Diverses:Wort zum Sonntag/KW 39 2017

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Szenen, die man sich gewünscht hätte.

Hinsetzen, Deutschland! Hier sind vier Leute, die völlig unabhängig voneinander ernsthaft mit dir reden müssen.


Jamaica voraus![Bearbeiten]

Da steht er nun, der Schulzzug. Die Anhänger kommen sicher auch noch, sind aber teils noch etwas zögerlich.

All right, Bundestagswahl. Dieses Mal hat uns die Lügenpresse ein selten gutes Spektakel geboten – und ein Ende ist nicht in Sicht. Wenn es denn Lügen sind. Aber können fast 30 % der Wählerschaft wirklich falsch liegen?

Sie können sich zumindest grob täuschen. In einer Person zum Beispiel. Insbesondere wenn sie ihren erschreckend erfolgreichen Wahlkampf mit einem Ausstieg aus ihrer Partei abschließt, just als sie ihr Höckerchen im Reichstag sicher hat. Der finale geplante Wahlkampfeklat der AfD – nur dass ich in diesem bislang noch keinen populistischen Nutzen sehen kann.

Dafür haben diejenigen, die dachten, die nächsten vier Jahre vielleicht sogar in der Regierung von ihr vertreten zu werden (man darf ja noch träumen), anschließend so blöd in die Röhre geschaut wie die CDU nicht mehr, seit ihr die Aussicht auf eine große Koalition flöten ging. Mit tosendem Gedonner (und einer Prise Enttäuschung) steuert der Schulzzug nun das Abstellgleis an – statt die Weichen zu stellen, will man jetzt lieber vier Jahre lang auf den Fahrdienstleiter eindreschen. Macht Sinn – wenn er denn auch in die Knie geht.

Den Grünen und der frisch reinkarnierten FDP kann das alles nur recht sein: Sie sind auf dem besten Weg, Regierungsparteien zu werden. Was für ein Aufstieg, gerade für letztere Partei. Aus der Asche auferstanden. Nur die Parteispitze erscheint nach außen ungewöhnlich … einsam. Man munkelt ja, dass Christian Lindner Forschern das Okay gegeben hat, Klonungsexperimente an ihm durchzuführen – irgendwie muss man die Ministerien ja besetzen. Die Grünen brauchen sich um solche Sachen keinen Kopf machen. Im Gegenteil, denen kann es nicht schnell genug gehen. Bleibt jetzt nur abzuwarten, was am Ende tatsächlich dabei rumkommt. Einigen Experten zufolge kann die Koalitionsbildung sich noch bis ins neue Jahr ziehen. Na, Prost Mahlzeit!

Eine Regierung mit Karibikflair. Solange Merkel keinen Kokosnuss-BH trägt …

Die Fraktionen[Bearbeiten]

Der Wähler in den Tagen nach der Wahl

Herzlichen Glückwunsch, Deutschland! Eine Wahl überstanden und mehr Fragen als Antworten bleiben danach übrig. Die alle jetzt zu klären würde den Rahmen dieser Rubrik mit Sicherheit sprengen. Kümmern wir uns also erstmal um eine: Was ist eigentich passiert?

Zum ersten Mal seit 1953 haben wir ab jetzt mit ganzen Sieben mehr Fraktionen im Bundestag als Hasen in Hugh Hefners Schlafgemach (Rest in Peace, alter Ficker!). Und diese Sieben Fraktionen müssen jetzt versuchen, eine Regierungskoalition zu finden.

Fakt ist jedenfalls: Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin. Wahrscheinlich für immer. Aber das ist eine Antwort auf eine Frage, die sich eh nie stellte. Gab es eine Alternative zur ewigen Angela, der wohl teflonbeschichtesten Politikerin aller Zeiten? Eher nicht, seit dem Moment, an dem klar wurde, dass der Schulzzug am Bahnhof Würselen aufgehalten worden war. Das war etwa im Mai, aber die SPD bemerkte es nicht.

