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Diverses:Die Entdeckung der Currywurst

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Kindheitserlebnisse prägen den Menschen und lenken sein weiteres Dasein in Bahnen, mit er zunächst nicht rechnet. So sind erste sexuelle Erfahrungen prägend, der erste Alkoholkonsum, die erste Zigarette und bestimmte Ernährungsgewohnheiten. Während der kindliche Gaumen an leicht verdauliche, meist geschmacksneutrale Nahrungsquellen gewohnt ist, entwickelt sich mit zunehmendem Alter die Abgrenzung der von den Eltern vorgesetzten Mahlzeiten zu einem eigenen, individuellen Geschmackserlebnis. Besonders einschneidend hat sich hierbei die Kenntnisnahme vom Vorhandensein der Currywurst herauskristallisiert.

Breiige Konsistenzen

Wenn dieses Kleinkind es besser wüsste, würde es "Wurst" verlangen. So symbolisiert diese Geste nur Hunger!

Als Kleinkind hat man kein Mitspracherecht, was meist darin begründet ist, dass man sich sprachlich noch nicht mitteilen kann! Säuglinge entwickeln zwar eine eigene Sprache, die auf Wää-Lauten beruhen und der Kommunikation untereinander dient, von den Eltern aber nur mühsam übersetzt werden kann. Linguisten haben die Lautmalerei von Kindern unter zwei Jahren entschlüsselt und stellten fest, dass es sich hauptsächlich um Mitteilungen rund um die Ernährung handelt. Da der Wortschatz und der Erfahrungsbereich dieser jungen Mitbürger begrenzt ist, werden in der Regel drei Ausdrücke von den Kindern gebraucht:

Hunger!“
„Du hast doch eben erst. Wieso kriegst du schon wieder was und ich nicht?! Ich will auch!“
und
„Satt!“

Ernährung stellt also bereits bei Neugeborenen den wichtigsten Motor zur weiteren sprachlichen Entwicklung dar. Üblicherweise wird als Nahrungsquelle die Brust der Mutter gewählt. Im Anschluss an diese nahrhafte, aber flüssige Energiezufuhr, stellen die Eltern die Ernährung um auf breiähnliche Substanzen, von denen behauptet wird, sie seien gesund. Allgemein gilt, dass gesunde Nahrung nicht schmeckt. Die verabreichten Massen enthalten aber alles, was der körperlichen Weiterentwicklung dienlich ist und verfahren hierbei nach dem Motto der Labskaus-, Stew- und Auflaufgenießer: es kommt sowieso alles in einen Magen.

Kinder dieser Entwicklungsphase bedienen sich erster von den Eltern verstandenen Worte und beginnen mit der Ablehnung des dargebotenen Mahls. So werden die Weichen für feste Nahrung gestellt.

Postpromiscue Ernährungsriten

Nahrungsgewohnheiten sind genau wie die Sprachentwicklung der Empirie unterlegen. Auch wenn die nun festen Nährstoffe abwechslungsreicher sind als die zuvor verabreichten Breie, unterliegen sie nicht der Selbstbestimmung durch die Heranwachsenden. Die Eltern suchen aus und es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Während Spinat, Kartoffelpüree und Tomatensoßen, um leisen Protest an der Zwangsernährung auszudrücken, mühelos ausgespuckt werden können, erweisen sich Brot, Gemüse und Fleisch als sperrig und werden von den Kindern geschluckt. Die Geschmackssensorik wird also um diese Produkte erweitert und nach einer gewissen Eingewöhnungszeit vom Gaumen akzeptiert.

Präcurrywurstige Nahrung

Mit Beginn der Schulzeit verändert sich die jugendliche Einstellung zum Ernährungsprogramm der Eltern. Während diese auf ausgewogene Speisen achten und Schulbrote mit Obst in den Scout-Tornister packen, entdecken die Kinder das Geschmackserlebnis von verbotenen Süßigkeiten und tauschen Hausaufgaben oder Prügel gegen die unterschiedlichen Schoko-Riegel oder Weingummi-Figuren. Den Eltern entgeht diese Abnabelung ihres Nachwuchses, da sie sich meist mit Scheidungsformalitäten herumschlagen und sich ohnehin nicht mehr mit vollem Einsatz um die Nöte ihrer Kleinsten kümmern können. Um mehr Zeit für sich haben, rücken die Eltern ab diesem Zeitpunkt Taschengeld und mahnende Worte heraus. Sie möchten, dass wirklich nur gesunde Schulspeisen von dem Geld gekauft werden, was die Kinder selbstverständlich durch die frühe Abneigung gegen derlei überhören. Der Weg zur selbstbestimmten Ernährung ist geebnet.

