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Spiegelwelten:Pjerie R'jodan im Lande des gelben Mannes

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Er ist wieder da. Ein Jahr seinem... erfolglosen(?) Versuch, seinen geliebten Führer Tehan'Kiljor aus der hurricanischen Pampa zu retten, ist der beste Mann des SSD wieder im Einsatz. Zum zweiten Mal macht er sich auf in das sagenhafte Kaiserreich China. Seine Mission: Die Sprengung der chinesischen Mauer zu manipulieren. Denn wenn die Chinesen ihre Mauer erfolgreich sprengen und die dahinter gefangenen Tibeter befreien, werden sie den Zuschlag für den Kauf des luxusburgischen Militärgeräts erhalten. Das muss um jeden Preis verhindert werden...

Erster Eintrag, 14.07.2015: Vorwärts, Marsch![Bearbeiten]

Heute ist es soweit. Der SSD hat mir vor drei Tagen befohlen, mich für eine weitere Reise nach China bereitzuhalten, genauer, nach Tibet. Jenem sagenumwobenen Bergland, das wir bei meinem ersten Einsatz überhaupt erst entdeckte. Diesmal bin ich allein. Und meine Mission lautet auch nicht „Erkunden“ sondern „Vernichten“. Ich soll die Sprengung der chinesischen Mauer verhindern, damit die Chinesen keinesfalls den luxusburgischen Waffendeal bekommen und ihn meinem Vaterland rauben.
Um mich unerkannt nach China einzuschiffen, werde ich an Bord verschiedener Frachter reisen, in der undurchschaubaren Tarnung einer jenchuischen Exportstehlampe.
Viel kann ich heute nicht berichten. Der Frachter wird bald in Santiago einlaufen und ich muss höllisch aufpassen, auf das richtige Schiff weiter verladen zu werden.

Zweiter Eintrag, 15.07.2015: Cong Long[Bearbeiten]

Dass diese undurchschaubare Tarnung aufgedeckt wurde, grenzt an einen höllischen Zufall

Die Reise nach China war beschwerlich. Sie verlief von Port Suad, Jenchu über Sanchéz Harbour, Santiago, Ganynendra, Südsee, Sulfuris, Electronia und Baise-Moi, Rakete bis nach Cong Long, China. Bei den vielen Umladungen wäre meine perfekte Tarnung mehrmals beinahe aufgefallen. Doch erst an meinem Ziel, in Cong Long, kam es, wie es kommen musste.
Ich stand immer noch regungslos im Dunkel des Frachtraums, während die Packer dabei waren, die anderen Waren nach draußen auf den Kai zu stellen, wo sie weiter verladen wurden. Mein Plan war es, mich unauffällig nach draußen tragen zu lassen, dann schnell abhauen und in den Straßen unterzutauchen.
Doch das konnte ich vergessen. Einer der Packer betrachtete mich mit einem prüfenden Blick.
„Was macht die denn hier?“, fragte er einen seiner Kollegen, der hinter ihm stand. Der Andere schien nicht zu verstehen. Er trat ebenfalls näher.
„Made in Jenchu“, entzifferte er den Aufdruck an mir. „Nie davon gehört“, meinte er schulterzuckend. Für diese frevelhafte Beleidigung meines geliebten Vaterlandes hätte ich ihm natürlich sofort das Genick brechen sollen, aber ich konnte mich, Tehan'Kiljor sei dank, zurückhalten.
„Aber... seit wann importieren wir den Lampen aus Dritte-Welt-Ländern, von denen noch nie jemand gehört hat?“, fragte der erste von beiden.
„Seit wann“, fragte sein Kollege tonlos,“importieren wir überhaupt IRGENDWAS?“ Ich erkannte sofort, dass ich aufgeflogen war. Ich sprang in die Höhe und köpfte beide Packer mit meinen bewährten Schuhklingen und hetzte durch die Ladeluke nach draußen. Ich kämpfte mich durch einen Haufen billiger Massenprodukte der ganzen Spiegelwelt, darunter aber auch ein Paket „Original Let'Reer Kerzen. Jetzt mit 20% mehr wiederaufbereitetem Erdöl!!!“, dass bei mir sofort Heimatgefühle weckte und das ich deshalb auch im vorbeilaufen an mich riss. Warum ich das tat, weiß ich nicht.
Die Hafenpolizei suchte nach mir. Das konnte ich ganz deutlich von meinem Pensionszimmer mit Hafenblick erkennen. Zu ihrem Pech suchten sie aber eben nur innerhalb des Hafens und die Täterbeschreibung „Laufende, jenchuische Stehlampe“ half auch wenig weiter. Ich werde nur eine Nacht in Cong Long verbringen und mich morgen in aller Frühe nach Gompo weiterziehen. Dort soll ich mich mit einem Kontaktmann treffen, der mir die nötige Ausrüstung zu Manipulation der Sprengung überreicht.

