierender Lebensformen der Quastenflosser, eine Tatsache, die in der Welt kaum Beachtung findet. Der Quastenflosser erfindet, wohl weil er ansonsten kaum Reizen ausgesetzt ist und sich ziemlich langweilt, in einer einzigen Nacht etwa zwanzig bis dreißig Tiere der abwegigsten Sorte. Leider kann er seine Ideen nicht kommunizieren und hat sie im Laufe der nächsten Tage, spätestens nach ein paar Wochen vollständig wieder vergessen. Man geht davon aus, dass der Quastenflosser so lange nicht aussterben wird, bis er einmal die Möglichkeit hatte seine Gedanken vernünftig zu Papier zu bringen. Der Quastenflosser ist nicht essbar.

Pflanzen

Fahrende Bäume sind derzeit im Begriff, das Auto abzulösen

Mit den Pflanzen verhält es sich im Grunde ähnlich wie mit den Tieren, wobei die Eigeninitiative hier sehr viel schwächer ausgeprägt ist. Eine Ausnahme stellen Fahrende Bäume dar (siehe Abbildung), deren enorme Mobilität sogar die der meisten Tiere übertrifft.

Im Vergleich zur Tierwelt ist das Reich der Pflanzen ungleich komplexer aufgebaut. Neben essbaren und nicht essbaren Pflanzen gibt es nämlich auch rauchbare und als Tee aufbrühbare Pflanzen und solche, mit denen dies oder jenes nicht möglich ist, kurz: Die Nutzung der Pflanze erfolgt in allen drei Aggregatzuständen.

Nun wäre es müßig, alle hieraus ableitbaren Gruppierungen aufzulisten und in eine Matrix einzutragen (z.B. nicht essbare und nicht rauchbare Pflanzen, die aber als Tee aufgebrüht werden können, als Tee aufbrühbare Pflanzen, die auch gegessen aber nicht geraucht werden können, etc.), stattdessen gilt die alte Volksweisheit „Versuch macht klug“.

Da sich die meisten Pflanzen nicht aktiv wehren können, haben sie andere Verteidigungsmechanismen entwickelt, um ihre Nutzbarmachung zu vereiteln. Beinahe alle Pflanzen sind grün gefärbt und damit im Wald hervorragend getarnt. Vielleicht auch aus dem Wald hervorragend. Fest steht: der Baum. Und das gefällt ihm gut. Bis er gefällt wird. Darauf steht er überhaupt nicht, weil … nun, weil Baum eben. Es liegt ihm einfach nicht.

Aus pflanzlichen Rohstoffen lässt sich tierisch viel machen, so viel, dass ein Leben ohne Pflanzen schwer vorstellbar ist. 95 % aller Köpfe werden aus Holz geschnitzt, Orangenhaut besteht aus Cellulose und ob Sushi ohne Algen noch Sinn hat, möge jeder für sich entscheiden.

Bildungswesen

In der Baumschule geben hervorragend ausgebildete Koniferen die Frucht der Erkenntnis an ihre Sprösslinge weiter. Da die durchschnittliche Pflanze mangels Beweglichkeit nicht so einfach jeden Morgen zur Schule gehen kann, hat sich schon früh das Konzept der Fernstudiums durchgesetzt. Dieses ist nur durch eine Symbiose mit der Tierwelt möglich, namentlich den Vögeln: Alle relevanten Lehrinhalte werden in Samen verpackt, welche von Vögeln gefressen und an weit entfernten Orten unbeschadet wieder ausgeschieden werden. Die leicht pejorative Zusammenfassung dieses Konzepts mit den Worten „Schule ist Scheiße“ ist bis über die Grenzen der Pflanzenwelt hinaus geläufig und hat sich inzwischen auch für sämtliche anderen Schulformen etabliert.

Missing Link

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Lange Zeit war die Biologie im Unklaren darüber, wie die evolutionäre Brücke zwischen Tieren und Pflanzen aussehen könne. Wie oben schon erwähnt, ist es keineswegs offensichtlich, dass Tiere und Pflanzen gemeinsame Vorfahren haben könnten. Die fehlende Verbindung, oder schmissiger: der missing link, entwickelte sich zwischenzeitlich sogar zur ernst gemeinten Bedrohung der Evolutionstheorie. Denn wenn sich keine Erklärung fand, dass sich sowohl pflanzliches als auch tierisches Leben aus der schmackhaften Ursuppe entwickelt hatten, dann hätte die Religion natürlich sofort den Kompromiss angeboten, dass sich zwar die Tiere von selbst entwickelt, Gott aber die Pflanzen erschaffen hätte oder umgekehrt, und mit ein bisschen Pech wäre das über Umwege auch noch als Gottesbeweis durchgegangen, der im Umkehrschluss auch die andere Hälfte der Evolution widerlegt hätte.

Glücklicherweise gelang im Jahre 1967 eine sensationelle Entdeckung in einem entlegenen Winkel der unwirtlichen bayerischen Tundra, als mit dem Ahornochsen endlich eine Lebensform entdeckt wurde, die genau in die ominöse Lücke zwischen Tier und Pflanze passte. Der Ahornochse zeigt zu etwa gleichen Teilen tierische und pflanzliche Verhaltensweisen und kombiniert diese noch mit menschlichen Schwächen, ist also hervorragend an seine Umgebung angepasst.

Im Sommer zeigt sich der Ahornochse meist in Pflanzengestalt. Er steht fest angewurzelt im Erdboden und reckt seine belaubten Vordergliedmaßen in den Himmel, um optimal Photosynthese betreiben zu können. Wird das Sonnenlicht im Herbst allmählich schwächer und die Temperaturen niedriger, wirft er seine Blätter ab und wechselt in die Tierform; spätestens beim ersten Frost haben sich die Wurzeln so weit zurückgebildet, dass der Ahornochse seine Hinterbeine aus dem Boden ziehen und sich frei bewegen kann. Nun spielt die Photosynthese für ihn keine Rolle mehr, er wechselt auf das bewährte Ernährungskonzept des Fressens von Dingen. Hierbei ist er wirklich nicht wählerisch und frisst von Gräsern und Sträuchern über Nüsse, Früchte und Nudeln bis hin zu kleinen Vögeln und Nagern alles, was er kriegen kann, und nimmt notwendigenfalls sogar Aas in den Speiseplan auf.

Ein guter Jäger ist er freilich nicht – mit seinen knorrigen, oft ungleich gewachsenen Beinen erreicht er zwar hohe Spitzengeschwindigkeiten, jedoch fehlt den Bewegungsabläufen jede Präzision, so dass er selten mehr als ein paar Schritte geradeaus laufen kann. Er gleicht diesen Mangel durch schamlose Heimtücke aus, und wie man sich leicht vorstellen kann, ist das Überraschungsmoment klar auf seiner Seite, wenn er im einen Moment wie angewurzelt dasteht und im nächsten mit einem gewaltigen Satz das Opfer auf die Hörner nimmt. Hin und wieder kann beobachtet werden, wie selbst das flinke Eichhörnchen dem Ahornochsen zum Opfer fällt. Das Eichhörnchen verwechselt im Spätsommer den Ahornochsen mit einem Baum und vergräbt direkt neben seinen Wurzeln seine Vorräte für den Winter; bricht dieser nun herein, erwacht der Fressfeind aus seinem Schlaf und lauert dem Eichörnchen auf, das er schließlich packt und mitsamt der gesammelten Nüsse verschlingt. Auch Tiere, die Winterschlaf halten, sind bevorzugte Beute für den nimmersatten Ahornochsen. Neben Igeln und Murmeltieren, die er vorsichtig ausgräbt und dann brutal in Stücke reißt, sind vor allem auch Braunbären betroffen, die er zielsicher in ihren Winterquartieren aufspürt und im Schlaf natürlich spielend überwältigen kann. Die rücksichtslose Bejagung des Braunbären durch Ahornochsen hat sie in Bayern inzwischen vollständig ausgerottet.

Im Frühling entwickelt der Ahornochse zahlreiche Knospen im Bereich des Oberkörpers und der Vorderbeine, aus denen bald die ersten Blätter sprießen. Nur der verholzte Kopf bleibt das ganze Jahr kahl. Sind genug Blätter gewachsen, um einen genügenden Energieumsatz über Photosynthese zu ermöglichen, sucht sich der Ahornochse eine geeignete Stelle, rammt die Hinterbeine in den Boden und richtet sich auf, um den folgenden Sommer wieder in Baumgestalt zu verbringen.

Kurz zuvor vergräbt er seinen Samen im aufgetauten Boden, so dass ein neuer Ahornochse wachsen kann. Die Fortpflanzung erfolgt ungeschlechtlich, was auch der Grund dafür sein dürfte, dass sich die Art seit Hunderten von Jahrmillionen so gut wie nicht mehr verändert hat. Entsprechend starr und rückwärtsgerichtet erscheinen auch die Ansichten des Ahornochsen, der selbst nicht an die Evolutionstheorie glaubt, für die er eine so herausragende Bedeutung hat; stattdessen verleugnet er die eigene Existenz mit dem nicht ganz durchdachten Umkehrschluss des descarteschen Cogito ergo sum: „Ich denke nicht, also bin ich auch nicht.“ Ahornochsen eben!

Mensch

Weite Teile des Kosmos sind leer – beim Menschen ist es oft genau so!

Aus anthropologischer Sicht gibt es kein spannenderes Thema als den Menschen. Seine Aufgabe auf der Erde besteht darin, diese zu zerstören und sich dabei schlecht zu fühlen.

Kennzeichnende Merkmale des Menschen sind nach eigener Einschätzung seine außergewöhnliche Intelligenz, das Bewusstsein und die Selbsterkenntnis. Entgegen landläufiger Vorstellung führt letztere in aller Regel nicht zur Besserung, sondern verhindert diese sogar; würde man sie nämlich wirklich zum Anlass nehmen, sich selbst und damit den Gegenstand der Erkenntnis zu verändern, dann würde ja die Erkenntnis dabei ihre Gültigkeit verlieren und müsste gegebenfalls durch eine neue ersetzt werden – eine Sisyphusarbeit, die kein ökonomisch denkendes Wesen auf sich nehmen wird. Es liegt auf der Hand, dass die soeben mühsam hergeleitete Erkenntnis über die Selbsterkenntnis an der konservierenden Wirkung derselben natürlich ebenfalls nichts ändern kann.

