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Diverses:Universalaussagen im Fußball – Eine Analyse

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Phrasen sind alt - sehr alt. Die gibt es in der Politik, in der Familie und auch im Fußball. Doch gerade letzteres ist interessant. Denn Phrasen verändern sich über die Jahre, da die gemeine Bevölkerung es nach gewisser Zeit einem nicht mehr abkauft. Im Fußball scheinbar nicht, hier werden selbst in hundert Jahren immer noch dieselben Phrasen der Verantwortlichen geschluckt.
Nehmen wir als Beispiel die Politik. Die Phrase "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen" kann heute keiner mehr so leicht bringen. Selbst die abgeänderte Version "Niemand hat die Absicht, den Euro einzuführen" wäre nach heutigen Maßstäben eine Lüge.

Widmen wir uns also dem Fußball. Der Trainer sagt: „Die Mannschaft hat versucht, sich zu konzentrieren.“
Das heißt dann quasi übersetzt: „Die Mannschaft hat versucht, sich zu konzentrieren.“ Der springende Punkt ist aber, dass er das Woche für Woche wiederholen kann und man es ihm Woche für Woche abkauft.

Im Folgenden werden weitere Beispiele genretypischer Aussagen unter die Lupe genommen und auf Gehalt und Inhalt geprüft.

Niederlagen
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Hier werden jetzt einige Aussagen von Trainern, Spielern und anderen Leuten analysiert und abgewägt, die nach einer Niederlage folgen und immer wieder zu hören sind.

Die Ausrede
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Trainer: „Wir konnten heute nicht das abrufen, was wir im Training geübt haben.“
Sinngemäße Interpretation: „Hätten die elf Männeken auf dem Platz das gemacht, was ich denen dauernd einprügel, hätten wir das Spiel auch gewonnen.“

Die klassische Aussage nach einer Niederlage. Man stellt sich das einmal so vor: Der Trainer geht nach der 0:5-Klatsche gegen den Tabellenletzten völlig entnervt in den Stadiongang und wird von einer penetranten Person, die dieses Mal nicht der Schiedsrichter ist, belästigt und den stört den Coach in seiner kreativen Phase, bei der er geistig bereits den Torwart und die Abwehrkette fachgerecht in Origamifiguren zusammenfaltet. Zu allem Überfluss stellt die Person, die sich Reporter schimpft, auch noch genau die Fragen, die vom Sachverstand her auch von den Spielerfrauen beantwortet werden könnten.
Gut, jetzt kann man aber nichts daran ändern, dass diese Horde an Reportern diese Frage für ihr Protokoll beantwortet haben müssen. Und um in der Öffentlichkeit nicht als Spielerfrau geoutet zu werden, die die Frage "Warum haben sie heute verloren?" einfach mit "Weil die anderen besser waren" beantworten würden, schwafelt er im Fußballdeutsch seine daheim bereits verfassten und auswendig gelernten Phrasen in die Mikrophone. Die o.g. Phrase wird natürlich im darauf folgenden Spiel nach der 1:5-Blamage gegen den Tabellenvorletzten wiederholt, um möglichst lange den Eindruck zu schinden, er arbeite für sein Geld (und die Abfindung).

Spieler Eisenherz schoss das erste Tor für sein Team, nachdem ihn der gegnerische Torwart den Ball an den Kopf kickte. Eisenherz zog sich dabei einen Jochbeinbruch zu.

Der Träumer
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Stoßstürmer, der mit seinen "Torschüssen" im Stadtviertel rundherum Sachschäden verursacht hat: „Wir sind hier mit anderen Erwartungen angetreten.“
Sinngemäße Interpretation: „Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich im Spiel fünf Tore schieße und der ganze Verein mich feiert und eine Statue von mir baut.“