Dritter Eintrag, 16.07.2015: The Return of Uwe[Bearbeiten]

Nach einem sechsstündigen Powernap habe ich meine Pension und die Stadt bereits um zwei Uhr morgens wieder verlassen. Hauptsächlich, um nicht für das Zimmer bezahlen zu müssen. Der Zön ist in diesem Land leider eine ungern gesehene Währung, für die man in der Regel wenig bekommt. Pah. China ist nur neidisch auf die wirtschaftliche Kraft Jenchus.
Auf ein Abendessen oder gar ein Frühstück konnte ich zum Glück auch verzichten. Meine jahrelange Übung macht es möglich, dass ich meinen Tagesbedarf an Energie in Form von drei Grashalmen zu mir nehmen kann. Das Leben in Jenchu hat durchaus seine praktischen Folgen.
So lies ich das nächtliche Cong Long hinter mir und wanderte nach Südwesten, nach Gompo. Ich durchquerte gerade ein kleines Wäldchen – es war mittlerweile fast sechs Uhr morgens – als ich es in einem Busch rascheln hörte. Ich sah nach und traute meinen Augen kaum.
„Uwe?“, fragte ich ungläubig. Er war es tatsächlich. Der kleine Junge, den ich im letzten Jahr in Hurricania getroffen hatte und mit dem ich auf meiner Suche nach Tehan'Kiljor so viele Abenteuer erlebt hatte. Der Kampf gegen den Franzosé, das Erschlagen des Drachen und wie wir uns in einem Gemenge in den Lower Slums verloren hatten. Alles Dinge... die ich nie irgendwo aufgeschrieben habe. Aber das ist jetzt auch nicht so wichtig. Wichtig war, dass Uwe lebte und hier war.
„Warum bist du hier, Kleiner? In China?“, fragte ich immer noch verwundert.
„Ich besuche Verwandte“, sagte der Junge knapp.
„Aber... du bist ein Weißer. Wieso hast du hier Verwandte?“, fragte ich.
„Man kann auch in China leben, ohne Chinese zu sein!“, rief Uwe erbost. „Außerdem, schon mal was von gemischtrassigen Ehen gehört, Rassistenarschloch?!“.
Es war einfach schön, ihm wieder dabei zuzuhören, wie er über seine lächerlichen kleinen Ideen, wie zum Beispiel diese „Menschenrechten“ sprach. Er schloss sich mir an, mit der Begründung, er würde ohnehin nicht wirklich zu seinen Verwandten wollen und fragte mich nur, ob ich ihn nicht am Ende meiner Mission auf Hurricania abliefern könnte. So gingen wir unseren Weg.

Vierter Eintrag, 17.07.2015: Red Neck und Sasuka[Bearbeiten]

Red Neck sieht rot. Zumindest auf einem Auge

Wir kamen gegen Abend in Gompo an und damit gerade noch rechtzeitig, um uns mit dem Kontaktmann zu treffen. Er nannte sich „Red Neck“ und meinen Informationen zufolge sollte er im „Gebratenen Hund“, einem, natürlich in staatlichem Besitz befindlichen, Restaurant stattfinden.
Uwe und ich reinigten uns also provisorisch in einer Pfütze und betraten das Restaurant. Es war ein kahler Betonraum. An einer Wand hing ein gerahmtes Bild des Mao, des Kaisers von China. Ansonsten war es kahl und nur von einer schwachen Deckenlampe erleuchtetet. Die Leute trugen größtenteils Arbeiteruniformen und aßen gleichmütig die graue Pampe, die ihnen serviert wurde. Ich musste anerkennend zugeben, dass China gewissen Bereiche doch besser führt als mein geliebtes Vaterland. Zum Beispiel die Verdienst. Ein jenchuischer Arbeiter müsste fünf Monatsgehälter aufwenden, um sich derart hochwertige Pampe zu leisten.
An einem Randtisch saßen sie. Red Neck und seine Gefolgsleute. Red Neck war ein großgewachsener Chinese mit Schnurrbart. Er trug eine rote Augenklappe mit einem goldenen Stern darauf und, wie, um seinen albernen Namen zu begründen, einen roten Verband um den Hals.
Seine Gefolgschaft, die hinter seinem Stuhl an der Wand stand, bestand aus mehreren Schlägern, einer jungen, sehr kleinen Frau und einem überraschend westlich aussehenden Mann im Anzug.
Uwe und ich setzten uns Red Necker und seinen Leuten gegenüber und wickelten den Deal ab. Der westlich aussehende Mann schob uns auf einen Fingerzeig von Red Neck hin einen Koffer über den Tisch.
„Der enthält alles, was sie brauchen, um die Sprengung effektiv zu maximieren“, erklärte Red Neck dazu. Ich klappte den Koffer auch und fast eine Reihe von rot lackierten, runden Schraubaufsätzen darin.
„Die werden einfach auf die einzelnen Sprengladungen gedleht und potenziellen die Explosionskraft um etwa das Fünftausendfache“, fuhr er fort.
„Die zu verteilen wird 'ne scheiß Arbeit“, stellte Uwe fest, nachdem er sich den Inhalt des Koffer besehen hatte.
„Ja, aber das ist dann ja Ihr Problem. Jetzt zu Ihrem Teil der Abmachung“.
Ich zog sofort das Bündel Geldscheine aus der Tasche. Red Necks Auge fiel entgeistert darauf.
„Was zul Hölle ist das? Spielgeld?!“, fragte er.
„Das... das sind jenchuische Eine-Milliarde-Zön-Scheine“, stotterte ich verwirrt.
„Willst du mich verarschen? Du warst es, mich mit wertlosem Papier bezahlen zu wollen?“, brüllte Red Neck und fegte das Bündel mit einem Streich vom Tisch. Ich schluckte, sah Uwe an, Uwe sah mich an. Dann traf mein Blick den besorgten Blick der Frau in Red Necks Gefolgschaft. Sie sah entschlossen aus.
Red Neck lehnte sich in seinem Stuhl zurück, schloss das Augen kurz und atmete tief durch. Dann wies er mit dem Zeigefinger auf mich und befahl seinen Leuten: „Legt den Penner um“.
In der Sekunde, die auf diesen Befehl folgte, geschah erstaunlich viel auf einmal:

  • Ich griff mit der rechten Hand dem Koffer mit den Sprengaufsätzen, der noch auf dem Tisch lag
  • Mit der anderen Hand griff ich nach Uwe
  • Die Frau hob beide Hände und auf ihren Handflächen entstanden Fische. Keine lebenden Fische. Zusammengerollte, tote Fische
  • Red Necks Leute zogen kollektiv ihre Waffen, um mich über den Haufen zu mähen
  • Ich stieß mich vom Tisch ab und zog dabei den Koffer und Uwe mit mir


Ich stolperte rückwärts. Der Fisch, der auf rätselhafte Weise aus den Händen der Frau gekommen war, traf die Bewaffneten mit voller Härte ins Gesicht uns lenkte sie ab. Anschließend sprang die Frau über den Tisch zu uns und zog mich am Arm.
„Lauft!“, rief sie.
Wir liefen durch die nächtliche Stadt. Zwischendrin gelang er mir, der Frau einige Informationen über sie zu entlocken: Sie hieß Sasuka, war Japanerin und war aufgrund ihrer besonderen Fähigkeit von Red Neck als seine persönliche Sushi-Fabrik angestellt. Sie hätte sich selbst öfter gefragt, woher der ganze Fisch käme, den sie bei Bedarf einfach materialisieren kann, aber sie glaubt, es hätte irgendwie mit einem gewissen „Fuku Schi Mah“ oder so zu tun. Hab nicht wirklich verstanden, was sie meinte.
Schließlich standen wir, immer noch verfolgt, in einer Seitenstraße, in der ein Honda Civic parkte. Sasukas Auto. Wir stiegen ein und rasten aus der Stadt.

Fünfter Eintrag, 18.07.2015: Die Querung des Mung-Massivs[Bearbeiten]

Wir fuhren die Nacht hindurch bis zum Morgen und dann noch weiter. Ich hatte Sasuka inzwischen mitgeteilt, dass wir dringend nach Fu Dung mussten.
In Fu Dung, der Hauptstadt Chinas, hoffte ich jemanden zu finden, der mich effektiv durch das gewaltige Steppenchina führen könnte, das im Westen lag und an dessen Ende Tibet lag. Doch vor uns lag das Mung-Massiv, eine Bergkette, die wir überqueren mussten. Ein Umweg hätte zu viel Zeit gekostet.
Wir erreichten den Fuß des Gebirges gegen Mittag. Sasuka war mittlerweile völlig ausgelaugt, aber aus Angst vor Red Necks Schergen hatten wir es nicht gewagt, stehen zu bleiben. Zumal weder ich noch Uwe Auto fahren konnten. „Der Tank ist leer“, bemerkte stellte Sasuka fest. „Ohne Auto werden wir Tage brauchen, das Gebirge zu überqueren“. Das klang nicht besonders ermutigend. Ich wollte schon vorschlagen, wir könnten doch Uwe als Zugtier vor den Wagen spannen, als mir die rettende Idee kam.
. „Original Let'Reer Kerzen. Jetzt mit 20% mehr wiederaufbereitetem Erdöl!!!“, las ich auf der Sechserpackung, die ich seit meiner Ankunft in Cong Long in meiner Tasche getragen hatte. Sasuka war zunächst nicht sehr begeistert, aber schließlich hatte sie auch keine bessere Idee. Kein Wunder. Das Gehirn einer Frau ist zu sowas bekanntlich nicht in der Lage.
Ich verband also die Dochte aller sechs Kerzen miteinander und stopfte sie mit der nötigen Gewalt in den Tank. Dann setzte ich mich auf den Beifahrersitz, schnallte mich an und sagte zu Uwe, er sollte die Kerzen anzünden und so schnell wie möglich ins Auto klettern. Den ersten Teil bewältigte er sehr gut. Den zweiten... nicht so. Der Honda schoss mit einer solchen Geschwindigkeit den steilen Berg hinauf, dass ich fast die Windschutzscheibe voll gereiert hätte. Alles wurde links und rechts zu einem wirren Strom aus Farben, der Tacho platzte, nachdem der Zeiger die Zahl 350 überschritten hatte.
Mein einziger klarer Gedanke war: Da ist etwas mehr als nur Erdöl drin.
Aber schließlich, wie es bei allen handwerklich perfekt hergestellten jenchuischen Kerzen der Fall ist, war unser Ersatztreibstoff nach etwa 30 Sekunden völlig ausgebrannt. Durch einen glücklichen Zufall erreichten wir in exakt diesem Moment die Spitze.
Benommen torkelte ich aus dem Wagen und sah nach unten. Irgendwo jenseits des Höhennebels war Uwe zurückgeblieben.
„Wir können ihn doch nicht da unten zurücklassen“, sagte Sasuka. Aber ich musste sie da korrigieren: Wir konnten. Und wir taten es. Ich konnte es mir zum Wohle Jenchus nicht leisten, auch nur eine Minute unnötig zu verschwenden. Sicher, Red Neck würde Uwe bald finden, sofern dieser überhaupt noch lebte. Aber wenn wir jetzt zurückfuhren, konnte es ebenso gut sein, dass Red Neck uns fand.
Ich drehte mich zur anderen Seite des Bergmassivs, dem Weg, den wir zu folgen hatten. Aber wie? Wir hatten keine weiteren Kerzen und der Motor würde auch keine weiteren überstehen.
„Ich ignoriere einfach mal die Tatsache, dass wir ein siebenjähriges Kind, wahrscheinlich schwer verletzt in der Wildnis zurücklassen. Ich hab ne Idee“. Ihre Idee war, den Honda im Leerlauf die andere Seite des Abhangs runterrollen zu lassen. Mir vielen wenig Gegenargumente ein.
Der Weg nach unten war wesentlich gefährlicher als der Weg nach oben. Der Wagen polterte mit quietschenden Federn über die unebenen Flächen, sprang, bäumte sich auf und rollte schließlich den letzten kleinen Abhang nach unten. In der Ferne sahen wir Fu Dung. Es war zum greifen nahe.