Wie sich oben schon andeutet, hat der Mensch im Allgemeinen eine hohe Meinung von sich selbst. Dieses Selbstbewusstsein umfasst meist nur das jeweilige Individuum, seltener die ganze Gattung; so halten sich 95 % aller Menschen für intelligenter als 95 % aller Menschen, und nur ein Bruchteil davon kann ausrechnen, wie viel Prozent dabei mindestens Unrecht haben müssen. Hier stößt die Selbsterkenntnis an ihre Grenzen, so dass es häufig zu folgenden unrichtigen Antworten kommt:

  • „Das ist schon so lange her.“
  • „Das könnte ich, aber ich will nicht.“
  • „Das könnte ich, aber ich habe keine Zeit.“
  • „Die 94 anderen natürlich!“

Taxonomisch betrachtet zählt der Mensch zu den Wirbeltieren, was häufig zu Irritation führt, da viele kein Rückgrat besitzen. Die Praxis zeigt jedoch, dass man auch ohne Rückgrat genug Wirbel machen kann.

Kleidung

Da die Selbsterkenntnis einerseits bei anderen Lebensformen nicht ausgeschlossen werden kann und andererseits beim Menschen nicht unbedingt so ausgeprägt ist, wie er es selbst gern sieht, fällt sie als charakterisierende Eigenschaft der Menschheit aus. Dagegen ist die Kleidung ein äußerst offensichtliches Merkmal des Menschen, ihm vollkommen eigen und steht vielfach auch genau im Zentrum seines Denkens und Handelns, ist damit also sehr viel eher typisch menschlich als die Selbsterkenntnis. Nicht umsonst heißt es ja auch: „Kleider machen Leute“, und im Umkehrschluss: Nimmt man die Kleidung weg, bleibt ein kaum bis mäßig behaarter Affe zurück, dessen Selbstbewusstsein sich dann auch schwer in Grenzen hält. Konsequent zu Ende gedacht ist der Mensch damit nur noch eine Art Kleiderständer, ein Wirt, der dem Textil dazu dient, ins rechte Licht gerückt zu werden. Das ist allerdings etwas zu weit gegriffen, da der Mensch die Kleidung immerhin selbst herstellt, also muss man fairerweise sagen, dass Mensch und Kleidung ungefähr gleichgestellt sind. Konsequent zu Ende Denken führt eben nicht immer zum Erfolg und schon gar nicht zur Erkenntnis; in Bezug auf Kleidung führt es sogar regelmäßig ins Verderben, wenn es wieder zum „Ich hab nichts anzuziehen!“-Paradoxon kommt.

Die Kleidung selbst nimmt ihre getragene Rolle als Sinn und Identität stiftende Hülle indes nicht immer ganz ernst:

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Geschlechter

Der Mensch setzt bei der Fortpflanzung ganz traditionell auf die zweigeschlechtliche Vermehrung. Die vielfach behauptete symbiotische Kooperation mit Vertretern der Familie Ciconiidae (Storchenvögel) ist wissenschaftlich nicht fundiert. Bienen und Blumen sind ebenfalls nicht im Spiel, allerdings kann Letzteren eine geringfügige Rolle bei der Balz zukommen.

Das biologische Geschlecht eines Menschen wird durch seine Chromosomen bestimmt. Im Normalfall, bei der Frau, sind das immer zwei X-Chromosomen. Beim Mann fehlt bei einem der zwei Chrosomen ein Stück, so dass aus dem XX ein XY wird. Das fehlende Stück Erbmaterial wird lange vor der Geburt vom Chromosom abgelöst, wandert durch den Körper, sammelt sich in Hüfthöhe und wird schließlich als Penis nach außen gestülpt.

Beim Geschlechtsakt werden nun Teile des Erbmaterials abgerieben, besiedeln den weiblichen Körper und beginnen alsbald damit, darin ihr Unwesen zu treiben. Bei einem einzigen Koitus verliert der Penis zwischen 0,5 und 2 Gramm seiner Masse, so dass er spätestens nach drei- bis vierhundert Einsätzen gänzlich aufgelöst ist. Unrichtig ist dagegen die häufig kolportierte Behauptung, der Mann würde beim Geschlechtsverkehr Gehirnflüssigkeit verlieren. Wäre das der Fall, wäre schon beim zehnten oder zwölften Mal Schluss und die Spezies Mensch wäre längst ausgestorben.

Geht das Glied seiner Erektionsfähigkeit verlustig – aus welchen Gründen auch immer – kann es aufgrund des Relativitätsprinzips dazu kommen, dass sich stattdessen das Y-Chromosom aufrichtet und in ein so genanntes λ-Chromosom verwandelt. Dieser Vorgang zieht meist dramatische Konsequenzen für den Betroffenen nach sich. Der Hormonspiegel gerät aus dem Gleichgewicht, so dass es einerseits zu übersteigertem Männlichkeitsgehabe und disproportionalem Muskelwuchs kommt, andererseits aber auch zu eher weiblich anmutenden Wesenszügen wie einem penibelst verfolgten Diätwahn und der panischen Angst, dass sich Hängebrüste bilden könnten, wenn der fantasievoll selbst zusammengestellte Menstruationszyklus auch nur für einen Tag nicht eingehalten wird. Aus verständlicher Scham wird der Gang zum Arzt oft gescheut und stattdessen viel Geld in die Selbstmedikation mit Testosteronpräparaten und anabolen Steroiden investiert, wodurch sich die Symptome allerdings nur noch verschlimmern.

Entwicklung

Das Leben des Menschen beginnt mit einer neunmonatigen Freiheitsstrafe, die in minderschweren Fällen oder bei guter Führung auf weniger als drei Monate verkürzt werden kann. Ist die Erbschuld abgebüßt, wird der junge Mensch ins Leben respektive in die Freiheit entlassen. Zu Beginn sind die Delinquenten stark gezeichnet von der langen Dunkelhaft: Die Gliedmaßen sind verkümmert, Zähne und Haare meist nicht vorhanden und das panische Geschrei lässt auf massive Folter schließen. Es folgt eine langwierige Phase der Resozialisation und Erholung, die meist viele Jahre in Anspruch nimmt.

Nun muss das so genannte Kind alle möglichen Dinge ganz neu lernen, die einem vernünftigen Menschen alltäglich und selbstverständlich vorkommen müssen: Laufen, Sprechen, Essen, sich alleine Anziehen. Das Sozialverhalten ist dabei die ganze Zeit über miserabel und folgt im Grunde stets dem alleinigen Ziel, die eigenen, egoistischen Motive durchzusetzen. Dennoch kann es im Laufe der Jahre zu einer eigentümlichen emotionalen Bindung zwischen Kindern und Eltern kommen, die als Stockholm-Syndrom bezeichnet wird.

Schematische Darstellung der Pubertät

Leider ist diese rund zwölf Jahre andauernde und für alle Beteiligten äußerst scherzhafte Lernphase vollkommen nutzlos, denn sie mündet in die Pubertät und mit Eintritt in die Pubertät geht alles zuvor erworbene Wissen schlagartig wieder verloren. Wie die Evulotion auf diese doch recht abwegige Idee gekommen ist, wird vielleicht auf ewig ihr Geheimnis bleiben. Kein Geheimnis ist hingegen, dass sich das Gehirn des Menschen zu Beginn der Pubertät verflüssigt. Fast die Hälfte fließt augenblicklich durch die Ohren ab und ist unwiederbringlich verloren. Der Rest wabert orientierungslos im Kopf herum und ist mit der Koordination der grundlegendsten lebenserhaltenden Maßnahmen bereits vollkommen ausgelastet.

Obwohl die oben beschriebene Verflüssigung des Gehirns beim gesunden Menschen ganz von selbst durch Hormone und andere körpereigene Giftstoffe vollzogen wird, hat es sich zumindest in den zivilisierten Ländern eingebürgert, diese mit Hilfe von Alkohol künstlich herbeizuführen. Das deutsche Gesundheitsministerium empfiehlt ab dem dreizehnten Geburtstag eine Dosis von 0,75 l Wodka pro Wochenende und ab dem vierzehnten die doppelte Menge. Unter dem Motto „Kenn dein Limit“ ermuntert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sogar dazu, ganz einfach so viel wie möglich zu konsumieren.

Anlass zur Alkoholisierung der Jugend sind neben den entscheidenden Steuereinnahmen auch die inzwischen weithin bekannten Gefahren des Alkoholmangels. Dazu zählen insbesondere Humorlosigkeit und Einschlafschwierigkeiten. Letztere lassen sich auch gut mit dem Besuch der gymnasialen Oberstufe therapieren, allerdings wird erstere dabei gleichzeitig drastisch verstärkt, so dass der Alkohol letztlich das einzige probate Mittel bleibt. In den letzten Jahren konnte zudem nachgewiesen werden, dass Alkoholmangel die Fruchtbarkeit senkt. Statistiken zeigen, dass junge Frauen, die in der Jugend nicht oder nicht ausreichend mit Alkohol versorgt worden sind, erst nach Erreichen der Volljährigkeit das erste Mal erfolgreich befruchtet werden – ein Zustand, der angesichts des demografischen Wandels natürlich nicht hinnehmbar ist.

Maschinen

Ständig in den Medien: die Presse

Neben Tieren, Pflanzen und Menschen bilden die Maschinen die jüngste und mit Abstand am schnellsten wachsende Ausprägung des Lebens. Ihr durchschlagender Erfolg lässt sich damit erklären, dass sie im Unterschied zu den anderen einen intelligenten Schöpfer haben. Dieser Punkt ist nicht ganz unumstritten; vergleicht man allerdings das formschön und funktional designte iPhone einerseits mit der Seegurke andererseits, die ganz unstrittig weder formschön noch funktional ist, dann wird schnell klar, dass es hier absolut nichts zu diskutieren gibt.

Somit ist auch klar, dass Maschinen stets einen Sinn haben und dass dieser nicht in den unbestimmten Weiten des Weltalls erahnt werden muss, sondern klar unverständlich der Bedienungsanleitung entnommen werden kann.