Ohnehin brachte diese Wahl für die Sozialdemokraten eine bittere Erkenntnis: „Volkspartei? Das war mal“. 20% rechtfertigen das nicht. 20% reichen nicht einmal in den Getränken, die man bräuchte, um sich dieses Ergebnis schön zu trinken. Die Reaktion hatte es in sich: Mit markigen Worten verabschiedet sich die SPD in eine kämpferische Oppositionsführung. Personelle Konsequenzen nach der größten Pleite einer roten Institution seit langem, klammert man den Auftritt des FC Bayern in Paris mal aus? Keine! Die Gesichter, die es verbockt haben, werden es jetzt richten. Ganz sicher. Nur Martin Schulz irgendwie nicht. Der überlässt den Fraktionsvorsitz und somit die faktische Oppositionsführung.... Moment, Andrea Nahles??? Oh Gott...

Einer der besten Gags, die diese Wahl gebracht hat, ist meiner Meinung nach, dass die jetzt in Erwägung zu ziehende Jamaica-Koalition mit den Grünen eine Partei in Regierungsverantwortung bringen würde, die irgendwie so gar nicht am Wahlkampf teilgenommen hat. Die Grünen sind in 2017 so zahnlos, in freier Natur wären sie zum Aussterben verdammt. Aber sie könnten jetzt unerwartet zu einem der Profiteure der Wahl werden. Aber sind wir mal ehrlich: Außenminister Cem Özdemir beim Staatsbesuch bei Erdogan wäre schon verdammt witzig.

Dritter im Bunde der Jamaica-Koalition wäre Christian Lindner. Angeblich hat er noch Freunde mitgebracht, aber hat irgendwer eine Ahnung, wer die sind oder was sie wollen? Nein? Genau. Aber das weiß man ehrlicherweise auch bei Lindner nicht so wirklich, der es aber immerhin als wohl erster deutscher Politiker überhaupt geschafft hat, nur wegen seines Aussehens gewählt worden zu sein.

Tja. Bleiben noch drei Fraktionen übrig. Okay, zwei. Die Linke interessiert irgendwie absolut niemanden, womit eigentlich alles über diese Partei und ihre Rolle in den nächsten vier Jahren gesagt ist, sofern Gregor Gysi nicht zurückkehrt und uns alle rettet.

Nun, kommen wir also zum Bodensatz der modernen Politikgesellschaft. Die AfD hat es geschafft. Mit Zwölfeinhalb-Prozent ist sie sogar die drittstärkste Fraktion. Erstmals seit Kriegsende also Nazis im Bundestag? Nochmal herzlichen Glückwunsch, Deutschland! Das wird man doch mal sagen dürfen. Keine 10 Minuten nach den ersten Hochrechnungen kam bereits Alexander Gauland um die rechte Ecke geschossen und verkündete, man werde „Angela Merkel jagen und sich sein Land und sein Volk zurückholen.“ Hohle Phrasen, Drittreichrhetorik und realpolitische Inhaltsleere: Das Erfolgsprogramm unserer Zeit sind die Klassiker der 1930er. Kann das gut gehen? Kann Deutschland das stemmen? Wird die AfD eine Rolle in der Zukunft spielen?

Die Antwort darauf könnte die letzte Bundestagsfraktion sein: Eine Ein-Mann- oder besser gesagt Ein-Frau-, noch besser gesagt Ein-Frauke-Fraktion, denn sie besteht ausschließlich aus Frauke Petry, die als Vorsitzende der AfD keinen Nerv mehr hatte, ebenjener Fraktion anzugehören und deshalb sagte: „Ich mache meine eigene Fraktion! Mit Black-Jack und Nutten!“ Oder alternativ mit Markus Pretzell als moralische Unterstützung. Im Laufe der Woche verließ Petry dann die Partei komplett. Und was nun, Frauke? Kommt jetzt die Solo-Partei? Eine Petrypartei? Das wird doch bestimmt Hölle! Höllehöllehölle!