Sechster Eintrag, 19.07.2015: Fu Dung[Bearbeiten]

Fak Huey beweist: Selbst ein tonnenschwerer, gusseiserner Dampfkessel kann sich in die Lüfte erheben, wenn er nur an einem Ballon mit genug leicht entflammbarem Wasserstoff hänger...

In Fu Dung angekommen, war ich zunächst völlig überfältig. Der katastrophal baufällige, menschenunwürdige Zustand erinnerte mich wohlig an meine geliebte Heimatstadt Groß-Iphel. Nur war hier am Tag einiges mehr los. Sasuka und ich waren mittlerweile völlig übermüdet, aber wir hatten uns fest vorgenommen, einen Steppenführer zu finden. Doch das erwies sich schwerer als gedacht. Aber letztlich hatten wir Erfolg, wenn auch anders als gedacht.
Über einer Plattenbausiedlung schwebte ein Luftschiff. Ein faszinierender, unerwarteter Anblick von majestätischer Schönheit. Sofort stellte ich mir eine ganze Flottille dieser fliegenden Festungen vor, die unter der Flagge Jenchus die Städte unserer Gegner von der Landkarte fegten. Doch davon war ich jetzt noch weit entfernt. Ich entdeckte das Seil, dass vom Luftschiff zum Boden führt. Wir versuchten, den Ort zu ermitteln und fanden ihn im Hinterhof des Plattenbaus. Es war ein Anker. Und daneben gab es noch ein weiteres Seil, dass wohl eine Art Flaschenzug bildete, denn ein junger Mann zog gerade einen Sack Kohle daran nach oben. So lernten wir Fak Hue kennen. Er hatte dieses Luftschiff, die „Futschi Kato III“ konstruiert, ebenso wie die beiden „Futschi Katos“ zuvor, die jedoch kein großer Erfolg gewesen waren. Von der pyrotechnischen Qualität mal abgesehen.
Schließlich erwähnte er beiläufig, dass er das Schiff gerade bereit für einen Flug durch die Steppe mache. „Das ist perfekt!“, rief ich erfreut und Sasuka machte der Gedanke, nicht durch die Steppe wandern zu müssen, sichtlich glücklich. Vor allem war es für uns aber eine enorme Zeitersparnis.
Fak sagte allerdings auch, er könne uns nicht direkt nach Tibet bringen.
„Eigentlich sollte das hier die letzte Fahrt der 'Futschi Kato III' werden. Ich fahre mit ihr nach Wusding und da wird sie abgewrackt. Mein Sohn arbeitet dort schon an dem Nachfolger, die 'Futschi Kato IV'. Die ist so gut wie fertig“, erklärte er und ich beschloss, mich damit abzufinden, dass er uns erst nach diesem Abstecher nach Tibet bringen würde.
Wir verabredeten den nächsten Tag, 08:00 Uhr morgens für die Abfahrt und ich musste ständig daran denken, dass Red Neck uns wahrscheinlich noch immer auf den Fersen war. Fest umklammerte ich den Koffer mit den Schraubaufsätzen, als wir uns auf den Weg ins Hotel machten.

Siebter Eintrag, 20.07.2015: Der Flug mit der "Futschi Kato III"[Bearbeiten]

Heute von Fu Dung nach Wusding unterwegs gewesen. Keine besonderen Vorkommnisse.

Achter Eintrag, 21.07.2015: In Wusding[Bearbeiten]