Fernseher

Die mit Abstand wichtigste Maschine überhaupt ist natürlich das Fernsehgerät. Die Technologie ist konzeptionell vergleichbar mit der Baumschule, mit dem Unterschied, dass hier nicht Vögel, sondern elektromagnetische Wellen die Scheiße ins Wohnzimmer transportieren. Ein Rückschlagventil auf der Innenseite des Fernsehers verhindert, dass versehentlich Informationen vom Zuschauer zurück an den Sender fließen können. Für diese ist das überlebensnotwendig, da die Qualität des Fernsehprogramms (die bei Null angefangen hat und sich seitdem im freien Fall befindet – ein Paradoxon) recht häufig zu Gewaltausbrüchen auf Zuschauerseite führt. Könnte ein Tritt gegen das Fernsehgerät ungefiltert in die Sendeanstalten zurück transportiert werden, stünde die gesamte Industrie vor dem Zusammenbruch.

Aufwändige Reportage über das Schneechaos in Brandenburg

Obwohl das Fernsehen geradezu empörend schlecht ist, ist es vollkommen unmöglich, darauf zu verzichten. Die Medizin geht davon aus, dass ein Mensch nur rund vier bis fünf Tage, allerhöchstens aber zwei Wochen ohne Fernsehen leben kann. Fernsehentzug führt bereits nach etwa vierundzwanzig Stunden zu angespannter Nervosität und erhöhter Reizbarkeit (bis hierher sind die Symptome also identisch mit denen des Fernsehkonsums). Nach wenigen Tagen verpixelt sich das Äußere des Menschen, wenig später beginnt er zu flackern und verschwindet schließlich im Nichts.

Die Wissenschaft erklärt sich dieses Verhalten wie folgt: Der Mensch gibt im Alltag beständig Energie in Form von Meinungsäußerungen ab, nimmt aber mangels Interesse nur ungleich weniger davon auf. Es ergibt sich somit über den Tag ein Defizit im Energiehaushalt, das über die Nahrung allein nicht ausgeglichen kann. Der allabendliche Aufenthalt vor dem Fernseher ist also grob gesprochen eine Art Aufladevorgang, der die Reserven für den nächsten Tag wiederherstellt. Diese Theorie stützt sich auf die Beobachtung, dass beim Fernsehen meist noch zusätzliche Energie in Form von Alkohol und Fett verlangt wird, die den Regenerationsprozess noch beschleunigen sollen.

Hin und wieder gibt es Berichte von indischen Wunderheilen, die von sich selbst behaupten, mehrere Jahre ohne Fernsehen überlebt zu haben. Die Wissenschaft ist sich uneins darüber, ob diese Behauptungen wahr sein können. Nach obigen Ausführungen wäre dies theoretisch möglich, wenn es der Asket schaffen würde, seinen eigenen Informationsabfluss zu stoppen. Es darf allerdings als unwahrscheinlich angesehen werden, dass das ausgerechnet bei Gurus der Fall sein soll.

Künstliche Intelligenz

Von künstlicher Intelligenz ist die Rede, wenn eine Maschine komplexe Sachverhalte eigenständig in Beziehung setzen und auf logische Weise eine Entscheidung daraus ableiten kann. Diese Eigenschaft ist nicht zu verwechseln mit einem freien Willen. So ist beispielsweise der klassische Drucker extrem eigenwillig, setzt aber keine komplexen Sachverhalte eigenständig in Beziehung und leitet seine Entscheidungen auch nicht auf logische Weise daraus ab, sondern hat einfach eine Macke und riskiert mit jedem Papierstau sein plötzliches Ableben, ist also weitestmöglich von jeder erdenklichen Intelligenzdefinition entfernt.

Während es bislang nicht gelungen ist, eine allgemeine künstliche Intelligenz zu erzeugen, also eine Intelligenz, die sich mit allen möglichen Themen befasst und immer geistreiche Ideen dazu apparat hat, sind spezielle künstliche Intelligenzen durchaus schon im Alltag angekommen. Letztere beschränkt sich jeweils auf ein einziges kleines Thema, über das sie dann extrem genau Bescheid weiß und zu dem sie fast jede erdenkliche Frage mit hoher Präzision beantworten kann. Das ist zwar sehr einseitig, aber immerhin mehr, als die meisten Menschen von sich behaupten können. Die treffende Bezeichnung als „künstliche Fachidioten“ wird aus Marketinggründen (und um des lieben Friedens willen) zumeist vermieden, stattdessen ist von „Expertensystemen“ die Rede.

Ein modernes Expertensystem kann die Leistung menschlicher Experten mit Leichtigkeit übertreffen. So hat beispielsweise die Waschmaschine zusammen mit einigen anderen Geräten die Frau inzwischen aus ihrem angestammten Habitat, dem Haushalt, weitgehend verdrängt, so dass sie nun auf dem Arbeitsmarkt mit dem deutlich kräftiger gebauten Mann konkurrieren muss.

Wirtschaft

Die Wirtschaft hat alles, was eine schöne Maschine haben muss

Die Wirtschaft ist gleich nach dem Fernseher die wichtigste Maschine der Welt. Sie steht in Brüssel, gehört der Gesellschaft und dient der persönlichen Bereicherung. Dieses hehre Ziel wird erreicht, indem tonnenweise Menschen nach und nach in Geld umgewandelt werden. Die Menschen – oder das Humankapital, wie der Fachmann sagt – werden bei Erreichen der Volljährigkeit mit Lastwagen und Güterzügen nach Brüssel transportiert und gelangen schließlich über ein Fließband in die Maschine.

Im Inneren wird das Humankapital in seine Bestandteile zerlegt. Der Mensch besteht aus drei Komponenten: Masse, Energie und Intelligenz. Die Masse wird mit einem streng geheimen Mechanismus direkt zu Geld verarbeitet. Der hierbei entstehende Energiebedarf wird vollständig mit der zuvor gewonnen Energie gedeckt; überschüssige Energie wird überteuert verkauft. Zuletzt bleibt noch ein Funken Intelligenz übrig, der zur Weiterentwicklung der Maschine genutzt wird. Da die verheizten Menschen der so genannten breiten Masse entnommen werden, die zu den erneuerbaren Ressourcen gehört, und ansonsten weder Rohstoffe verbraucht noch Abfälle erzeugt werden, darf die Wirtschaft als ausgesprochen umweltfreundlich gelten. Gegenteilige Behauptungen sind ideologisch motiviert und lassen sich mit Leichtigkeit logisch widerlegen.

Wie eben erläutert, versorgt sich die Maschine selbst mit Energie. Dennoch kann es nicht schaden, sie hin und wieder ein bisschen anzukurbeln, allein schon, weil sie so eine schöne Kurbel hat. Früher wurde dies mit Muskelkraft erledigt, heute werden eher Autos genutzt. Es geht aber auch mit Flugzeugen wie dem Airbus A380, oder gleich mit ganzen Flughäfen. Auch U-Boote und andere Waffentechnologien können genutzt werden. Da ist die Wirtschaft leidenschaftslos.

Im Betrieb entsteht eine große Menge Abwärme, die in Form von heißer Luft über die fünf Pfeifen abgeführt wird. Diese spielen dabei lustige Melodien, die so genannten Wirtschaftsweisen. Jawohl, fünf Pfeifen. Ganz sicher. Nein? Nun, man muss nicht zählen können, um sich mit der Wirtschaft zu beschäftigen.

Als Antwort auf die Bankenkrise 2008 verfügt die Wirtschaft über einen doppelt gehebelten Rettungsschirm mit Nachbrenner und unsichtbaren Laserkanonen sowie einem dreifach vergüteten Weltraumteleskop mit Lichtschutzfaktor fünfzig. Der Rettungsschirm erreicht summa summarum eine Schlagkraft von mehreren Millionen oder MIlliarden, die Begriffe dürfen mit irreführender Absicht synonym gebraucht werden. Es könnten auch Billionen sein. Und er kann im Ernstfall blitzschnell eingeklappt werden, damit er keinen Schaden nimmt.

Am Wochenende ist die Wirtschaft für Besucher geöffnet. Nicht für alle natürlich, doch ist es immer noch großzügig, dass immerhin ausgewählte Politiker dann ausnahmsweise mit den Reichen in der Lobby sitzen dürfen und zu Abend essen, gemeinsame Pläne schmieden und sich dann für einen Moment so fühlen können wie mächtige Leute, die richtig was entscheiden können.

Der Weltraum

Der blaue Stern im Hintergrund, ein Lautstarker Blauer Veränderlicher, ist am größten, der blauweiße ist deutlich kleiner, aber immer noch größer als der gelbe. Am kleinsten ist der rote Zwergstern ganz unten links. Ein Stecknadelkopf ist überhaupt nicht zu sehen.

Die Dimensionen des Weltraums sind für den menschlichen Verstand nicht ohne Weiteres zu begreifen. Die gängigen Vorstellungen von Entfernung verlieren ihre Bedeutung; stellte man die Strecke von Aurich nach Oldenburg senkrecht auf, so reichte sie noch nicht einmal zum Verlassen der Erdatmosphäre. Meter, Kilometer und Seemeilen bedeuten schon im Sonnensystem nichts mehr, und diskutiert man über galaktische und intergalaktische Entfernungen, werden die Zahlen selbst in Lichtjahren zu unhandlich. Folglich muss eine andere Methode her, um der Weiten des Kosmos habhaft zu werden.

Bewährt hat sich hier der ad hoc aus dem Hut gezauberte Größenvergleich mit Tischtennisbällen und Stecknadelköpfen. Das neue leistungsfähige System erlaubt kompakte Beschreibungen der gewaltigstmöglichen Sachverhalte. Hält man zum Beispiel einen Tischtennisball neben die Erde (was ja auch viel leichter ist als ihn ganz weit von der Erde weg zu halten), dann ergibt sich dasselbe Größenverhältnis wie zwischen der Erde und VY Canis Majoris. Das liegt daran, dass die Erde einen Durchmesser von rund [math]3,183*10^8[/math] Tischtennisbällen aufweist, während VY Canis Majoris über [math] 6,25 * 10^{14}[/math] Stecknadelköpfe misst. Plötzlich kann man sich nun ein Bild davon machen, wie groß so ein Tischtennisball wirklich ist – das lässt auch die Ungenauigkeit von hier nur ungefähr 162 000 % verschmerzbar erscheinen. Was sind auch schon 162 000 %, wenn man in kosmischen Dimensionen denkt.