Diese Aussage verdient beinahe schon einen Comedypreis. Das liegt aber nicht daran, dass der Stürmer so unfassbar lustig ist, sondern eher daran, dass die Aussage so viel Gehalt hat wie eine Philosophiestunde mit Daniela Katzenberger. Als ob die Spieler zugeben würden, dass ihnen bereits im Mannschaftstraining vor den Simulationspuppen die Knie wackelten, als das Spiel des Gegners nachgestellt wurde.
Jetzt stellt man sich als treuer Fan natürlich vor, dass die Mannschaft da unten auf den Platz geht und kämpft. Da ist es natürlich Balsam für die Seele des Fans, wenn er nach dem Spiel hört, dass die Erwartungshaltung ganz anders gewesen ist, als man das vom Spielfeld interpretieren könnte. "Mensch schade", denkt sich da der Fan, "dass die Mannschaft den Tabellenersten nicht schlagen konnte... dabei war doch die Erwartungshaltung ganz anders. Das ist ja wie die letzten Wochen... So ein Pech aber auch!"

Die Kuschelaussage
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Trainer: „Es hat die Konzentration im Abschluss gefehlt. Das waren insgesamt zu viele individuelle Fehler.“
Sinngemäße Interpretation: „Die Nummer 4, die 8, die 12 und selbstredend die 15 haben heute das ganze Spiel versaut!“

Noch so eine Aussage, die den Verstand einer Qualle erfordert. Diese ist allerdings nur dann nachvollziehbar, wenn sie aus dem Mund eines Sachverständigen wie dem Trainer erfolgen. Jeder Fan von außen hat gesehen, dass die Nummer 4 mit ihrem Abwehrverhalten zur Niederlage beigesteuert hat - doch warum als Trainer nicht offen sagen: "Natürlich, der Hans Müller-Kunz ist nicht sehr gut, sondern nur gut gewesen heute."
Ganz einfach: Weil der Spieler dann bockt. Tränen fließen und die Mutter des Spielers, der vom Trainer brutal in die Mangel genommen wurde, kann erst durch's Stillen ihren Sprössling wieder dazu bringen, die Kritik einigermaßen zu verdauen. Da dieser Vorgang meistens aber ein paar Wochen in Kauf nimmt - der Trainer hat ja nun einmal ein begrenztes Kontingent an Spielern -, kann der Coach es sich nicht leisten (im wahrsten Sinne des Wortes), seine Spieler zu verletzen. Daher die o.g. Kuschelaussage...

Die psychisch Labilen
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Trainer: „Wir haben gut dagegen gehalten, doch das Gegentor hat uns aus dem Konzept geworfen.“
Sinngemäße Interpretation: „Unsere labilen Spieler haben nach dem Gegentor einen gefühlten anaphylaktischen Schock erlitten und sind geistig nicht mehr in der Lage gewesen, 89 Minuten das sieben Meter breite Tor zu treffen.“

Viele wissen gar nicht, dass der Trainer vor dem Spiel ein Konzept ausarbeitet, wie man im Spiel spielen soll. Das funktioniert eben nicht wie in der Kreisklasse, dass die Jungs sich auf dem Platz blind verstehen (auch deshalb, weil sie - im Gegensatz zur Bundesliga - meistens aus Spielern bestehen, die eine gemeinsame Sprache sprechen). In diesem Konzept schreibt der Trainer von Mannschaft A vor: "Heute wollen wir kein Gegentor kassieren. Dann können wir auch nicht verlieren." Punkt. So einfach kann Fußball sein, und vor allem so logisch. Jetzt allerdings hat Mannschaft B dummerweise auch ein Konzept, dass bspw. heißt: "Heute wollen wir dem Gegner einen mehr einschenken, als wir kassieren. Dann können wir auch nicht verlieren." Punkt.
Jetzt kommt es noch dümmer: Mannschaft B hat dank des Tores die erste Mannschaft damit völlig aus dem Konzept geworfen. Mannschaft A steht also nun ohne Konzept da. Völlig desorientiert wie bei einer Tour durch den ostkongolesischen Urwald, stehen die Spieler auf dem Platz und fassen sich an die Nase. Ratlosigkeit macht sich breit: "Was tun? Unser Konzept... Es ist im Eimer." Die ersten Ausfälle werden registriert. Der Mannschaftsarzt muss mit dem Teampsychologen eingreifen, damit das 0:1 bis zum Ende noch gehalten werden kann. Danach kann man in Gruppentherapie das Erlebnis verarbeiten, das Gegentor war einfach nicht zu verkraften.
Mal im Ernst: Diese Aussage nach dem Spiel zu bringen, zeigt beinahe schon die Unfähigkeit des Trainers, seine Spieler zu motivieren oder wenigstens dazu zu bewegen, den Ball in Richtung Tor zu tragen. Tragische Nummer...

