Diverses:Eine Bahnreise

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Vorsicht Satire
Der folgende Text ist reine Satire. Das bedeutet, er nutzt Polemik, Übertreibung, oder einfach nur die Darstellung der Wirklichkeit. Aus diesen Gründen kann er nur unter äußerster Vorsicht Buchstabe für Buchstabe gelesen werden. Zu schnelles Lesen führt im Allgemeinen zu Uebelkeit, Erbrechen und Erkenntnis.

Die Deutsche Bahn regt mich schon seit einiger Zeit ziemlich auf, vor allem ihre Preispolitik. Neulich musste ich mal wieder mit dem Zug fahren, na ja, es war nicht so toll. Da ich wegen der Wartezeiten sowieso genug Leerlauf hatte, beschloss ich, das gesamte Elend mal auf Papier zu fassen. Mit Stift und extra dickem Notizbuch bewaffnet machte ich mich also auf dem Weg. Die Stupidedia genießt die Exklusivrechte an diesem Werk, bevor es die Bahn um die Ohren geschleudert bekommt.

Manchmal wünschte ich mir ein ähnlich schnelles Gefährt
Manchmal wünschte ich mir ein ähnlich schnelles Gefährt

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Sonntag

Zuerst erfreute ich mich über eine Neuerung im Tarifsystem des Beförderungsunternehmens. Wer seinen Fahrschein nämlich 3 Tage vor Abfahrt des Zuges erwirbt, bekommt 30% Rabatt. Das führt zu halbwegs erträglichen Preisen. Also ging ich schnell zum Bahnhof, um mir diesen zu besorgen. Dort fand ich zum ersten Mal Anlass und Zeit, mein Notizbuch zu zücken, es ging einfach nicht voran. Manche der 300 Fahrgäste neben mir begannen schon das Fluchen. Ich war da noch relativ entspannt, ich hatte mir in weiser Vorahnung etwas zu lesen mitgenommen: Harry Potter Band 1 bis 7.

Manche der Leute bekamen gegen Abend dann Hunger, ich lud sie in mein Zelt ein, um ihnen eine kleine Spezialität auf meinem Campingkocher zuzubereiten (diesen hatte ich mal schnell von zu Hause geholt). Nach fünf Stunden und 22 Mahlzeiten kannte ich die meisten schon mit Vornamen. Ich hoffte nur, mein Konservenvorrat würde noch bis Mittwoch reichen, da erwartete ich nämlich meinen Zug .

[Bearbeiten] Montag

Am diesem Tag machte ich große Fortschritte, in geistiger, sowie auch in fahrscheintechnischer Hinsicht. Ich kam zu der Meinung, der Bedienzuschlag von 5,50 T-€ ist durchaus berechtigt, hatte die freundliche Dame mit der hohen Stimme (mehr nahm ich von ihr bisher nicht wahr) doch in den zwei Tagen über 100 Passagiere bedient. Das Problem an der Sache war, dass im gleichen Zeitraum die doppelte Menge hinzustieß. Bis der Zug fahren würde, dauerte es nur noch etwas länger als einen Tag

[Bearbeiten] Dienstag

Der Schaffner - seit Beginn unserer Fahrt hat er 30 Kilo angenommen - sonst wäre er totgequetscht worden
Der Schaffner - seit Beginn unserer Fahrt hat er 30 Kilo angenommen - sonst wäre er totgequetscht worden

Als ich an diesem Morgen aufwachte, drang die frohe Kunde an mein Ohr. Der Kollege, der die letzten drei Monate von der heimtückischen Müßiggang-Krankheit betroffen war, konnte wieder arbeiten. Nun waren die beiden wenigstens einandhalb mal so schnell wie zuvor. Wie durch ein Wunder kam ich dann kurz vor Feierabend doch noch vor den Schalter. So bekam ich zwar keinen Frühbucher-Sparpreis mehr, dafür aber meinen Zug. Der Beamte händigte mir mein Ticket dann doch ermäßigt aus, der Zug hatte nämlich schätzungsweise drei Tage Verspätung. Das freute mich sehr, denn vom gesparten Geld konnte ich meinen Konservenvorrat wieder auffrischen.

[Bearbeiten] Mittwoch

Ich glaubte es nicht, ein Weltwunder war geschehen: Mein Zug war gekommen. Mir kamen die Tränen, als ich in das Gefährt einstieg. All die anderen weinten und winkten mir hinterher, sie hatten jetzt keinen mehr, der sie durchfüttert. Allerdings war es tröstlich, dass ich sie bei meiner (planmäßigen) Rückkehr in zwei Wochen eh alle wiedersehen würde. Mein Zelt hatte ich einem verzweifeltem Geschäftsmann geliehen, der versucht hatte, sich sein Ticket am Automaten zu lösen.