Sonnensystem

Das typische Erscheinungsbild der Sonne von der Erdoberfläche gesehen

Von allen Sternen im Universum ist die Sonne der mit Abstand am nächsten gelegene, weshalb die Entscheidung seinerzeit nicht schwer gefallen sein dürfte, gerade sie zu umkreisen und keinen anderen. Unter günstigen Umständen kann sie von der Erde mit bloßem Auge beobachtet werden. Umgekehrt ist das schon schwieriger.

Das Sonnensystem nimmt im Kosmos so wenig Platz ein, dass man es mit Stecknadeln kaum ausdrücken kann. Dennoch ist es bereits vollkommen ausreichend dimensioniert und es ist alles vorhanden, was man sich nur wünschen kann. Im Umkehrschluss sind alle anderen (meist ohnehin absurd weit entfernten) Objekte des Weltraums mehr oder weniger überflüssig. Vor diesem Hintergrund ist leicht nachzuvollziehen, dass sich fast alle zielstrebig vom Sonnensystem wegbewegen. Und die wenigen, die es stattdessen vorziehen, sich im wachsenden Einzugsbereich menschlicher Zerstörungsumtriebe aufzuhalten, werden dann schon sehen, was sie davon haben.

Die Sonne selbst ist für das Sonnensystem, nach dem sie so treffend benannt ist, von zentraler Bedeutung. Sie verbrennt in ihrem Inneren beständig Wasserstoff und andere Textilien, um die Welt mit Licht und Wärme zu versorgen. Nur etwa 5 % der Menschen ist bekannt, dass dieser Prozess des Nachts keinesfalls unterbrochen wird, sondern lediglich von der Erde aus vorübergehend nicht beobachtet werden kann. Diese scheinbaren Unterbrechungen der Sonnenaktivität beruhen auf einem äußerst komplexen Mechanismus, der von der modernen Astrophysik noch nicht zur Gänze verstanden ist. Vergleichsweise leicht nachzuvollziehen ist dagegen, dass nur ein winziger Bruchteil der Energie, die die Sonne erzeugt, auf der Erde oder einem anderen Planeten landet; über 99 % verschwinden auf Nimmerwiedersehen im All. Um auf der Erde eine vergleichbare Misswirtschaft zu betreiben, müsste man, um beispielsweise sein Haus zu beleuchten, ein Grundstück am anderen Ende der Stadt kaufen und dann dort eine entsprechend überdimensionierte Beleuchtung (am besten auch gleich die Heizung) installieren; und nachts, wenn man schlafen will, dann eben die Rollläden schließen oder gleich das Haus umdrehen. Oder, noch abwegiger, in Afrika Baumwolle abbauen, nach Indonesien fliegen und dort zu Stoff weben lassen, der dann in den USA zu Hosen vernäht und in Europa verkauft wird. Macht keiner.

Trotz dieser unverantwortlichen Ressourcenverschwendung ist die Sonne geradezu als Musterbeispiel für saubere und umweltfreundliche Energie bekannt und lässt sich unter dem Modebegriff der Solarenergie als zukunftsweisende Technologie feiern. Das kann sie sich aus dem ganz einfachen Grund erlauben, weil sie das Monopol hat. Die Sonne zu boykottieren hieße, bei Temperaturen knapp über dem absoluten Nullpunkt und in absoluter Finsternis (und damit auch ohne Fernsehen) nur von der wenigen Energie zu zehren, die aus der eigenen Massenkontraktion hervorgeht, ein Leben also, das mit heutigen Lebensstandards schwerlich zu vereinen wäre.

Venus

Es gibt wohl keinen Planeten, der der Erde stärker ähnelt als die Venus. Größe, Zusammensetzung und Gewicht, die beiden gleichen einander wie ein Ei dem anderen. Schon früh wurde deshalb die Vermutung angestellt, auch die Venus könne bewohnbar sein. Das ist prinzipiell richtig, allerdings gilt es gewisse Schwierigkeiten zu überwinden. Zunächst einmal ist die Zwillingsschwester der Erde näher an der Sonne und heizt sich daher auf Temperaturen von weit über 400 °C auf. Das kann man aber auch positiv sehen: Wenigstens gibt es kein Energieproblem.

Eine zweite, zunächst etwas lebensfeindlich wirkende Eigenart der Venus ist die Atmosphäre, die etwa 90-mal dichter ist als die der Erde und damit einen Druck entwickelt, wie er etwa einen Kilometer unter dem Meer herrscht. Das hält ein Mensch natürlich nicht aus, er wird sofort zerquetscht. Auf der anderen Seite sorgt aber die immense Temperatur dafür, dass das Wasser im menschlichen Körper sofort verdampft und somit für genau den richtigen inneren Gegendruck sorgt, um den Körper in Form zu halten.

Astronauten der NASA trainieren derzeit in speziellen Hochdrucksaunen, um sich Schritt für Schritt auf die Gegebenheiten der Venus vorzubereiten. Temperaturen von knapp 300 °C sind inzwischen erreicht und man ist zuversichtlich, dass das Trainingsziel in wenigen Jahren erreicht sein wird. Langfristig ist geplant, auf ähnlichem Weg auch Astronauten auf eine Reise in den Mittelpunkt der Sonne vorzubereiten. Die hierfür notwendige Kernfusionssauna ist allerdings noch im Entwicklungsstadium.

Erde

Die Erde über dem Kilimandscharo

Es gibt eine handvoll Himmelskörper, die mit bloßem Auge beobachtet werden können, aber nur einen einzigen, der zu Fuß bereist werden kann: die Erde. Es liegt auf der Hand, dass sie deshalb zu den am besten erforschten Objekten des Weltalls zählt, und so scheint es ein wenig verwunderlich, dass schon bezüglich der Form so grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten bestehen konnten.

Ursprünglich herrschte die Auffassung vor, die Erde sei eine Scheibe. Dieses Modell entsprach der alltäglichen Anschauung, in der die Erde tatsächlich durchaus flach erscheint. Inzwischen hat sich dagegen die Vorstellung durchgesetzt, dass die Erde eine Kugel sei, dass oben und unten ziemlich subjektive Richtungsangaben sind und dass die Hinrichtung von Ketzern auch dann gegen die Menschenrechte verstößt, wenn sie sich unschön ausdrücken.

Lange Zeit glaubte man, nachdem man die Kugelform der Erde durchschaut hatte, dass das alte Modell einfach ein schlichter Irrtum gewesen sei. Neueste Computersimulationen legen jedoch nahe, dass dies wahrscheinlich nicht richtig ist. Es ist weithin bekannt (vielleicht auch nicht), dass schnell rotierende Körper aufgrund der Fliehkraft eine leicht abgeflachte Form annehmen. Es gilt inzwischen als gesichert, dass sich die Erde früher viel schneller um die eigene Achse gedreht hat als heute.
Möglicherweise war also die Rotation noch im Mittelalter so schnell, dass die Erde tatsächlich eher scheiben- als kugelförmig war, und der Wechsel zur Kugelform fiel nur zufällig mit dem Zeitalter der Aufklärung zusammen, in dem ein neues Weltbild gerade recht kam. Vielleicht hat auch die langsamere Rotation der Erde die Aufklärung überhaupt erst ermöglicht, weil die Drehung vorher einfach zu schnell war, als dass man einen klaren Gedanken hätte fassen können.

Wetter

Das vielleicht spannendste Thema auf der Erde ist das Wetter. Linguisten vermuten, dass es dem Menschen der frühen Steinzeit den unmittelbaren Grund dafür lieferte, überhaupt eine Sprache zu entwickeln: „Schönes Wetter heute!“ könnte der erste Satz der Menschheitsgeschichte gewesen sein. Vielleicht ist es aber auch die Umkehrung „So'n Scheißwetter!“, die diesen Titel für sich beanspruchen könnte. Letzteres scheint wahrscheinlicher, da der Mensch vor Erfindung der Klimaerwärmung von einer Eiszeit in die nächste schlitterte und das Wetter folglich meist nicht schön gefunden haben dürfte.

Das so genannte Schneechaos ist ein exakt im Jahresrhythmus überraschend auftretendes Wetterphänomen (Falschfarbenfoto)

Auch heute noch ist das Wetter mit fortwährender Enttäuschung verbunden. Das liegt daran, dass sich seit Jahrtausenden hartnäckig die unrichtige Vorstellung hält, es gäbe – zumindest in den so genannten gemäßigten Breiten – vier gleich lange Jahreszeiten mit jeweils eigenen, ganz charakteristischen Wetterverhältnissen:

  • Frühling: mild, Blümchen, blauer Himmel
  • Sommer: warm, Ferien, blauer Himmel
  • Herbst: kühl, buntes Laub, Wind
  • Winter: kalt, Schlittschuhlaufen, Schnee

Drei Beobachtungen springen direkt ins Auge:

  • Die vier Jahreszeiten sind alle auf ihre Weise schön.
  • Die vier Jahreszeiten lassen sich mit Leichtigkeit von einander unterscheiden.
  • Die vier Jahreszeiten hat es in dieser Form noch nicht ein einziges Mal gegeben.

In der Wirklichkeit zeigt sich stattdessen nur eine einzige, ziemlich konstant graumatschig bis matschignass gehaltene Jahreszeit, die im oben skizzierten System verschwiegen wird. Diese Jahreszeit wird Herbstwinter oder Winterherbst genannt, ist auf ihre ganz eigene Weise überhaupt nicht schön und dauert ungefähr das ganze Jahr, genauer gesagt, zwischen 0,8 und 1,3 Jahren.