Der Heuchler
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„Das ist Blödsinn, niemand stellt den Trainer in Frage!“

Manager: „Der Trainer gibt sich viel Mühe beim Training und ist für uns weiterhin die erste Wahl für den Trainerposten.“
Sinngemäße Interpretation: „Der fliegt morgen achtkantig!“

Manager und Vorstandsmitglieder sind in der Beziehung wie Frauen! Ja = Nein und Nein = Ja.
Das Spiel ist jede Woche wieder neu zu erleben und manchmal fragt man sich, wer auf diese Kutsche noch aufspringt. Dabei ist die Interpretation dieser Aussage so einfach wie man es sich bei Goethe in der Schule gerne gewünscht hätte.
Zunächst einmal ist es doch klar, dass sich der Trainer viel Mühe gibt, schließlich beißt der Köter nicht in die Hand, die ihn füttert. Doch Mühe allein reicht eben nicht. Es ist wie im echten Leben: Wenn der kleine Hans sich bei den Mathehausaufgaben ganz viel Mühe gibt, Zahlen bunt anmalt und der Größe nach im Heft sortiert, aber bei 3*3 gleich 6 notiert, bleibt er nun einmal sitzen, ob nun bunt oder nicht. So ist es auch beim Trainer. Nur weil die Spieler wissen, in welche Richtung sie laufen müssen, weil es der Trainer ihnen in sämtlichen PowerPoint-Präsentationen vorgebetet hat, sie aber dabei vergessen, dass das eigene Tor verteidigt werden muss, fliegt eben der Coach.
Dass die Reporter dem Manager dann noch abkaufen, dass der Trainer "erste Wahl" sei, ist nicht nachzuvollziehen. Natürlich ist er erste Wahl, schließlich steht noch niemand Neues zur Auswahl. Tut er das schon - Manager sorgen oft Jahre vor -, dann könnten parallel zum ersten Satz auch Anhängsel wie "...und ist für die Mannschaft ein wichtiger Teil" (auch wichtige Körperteile können amputiert werden), "...und hat die Mannschaft bis hierhin begleitet" (stimmt ja auch, ob jetzt erster oder letzter Platz) oder "...und steht nicht zu Diskussion" (weil die Entscheidung, dass der Trainer fliegt, ja schon längst steht) folgen.

Das Adlerauge
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Irgendeiner aus dem Verlierer-Team: „Der Gegner hat heute mehr aus seinen Chancen gemacht.“
Sinngemäße Interpretation: „Ich habe keine Ahnung, was ich Ihnen gerade antworten soll.“

Diese Aussage ist in Interviews deshalb so lustig, da sie im Prinzip immer zu hören ist, egal ob von Trainer, Manager, Spieler, Frisör oder Haustier. Nach einem verlorenen Spiel erwarten Fans und Co. oft eine Erklärung für die Niederlage, und der Reporter ist die Stimme der Fans und will nun wissen: "Warum haben Sie heute verloren?" Erwartet wird dann eine ausdrucksstarke Aussage, die besonders das komplexe System hervorhebt. Zum Beispiel wäre eine Antwortmöglichkeit: "Die aufgerückte Viererkette hat in der Schlussphase den zentralen Stürmer des Gegners völlig außer Acht gelassen, da wir zu sehr damit beschäftigt waren, die Flügelpositionen sowie den 6er zu bedienen. Der Gegner konnte diese Lücke noch finden und durch einen zentral gespielten Pass das weit aufgerückte Mittelfeld überbrücken und somit gefährlich vor unserer Tor kommen, weshalb sie heute als Sieger vom Platz gehen."
Was also nicht für den bildungsresistenten Laien aus erster Sicht deutlich wurde, sollte durch das intelligente Nachhaken des Reporters deutlich werden. Doch stattdessen wird einem eine messerscharfe Analyse abgeliefert, die selbst der größte Anti-Fußballer hätte bringen können. Wer mit einem solche feinen Auge diese Analyse bereitstellt, kann sie eigentlich auch gleich weiterleiten an die Experten aus dem Studio, die ebenso auf den Schluss kommen: "Der Gegner war heute einfach besser."

