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Landser

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Landser, der: menschliches Ende der militärischen Befehlskette; im Siegesfalle mausetot oder Bierholer für seine Vorgesetzten, im Verlustfalle mausetot oder Bierholer für neue Vorgesetzte; in jedem Falle jedoch der, der die Zeche zahlt.

"Als Landser wird man nicht geboren, als Landser stirbt man" ... nie wurden Wesen und Bestimmung des Landsers treffender beschrieben als in diesen herrlichen Worten des großen deutschen Strategen Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke (1800-1891). Moltke (oder auch Molli, wie er in Adelskreisen neckisch genannt wurde), Vater der großartigsten deutschen Siege gegen die Deutschland fast in ihrem Würgegriff zerquetscht habenden bösen Dänen, teuflischen Österreicher und infernalischen Franzmänner, brachte für den Landser den entscheidenden Wandel in dessen langer Leidensgeschichte. Hatte nämlich bis zum grossen Totmachen von Königsgrätz der Landser in relativ kleinen Schlachten, bei denen nach Abschießen des eigenen Schiessprügels keine Zeit mit Nachladen verschwendet wurde sondern ein fröhliches Hauen, Stechen und Schlagen mit Bajonett oder Gewehrkolben anhub, zumindest noch den Hauch einer Chance, das Gemetzel lebend zu überstehen, so gehörte diese Möglichkeit nach dem Schlachtfest von Königsgrätz unwiderbringlich der Geschichte an. Seit jenem Blutbad nämlich war der Landser das, was er weltweit bis zum heutigen Tag geblieben ist: Kanonenfutter, Biomasse für Kesselschlachten, eine Herde Frontschweine für den Stellungskrieg, eine statistische Größe, zunächst auf den Reißbrettern der lamettabeplauzten Generalsstäbler, hinterher in den Massengräbern oder auf den Gedenktafeln des dankbaren Vaterlandes. Morituri te salutant ... aber alle und alles der Reihe nach.

Militärhistorische Grundlagen

Militärhistoriker sind sich einig, dass die Kriegsgeschichte (und somit die Geschichte der Menschheit schlechthin), unterteilt werden müsse in eine sogenannte "gemütliche Phase" (dies formuliert aus Sicht des einfachen kämpfenden Soldaten) und eine postgemütliche, bis heute andauernde Phase.

Charakteristika der gemütlichen Phase des Kriegführens waren eine gewisse Übersichtlichkeit der Kampfhandlungen, striktes Einhalten ziviler Kampfzeiten (bei Dunkelheit, Regen oder an christlichen Feiertagen wurde grundsätzlich nicht gemetzelt) sowie eine deutliche Langsamheit aller militärischen Vorgänge. Vor allem Letzteres trennt die gemütliche von der ungemütlichen Phase deutlich.

Was waren es doch für herrliche Zeiten, als Heere noch viertelstundenlang in geschlossener Frontlinie aufeinander zumarschierten. Wer da nicht seine letzten Angelegenheiten regeln konnte, ein Stossgebet und eine letzte Beichte an seinen himmlischen Richter sandte oder der daheimgebliebenen Lieben gedachte, war es schlichtweg selber schuld. Malerisch kräuselten sich alsdann die Wölkchen aus den abgeschossenen Kanonen in die Frühlingsluft, es machte Puff und irgendwann später kam dann auch hin und wieder eine Eisenkugel angetrudelt: ein Faulpelz, wer einer solchen nicht rechtzeitig auswich und dem Tod ein Schnippchen schlug!

Und dann, ja dann erst, wenn man das Weiße im Auge des Feindes sehen konnte und der eigene Angstschweiß sich mit dem Dunst des Gegners vermischte, ging es brav zur Sache: Hau druff und fäddisch, der nächste bitte, und, lass mir noch einen übrig! Ein Feigling, wer da nicht begeistert mitmachte.