Die Petry-Posse zeigt den Weg auf, den die AfD wohl wählen wird. Bevor diese Partei Deutschland zerschießt, zerschießt sie sich selber. Oder nicht? Ich weiß es nicht. Die Antwort können nur die kommenden Jahre liefern.

Also lehnen wir uns zurück und genießen wir es. Denn sicher ist jetzt nur noch eines: Es wird unterhaltsam. Sehr unterhaltsam!

Eine physikalische Betrachtungsweise[Bearbeiten]

Physiker beim Analysieren der Parteien.

Die Bundestagswahl und ihre Nachwehen können durch scheinbar irrationale Handlungen schwere Verwirrung auslösen. Eine physikalische Aufarbeitung einiger Vorgänge erscheint sinnvoll und bietet Gelegenheit, einen Blick auf die Naturgesetze der politischen Bühne zu werfen.

SPD[Bearbeiten]

Nachdem die SPD festgestellt hatte, dass der Haftreibungskoeffizient von SPD-Kanzlerkandidaten auf guten Umfragewerten eher gering ist und dank einer noch geringeren Gleitreibungskraft unermüdlich tiefer rutschte, beschloss sie, einen zusätzliche Gegenkraft aufzubringen. Eine stärkere Polarisation soll dabei den politischen Gegenpol hemmen. Altlasten wie das Schröder'sche Hemmgewicht ziehen dabei weiter nach unten, sollen aber aus sentimentalen Gründen mitgenommen werden. Letztendlich verreist niemand gerne ohne seinen Teddybär, auch wenn dieser bereits etwas schäbig ist und auffällig stark nach Erdöl müffelt.

AfD[Bearbeiten]

Die AfD als Professorenpartei wurde ihrem intellektuellen Niveau gerecht und demonstrierte effektiv das Newton'sche Gravitationsgesetz
F_{G}={\frac  {G\cdot m_{1}\cdot m_{2}}{r^{2}}}
Um genau zu sein, zeigte die Partei, wie gering ihre Anziehungskraft auf Menschen wie Frauke Petry ist, wenn sie sich zu weit nach rechts bewegt (nachdem sie es schon am Beispiel des Konservativen Bernd Lucke gezeigt hatte, dem eine AfD unter Frauke Petry bereits zu rechts war). Letztere schießt nun auf einer geradlinigen Flugbahn ins Blaue und reißt dabei einige ihrer Trabanten mit. Das politische Gesamtgewicht der AfD sinkt damit deutlich und hinterlässt ein schwaches Kraftfeld mit geringeren Anziehungskräften. Böse Zungen mögen behaupten, dass die AfD nie wirklich der entscheidende Faktor bei Petrys Bewegungen war und diese eher durch das enorme Kraftfeld des Abgeordnetenlohns beeinflusst wurde, dies ist durch die Messdaten allerdings nicht klar belegbar.

CSU[Bearbeiten]

p_{0}=p+\rho \cdot g\cdot h+{\frac  {1}{2}}\cdot \rho \cdot v^{2}
So lautet die Bernoulligleichung für strömende Flüssigkeiten. Auf die CDU angewandt steht dabei p für den Innendruck, \rho für die Dichte des Parteikaders, h für die Höhe des Wahlergebnisses und v für die zeitgeistliche Progressionsgeschwindigkeit. Eine CSU-angepasste Gleichung lautet somit
p_{0}=p+\rho \cdot g\cdot h
Da der Gesamtdruck eines abgeschlossenen Systems ohne Volumen- oder Temperaturänderung konstant bleibt (wovon man bei der vergleichsweise geringen Klimaerwärmung und einer gesunden Ernährung Seehofers ausgehen kann), erhöht sich bei sinkendem h der parteiliche Innendruck. Da dieser zu einem Zerbersten der Gesamtpartei führen kann, liegt eine Verringerung der Dichte des Parteikaders durch Verringerung der Teilchenzahl nahe. Da diese in einem abgeschlossenen System, aus dem keine Führungskräfte heraus- und in das keine fortschrittlichen Ideen hereinkönnen unmöglich ist, wird das Volumen einfach erhöht, nach rechts, um genau zu sein, womit der Gesamtdruck des Systems effektiv gesenkt wird.