Der Schiedsrichter
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Trainer: „Wir können die Niederlage trotz der Fehlentscheidung nicht am Schiedsrichter festmachen.“
Sinngemäße Interpretation: „Der Affe im gelben Hemd hat ganz sicher 'ne Wette am Laufen...“

Da gibt es ja noch den zwölften Mann, der laut Fans immer auf der anderen Seite mitspielt, laut Spieler immer auf beiden Seiten mal hier, mal da und laut eigener Aussage weder da noch dort mitspielt. Und mal ehrlich, der arme Kerl ist am Ende immer mindestens einmal an der Niederlage Schuld. Recht machen kann er es keinem. Doch darum geht es gar nicht... Je häufiger die Aussage des Trainer fällt, der Schiedsrichter sei nicht Schuld an der Niederlage, und je deutlicher er dies auch betont, desto mehr schiebt er ihm den schwarzen Peter zu. Zu dumm nur, dass es derzeit noch den DFB gibt, der sich für seine Gelbhemden einsetzt und ihnen den Rücken freihält. Fällt nur ein böses Wort gegen eine Schiedsrichter, springt der Abgeordnete des DFBs aus seinem Fernsehsessel auf und leitet Strafverfahren gegen den ein, der das böse Wort gewagt hat zu sagen. Um das zu vermeiden, versteckt der Trainer sich hinter einer Schummelaussage, die Woche für Woche zu lesen ist, obwohl sie rein technisch aussagt, dass der Schiedsrichter mit seiner absolut inkompetenten Art die Niederlage zu verschulden hat.

Das Ein-Mann-Team
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„Unsere Spieler konnten den Ausfall nicht mehr auffangen.“

Trainer: „Wir konnten die Ausfälle heute nicht mehr kompensieren.“
Sinngemäße Interpretation: „Wir haben nur einen guten Spieler im Team...“

Auch eine bitterböse Aussage des Trainers, die über Umwege doch deutlich sagt: "Ohne diesen einen Spieler ist die Mannschaft einfach nur richtig schlecht." Denn was meint der Trainer hier? Auf der Bank sitzen meistens hochbezahlte Millionäre, die über die ganze Woche mehrere Jahre lang nichts anderes tun als Fußball zu spielen. Jetzt kommt der Notfall, dass ein technisch begabter Spieler sich während des Spiels verletzt. Ärgerlich, aber was tut ein Trainer dann? Richtig, auswechseln.
Der Trainer wechselt dabei meistens einen Spieler ein, der seiner Meinung nach den verletzten Spieler am besten ergänzen kann. Verliert die Mannschaft dann das Spiel und der Trainer lässt diese Aussage dann bei Pressekonferenz knallen, kann der Spieler davon ausgehen, dass ihn sein eigener Coach gerade als nicht ausreichend bezeichnet hat. Dabei muss man sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein Kader besteht aus knapp dreiundzwanzig Spielern, die alle dazu fähig sein sollten, den Ball wenigstens zum eigenen Spieler spielen zu können. Kommt die oben genannte Aussage an die Öffentlichkeit, ist das nahezu ein Offenbarungseid, der im wahrsten Sinne des Wortes ausdrückt: "Offenbar ist meine Mannschaft ohne den Spieler Meier-Müller nicht fähig zu gewinnen." Amüsant zu erfahren, dass eine Mannschaft letztlich von einem Spieler abhängig ist.

Siege
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Auch nach Siegen hört man Phrasen, die einem zum Kopf schütteln bringen.