Die variierende Dauer bewirkt einige mäßig interessante Konsequenzen: Zum einen kommt es vor, dass ein Herbstwinter noch nicht vorbei ist, wenn der nächste Winterherbst schon beginnt – es kommt zu einer Überschneidung mit besonders kaltem oder besonders matschigem Wetter, je nachdem, ob sich Winterherbst und Herbstwinter oder Herbstwinter und Winterherbst überschneiden. Zum anderen kann es auch passieren, dass ein Herbstwinter oder Winterherbst endet, Wochen bevor der nächste beginnt. Dann ist nicht etwa Frühling oder Sommer, sondern gar keine Jahreszeit; hier scheint das Wetter überhaupt keinen Regeln mehr zu folgen. Hin und wieder kann es dann also auch sein, dass für einen oder zwei Tage schönes Wetter ist. Einfordern lässt sich dies jedoch nicht.

Leben

Was die Erde wirklich auszeichnet und von allen anderen Himmelskörpern unterscheidet, ist die Tatsache, dass bei ihr nicht über mögliches Leben spekuliert wird. Schon in den 1960er Jahren konnte die Astronomie mit Hilfe von Satellitenbilder ganz eindeutig nachweisen, dass weite Teile der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, das in der Nähe der kalten Pole gefroren ist und weiß wirkt. Hochauflösende Nahaufnahmen der Polarregionen zeigen punktuelle Gelbfärbungen, die als erste Beweise für Leben auf der Erde gewertet werden können.

Nähere Untersuchungen lassen vermuten, dass die Lebensbedingungen allerdings nicht an den Polen optimal sind und ebenso wenig in der Nähe des Äquators: Die höchste Bevölkerungsdichte und außerdem die Bevölkerung mit dem größten wirtschaftlichen Erfolg findet sich mit wenigen Ausnahmen in den gemäßigten Breiten. Es darf angenommen werden, dass ein Zusammenhang zwischen dem Klima und dem Erfolg des dort angesiedelten Lebens hergestellt werden kann, es ist allerdings noch nicht ganz klar, welcher Art dieser Zusammenhang ist. Entweder liefert ein gemäßigtes (also matschiges, siehe oben) Klima optimale Bedingungen für ein Leben in Reichtum; oder aber es ist genau umgekehrt und der Reichtum hat eine mäßigende Auswirkung auf das Klima. Sollte Letzteres der Fall sein, wäre mit einem Mal die Frage gelöst, auf welchem Wege fremde, unbewohnbare Monde oder Planeten zukünftig bewohnbar gemacht werden können: Man müsste lediglich ein paar besonders reiche Menschen in eine Rakete stecken und dorthin schießen. Einen Versuch wär's wert!

Mars

Der Mars ist ein eher kleiner Planet, der die Sonne etwas weiter außen umkreist als die Erde und der alles andere als besonders interessant wäre, wenn nicht ständig über die Existenz von Marsmenschen spekuliert worden wäre. Die Marsmenschen sind so fantasievoll gestaltet, wie es die menschliche Fantasie der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte eben hergegeben hat – sie sehen im Grunde aus wie wir, nur leidlich verfremdet hin zum Niedlichen einerseits oder zum Ekligen andererseits – und konnten trotz intensivster Nachforschungen nie gefunden werden.

Der Planet wird von zwei kleinen Satelliten namens Phobos und Deimos umkreist, die eine Größe von nur wenigen Tischtennisbällen (Phobos) respektive Stecknadelköpfen (Deimos) aufweisen, optisch keinesfalls auffallend und schon gar nicht auffallend schön sind und für das Sonnensystem eine geradezu herausragend geringe Bedeutung haben, so gering, dass sie in ihrer Bedeutungslosigkeit tatsächlich nur noch von drei winzigen Asteroiden übertroffen werden, von denen zwei noch gar nicht entdeckt worden sind und der dritte sehr zu Recht mangels Relevanz wieder aus den Büchern gestrichen wurde.

Phobos ist von Kratern übersäht – versuchten die Marsmenschen sich zur Wehr zu setzen?

Die neuesten Untersuchungen des Mars-Rovers Curiosity lassen allerdings sensationelle Schlüsse zu. Wie sich durch mikroskopische und biochemische Untersuchungen zeigt, scheint es die Marsmenschen tatsächlich gegeben zu haben! Jedoch sind sie schon vor Millionen von Jahren ausgestorben, so dass der Planet heute wüst und leer ist. Allem Anschein nach ist der größere der zwei Marsmonde, Phobos, maßgeblich am Aussterben der Marsmenschen beteiligt gewesen. Phobos umkreist den Planeten in so geringem Abstand und mit so hoher Geschwindigkeit, dass er jeden Tag zwei- bis dreimal auf- und untergeht. Wie es scheint, waren die Marsmenschen dennoch töricht genug, ihre Definition des Monats, genau wie die Erdbevölkerung auch, an den Umlauf ihres größten Mondes zu knüpfen. Das heißt, dass auf dem Mars ein Monat nur etwa elf Stunden dauerte – mit fatalen Konsequenzen.

Für das Wirtschaftssystem auf dem Mars muss es das völlige Chaos bedeutet haben. An einem einzigen Arbeitstag konnten drei Monatsgehälter fällig werden, eines zur Begrüßung, eines zum Feierabend und das dritte in der Mittagspause. Wie aus irdischen Bankenkrisen hinlänglich bekannt ist, führen Maßlosigkeiten dieser Art selbst dann zu massiven Schwierigkeiten, wenn sie nur eine winzige Minderheit betreffen; auf dem Mars jedoch war das ganze System zum Scheitern verurteilt. Bürgerkriege globalen Ausmaßes waren die Folge und verwüsteten weite Teile des Planeten.

Was die Marsmenschen jedoch schließlich in den Untergang stürzte, war ein ganz anderes, viel ursprünglicheres Problem. Die ununterbrochene Regelblutung der Marsfrauen führte als unmittelbare Folge des viel zu klein gewählten Monats zu einem Massensterben, wie es im Sonnensystem zuvor und danach nie wieder vorgekommen ist, und obwohl die Überreste der Marsianer längst verwittert sind, lässt die Rotfärbung des gesamten Planeten noch immer den Schrecken erahnen, der hier einst gewütet haben muss.

Russells Teekanne

innerer Aufbau

Auf einer Kreisbahn zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter befindet sich ein sehr kleiner, teekannenförmiger Körper, der bereits im letzten Jahrtausend vom britischen Philosophen Bertrand Russell postuliert, jedoch erst im Jahr 2004 schließlich entdeckt wurde. Russells Teekanne gilt nicht als Planet, weil die Kriterien für die Einstufung als Planet so gewählt sind, dass Objekte wie die Teekanne oder auch Pluto eben nicht eingeschlossen sind.

Russells Teekanne hat eine Größe von nur [math]2*10^{-4}[/math] km und ist damit weit unterhalb der Grenze, ab der ein Körper aufgrund seiner Masse eine angenäherte Kugelform annimmt. Mit einer Albedo von 0,95 reflektiert sie 95 % des einfallenden Sonnenlichtes und zählt damit zu den hellsten Körpern im Sonnensystem. Da die Kanne somit kaum Energie von außen aufnehmen kann und ohnehin recht weit von der Sonne entfernt ist, müsste sie theoretisch eine Temperatur von -150 °C aufweisen. Das ist für eine Teekanne aber viel zu kalt. Damit der Tee flüssig bleibt, muss eine Temperatur von über 0 °C herrschen, wünschenswert wären sogar 40 °C oder mehr. Deshalb wird davon ausgegangen, dass sich im Inneren ein glühend heißer, fester Kern befindet, der den umgebenden Tee warm hält. Ganz außen befindet sich eine wenige Millimeter dicke Schicht aus Porzellan. Der Kern besteht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus Eisen und ist aus einem Löffel entstanden, der sich in der Frühgeschichte des Sonnensystems in die Kanne verirrt hat und dort geschmolzen ist. Dass er immer noch warm ist, liegt wahrscheinlich an Gezeitenkräften und daraus resultierender Reibungswärme. Der Deckel dürfte außerdem dazu beitragen, dass nur wenig Wärme aus der Kanne entweicht.

Um die Kanne kreisen fünf einheitlich gestaltete Teetassen, die allem Anschein nach ein Service bilden sollen. Die fehlende sechste Tasse ist vermutlich irgendwann von einem Asteroiden getroffen und zerstört worden. Einige Astronomen befürchten, dass Russells Teekanne und den anderen Tassen früher oder später dasselbe Schicksal droht.

Uranus

Von seiner Entdeckung bis heute ist der Planet Uranus der Gegenstand andauernder Streitereien gewesen, die höchstens vom späteren Skandal um Pluto noch übertroffen wurden. Schuld daran sind nicht die niveaulosen Wortspiele, zu denen der blöde Name einlädt – über die konnten eigentlich alle lachen. Die Frage, die die Gemüter erhitzte, war eine ganz andere, die immer wieder auch fernab der Astronomie Zwietracht säht, ja sogar zur unerwarteten Zerreißprobe für sicher geglaubte Freundschaften wird.

Der britische Musiker und Astronom Sir Friedrich Wilhelm Herschel verfasste am 13. März 1781, unmittelbar nach der Entdeckung des neuen Planeten, folgende Zeilen an den damaligen König George III.:

Eure Königliche Majestät, Ihr werdet nicht glauben, was ich durch göttliche Fügung beim unschuldigen Zählen der Sternlein Eurer Majestät entdeckt habe: Nämlich lächelte mich die hellblaue Scheibe eines neuen Planeten an, den ich Euch zu Ehren ganz gern George nennen würde; Euch wird es gleichsam Ansporn sein, fortan in einer Reihe mit dem Gottkönig der Römer, Jupiter, oder der Schönheitsgöttin Venus genannt zu werden, so dass Ihr einerseits… [Die Worte ab „Euch wird es Ansporn sein“ sind bis zur Unkenntlichkeit durchgekritzelt und konnten erst sehr viel später rekonstruiert werden, der Rest fehlt ganz.]

König George III. antwortete schon am übernächsten Tag wie folgt:

Mein lieber Herr Herschel, Wir beglückwünschen Euch zu Eurer lobenswerten Entdeckung. Euer Namensvorschlag, der so angenehm passend scheint, gefällt Uns ganz außerordentlich. Jedoch, Wir haben den Planeten sogleich selbst in Augenschein genommen, und meint Ihr nicht, dass er nicht hellblau, sondern wohl vielmehr hellgrün ist?