Im gelobten Land

Kein unübliches Bild am Imbissstand: der Neuling steht unsicher im Abseits und kurz vor dem Erlebnis Erste Currywurst seines Lebens. Danach ändert sich sein Dasein von Grund auf!

Das Taschengeld wird darauf verwandt, zunächst nur Süßigkeiten zu kaufen. Später erscheinen dann im Klassenverband erste Schüler, die ein Schuljahr wiederholen müssen und sich allein durch Alter und Lebenserfahrung von ihren Mitschülern unterscheiden. Sie posaunen herum, dass sie schon mal eine Currywurst gegessen hätten. Ohnmächtig vor Unbeholfenheit lauschen die Jüngeren den Worten der ein Jahr älteren Schüler. Currywurst geistert wie ein Zauberwort durch die Tischreihen. Die Magie und der Mythos der Currywurst ist begründet im Reiz des Unbekannten und Verbotenen. Jeder Schüler hat es jetzt gehört, aber niemand weiß genau, was das ist.

Mit Beginn der Pubertät ändert sich das Leben der vor sich her Pubertierenden schlagartig. Ein erfahrener Currywurstkenner nimmt einen Schüler nach Schulschluss mit zu einer Wurstbude und erklärt hinter vor gehaltener Hand, dass dies der Ort der geheimsten Wünsche sei. Der Wurst-Dealer, ein verschlagen und nicht sehr vermögend aussehender Herr, hantiert mit sicheren Griffen an fremdartig aussehenden Geräten, aus denen betörende Dämpfe entweichen. Der Currywurst-Novize traut kaum seinen Augen. Routiniert wirft der Budenbesitzer Kartoffelstreifen in heißes Fett, wendet längliche Würste auf einem Grill und verteilt gekonnt diverse Saucen auf die fertigen Gerichte. Noch schüchtern steht der Neuling mit großen Augen am Tresen. Der erfahrene Mitschüler gibt ihm einen Stoß und dann sprudeln die Worte, die sein weiteres Leben verändern sollen nur so aus ihm heraus:
„Eine...ä...Currywurst, bitte!“
„Jupp! Geht klar!“ antwortet der Mann hinter dem Tresen, „gehackert oder ganz?“
„Ä?“
Ratlos sieht der Jugendliche seinen erfahrenen Partner an.
„Mach mal gehackert! Und nich so scharf!“ Der Anfänger wirft einen bewundernden Blick auf den Currywurstkenner. Was der alles weiß. Und wie sicher er die hier notwendige Sprache beherrscht. Das möchte der Novize auch einmal können.
Pommes Schranke dabei?“ will der Wurstverkäufer noch wissen.
„Ne, lass ma. Is seine erste Wurst. Muss ja nich gleich alles aufm mal haben!“
„Oh, seine erste Wurst? Da will ich doch eine besonders Frische nehmen!“

Der Wurst-Dealer und der Freund des Jugendlichen lachen. Dieser hängt wie gefesselt an den Lippen des Erfahrenen. Er ist in wie in einem Traum gefangen. Diese Gerüche, der lockere Tonfall, die freundliche Stimmung verzaubern den Jüngling und versetzen ihn in eine aufgeregte Stimmung. Als dann noch zwei der wenig vorhandenen gut aussehenden Mädchen seiner Klasse kichernd an der Bude auftauchen, um sich ebenfalls eine Wurst zu bestellen, ist es um den Jungen geschehen. Noch bevor er den ersten Bissen zu sich nimmt, weiß er, dass dieser Imbissbudismus seine neue Welt sein soll.

Der erste Bissen

Hier wird deutlich, welche Faszination von der Currywurst ausgeht: wie trist und traurig verloren wirkt dagegen das frugale Mahl einer Bratwurst (rechts).