Enthusiasmus und Freude am Kriegshandwerk erfuhren aber in der ungemütlichen Phase eine gewisse Dämpfung. Der zunehmende technische Fortschritt, Gewehre, die binnen zweier Minuten nachgeladen werden konnten und sogar ein gewisses Mass an Zielgenauigkeit aufwiesen, Kanonengeschosse, die mit einem Affenzahn dahergebraust kamen und im Ziel noch in tausend Teile explodierten, berittenes und später auch motorisiertes Kampfgesindel und dergleichen Änderungen mehr, machten der Seele jedes Heeres, dem Infanteristen zu Fuß und damit vulgo dem Landser, den modernen Krieg mehr und mehr zur Hölle, oder, um es mit den überlieferten Worten eines beider Beine und eines Armes verlustig gegangenen Landsers aus dem Feldlazarett gegenüber seinem kommandierenden General zu sagen: "Exzellenz, mit Verlaub, aber so macht Kriesch äscht geenen Spass märr!"

Allgemeines zur Psychologie des Landsers

Der Landsernachschub, als reines und zum sofortigen Verbrauch bestimmtes Rohmaterial, muss sich naturgemäß aus den völkischen Vorräten bedienen, die am reichlichsten vorhanden sind. Somit ist es weder beabsichtigt noch zufällig, sondern schlichtweg unvermeidlich, dass sich auf den Kasernenhöfen, Schlachtfeldern und in den Schützengräben dieser Erde stets die gleiche Mischung an Menschen findet und fand: arme Teufel noch ärmerer Herkunft, in Friedenszeiten Metzgerbursche, Stallknecht oder Grubenkumpel, in Zeiten nationaler Bedrohung aber, je nach Skrupellosigkeit der Obersten Leitung mal als Verteidiger des Vaterlandes oder des Kaisers Schwertspitze, mal auch als Bollwerk gegen die Unkultur oder gar Verteidiger der Freiheit am Hindukusch verhunztituliert.

Der Landser hat seinem Wesen nach keinen Ehrgeiz (bis auf allenfalls den, lebend und auf zwei Beinen aus der ganzen Scheiße wieder herauszukommen). Militärische Karriere ist ihm fremd, befördert wird nicht (mit Ausnahme ins Jenseits), aber dekoriert wird und das nicht zu knapp: ein grünes Siegeslaub hier, ein Eisernes Kreuz (in Vorwegnahme schlichten Grabschmuckes) dort, zusammen mit einer Zigarre vom Hauptmann und dem warmen Dank des Vaterlandes. Das ehrt auch die Daheimgebliebenen und wenn auch vielfach nach Kriegsende der ein oder andere Stuhl am Esstisch leer blieb, schämen musste sich daheim niemand, weder Vater noch Mutter noch eine bleiche Braut.

Statt des Ehrgeizes verfügt der Landser aber über etwas anderes, und dies sogar im Übermaß: Naivität. Naiv glaubt er auch noch die allerdümmlichste Parole in Friedenszeiten über das böse Nachbarsvolk. Naiv glaubt er an die Kompetenz seiner Vorgesetzten oder gar Fürsorge seines obersten Kriegsherren. Naiv kriecht er den Brunnenvergiftern auf den Leim und glaubt am Ende gar noch, er hätte sich freiwillig gemeldet. Und es dauert verdammt lange, bis auch dem Letzten schließlich ein Licht aufgeht (und nicht selten ist dies ein huschendes Grablicht).

Eine rein literarische Erfindung hingegen sind jene paar erfrischende Gestalten ganz besonderer Art in Landserkreisen: mal heißen sie Simplicius Simplicissimus, mal auch Josef Schwejk oder 08/15. Bis knapp zuletzt gelingt es jeweils solchen Vögeln, sich vor der Militärmaschinerie zu ducken und erst beim letzten Durchkämmen nach Frontverwendungstauglichen bleiben auch sie zappelnd im Netz hängen. Hauptsächlich diesen schrillen Figuren verdankt der Landser seine manchmal geradezu absurd-romantische Verklärung bei Überlebenden und Hinterbliebenen. Da jagt eine Anekdote die nächste und das Leben des Landsers mutiert im Rückblick zu einer kaum enden wollenden Reihe lustigster Schnurren und abenteuerlichster Begebenheiten: Krieg als Bühne für Lausbubenstreiche und waghalsige Tollkühnheiten. Allerdings, solche Büchlein erscheinen stets nach einem Krieg und niemals vorher.

Der Landser in gemütlichen Zeiten

... damals, als das Landserleben noch Stil hatte

In Zeiten, als noch Auge um Auge und Zahn um Zahn gekämpft wurde und der Krieg für einen persönlich erst dann begann, wenn einem der Feind auf Armes- oder zumindest Mistforkenlänge gegenüber stand, hatte der Landser, damals noch Landsknecht geheißen, hin und wieder Freude an seiner Berufsausübung und, den Verlust nicht unbedingt lebensnotwendiger Körperteile einmal großzügig außer Acht gelassen, auch durchaus eine gewisse Chance auf eine gesunde Heimkehr.