Es drehen alle durch[Bearbeiten]

Die AfD muss in ein Flüchtlingszelt.

Die Woche ist keine zwölf Stunden alt, da müssen wir erfahren, dass...

  • Horst Seehofer an der Union zweifelt. Später wieder nicht, aber da ist ordentlich Öl neben dem Feuer. Mal gucken, wer es als erstes entzünden mag, aber spätestens bei den Koalitionsverhandlungen sollte man schon einmal vorsorglich die Feuerwehr rufen.
  • Deutschland vermutlich eine Jamaikakoalition bekommt. Ein Bündnis aus Union, FDP und Grüne. Das Hanf muss frei werden, aber bitte steuerfrei und digitalisiert. Der Ausstieg aus der Atomkraft bleibt, aber ein Kraftwerk sollte als Altersvorsorge grundsteuerfrei noch erwerbbar bleiben. Ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben, aber nur, wenn wir eine Dieselobergrenze von 60 Millionen Fahrzeugen haben, die durch die Innenstädte fahren dürfen. Die SPD hat der Union bereits abgesagt, aber Merkel möchte trotzdem gerne verhandeln, obwohl sie eigentlich weiß, dass man auf am Boden liegende nicht weiter eintritt.
  • Petry nicht mehr in der AfD ist. Ja, die blauen braunen Pappnasen haben es tatsächlich geschafft, trotz "<Rassistische Aussage>, aber wir sind keine Rassisten!"-Rufen in den Bundestag einzuziehen. Mit 12,6%. Aber mit solchen Leuten, mit deren Unterstützung sie Bernd Lucke gestürzt hat und dank derer sie ihr Bundestagsmandat gewann, wollte sie nie was zu tun haben.

Überhaupt scheint die AfD zurzeit neue Maßstäbe in der Kategorie "Leute verarschen": Kaum sind die Fackeln der Rechten entzündet und ein Aufmarsch vorbereitet, da sagt die große Vorsitzende Petry, sie will mit dem Scheiß nichts mehr zu tun haben, die können sie alle mal, sie geht jetzt aus dem Raum. Auf einer Skala von 0 bis 10 fehlten diesem Abgang nur eine Axt und ein Mikrophondieb. Okay, dass die AfD-Fraktion zerbricht, war nach Lucke, dem Europaparlament, der Baden-Württemberger Fraktion und den ständigen Querelen schon irgendwie absehbar, aber keine 24 Stunden nach dem Wahlergebnis? Die AfD ist wirklich eine Alternative: Wer sich ständig von den etablierten Parteien verarscht vorgekommen ist, kann hier in eine völlig neue Ebene aufsteigen - effektiver als jede Yoga-Übung. Und im Bundestag wird es auch bald Trara geben. Bei gleich zwei neuen Parteien - die FDP war ja eigentlich auch weg vom Fenster, aber es hat irgendwie keinen Unterschied gemacht, ob sie nun drin waren oder nicht - muss sich die Bundestagsverwaltung fragen, wie sie die jetzt im Reichstag unterbringen soll. Aber wo nicht mehr ganz so viele Flüchtlinge in Deutschland ankommen, werden einige Zeltunterkünfte sicherlich nicht mehr benötigt. Einfach auf dem Rasen aufstellen und die AfD drin hausen lassen, dann sind sie noch mehr Alternative und so schlecht haben es Flüchtlinge ja eh nicht, also wird's den Klappspaten schon noch gefallen.
Und überhaupt: Deutschland ist jetzt frei! Ja, wirklich! Jahrzehntelang war die BRD GmbH fremdgesteuert, besetzt von den USA und diesen anderen Ländern, aber jetzt sitzt mal wer vom Volk im Aufsichtsrat. Und die werden feststellen, dass...öhm...hmh. Ja.
Die sind von der AfD bestimmt auch alle gekauft worden. Zeit für eine neue Protestpartei.


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