Herschel, der nun wahrlich niemand war, der sich die Butter so einfach vom Brot nehmen ließ, und der sich schon beim ersten Schreiben offenbar nur schwer zusammenreißen konnte, schrieb erzürnt zurück:

Hochauflösende Fotografien des Uranus können genutzt werden, um Computerbildschirme zu kalibrieren: Wenn nicht auszumachen ist, ob das Bild grün oder blau ist, ist der Bildschirm korrekt eingestellt.
Eure Königliche Majestät, bitte verzeiht die Anmaßung, dass ich euch in diesem Punkt ganz ungeniert widersprechen möchte, aber der Planet ist ganz sicher blau. Ich habe einer ganzen Reihe von Freunden und Verwandten meinen Planeten gezeigt, und jeder von ihnen (allesamt herausragend treue Staatsbürger!) stimmt mit mir überein, dass der Planet die Farbe Blau trägt. Ich möchte Sie ferner darauf aufmerksam machen, dass ich die Gestirne schon seit Jahrzehnten beobachte und mir eine gewisse Expertise auf diesem Gebiet durchaus zueigen gemacht habe, während Ihr, entschuldigt bitte meine klaren Worte, gestern wahrscheinlich das erste Mal einen Blick durch das Teleskop geworfen habt. Ich bitte euch also dringlichst, die Arbeit der Wissenschaft nicht durch Eure Einmischung zu behindern: Der Planet ist blau.

Zum großen Glück für Wilhelm Herschel erreichte dieser Brief den König jedoch nie, so dass er der umgehenden Todesstrafe mit knapper Not entging. Die Diskussion um die Farbe wurde dennoch fortgesetzt und war jahrelang das alleinige Thema eigens dazu einberufener Astronomenkongresse, zu denen George III. selbstredend nicht eingeladen wurde. Aus Wut nannte Herschel den Planeten nun auch nicht mehr George, sondern Uranus; nur scheinbar folgte er damit wieder dem alten Schema, Planeten nach römischen Gottheiten zu benennen.

Die Kontroverse erreichte eine neue Dimension, als sich mit Caroline Herschel, der Schwester des Entdeckers und selbst eine brillante Astronomin, die erste Frau zu Wort meldete. Frauen haben ein ungleich differenzierteres Verständnis von Farben, so dass nun erstmals nicht nur Blau und Grün zur Debatte standen, sondern auch Türkis, Mint, Cyan, (trivialerweise) Blaugrün und Grünblau, Azurblau, Taubenblau, Flieder, Viktoria- und Jägergrün sowie Aquamarin. Weiter verkompliziert wurde die Frage noch, als einige namhafte Astronomen den eigentümlich wissenschaftlich anmutenden Ansatz vorschlugen, zunächst die Ursache der Farbe zu ermitteln und dann anhand der Kausalität zu bestimmen, welche Farbe aus der Ursache als notwendige Konsequenz folgen müsse.

Gewissermaßen den umgekehrten Weg beschritt der Mathematiker Charles Babbage, ebenfalls ein Freund Herschels, der im Jahre 1817 einen neunzehn Seiten umfassenden logischen Beweis vorlegte, warum die Farbe des Uranus zu den unentscheidbaren Problemen zählte. Allerdings beruhte der Beweis auf einem fundamentalen Irrtum und wurde fünf Jahre später als ungültig erkannt; zu diesem Zeitpunkt war Wilhelm Herschel allerdings bereits tot.

Inzwischen gilt als gesichert, dass einige der eifrigsten Protagonisten der Farbdebatte in Wahrheit farbenblind waren, also bloß aus purer Schadenfreude an den heftigen Diskussionen teilnahmen und eine Einigung nach Kräften verhinderten, ohne selbst einen eigenen Standpunkt einnehmen zu können. Die Frage, ob der Planet blau oder grün ist, konnte auch heute noch nicht abschließend geklärt werden und beschäftigt auch Wissenschaftler außerhalb der Astronomie. So wird von Psychologen diskutiert, inwiefern es für die Farbwahrnehmung des Uranus eine Rolle spielt, dass er fast immer mit dem sehr ähnlichen Neptun verglichen wird, der über ein äußerst kräftiges Blau verfügt; würde Uranus uns blau vorkommen, wenn Neptun grün wäre? Und ist eigentlich Neptun wirklich noch tiefblau oder geht das nicht schon eher in Violett über?

Pluto

Die Geschichte des Pluto ist die Geschichte eines beispiellosen Abstiegs. Pluto wurde bei seiner Entdeckung zunächst als neunter Planet gefeiert wurde, musste dann aber nur wenige Jahrzehnte später seinen Planetenstatus wieder abgeben. Grund war selbstverständlich eine Plagiatsaffäre, die die äußerst seriös arbeitende Internationale Astronomenunion (IAU) nach eingehenden Untersuchungen veranlasste, ihn nicht mehr als Planeten anzuerkennen.

Ihren Anfang nahm die Plagiatsaffäre im Jahr 1950, als mit Hilfe immer leistungsstärkerer Teleskope festgestellt wurde, dass Pluto eine verdächtige Ähnlichkeit mit den Neptunmond Triton aufwies: Beide sind steinig, klein, schweinekalt und ansonsten unauffällig. Wie man sich vorstellen kann, war diese Erkenntnis allein noch kein hinreichender Beweis für irgendetwas, doch der Verdacht war geweckt. Nach Erfindung des Internets wurde die Plattform Plutoplag gegründet, die verschiedene Hinweise auf Plagiate sammelte, und in den folgenden fünfzehn Jahren wurden fast zweitausend Krater gefunden, die Pluto bei Triton abgekupfert zu haben schien.

Schließlich wurden die minutiösen Untersuchungen von Plutoplag jedoch überflüssig, als sich Pluto in den Jahren 1979 bis 1999 auf frischer Tat ertappen ließ. Im vermeintlichen Schutz der Dunkelheit, die da draußen ständig herrscht, begab sich Pluto ins Innere der Neptunbahn, um Triton erneut aus der Nähe kopieren zu können. Diese dreiste Tat beseitigte auf einen Schlag jeden Zweifel, dass es sich beim gesamten Planeten um ein Plagiat handelte und es erübrigte sich auch der unpassende Hinweis, die Vorgehensweise hätte den damaligen Standards astronomischen Arbeitens entsprochen. Im Jahr 2005 wurde Pluto schließlich der Planetenstatus aberkannt. Stattdessen wird er nun als eines von vielen „plutoiden Objekten“ bezeichnet, von denen er gar nur das zweitgrößte ist. Was für eine Schande!

Die Zeit

Die Zeit ist definiert als Kehrwert der Motivation. Je mehr Zeit vorhanden ist, desto geringer die Motivation, und je weniger Zeit bleibt, desto höher steigt sie an. Ganz zu Anfang, als noch gar nichts existierte, gab es auch noch keine Zeit. Folglich war die Motivation unendlich, weshalb der Urknall auch durchaus ambitioniert ausgefallen ist.

Exkurs: Andere Universen

Um zu verstehen, wie ein Urknall vonstatten geht, lohnt es sich, einmal einen Blick von außen auf das Universum zu werfen, und zwar nicht auf das Universum zu einer bestimmten Zeit, sondern auf die gesamte Raumzeit inklusive Anfang und Ende. Das ist theoretisch nicht schwer, da die Raumzeit ein ganz normales vierdimensionales Konstrukt ist, wenngleich die vierte Dimension dem einen oder anderen Leser ein bisschen schwer greifbar erscheinen mag.

Ohne unnötig weit auszuholen, betrachten wir deshalb zunächst die gesamte Historie eines komplett anderen Universums, das über nur drei Dimensionen verfügt und von zweidimensional denkenden Wesen bewohnt wird. Nehmen wir an, dieses Universum wäre ein Bleistift: Die Zeitachse verläuft entlang der Mine, das Universum zu einem bestimmten Zeitpunkt wäre demnach aus Sicht seiner Bewohner der Querschnitt des Bleistifts an der jeweiligen Stelle. Selbstverständlich könnten die Bewohner des Bleistifts – eine auf Kohlenstoff basierende Lebensform, die wir spaßeshalber Graphiti nennen wollen – diesen niemals verlassen; tatsächlich fehlten ihnen sogar die praktischen Mittel, das eine Kohlenstoffatom, in dem sie leben, zu verlassen und zu einem anderen zu reisen. Nach Einsatz ihrer leistungsstärksten Teleskope und aufwändiger Auswertung der Daten wissen sie außerdem, dass rund um den fruchtbaren Graphitbereich eine lebensfeindliche Holzschicht liegt, deren Dicke sie recht zutreffend auf die unvorstellbare Summe von fast drei Millimetern schätzen.

Moderne Graphitikosmologen und Graphitiphysiker könnten berechnen, dass ihr Universum einfach aus dem Nichts entstand; warum, könnten sie nicht sagen. In der ersten Phase (aus unserer Sicht: der „Spitze“) dehnte sich das Universum rapide aus und gewann beständig an Masse. Später änderte sich seine Zusammensetzung, da sich im äußeren Bereich des Universums eine wachsende Holzschicht bildete, während der bewohnbare Bereich aus Kohlenstoff sein Wachstum einstellte. Noch später hörte die Ausdehnung des Universums dann ganz auf und es nahm die stabile sechseckige Form an, die sich seitdem nicht mehr verändert habe. Das Holz hätte natürlich keiner von ihnen jemals in der Hand gehabt; sie würden es vermutlich als „seltsame Materie“ (wissenschaftlich: „strange matter“) oder ähnlich bezeichnen, weil es die rätselhafte Tendenz zeigt, das Universum sechseckig abzuschließen und nicht etwa rund, wie man es von einem normalen Universum eigentlich erwarten könnte.