Weit davon entfernt, genau zu wissen, worum es in einem Kriegszug eigentlich genau ging, gab es für einen jungen Bauerntölpel zwei Möglichkeiten, zur kämpfenden Truppe zu gelangen und ein Landser zu werden. Entweder wurde er, zusammen mit allen männlichen Gleichaltrigen seines Dorfes und sämtlicher Nachbargemeinden, großzügig von seinem Landesherrn irgendeinem anderen blaublütigen Schlächter für irgendeinen hundert- oder dreißig- oder auch nur siebenjährigen Krieg verkauft, oder aber er fiel, nach einem harmlosen Wochenendtanzvergnügen, sturzbetrunken einem Werber in die Hände und erwachte eingezwängt in eine Uniformjacke, die noch nach Blut und Tränen seines unglücklichen Vorgängers rochen, der erst wenige Stunden unter der Erde weilte. Gleichviel, der Sold war in beiden Fällen der nämliche: einen Taler/Kreuzer/Heller täglich, dazu drei warme Mahlzeiten. Theoretisch zumindest.

Praktisch jedoch war der Landser damaliger Zeiten eine Art scheinselbständiger Subunternehmer. Will sagen, er musste sich seinen Sold durch eigene Anstrengung selber zusammen rauben und plündern und, nach geschmeidiger Abrechnung mit seinen Vorgesetzten (sprich Abgabe des Löwenanteils), durfte er sich vom kärglichen Rest seine Tagesverpflegung kaufen sowie schadhafte Waffen oder sonstig fehlende Ausrüstungsgegenstände ersetzen. In Zeiten knappen Bargeldes konnte der Landser großzügig anschreiben lassen oder beispielsweise abgeschnittene Feindesohren und abgebissene Feindesnasen zum Tageskurs gegen einen Teller warme Rübensuppe tauschen. Herrliche Zeiten! Zumindest im direkten Vergleich mit einer Schlacht oder einem Scharmützel.

Für einen Feldherrn und Grossstrategen mochte eine Schlacht das Salz in der Suppe des Krieges sein, für einen Landser hingegen hatte sie nachgerade etwas lebensgefährliches. Eine Flucht oder auch nur ein sich Verstecken endete unter den Säbelhieben der eigenen Feldwebel, strammes Hauen und Stechen hingegen stieß auf die erboste Gegenwehr irgendeines armen Teufels auf der anderen Seite. Da hieß es dann, sich beizeiten sozusagen freiwillig von einem Körperteil zu verabschieden und als Schwerverletzter, quasi mit offizieller Genehmigung, Richtung Feldlazarett abzumustern, bevor einem der Gegner vollends den Garaus machte.

Vergleichsweise angenehm war hier das Scharmützel. Im Idealfalle traf man Eins zu Eins auf einen Landser der Gegenseite, mit dem man sich, heftiges Kämpfen vortäuschend, ein wenig vom Rest des kleinen Haufens absentieren konnte, woraufhin der weitere "Kampfverlauf" nicht selten in etwa folgende Form annahm:

  • (äusserst wild, falls noch andere in Hörweite sein sollten): "Ha, hab ich dich!"
  • (nicht minder furchtgebietend): "Schwein, trichinöses, dich mach ich kalt!"
  • (schon etwas milder, leise): "Sag mal, wo kommst denn her?"
  • (mit einem Unterton, der an Landesverrat denken lässt): "Ja mei, hock di her, rauch mer eine."
  • (verschwörerisch leise): "Hörst no wos von die annern?"
  • (nach einem gemeinsamen Pfeifchen, seufzend): "Gemma, bevor dunkel wird. Alsdann, pfiat di!"

woraufhin jeder der beiden Kontrahenten seinen eigenen Truppen hinterher lief, um abends am Lagerfeuer (und später, im Überlebensfalle, für den Rest seines Lebens jedes Wochenende im Wirtshaus) allen Anwesenden zu erzählen, wie man mit eigener Hand gegen eine schier übermächtige Feindesmacht nahezu im Alleingang den Krieg gewonnen hatte.