Der Star
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Spieler, der mit seinen Toren beim 3:2- Sieg in der Nachspielzeit das 0:2 noch gedreht hat: „Wir haben heute als Mannschaft gewonnen.“
Sinngemäße Interpretation: „Ohne mich wären die Nulpen doch hoffnungslos verloren.“

Manchmal sind Spieler in ihren Aussagen so dermaßen bescheiden, dass sie gleich wieder arrogant wirken... doch warum eigentlich nicht? Das Leben ist zu kurz, um bescheiden zu sein. Leistung gehört eben gekrönt, da muss man sich nicht immer selbstlos vor's Mikrophon schmeißen und jubeln, dass der Torwart genau so gut die Tore hätte machen können. Noch lustiger wird es ja, wenn man weiß, dass eigentlich alle dasselbe denken, doch niemand genau diesen Gedanken sagt, nämlich: "Nur wegen Herrn Müller-Meier haben wir heute das Spiel gewonnen." Warum sagt das niemand? Man kann dem Spieler doch ruhig einmal eine Woche Ruhm, Alkohol und Frauen gönnen, bevor er in der nächsten Woche zum Krisenstar abgestempelt wird, der mit irgendeiner Mona Lisa kurz vor einem wichtigen Spiel im fremden Hotel eine Nacht verbracht hat.
Sei's drum. Je öfter man diese Aussage hört, desto eher glaubt man, dass es dem Spieler vor Stolz fast die Brust zerfetzt und er sich vor dem Fernsehteam und dem Rest der Mannschaft, die gespielt haben wie Flasche leer, auf die Zunge beißen muss, um nichts Verletzendes wie "Heute darf mir jeder danken" zu sagen, da sonst der Torwart und der Abwehrspieler, die beide ins eigene Tor getroffen haben, sich ungerecht behandelt fühlen.

Die Euphoriebremse
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„Wir sollten jetzt nicht abheben...

Trainer: „Wir tun gut daran, jetzt nicht abzuheben.“
Sinngemäße Interpretation: „Eigentlich dürften wir ja nicht überheblich werden, aber momentan läuft es so gut, da kann kommen, wer mag - wir putzen alle!“

Früher nannte man so jemanden in der Schule Spaßbremse, Arschrittvorlage, Büchereichiller oder Lehrer. Heute sind es im Allgemeinen die Trainer, die nach dem Derbysieg öffentlich die Euphoriebremse reinhauen und jedem Anhänger das Dauergrinsen aus dem Gesicht schlagen. Noch während die Fans jubeln und das |Bengalo-Feuer auf die gegnerischen Ultras eröffnen, steht der Trainer im Gang und behauptet allen Ernstes spießig, man müsse sich auf kommende Ereignisse vorbereiten und sollte den Sieg nicht zu hoch bewerten. Das ist im etwa so, als würde man nach einer erfolgreich abgeschlossenen Abiturprüfung heimgehen und sich, statt mit Bier und Wodka die vergangenen Schuljahre aus dem Gedächtnis zu spülen, erst einmal das BGB und StGB einverleiben, da man ja irgendwann in Verlauf des nächsten Jahres Jura studieren könnte.
Natürlich will der Trainer öffentlich nicht zeigen, dass man nach dem Sieg die Meisterschaft so gut wie gewonnen hat. Aber dieser klägliche Versuch, der Welt zu zeigen, dass man ja so unglaublich bescheiden ist, nennt man "verlogen". In der Psychologie gibt es so etwas auch und nennt sich "Verdrängung". Die Fans sagen dazu übrigens auch "Verarsche". Doch welches dieser Ver-Worte auch zutreffen mag, "verklemmt" ist diese Aussage allemal.