Heute morgen in Wusding geankert. Im Garten des Hauses von Fak Hueys Familie. Schon als Sasuka und ich die Strickleiter hinunter kletterten, konnten wir den riesigen Bau entdecken, der schon sehr bald die fertige "Futschi Kato IV" sein würde. 110 Meter lang und 50 Meter breit lag es da in einem passenden Becken, dass als Werft diente. Der militärische Zweck war durch die angebrachten Geschütztürme schon gut erkennbar.
Unten angekommen wurden wir durch das sehr gemütliche Haus der Familie Huey geführt, dass nach der Nacht an Bord des spartanischen Luftschiffes und den vorherigen Tagen in der Wildness wie eine Erleichterung wirkte. Dort lernten wir auch Faks Sohn kenne, Fak jr. Seit er geheiratet hatte, trug er einen Doppelnamen und nannte sich jetzt Fak Huey-All. Wir sahen ihn an diesem weiteren Tag selten, da er fiel mit den letzten Arbeiten auf der "Futschi Kato IV" beschäftigt war. Er führte uns auch durch die Innenräume und man kann wohl neidlos zugeben, dass die fleißigen Chinesen selbst uns tatkräftigen Jenchuern in der Luftfahrttechnik ein Stück voraus sind. Dieses neue Luftschiff war außerdem nicht mehr dampfbetrieben, wie ihre Vorgängerin, sondern verfügte über drei Düsentriebwerke, die das kolossale Luftschiff auf eine Geschwindigkeit von fast 140 km/h beschleunigen werden. Eine respekteinflößende Macht.
So saßen wir an diesem Nachtmittag entspannt im Garten und sahen unter der brennenden Sonne bei der Fertigstellung zu. Der weitere Ablauf für uns war geklärt: Noch heute Abend sollte die "Futschi Kato III" ihre letzte Reise antreten, um uns nach Tibet zu bringen. Dort wollte Fak Huey sie dann abwracken und Fak Huey-All soll mit dem anderen Schiff nachkommen, sobald es fertig ist.
Sasuka machte Sushi für alle, aber sie wirkte irgendwie bedrückt. Schließlich nahm sie mich zur Seite und sagt: "Ich weiß immer noch nicht, was du hier tust. Ich habe auch noch nie von diesem 'Jenchu' gehört, aus dem du kommst, aber die Tatsache, dass es irgendwas mit Sprengunge zu tun hat, gefällt mir nicht. Ich habe sehr viel riskiert und mein Leben zerstört, nur um euch spontan zu helfen: Mein Chef wird mich umbringen - im wahrsten Sinne des Wortes! -, ich war dabei, als du ein Kind umgebracht hast und du hast meinen einzigen Besitz, den Honda, völlig demoliert und dann in der Pampa stehen gelassen!". Ich dachte kurz über Gegenargumente nach, dann sagte ich:
"Also, erstens werden meine Vorgesetzten mich auch umbringen, wenn ich meinen Auftrag nicht erfülle. Zweitens ist Uwe bestimmt nicht tot. Ich hab ihn im Rückspiegel noch leicht zucken gesehen, als wir den Berg hochgerast sind. Und drittens: Das hier sind Chinesen. Die werden deinen Honda finden, in analysieren, einen Weg finden, ihn zehnmal billiger herzustellen und nächstes Jahr gibt es dieses Auto schon wieder zehntausend Mal. Nur viel billiger und dann heißt es... Konda. Oder so".
Wider erwarten stellte sie diese Antwort nicht zufrieden, aber da sie ebenfalls gezwungen war, weiter vor Red Neck zu fliehen, blieb ihr nichts anderes übrig, als mir auf meinem Weg nach Westen weiter zu folgen. Wir bestiegen also wieder die "Futschi Kato III" und ließen Wusding hinter und unter uns zurück, der letzten Etappe meiner Reise entgegen.

Neunter Eintrag, 22.07.2015: Der Untergang[Bearbeiten]

Ich kann kaum schreiben. Mein Arm ist möglicherweise gebrochen, als ich gestürzt bin. Aber von Anfang an: Wir flogen etwa bis Mittag über die Steppe hinweg und hatten keinerlei Probleme voran zu kommen. Doch dann war da dieser Mast. Es war vermutlich die einzige Struktur im Umkreis von 100 Kilometern, aber wie es nunmal kommen musste, steuerte die "Futschi Kato" genau dagegen. Die Hülle wurde aufgerissen, Wasserstoff strömte aus. Dummerweise war in diesem Moment gerade die Kesselluke geöffnet und der Wasserstoff entzündete sich. Wir stürzten wie ein Stein zur Erde. Fak Huey hat es nicht geschafft. Nur Sasuka und ich überlebten knapp. Unserer einzige Chance ist es, den Weg zu Fuß fortzusetzen.

Zehnter Eintrag, 23.07.2015: Die Karawane[Bearbeiten]

