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Diverses:Studieren ist Pflicht (Tragödie)

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Rachel McAdams dreht sich lachend von meinen Zeitmaschinenplänen in diesem Artikel weg. Sie sieht dabei irgendwie süß aus.
Nach der Schule wollte ich immer Studieren. Ein klar definiertes Ziel, das sich direkt hinter Marc in Fifa schlagen, Rachel McAdams heiraten und eine Zeitmaschine bauen und in die Vergangenheit reisen, damit Rachel McAdams nicht 17 Jahre älter ist als Ich in meiner langen Liste an kurz- und langfristigen Zielen im Leben einreihte. Zumindest bis zu Anfang der 12. Klasse war das ein guter Plan. Bis dahin hatte ich immer Aaahs und Ohhhs empfangen, wenn ich auf die Frage, was ich denn nach der Schule machen wolle, stolz "Ich will studieren!" antwortete. Doch irgendwann damals folgte als Reaktion darauf keine pure Begeisterung mehr, sondern nur das nüchterne "Okay, und was?" meines Onkels. Ach du kacke. Was? Ähm... irgendwas Ausgefallenes vielleicht, zum Beispiel BWL oder so? Diese Antwort stellte ihn natürlich nicht zufrieden. Mich auch nicht. Wie sollte ich das auch wissen? Meine Eltern waren keine Ärzte oder Lehrer. Arztkinder enden als Ärzte und Lehrerkinder enden als Lehrer. Promi-Kinder enden in der Entzugsklinik, aber ich schweife ab. Fest steht, dass manch einer einen vorbestimmten Lebensweg geht, oder von seinen Eltern in einen idealisierten Karriereplan gedrückt wird. Meine Eltern hatten keinen Karriereplan für mich und meine Geschwister. Auf die Aussage meiner Schwester, dass das eindeutiges Desinteresse am Wohl der eigenen Kinder sei [1], antwortete mein Vater sehr weise: "Nein, gerade weil wir uns für euch und eure individuellen Bedürfnisse interessieren, haben wir keinen Karriereplan für euch." und ich korrigierte innerlich den Seid/Seit-Fehler meiner Schwester. Während ich verstand, was mein Vater meinte, antwortete meine Schwester mit eher unschönen Fäkalausdrücken und mein Vater schickte sie lautstark auf ihr Zimmer, doch das erwähne ich aus Harmoniegründen besser nicht. Ich hatte also die freie Auswahl, wohin es für mich in Zukunft gehen sollte - und fest stand:

Ich hatte keine Ahnung.

Auch ein halbes Jahr später noch nicht, als die Bewerbungsverfahren für sämtliche eventuelle Ausbildungsplätze oder FSJ-Stellen, die eine Alternative dargestellt hätten, bereits verstrichen waren.
Doch zum Glück ging es nicht nur mir so, Freunde hatten die gleichen Probleme. Nur Friedrich wusste, was er werden wollte, nämlich Arzt. Das lag aber nicht an seinen Eltern, Friedrich war einfach nur ein arschkriechender Streber. Aber Friedrich war eigentlich auch kein Freund, Friedrich war ein notwendiges Übel, wenn man jemanden haben wollte, von dem man die Hausaufgaben abschreiben darf. Das ging auch immer gut und die Schule ist schon lange Vergangenheit. Damals hatte ich mich mit einem "Ich schaue sicherlich mal bei deinem Bücherzirkel vorbei" auf Nimmerwiedersehen von Friedrich verabschiedet. Naja und außer Friedrich, wusste ehrlich gesagt auch noch Johannes, was er werden wollte. Chemielaborant nämlich, weil ihn ein Elefantenzahnpasta-Versuch aus der siebten Klasse nachhaltig begeistert hatte. Und Marvin wollte Steuerfachangestellter werden, Hakim Versicherungsvertreter, Miro Schauspieler. Alle drei hatten damals einen Ausbildungsplatz bereits fest in der Tasche. Meine Freunde hatten also eindeutig genau die gleichen Zukunftsprobleme wie ich. Eigentlich wusste nur Micha auch nicht, was er machen sollte. Eines Nachmittags beim Fifa zocken berief ich daher eine Krisensitzung ein.
"Micha, was soll ich studieren?" - Micha hatte keine Ahnung. Aber stattdessen rief er eine Liste im Internet mit Studiengängen auf und begann mich zu fragen.

Jura? - Zu trocken. Informatik? - Zu viel Mathe. Bauingenieur? - Zu viel Mathe. Betriebswirtschaft? - Macht doch jeder. Paläontologie? - Zu viel Mathe, antwortete ich und war froh, dass Micha niemals nachfragte, ob ich überhaupt wisse, was Paläontologie ist. Medizin? - Scheitert an meinen vier Punkten in Musik, das zieht den Schnitt zu sehr runter, den Numerus Clausus schaffe ich da nicht. Warum ein Medizin-Studium an so einer Note scheitern konnte, verstand ich erst Jahre später, als mir mein Arzt, während er eine Mittelohrentzündung diagnostizierte, etwas von Paukenhöhle und Trommelfell ins Ohr murmelte. Automatisierungstechnik? - Lernt man da Zeitmaschinen zu bauen? Bestatter? - Da sollen die Löhne nicht so gut sein. Bauphysik? - Unter meinem Niveau. Chemie? - Schon abgewählt. Ökologie? - Nein. Keine Gründe, es gab keine. Ich hatte keine Ahnung was so ein Studium beinhaltet hätte, aber einfach Nein. Public Relations? [2] - Ich will mich nicht verstellen müssen in meinem Beruf. WiWi? - Wie wie wie? Mediendesign? - Photoshop ist zu teuer. Politikwissenschaften? - Nein. Elektrotechnik? Energieinformatik? Errektionsstörung? Hörst du mir überhaupt noch zu? - Nein, nein, ja. Micha blickte mich erschrocken an: Wie ja? - Ja, einfach ja, na klar höre ich dir noch zu.

Micha war am Ende der Liste angelangt und surfte stattdessen auf spiegel.de rum, um intelligent zu wirken. "Oh, der Hartz-IV-Regelsatz wird runtergesetzt.", meinte er und guckte mich an. An welchen Unis kann man nochmal Paläontologie studieren?
Meine Mutter kam ins Zimmer:


Wie wär's, wenn du einfach das machst, was du möchtest und was dir Spaß macht und du dein Geld mit Schreiben, Kreativität und Unterhaltung verdienst?
Nee, das kann ich nicht.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Sie drückte es wohl eher so aus: "Ey maaaan, ihr interessiert euch überhaupt nicht für mich, ich bin euch scheißegal, ich schwöre ihr seit so schlechte Eltern"
  2. vgl. Von Beruf Sohn sein
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