Der Detailverliebte
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Spieler: „Es gibt immer noch Dinge, die verbessert werden müssen.“
Sinngemäße Interpretation: „Meine Frau spielt mir des Öfteren eine Migräne vor.“

Der Arbeitnehmer geht zu seinem Vorgesetzten und bespricht mit ihm seine Leistung der vergangenen Monate. Was wird der Chef sagen? Zu 99,999% immer etwas, was man noch verbessern kann - egal, ob man den höchsten Umsatz erreicht hat oder bessere Arbeit als der Arbeitgeber geleistet hat (gerade dann ist es problematisch)!
Im Fußball ist es nicht anders. Zum Teil wissen die Spieler schon gar nicht mehr, was sie falsch machen und was sie richtig tun sollen und schon gar nicht, wie sie das verbessern müssen. Da wirft der Trainer wild ein: "Der Ballbesitz muss sich verbessern." Parallel dazu trainieren sie Ballstaffetten, so dass der Ballbesitz im Spiel gesteigert wird. Synchron dazu sinkt die Torgefahr im nächsten Spiel drastisch, so dass nach dem gewürgten 1:0-Sieg logischerweise kommt: "Es gibt noch Dinge, die verbessert werden müssen." Dass hier ein Teufelskreis entsteht, interessiert letztlich keinen, darüber nachdenken tut sowieso niemand. Und bevor man so tut, als könne nur der Hauch von Überheblichkeit herausgehört werden, spielt man das Spiel lieber mit und stellt öffentlich klar, dass man sich immer im "Entwicklungsprozess" befindet. Dass der Spieler in Wirklichkeit gerade an das Liebesspiel mit seiner Frau denkt, sei ihm zwar nicht unterstellt, aber grundsätzlich nicht abzustreiten.

Der gute Freund
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Spieler: „Wir haben heute für unsere Fans gewonnen. Das waren wir ihnen schuldig...“
Sinngemäße Interpretation: „Hier riecht's nach Vertragsverlängerung mit einem deutlichen Gehaltsbonus!“

Diese Aussage kommt natürlich bei wechselfreudigen Spielern sehr glaubhaft, doch dazu gleich mehr. Zunächst einmal ist diese Aussage vom Grundprinzip ehrlich. Der Spieler kämpft und spielt für den Verein und die Fans. Jetzt aber kämpft er für den Verein und die Fans so gut, dass ein anderer Verein auf ihn aufmerksam wird. Geschnallt?
Diese Aussage ist so glaubhaft wie Münchhausens Geschichten bzw. es beschränkt sich auf den Wahrheitsgehalt von Bill Clintons berühmten Satz. Ein Spieler kämpft nur so lange für die Fans, wie es sein Vertrag auch aussagt. Winken andere Vereine mit etwas mehr Scheinen, ist der ganze Fankult dahin und man hat plötzlich ganz neue Freunde. Deswegen sollten Spieler niemals die Fans anderer Vereine provozieren, denn es kann gut sein, dass man als Ex-Ultra bald bester Freund dieser verhöhnten Fans sein muss - wegen des Geldes. Damit sei nicht jedem Spieler Geldsucht unterstellt, doch je öfter man die Aussage mit den Fans hört, desto unglaubwürdiger wird sie. Denn in erster Linie spielt man für den Vorstand, der das Konto füttert. Spielt man nicht, muss man recht bald weg und das Konto leert sich bekannterweise relativ schnell. Mit einem gut gefüllten Konto kann man sich in der High-Society nach Armablagen umschauen, auch Spielerfrauen genannt. Je höher das Konto, desto höher der Absatz der Schuhe bei den Frauen. Dann spielt man natürlich für die Bosse noch größerer Vereine, bei denen man ja bald aktiv arbeiten möchte. Für die Fans spielt man als letztes, denn die sind letztlich eher das Accessoire an der Kette.

Sonstige
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Natürlich gibt es auch Situationen vor dem Spiel, vor einem Wechsel oder anderen Gegebenheiten, wo man Aussagen hört, die man nicht hören will.