Es ist heiß. Verdammt heiß. Mein Arm ist mittlerweile geschient. Und wir haben uns einer Karawane angeschlossen, die eine Ladung billiger Waschmaschinen von Wusding nach Dyün We transportiert. Wir werden sie ein Stück begleiten. Ich stöhne unter der Hitze fast ebenso, wie die Packesel unter der Last der zehn Waschmaschinen, die jeder von ihnen auf dem Rücken trägt. Vielleicht haben sie ja Glück und bekommen dabei keine Bleivergiftung.
Sasuka macht einen kranken Eindruck. Sie kriecht nur noch auf allen Vieren und macht die Geräusche der Esel nach. Das ging soweit, dass einer der fahrenden Händler versuchte, ihr auch ein paar Waschmaschinen aufzubinden, um seine Tiere zu entlasten. Ich sah dem ganzen interessiert zu und war erstaunt, dass sie tatsächlich einige Kilometer lang durchzog.
Wie dem auch sei, dass schlimmste Ereignis dieses Tages kam, als wir an einer VEB-Serways-Raststätte halt machten. Ich trank meine "Anti-Kapitalistische Pepso" und aß meine "Anti-Kapitalistischen Mao-Pommes", als ein Mann zur Tür hereintrat, den ich auf unangenehme Weise wieder erkannte. Er stammte aus Red Necks Gefolgschaft! Sasuka, die inzwischen wieder einigermaßen bei Sinnen war und gerade in ihren "Anti-Kapitalistischen Cong Longer" gebissen hatte, erschrak. Sie hatte ihn ebenfalls erkannt. Wir zogen schnell die Köpfe ein und versteckten uns unter dem Tisch, an dem wir saßen.
Der Mann, Hao Lao, wie Sasuka mir später erzählt hatte, ließ seinen Blick durch die Raststätte schweifen und zeigte ein paar Fotos herum. Eins von Sasuka, eins von Uwe und eins von mir. Er befragte die Leute, ob sie uns gesehen hätten, aber glücklicherweise waren wir wohl niemandem aufgefallen. Als sich Hao Lao in den hinteren Teil des Gastraums bewegte, wies ich Sasuka an, wir müssten unser Versteck unter dem Tisch und das Gebäude verlassen. Doch in diesem Moment öffnete sich die Tür wieder. Ein Mann in einer verdreckten, bläulichen Uniform trat schwer atmend ein. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn. An seiner Schulter erkannte ich das Stadtwappen von Cong Long.
"Dürfte ich kurz um ihre Aufmerksamkeit bitten?", fragte er, unterbrochen von mehreren Atempausen, weshalb er für diesen Satz fast zwei Minuten brauchte. "Ich bin Beamter bei der Hafenpolizei von Cong Long und ich habe eine lange und beschwerliche Reise, weit außerhalb meines Zuständigkeitsgebietes hinter mir und Ihnen allen eine Frage zu stellen". Er zog einen zerbeulten Lampenschirm hervor.
"Hat einer von Ihnen diesen Lampenschirm verloren?". Es war völlig still im Gastraum. Hao Lao konnte jederzeit wieder kommen, also handelte ich schnell. Ich packte Sasuka bei der Hand und verlies das Versteck, rannte zur Tür und stieß dabei den Hafenpolizisten um.
Draußen auf dem Parkplatz suchten wir uns einen kräftig aussehenden Esel aus der Karawane und schlossen ihn kurz. Das Tier sprang auf und wir waren unterwegs. Da kamen uns auch schon zwei Verfolger nach: Hao Lao und der Hafenpolizist. Hao Lao zog seine Waffe und versuchte, die Hufe unseres Esels zu treffen. Er war erstaunlich gut zu Fuß und blieb nur wenige Meter hinter uns zurück.
"Ich krieg' euch!", rief er wild,"Und dann massakrier' ich euch!". Ein gutes Stück hinter ihm rief der Hafenpolizist außer Atem:"Entschuldigen Sie bitte! Sie das zufällig ihr Lampenschirm?".
Sasuka und ich waren verzweifelt. Mit meinem Arm konnte ich nicht schießen und Sasuka erst recht nicht. Schließlich war sie eine Frau. Aber dann kam ich doch auf eine Idee: Wir warfen einfach die zehn Waschmaschinen ab, die auf den Esel geschnallt waren. Damit würde der das Tempo vielleicht sogar besser bewältigen. Wir waren die ersten vier Maschinen und zielten direkt auf Hao Lao, trafen aber immer nur den Hafenpolizisten, der sich aber gleich wieder aufrappelte und weiter mit dem Lampenschirm wedelte. Schließlich erwischten wir Hao. Die restlichen Waschmaschinen behielten wir für den Notfall dabei. Auf einem gestohlenen Esel ging unsere Reise wieder schneller voran.

Elfter Eintrag, 24.07.2015: Das nordnordöstliche Tor[Bearbeiten]