Die bereits erwähnte Langsamkeit aller militärischen Vorgänge war es, die den Landseralltag prägte. Wer je zu Fuss von Hamburg nach Nürnberg gegangen ist, weiß, wovon die Rede ist. Die meiste Zeit verbrachte der Landser keineswegs mit direkt militärischen Handlungen, sondern mit Marschieren durch Gottes herrliche Natur (in der Regel von 8 bis 18 Uhr, abzüglich 45 Minuten Essenfassen) sowie nachfolgendem Nachtlager aufschlagen und Ressourcen requirieren. Vor allem letzteres sorgte für höchstvergnügliche Abwechslung und entschädigte manchentags für die vielen und großen Fußblasen. Hier mal eine Scheune abfackeln, dort ein Feld niederwalzen, oder, besonders vorausschauend, Jungvieh und Saatgut zu verprassen und somit sich und dem Rest der Welt die Grundlage fürs nächste Jahr zu vernichten, waren gern gesehene und auch von oberer Stelle durchaus geförderte Aspekte des Kriegshandwerks. Überhaupt muss erwähnt werden, dass die seinerzeitige militärische Strategie in Vielem durchaus zu Wünschen übrig ließ. So kam es, dass nicht wenige Kriege schlichtweg dadurch entschieden wurden, wessen Truppen am allerdümmsten (eigenes) Land und Leute verwüstet, gebrandschatzt und geplündert hatten und demzufolge am ehesten, ausgehungert und geschwächt, der nächsten Krankheitswelle oder dem nächsten Winter zum Opfer fielen. Der normale Landser der gemütlichen Zeit starb in der Regel also keineswegs einen rühmlichen Heldentod, sondern verhungerte, wurde von eigenen Kameraden beim Würfelspiel im Suff erschlagen, erfror, verreckte an Wundfieber oder wurde, nach erfolglosem Desertierversuch, beim Spießrutenlauf von eigenen Leuten gemeuchelt.

Missglücktes Zwischenspiel: vierzehn/achtzehn

Der französische Landser 14-18 hiess "Poilu"
Der erste Weltkrieg war für die Landser aller beteiligten Nationen die schiere Katastrophe. In den Köpfen ihrer Reißrettstrategen eine dynamische Größe, durch unvorhergesehene technische Neuerungen und kindische Prahlereien anderer Waffengattungen jedoch um ihren großen verdienten Auftritt gebracht und im Stellungskrieg verheizt, leistete die Infanterie zu Fuss (so der neue schmucke Titel des Landsers) zwar den größten Blutzoll, diesen aber quasi militärisch vergebens.

Wer von den tumben Generaltiefstaplern hätte denn auch damit rechnen können, dass die altehrwürdige Kavallerie sich nunmehr motorisierten Einheiten würde beugen müssen, eine Tatsache, die ganze Reiterregimenter, eigensinnig bis zum letzten Hufschlag, so lange leugneten, bis ihren treuen Vierbeinern im Granat- und Kugelhagel alle vier Beine weggerissen wurden. Nie sah man dermaßen viele Offiziere zu Fuß gehen wie im Ersten Weltkrieg, eine Konkurrenz, der sich der gemeine Landser natürlich unterlegen fühlen musste. Die neue Luftwaffe mit schmucken Doppel- und Dreifachdeckern und prallen Luftschiffen stahl ebenfalls dem Schützen Arsch die Schau und als gar endlich die ersten Tanks über flandrische Auen knatterten, hatte überhaupt gar niemand mehr ein Auge für den Landser. Prompt traten denn auch einstimmig Franzosen und Deutsche in Bewegungsstreik, huben Gräben aus und verbrachten den Rest des Krieges in ihren Erdlöchern. Dass einige spätere Nobelpreisträger der Chemie dies zum Anlass nahmen, den vermeintlich kampffaulen Landsern durch farbenfrohe Erfindungen wie Gelb-, Grün- und Blaukreuz die Lungenpest in den Hals zu bomben, war dann lediglich noch der letzte Nagel an der Totenkiste des abendländischen Landsers anno 18.