Der Emanzipierte
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Trainer vor einem Spiel: „Der Gegner ist eine Mannschaft, die auf allen Positionen individuell stark besetzt ist. Wir werden sie daher auch nicht unterschätzen.“
Sinngemäße Interpretation: „Das wird'n Klacks!“

Wer soll dem Tabellenführer abkaufen, dass er eine Mannschaft, die als Tabellenschlusslicht an der Armutsgrenze schwimmt und von Spiel zu Spiel nach Punkten bettelt, nicht auf die leichte Schulter nimmt? Das ist eher wieder eine dieser klassischen "Wir respektieren alle Spieler und Mannschaften und ihre Stärken sowie Schwächen"-Mentalität, die Horst Hrubesch bis heute bei sich selbst nicht finden konnte - und das auch zurecht. Wo sind die ganzen Trainer hin, die wie Giovanni Trapattoni auf den Tisch hauen und - von mir aus auch in gebrochenem Deutsch - sagen, wo der Frosch die Locken hat, statt immer nur wie in der Emanzipation von der Gleichberechtigung zu faseln.
Stattdessen hat man bei solchen Aussagen eher das Gefühl, dass der Trainer bereits die Kerzen für's Spiel angezündet hat und nur noch die Rosenblätter auf dem Platz verteilen muss. Außerdem hört man diese Aussage so oft, dass man auch diese nicht mehr glaubhaft abnehmen kann. Das führt erneut zur Frage: "Warum nicht das sagen, was alle anderen auch denken?" Hier drängt sich eher die Ostwestfalen-Mentalität auf, die zum Lachen in den Keller gehen. Dieser Kuschelzug hat den Bahnhof der neuen Fußballgeneration leider bereits erreicht...

Das Wechselgerücht
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Umworbener Spieler eines Vereins kurz vor Vertragsende: „Bisher habe ich keine Angebote von anderen Vereinen erhalten. Ich konzentriere mich auf's Jetzt!“
Sinngemäße Interpretation: „Ich habe vor lauter Angeboten kein Platz mehr bei mir im Bett und denke die ganze Zeit an den neuen Verein.“

„Ich habe keine Angebote vorliegen.“

Wenn die BILD-Zeitung schon schreibt, dass es eventuell möglich wäre, dass ein anderer Verein Interesse haben könnte und ein Wechsel im Rahmen der Bedingungen nicht ausgeschlossen werden kann, dann muss man davon ausgehen, dass der oben zitierte Spieler von Angeboten geradezu überflutet wird. Gut, dass er damit nicht herausrückt, wer ihn gerade stalked, ist vielleicht nachvollziehbar. Aber dabei glaubhaft zu vermitteln, dass man sich auf die aktuellen Aufgaben konzentriert, ist an den Haaren herbeigezogen. Allein von der Logik her: Warum sollte sich dieser Spieler den Arsch aufreißen - pardon - einen Finger krumm machen, wenn er den Verein, der am Ende Richtung Liga 2 marschiert, freudig wedelnd mit dem Audi A8 verlässt. Lustig ist ja auch, dass der Spieler damit versucht, wildgewordene Medienanstalten von sich abzulenken. Dass diese sich mit Großbildaufnahmen seines Privatlebens bedankt und daraus Gerüchte schnürt, weil er als Zweitligaspieler seinem Sohn ein Barcelona-Trikot kauft, ist fast schon eine logische Konsequenz. Nicht, dass irgendeiner besorgt um dessen Verbleib wäre, doch ist es immerhin verwunderlich, dass solche Aussagen bis heute wörtlich genommen werden. Natürlich hat der Spieler Angebote bekommen und natürlich konzentriert er sich nicht mehr auf seine aktuellen Aufgaben. Doch das interessiert ja in diesem Moment niemanden mehr, es geht am Ende eher um den Hype.

Die Umkehr-Entschuldigung
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Kapitän nach der Roten Karte: „Eine dumme Aktion. Das wollte ich nicht.“
Sinngemäße Interpretation: „Ich habe den Bastard nicht richtig erwischt, jetzt konnte der Affe auch noch bis zum Abpfiff durchspielen.“