Schon aus großer Entfernung begann sich die chinesische Mauer am Horizont abzuzeichnen. Unser Esel war mittlerweile nur noch Haut und Knochen. Die Anstrengung und die Hitze hatten ihn schnell ausgelaugt. Als ich vor mir das Ziel meiner langen Reise sah, wurde ich fast etwas melancholisch. Aber dann umklammerte ich wieder den Koffer mit den Sprengaufsätzen und machte mir klar, dass es noch nicht das Ende war.
Sasuka hatte aus reiner Neugier und Langeweile inzwischen die Waschmaschinen durchsucht, die wir immer noch mit uns herumschleppten. Beziehungsweise, der Esel schleppte sie.
„Sie dir das mal an“, sagte sie plötzlich und ich wandte mich vom faszinierenden Panorama der Mauer ab, die sich erstreckte soweit das Auge reichte. Sie hielt ein Bündel Wäsche in der Hand.
„Das hat wohl jemand darin vergessen“, meinte sie und besah es sich nochmal genauer.
„Es ist eine Uniform der chinesischen Armee. Für eine Soldatin relativ niedrigen Ranges“, erklärte sie. „Das sie für eine Frau ist erkennt man an dem unpraktisch kurzen Rock und dem geradezu lächerlich weiten Ausschnitt.
Wir näherten uns der Mauer immer weiter und bald kamen wir zu einem der zahlreichen Zugänge: Dem nordnordöstlichen Tor, bewacht von einem guten Dutzend bewaffneter Soldaten.
„Wie war dein ursprünglicher Plan da rein zu kommen?“, fragte Sasuka resigniert.
„Also, als ich vor einige Jahren schon mal hier war, habe ich mich einfach in die Uniform eines Offiziers gekleidet und bin als Teil eines Patroullientrupps da reingekommen.“ Sasuka hielt die Uniform in die Luft und redete irgendwelches wirres Zeug über einen „Plan“ wie wir darin kommen könnten. Aber sie hatte natürlich keine Ahnung. Ich brauchte mit meinem in langen Jahren geschulten verstand nicht ganz fünf Stunden, um auf die perfekte Idee zu kommen.
Sasuka behauptete zwar vehement, sie hätte die selbe Idee von Anfang an gehabt, aber das hätte ich an ihrer Stelle auch behauptet. Sie zog trotzdem freiwillig die Uniform an, während ich mich in eine der Waschmaschinen zwängte und den Koffer in einer anderen verstaute. Nun führte Sasuka den Esel und wir näherten uns dem kritischen Punkt. Schließlich kamen wir in Sichtweite und Sasuka wurde von einem der Wachleute heran gewunken. Sie fragten sie nach dem Grund ihres Hierseins und sie antwortete gemäß unserer abgesprochenen Geschichte: „Eine Lieferung Waschmaschinen für die Kinder Tibets. Gespendet von westlichen Großkonzernen. Nicht, dass wir darauf angewiesen wären, aber wir wollen den Konzernen ruhig ihre kleine Freude gönnen“. Die Soldaten lachten ein fröhliches, staatlich genormtes Kommunistenlachen uns Sasuka versuchte so glaubwürdig wie möglich mitzulachen. Die riesigen Flügel des Tores glitten auf. Sasuka zog den Esel voran und die riesige Tür wurde wieder krachend hinter uns geschlossen.
Ich befreite mich angestrengt aus der engen Waschtrommel, die meinem rechten Arm ganz und gar nicht gut getan hatte, und nahm den Koffer wieder an mich. Erst dann sah ich mich um. Entlang der Mauer waren große Gerüste aufgestellt worden, auf denen tausende von Arbeitern umher wuselten. Sie bohrten in regelmäßigen Abständen Löcher in die Mauer, in die die Sprengsätze gesteckt wurden.
„Uwe hatte recht“, sagte ich staunend,“Das wird ne scheiß Arbeit“. Ein Schild nahe dem Tor verkündete: „Jede Arbeit, die für den Mao getan wird, ist gute Arbeit: Die Sprengung der Mauer erfolgt planmäßig am 26.07.2015 um 13:00 Uhr!“
So viele Sprengsätze, die beschraubt werden mussten. So wenig Zeit.

Zwölfter Eintrag, 25.07.2015: Gehetzt[Bearbeiten]

Heute nur ein kurzer Eintrag. Haben uns aufgeteilt, um die Aufsätze so schnell und unauffällig wie möglich zu verteilen. Ist uns gelungen. Wir legen uns jetzt schlafen und machen uns morgen in aller Frühe zum nächsten Tor auf, um der Explosion zu entkommen.

Dreizehnter Eintrag, 26.07.2015: Der Showdown[Bearbeiten]

Sie hatten uns umringt, als wir heute morgen erwachten. Das ist also das Ende, lautete mein erster Gedanke. Mein zweiter war: Oder vielleicht doch nicht? Und mein dritter: Doch, definitiv.
Natürlich Red Neck. Der Fettsack hatte tatsächlich geschafft, uns aufzuspüren und stand nun breitbeinig vor uns. Und damit meine ich nicht, dass seine Beine selbst breit waren. Das waren sie sowieso immer. „Guten Morgen, Herr R'jodan!“, lächelte er geifernd. Viel erschütternder war allerdings das Personal, dass er herbeigeschafft hatte: Seine Privatarmee aus mehr Kämpfern, als ich je zählen könnte. Soldaten der chinesischen Armee. Beamte der Hafenpolizei von Cong Long. Er hatte sie alle versammelt, um meine Mission im letzten Augenblick doch noch zum Scheitern zu verurteilen.
Sasuka war offenbar schon etwas länger wach gewesen als ich. Auch sie starrte ungläubig auf die umgebende Menschenmasse, aus der es kein Entkommen gab.
Red Neck begann vor uns auf und ab zu gehen, wie ein Soldat auf dem Exerzierplatz oder ein Superbösewicht, der seinen Gegner seinen Weltherrschaftsplan erläutert.
„Ihr dachtet wirklich, ihr könntet damit durchkommen. Einfach eine gigantische Explosion auslösen, um China zu vernichten, ja? Die Sprengung wurde verlegt, bis wir diese verdammten Sprengkraftmaximierer wieder entfernt haben“. Ich war außer mir.
„Du hast sie mir doch beschafft, du fette Pekingente!“, schrie ich wütend, aber es half nichts. Ich hatte Führer und Vaterland enttäuscht.
„Und du hast versucht, mich mit diesem Spielgeld zu verarschen!“, schrie Red Neck zurück und hielt mir das Bündel jenchuische Scheine unter die Nase, mit dem ich bezahlt hatte. „Ich beide werdet unter Aufsicht mithelfen, die Aufsätze wieder abzuschrauben und anschließend an die Mauer gekettet, die wir dann mit normaler Sprengkraft in die Luft jagen werden, um endlich an dieses hochwertige Militärgerät zu kommen“, fuhr er fort und hielt jetzt einen kleinen Kasten mit einem roten Knopf in die Höhe.
„Und bis es soweit ist rührt niemand diesen Sprengknopf an!“
Es kommt vor, dass Zufälle geschehen, die einen an der Realität des eigenen Lebens zweifeln lassen. Zum Beispiel wenn der Sohn deines toten Luftschiffpiloten zur richtigen Zeit am richtigen Ort auftaucht. Mein in Jahren geschultes Gehör hatte das Rumoren der Triebwerke schon aus weiter Ferne gehört. Die „Futschi Kato IV“ näherte sich. Dann brach ein riesiges Stück aus der Mauer und das gewaltige Kampfluftschiff planierte seinen Weg hindurch. Fauchend und kreischend flog Gestein umher und alle Anwesenden waren unfähig sich zu regen. Der Anblick ließ sie alle erstarren. Bis auf mich, natürlich.
Ich griff mir Sasuka, schlug Red Neck den roten Knopf aus der Hand und nahm ihn an mich und rannte durch den Wald der in Schockstarre verfallenen Schläger. Als sie sich endlich wieder lösen konnten und realisierten, was vor sich ging, waren wir schon mehrere Meter entfernt.