Zu seinem Erstaunen serviert der Dealer die Speise in einem nicht mehr als Wurst zu erkennenden Zustand. Die goldbraun gebratene Darmfüllung wird in eine Art Fleischwolf gesteckt und fällt nun in gleichmäßige Stücke auf einen handelsüblichen Pappteller. Der Händler schwappt eine Kelle rötlicher Soße darüber, unter der die Wurststücke verdeckt werden. Anschließend streut er ein gelbliches Zauberpulver über diese Mixtur und überreicht es dem Jungen. Als Beilage gibt es eine Scheibe Weißbrot. Und die sogar gratis!

„Na, dann lass dir die Zörriewurscht mal schmecken!“

"Schon wieder ein neues Wort!", denkt der Anfänger und ist tief beeindruckt.

Der Currywurst-Eleve bezahlt von seinem Taschengeld und nimmt mit zitternden Händen das Objekt seiner Begierde in Empfang. Mittels bereitgestellter Plastikgabel führt er ein ketchupgetränktes Fleischstück in den Mund. Die Sinnesexplosion am Gaumen verstört den Jugendlichen. Nicht, dass seine untrainierten Sensoren diesen Geschmack mögen, aber die Mischung aus tomatenlastiger Soße, dem eigenartig orientalisch schmeckenden Gewürz und letztlich die sich in seinem Mund mit den übrigen Zutaten vermischenden Wurststücke erheben ihn in einen Zustand ungewohnter Wolllust. Er fühlt sich frei, unbeschwert und schon irgendwie erwachsen. Nachdem die erste Ladung den Gang durch die Speiseröhre Richtung Magen antrat, nimmt der Junge einen Bissen Weißbrot. Das kennt er und er braucht es, um sich zu orientieren. Weißbrot, das ist alte Welt, Kindheit, früher. Er lebt diesen Unterschied mit jedem Stück Brot, dass er sich nun ganz einverleibt. Außerdem neutralisiert es den Geschmack. Hastig stürzt er sich anschließend auf den Rest der Currywurst. Das Gefühl des Schwebens lässt ihn nicht los und als der letzte Bissen verschlungen ist, hat sich sein Gaumen an den fremdartigen Geschmack gewöhnt. Er verlangt nach mehr. Als er die Augen, die er genießerisch geschlossen hielt, wieder öffnete, bemerkt er, dass die beiden Mädchen seiner Klasse ihn verschwörerisch anlächeln. Er wähnt sich im Siebenten Himmel.
„Na? Lecker, wa?“
Die Stimme seines Freundes holt ihn kurzfristig auf den Boden der Realität zurück. Verstohlen wischt er sich eine Freudenträne aus dem Augenwinkel, verabschiedet sich und läuft schnell nach Hause. Die Erinnerung an seine erste Currywurst lässt ihn in Tagträume versinken. Hausaufgaben, Computerspiele oder die Worte seiner Familie erreichen ihn an diesem Tag nicht mehr. Er sehnt sich nach diesem Gefühl zurück.

Die falschen Verführer

Treffpunkt verschlagener Gestalten: die Imbissbude. Hier wird die Jugend schnell verführt und in eine Abhängigkeit gebracht.

Wie nicht anders zu erwarten, treffen sich die beiden nächsten Tags erneut, um nach der Schule den Gang zur Imbissbude anzutreten. Der Dealer empfängt die Freunde mit einem breiten Lächeln. Seine Frage nach einer Currywurst bejahen die beiden und nach bereits kurzer Zeit kennt der Junge die Imbissbuden-Terminologie nebst den dazugehörigen Produkten. Schmerzlich erkennt er, dass sein Taschengeld für eine tägliche Dosis nicht ausreicht und er erlangt seine Eltern um eine zunächst moderate Erhöhung. Wofür er das ganze Geld brauche, wollen sie noch wissen, doch er gibt an, dass die Lehrmittelfreiheit ja abgeschafft sei und dass das Leben als Schüler teuer sei. Allein die Bücher und Hefte verschlängen Unsummen. Später spielt er Vater und Mutter gegeneinander aus, da diese in getrennten Wohnungen leben und nicht mehr miteinander sprechen. Den Trick hat er von seinem Freund, der es ähnlich angestellt hat.