Auf deutscher Seite war gottlob im Krüppelärmchen Kaiser Wilhelm II. rasch ein Schuldiger gefunden, dem man die militärische Malaise in die goldenen Schuhe schieben konnte. Die Österreicher entledigten sich unter gleichem Vorwand ihrer gesamten Adelstrutschen (und des Balkans gleich mit), sodass also, im Großen und Ganzen, die Institution Landser zwar am Leib getroffen, in ihrer Ehre jedoch ungemindert, aus den Wirren des Ersten Weltkrieges heraus kam.

Und nicht aus Zufall war es dann ein Landser, klein und dunkel, mit rollendem Rrr, der in visionärem Blick schon wenige Jahre später den Landser zum Rückgrat seiner Weltgenesungsarmee machen sollte und dem 20. Jahrhundert den Inbegriff des tapferen treuen unbesiegbaren Soldaten präsentierte: the famous German Landser adolfscher Prägung!

The German Landser

Bei diesem Begriff geht jedem Militärfreund zwangsweise das Herz auf. Da kommt Romantik ins Spiel, herbe Männlichkeit, raue Sitten, gepaart mit Anstand, Treue und Heldenmut. Wen überkäme nicht die Wehmut, wenn er von den tapferen Landsern hört, die sich ihre neuen harten Lederstiefel erst geschmeidig pissen mussten, die jeden Abend Feldpostkarten an ihre Lieben daheim schrieben, mit Nadel und Faden sich ihre grauen Feldmäntel stopften, während vom Funkerzelt mit blechernem Ton Lili Marleen her erklang. Wahrlich, große Zeiten!

Zumindest in den Groschenheftchen "Der Landser" und erst recht in den Quadratschädeln mancher erst Jahrzehnte nach der Katastrophe geborenen springerbestiefelten Volldeppen mag es sich tatsächlich so abspielen. In Natura jedoch stellte sich der deutsche Landser Marke WWII der Welt etwas anders dar. So sehr anders, dass er sich am Ende wohl selbst nicht mehr erkannt hat.

Unabhängig von jeder offiziellen militärischen Rangordnung gibt es in allen Armeen dieser Erde eine interne, eigene, nach anderen Kriterien gebildete soldatische Rang- und Reihenfolge. Da zählt weder Lametta noch Goldblech und auch kein von und zu. In dieser geheimen und nie jemals irgendwo schriftlich fixierten Rangliste, die für jeden Krieg neu geschrieben wird, steht auf deutscher Seite für die Jahre 39 bis 45 in eherner Sütterlinschrift nur eine Waffengattung vorn und nur einem Soldatentyp gehört die Krone: dem Infanteristen zu Fuß. Nicht er folgt den Panzern und festigt Erobertes, nein umgekehrt: die Panzertruppe fährt lediglich voran und bereitet vor, was er anschließend in hartem Häuser- oder Geländekampf tatsächlich erobert. Desgleichen die Luftwaffe: Bomben schmeißen kann jeder, hinterher die feindlichen Stellungen wirklich ausräumen und, mit Klappspaten oder Gewehrkolben, dem wie die Ratten aus allen Löchern hervorquellenden Feind endgültig und für alle Zeiten den Garaus machen, das kann nur einer: der Landser!

Doch auch innerhalb der Landser gab es eine feine Abstufung. Polenfeldzug - nun ja. Frankreichfeldzug - Kinderspiel! Norwegen, Balkan, Nordafrika - ok, ok, nicht übel ... aber der ungekrönte König, der Erste unter den ohnehin Besten konnte nur einer sein: der Ostfront-Landser. Und er und eigentlich niemand sonst ist gemeint, wenn vom wahren deutschen Landser des WWII die Rede ist. Die weiten Räume des Ostens waren das wahre Tummelfeld und hier und nur hier, um es mit den Worten eines der größten Helden des WWII, Rolf Steiner, zu sagen, "nur hier ist das Land, wo die Eisernen Kreuze wachsen".

Nun ja, zumindest Kreuze wuchsen in der Tat genug (und dies an allen Fronten), sofern man sich überhaupt die Zeit für eine Beerdigung nahm. Waren es nämlich anfangs zu viele Siege, bei deren Feiern der Klang einer Totenglocke doch ein wenig störend gewirkt hätte, so wurde es mit fortschreitender Zeit zunehmend unbehaglich, den strammen Rückmarsch laufend durch Trauerfeierlichkeiten zu unterbrechen. Lediglich diejenigen, die das Glück hatten, eingekesselt zu sein, hatten genügend Zeit, vor ihrem persönlichen Finale Grande noch ihren toten Kameraden eine letzte Schippe fremder Erde obenauf zu packen.