Graphiti, die nicht Kosmologie und Physik studiert haben, sind mit solchen Aussagen natürlich unzufrieden. Sie werfen ein: „So etwas Gigantisches wie unser Bleistiftquerschnitt kann unmöglich aus dem Nichts entstehen“, und verlangen danach, dass es einen intelligenten Schöpfer gebe. Obwohl die Argumentation auf schwachen Beinen steht, ist diese Vorstellung zutreffend. Wir wissen natürlich, dass der Bleistift auf einen intelligenten Schöpfer zurückgeht. Dass dieser Schöpfer allerdings zur Spitze, also dem subjektiven Ursprung, keine besonders emotionale Beziehung hat, würde seinen Bewohnern vermutlich nicht gefallen. Der Schöpfer hat keinen Startpunkt vorgegeben und auch keinen Plan, nach dem der Querschnitt sich in Zukunft entwickeln möge, er hat einfach einen kompletten Bleistift geschnitzt. Dass dieser bewohnt sein würde und dass das Bewusstsein der Bewohner der Länge nach durch den Stift wandern würde, ist dem Schöpfer nicht nur relativ wumpe, er weiß es nicht einmal und kann sich noch nicht einmal so recht vorstellen, wie man in einem zweidimensionalen Universum leben und die dritte Dimension als Zeit empfinden kann. Die Vorstellung, er selbst müsste im Bleistift leben und die Wünsche seiner eigentümlich zweidimensionalen (und lächerlich kleinen) Kreaturen in irgendeiner Form ernst nehmen, würde er zu Recht als Unsinn empfinden.

Da es also so gut wie ausgeschlossen ist, dass der Schöpfer Kontakt mit den Graphiti aufnimmt und sie über die wahre Natur ihres Universums aufklärt, muss ihr Weltbild unbefriedigend und konzeptionell unvollständig bleiben. Insbesondere werden sie von innen nie den Daseinszweck ihrer Welt ergründen können und sich möglicherweise irgendwann darauf verständigen, das müsse am Ende des Tages jeder für sich selbst entscheiden. Einige würden sich wohl auch in der Pflicht sehen, ihrem Schöpfer zu dienen, ohne dass es jenem allerdings zum Vorteil gereichen würde.

Falls es unter den Graphiti hervorragende Propheten gibt, werden sie das Ende ihrer Welt vorhersehen können, ansonsten werden sie selbst nie erfahren, wie es endet: Der Anfang vom Ende ist erreicht, wenn am Rande der Welt, noch hinter dem seltsamen Holzmantel, eine golden schimmernde Hülle entsteht. Kurz darauf verwandelt sich das gesamte Universum in einen gigantischen Radiergummi, der alles Leben auslöscht und alle Materie vernichtet, und verschwindet schließlich für immer im Nichts.

Urknall

Die moderne Physik kann inzwischen recht genau bestimmen, wann der Urknall stattgefunden hat. Er dürfte sich zwischen 14:47 und 15:04 Ortszeit in der Mitte des heutigen Roms ereignet haben und markiert den Beginn der Zeit und unseres Universums. Die Wucht der Explosion lieferte sämtliche heute vorhandene Masse und Energie und war so gewaltig, dass sich die italienischen Straßen bis heute nicht vollständig wieder erholt haben. So scheint es auch durchaus vernünftig und mehr als verständlich, dass die zuständigen Forscher sich bis heute nur sehr ausweichend über den beim Urknall eingesetzten Sprengstoff äußern.

Weltuntergang

Wie oben erläutert, nimmt die Motivation immer weiter zu, wenn die Zeit abnimmt. Aus diesem an sich einfachen Zusammenhang lässt sich über Messungen der Gesamtmotivation der Zeitpunkt bestimmen, an dem die Zeit endet. Die ständig fortschreitende Beschleunigung des Alltags legt nahe, dass die Motivation rasant steigt – Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel – was wiederum bedeutet, dass die Zeit knapp wird. Es lässt sich nur ungefähr schätzen, wann die endgültige Vernichtung des Universums erfolgt – man geht heute davon aus, dass es zwischen den Jahren 2097 und 2131 passiert – die Ursache hingegen liegt auf der Hand: Irgendwer nimmt die allgemeine Hyperhektik zum Anlass, mit mehr als exponentiell wachsender Geschwindigkeit die ultimative Quaternionenbombe zu entwickeln, um damit die anderen Idioten in Schach zu halten, und begeht am Ende einen kleinen Vorzeichenfehler, übersieht ein Komma oder rutscht mit annähernder Lichtgeschwindigkeit auf einer Bananenschale aus, auf jeden Fall endet die Welt dann so, wie sie entstanden ist: mit einem Urknall.

Schuld an dieser Entwicklung ist letzten Endes die obige, restlos überzeugende und äußerst schlüssig dargelegte Erklärung, dass das Ende der Welt in greifbare Nähe gerückt ist, die die allgemeine Aufregung erst entfacht.

Theorien

Super: Sogar vom Arzt bestätigt

Die enorme Vielfalt der Gedanken, Vorstellungen, Ideen, Hoffnungen und Ängste übersteigt die Masse der Materie im Universum natürlich nicht annähernd, ist aber trotzdem vergleichsweise groß. Es wird angenommen, dass es zu so gut wie jeder denkbaren Aussage irgendwo eine Theorie gibt, die diese Aussage bestätigt, und eine andere, die ihr widerspricht. Als Faustregel gilt, dass man nicht länger als drei Wochen suchen muss, um sich einer beliebigen Meinung in dem Sinne zu vergewissern, dass es noch wenigstens Einen gibt, der diese teilt. Das Internet ist dabei eine große Erleichterung, und bei auch nur ansatzweise plausiblen Behauptungen reicht es völlig aus, diese ins Suchfeld einzugeben und sich aus den erwartbaren Tausenden oder Millionen Treffern den auszusuchen, der noch am seriösesten ist. Wikipedia ist aufgrund seiner kleinlichen Relevanzkritieren meist nicht so gut geeignet, das Mittel der Wahl ist daher eher Google (oder, hihihi, andere Suchmaschinen).

Religion

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In der Antike gab es noch kein Google, weshalb die ersten Menschen die Suchbegriffe notgedrungen einfach über den Marktplatz brüllten. Mit etwas Glück wurde von irgendwoher eine Antwort zurück gebrüllt, wobei sich hier im Allgemeinen nicht der durchsetzte, der am längsten nachgedacht hatte, sondern der, der eben als erster antwortete. Entsprechend uninspiriert wirken denn auch die ersten Erklärungsversuche für die großen Menschheitsrätsel:

  • Wie ist die Welt entstanden?
  • Ein großer Mann mit Bart hat alles erschaffen.
  • Wozu sind wir hier?
  • Um den Mann mit dem Bart zu verehren.

Auf diesem Niveau ist das selbstverständlich noch keine Religion. Es ist nur Geschrei auf einem Marktplatz. Zur Religion steigert sich das Geschrei erst, wenn sich eine Massendynamik daraus entwickelt. Diese lässt sich erschreckend einfach mit ein paar kleinen Zusatzannahmen erreichen:

  • Man muss so vielen wie möglich von dem Mann mit dem Bart erzählen.
  • Wer das nicht glaubt oder einen eigenen Mann mit Bart erfindet, muss sterben.

Diese einfache Axiomatik erweist sich als außerordentlich fruchtbar. Es liegt auf der Hand, dass sich eine Lehre sehr schnell verbreitet, wenn ihre Grundaussage darin besteht, dass sie eben verbreitet werden muss. Theoretisch hätten sich natürlich auch Lehren verbreiten können, die auf das letzte Axiom (du sollst töten) verzichteten. Wahrscheinlich haben sie das auch, sind dann aber unter dem Einfluss der anderen zügig wieder verschwunden. Übrig geblieben sind am Ende, ganz wie von Charles Darwin vorhergesagt, die stärksten und gewalttätigsten Hornochsen und von denen die am besten organisierten.

Klassische Mythologie

Die alten Griechen und Römer entwickelten die oben hergeleitete Urreligion bald weiter. Sie wählten hierbei den Ansatz des Polytheismus, das heißt, nachdem die Schöpfung der Welt mit Hilfe eines Mannes mit Bart erklärt war, wurden alle weiteren Fragen, die da aufkamen, mit weiteren Männern mit Bart beantwortet, und als das zu langweilig wurde, kamen sogar Frauen hinzu, dann aber ohne Bart.

Es gab einen Mann mit Bart im Himmel, der für das Wetter zuständig war und im Zorn Donnerkeile auf die Erde schleuderte; es gab einen Mann mit Bart im Meer, der dann eben die Meere beherrschte und einen mächtigen Dreizack schwang, weil Götter sich mit Worten nun mal nicht zu wehren wissen. Und so weiter. Betrachtete man einen der bereits erfundenen Götter als hinreichend ausgelastet, wurden weitere erfunden und den bestehenden untergeordnet. So ist die Herrschaft über das Wetter eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe, die nicht eben leichter wird, wenn man wie Zeus keine Affäre auslässt, also ging man davon aus, dass er für die Morgenröte, die ja prinzipiell auch noch in sein Ressort fiel, wohl eher keine Zeit fand. Also musste es noch eine Göttin der Morgenröte geben, Eos genannt, die die ehrenvolle Aufgabe hatte, morgens den Himmel rot anzumalen.

Dem Polytheismus der alten Griechen (und Römer) ist zu verdanken, dass heute nicht nur die acht oder neun Planeten so schöne Namen haben, sondern auch deren über 300 Satelliten und natürlich die abertausend Asteroiden. Die schiere Anzahl der vorhanden Götter legt nahe, dass neben den durchaus respekteinflößenden Hauptgöttern auch reichlich armselige Nischengötter dabei sein mussten. Morgens den Himmel rot anzumalen ist – für eine Göttin! – schon ein bisschen grenzwertig. Wirklich nicht zu beneiden ist aber der Gott der gegen Mittag verschwundenen Morgenröte, also der Typ, der ein paar Stunden später alles wieder abwischen musste, was deutlich mehr Arbeit bedeutete, ihm aber nur einen Bruchteil der Verehrung einbrachte. Dionysos, der Gott des Weines, der Freude und der Fruchtbarkeit, war aus naheliegenden Gründen ähnlich beschäftigt wie Zeus und konnte sich ebenfalls nicht um jede Kleinigkeit kümmern. Deshalb hatte er zahlreiche Helfer, wie zum Beispiel den kleinen, koboldhaften Flensophokles, der einzig und allein für das Plopp-Geräusch der Bierflasche zuständig war. Merkur war als Gott des Verkehrs, der Reisenden, der Kaufleute, Hirten, Diebe und Kunsthändler, der Redekunst, der Gymnastik und der Magie für eigentlich fast alles zuständig, insbesondere aber eben auch für Geld, und damit allein schon unfassbar beschäftigt. Logischerweise befasste er sich nicht mit jeder Kleinigkeit aus diesem Bereich. Allein für den Münzwurf waren gleich zwei weitere Götter vorgesehen, und wie Pythagoras in einem mehrere hundert Seiten starken Manifest nachweist, sind der Gott, der Münzen auf die Kopfseite fallen lässt, und sein Erzfeind, der sie auf die Zahlseite fallen lässt, exakt gleich mächtig gewesen. Ob Pythagoras damit aber den Anspruch auf die geistige Urheberschaft des mathematischen Mächtigkeitsbegriff erheben kann, darf bezweifelt werden.

