Beleidigte Leberwurst

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Da kann einem ja der Appetit vergehen

Die beleidigte Leberwurst ist eine Wurst, die zu mindestens einem Prozent aus Schweineleber besteht und die beleidigt rumschmollt, weil niemand sie mag, geschweige denn verzehren will. Von Menschen verschmäht wird sie nach Ablauf des Verfallsdatums meist an Haustiere verfüttert. Bei Katzen führt der Verzehr nicht selten zu Verdauungsstörungen. Eine Zeit lang erfreute sich die Wurst auch bei Hühnern einer gewissen Beliebtheit. Dies änderte sich als zwei böse Buben (Fritz und Sepp) sie für einen ihrer derben Streiche als Köder missbrauchten. Es erging ihnen danach eher schlecht den Buben und ein gewisser Meister B. kommentierte ihren Abgang schadenfroh: "Ja, ja, ja! Bosheit ist kein Lebenszweck." Trotzdem fürchten Hühner die Leberwurst heute wie der Teufel das Weihwasser.
Das erste Mal fand die beleidigte Leberwurst erwähnung im bekannten Volksmärchen der Schwestern Zorn "Prinzessin Dumpfbacke geht baden". Es wird dort erzählt, dass ein Metzger Würste gekocht habe und alle anderen Würste, die nicht so lang kochen mussten, vor der Leberwurst aus dem Kessel genommen habe. Weil sie allein im Kessel bleiben musste, war die Leberwurst beleidigt und platzte schließlich vor Wut.

Darf sie das?

Dazu hatte sie natürlich überhaupt kein Recht, denn sie ist grundsätzlich selber Schuld. Schuld daran, dass sie eine Wurst ist und Schuld daran, dass sie keiner mag. Man mag nun einwenden, sie könne nichts dafür, wenn ihr eine Laus über die Leber lief, aber sie hätte sich von Läusen, sonstigen Parasiten und ihren Wirten fern halten sollen. Sollen und Wollen ist aber, wie jedes Kind weiß, zweierlei. Zweierlei Ausreden hat sie ständig parat, wenn man sie fragt, warum sie so ungehalten ist: "Was kann ich denn dafür, dass ich eine arme Wurst bin? Ich hab mich schließlich nicht selbst verwurstet." Das kann natürlich jeder von sich sagen, außerdem wird es schon einen Grund geben, warum ihr keiner auf die Pelle rückt. "Was soll ich denn daran ändern?" Ändern kann sich ebenfalls jeder, wenn es auch keiner will.

Fazit

Auch nicht besser: Die Bockwurst.

Beide Einwände sind also vollkommen "wurscht" und die Wurst sollte sich die Ausreden besser sparen. Das ausgerechnet die Leberwurst schmollt hat Tradition. Schon im Mittelalter wusste man, dass beim Menschen die Leber der Sitz der Lebenssäfte und des Temperaments ist. Was beim Menschen gilt, trifft erst Recht bei seinem Verwandten dem Schwein zu. So dichtete Paul Fleming (1609–1640) in seinem "Frühlings-Hochzeitgedichte":

"Vergebens ist uns nicht die Leber einverleibet.
Sie, sie ist unser Gott, der uns zum Lieben treibet,
Wer gar nicht lieben kann, der wisse, dass anstatt
Der Leber er faul Holz und einen Bovist hat."

Das heißt übersetzt für Haustiere und ihre Besitzer: "Besser eine beleidigte Leberwurst als gar keine Wurst. Besser ein liebendes Herz als gar kein Herz."

Noch ein Beispiel

Zu diesem Statement noch ein Beispiel:

Im Regal eines Feinkostladens liegt eine appetitlich aussehende echt pfälzische Royalleberwurst. Da kommt ein streunender Hund (H.) herein. Er riecht die Wurst schon am Eingang und kommt schwanzwedelnd näher.

H.: "Hallo. Mein Name ist Casi, wir kennen uns doch."

Die Wurst tut so als hätte sie nichts gehört.

H.: "Haben sie mich nicht verstanden? Ich möchte wahnsinnig gerne ihr Freund sein."

Alles klar. Sie ist doch nicht naiv oder dumm, die Wurst. Sie ignoriert ihn wieder. Das will sich Casi aber nicht gefallen lassen, er ist doch nicht unsichtbar.

H.: "Ah, jetzt fällt es mir ein. Es ist kaum sechzehn Jahre her, da habe ich versucht ihnen das Sprechen beizubringen. Wie ich sehe war ich ihnen ein guter Lehrer."

Die Wurst verdreht die Augen. Als ob sie sich an jeden Köter erinnern könnte, der früher mal in ihren Diensten stand.

H.: "Wenn sie nicht mit mir reden, dann kann ich ihnen wenigstens meine Lebensgeschichte erzählen. Bla, bla, bla…." Zwei Stunden später, die Wurst ist gerade eingeschlafen, weckt Casi sie wieder mit lautem Gebell. Die Wurst ist nun ausgesprochen ungehalten, er aber fühlt sich besser.

H.: "So jetzt wissen sie über mein Leben Bescheid. Meine wertkonservative Erziehung, der Stress bei der Arbeit und meine zahllosen Affären. Jetzt werden sie mich doch wohl als Freund akzeptieren."

Die Wurst fängt schallend an zu lachen und mit ihr das ganze restliche Wurstregal, das Casi noch gar nicht bemerkt hat. Er lässt traurig den Kopf hängen und hat immer noch Hunger. So schlimm, dass er schon fliegende Würste überall sieht.

H.: "Wenn ich nicht gleich etwas zu fressen bekomme, verwüste ich den ganzen Laden!" bellt er.

Die Wurst wirft einen demonstrativen Blick in Richtung des Obst- und Gemüseregals. Aber Casi schüttelt sich entsetzt. Er ist doch kein Vegetarier, was denkt diese Wurst von ihm?

H.: "Das Grünzeug kann ich nicht fressen. Ich liebe die Natur. Das hat mir meine Mutter schon ins Körbchen gelegt."

Die Wurst zuckt gleichgültig mit den Achseln.

H.: "Da kaufe ich mir lieber eine Leiter und einen Strick und gehe damit zu meiner Mutter auf den Dachboden."

Immer diese gegenstandslosen Drohungen, mit so was kennt sich die Wurst schon aus. Sie wendet sich ab.

Epilog

Einige Monate später ist Casi immer noch am Leben und hat sogar ein Buch darüber geschrieben, wie er sich nicht umgebracht hat. Es wurde mehr als hundert Mal verkauft und Casi ist nun bekannt (berüchtigt) wie ein bunter Hund. Außerdem hat er einen Doktortitel erworben und sich einen Nachnamen zugelegt. Er heißt jetzt Dr. phil. habil. Casimir Geistreich.
Die Wurst liegt immer noch in ihrem Regal. Die Pelle ist schon ganz faltig geworden, die Goldbuchstaben sind leicht verblasst und sie hat schon eine grüne Farbe angenommen (auf keinen Fall Schimmel). Was denkt sie da wohl?