Endlich eine Kategorie von Aussage, die weder tragisch noch heuchlerisch ist. Sie ist einfach amüsant. Zu beobachten, wie der Kapitän mit Schaum vor der Schnute seinen Gegenspieler mit einer filmreifen Sense allen Kräften der Gravitation aussetzt, ihm beim Sturz zeitgleich den Ellenbogen in die Rippen rammt und dann voller Absicht noch einmal mit den Stollen im Gesicht erwischt, um dann nach dem Spiel lammfromm zu behaupten, dass sei leider im Zuge des Adrenalins so passiert, ist einfach herrlich. Diese Aussage hört man zwar oft, ist aber dem Eigenschutz zuzuordnen, da sonst die Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung die Folge wäre.
Dieser Satz fällt sowieso auch nur deshalb, weil sonst ein gewaltiger Shitstorm über seine Facebook-Seite hereinbrechen würde, auf der pseudorealistische Hippies ihrem Sinn für Gerechtigkeit freien Lauf lassen würden, da man ja im Sport mit viel Liebe und Herz zu spielen hat. Zwar hat der Spieler genau diese Tatsachen umgesetzt (aus Liebe zum Ego und mit viel Herzblut zum Foul), doch scheinbar wird er dann erneut missverstanden. Zur Krönung kämen dann auch noch die Ü50-"Fans", die sich gegen ihren Verein stellen und dann pseudomoralische Kommentare posten wie: "Ich bin zwar Fan von Mannschaft A, aber das Foul fand ich auch sehr hart und finde, der Spieler sollte verkauft werden. Ich wünsche dem Gegenspieler gute Besserung und hoffe, sein blauer Fleck heilt schnell ab. Wenn ich Zeit habe, schicke ich Blumen. ♥ Fairplay."
Um dieser grauenvollen Kette an Ereignissen zu entgehen, die er im Kopf bereits in mehreren Szenarien durchgespult hat, flüstert er lieber eine nicht ganz ernst gemeinte Aussage ins Mikrophon und hat danach etwas mehr Ruhe.

Der Konjunktiv
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Fazit eines Spielers am Ende der Saison: „Hätten wir mehr Spiele gewonnen, wären wir jetzt nicht Letzter.“
Sinngemäße Interpretation: „Hätten wir mehr Spiele gewonnen, wären wir jetzt nicht Letzter.“

Wort und Inhalt stimmen hier tatsächlich überein. Selten, aber durchaus im Bereich des Möglichen. Diese Aussage hat eben andere Qualitäten, nämlich die schier unglaubliche Menge an Philosophie sowie eine nicht zu verachtende Prise Intelligenz. Inhaltlich passt sich das der Aussage "to be or not to be" an, oder einfacher: Hätte, wäre, wenn...
Dabei ist geradezu nervig, Spielern beim Philosophieren nicht ins Wort fallen zu dürfen. Die einfache mathematische Ungleichung mehr Punkte > weniger Punkte kann sich jeder noch so bildungsresistente Förderschüler zusammenreimen, wird aber als klassisch intelligent bei Fußballern bejubelt. Da wird also ein Spieler gefragt, was in der Saison hätte besser laufen müssen, damit man nicht in der Tabelle die anderen Vereine auf den Schultern trägt. Bei solchen Fragen bringt im Übrigen selbst Fips Asmussen ausdrucksstärkere Analysen auf den Tisch als jeder andere Spieler, der mit solchen hochphilosophischen Ansätzen des permutativen Konjunktivs die Sport-Bild zum Beben bringt. Und wo wir schon bei Philosophie sind... Wie würde es Philoctetes ausdrücken? "Drei Worte: Reine Zeitverschwendung!"

Fazit[Bearbeiten]

Darauf bezogen, dass Trainer, Spieler oder Manager gerne Aussagen treffen über alles, was sie bewegt, es aber nie so sagen dürfen, wie sie es gerne würden, entstehen teils sehr verzweigte, in sich zwar logische, aber nach außen hin niemals ehrliche Phrasen, die wir tagtäglich, oder zumindest einmal am Wochenende, von mindestens einem der oben genannten hören und die uns auch weiterhin immer wieder begegnen und auf die wir mit Freude reagieren werden: "Also wenn der das sagt, muss das ja stimmen!"

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Dieser Artikel aus den Namensräumen „Diverses“ oder auch „Spiegelwelten“ besitzt aufgrund seiner Qualität die Urkunde „Schatzkistentauglich“ und wird daher im Portal Rumpelkiste gelistet.
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