Dass bei all dem Elend hin und wieder die ein oder andere Aufgabenvermischung stattfand und der Landser sich an unschönen Aktionen der Mord- und Ausrottungstruppen der SS beteiligte, dies soll hier nicht dem einzelnen Landser angelastet werden: der Fisch stinkt vom Kopf her. Wichtiger scheint, dass der German Landser Marke Ostfront auf geheimnisvolle Weise eine Art Zeitreise durchmachte. Zunächst Kind seiner Zeit, sprich Zeuge und aktiver Mitgestalter der ungemütlichen Phase, wurde er spätestens auf den Winterrückzügen 43/44, ohne Munition und Ausrüstung, mit Lappen statt Knobelbechern an den wundfaulen Füssen, zurückversetzt in die gemütlichen Zeiten beispielsweise des Dreißigjährigen Krieges. In endlosen Fusskolonnen sich dahinschleppend, Karren selber ziehend oder schiebend, vorbei an Wagen und Panzern mit leeren Tanks, verbrannte Erde nach wenigstens einem Rest an Essbarem durchwühlend, dämmerte hier so manchem Landser, dass in der Tat seit Zeiten Mutter Courages der Fortschritt kein wirklich großer gewesen sein konnte. Und spätestens dann, wenn der Landser denselben Weg wieder zurück stolperte, im Frieden zwar, aber dennoch ein Kriegsgefangener auf dem langen Marsch ins sibirische Bergwerk, war auch dem Naivsten klar, dass an irgendeiner Stelle etwas grob schief gelaufen sein musste und dem tausendjährigen Reich doch die ein oder andere Null noch fehlen mochte.

Historische Würdigung

Für eine abschliessende historische Würdigung des Landsers als ewigem Prügelknaben und Kopfhinhalter der Weltgeschichte ist es bei weitem zu früh. Mögen auch manche Weicheier gedacht haben, zumindest der deutsche Landser gehöre endgültig der Geschichte an, so sehen sich diese vaterlandslosen Gesellen nun eines anderen, besseren belehrt. Zu Tausenden marschiert er wieder, der deutsche Landser. Und nicht mit Holzgewehr und Fähnchen in der Hand, sondern bestens ausgebildet und frohgelaunt. Jedes Wochenende kann man ihn sehen, in überfüllten Zugabteilen der Deutschen Bahn. Und spätestens nach der dritten Flasche Bier, wenn das Lied der ewig Gestrigen erklingt, "Oooh du schöhöhöner Wehehesterwald Eukalyptusbomber...", darf der deutsche Michel sich beruhigt zurücklehnen und warten. Warten auf Reihen schmucker Fichtensärge mit schwarz-rot-goldenem Tüll obendrauf, aus Afghanistan oder sonstwoher. Und erst wenn die letzte Krokodilsträne verdrückt wurde und der letzte Trachtenschranze seine Heucheltiraden in laufende Kameras gespien hat, hat auch der tote Landser endlich seine Pflicht getan und der Deckel darf sich schließen.

Natürlich haben die Landser aller Nationen im Laufe der Jahrhunderte viel Mist gebaut, knöcheltief im Blut gewatet und Schimpf und Schande über sich und ihre jeweiligen Regime gebracht. Dafür gebührt ihnen weder Ehre noch ein Denkmal. Was ihnen aber auch nicht gebührt, ist die Verhunzung und Besudelung durch glatzköpfige Drecksschweine, die, in Pseudouniformen verkleidet, ihren musikalischen Müll und ihre verbrecherischen Texte unter dem Bandnamen "Landser" unters Jungvolk bringen wollen. Das nämlich geht nicht nur gegen Landserehre, das geht gegen jede Ehre.

Literatur

  • "Soldaten sind Mörder" - Zu Sinn und Zweck des Landsers. Ignaz Wrobel, Die Weltbühne, Berlin, 1931
  • "Der Offizier - väterlicher Freund des Landsers", A. Braham, Sacrifice Press, Golgatha, zeitlos
  • "Nanu Nanu, ein Fuss ohne Schuh - und 1000 weitere Soldatengedichte", Literarische Fundstücke von den Schlachtfeldern aller Zeiten, VolxmundVerlag, 67. Aufl., Bundeshauptstadt, 2008
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