Es dürfte klar sein, dass nicht jeder zu jedem Gott beten musste. Dies wird noch klarer, wenn man bedenkt, dass Beten allein damals noch keinen Katzengott hinter dem Ofengott hervorlocken konnte, nein, es musste auch gleich ein Opfer gebracht werden. Es sollte also gut überlegt sein, was man sich in seinem Leben wünschte, und welche Götter dazu gnädig gestimmt werden mussten. Hier galt das Konzept der Subsidiarität, also dass immer zuerst der kleinste geeignete Gott für ein Problem in Anspruch genommen wurde, und die höheren erst, wenn es wirklich notwendig wurde. Zum Beispiel wäre es ja nicht fair gewesen, als Athlet in der Olympiade den Gott des Glücks um Hilfe zu rufen, wenn gleichzeitig andere Griechen dessen Hilfe im Krieg viel dringender brauchten. Stattdessen wurde ein kleiner Untergott gewählt, der Gott des sich in der zweiten Halbzeit wendenden Glücks etwa, dem die eine Mannschaft eine Schweinehälfte opferte, damit sich das Glück zu ihren Gunsten wendete, und die andere Mannschaft die andere Hälfte, damit sich das Glück eben nicht wendete. Der Gott der halbierten Schweine hatte in jedem Fall seinen Spaß dabei.

Christentum

Die einzig wahre Religion ist die christliche Lehre – eine Religion des Friedens! Obwohl in den letzten Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten immer wieder von Skandalen und Gewaltexzessen gebeutelt, hat die Erhabenheit der Kirche nie ernsthaften Schaden genommen. Das ist eine beachtliche Leistung für eine Religion, in deren Verbreitungsgebiet die Menschen tendenziell aufgeklärt und zufrieden sind – die christliche Kirche muss auf die großen Standortvorteile Armut und Verzweiflung inzwischen weitgehend verzichten und muss sich außerdem noch gefallen lassen, ständig hinterfragt zu werden. Und die spontane Hinrichtung von Ketzern ist oft keine Option mehr.

Es ist daher ein Segen für die Christenheit, dass man allen Kritikern immerhin entgegnen kann: Jesus hat tatsächlich gelebt! Der Typ, der sich das alles ausgedacht hat, den gab es wirklich! Das lässt sich archäologisch inzwischen einwandfrei nachweisen. (Es steht nämlich alles im Neuen Testament) Um diesen wissenschaftlichen Nachweis noch stärker zu betonen und den Glauben an Jesus endgültig in wissenschaftliche Arbeit zu verwandeln, wird zur besseren Abgrenzung gern von hysterischer Jesusforschung gesprochen.

Der hysterische Jesus war anders als die anderen Jesusse (oder Jesüsser – beides ist per Duden korrekt – Duden ist übrigens der Plural von Dudus, eine Kurzform von „du Dussel“, wie ihn seine Frau zu rufen pflegte; frei erfunden ist hingegen das deutlich bekanntere Zitat „Quatsch nicht so blöd, was weißt duden“. Das aber nur am Rande.). Er war aggressiv, rachsüchtig und gehässig, eitel mit Hang zum Größenwahn und ausgesprochen launisch obendrein. Dass er das Zeug zum Religionsstifter hatte, zeichnete sich also schon sehr früh ab. Im Lauf der Jahrhunderte wurden diese Charaktereigenschaften immer wieder neu interpretiert beziehungsweise dreist verfälscht, teilweise sogar durch Schwärzung belastender Bibelstellen:

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Deine Feinde aber sollst du hassen, und wenn keiner guckt, dann schnapp sie dir und schlag ihnen den Schädel ein! Die Schuld aber schiebe einem anderen deiner Feinde in die Schuhe, denn so hast du zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Jesus Christus

Unter dem unangenehmen Wesen Jesu litt vor allem sein borstiger Bruder Besus. (Borstig, aber nicht schmutzig – im Gegenteil, die sprichwörtliche Sauberkeit Besu findet sich noch heute im Ausdruck „besenrein“ wieder. Dass Besen der Plural von Besus ist, weiß übrigens selbst der Duden nicht.) Besus wusste sich gegen die endlosen Streiche und Sticheleien seines jüngeren Bruders nicht zu wehren, lehnte nur reglos an der Wand und sprach kein Wort.

Im gesamten Wirken Jesu findet sich nur eine einzige im enzyklopädischen Sinne relevante Leistung: Er ist Erfinder des allseits beliebten Aprilscherzes. In einer für damalige Zeiten durchaus spektakulären Aktion engagierte Jesus bis zu 250 römische Statisten, mit deren Hilfe er seinen eigenen Tod am Kreuz inszenierte, nur um ein paar Tage später, pünktlich zu Ostern, überraschend wieder aufzutauchen und fortan jedes Jahr mit penetranter Aufdringlichkeit allen zu erzählen, zu Ostern werde seine Auferstehung gefeiert. Der Einwand, das Fest habe auch vorher schon existiert, wurde mit großer Sturheit ignoriert und hat inzwischen weitestgehend an Bedeutung verloren. Lustigerweise wäre das alles beinahe nicht zustande gekommen, weil der Verräter Judas drohte, die Sache auffliegen zu lassen – erst mit einem Bestechungsgeld von 30 Silberlingen konnte Jesus ihn zum Schweigen bringen.

In der Boulevardpresse wurde der Streich hemmungslos überzeichnet, wie das auch heute noch üblich ist, die Geschichte ging wochenlang durch alle Medien und wurde immer weiter ausgeschmückt, bis das abergläubische Volk schließlich ernsthaft daran glaubte und Jesus als Messias verehrte, der den Tod überwunden hatte.

Buddhismus

Der Buddhismus ist eine unglaublich sympathische Religion, wobei sich das unglaublich Sympathische zu etwa gleichen Teilen aus dem zusammensetzt, was er mit anderen Religionen nicht gemein hat, und aus dem, was man über ihn im Allgemeinen nicht weiß. Er hat keine Götter, auch keinen einzigen Gott, und beschäftigt sich stattdessen mehr so mit der eigenen, inneren Kraft des Menschen. In der Ruhe liegt die Kraft! Buddhismus ist viel mit Yoga und Entspannungstechniken, Meditation, unglaublich spannend. Gerade in der heutigen Zeit, mit Burnout-Syndrom und so, erlebt der Buddhismus deshalb eine Renaissance in Gegenden, wo es ihn nie zuvor gegeben hat. Falls das geht.

Buddhismus ist, wenn man sich einen Tee macht und die Beine hochlegt. Und weil es beim Buddhismus vor allem darum geht, dass man sich wohl fühlt, kann man statt Tee auch Latte macchiato trinken und Torte dazu essen, während man im Lotussitz vor dem Fernseher sitzt. Buddha war ja auch nicht gerade dem Magerwahn aufgesessen, zum Glück! Von den Asiaten kann man doch eine ganze Menge lernen.

Wissenschaft

Ebenso wie die Religion lässt sich auch die Wissenschaft als hoffnungsfrohe Suche nach der Wahrheit charakterisieren. Geringfügige Unterschiede lassen sich allenfalls in der Methodik feststellen: Im Unterschied zum Unfehlbarkeitsansatz der meisten Religionen beruht die Wissenschaft zum großen Teil auf dem Grundsatz, ihre Theorien immer unter dem Vorbehalt des Irrtums zu publizieren und zu ersetzen, sobald jemand eine bessere Idee hat. Selbst Bücher über Mathematik werden regelmäßig neu aufgelegt, nur weil Fehler aufgetaucht sind. Demgegenüber ist die Bibel seit über 2.000 Jahren nicht mehr aktualisiert worden – bislang wurde nicht einmal eine Errata-Liste veröffentlicht.

Würde ein Physiker nachweisen, dass die Relativitätstheorie zu nicht auflösbaren Widersprüchen führt und damit falsch ist, und könnte er außerdem noch eine bessere Theorie vorlegen, der Nobelpreis wäre ihm wahrscheinlich sicher. Im klassischen Religionsbetrieb würde dieselbe Leistung vermutlich mit einer Steinigung honoriert. Das heißt allerdings auch im Umkehrschluss, dass eine Steinigung etwa gleichwertig mit einem Nobelpreis ist. Die Exkommunikation (der Kirchenbann) entspricht ungefähr dem Diplom. (Anmerkung: Im November des Jahres 2012 lehnte die Stupidedia den Friedensnobelpreis ab und sie wird eine etwaige Steinigung voraussichtlich ebenfalls nicht annehmen.)

In diesem Zusammenhang erweist sich die in den Medien häufig kolportierte Behauptung, Plagiatoren wie Karl-Theodor zu Guttenberg oder Annette Schavan hätten den Grundsätzen wissenschaftlichen Arbeitens widersprochen, als unrichtig. Ganz im Gegenteil, der Ablauf der entsprechenden Fälle entsprach in hohem Maße dem gängigen Prozedere: Nach Fertigstellung der Doktorarbeit wurde die Theorie entwickelt, der Doktorand sei des Doktortitels würdig. Anschließend durfte der Titel geführt werden, bis sich durch neue Erkenntnisse zeigte, dass es sich um ein schnödes Plagiat handelte, woraufhin die Theorie um den Doktortitel wieder verworfen werden musste. Wissenschaftliches Arbeiten also, genau so, wie es sein sollte! Vergleichsweise wenig bekannt ist in der Bevölkerung, dass die Abkürzung „Dr. Dr.“ keinen doppelten Doktortitel bedeutet, sondern lediglich den wissenschaftlich korrekten Titel „Derzeit Doktor“ abkürzt.