Die Rettung in der Not

„Lasst sie nicht wieder entkommen!“, brüllte Red Necks bullige Stimme hinter mir. Wir rannten direkt auf die „Futschi Kato“ zu, die in etwa 100 Metern über dem Boden schwebte und zum Stillstand kam. Eine Strickleiter wurde nach unten gelassen.
Unsere Verfolger kamen immer näher. Schließlich stellte das Luftschiff seine Kampfkraft unter Beweis. Aus allen Rohren wurde auf die Chinesen gefeuert. Ich sah schemenhaft Fak Huey-All im Cockpit sitzen, als ich die Strickleiter ergriff und Sasuka und ich begannen nach oben zu klettern. Eine Dreierkompanie von Red Necks Leuten war allerdings genau hinter uns und würde uns in vielleicht vier Sekunden erreicht haben.
„Vollgas!“, brüllte ich nach oben, in der Hoffnung, irgendjemand würde es hören. Es wurde gehört. Red Neck, seine Leute, all das blieb hinter und unter uns zurück. Das Schiff raste mit einer Geschwindigkeit durch die Luft, die uns fast von der Leiter gerissen hätte hinaus, über die Mauer hinweg, über die chinesische Grenze hinweg. Und als ich die richtige Entfernung für erreicht hielt, erfüllte ich meine Mission im Dienste Jenchus.
„Ehre sei Tehan'Kiljor!“, rief ich und drückte den roten Knopf.

Vierzehnter Eintrag, 27.07.2015: Der Tag danach[Bearbeiten]

Ich erinnere mich kaum noch an etwas, dass in dem Moment geschah, nachdem ich diesen Knopf gedrückt habe. Ein helles Licht schien meine Augen stechend zu durchbohren, ein lautes brachte meine Gehörgänge zum Einstürzen. Aber ich habe überlebt. Wir haben überlebt.
Die Druckwelle der Explosion trieb die „Futschi Kato IV“ mit unvorstellbarer Geschwindigkeit vor sich her. Das war für uns aber nur von Vorteil, denn so entkamen wir der Hitze. Über Brasilien hinweg bis zu den Küstengebieten. Inzwischen hatte man die Strickleiter und damit auch uns nach oben gezogen. Sasuka und ich erlebten auf der Brücke mit, wie uns die gewaltige Staubwolke traf, die sich nach der Explosion über alles legte. Die Druckwelle hatte zudem auch alle anderen Navigationsinstrumente beschädigt, weshalb wir den ganzen restlichen Tag und die ganze Nacht hilflos und ziellos über den Ozean trieben. Ab uns zu kamen Inseln und Küstenlinien in unser Blickfeld, aber sie wirkten fremdartig. Schließlich, am heutigen Tag, lichtete sich der Nebel und gab den Blick frei auf das, was die Explosion von den Ländern in und am Atlantischen Ozean übrig gelassen hatte:

02 Chinaexplosion.png

Nach unseren bisherigen Erkenntnissen haben damit Rakete flag mid.png Rakete, Republik Burgen Flag.png Burgen und KsrFrankreichflagnew.png Kopfhaut, Mitgliedsstaaten des Franzosébundes, sowieKurdistan Flagge 2.png Kurdistan, Brasilien-Flagge.svg Brasilien, Flaghamunaptra.jpg Atlantis, das 1895Flag of Taiwan.jpg Kaiserreich China, die Utopiaflag.jpg Union der utopischen Republiken und der Stadtstaat Dystopien Flagge.png Dystopien aufgehört zu existieren. Die Staatsgebiete wurden völlig verwüstet und entvölkert, in manchen Fällen gleich ganz versenkt. (Notiz an das jenchuische Ministerium für Angriffe: Die genannten Staaten können damit von der "To-Do-Liste der zu erobernden Staaten" gestrichen werden)
Fak Huey-All und die Besatzung seines Schiffes, 15 tapfere chinesische Mannen, dürften zu den wenigen Überlebenden ihres Volkes zählen. Sie haben beschlossen, ihr Wissen jetzt, in Ermangelung eines eigenen Führers und eines eigenen Landes, Tehan'Kiljor und Jenchu zur Verfügung zu stellen. Die "Futschi Kato IV" macht sich auf den Heimweg.