Die schulischen Leistungen des jungen Menschen sinken rapide. Seine Gedanken kreisen nur noch um zwei Zentralfragen: Wann gibt’s Wurst und wie komme ich an Geld? Der Imbissbudenbesitzer, der ihm mittlerweile immer weniger unvermögend vorkommt, gewährt grundsätzlich keine Kredite. Das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Bankenkrise light

Wenn man kein Geld hat, sich aber Currywürste gönnen möchte, bieten sich verschiedene Möglichkeiten der Geldbeschaffung an. Zunächst leiht man sich Geld bei Verwandten (Oma und Opa) und hofft, dass man es nicht zurückzubezahlen braucht. Dieser Schritt kann aber nicht allzu oft durchgeführt werden, da die Großeltern den Trick irgendwann durchschauen und schlimmstenfalls auf Zurückzahlung des Kredites bestehen.

Weiterhin kann man sich vor Einkaufspassagen aufstellen und flotte Weisen mit der Mundharmonika feilbieten. Das Geld für eine Currywurst sollte dann schnell aufgetrieben sein, es sei denn, die Einzelhändler befürchten, dass Kunden durch den Lärm verschreckt werden und einen mit einem Knüppel von ihrem Laden wegjagen. Weiterhin kann man Jüngere abziehen, d. h. ihnen Schutz anbieten und dafür einen bescheidenen Obolus abverlangen. Dies geht aber auch nur so lange gut, bis die Kleinen ihren Eltern erzählen, was ihnen passiert ist. Dann hat man mit Strafen, bestenfalls mit Schulverweis, zu rechnen.

Die Currywurstbeschaffung stellt die Weichen für das zukünftige Leben bereits im Jugendalter: entweder endet man als Trickbetrüger, Hausierer oder Berufskrimineller. Oder man verbindet alles und wird Bankkaufmann/frau.

Legale Liquiditätsquellen

Natürlich ist es vermessen, zu behaupten, jeder Currywurstesser hätte kriminelles Potenzial. Der Großteil der Currygeschädigten meidet die Wege in die Illegalität. Für den mittellosen, vom Taschengeld abhängigen Jugendlichen bietet sich eine Lösung jenseits der Kriminalität an. Durch Gespräche, die in den Currywurstecken der Schule, behandelt werden, kursiert die Nachricht einer schülerspezifischen Geldquelle: Zeitungsaustragen.

Man spricht davon, dass Anwerber dieses Marktes sich in der Nähe von Schulen herumtreiben und durch eine vor sich her tragende Zeitung erkennbar sind. Viele Schüler sind auf Grund dieser nur wagen Information in die Fänge der Zeugen Jehowas geraten. Doch letztlich findet der Willige den Weg zum Verlagshaus und lässt sich einen Austräger-Bezirk zuweisen. Jetzt verdient er wenig, aber ausreichend Geld, um sich auch öfter die Krönung eines kulinarischen Höhepunkts zu gönnen: Currywurst mit Pommes rot/weiß. Was der Schüler nicht ahnt, ist dass er durch diese Tätigkeit indirekt gezwungen wird, seinen weiteren Lebensunterhalt durch geregelte Arbeit zu verdienen. Um sich auch weiterhin sein Lieblingsmahl finanzieren zu können, verzichtet er aufs umständliche Studieren oder wirft die Schule vorzeitig hin, um eine bezahlte Ausbildung zu beginnen. Currywurstkonsum und spätere intellektuelle Betätigung schließen sich demnach aus!

Die eigene Wustbude

Auch eine Ausbildung ist nicht befreit von Leistungsdruck. In der Berufsschule und im Ausbildungsbetrieb sind die Anforderungen hoch. Da die Currywurstabhängigen sich kaum auf die Leistungsanforderungen konzentrieren können, ist es möglich, dass die Ausbildung zu keinem positiven Ende führt. Bei einigen der Besessenen kommt es von vorn herein zu keinem Ausbildungsvertrag. Doch die Currywurst lässt einen in dieser Situation nicht allein und kann für die Seinen sorgen. Bevor man durchs soziale Netz rutscht, bietet sich dem Wagemutigen die Chance auf Selbständigkeit.