Der ICE mit dem ich jetzt fuhr, war sehr voll. Dennoch konnte ich mir einen Stehplatz direkt neben den Klo ergattern. Puh, nochmal Glück gehabt. Hier konnte ich mich wenigstens anlehnen solange sich die Tür nicht öffnete. Die fünf Leute, die sich drinnen befanden, kamen ohnehin selten heraus, es sei denn es musste mal einer aufs Klo. Zudem war ein Fenster in der Nähe, so dass sogar ein bisschen Tageslicht an meine Augen drang.

[Bearbeiten] Donnerstag

Der Zug fuhr heute langsamer, als er eigentlich konnte. Das machte aber nichts, so konnten wir in aller Ruhe die malerische Landschaft genießen. Das Wetter war prächtig, und es waren viele Familien auf Drahteseln unterwegs. Sie winkten uns immer zu, wenn sie an uns vorbeizogen. Währendessen lernte ich meine 20 Abteilgenossen immer besser kennen und weiß seitdem sogar über deren sexellen Neigungen Bescheid.

[Bearbeiten] Freitag

Das hätte gerade noch gefehlt
Das hätte gerade noch gefehlt

Wir erreichten mal wieder die Zivilisation in Form eines Bahnhofs. Bei unserer Einfahrt – 3 Stunden vorher – wiederholte der Zugbegleiter in blendendem Sächsisch noch mal die Anschlusszüge der vergangenen 3 Wochen, die wir übrigens fast alle noch erreichen konnten. Anschließend gab es das ganze noch mal auf englisch zu hören, denn die Bahn ist ja der „Official carrier“ der EM 2008. Diese war zwar schon lang vorbei, doch an Bord befanden sich noch einige Besucher, die damals in den Stadien zugestiegen waren. Man erkannte sie übrigens leicht an ihren Vollbärten, die sie locker um die Hüfte geschlungen trugen.

Zum Schluss verabschiedete er die Entstiegenen des Zuges und bedankte sich bei ihnen für das Reisen mit der deutschen Bahn. Allerdings stieg kaum jemand aus, denn das konnten ja noch Fahrgäste mit unmittelbarem Zugang zu einer Tür.Das waren blöderweise meist diejenigen, die gerade erst zugestiegen waren. 10 Minuten später empfahl der Sprecher einige Leckereien von der Speisekarte des Bistros, zum Beispiel ein Croissant mit Butter für 7,99 T-€. Das klangt verlockend, aber durch das Gedränge war einfach kein Durchkommen.

Dasselbe galt auch für den Schaffner, der im Platzkampf schon 30 Kilo abgenommen haben musste. Deshalb erleichterten wir ihm die Arbeit und kontrollierten uns gegenseitig. Traurig stellten wir fest, das viele Monatskarten keine Gültigkeit mehr besaßen. Öfter brauchten wir ihn dann aber doch, wenn es darum ging, Fahrscheine für diejenigen nachzulösen, die seit Abfahrt des Zuges hier geboren wurden. Zumeist erkennt man das schon am hohen Geschrei der Jungbabys.

[Bearbeiten] Samstag

Der Zug ist heute mal wieder mitten in der Nacht auf offener Strecke stehengeblieben. Die Ursache sei diesmal aber kein von Vegetation überwucherter Gleisabschnitt gewesen, sondern ein brennender Triebwagen. Ich war darüber doppelt verärgert, denn ich hatte auf meinen dreißig Quadratzentimetern gerade etwas Schlaf gefunden. Da an solchen jetzt nicht mehr zu denken war, hatte ich genug Zeit, auch diese Foltermethode genauestens zu notieren.

[Bearbeiten] Sonntag

Um der ansteigenden Hitze im Inneren des Zuges entgegenzuwirken, wurden vom freundlichen Serviceteam der „Deutschen Bahn AG“ gekühlte Getränke ausgegeben. Das Beste war, dass sie dies sogar kostenlos machten. Das Problem war, das der ausgeschenkte Kaffee vom Vortag noch übrig war. Der Strom fiel kurze Zeit später aus, doch der Flammenschein meines Camingkochers und des Nachbarmanns Kleider spendeten genug Licht, um diese Zeilen noch geschrieben haben zu können.

Ich habe meine Meinung zur Bahn grundlegend geändert. Noch nie habe ich eine Reise so bewusst, intensiv und naturverbunden erlebt wie diese. Gott sei Dank bin ich nicht mit dem Auto gefahren, niemals hätte ich so viele nette Leute kennengelernt. Zwei Tage später sollte ich dann tatsächlich auch ankommen.

Wie es mit dem glücklichen Bahnfahrer weitergeht erfahrt ihr in: Diverses:Eine Busfahrt

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Dieser Artikel aus den Namensräumen "Diverses" oder auch "Spiegelwelten"
besitzt aufgrund seiner Qualität die Urkunde "Schatzkistentauglich"
und wird daher im Portal Rumpelkiste gelistet
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