Statistisch gesehen ist der Weg in die Selbständigkeit jedoch kein erfolgversprechendes Modell. Um hier, in einem konkurrenzbedingten harten Klima zu überstehen, bedarf es Stehvermögen und einer gewissen Bedürfnislosigkeit. Auch ein finanzielles Polster, um, gerade in der Anfangszeit, die finanzschwache Durststrecke zu überbrücken, fehlt den Imbissbudisten, wenn sie noch jung sind. So ist das Projekt Eigene Wurstbude von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Im Anschluss an dieses Experiment ist der mittlerweile Erwachsene, dennoch Unerfahrene, verschuldet, ruiniert, mittel- und arbeitslos. Die vom Staate garantierten Überlebenschancen durch Hartz IV werden den jungen Menschen nun durch sein weiteres Leben begleiten.

Geschlechtsspezifische Suchtrelation

Der Konsum der beliebten Wurst weist geschlechtsspezifische Unterschiede auf. Während der maskulinische Typ die Wurst zwecks schnelleren Verzehrs gehackt zu sich nimmt, bevorzugt das weibliche Geschlecht die Wurst im Ganzen.

Männliche Currywurst-User neigen aufgrund ihrer ersten Erfahrungen dazu, das Bratgut als Symbol ihres Erwachsenwerden zu sehen. Sie verbinden Currywurst mit männlichem Imponiergehabe, können gegenüber Unerfahrenen mit ihrem Wissen angeben und halten die Wurst grundsätzlich als adäquates Glied ihrer Ernährungskette. Sie passen sich mit ihrer Mode den Regeln des Imbissbudismus an, was immer mit einer einfach gestrickten, praktischen und farblosen Kleidung einhergeht. Einzige Farbauflockerungen entstehen durch Ketchupflecken, die sich zwangsläufig als modisches Accessoire der bekennenden Currywurstesser bilden. Diese spielerischen Auflockerungen gelten später in Verbindung einer aus der Form geratenen Figur als Identifikation am Verkaufstresen.

Im Laufe der Jahre entwickelt der männliche Konsument ein Gruppengefühl, da man an der Imbissbude meist die gleichen Gestalten trifft. Erbauliche Gespräche, die generationsübergreifend an den Stehtischen behandelt werden, binden den jungen Mann ein in eine Welt, die jenseits der schulischen Erfahrungen liegt und erweitern seinen Horizont kurzfristig. Was ihm jedoch entgeht, ist, dass sich der Wissensstand an der Wurstbude nicht erhöht, sondern sich thematisch im Kreis dreht. Der jugendliche Neuling wird auch als Erwachsener die gleichen, von Vorurteilen und Ungerechtigkeiten handelnden Themen besprechen, wie er sie am ersten Tag am Stehtisch wahrnahm.

Diffiziler verläuft die Currywurst-Karriere für weibliche Verzehrerinnen. Als Mädchen fühlen sie sich beachtet in einer größtenteils maskulin geprägten Welt. Sie spüren die Blicke, die ihnen von den älteren Liebhabern scharfer Soßen entgegen oder hinterhergeworfen werden. Dies schmeichelt ihrer Seele. Die gleichaltrigen Jungs ihrer Klasse empfinden sie vor diesem Hintergrund als langweilig. Doch, auch wenn sie oft an der Imbissbude auftauchen, kommt es selten zu einer Assimilation mit den Stammgästen. Frauen gelten als schlauer als klassische Currywurstesser und erkennen frühzeitig die Nachteile des Grilllebens. Geistiger Stillstand, geringes Einkommen und schlechter Geschmack in Modefragen schrecken die meisten der sensiblen Schülerinnen frühzeitig davon ab, sich hier weiter einen Lebensmittelpunkt zu suchen.

Trotzdem gibt es Mädchen, die den Absprung nicht schaffen. Sie passen sich modisch und figürlich ihren männlichen Artgenossen an und verfallen der hier üblichen Sprache. Die Schule gerät gegenüber der Möglichkeit, hier einen Partner fürs Leben zu finden, deutlich in den Hintergrund. Hat sie an der Imbissbude einen Mann gefunden, dauert es nicht lange bis zur ersten Schwangerschaft.

Sollte sie zu diesem Zeitpunkt noch Schülerin oder in der Ausbildung sein, wird das Lehrziel geschmissen und sich nur noch um die neuen, mütterlichen Aufgaben gekümmert. Während der Schwangerschaft entwickelt sie einen Heißhunger auf Currywurst, sodass diese manchmal mehrmals täglich konsumiert wird. Der Figurverlust wird auf die Schwangerschaft geschoben und der Nachwuchs so schon pränatal in den Currywurstbann gezogen. Dieser Frauentyp taucht nach der Geburt erst mal ab und erst wieder am Imbiss auf, wenn die Kinder aus dem Gröbsten heraus und die Figur amorphe Züge angenommen hat.

So unterschiedlich die Geschlechter auch im Umgang mit der Currywurst sind, beide finden später als Erwachsene dennoch einen gemeinsamen Nenner. Diese Männer und Frauen widmen sich nur noch einem gemeinsamen Hobby: dem sommerlichen Wurst-Grillen auf dem Campingplatz oder in der Kleingarten-Parzelle.

Was Eltern tun können

Es gibt verschiedene Anzeichen für den Currywurstkonsum. Eltern, in aller Regel die Mutter, bemerken nicht nur eine Wesensveränderung bei ihrem Nachwuchs, sondern auch auffällige Ketchupflecken auf den T-Shirts. Während der charakterliche Wandel oft auf die Pubertät geschoben wird und deshalb nur schwer zu diagnostizieren ist, gilt der gemeine Ketchupfleck als untrügerisches Merkmal des heimlichen Wurstverzehrs.

Eltern sollten bei dieser Erkenntnis nicht in Panik verfallen. Aufklärende Gespräche könnten helfen, statistisch gesehen führen sie jedoch kaum zu einem positiven Ergebnis. Auch Verbote, Prügel oder Taschengeldkürzungen verfehlen ihr Ziel und treiben die Kinder höchstens in die Illegalität. Wirkliche Hilfe entsteht nur dann, wenn die Eltern die Currywurstbuden in unmittelbarer Nähe der Schule solange bewachen, bis der Sprössling wieder zu Hause ist. Doch dieser Weg ist mühsam und verlangt entsprechend viel Zeit. Die Erziehungsberechtigten stehen vor der schwierigen Entscheidung, den eigenen Beruf zu Gunsten ihres Kindes aufzugeben.

Wege des Ausstiegs

Die Warnungen können nicht drastisch genug sein!!!

Wenn Eltern bemerken, dass ihr Kind in die Currywurstabhängigkeit geraten ist, helfen neben der massiven Unterdrückung durch persönliches Erscheinen am Imbiss auch Eltern-Initiativen. Hierzu bilden sich betroffene Erwachsen in Gruppen und behindern den Verkauf der Currywurst an Jugendliche. Es wird sich immer jemand finden, der die Zeit hierfür aufbringt, sodass man nicht gleich seinen Beruf aufgeben muss. Die Schüler versuchen durch Ankleben eines falschen Bartes oder Tragen von Perücken, die Aufpasser zu täuschen. Ein gutes Personengedächtnis ist also zwingend nötig, wenn man aktiv in diesen Eltern-Initiativen mitwirken möchte.

Eine weitere Aufgabe dieser Gruppierung ist Einflussnahme auf die Politik, um die noch legalen Currywurstbuden zu verbieten, bzw. die Abgabe an Jugendliche unter 21 Jahren zu verbieten. Doch noch ist die Lobby der Currywurstmetzger zu einflussreich, als dass sich an diesem Zustand etwas ändert.

Eine Alternative zur direkten Verzehrshinderung stellen die verschiedenen Currywurstberatungsstellen dar. Auch Psychologen und Therapeuten bieten ihre Dienste an. Aufklärungs-DVDs, in denen die Abhängigkeit, die Fettleibigkeit, der geistige Verfall und die drohende Armut dramatisch dargestellt werden, sind über ECKE e.V. (Ernsthaftes Currywurst-Konsum-Ende e. V., Köln) zu beziehen.

Weblink

[1] Ehre, wem Ehre gebührt!

Macht Drogen!
Ich bin über 18.
Ich werd mal 18.
Es ist mir scheißegal.
holländische Heilpflanze
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